Ökumenischer Gottesdienst

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Ökumenische Taufvesper im Hildesheimer Dom (2014)

Ein Ökumenischer Gottesdienst ist ein gemeinsamer Gebetsgottesdienst von Christen verschiedener Konfessionen ohne Eucharistiefeier bzw. Abendmahl.[1]. Bei der Feier werden heilige Dinge (z.B. Ambo) oder Orte (Kirchengebäude) gemeinsam genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Wann

"Bei besonderen Anlässen, zum Beispiel bei Gebeten, die "für die Einheit" verrichtet werden, und bei ökumenischen Versammlungen, ist es erlaubt und auch erwünscht, dass sich die Katholiken mit den getrennten Brüdern im Gebet zusammenfinden. Solche gemeinsamen Gebete sind ein höchst wirksames Mittel, um die Gnade der Einheit zu erflehen, und ein echter Ausdruck der Gemeinsamkeit, in der die Katholiken mit den getrennten Brüdern immer noch verbunden sind: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20; „UR“, Nr. 8).

Das gemeinsame ökumenische Gebet wird besonders empfohlen während der "Gebetswoche für die Einheit der Christen" oder während der Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten.[2] Es wird auch für Treffen empfohlen, bei denen sich die Christen zum Studium oder zum gemeinsamen Handeln versammeln. Dasselbe trifft für Gelegenheiten zu, wo je nach Umständen eine Nation, eine Region oder eine Gemeinde Gott in Gemeinschaft danken oder ihn um Hilfe bitten will; dies gilt ebenso an einem Nationalfeiertag, in Zeiten des Unglücks oder der öffentlichen Trauer, am Tag, an dem der für das Vaterland Verstorbenen gedacht wird, usw.[3]

Warum

Es könnte ausgerichtet sein zum Beispiel auf das Mysterium der Kirche und ihre Einheit, auf die Taufe als sakramentales Band der Einheit oder auf die Erneuerung des persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens als notwendiger Weg, um die Einheit zu vollenden. Das gemeinsame Gebet wird Christen empfohlen, damit sie so ihre gemeinsamen Nöte und Sorgen zusammen vor Gott tragen - zum Beispiel den Frieden, soziale Fragen, die gegenseitige Liebe zwischen den Menschen, die Würde der Familie, die Auswirkungen der Armut, des Hungers, der Gewalt usw.[4]

Solch eine aussersakramentale Liturgie dient vor allem der Einheit der Christen, zu der sich die Katholische Kirche auf dem II. Vatikanischen Konzil verpflichtete. Das Dekret Unitatis redintegratio erläutert, wie die Einheit, die Christus für seine Kirche will, zustandegebracht wird "durch die treue Predigt des Evangeliums" [...]; es definiert diese Einheit als bestehend "im Bekenntnis des einen Glaubens, in der gemeinsamen Feier des Gottesdienstes und in der brüderlichen Eintracht der Familie Gottes".[5]

Wo

Obwohl die Kirche ein Ort ist, an dem die Gemeinde normalerweise gewohnt ist, ihre eigene Liturgie zu feiern, können die gemeinsamen Gottesdienste, von denen hier gesprochen wurde, in einer Kirche der einen oder anderen beteiligten Gemeinde mit der Zustimmung aller stattfinden. Der Ort, der gewählt wird, sollte allen zusagen, angemessen eingerichtet werden können und Andacht ermöglichen.[6]

Wer

Ein solches Gebet sollte in gemeinsamer Übereinstimmung unter Mitwirkung der Vertreter der Kirchen, kirchlicher Gemeinschaften oder anderer Gruppen vorbereitet werden. Gemeinsam sollten sie untereinander entscheiden, wie jeder daran teilnimmt, und die Themen, Schriftlesungen, Lieder und Gebete aussuchen. Mit der Billigung aller Teilnehmer können jene, die eine Aufgabe im Gottesdienst übernehmen, die Kleidung tragen, die ihrem kirchlichen Rang und der Art der Feier entspricht. In einigen Fällen kann es nützlich sein, unter der Leitung von Personen, die eine besondere Ausbildung und Erfahrung haben, geistliches Miteinander zu pflegen in der Form von Rekollektionen, Exerzitien, in Gruppen, in denen gemeinsam studiert wird und in denen man sich gemeinsam auf spirituelle Traditionen besinnt sowie in dauerhafteren Gemeinschaften, die der Vertiefung eines gemeinsamen spirituellen Lebens dienen.[7]

Wie

Vgl.: Ökumenisches Direktorium, Nr. 111.

a) Eine solche Feier kann alle Lesungen, Lieder und Gebete umfassen, die das zum Ausdruck bringen, was allen Christen im Glauben und im geistlichen Leben gemeinsam ist. Sie kann folgendes beinhalten: eine Predigt, eine Ansprache oder eine biblische Meditation, die aus dem gemeinsamen christlichen Erbe schöpft und die das gegenseitige Wohlwollen und die Einheit fördert.

b) Es ist darauf zu achten, dass die Übersetzungen der Heiligen Schrift, die man verwendet, für alle annehmbar und getreue Übersetzungen des Originals sind.

c) Es ist wünschenswert, dass der Aufbau dieser Feiern den unterschiedlichen Modellen des gemeinschaftlichen Gebetes, die im Zuge der liturgischen Erneuerung in vielen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften vereinbart wurden, Rechnung trägt. Dabei muss eine besondere Aufmerksamkeit dem gemeinsamen Erbe von Liedern, Texten aus den Lektionaren und liturgischen Gebeten geschenkt werden.

d) Bei der Vorbereitung von Gottesdiensten von Katholiken und Gliedern einer Ostkirche muss genau auf die liturgische Ordnung, die jeder Kirche eigen ist, geachtet werden - in Übereinstimmung mit dem, was in Nr. 115 gesagt wird.

Große Aufmerksamkeit muss stets dem gewidmet werden, was über die Anerkennung der tatsächlichen Unterschiede in der Lehre gesagt worden ist, und der Lehre und Ordnung der Katholischen Kirche bezüglich der Teilnahme an den Sakramenten.[8]

Kein Ersatz für die Eucharistiefeier am Sonntag

Vgl.: Redemptionis sacramentum, Nr. 167; vgl. Sonntagspflicht.

«Es ist nicht gestattet, die sonntägliche heilige Messe durch ökumenische Wortgottesdienste, durch gemeinsame Gebetstreffen mit Christen, die den [...] kirchlichen Gemeinschaften angehören, oder durch die Teilnahme an ihren liturgischen Feiern zu ersetzen».[9] Falls der Diözesanbischof in einer drängenden Notlage die Teilnahme von Katholiken ad actum (im Einzelfall) erlaubt, müssen die Hirten dafür Sorge tragen, dass bei den katholischen Gläubigen keine Verwirrung bezüglich der Notwendigkeit entsteht, auch unter solchen Umständen zu einer anderen Tageszeit an einer Messe teilzunehmen, wie es geboten ist. Aus diesem Grund ist es nicht ratsam, am Sonntag ökumenische Gottesdienste zu halten.[10]

siehe: Interzelebration, Communicatio in sacris, Wort-Gottes-Feier, Sonntagspflicht

Weblinks

Anmerkungen

  1. Ökumenischer Gottesdienst bei kirchensite.de
  2. Päpstlicher Rat für die Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus, (AAS 85 [1993] 1039-1119), Nr. 110.
  3. Ökumenisches Direktorium, Nr. 109.
  4. Ökumenisches Direktorium, Nr. 109.
  5. Ökumenisches Direktorium, Nr. 20; UR 2; LG 14; CIC, can. 205 und CCEO, can. 8.
  6. Ökumenisches Direktorium, Nr. 112.
  7. Ökumenisches Direktorium, Nr. 111+113+114.
  8. Ökumenisches Direktorium, Nr. 114.
  9. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 30: AAS 95 (2003) 453-454; vgl. auch Ökumenisches Direktorium, Nr. 115.
  10. Vgl. Ökumenisches Direktorium, Nr. 115.
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