Christliches Sittengesetz

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Vater unser, Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden (Mt 6,9-10 EU)

Das christliche Sittengesetz ist das sittliche Gesetz, das Gott durch seinen Sohn Jesus Christus im Neuen Bund geoffenbart hat. Es ist das Gesetz des Evangeliums, das durch den Glauben an Christus geschenkt wird und wirkt durch die Liebe des Heiligen Geistes (KKK 1966).

Das christliche Sittengesetz wird Neues Gesetz genannt, bezüglich des Neuen Testamentes, im Gegensatz zum Alten Gesetz des Alten Testamentes. Es ist das von Jesus Christus geoffenbarte Sittengesetz, im Gegensatz zu dem Mose geoffenbartem Gesetz. Es ist das übernatürliche Sittengesetz, im Gegensatz zum Natürlichen Sittengesetz. Es wird auch Gesetz der Liebe, der Gnade oder der Freiheit genannt.

Das Gebet des neuen Gesetzes ist das Vaterunser (KKK 1969).

Inhaltsverzeichnis

Inhalt des christlichen Sittengesetzes

Das christliche Sittengesetz beinhaltet das natürliche Sittengesetz.[1] Das christliche Sittengesetz kommt vor allem in den Seligpreisungen der Bergpredigt (Vgl. Mt 5-7) zum Ausdruck (KKK 1965) und lehrt, was wir zu tun haben, und gibt uns durch die Sakramente die Gnade, dies dann auch wirklich zu tun (KKK 1966, 1983). Zur Predigt des Herrn kommen die sittlichen Weisungen der Apostel hinzu,[2] insbesondere durch die Darlegung der Tugenden, die sich aus dem Glauben an Christus ergeben und die durch die Liebe beseelt werden[3] (KKK 1971).

Das neue Gesetz enthält neben seinen Geboten die evangelischen Räte.[4] Die Räte geben direktere Wege und tauglichere Mittel dazu an und sollen je nach der Berufung eines jeden in die Tat umgesetzt werden (KKK 1974).[5]

Die Vollkommenheit des neuen Gesetzes besteht wesentlich in den Geboten der Liebe zu Gott und zum Nächsten (KKK 1974), einander zu lieben, wie Christus uns geliebt hat[6] (KKK 1970). So bringt das Evangelium das Gesetz zur Vollendung, indem es fordert, vollkommen zu sein wie der himmlische Vater (Vgl. Mt 5,48 EU) und der göttlichen Großmut entsprechend, den Feinden zu vergeben und für die Verfolger zu beten (Vgl. Mt 5,44 EU); (KKK 1968).

Neues und Altes Gesetz

Das Neue Gesetz des Evangeliums (des Neuen Testamentes) „erfüllt“ (Vgl. Mt 5,17-19 EU), verfeinert, überragt und vervollkommnet das altes Gesetz des Alten Testamentes (KKK 1967, 1984). Dessen Verheißungen werden durch die Seligpreisungen des Himmelreiches erfüllt, und dessen Gebote durch die Erneuerung des Herzens, dem Ursprung aller Handlungen (KKK 1984). Die Bergpredigt schafft die sittlichen Vorschriften des alten Gesetzes keineswegs ab und setzt sie nicht außer Kraft, sondern offenbart die in ihm verborgenen Möglichkeiten und läßt aus ihm neue Forderungen hervorgehen; das neue Gesetz offenbart die ganze göttliche und menschliche Wahrheit des alten Gesetzes. Es fügt ihm nicht neue äußere Vorschriften hinzu. Hier bilden sich der Glaube, die Hoffnung und die Liebe und mit ihnen die anderen Tugenden. Wenn das alte Gesetz auch die Gebote der Liebe gab, so wurde durch es doch nicht der Heilige Geist verliehen, durch den ‚die Liebe in unsere Herzen ausgegossen ist‘ (Röm 5,5 EU)“.[7]

Gesetz der Liebe, der Gnade oder der Freiheit

Das neue Gesetz wird Gesetz der Liebe genannt, weil es mehr aus Liebe,[8] die der Heilige Geist eingießt, handeln läßt als aus Furcht. Es heißt auch Gesetz der Gnade, denn es schenkt die Gnade, aus der Kraft des Glaubens und der Sakramente zu handeln. Es wird auch als Gesetz der Freiheit bezeichnet (Vgl. Jak 1,25 EU; 2,12 EU), weil es uns von den rituellen und rechtlichen Vorschriften des alten Gesetzes befreit, uns bereit macht, unter dem Antrieb der Liebe spontan zu handeln, und uns aus dem Stand des Knechtes, „der nicht weiß, was sein Herr tut“, in den eines Freundes Christi erhebt – „denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15) – und in den Stand des erbberechtigten Sohnes einsetzt.[9]

Natürliches und übernatürliches Sittengesetz

Gott fordert vom Menschen dass er seiner Wirklichkeit entsprechend lebe und handle. Diese Wirklichkeit umfasst sowohl das natürliche Menschenwesen, als auch das übernatürliche Sein, durch das Gottes Gnadenwalten den Menschen über sich selbst hinaus erhebt. Entsprechend unterscheidet man zwischen einem natürlichen und übernatürlichen Sittengesetz. Das natürliche erhält von dem übernatürlichen Sittengesetz erst das volle Licht.[10] Das christliche Sittengesetz des Glaubens beinhaltet das natürliche Sittengesetz. Es ist die vollendete irdische Gestalt des natürlichen und geoffenbarten göttlichen Gesetzes (KKK 1965).

Der Weg des Menschen, das sittlich übernatürliche Endziel zu erreichen

"Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren." (Joh 14,21 EU)

Von Gott zum übernatürlichem Ziel der Ewigen Seligkeit im Himmel bestimmt, kann für den Menschen die Erfüllung des Natürlichen Sittengesetzes nicht zur Erreichung seines Zieles genügen. Erst die Heiligung durch Gott in der Gnade richtet den Menschen und seine Erfüllung des Natürlichen Sittengesetzes genügend auf das übernatürliche Ziel aus. Darum tritt an den Menschen die über das Naturgesetz hinausgehende Pflicht heran, sich um die Heiligung durch die Gnade zu mühen, soweit das bei ihm selbst liegt. In der Ordnung der Erlösung durch Christus bedeutet das die Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche durch die Taufe, sodann die Pflege des sakramentalen Lebens gemäß der Anordnung Christi, schließlich ein Leben im Glauben an den Erlöser und seine Offenbarung und in der Liebe zum erlösenden Gott und in der Hoffnung auf ihn. Dieses alles gehört nicht zum Bereich des Natürlichen Sittengesetzes, sondern bildet das übernatürliche Sittengesetz das Gott, unserer Erhebung in die Übernatur entsprechend, durch seine Offenbarung gegeben hat. Von sich aus können es die Menschen nicht erkennen.[11]

Auslegerin beider Sittengesetze

Jesus Christus hat, als er dem Petrus und den übrigen Aposteln an seiner göttlichen Gewalt Anteil gab und sie aussandte, alle Völker zu lehren, was er uns geboten hat [12], sie zu zuverlässigen Wächtern und Auslegern des ganzen Sittengesetzes bestellt, das heißt nicht nur des Christlichen Sittengesetzes, sondern auch des natürlichen Sittengesetzes.[13] Dem vom Heiligen Geiste geführten Lehramt untersteht das gesamte natürliche Sittengesetz, weil auch dieses den Weg des Menschen zu seinem übernatürlichen Ziel ausmacht. Weil in Sittenfragen der erbsündliche Mensch zur Ungebundenheit neigt und infolgedessen leicht die wahre Erkenntnis verfehlt - was man will, das glaubt man gern -, darum begrüßt es die wahre kirchliche Gesinnung, dass in allen Fragen des Lebens: der Ehe, der Familie, der Gesellschaft, ja auch der Wirtschaft und der Politik, soweit sie das Sittengesetz berühren, die Menschen sich auf eine unfehlbare Autorität stützen können.[14] "Die Kirche ist (aber) nicht Urheberin dieser beiden Gesetze. Deshalb kann sie darüber nicht nach eigenem Ermessen entscheiden, sondern nur Wächterin und Auslegerin sein."[15]

Wiederherstellung des übernatürlichen Sittengesetzes

Die Buße und Sühne ist ihrer Natur nach eine Anerkennung und Wiederherstellung der sittlichen Weltordnung, die auf dem ewigen Gesetz, das heißt auf Gott selbst, beruht. Wer Gott für die Sünde Genugtuung leistet, anerkennt damit ohne weiteres die Heiligkeit der höchsten Sittengesetze, ihre innere verpflichtende Macht und die Notwendigkeit einer Genugtuung gegenüber ihrer Verletzung.[16]

Literatur

siehe: Goldene Regel

Anmerkungen

  1. Erzbischof Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1952, Sp. 1100 - Sittengesetz (1352 Spalten).
  2. Vgl. etwa Röm 12–15 EU; 1 Kor 12–13 EU; Kol 3–4 EU; Eph 4–5 EU.
  3. „Eure Liebe sei ohne Heuchelei ... Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan ... Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft!“ (Röm 12,9–13).
  4. Die überlieferte Unterscheidung zwischen den Geboten Gottes und den evangelischen Räten wird in Bezug auf die Liebe, die Vollkommenheit des christlichen Lebens, getroffen. Die Gebote sollen aus dem Wege räumen, was sich mit der Liebe nicht vereinbaren läßt. Ziel der Räte ist es, zu beheben, was die Entfaltung der Liebe hemmen kann, auch wenn es nicht gegen sie verstößt (KKK 1973).
  5. Gott „will nicht, daß jeder alle Räte befolge, sondern nur jene, die den jeweils verschiedenen Personen, Zeiten, Anlässen und Kräften angemessen sind, so wie die Liebe es erfordert. Denn sie ist die Königin aller Tugenden, aller Gebote, aller Räte, kurz aller christlichen Gesetze und Taten und gibt ihnen allen Rang und Ordnung, Zeit und Wert“ (Franz von Sales, amour 8,6).
  6. Vgl. Joh 15,12 EU; Vgl. Mt 22,37-40 EU; Mk 12,29-31 EU; Lk 10,27 EU.
  7. Thomas von Aquin, s. th. 1 – 2,107,1, ad 2: KKK 1964.
  8. Vgl. auch: KKK 1965.
  9. Vgl. Gal 4,1–7.21–31 EU; Röm 8,15 EU; KKK 1972, 1985.
  10. Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Sp. 1098-1099.
  11. Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Sp. 1099+1100.
  12. Vgl. Mt 28,18-19 EU.
  13. Paul VI.: Humanae vitae, über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens 1968, Nr. 4.
  14. Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Sp. 1100.
  15. Humanae vitae, Nr. 18; Johannes Paul II. Enzyklika Veritatis splendor, 6. August 1993, Nr. 104; Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben Dilecti amici an die Jugendlichen der Welt zum Internationalen Jahr der Jugend vom 31. März 1985; Päpstlicher Rat für die Familie Vademecum für Beichtväter zu einigen Fragen der Ehemoral, Nr. 10 vom 12. Februar 1997.
  16. Pius XI.: Enzyklika Caritate christi compulsi vom 3. Mai 1932, Nr. 24.
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