Pierre Claverie und 18 Gefährten

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Pierre Claverie und 18 Gefährten, sind Ordensmänner und -frauen, welche am 8. Dezember 2018 in Algerien seliggesprochen wurden. Die Seligsprechungsfeier fand im Marienheiligtum »Notre Dame de Santa-Cruz« auf dem Mont Aidour oberhalb der Stadt Oran statt und wurde vom Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse Giovanni Kardinal Becciu geleitet. Seit 2007 lief das kirchenrechtliche Verfahren. Der Postulator des Seligsprechungsprozesses war Thomas Georgeon.

Diese zwischen 1994 und 1996 ermordeten 19 seligen Märtyrer gehörten zu acht verschiedenen Orden und Kongregationen. Sie trafen die freie Entscheidung, trotz der Gefahr für Leib und Leben in dem muslimischen Land und bei der Bevölkerung zu bleiben. Der Alltag war in den 1990-er Jahren von Hass und Gewalt gezeichnet. Sie alle wollten eine Mission der Kirche leben, die man als prophetisch bezeichnen kann: eine friedliche und brüderliche Atmosphäre des Dialogs und der Freundschaft zwischen Christen und Muslimen fördern in der sicheren Überzeugung, von dem einen Gott geliebt zu werden. Bischof Claverie pflegte zu sagen: »Wir sind weder Propheten noch Fanatiker noch Helden […], aber wir haben Beziehungen zu den Algeriern geknüpft, die durch nichts zerstört werden können, nicht einmal durch den Tod. Darin sind wir Jünger Jesu Christi, und das ist alles.«[1]

Die Seligen sind:

  • Bischof Pierre Claverie (1938-1996) aus dem Dominkanerorden, Bischof von Oran, ermordet durch ein Bombenattentat am Eingang seiner Bischofskirche am 1. August 1996 zusammen mit einem 22 Jahre alten muslimischen Freund, Mohamed Bouchikhi. Claverie wurde 1938 als Sohn französischer Eltern in Algerien geboren. Für das Studium ging er nach Frankreich, wo er auch in den Predigerorden eintrat. 1967 kam er nach Algerien zurück und wurde 1981 zum Bischof der zweitgrößten Stadt des Landes ernannt. Er galt als großer Kenner des Islam und setzte sich stark für den interreligiösen Dialog ein. Die Bevölkerung von Oran nannte ihn den "Bischof der Muslime". Gemeinsam mit seinem muslimischen Fahrer Mohamed Bouchikhi wurde der Dominikaner beim Betreten des Bischofspalastes von einer Bombe getötet.[2]
  • Bruder Hen­ri Vergès (Maristen-Schulbruder aus Frankreich,Lehrer und Bibliothekar), ermordet in der Bibliothek der Erzdiözese Algier am 8. Mai 1994.
  • Schwester Paul-Hélène Saint-Raymond (Kleine Schwestern von der Aufnahme Mariens in den Himmel, ausgebildete Krankenschwester aus Frankreich), ermordet in der Bibliothek der Erzdiözese Algier am 8. Mai 1994.
  • Schwester Esther Paniagua Alonso (Augustiner-Missionsschwes­tern aus Spanien), ermordet am 24. Oktober 1994.
  • Schwester Caridad Alvarez Martin (Augustiner-Missionsschwes­tern aus Spanien), ermordet am 24. Oktober 1994.
  • Schwester Bibiane Leclercq, Missionsschwester Unserer Lieben Frau von den Aposteln, ermordet am 3. September 1995.
  • Schwester Angèle-Marie Littlejohn, Missionsschwesten Unserer Lieben Frau von den Aposteln), ermordet am 3. September 1995.
  • Schwester Odette Prévost (Kleine Schwester vom Heiligsten Herzen), ermordet am 10. November 1995.
  • Vier weiße Väter (drei Franzosen und ein Belgier) aus der Gesellschaft der Missionare von Afrika (P. Alain Dieulangard, P. Charles Deckers, P. Christian Chessel, P. Jean Chevillard), ermordet im nordalgerischen Tizi Ouzou am 27. Dezember 1994.
  • Sieben Mönche von Tibhirine aus dem Zisterzienserorden der strengen Observanz (P. Chris­tian de Chergé, Bruder Luc Dochier, P. Christophe Lebreton, P. Célestin Ringeard, Bruder Michel Fleury, Bruder Paul Favre-Miville, P. Bruno Le­marchand), entführt am 27. März 1996 und anschließend ermordet. Der mehrfach preisgekrönte Film "Von Menschen und Göttern" aus dem Jahr 2010 des französischen Regisseurs Xavier Beauvois hat das Martyrium der sieben Trappisten von Tibhirine einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Mönche hatten sich während des Bürgerkriegs entschieden, trotz der Bedrohung durch die Islamisten, ihr Kloster nicht zu verlassen. Ihnen war wichtig, durch ihre Arbeit und eine Krankenstation mit der muslimischen Bevölkerung im kargen Atlas-Gebirge im Kontakt zu stehen. Im Mai 1996 drangen Terroristen in das Kloster Notre-Dame de l'Atlas ein und entführten sieben Mönche. Zwei ihrer Mitbrüder konnten sich verstecken. Die Islamisten versuchten mit ihnen als Geiseln die Freilassung eines gefangenen Anführers zu erzwingen. Nachdem dies scheiterte, enthaupteten sie die Mönche. Im Mai wurden ihre Köpfe gefunden. In Vorahnung seines Todes schrieb der Prior des Klosters, Pater Christian de Chergé, ein geistliches Testament. Er drückt darin aus, wie er sein Leben verstanden hat: "Wenn es mir eines Tages geschehen sollte – und das könnte schon heute sein –, dass ich ein Opfer des Terrorismus werde (…), dann möchte ich, dass meine Gemeinschaft, meine Kirche und meine Familie sich daran erinnern: Mein Leben war Gott und diesem Land geschenkt." Die Muslime der Umgebung fingen schon kurz nach dem Tod der Mönche an, sie zu verehren und an ihren Gräbern zu beten.[3] Der 700 Seiten umfassende Antrag zur Seligsprechung war erst im Juli 2016 bei der Heiligsprechungskongregation im Vatikan eingereicht worden.

Anmerkungen

  1. Osservatore Romano am 7. Dezember 2018, S. 6 Von Thomas Georgeon, Postulator (Orig. in O.R. franz. 27.11.2018)
  2. Algerische Märtyrer: "Unser Leben ist ohnehin schon gegeben" Katholisch.de am 8. Dezember 2018
  3. Algerische Märtyrer: "Unser Leben ist ohnehin schon gegeben" Katholisch.de am 8. Dezember 2018
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