Ad-limina-Ansprache von Papst Johannes Paul II. an die BBK am 28. Oktober 1982

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Ansprache von Papst Johannes Paul II. an die Berliner Bischofskonferenz beim Ad-limina-Besuch am 28. Oktober 1982

(Offizieller deutscher Text und Quelle: AAS 75 [1983] S. 49-53)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Liebe Brüder im Bischofsamt !

In herzlicher Freude fühle ich mich Euch bei dieser gemeinsamen Begegnung verbunden, nachdem ich bereits jeden einzelnen im Rahmen Eures diesjährigen »Ad-limina« Besuches getroffen habe. In Eurer Person stehen mir die verschiedenen Seelsorgsgebiete lebendig vor Augen, die Euch anvertraut sind, und vor allem die Menschen dort, die mit Euch die katholische Kirche in der Deutschen Demokratischen Re- publik bilden : die Priester, Diakone und Ordensleute, die Laienhelfer und alle Gläubigen. Seit Eurem letzten derartigen Besuch bei Papst Paul V I . hat der Herr zwei herausragende Mitbrüder Eurer Bischofs- konferenz aus dem Hirtendienst abberufen, den hochverehrten Kardinal Bengsch und den mir ebenfalls gut bekannten Bischof Aufderbeck. Sie bleiben uns in dankbarer Erinnerung. Ihren beiden Nachfolgern erbitte ich Gottes besonderen Segen. Zugleich möchte ich in Bischof Meisner, verbunden mit einem herzlichen Glückwunsch, den neuen Vorsitzenden der Berliner Bischofskonferenz begrüßen und dem verehrten V orgänger in diesem Amt, Bischof Schaffran, Dank und Anerkennung für seinen Dienst an der Kirche in Eurem Lande bezeugen.

Liebe Mitbrüder ! Eure persönlichen Berichte über die seelsorgliche Lage in Euren Gebieten sowie die Darstellung, die uns soeben Euer Vorsitzender gegeben hat, habe ich aufmerksam und in brüderlicher Solidarität verfolgt. Laßt mich nun einige Gedanken davon aufgreifen und Eurer vertiefenden Betrachtung anvertrauen.

1. Die gelebte und praktizierte Einheit der Bischöfe einer Ortskirche mit dem Papst als dem Bischof von Rom und dem Garanten der weltweiten Einheit der Kirche Christi ist und bleibt eine wesentliche Bedingung für die notwendige innere Freiheit und Selbstbestimmung jeder Ortskirche. Diese Einheit macht sichtbar, daß der Verbund der Ortskirchen der Welt die im staatlichen Bereich gegebenen Grenzen überschreitet. Kirchliche Gemeinschaft ist deutlich unterschieden von jeder politischen Organisationsform. Eine katholische Ortskirche kann wesensgemäß niemals zu einer reinen Landeskirche werden; sie ist immer katholische Kirche in einem Land. Den Internationalismus, den moderne Staaten heute in verschiedener W eise zu einem W ert und Ziel ihres Handeln machen, hat die Kirche bereits seit ihren Anfängen auf ihre Weise praktiziert. Mit dem Namen »katholisch« bezeichnen wir eben diese grenzüberschreitende Wesensart der Kirche. Durch die heutige mitbrüderliche Begegnung mit ihrem freimütigen, vertrauens- vollen Gedankenaustausch realisieren wir diesen katholischen Charakter der Kirche. Ich darf Euch dabei versichern, daß Eure Sorgen auch meine Sorgen, daß Eure Freuden auch meine Freuden sind, so wie auch ich mir von Euch ein geistiges Mittragen meiner Aufgaben und L asten erhoffe.

2. Die innerlich bejahte und vollzogene Einheit mit dem Papst und der weltweiten Kirche gibt Euch dann auch die Kraft, die Einheit innerhalb Eurer Bischofskonferenz beständig und aufmerksam zu leben. An sich berechtigte Einzelinteressen oder unterschiedliche Bewertun- gen sind dabei immer wieder neu untereinander abzuwägen, um zu einer gemeinsamen Linie integriert werden zu können. Diese gibt dann dem einzelnen Oberhirten eine wertvolle Hilfe und eine größere Sicherheit bei der Suche nach pastoralen Antworten .auf die. Probleme seiner Gläubigen. Die Bereitschaft, solche gemeinsamen Handlungsmaximen herzustellen und zu vertreten, wird natürlich um so größer sein, je besser das brüderliche Zusammenwirken aller Mitglieder Eurer Kon-ferenz gesichert wird und je mehr sich jeder einzelne unter Euch mit seinen speziellen Anliegen und Vorschlägen verstanden fühlt. Bedenkt dabei auch, daß die überzeugend gelebte Einheit unter Euch Bischöfen ein starkes M otiv für den Willen zur Einheit bei Euren Priestern darstellt. Dankbar möchte ich an dieser Stelle bemerken, daß diese innere Einheit Eurer jeweiligen Presbytérien bisher stark und vorbildlich gewesen ist.

3. Aus solcher inneren Einheit erwächst Euch dann auch der Mut, brüderliche Beziehungen zu den Kirchen in Euren Nachbarländern zu unterhalten. Nach dem Maß Eurer Möglichkeiten übt Ihr diese besondere »katholische« Verantwortung seit längerem bereits in man- nigfacher W eise aus. Ich möchte Euch darin bestärken, diese lebenswichtigen Kontakte fortzusetzen und so in christlicher Solidarität Glauben zu festigen und das Gefühl der Isolation zu mildern.

Aber auch die Kirchen in der sogenannten Dritten Welt verdienen Eure wache und herzliche Aufmerksamkeit. In lebendigem beider- seitigem Austausch können diese Euch dazu verhelfen, die eigenen Bedrängnisse nicht zu überschätzen und im jugendlichen Glaubenszeugnis der anderen Ermutigung für den eigenen Weg zu finden. An dieser Stelle bitte ich Euch, Euren Gläubigen ein Wort dankbarer Anerkennung für die praktische Hilfe zu übermitteln, die sie durch das Bischöfliche Werk »Not in der Welt« den Menschen in jenen Gebieten zukommen lassen.

4. Gewiss erlebt Ihr Eure Ortskirche zusammen mit Euren Priestern und Gläubigen oft nur als kleine Herde; dennoch ist sie Trägerin der Verheißungen Christi für Euer ganzes Land. Diese Situation macht den Charakter des Evangeliums als Licht, als Sauerteig und Salz besonders anschaulich und sollte darum kein Anlass für Kleinmut sein.

Wenn Ihr Euch immer wieder aus einer tief und fromm gefeierten Liturgie Kraft und Sendung geben laßt für ein eindeutiges christliches Lebenszeugnis in Eurer Umwelt, kann der Geist Gottes durch Euch auch heute noch blinde Augen für die Wahrheit Christi öffnen. Eine wichtige Aufgabe bleibt dabei immer der Aufweis der wahren Würde des Menschen nnd die glaubwürdige Darstellung christlicher Hoffnung und realistischer Gelassenheit .gegenüber einer um sich greifenden pessimistischen Lebenssicht. Besonders aktuell ist auch die Antwort der Kirche auf die Fragen vor allem der jungen Menschen nach der Natur des Friedens, wie Christus ihn verkündet, gelebt und geschenkt hat, sowie nach den konkreten Wegen, wie wir uns in der heutigen Situation diesem Frieden nähern können. Hierüber sollte auch ein Gedankenaustausch mit den evangelischen Gemeinschaften versucht werden.

5. Dankbar möchte ich einige besondere pastorale Initiativen erwähnen, die als Impulse auch in benachbarte Ortskirchen und in die Weltkirche ausgegangen sind. V or allem nenne ich die Diakonatshelfer, die bei Euch seit vielen Jahren auf den Außenstationen das Volk Gottes zum Gottesdienst versammeln, das Evangelium verkünden und die heilige Kommunion austeilen. Die systematische Kinderkate- chese in den Ferienmonaten ist seit langem bei Euch fest eingeführt und hat sich gut bewährt, so daß sie von anderen Ortskirchen als nachahmenswertes Beispiel angesehen wird. Mit besonderer Freude stelle ich fest, daß Ihr ein wohlorganisiertes Werk karitativer A rbeit mit Krankenhäusern, Altersheimen, Behindertenheimen 'und Kinder- gärten unterhaltet. Trotz zurückgehender Ordensberufe, so höre ich, führt Ihr diese Häuser mit viel Einsatz und Geschick weiter. Den vielen selbstlosen Mitarbeitern jener Werke sowie den ihnen anver- trauten hilfsbedürftigen Menschen fühle ich mich besonders verbunden.

6. Wenn diese lobenswerte Lebendigkeit Eurer Gemeinden fort- dauern und vielleicht noch vertieft werden soll, müssen immer wieder neu geistliche Berufungen bei Euch geweckt und gefördert werden, um das Zeugnis der vollen Nachfolge Christi als Priester und Diakon, als Ordensmann und Ordensfrau in Euren Gemeinden zu garantieren und so deren lebendige Einheit mit dem Herrn zu sichern. Für die jungen Menschen in Euren Ausbildungsstätten zum Priesterberuf sowie in den verschiedenen Ordenshäusern trage ich Euch meine herzlichen Grüße und guten Wünsche für ein gesegnetes Voranschreiten auf dem erwählten Wege auf.

Mit Euren Priestern aber teilt Sorge und Leid, Freude und Hoffnung in Gesinnung, W ort und Tat ! Achtet darauf, daß die notwendige Solidarität mit Euren Presbyterien bei allen unterschiedlichen Lebensbedingungen gewahrt bleibt ! Die heiligen Bischöfe Norbert nnd Benno mögen Euch immer bei Gott diese unverbrüchliche und zugleich herzliche Einheit der Jünger Christi erbitten.

Liebe Mitbrüder ! Wenn Ihr nun wieder zu Euren Gemeinden zu- rückkehrt, dann versichert Eure Gläubigen meiner innigen Verbundenheit und liebevollen Zuneigung ! Segnet sie alle in meinem Namen, vor allem die Kinder, die alten Menschen, die Kranken, die Bedrängten. Der Frieden Christi wohne bei Euch in Fülle !

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