Antiphon

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Eine Antiphon (von griechisch ἀντίφωνος antiphonos „entgegentönend, antwortend“, also Gegengesang oder Wechselgesang) ist ein Kehrvers oder Refrain, der in der Liturgie einen Psalm oder ein Canticum einrahmt. Sie wird vom Kantor, Lektor oder Schola vorgesungen oder vorgetragen und von allen wiederholt. In der "antiphonalen", gegenchörigen Singweise wird die Antiphon am Ende von Psalm oder Canticum von allen wiederholt ("Rahmenvers"), gegebenenfalls auch nach jeweils zwei Versen eingeschoben ("Kehrvers").

Die Antiphon gehört zum Proprium der Tagesliturgie, nimmt inhaltlich Bezug auf das Tagesfest oder die Zeit des Kirchenjahres und deutet sie. Oft ist sie der Bibel entnommen.

Inhaltsverzeichnis

Heilige Messe

Antiphonen in der heiligen Messe sind der Introitus, das Graduale, das Offertorium und die Communio. Es sind Prozessionsgesänge, die alle ursprünglich auch einen Psalm in antiphonaler Singeweise begleiteten, welcher sich in der Länge nach der Dauer der jeweiligen liturgischen Prozession richtete. Etwa ab dem 10. Jahrhundert verfiel diese Praxis allmählich, der Psalm verschwand.[1] Bis 1970 war im Introitus ein Psalmvers erhalten. Das 1970 erneuerte Missale Romanum enthält kein Offertorium mehr, die Antiphon zum Introitus heißt zwar noch antiphona ad introitum, ist jedoch zum fakultativen "Eröffnungsvers" ohne Psalm geworden, der "von allen oder einigen Gläubigen oder vom Lektor vorgetragen werden [kann], notfalls vom Priester selbst nach der Begrüßung", falls zum Einzug nicht gesungen werden kann (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch Nr. 26[2]), die Communio ist jetzt "Antiphona ad communionem", "Kommunionvers", in ähnlicher Funktion.

Stundengebet

Im Stundengebet hat jeder Psalm und jedes Canticum eine Antiphon. Sie helfen, "die Psalmen zu einem christlichen Gebet zu machen", sind Elemente einer variablen Gestaltung des Stundengebetes und geben ihnen ein anlassbezogenes Kolorit.[3]

Die O-Antiphonen sind Antiphonen zum Magnificat der Vesper vom 17. bis 23. Dezember, die jeweils mit „O“ beginnen.

Eine Marianische Antiphon ist ein an die Gottesmutter gerichteter Gesang, für den sich die Bezeichnung "Antiphon" eingebürgert hat, obwohl es sich nicht um antiphonales Singen handelt.

Literatur

Anmerkungen

  1. Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, Band 2, S. 491.
  2. AER
  3. Heinrich Rennings: Art. "Antiphon" in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Bd. 1, Sp. 775, nach AES der Liturgia horarum und der deutschen "Feier des Stundengebets", 110.113-120.125.
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