Apfel

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Der Apfel als religiöses Symbol.

Eine Ambivalenz kennzeichnet den Apfel bei Darstellungen der Muttergottes. In der Hand Marias oder des Jesuskindes kann er Zeichen der Gottesminne sein. Bei der Eva-Maria-Antithese dagegen ist er Sinnbild der Verführung. - Die positive Deutung ergibt zunächst die Auslegung des Hohenliedes: Der Apfel wird mit dem Bräutigam verglichen; Äpfel sollen die Braut laben. An anderer Stelle wird der Apfel im Alten Testament wegen seiner goldenen Farbe und seines köstlichen Dufts gepriesen. Auch die Antike schätzte den Apfel wegen seiner Schönheit und Süße. Hier wie im Alten Testament ist zwischen dem eigentlichen Apfel und Früchten wie Quitte und Granatapfel nicht immer eindeutig zu unterscheiden.

Wichtiger Ausgangspunkt für die christliche Symbolik des Apfels ist der Vergleich im Hohenlied mit dem Bräutigam, der in der Exegese als Christus gedeutet wird: Nach Ambrosius gleicht Christus, der am Holz des Kreuzes hängt, dem am Baum hängenden Apfel des Hohenliedes (8,5); er ist der Apfel, der die Sponsa-Ecclesia (Braut-Kirche) erquickt (Hld 2,5). Origenes wendet das Apfelgleichnis auf die Menschen an: Apfelbäume sind die Seelen, die sich täglich nach dem Bilde Christi erneuern. Außerordentlich häufiges Attribut ist der Apfel in Darstellungen der Madonna und Kind von dem 12. Jahrhundert an bis in die Renaissance hinein. Rupert von Deutz verknüpft den Minnegedanken mit der Eva-Maria-Antithese. Damit ist der Apfel mit der unheilbringenden Frucht des Sündenfalls assoziiert: "Er komme in meinen Garten und esse die Frucht meiner Apfelbäume; nicht wie Eva ihren Gefährten einlud, lade ich meinen Geliebten. Jene lud ihren Gefährten ein, den Apfel zu essen, der nicht sein war, eine fremde, verbotene Frucht. Ich lade meinen Geliebten ein, ... nicht fremder, sondern seiner Apfelbäume Frucht zu essen, die Frucht, die er mit den Worten meint: Meine Speise ist es, den Willen meines Vaters zu tun" (vgl. PL 168, 901 ff.). Die Bibel nennt die verbotene Frucht, die Eva pflückte und ihrem Gefährten weitergab, nicht beim Namen; der Genesisbericht (2,9) des Sündenfalls spricht nur allgemein vom Baum der Erkenntnis. Möglicherweise begünstigte das lateinische Wort "malum" = Apfel und "mal um" = das Böse die Auslegung, der Apfel sei die Frucht der Ursünde. Mit anderen Begründungen galten zeitweilig Feigenbaum und Weinstock als Baum des Unheils. Die Darbietung des Apfels ist also ein Hinweis auf das wegen des Sündenfalls nötige Werk der Erlösung. Als zweite Eva reicht Maria Christus, dem zweiten Adam, die Frucht, die vom Zeichen des Unheils zum Pfand der Erlösung wird.

Da der Tod mit der Erbsünde in die Welt kam, ist der Apfel auch Todessinnbild. Die üppig wachsenden Äpfel am Baum der Erkenntnis werden in der Hand Evas zu Totenköpfen; Maria aber pflückt von dem gleichen Baum das Kruzifix. Eva pflückt die todbringenden Früchte, Maria Hostien von dem Apfelbaum (vgl. Berthold Furtmeyer, Salzburger Missale, 1470/80, Bayerische Staatsbibliothek München).

Mit dem Aufkommen der barocken Bildtypen der triumphierenden Gottesmutter als Bezwingerin der Schlange wird die Symbolik des Apfels endgültig auf das Negative festgelegt. Die mystische Bedeutung der Frucht geht verloren. Das Jesuskind trägt nunmehr die Weltkugel in der Hand, während der Apfel bzw. ein Apfelzweig im Rachen der besiegten Schlange als Zeichen von Sünde und Verderben erscheint (vgl. Marienlexikon, Band I., Seite 186 ff.).

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