Apostolische Pönitentiarie

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Die an den Gerichtshof herangetragenen Fälle, werden, soweit möglich, '''innerhalb eines Tages''', gerechnet ab dem Eintreffen des Gesuchs bei der Behörde, behandelt; für die Kirche gilt hier der alte Grundsatz »salus animarum suprema lex« (Das Heil der Seele ist das oberste Gesetz). Bestimmte Fälle werden dem Papst vom Großpönitentiar aber in turnusmäßig erfolgenden Audienzen zur Entscheidung vorgelegt.  
 
Die an den Gerichtshof herangetragenen Fälle, werden, soweit möglich, '''innerhalb eines Tages''', gerechnet ab dem Eintreffen des Gesuchs bei der Behörde, behandelt; für die Kirche gilt hier der alte Grundsatz »salus animarum suprema lex« (Das Heil der Seele ist das oberste Gesetz). Bestimmte Fälle werden dem Papst vom Großpönitentiar aber in turnusmäßig erfolgenden Audienzen zur Entscheidung vorgelegt.  
  
Die Bedeutung der Apostolischen Pönitentiarie für die Kirche wird als so wichtig erachtet, daß der Kardinalgroßpönitentiar während der [[Sedisvakanz]] des Heiligen Stuhls im Amt verbleibt und ihm sogar in der Zeit des Konklaves die Ausübung seiner Amtsgeschäfte nicht untersagt wird; falls das Amt des Großpönitentiars beim Tod des Papstes unbesetzt ist oder er während der Sedisvakanz stirbt, müssen die Kardinäle noch vor dem Einzug ins Konklave einen Nachfolger bestimmen, gegebenenfalls sogar im Konklave selbst ([[Universi dominici gregis]], 14,15,18,44).
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Die Bedeutung der Apostolischen Pönitentiarie für die Kirche wird als so wichtig erachtet, dass der Kardinalgroßpönitentiar während der [[Sedisvakanz]] des Heiligen Stuhls im Amt verbleibt und ihm sogar in der Zeit des Konklaves die Ausübung seiner Amtsgeschäfte nicht untersagt wird; falls das Amt des Großpönitentiars beim Tod des Papstes unbesetzt ist oder er während der Sedisvakanz stirbt, müssen die Kardinäle noch vor dem Einzug ins Konklave einen Nachfolger bestimmen, gegebenenfalls sogar im Konklave selbst ([[Universi dominici gregis]], 14,15,18,44).
  
 
==Die »bacchetta«==
 
==Die »bacchetta«==

Version vom 22. Dezember 2008, 13:11 Uhr

Die Apostolische Pönitentiarie ist ein päpstlicher „Gerichtshof“ der Römischen Kurie. Er gewährt die Absolutionen, Dispensen, Umwandlungen, Heilungen, Verzeihungen und andere Gnadenerweise. Die Pönitenziarie sorgt dafür, dass in den Patriarchalbasiliken der Stadt Rom eine genügende Zahl von Pönitentiaren (minores) vorhanden ist, die mit den erforderlichen Befugnissen ausgestattet sind. Demselben Dikasterium ist alles anvertraut, was die Gewährung von Ablässen anbelangt, unbeschadet des Rechts der Kongregation für die Glaubenslehre, alles zu prüfen, was die dogmatische Lehre über diese betrifft« (Pastor bonus, Art. 117 -:Art. 120).

Die Apostolische Pönitentiarie ist kein Gerichtshof im üblichen Sinn, da die Öffentlichkeit in jeder Hinsicht ausgeschlossen bleibt. Sie hat nur »in foro interno«, für den inneren Gewissensbereich, zu entscheiden. Nach dem Kirchenrecht darf von bestimmten Sünden nicht jeder Beichtvater freisprechen - sie sind »reserviert«. Wenn die Bischöfe, sonstige Ortsordinarien oder bevollmächtigte Beichtväter nicht eine allgemeine Dispens erhalten haben, von diesen Sünden freizusprechen, oder wenn darüber eine Unklarheit besteht, müssen solche Fälle in Rom der Pönitentiarie vorgelegt werden. Alle Beichtväter der Welt können sich an sie wenden; in den entsprechenden Anträgen werden keine Namen genannt. Die Entscheidung des Gerichtshofs wird dem Pönitenten dann im Beichtstuhl geheim weitergegeben. Liegt kein Fall vor, von dem die Kirche aufgrund göttlichen Gesetzes nicht freisprechen kann (wie etwa bei der Unauflöslichkeit der Ehe), und zeigt der Bittsteller echte Reue, wird zu dessen Gunsten entschieden. Der Gerichtshof darf (nur) von (rein) kirchlichen Gesetzen entbinden.

Er kann daher von geheimen Ehehindernissen dispensieren und rückwirkend die Ehe für den Gewissensbereich »in radice« (von der Wurzel oder vom Beginn an) in Ordnung bringen und somit »sanationes« (rechtswirksame Heilungen eines Misstandes) vollziehen. Auch von privaten Gelübden, die ein Gläubiger auf sich genommen hat, kann sie bei gewichtigen Gründen befreien oder diese in leichtere Verpflichtungen umwandeln.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Für die Lossprechung von kirchlichen Strafen und für die dem Papst vorbehaltenen Dispensen gab es schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen Kardinal, der in Stellvertretung des Heiligen Vaters diese vornahm. Unter Honorius III. (1216-1227) wird er zum ersten Mal als »Poenitentarius« (Pönitentiar) bezeichnet; Clemens V. (1305-1314) verleiht ihm dann den Titel »Poenitentarius maior« (Großpönitentiar}. Von Anfang an erhielt er bei seiner Arbeit von den sogenannten Pönitentialkaplänen (Poenitentiarii minores) Unterstützung, die noch heute an den römischen Erzbasiliken zu finden sind und dort als Beichtväter wirken. Später wurden ihm noch ein Regent und weitere Offiziale als Mitarbeiter zugeordnet.

Der heilige Pius V. (1566-1572) regelte die Aufgaben der Apostolischen Pönitentiarie grundlegend. Er reduzierte die Vollmachten des Kardinalgroßpönitentiars in »foro externo« auf ein Minimum und schuf unter anderem die Ämter des Theologen (durch Privileg der Gesellschaft Jesu vorbehalten) und des Kanonisten. Eine Neuordnung der Vollmachten und deren Durchführung fand am 13. April 1744 unter Papst Benedikt XIV. (1740-1758) statt, dessen Konstitutionen mit einigen kleineren Veränderungen auch 1908 in der großen Kurienreform des heiligen Pius X. (1903-1914) in Geltung blieben, der jedoch endgültig die Zuständigkeit der Apostolischen Pönitentiarie auf das »forum internum« beschränkte. Am 25. März 1917 trennte Papst Benedikt XV. (1914-1922) die Abteilung für das Ablasswesen vom Heiligen Offizium, der heutigen Kongregation für die Glaubenslehre, und schloss sie der Apostolischen Pönitentiarie an. Alle diese Reformen dienten Pius XI. (1922-1939) als Grundlage für die Konstitution Quae divinitus vom 25. März 1935, die dem Gerichtshof seine noch heute im Großen und Ganzen gültige Organisationsstruktur gab und seine Vorgangsweise festlegte.

Die Kurienreform Papst Johannes Pauls II. vom 28. Juni 1988 umreißt die Aufgaben der Apostolischen Pönitentiarie knapp und präzise. Ihre Zuständigkeit »erstreckt sich auf das, was das »forum internum« sowie die Ablässe anbelangt. Für das »forum internum«, sei es sakramental, sei es nicht sakramental,

Sitz der Apostolischen Pönitentiarie

Der Sitz der Apostolischen Pönitentiarie befindet sich im »Palazzo della Cancelleria«. Die wichtigsten Angelegenheiten des Gerichtshofs werden in der Vollversammlung der Prälaten unter dem Vorsitz des Kardinalgroßpönitentiars behandelt, die gewöhnlichen in den täglichen Versammlungen des Regens mit zwei Offizialen des Tribunals.

Die an den Gerichtshof herangetragenen Fälle, werden, soweit möglich, innerhalb eines Tages, gerechnet ab dem Eintreffen des Gesuchs bei der Behörde, behandelt; für die Kirche gilt hier der alte Grundsatz »salus animarum suprema lex« (Das Heil der Seele ist das oberste Gesetz). Bestimmte Fälle werden dem Papst vom Großpönitentiar aber in turnusmäßig erfolgenden Audienzen zur Entscheidung vorgelegt.

Die Bedeutung der Apostolischen Pönitentiarie für die Kirche wird als so wichtig erachtet, dass der Kardinalgroßpönitentiar während der Sedisvakanz des Heiligen Stuhls im Amt verbleibt und ihm sogar in der Zeit des Konklaves die Ausübung seiner Amtsgeschäfte nicht untersagt wird; falls das Amt des Großpönitentiars beim Tod des Papstes unbesetzt ist oder er während der Sedisvakanz stirbt, müssen die Kardinäle noch vor dem Einzug ins Konklave einen Nachfolger bestimmen, gegebenenfalls sogar im Konklave selbst (Universi dominici gregis, 14,15,18,44).

Die »bacchetta«

Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war vielen Bewohnern und Besuchern der Ewigen Stadt der Anblick der »bacchetta« vertraut. Mit diesem rutenähnlichen Stab gewährte der Kardinalgroßpönitentiar den Gläubigen an bestimmten Tagen in der Karwoche einen besonderen Ablass, den Nachlass zeitlicher Sündenstrafen auf hundert Tage.

Die Zeremonie fand am Palmsonntag in der Lateranbasilika, am Mittwoch der Karwoche in »Santa Maria Maggiore« sowie am Gründonnerstag und am Karfreitag in St. Peter statt. Der Purpurträger nahm den Stab in die Hand und berührte mit ihm leicht die Häupter der vor ihm knienden Gläubigen. Der Ursprung dieser Geste weist in die Antike. Wollte im alten Rom jemand seinem Sklaven die Freiheit schenken, führte er ihn vor den Prätor, um die Urkunde der Freilassung ausstellen zu lassen. Bei der Übergabe derselben erteilte der Herr seinem Sklaven einen Schlag, den letzten, den er ihm geben durfte - als Zeichen der Entlassung. Der uns heute seltsam vorkommende Brauch, den der Kardinalgroßpönitentiar in alten Zeiten in Rom vornahm, war einer der seltenen öffentlichen Auftritte dieses Würdenträgers. Ansonsten verrichteten er und der Gerichtshof, dem er vorstand, die Apostolische Pönitentiarie, ihre Arbeit im Stillen. Dies gilt auch noch für die heutige Zeit.

»Die Arbeit der Pönitentiarie ist sehr technisch, sehr begrenzt und sehr geheim«, beschreibt der Theologe und Historiker Thomas J. Reese SJ die Vorgehensweise des päpstlichen Gnadengerichtshofs.

Dokumente der Apostolische Pönitentiarie

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