Autorität

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Der katholische Begriff der Autorität ist streng christozentrisch. Dass alle Autorität "von Gott kommt", bedeutet in der Wertung sowohl der katholischen Soziallehre als auch im inneren Wirkungsbereich der Kirche, dass jede Ausübung von Autorität an Wort und Weisung Christi ihr Maß nehmen muss.

Inhaltsverzeichnis

Legitimität

Der Kaiser bringt Christus die Kirche dar
Eine vorgeblich "religiöse" Legitimation schlichter Ausübung von willkürlicher Macht wird von der katholischen Kirche seit jeher nicht akzeptiert.

Daher wertet der Katholizismus immer schon die geistliche Vollmacht, wie sie auf die Berufung Petri und der Apostel durch Christus zurückzuführen ist, als höherrangig gegenüber sämtlichen Ansprüchen von Staat und Gesellschaft. Diese Vollmacht liegt bei dem mit dem Papst vereinten Kollegium der Bischöfe. Zur Ausübung ihrer geistlichen Leitungsfunktion verfügt die Kirche über eine eigene Rechtsordnung (vgl. Hierarchie).

Der legitim ausgeübten kirchlichen Autorität gegenüber schuldet der Getaufte geistlichen Gehorsam. Keinen kirchlichen Gehorsam schuldet der Getaufte in Bereichen, in denen seitens der Kirche die relative Autonomie der Sachbereiche anerkannt ist (insb. Wissenschaft, Kultur, Politik; siehe: Gaudium et spes, 1965). Es gelten jedoch stets die Anforderungen des Sittengesetzes. Außer in vom persönlichen Gewissen gerechtfertigten Fällen, akzeptiert die Kirche also keine unbeschränkte Selbstherrlichkeit, weder des Individuums noch des öffentlichen Lebens (vgl. Laizismus).

Zeugnis des Evangeliums

Dieser biblisch verankerte Autoritätsbegriff, exemplarisch auffindbar in der Rede Jesu von der Binde- und Lösegewalt der Apostel (Mt. 16,18), ist im demokratischen Zeitalter unverzichtbarer denn je. Denn ohne die (vermeintliche) Stützung der Religion durch überlieferte "Autoritäten" (Brauchtum, ländliche Gesellschaftsordnung, Monarchie), muss die eigentliche Begründung geistlicher Autorität ihre Überzeugungskraft aus den ihr eigenen Quellen gewinnen. Auch die Erfahrung der jüngsten Vergangenheit bestätigt, dass der vermeintliche Verzicht auf eine wohlbegründete Autorität, im Zusammenleben der Menschen, letztlich den Einfluss sündhafter Strukturen begünstigt.

Neue Gründe für altes Recht

In der modernen Gesellschaft verzichtet die Kirche aber bewusst auf politische oder gesellschaftliche Machtmittel (vgl. Dignitatis humanae), um die Differenz zwischen der Autorität des Evangeliums in den letzten Dingen (wie auch die Vernunft christlicher Verantwortung in den Fragen der zeitlichen Ordnung) klarer hervortreten zu lassen, gegenüber dem nur politischen Kampf. Die Autorität der Wahrheit ist nämlich fähig, sich im Dialog zu erkennen zu geben. Eine echte Kultur des Dialogs unterstellt aber keine Gleichheit des Zugangs (aller Gesprächspartner) zur Wahrheit. Das ist eine Fiktion, die häufig selbst mit autoritärem Anspruch vertreten wird.

Eine Gleichheit kann nur in der Suche nach Wahrheit unterstellt werden. Der aufrichtige Dialog will den zweifelnden Gesprächspartner davon überzeugen, die Autorität Christi (für das Leben der Einzelnen wie der Gemeinschaft) anzuerkennen. Dieser Akt der Anerkennung kann nicht erzwungen werden. Der Staat vermag äußeren Rechtsgehorsam (in den Grenzen seiner Zuständigkeit) zu erzwingen, während die Kirche nur auf die innere Zustimmung vertrauen kann. Da aber nach christlicher Überzeugung tatsächlich Christus der Herr aller ist, wird dieses Vertrauen nicht enttäuscht werden.

Autorität wächst ohne Gewalt

Mithin ist damit zu rechnen, dass die geistliche Autorität der Kirche mit der Überwindung der Ideen vom Staatskirchentum schrittweise sogar wachsen wird, sofern nur die Rechtsordnungen im Staat eine vollständige Religionsfreiheit auch für Katholiken gewährleisten. Die nichtkatholischen Konfessionen, die bewusst auf eine supranationale, kircheneigene Autorität verzichtet haben, treffen möglicherweise, angesichts der heutigen (im Prinzip nicht mehr umkehrbaren) Konzeption der offenen Gesellschaft (vgl. Pluralismus), auf größere Schwierigkeiten, ihre Existenz ohne nationalstaatliche Unterstützung erfolgreich fortzusetzen. Die ev. Freikirchen, die keinen öffentlichen Anspruch erheben, sind von der modernen Struktur der weltanschaulich neutralen öffentlichen Autoritäten zwar weniger betroffen als die Orthodoxie und die Landeskirchen der Reformation. Sie streben aber auch keine Wahrnehmung eines christlichen Weltauftrags an (vgl. wiederum Gaudium et spes). Anders als bei den zivilen Gesellschaften ist die Autorität der wahren Kirche aber nicht von ihrer tatsächlichen Durchsetzung abhängig, erst Recht nicht "notfalls mit Gewalt", sondern sie schöpft ihre Kraft aus der Gegenwart Christi.

Diese neue Fundierung der geistlichen Autorität (wiewohl im Prinzip immer schon gelehrt), hat die Kirche im 20. Jahrhundert einerseits dazu gezwungen, interne Krisen zu durchleben. Da aber der unvermeidliche Verzicht auf die Konkurrenz mit der Staatsmacht zugleich weltweit dem Katholizismus neue Akzeptanz geschaffen hat, nicht zuletzt durch das Pontifikat des Papstes Johannes Paul II., besteht mehr und mehr Anlass zur Hoffnung, dass diese bessere Klärung der Eigenart kirchlicher Autorität zum Erfolg ihrer Mission führen wird.

Zitate

Aus der Instruktion Faciem tuam, Domine der Religiosenkongregation über Autorität und Gehorsam (Pfingsten 2008), Einleitung: Die stark auf das Subjekt konzentrierte Kultur unserer westlichen Gesellschaft hat dazu beigetragen, die Achtung für die Würde der menschlichen Person als Wert zu verbreiten, sowie deren freie Enfaltung und Autonomie positiv zu beeinflussen. Die Tatsache dieser Anerkennung stellt einen der bedeutendsten Wesenszüge der Neuzeit dar und ist gottgewollt. Sie stellt uns vor die Aufgabe, neue Wege zu finden, wie Autorität zu verstehen ist und wie man sich mit ihr in Beziehung zu setzen hat. (Nr. 2)

Autorität = Dienst

"Jede Autorität, zumal in der Kirche, ist wesentlich Dienst. Eine solche Auffassung von seinem bischöflichen Amt und entsprechend von jedem pastoralen Dienst, läßt sich in dem Wort "Verantwortung" zusammenfassen: wer immer ein kirchliches Dienstamt ausübt, muss für das, was er tut, nicht nur den Menschen, nicht nur den ihm anvertrauten Seelen "antworten", sondern auch und an erster Stelle Gott und seinem Sohn, in dessen Namen er jedesmal dann handelt, wenn er die übernatürlichen Schätze der Gnade austeilt, die Wahrheiten des Evangeliums verkündet sowie Leitungs- und Regierungsaufgaben erfüllt.[1]

Päpstliche Schreiben

Pius XII.

Benedikt XVI.

Literatur

  • Joseph Höffner, Christliche Gesellschaftslehre, 8. Aufl. Kevelaer 1983 (Erstauflage 1962)

Anmerkungen

  1. Johannes Paul II. Apostolischer Brief Plurimum significans zur 1400-Jahrfeier der Wahl des hl. Gregors des Großen zum Papst vom 29. Juni 1990.