Buße

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Buße[1] bedeutet, die Abkehr von der Sünde und die Zuwendung zu Gott. Sie bedeutet, dass uns eine begangene Sünde aus Herzensgrund (innerlich) schmerzt oder der Schmerz irgendwie (äußerlich) zum Ausdruck gebracht wird. Die Buße ist ein ständiger Vorgang im Leben des Christen.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Begriffs[2]

Die Wörter, die in verschiedenen Sprachen für diesen Begriff gebraucht werden, haben in der jeweiligen Alltagssprache sehr unterschiedliche Bedeutungen, was leicht zu Missverständnissen führen kann.

  • Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.
  • Der hebräische Begriff שוב schub, der in der Septuaginta mit metanoia übersetzt wird, umfasst eine Umkehr zu Gott nicht nur im Denken, sondern in der ganzen Existenz, was die Veränderung des Verhaltens, vor allem aber auch Gehorsam gegenüber Gott, neues Vertrauen zu ihm ebenso einschließt wie die Abkehr von allen bösen und widergöttlichen menschlichen Neigungen und Schwächen.
  • Ins Lateinische wurde metanoia mit paenitentia, „Reue, Buße“, übersetzt, häufig abgeschliffen zu poenitentia und unzutreffend abgeleitet von poena, „Strafe“.
  • Im Deutschen wurde das Wort Buße verwendet, das sprachlich mit baß, besser, verwandt ist und ursprünglich „Nutzen, Vorteil“ bedeutet. Es bezeichnete also die Genugtuung des Sünders gegenüber Gott, woraus sich die jetzige (untheologische) Bedeutung „von außen auferlegte Strafe oder Wiedergutmachung, die unabhängig von der inneren Einstellung ist“ entwickelt.[3]

Jesus nimmt die Buße für uns auf sich

Die Buße führt über die Erkenntnis der eigenen Schuld (Ijob 42, 6) zu den rechtschaffenen Werken des neuen Lebens (Apg 26, 20), die die Abkehr von der bisherigen Lebensführung einschließen (Röm 6, 1f). Jesus Christus gilt hier als Sühneopfer für die Erbsünde und die Sünde aller Menschen:

Am Beginn des Wirkens Jesu, hat er sich von Johannes dem Täufer die Bußtaufe, stellvertretend für uns Menschen, spenden lassen. Am Ende des Lebens des Hohenpriesters, hat er durch seinen Opfertod am Kreuz und seine Auferstehung für alle Schuld der Welt, von Adam an, für alle Menschen vor Gott, dem Vater, genug getan, um die verlorene Menschheit wieder in die Gotteskindschaft zu führen (Bluttaufe). Diese einzige vollkomene stellvetretende Wiedergutmachung, für uns Menschen und zu unserem Heil, hätte kein Geschöpf aus eigener Kraft je vollbringen können.

Die innere Buße (Bußgesinnung)

Jesus Christus und die Propheten rufen auf zur inneren Buße, das ist die Bekehrung[4] des Herzens. Die "innere Buße ist eine Neuausrichtung des ganzen Lebens, Rückkehr, Umkehr zu Gott aus ganzem Herzen, Verzicht auf Sünde, Abwendung vom Bösen, verbunden mit einer Abneigung gegen die bösen Taten, die man begangen hat. Gleichzeitig bringt sie das Verlangen und den Entschluß mit sich, das Leben zu ändern, sowie die Hoffnung auf das göttliche Erbarmen und das Vertrauen auf seine Gnadenhilfe. Diese Umkehr des Herzens ist von heilsamem Schmerz und heilender Traurigkeit begleitet, die die Kirchenväter „animi cruciatus" (Seelenschmerz), „compunctio cordis" (Herzensreue) nannten."[5]

Erreichung der Bußgesinnung

"Das Herz des Menschen ist schwerfällig und verhärtet. Gott muss dem Menschen ein neues Herz geben (Vgl. Ez 36,26-27). Die Umkehr ist zunächst Werk der Gnade Gottes, der unsere Herzen zu sich heimkehren läßt: „Kehre uns, Herr, dir zu, dann können wir uns zu dir bekehren" (Klgl 5,21). Gott gibt uns die Kraft zu einem Neubeginn. Wenn unser Herz die Größe und Liebe Gottes entdeckt, wird es von Abscheu vor der Sünde und von ihrer Last erschüttert. Es beginnt davor zurückzuschrecken, Gott durch die Sünde zu beleidigen und so von ihm getrennt zu werden. Das Menschenherz bekehrt sich, wenn es auf den schaut, den unsere Sünden durchbohrt haben."[6] Der Heilige Geist ist der Beistand (Vgl. Joh 15, 26), der dem Herzen des Menschen die Gnade der Reue und der Umkehr schenkt.[7]

Ohne die Bußgesinnung bleiben die äußeren Bußwerke "unfruchtbar und unehrlich. Die innere Umkehr drängt dazu, diese Haltung in sichtbaren Zeichen, in Handlungen und Werken der Buße[8] zum Ausdruck zu bringen".

Die äußere Buße (Bußwerke)

"Die innere Buße des Christen kann in sehr verschiedener Weise Ausdruck finden. Die Schrift und die Väter sprechen hauptsächlich von drei Formen: Fasten, Beten und Almosengeben (Vgl. Tob 12,8; Mt 6,1-18) als Äußerungen der Buße gegenüber sich selbst, gegenüber Gott und gegenüber den Mitmenschen. Neben der durchgreifenden Läuterung, die durch die Taufe oder das Martyrium bewirkt wird, nennen sie als Mittel, um Vergebung der Sünden zu erlangen, die Bemühungen, sich mit seinem Nächsten zu versöhnen, die Tränen der Buße, die Sorge um das Heil des Nächsten‘, die Fürbitte der Heiligen und die tätige Nächstenliebe - „denn die Liebe deckt viele Sünden zu" (1 Petr 4, 8)."[9]

"Bekehrung geschieht im täglichen Leben durch Taten der Versöhnung, durch Sorge für die Armen, durch Ausübung und Verteidigung der Gerechtigkeit und des Rechts (vgl. Jak 5,20), durch Geständnis der eigenen Fehler, durch die brüderliche Zurechtweisung, die Überprüfung des eigenen Lebenswandels, die Gewissenserforschung, die Seelenführung, die Annahme der Leiden und das Ausharren in der Verfolgung um der Gerechtigkeit willen. Jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen und Christus nachgehen ist der sicherste Weg der Buße."[10] Das Volk Gottes verwirklicht auch eine fortwährende Buße, indem es "durch sein Dulden teilhat am Leiden Christi (vgl. 1 Petr 4,13), Leibliche Werke der Barmherzigkeit, Geistige Werke der Barmherzigkeit und der Werke der Liebe übt (Vgl. 1 Petr 4,8) und sich gemäß dem Evangelium Christi täglich mehr bekehrt. So wird es in der Welt zum Zeichen der Hinkehr zu Gott".[11]

Die liturgische Buße (Beichte)

Das Sakrament der Buße ist der liturgische Ausdruck der Bekehrung, der zugleich die Zusage der Vergebung Gottes und die Versöhnung mit der Kirche zum Ausdruck bringt (vgl. LG 11). Es enthält also "zwei Elemente, die gleichermaßen wesentlich sind: einerseits das Handeln des Menschen, der sich unter dem Walten des Heiligen Geistes bekehrt, nämlich Reue, Bekenntnis und Genugtuung; andererseits das Handeln Gottes durch den Dienst der Kirche." Die Kirche schenkt durch Bischof und Priester im Namen Jesu Christi die Sündenvergebung und bestimmt die Art und Weise der Genugtuung, sie "betet für den Sünder und leistet mit ihm Buße".[12]

"Christus hat das Bußsakrament für alle sündigen Glieder seiner Kirche eingesetzt, vor allem für jene, die nach der Taufe in schwere Sünde gefallen sind und so die Taufgnade verloren und die kirchliche Gemeinschaft verletzt haben. Ihnen bietet das Sakrament der Buße eine neue Möglichkeit, sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen."[13]

Bußzeiten im Kirchenjahr

Bußzeiten und -tage im Laufe des Kirchenjahres sind der Advent, die Fastenzeit (österliche Bußzeit), jeder Freitag zum Gedächtnis des Todes des Herrn . Sie sind prägende Zeiten im Bußleben der Kirche (vgl. Lk 9,23). Diese Zeiten eignen sich ganz besonders zu Exerzitien, Bußliturgien und Bußwallfahrten, zu freiwilligen Verzichten etwa durch Fasten und Almosengeben, und zum Teilen mit den Mitmenschen (karitative und missionarische Werke.[14]

"In der Katechese der Bußzeiten soll den Gläubigen gleichzeitig mit den sozialen Folgen der Sünde das eigentliche Wesen der Buße eingeschärft werden, welche die Sünde verabscheut, insofern sie eine Beleidigung Gottes ist; dabei ist die Rolle der Kirche im Bußgeschehen wohl zu beachten und das Gebet für die Sünder sehr zu betonen.[15] Schließlich sollen "Werke der Frömmigkeit, Buße und Liebe" erfolgen. "All diesen Mitteln ist das eine gemeinsam, dass sie Heiligung und Läuterung um so stärker bewirken, je enger man mit Christus, dem Haupte, und der [[Mystischer Leib Christi|Kirche, seinem Leibe, in Liebe verbunden ist. Die überragende Bedeutung der Liebe im christlichen Leben wird auch durch die Ablässe bestätigt. Denn Ablässe können nicht ohne aufrichtige Metanoia und Verbindung mit Gott gewonnen werden" (Indulgentiarum doctrina, Nr. 11).

Konversion

Konversion meint den radikalen Vorgang einer Lebensumkehr, in welchem ein Mensch seine Glaubensüberzeugung überdenkt, die Lebensweise grundlegend ändert und etwa, wenn nötig, die Aufnahme in eine andere Religionsgemeinschaft anstrebt. Sie bedeutet das Streben nach einer tieferen Wahrheitserkenntnis und eine ernste Gewissensentscheidung.

Lehramt

Julius III.

Pius V.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Das lateinische Wort poenitentia (poenitere) bedeutet ebenso Buße wie Reue.
  2. Dieser Abschnitt ist aus der Wikipedia.
  3. Der Duden, Bd. 7: Herkunftswörterbuch; Mannheim, Wien, Zürich 19892.
  4. Allgemein wird der Ausdruck „Bekehrung“ verwendet, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Heiden zur Kirche zu bringen. Doch in seiner eigentlich christlichen Bedeutung meint „Bekehrung“ (metanoia) eine Änderung des Denkens und des Handelns, die das neue, vom Glauben verkündete Leben in Christus zum Ausdruck bringt: Es geht dabei um eine fortwährende Erneuerung im Denken und im Tun, um immer mehr mit Christus eins zu werden (vgl. Gal 2,20), wozu in erster Linie die Getauften berufen sind. Das ist zumal die Bedeutung der Einladung, die Jesus ausgesprochen hat: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15, vgl. Mt 4,17): siehe: Kongregation für die Glaubenslehre Lehrmäßige Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung vom 3. Dezember 2007, Nr. 9.
  5. Wörtlich aus: KKK 1430; vgl. Konzil von Trient: DS 1676-1678; 1705; CaRo 2,5,4; Catechismus Romanus, Erster Teil: Die Tugend der Buße oder die Bußgesinnung.
  6. Wörtlich aus: KKK 1432; vgl. Joh 19,37 EU; Sach 12,10 EU.
  7. Vgl. KKK 1433; Apg 2,36-38 EU; Dei verbum 27-48.
  8. Wörtlich aus: KKK 1430; vgl. Joël 2,12-13; Jes 1,16-17; Mt 6,1-6.16-18.
  9. Wörtlich aus: KKK 1434
  10. Wörtlich aus: KKK 1435
  11. Wörtlich aus: Kongregation für den Gottesdienst: Ordo paenitentiae vom 2. Dezember 1973, Nr. 4.
  12. Weitgehend wörtlich aus: KKK 1448; vgl. auch: Kirchenbuße im Pierer's Universal-Lexikon.
  13. Wörtlich aus: KKK 1446; vgl. Catechismus Romanus, Zweiter Teil: Das Sakrament der Buße.
  14. Weitgehend wörtlich aus KKK 1438
  15. Wörtlich aus: SC 109
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