Choralmesse

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Beginn der I. Choralmesse im Graduale Novum

Eine Choralmesse ist ein Zyklus der Ordinariumsgesänge der heiligen Messe im Gregorianischen Choral. Der Begriff hat sich im Deutschen eingebürgert und wird auch im Gotteslob verwendet, die lateinischen Choralbücher nummerieren die Ordinariumsreihen mit römischen Zahlen von I. bis XVIII.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Charakteristik

Die einzelnen Reihen stehen in verschiedenen Kirchentonarten. Sie variieren im Grad der Feierlichkeit und sind für verschiedene Feste und Anlässe im Kirchenjahr gedacht. Das Kyrie hat einen lateinischen Titel, nach dem manchmal die ganze Choralmesse benannt ist. Diese Bezeichnungen gehen auf die Textanfänge von Tropen zurück, textlichen Erweiterungen der Kyrie-Melodien, die im Mittelalter entstanden und vom Konzil von Trient wieder aus den liturgischen Texten entfernt wurden.[1]

Zur Choralmesse gehören folgende Teile:

  1. Kyrie; einige Messreihen enthalten zwei oder drei Kyrie-Melodien.
  2. Gloria - Choralmessen für Werktage und Sonntage in der Advents- und Fastenzeit enthalten kein Gloria.
  3. Sanctus
  4. Agnus Dei
  5. Ite, missa est bzw. Benedicamus Domino.

Die Melodie von Ite, missa est und Benedicamus Domino ist jeweils identisch mit der Melodie des Kyrie.

Übersicht über die 18 Messreihen

Graduale Romanum 1908 Name Kyriale deutsch 1911[2] Graduale Novum (2011) Teile[3] Gotteslob
I. Tempore Paschali Lux et origo I. Messe während der österl. Zeit Tempore Paschali KGSAI Dritte Choralmesse – Lux et origo (KGSA, Nr. 113–116)
II. In Festis Solemnibus. 1. Kyrie fons bonitatis II. Messe an den höchsten Festen I. In Sollemnitatibus I KGSAI
III. In Festis Solemnibus. 2. Kyrie Deus sempiterne III. Messe an den höchsten Festen 2. In Sollemnitatibus II KGSA (ohne eigenes Ite, missa est)
IV. In Festis Duplicibus. 1. Cunctipotens Genitor Deus IV. Messe an Duplexfesten I. In Festis Apostolorum KGSAIB
V. In Festis Duplicibus. 2. Kyrie magnae Deus potentiae V. Messe an Duplexfesten 2. KGSAI
VI. In Festis Duplicibus. 3. Kyrie rex Genitor VI. Messe an Duplexfesten 3. KGSAI
VII. In Festis Duplicibus. 4. Kyrie Rex splendens VII. Messe an Duplexfesten 4. KGSAI
VIII. In Festis Duplicibus. 5. De Angelis[4] VIII. Messe an Duplexfesten 5. KGSAIB Zweite Choralmesse – Missa de Angelis (KGSAI, Nr. 108–112)
IX. In Festis B. Mariae V.[5] 1. Cum Jubilo IX. Messe an Muttergottesfesten 1. In Festis B.M.V. KGSAIB
X. In Festis B. Mariae V. 2. Alma Mater X. Messe an Muttergottesfesten 2. In Memoribus B.M.V.[6] KGSA
XI. In Dominicis infra annum Orbis factor XI. Messe an gewöhnlichen Sonntagen In Dominicis infra annum KGSAIB
XII. In Festis Semiduplicibus. 1. Pater cuncta XII. Messe an Semiduplexfesten 1. KGSAI
XIII. In Festis Semiduplicibus. 2. XIII. Messe an Semiduplexfesten 2. KGSAIB
XIV. Infra Octavas quae non sunt de B. Maria Virgine Jesu Redemptor XIV. Messe innerhalb nichtmarianischer Oktaven KGSAI
XV. In Festis Simplicibus Dominator Deus XV. Messe an Simplexfesten KGSAIB
XVI. In Feriis per annum XVI. Messe an den Wochentagen des Jahres In Feriis per annum KSAB
XVII. In Dominicis Adventus et Quadragesimae XVII. Messe an den Sonntagen der Advent- und Fastenzeit In Dominicis Adventus et Quadragesimae zwei verschiedene Kyrie, KSAB Vierte Choralmesse – Adventus et Quadragesima (KSAI, Nr. 117–120)
XVIII. In Feriis Adventus et Quadragesimae. In Vigiliis, Feriis IV Temporum et in Missa Rogationum[7] Messe an den Wochentagen der Advent- und Fastenzeit In Feriis Adventus et Quadragesimae et ad Missam pro defunctis[8] KSAB, ggf. "Requiescant in pace"

Missa mundi

Aus den Messreihen und Einzelgesängen kann eine beliebige Auswahl getroffen werden (etwa das Kyrie und Sanctus aus der einen, das Gloria und Agnus Dei aus einer anderen Messe), jedoch sollen an Festtagen die schmuckvolleren Melodien bevorzugt werden.[9]

Eine solche Zusammenstellung ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts als „Missa mundi“ („auf der ganzen Welt verbreitet“) geläufig geworden. Sie enthält das Kyrie XVI., das Gloria XV., Sanctus XVIII. und Agnus Dei XVIII. Diese Zusammenstellung war erstmals 1965 im Kyriale simplex unter der Bezeichnung „Dispositio I“ zu finden, die Bezeichnung „Missa mundi“ zum ersten Mal im Gotteslob (1975). Im aktuellen Gotteslob steht sie als Erste Choralmesse - Missa mundi unter Nr. 104 bis 107.[10]

Weitere liturgische Gesänge

Den Messreihen gehen in den liturgischen Büchern in der Regel die Gesänge zur Austeilung des Weihwassers vor der heiligen Messe am Sonntag vorauf, das Asperges me und das Vidi aquam für die Sonntage der Osterzeit.

Auf die Messreihen folgen gewöhnlich:

  • Credo I. bis Credo IV.
  • Cantus ad libitum
    • Kyrie: I. (Clemens Rector), II. (Summe deus), III. (Rector cosmi pie), IV. (Kyrie altissime), V. (Kyrie Conditor omnium), VI. (Te Christe Rex supplices), VII. (Splendor aeterne), VIII. (Firmator sancte), IX. (O Pater excelse), X. (In Dominicis per annum (= oben XI. Orbis factor)), XI. (In Dominicis Adventus et Quadragesimae (= oben XVII. 1.))
    • Gloria I - III., Sanctus I. -III., Agnus I. - II.
    • Missa pro Defunctis (Messe für die Verstorbenen) mit Proprium und Ordinarium; das Ordinarium hat ein eigenes Kyrie, Sanctus und Agnus Dei stammen aus der XVIII. Messe, statt Ite, missa est steht Requiescant in pace (Sie mögen ruhen in Frieden).
  • Cantus varii in Ordine Missae occurentes (Akklamationen)
  • Modus cantandi Alleluia tempore Paschali secundum octo tonos (Singweisen des Alleluja zur Osterzeit nach den acht Kirchentonarten)

Literatur

  • Anton Stingl jun.: Die Namen der fünf Choralmessen im GOTTESLOB. In: Werkbuch zum Gotteslob. IV. Sonntage und Herrenfeste im Jahreskreis, Lesejahr B. Freiburg 1976, S. 87–92 ([1]).

Anmerkungen

  1. August Gerstmeier: Art. Kyrie. II. Kirchenmusikalisch in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 6, Sp.553.
  2. Kyriale seu Ordinarium Missae. Die stehenden Meßgesänge des Graduale Romanum nach der Vatikanischen Ausgabe mit deutscher Übersetzung der Rubriken und Texte. Friedrich Pustet, Regensburg, Rom, New York und Cincinnati 1911 / Anhang zu: Erzabtei Beuron (Hrsg.): Volks-Schott. Meßbuch für die Sonn- und Feiertage im Anschluß an das größere Meßbuch von P. Anselm Schott O.S.B. Freiburg im Breisgau 1933, nach S. 480.
  3. K = Kyrie, G = Gloria, S = Sanctus, A = Agnus Dei, I = Ite, missa est, B = Benedicamus Domino (Das Benedicamus Domino wird seit der Liturgiereform von 1970 nicht mehr gesungen und ist seit dem Graduale Novum jeweils durch Ite, missa est ersetzt.)
  4. Bei den Franziskanern wurde dieses Ordinarium im 17. Jahrhundert in Messen von den heiligen Engeln üblich. (Anton Stingl jun.: Die Namen der fünf Choralmessen im GOTTESLOB. In: Werkbuch zum Gotteslob. IV. Sonntage und Herrenfeste im Jahreskreis, Lesejahr B. Freiburg 1976, S. 87–92.)
  5. In Festis Beatae Mariae Virginis, an Festen der seligen Jungfrau Maria
  6. An Gedenktagen der seligen Jungfrau Maria
  7. An den Wochentagen der Advent- und Fastenzeit, an Vigiltagen, an den Quatembertagen und in der Messfeier an den Bitttagen
  8. An den Wochentagen der Advent- und Fastenzeit und in der Totenmesse
  9. Graduale Romanum 1979, S. 709.
  10. Anton Stingl jun.: Die Namen der fünf Choralmessen im GOTTESLOB. In: Werkbuch zum Gotteslob. IV. Sonntage und Herrenfeste im Jahreskreis, Lesejahr B. Freiburg 1976, S. 87–92.

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