Con queste parole (Wortlaut)

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Gründonnerstagsschreiben

unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an die Priester der Kirche
über den Heiligen Geist im priesterlichen Leben
12. April 1990

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1990, S. 869-873; siehe auch: Das Schreiben als Worddokument zum Download bei Kathtube)
Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Komm, Schöpfer Geist!

1 Mit diesen Worten hat die Kirche am Tag unserer Priesterwelhe gebetet. Heute gedenken wir zusammen dieses Weihetages, da wir das Ostertriduum des Jahres des Herrn 1990 beginnen. Wir begeben uns mit Christus und den Aposteln in den Abendmahlssaal, um in cena Dommi die Eucharistie zu feiern und jene Wurzel wiederzufinden, die die Eucharistie des Paschafestes Christi und unser sakramentales Priestertum, das wir von den Aposteln ererbt haben, in sich vereint: Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung" (Joh 13,1).  

Komm, Schöpfer Geist

  Während wir an diesem Gründonnerstag zum Ursprung des Priestertums des neuen und ewigen Bundes zurückkehren, erinnert sich ein jeder von uns zugleich an jenen Tag, an dem das sakramentale Priestertum als Dienst in der Kirche Christi in der Geschichte seines eigenen Lebens begonnen hat. Die Stimme der Kirche, die an diesem für uns so entscheidenden Tag den Heiligen Geist anruft, nimmt Bezug auf die Verheißung Christi im Abendmahlssaal: "Ich werde den Vater (für euch) bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit (Joh 14,16-17). Der Tröster - der Beistand! Die Kirche ist sich seiner heilenden und heiligenden Gegenwart sicher. Er ist es, "der das Leben gibt (Joh 6,63). "Der Geist der Wahrheit , der vom Vater ausgeht. . ., den ich euch vom Vater senden werde" (vgl. Joh 15,26). Genau er hat in uns jenes neue Leben gezeugt, das sich das Amtspriestertum Christi nennt und ist. Christus sagt: Er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden (Joh 16,14). Genau so ist es geschehen. Der Geist der Wahrheit, der Beistand, hat von jenem einzigen Priestertum "genommen", das in Christus ist, und er hat es uns als den Weg unserer Berufung und unseres Lebens offenbart. Es war an jenem Tag, daß jeder von uns sich selbst im Priestertum Christi des Abendmahlssaales als Diener der Eucharistie gesehen und mit dem Blick darauf begonnen hat, in diese Richtung zu gehen. Es war an jenem Tag, daß jeder von uns durch das Sakrament dieses Priestertums in sich verwirklicht gesehen hat, gleichsam eingeprägt in seine Seele in der Form eines unauslöschlichen Merkmales: "Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks" (Hebr 5,6).   2 All das tritt uns jedes Jahr an unserem Weihetag vor Augen, ebenso geschieht es am Gründonnerstag. Denn heute versammeln wir uns in der Liturgie der Chrisammesse am Morgen innerhalb der jeweiligen Priestergemeinschaften mit unseren Bischöfen, um die sakramentale Gnade der Weihe zu bekräftigen. Wir versammeln uns, um vor dem priesterlichen Volk des Neuen Bundes jene Versprechen zu erneuern, die seit dem Tag unserer Weihe den besonderen Charakter unseres Dienstes in der Kirche begründen.   Und in der Erneuerung der Versprechen rufen wir den Geist der Wahrheit an - den Beistand, auf daß er uns die erlösende und heiligende Kraft durch jene Worte vermittelt, die die Kirche in ihrem Hymnus fürbittend spricht:   "Besuch das Herz der Kinder Dein, erfüll uns all mit Deiner Gnad, die Deine Macht erschaffen hat."   In der Tat! Heute öffnen wir unsere Herzen -jene Herzen, die Er mit seinem göttlichen Wirken neugeschaffen hat. Er hat sie neugeschaffen mit der Gnade der priesterlichen Berufung und ist in ihnen ständig am Werk. Er schafft jeden Tag: Er schafft in uns immer wieder neu jene Wirklichkeit, die das Wesen unseres Priestertums darstellt - die jenem von uns die volle Identität und Authentizität im priesterlichen Dienst verleiht -, die es uns ermöglicht, zu "gehen und Frucht zu bringen" und dafür sorgt, daß diese Frucht bleibt (vgl. Joh 15,16). Er ist es, der Geist des Vaters und des Sohnes, der uns gestattet, immer tiefer das Geheimnis jener Freundschaft zu entdecken, zu der uns Christus im Abendmahlssaal berufen hat: "Ich nenne euch nicht mehr Knechte ... Vielmehr habe ich euch Freunde genannt" (Joh 15,15). Während nämlich der Knecht nicht weiß, was sein Herr tut, ist der Freund hingegen über die Geheimnisse seines Herrn unterrichtet. Der Knecht kann nur verpflichtet sein zu arbeiten. Der Freund erfreut sich der Erwählung dessen, der sich ihm anvertraut hat - und dem auch er sich anvertraut, vollkommen anvertraut.

Heute also bitten wir den Heiligen Geist, daß er beständig unser Denken und unser Herz heimsuche. Seine Heimsuchung ist Bedingung, um mit Christus in Freundschaft verbunden zu bleiben- sie gewährleistet uns auch eine immer tiefere und innigere Erkenntnis des Geheimnisses unseres Herrn und Meisters. An diesem Geheimnis nehmen wir auf einzigartige Weise teil: wir sind seine Herolde und vor allem seine Ausspender. Dieses Geheimnis dringt in uns ein und läßt - ähnlich dem Weinstock - durch uns die Rebzweige des göttlichen Lebens hervorsprießen. Wie sehr sollen wir uns dar um nach der Zeit des Kommens dieses Geistes sehnen, der "das Leben gibt"! Wie eng muß unser Priestertum mit Ihm verbunden sein, um "im Weinstockzu bleiben, der Christus ist (vgl. Joh 15,5).  

Komm, Schöpfer Geist!

3 In einigen Monaten werden diese gleichen Worte des liturgischen Hymnus die Versammlung der Bischofssynode eröffnen, die dem Priestertum und der Priesterausbildung in der Kirche gewidmet ist. Dieses Thema erschien bereits vor drei Jahren am Horizont der vorhergehenden Versammlung der Bischofssynode 1987. Frucht der Arbeiten jener Synode war das Apostolische Schreiben Christifideles laici, das in weiten Bereichen mit großer Zufriedenheit aufgenommen worden ist. Dies war ein Thema, das sich geradezu aufdrängte. Die Arbeiten der Synode, an der eine bemerkenswerte Zahl von katholischen Laien - Männer und Frauen aus allen Kontinenten - teilnahm, erwiesen sich als besonders hilfreich im Hinblick auf die Probleme des Apostolats in der Kirche. Man muß noch hinzufügen, daß auch das Dokument Mulieris dignitatem seine Entstehung den Anregungen dieser Synode verdankt, das in gewisser Weise das Marianische Jahr vervollständigt hat.

Aber schon damals erwies sich das Thema des Priestertums und der Priesterausbildung am Horizont der damaligen Arbeiten als gegenwärtig. "Ohne die Priester, welche die Laien aufrufen können, ihre Aufgabe in der Kirche und in der Welt wahrzunehmen, die bei der Ausbildung der Laien für ihr Apostolat helfen können und diese in ihrer schweren Berufung bestärken, würde ein wesentliches Zeugnis im Leben der Kirche fehlen." Mit diesen Worten äußerte sich ein verdienter und erfahrener Vertreter der Laien darüber, was dann das Thema der nächsten Synodenversammlung der Bischöfe aus aller Welt werden sollte. Diese Stimme war jedoch nicht die einzige. Die gleiche Notwendigkeit stellt auch das Volk Gottes fest, sowohl in den Ländern, in denen das Christentum und die Kirche schon seit vielen Jahrhunderten bestehen, als auch in den Missionsländern, in denen die Kirche und das Christentum erst Wurzel fassen. Wenn man während der ersten Jahre nach dem Konzil in diesem Bereich unter den Laien wie auch unter den Seelsorgern eine gewisse Verwirrung feststellen konnte, so ist die Notwendigkeit von Priestern heute von allen als selbstverständlich und dringend anerkannt.

In dieser Problematik wird auch der Lehre des Konzils Rechnung getragen über die Beziehung zwischen dem , Priestertum der Gläubigen", das sich aus ihrer durch die Taufe gewirkten grundlegenden Eingliederung in die priesterliche Sendung Christi herleitet - und dem" Amtspriestertum", an dem -in verschiedenen Abstufungen - die Bischöfe, die Priester und die Diakone teilhaben (vgl. Dogm. Konst. Lumen gentium, 10 und 28). Diese Beziehung entspricht der gemeinschaftlichen Struktur der Kirche. Das Priestertum ist nicht eine Einrichtung, die neben" oder "über dem Laientum besteht. Das Priestertum der Bischöfe, der Priester, wie auch das Amt der Diakone, ist "für" die Laien da, und gerade deswegen besitzt es einen "dienenden" Charakter; es ist ein "Dienst". Dieses hebt von sich aus das "Taufpriestertum", d. h. das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, hervor: es unterstreicht dieses und hilft ihm zugleich, sich im sakramentalen Leben zu verwirklichen.

Man sieht so, wie das Thema des Priestertums und der Priesterausbildung sich aus der Thematik der vorausgehenden Bischofssynode selbst ergibt. Man sieht ferner, wie dieses Thema in dieser Reihenfolge so wohl überaus berechtigt und folgerichtig als auch äußerst dringend ist.

4 Möge deshalb das Ostertriduum dieses Jahres, besonders der Gründonnerstag, ein entscheidender Tag für die Vorbereitung der Herbstversammlung der Bischofssynode sein. Während der Vorbereitungsphase, die bereits seit ungefähr zwei Jahren andauert, wurden die Diözesan- und Ordenspriester gebeten, sich aktiv daran zu beteiligen und Anmerkungen, Vorschläge und Schlußfolgerungen einzureichen. Zwar betrifft das Thema die Kirche insgesamt, doch sind es vor allem die Priester des ganzen Erdkreises, die als erste das Recht und zugleich die Pflicht haben, diese Synode als "ihre eigene" zu betrachten: in der Tat, res nostra agitur!

Da all das zugleich res sacra ist, mögen sich die Synodenvorbereitungen nicht nur auf den Austausch von Überlegungen, Erfahrungen und Anregungen stützen, sondern auch einen sakralen Charakter haben. Es ist daher notwendig, viel für die Arbeiten der Synode zu beten. Vieles hängt von ihnen für den weiteren Erneuerungsprozeß ab, der vom II. Vatikanischen Konzil begonnen worden ist. Es hängt viel in diesem Bereich von jenen "Arbeitern" ab, die "der Herr für seine Ernte aussendet" (vgl. Mt 9,3 8). Im Blick auf das herannahende dritte Jahrtausend seit dem Kommen Christi spüren wir heute vielleicht auf noch tiefere Weise die Größe und die Schwierigkeiten der Ernte: "Die Ernte ist groß"; doch sehen wir zugleich auch das Fehlen der Arbeiter: "Aber es gibt nur wenig Arbeiter" (Mt 9,37). "Wenig" bezieht sich nicht nur auf die Anzahl, sondern auch auf die Qualität! Deshalb bedarf es auch der Ausbildung! Von hier gewinnen die folgenden Worte des Herrn entscheidende Bedeutung: "Bitte also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden" (Mt 9,38). Die Synode, auf die wir uns vorbereiten, muß sich durch das Gebet auszeichnen. Ihre Arbeiten müssen in einer geistlichen Atmosphäre der Teilnehmer vonstattengehen. Das aber allein genügt nicht. Die Arbeiten der Synode müssen auch vom Gebet aller Priester und der ganzen Kirche begleitet werden. Die Gedanken, die ich seit einigen Wochen beim sonntäglichen Angelus vorgetragen habe, zielen darauf ab, ein solches Beten anzuregen.

5 Aus diesen Gründen hat der Gründonnerstag des Jahres 1990 - der Priestertag der ganzen Kirche - auf diesem Weg der Vorbereitung eine grundsätzliche Bedeutung. Von heute an müssen wir den Heiligen Geist anrufen, der das Leben gibt: Komm, Schöpfer Geist! Keine andere liturgische Zeit läßt auf so innige Weise die tiefe Wahrheit um das Priestertum Christi erkennen. jener, der "ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen ist, mit seinem eigenen Blut, und so eine ewige Erlösung bewirkt hat" (vgl. Hebr 9,12), der selbst der Priester des neuen und ewigen Bundes ist, "liebte zugleich die Seinen, die in der Welt waren, bis zur Vollendung" (vgl. Joh 13,1). Das Maß dieser Liebe ist das Geschenk des Abendmahls: die Eucharistie und das Priestertum.

Um dieses Geschenk durch die heutige Liturgie versammelt und im Blick auf die Synode, die dem Priestertum gewidmet ist, wollen wir den Heiligen Geist in uns wirken lassen, damit die Sendung der Kirche fortfährt zu reifen nach dem Maß, das Jesus Christus ist (vgl. Eph 4,13). So mögen wir immer vollkommener "die Liebe Christi verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt" (Eph 3,19). Damit wir in unserem Leben und in unserem priesterlichen Dienst in Ihm und durch Ihn "von der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden" (ebd.). In brüderlicher Wertschätzung und Liebe grüße ich alle Brüder im Priesteramt Christi und erteile ihnen meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am Gründonnerstag, dem 12. April 1990,
im zwölften Jahr meines Pontifikates
Johannes Paul II. PP.

 

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