Das Ordensleben und die Förderung des Menschen

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Schreiben der Vollversammlung der SCRIS vom 25.-28. April 1978

Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
von Papst
Johannes Paul II.
Das Ordensleben und die Förderung des Menschen
12. August 1980

(Quelle: Die deutsche Fassung auf der Vatikanseite)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

EINFÜHRUNG

Wichtigkeit und Dringlichkeit einer angemessenen Beteiligung der Ordensleute an der integralen Förderung des Menschen.

Die vom Evangelium bestimmten Ausrichtungen des Ordenslebens finden in den Zeichen der Zeit Anregung zur Erneuerung. Neu auftauchende Phänomene, die unsere moderne Zeit kennzeichnen, veranlassen die Kirche in Bezug auf ihre Sendung in der Welt von heute zu ernsthafter Auseinandersetzung. Denn hier ist vor allem das Feld für die Evangelisierung und die Förderung des Menschen.

Die Lehre der Kirche stellt immer deutlicher den tiefen Zusammenhang zwischen den Forderungen des Evangeliums für ihre Sendung und dem weithin sichtbaren Bemühen der Völker um eine Förderung der Menschen heraus, sowie für den Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft.

Evangelisieren bedeutet für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit hineinzutragen und durch deren Einfluß die Menschheit von innen her umzuwandeln: ihre Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Motive und die Modelle der Lebensgestaltung, indem sie das alles in eine umfassende Sicht des Menschen integriert.[1]

Die Erfüllung dieser Sendung verlangt von der Kirche, daß sie die Zeichen der Zeit erforscht, sie im Licht des Evangeliums deutet und so auf die bleibenden Fragen des Menschen antwortet.[2]

- Von dieser prophetischen Dimension müssen die Ordensleute ein besonderes Zeugnis geben. Die ständige Bekehrung des Herzens und die geistige Freiheit, die von den Räten des Herrn angeregt und gefordert werden, machen sie für ihre Zeitgenossen präsent, so daß alle sich bewußt werden: der Aufbau der irdischen Gesellschaft kann sich nur auf den Herrn gründen und von ihm Weisung empfangen.[3]

Da aber das Leben nach den evangelischen Räten die Ordensleute in besonderer Weise mit der Kirche verbindet[4] richtet sich an sie nachdrücklicher und vertrauensvoller die Aufforderung zu einer weisen Erneuerung, die für die Nöte der Menschen, ihre Probleme und Bestrebungen offen ist.[5]

- Über die sozialen und politischen Auseinandersetzungen hinaus ist sich die Kirche nämlich bewußt, vor allem beauftragt zu sein, eine entscheidende Antwort auf die tiefen Fragen des menschlichen Herzens zu geben.[6]

Daher bemühen sich die jüngsten Dokumente des Lehramtes um die Verwirklichung einer angemessenen Integration zwischen Evangelisierung und Förderung des Menschen, und sie erklären, wie fruchtbar für die gemeinsame Sendung der Kirche das Verhältnis zwischen Evangelisierung und Ordensleben ist;[7] wieviel zu allen Zeiten das Wirken der Ordensleute zur Förderung der menschlichen und geistigen Entwicklung der Völker beigetragen hat.[8]

- Eine tiefreichende Überprüfung der Mentalität und der Haltungen[9] ist aber gefordert, wenn der Einsatz für die Evangelisierung ins Innere der konkreten und oft harten Probleme im Zusammenhang mit der Forderung des Menschen vordringt.

Es war unvermeidlich, daß sich auf diesem Weg des Umdenkens, der ja Personen und Prioritäten bei den apostolischen Initiativen und Werken einbezog, Unsicherheit und Schwierigkeiten ergaben.

Selbst das wissenschaftliche Neudurchdenken, das in verschiedenen Teilen der Welt das lobenswerte Bemühen um Verbindung mit der komplexen Wirklichkeit der Geschichte begleitete, ergab neben positiven und anregenden Aspekten auch verkürzende und unklare.

Die Überlegungen der Synode über die Evangelisierung in der Welt von heute (1974) sowie in ihrem Gefolge das Apostolische Schreiben «Evangelii Nuntiandi» lieferten einen wertvollen Beitrag zur Klärung und Orientierung.

- Auf besondere Probleme und Schwierigkeiten stießen die Bemühungen von Ordensleuten, wenn sie sich dort wo in größerem Umfang Ungerechtigkeit und Unterdrückung herrschten, durch direkteres Eingreifen profilieren wollten. Das Suchen nach Lösungen wurde noch erschwert durch unterschiedliche Bewertungen innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft und der Institute selber.

Die veränderten sozialen und politischen Verhältnisse schufen ferner neue und oft unerwartete Situationen. Die gewohnten Ausdrucksformen des Ordenslebens waren, was den Stil der Präsenz und die apostolischen Zielsetzungen betrifft, schwierigen Problemen ausgesetzt. Die Forderung einer volleren Solidarität mit den Menschen ihrer Zeit, vor allem mit den ärmeren und den am Rande lebenden Menschen, veranlaßte Ordensmänner und Frauen zu einer unmittelbareren Beteiligung, die zuweilen die Welt der Arbeit und selbst die politischen Realitäten einbezog.

- Die Wichtigkeit und Dringlichkeit einer entsprechenden Beteiligung der Ordensleute an der integralen Förderung des Menschen veranlaßte daher die Kongregation für die Ordensleute und die Säkularinstitute, der besonderen Aufgabe des Ordenslebens innerhalb der Sendung der Kirche in dieser Sicht besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Man wollte so zu hochherzigem Bemühen um Erneuerung ermuntern und, von den Situationen und Erfahrungen ausgehend, Unterscheidungskriterien anbieten, die am Lehramt der Kirche, an der Natur und Aufgabe des Ordenslebens sowie an den Zielsetzungen einer Evangelisierung orientiert sind und in enger Verbindung mit der Förderung des Menschen in der geschichtlichen Wirklichkeit von heute stehen.

Die Vollversammlung vom 25. - 28. April 1978 studierte daher eine Reihe von Fragen, die sich aus einer umfangreichen internationalen Umfrage ergeben hatten, bei der die Bischofskonferenzen, Vertreter des Papstes, zahlreiche Institute von Ordensleuten und die Konferenzen der höheren Ordensobern und -oberinnen mitgearbeitet hatten. Vier Problemkreise waren von der Vollversammlung vor allem zu behandeln: 1) Das bevorzugte Eintreten für die Armen und für die Gerechtigkeit heute.

2) Die sozialen Werke und Tätigkeiten der Ordensleute.

3) Die Einfügung in die Welt der Arbeit.

4) Das direkte Eingreifen in die politische Praxis.

- Die Orientierungen, die sich ergaben, wollen vor allem einen gebührenden Beitrag zur Information, zur Ausbildung und Koordinierung leisten, die den für das Ordensleben verantwortlichen Organen innerhalb der Kirche aufgetragen ist.

Ihnen obliegt nämlich eine Überprüfung der Kriterien und Zielsetzungen, die bei aller Berücksichtigung der hier aufgezeigten Grundsätze und Weisungen auch der Verschiedenheit und Verflochtenheit der Situationen Rechnung trägt; so sollten in den verschiedenen Nationen die Bischofskonferenzen und die Konferenzen der Ordensleute auf bestmögliche Weise die besondere Rolle aufzeigen können, die das Ordensleben beim gemeinsamen Einsatz für Evangelisierung und Förderung des Menschen spielt.

Die Pastorallehre Johannes Pauls II. hat inzwischen mit neuen Anregungen zum Nachdenken und Weitermachen die Präsenz und Beteiligung der Kirche an der Geschichte des Menschen von heute beleuchtet und gekennzeichnet. Sie stellt die Zuwendung zu den Problemen des Menschen heute und seine unverzichtbare Begegnung mit Christus und seinem Evangelium heraus.

Wir fühlen uns daher ermutigt, die Leitlinien einer Evangelisierung und Förderung des Menschen zu verdeutlichen, wie sie sich innerhalb der Kirche für die Ordensleute aufgrund des neuen und besonderen Titels ihrer Weihe an Gott und seinen Heilsplan innerhalb der Geschichte des Menschen ergeben.

I. VIER HAUPTPROBLEMKREISE

1. Die Aufforderung zu einer wachsenden aktiven Beteiligung innerhalb der heutigen geschichtlichen Situationen, in denen sich die Sendung der Kirche entwickelt, erscheint überall als eine Konstante der Erneuerung, um die sich die Ordensleute bemühen: sei es dort, wo sie durch die Werke ihres Institutes oder der Ortskirche eine «soziale» Aufgabe zu erfüllen haben, die aber zugleich tief «religiös» ist, oder sei es dort, wo die Umstände nach neuen lnitiativen rufen, die sie dem Leben und den Problemen der Leute noch näher bringen.

In jeder Situation ist freilich ein aufmerksames Überlegen notwendig, um zu gemeinsamen Kriterien und Entscheidungen zu kommen. Daher möchten wir, ausgehend von den vier Hauptproblemkreisen, die sich aus der erwähnten Umfrage ergeben haben, einige wichtige Hinweise zur Bewertung und Orientierung vorlegen. Es wird dann leichter sein, die allgemeinen Unterscheidungsgrundsätze herauszustellen.

1. Das bevorzugte Eintreten für die Armen und für die Gerechtigkeit heute

2. Die prophetische Sendung Christi, «den Armen die Heilsbotschaft zu bringen» (Lk 4, 18), findet in der Kirche unserer Zeit lebhaftes Echo.

Das bezeugen die zahlreichen Verlautbarungen der Päpste und die klaren Abschnitte der Pastoralkonstitution GS, die intensivere solidarische Beziehungen zwischen der Kirche und der Geschichte der Völker fordern. Die Bischofssynode von 1971 hat in dem Dokument «Gerechtigkeit in der Welt» dringend gefordert, die Sendung der Kirche zur Evangelisierung besser ins Bewußtsein zu rufen.

Das Apostolische Schreiben EN hat diese Aufrufe verdeutlicht und alle Mitglieder des Volkes Gottes aufgerufen, ihre jeweilige Verantwortung zu übernehmen, um Leben und Geschichte «jener Völker zu erreichen, die sich mit all ihren Kräften dafür einsetzen und kämpfen, daß all das überwunden wird, was sie dazu verurteilt, am Rande des Lebens zu bleiben ».[10]

3. Die Themen über eine «Befreiung im Sinn des Evangeliums», die vom Reich Gottes ausgeht,[11] müssen daher den Ordensleuten besonders vertraut werden.

Tatsächlich ist ja das Zeugnis der Ordensleute, die mutig die Unterstützung der Kleinen und die Verteidigung der Menschenrechte übernommen haben, zum wirksamen Echo des Evangeliums und der Stimme der Kirche geworden.

Doch haben wir schon darauf hingewiesen, daß die eingegangenen Antworten und Stellungnahmen nicht immer die gleiche Aufgeschlossenheit und Sorge innerhalb der Ortskirchen und der Ordensgemeinschaften und selbst der bürgerlichen Gesellschaft ergeben haben.

4. Es schien darum zweckmäßig, einige Leitlinien herauszuarbeiten, damit die besondere Hinwendung zu den Armen und das Bemühen um Gerechtigkeit den besonderen Zielsetzungen und dem Stil der Sendung der Kirche und des Ordenslebens in ihr entsprechen.

a) Die Ordensleute leben oft in größerer Nähe zu den Problemen, die die Bevölkerung belasten, deren Evangelisierung sie sich gewidmet haben. Gerade der prophetische Charakter des Ordenslebens verlangt von ihnen, «in konkreter Weise die Kirche zu leben, die danach trachtet, der Unbedingtheit der Seligpreisungen zu entsprechen».[12] Man findet sie «oft an der vordersten Missionsfront, und sie nehmen größte Risiken für Gesundheit und Leben auf sich ».[13]

b) Dieser aufrichtige Wunsch, dem Evangelium und der integralen Förderung des Menschen zu dienen, erfordert, in die Mitte jeder Bemühung die Gemeinschaft zu stellen, die man geduldig und beharrlich aufbaut, indem man nach der Wahrheit in der Liebe trachtet.

c) Die Konferenzen der Ordensleute können hier in Achtung vor dem Charisma der einzelnen Institute eine wertvolle Anregungs- und Ausgleichsfunktion ausüben in Verbindung mit den Bischofskonferenzen[14] und besonders mit den Kommissionen Justitia et Pax und Cor Unum.

Es gelingt auf diese Weise leichter, unklare Positionen zu überwinden, sei es die einer angeblichen, aber trügerischen Neutralität, sei es die einer deutlichen und ins Totalitäre gehenden Abkapselung. Außerdem finden hier die unterschiedlichen kulturellen und empfindungsmäßigen Voraussetzungen, aber auch die verschiedenen sozialen und politischen Zusammenhänge den entsprechenden Ort für das aufeinander Hören und eine gemeinsame Abmachung, die dann Garantie und sichere Wirksamkeit schenkt.

d) Besonders aufmerksam und aktiv müßte sich diese Präsenz der Verteidigung und Förderung der Gerechtigkeit auf jenen umkämpften Gebieten der «Ungerechtigkeit ohne Stimme» erweisen, an die die Synode von 1971 erinnerte.[15]

Während es nämlich einigen sozialen Gruppen gelingt, sich kräftige Strukturen für den Protest und die Unterstützung zu geben, stehen wir vor einer Menge von Leiden und Ungerechtigkeiten, die in den Herzen zahlreicher Zeitgenossen wenig Echo finden: das Drama der Flüchtlinge, der wegen ihrer politischen Ideen oder ihres Glaubensbekenntnisses Verfolgten;[16] die Mißachtung des Rechtes des werdenden Lebens; die ungerechtfertigten Einschränkungen der menschlichen und religiösen Freiheit; das Fehlen sozialer Fürsorge, das die Leiden der Alten und an den Rand Gedrängten noch steigert...

Die Kirche möchte für sie vor allem Stimme, Gewissen und Hilfe sein.[17]

e) Doch das Zeugnis der Ordensleute für die Gerechtigkeit in der Welt erfordert von ihnen vor allem eine ständige Überprüfung ihrer Lebensentscheidung, des Gebrauchs der Güter und der Art und Weise ihrer Beziehungen. Denn jeder, der es wagt, zu den Menschen von Gerechtigkeit zu sprechen, muß zunächst einmal selber in ihren Augen als gerecht dastehen.[18]

Hier tritt die Beziehung zwischen Evangelisierung und Förderung des Menschen in Erscheinung, die aus jenem «stillen Zeugnis» kommt, das EN 69 als erste und wirksamste Herausforderung an die Welt und die Kirche selbst darstellt.

In dieser Perspektive gewinnt auch die Rolle, «die bei der Evangelisierung Ordensmänner und Ordensfrauen haben, die sich dem Gebet, dem Schweigen, der Buße und dem Opfer geweiht haben »,[19] besonderen Zeichenwert und apostolische Fruchtbarkeit.

Die kontemplative Dimension, die zu jeder Form des Ordenslebens gehört, wird nämlich bei ihnen besonders ausgeprägt und beweist, daß das Ordensleben in all seinen Formen nicht nur nicht den Menschen gegenüber entfremdet oder für die irdische Gesellschaft unnütz macht, sondern vielmehr das alles noch tiefer aufnehmen läßt in der Liebe Christi.[20]

2. Die Tätigkeiten und sozialen Werke der Ordensleute

5. Die vielfältigen Tätigkeiten und Werke, die in der Verschiedenheit ihrer Charismen die Sendung der Ordensleute kennzeichnen, erfüllen eine hervorragende Mittlerfunktion für die Evangelisierung und Förderung des Menschen, denen sich die Kirche in der Welt widmet.[21] Von daher ergibt sich die Wichtigkeit der Erneuerung der Ordensleute, damit sich die Kirche in der Welt auch selber erneuern kann.[22]

Daher ermahnt EN 31, die engen Bande zwischen Evangelisierung und Förderung des Menschen zu beachten. Sie zu vergessen, würde bedeuten, «die Lehre des Evangeliums von der Liebe zum leidenden und bedürftigen Nächsten zu vergessen ».

6. Offen für die Zeichen der Zeit, sollen die Ordensleute eine neue Form der Präsenz suchen und pflegen, die der Kreativität ihrer Gründer und den ursprünglichen Zielsetzungen ihrer Institute entspricht.[23]

In dieser Perspektive gewinnen einige Akzente der Erneuerung Bedeutung:

a) Die Tätigkeiten und «sozialen» Werke, die schon immer zum Wirken der Ordensleute gehört haben, bezeugen ihren ständigen Einsatz für die volle Entwicklung des Menschen.

Schulen, Hospitäler, Betreuungszentren und Initiativen zugunsten der Armen, der kulturellen und geistigen Entwicklung der Völker behalten nicht nur ihre Aktualität. Sie erweisen sich vielmehr, wenn sie entsprechend angepaßt werden, oft als hervorragende Stätten der Evangelisierung, des Zeugnisses und echter Förderung des Menschen.

Durch den Dienst im Sinne des Evangeliums in vielen und immer dringenden Werken zur Förderung des Menschen und seiner sozialen Lage machen die Ordensleute das Geschenk eines ganz für Gott, die Kirche und die Brüder verfügbaren Lebens zu einem überzeugenden «Zeichen ».[24]

b) Der Geist, der als Antwort auf die Erfordernisse der Zeit immer neue Formen und Institute gottgeweihten Lebens weckt, regt auch die bereits vorhandenen neu dazu an, sich den gewandelten kirchlichen und sozialen Verhältnissen entsprechend ins Ganze einzufügen.

c) In der Kirche, die auf ständiges Wachstum der Gemeinschaft hingeordnet und dabei für Dienste offen ist,[25] können die Ordensleute neue Formen der aktiven Beteiligung finden, indem sie noch mehr die christliche Gemeinde in ihre Initiativen und Werke einbeziehen. Sie haben so Gelegenheit, ihr besonderes Charisma aufzuwerten als eine einzigartige Befähigung zur Förderung von «Diensten», die den apostolischen und sozialen Zielsetzungen ihrer Institute entsprechen.

d) Die Beteiligung der Laien bei den Tätigkeiten und Werken der Ordensleute und die Entwicklung der kirchlichen Dimension der Mitverantwortung an einer gemeinsamen Sendung gewinnt neuen Raum. Ja, sie könnte sich bei entsprechender Vorbereitung in eigener Führung von Werken, die bisher nur Ordensleuten anvertraut waren, verwirklichen.[26]

e) Die derzeitigen sozialen Verhältnisse rufen im übrigen nach neuen Formen der Solidarität und Beteiligung. An verschiedenen Stellen ist ein Umformungsprozeß der Gesellschaft darauf gerichtet, die Verantwortung aller zum Bereich des Sozialen gehörenden Kräfte zu entwickeln, auch durch Strukturen und Organe der Beteiligung. So wirken alle Bürger mit an dem aktiven Einsatz für die Probleme des Aufbaues eines sozialen Zusammenlebens.

Gegenüber dem mehr direkten Beitrag der Laien können Zeugnis und Erfahrung, wie sie den Ordensleuten eigen sind, auf diesem Gebiet einen wertvollen Beitrag zur Orientierung auf Lösungen hin leisten, die den Grundsätzen des Evangeliums und den pastoralen Weisungen der Kirche entsprechen.[27]

3. Die Einfügung in die Welt der Arbeit

7. Die pastorale Aufmerksamkeit der Kirche für die Welt der Arbeit hat sich in zahlreichen Stellungnahmen gezeigt. Die Enzyklika «Mater et Magistra» greift sie wieder auf und fügt sie in Perspektiven ein, die für die neuen wirtschaftlichen und sozialen Wirklichkeiten offen sind.

Angesichts eines derart großen Sektors der menschlichen Gesellschaft, der die ganze Gemeinschaft der Christen in ihrer Sendung herausfordert, erfahren die Ordensleute ein noch tieferes Bedürfnis nach Solidarität und Beteiligung. Schon aufgrund ihrer Entscheidung für die evangelische Armut fühlen sie sich besonders aufgerufen, die echten Werte des für alle gemeinsamen Gesetzes der Arbeit zu bejahen.[28]

8. Das Lehramt der Bischöfe hat für die Priester genau die Begründungen, Perspektiven und Bedingungen beschrieben, die den Entschluß, sich intensiver in der Welt der Arbeit zu engagieren, leiten müssen.[29] Es ist selbstverständlich, daß diese Weisungen auch für Ordenspriester gelten. Wegen der besonderen Natur des Ordenslebens aber und wegen seiner besonderen Verbindung mit der Sendung der Kirche,[30] sind sie analog auch auf alle anderen Ordensleute anzuwenden.

Die den Ordensleuten eigene Berufung und Sendung legt ferner einige Kriterien nahe, die ihre Präsenz in der Welt der Arbeit begründen und ordnen können:

a) die dynamische Treue zu den Zielen, für die der Geist ihre Institute innerhalb der Kirche erweckt hat;[31]

b) das Bemühen um ein Zeugnis für die Werte des Evangeliums, die der Arbeit ihre Würde zurückgeben und ihre wahren Zielsetzungen aufzeigen;[32]

c) der Einsatz für die Festigung der «religiösen» Dimension, die ihren Beruf kennzeichnet und die Anziehungskraft des Reiches Gottes erweist, das sie in seiner ganzen Radikalität bejahen;[33]

d) ein brüderliches Teilen, das die tägliche Gemeinschaftserfahrung im Ordensleben trägt und entwickelt, wobei eine neue Erfahrung der Liebe Christi für den Aufbau von Solidarität unter den Menschen sichtbar wird.[34]

9. Besondere Kriterien für Entscheidung und Verhalten sind ferner von der Art und Weise der Beteiligung selber gefordert. Zwei Formen der Einfügung in die Welt der Arbeit bieten sich nämlich mit jeweils erwägenswerten Eigenarten:

I. Die Übernahme eines zivilen Berufes, der unter den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen der übrigen Bürger ausgeübt wird (in Schulen, Krankenhäusern usw.).

In verschiedenen Ländern legen die gewandelten politischen Verhältnisse dies nahe, z.B. im Fall der Verstaatlichung, wo also der Staat die Trägerschaft übernimmt. Manchmal veranlassen neue Gesetze oder die Bedürfnisse des Ordensinstitutes selbst eine Präsenz wie die der Laien, um die apostolische Tätigkeit fortführen zu können. Auch das Suchen nach neuen Weisen der Präsenz hat Versuche der Einfügung in die allgemeinen sozialen Strukturen nahegelegt.

In jedem Fall verlangt die allgemeine Zielsetzung des Ordenslebens und die besondere des eigenen Institutes, daß diese neuen Situationen mit den Forderungen des Gemeinschaftslebens und denen des Gehorsams und der Ordensarmut konfrontiert werden.

Ein ziviler Beruf spannt die Ordensperson in der Tat in eine direkte persönliche Aufgabe ein und macht sie weitgehender abhängig von Organismen und Strukturen, die ihrem Institut fremd sind. Außerdem bringt er ein neues Verhältnis zu Arbeit und Lohn mit sich. Das sind einige Aspekte, die sich die Verantwortlichen der Institute vor Augen halten müssen, wenn sie solche Entscheidungen bewerten wollen. Dies fordert in der Tat eine Unterscheidungsgabe, die die religiöse Zielsetzung, derentwegen sie übernommen werden, bewahrt und bewertet.

II. Die Einfügung in das Arbeitermilieu bringt zugleich mit den Werten, die durch sie verwirklicht werden sollen, charakteristische Probleme mit sich. Die Ordensleute treten als Arbeiter nämlich in eine Welt mit Eigengesetzen ein, mit eigenen Spannungen und vor allem mit ihrer starken Ausprägung aufgrund von vorherrschenden Ideologien und gewerkschaftlichen Kämpfen, die oft belastend sind.

Es kann deshalb vorkommen, daß der Ordensmann, der das Los der Arbeiter teilen möchte, um Zeuge für die pastorale Sorge der Kirche zu sein,[35] eine Sicht des Menschen, der Gesellschaft, der Geschichte und Arbeitswelt gewinnt, die nicht den Urteilskriterien und der Soziallehre der Kirche entspricht. Daraus folgt, daß eine solche Sendung besondere Aufmerksamkeit und Sicherungen erfordert.[36]

10. Noch mehr erfordert die Beteiligung an gewerkschaftlicher Tätigkeit eine klare Kenntnis der pastoralen Perspektiven, aber auch der Grenzen und Risiken eines Mißbrauchs, der sich dabei für Leben und Tätigkeit der Ordensleute ergeben kann.

Die entsprechenden Überlegungen müssen sich daher von einigen klaren Normen leiten lassen:

a) Grundsätzlich besteht keine innere Unvereinbarkeit zwischen dem Ordensleben und dem sozialen Einsatz, auch nicht auf der Ebene der Gewerkschaften. Manchmal kann die Teilnahme an gewerkschaftlichen Tätigkeiten nach den verschiedenen Gesetzgebungen notwendig mit der Präsenz in der Welt der Arbeit verbunden sein; andererseits kann eine solche Teilnahme auch ratsam erscheinen aus Solidarität, zur rechtmäßigen Unterstützung der bestehenden Rechte.[37]

b) Politische Einmischung bringt freilich oft Probleme, die nicht leicht zu lösen sind. Man muß solche Situationen nach Kriterien bewerten, wie sie für die politische Praxis gelten (vgl. den folgenden Abschnitt). Besondere Aufmerksamkeit ist gegenüber Ideologien nötig, die den sogenannten Klassenkampf fordern. Die Lehre von OA (26-36) würde sich in diesem Fall als sehr notwendig erweisen.

c) Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich ferner Verhaltensgrundsätze ableiten, die Zielsetzungen und Gestaltung ähnlicher Vorhaben leiten sollten. Gerade innerhalb einer für das soziale Leben derart einflußreichen Gruppe wie der der Arbeiter sind die Ordensleute Träger menschlicher und christlicher Werte, die sie gelegentlich zur Ablehnung gewisser gewerkschaftlicher Handlungsweisen oder politischer Bewegungen veranlassen, wenn sie nicht den klaren Forderungen der Gerechtigkeit entsprechen, für die allein sie sich eingesetzt haben.

Auch im Inneren der eigenen Gemeinschaften sollen diese Ordensleute die Werte der Gemeinschaft pflegen und unannehmbare Polarisierungen vermeiden. Ein solches Verhalten wird den Gemeinschaften ausgewogene und glaubwürdige Entscheidungen erleichtern.

d) Das Bewußtsein, daß den Laien aufgrund ihrer Berufung und Sendung besonders der Einsatz für die Förderung der Werte der Solidarität und Gerechtigkeit innerhalb der weltlichen Strukturen zukommt, muß als weiteres wesentliches Kriterium angesehen werden, das für die Präsenz der Ordensleute richtungsweisend ist.[38] Ihre ergänzende Funktion, besonders auf diesem Gebiet, wird sich vor allem im Zeugnis und im Beitrag zu einer immer sachgerechteren Vorbereitung der Laien ausprägen.

4. Das Eingreifen in die «politische Praxis»

11. Die Ordensleute haben im allgemeinen gezeigt, daß sie sich der Tatsache bewußt sind, daß ihre Mitwirkung bei der Förderung des Menschen ein Dienst am Evangelium und am Menschen ist, aber keine Bevorzugung von Ideologien und politischen Parteien.

Bei eventuellen Verwicklungen solcher Art sehen sie das Risiko, die dem Ordensleben eigene Identität und die der Sendung der Kirche zu verlieren.[39] Dazu kommt eine gefährliche Tendenz, Ideen und Methoden absolut zu setzen, die leicht für eigensüchtige Ziele mißbraucht werden.

12. Einige Leitlinien, die dem Lehramt entsprechen, scheinen daher notwendig, um einen Sachverhalt zu beleuchten, der in sich ein heißes Eisen ist und manchmal zu Grenzüberschreitungen führt.

a) Politik kann in einem weiteren und allgemeinen Sinn verstanden werden, nämlich als dynamische Organisation des gesamten sozialen Lebens. In dieser Sicht sind alle Bürger zu einer menschlichen, verantwortlichen und aktiven Beteiligung verpflichtet.

In dieser Sicht erhält die Rolle der Ordensleute bei den Tätigkeiten und Werken große Bedeutung. Sie regen kulturelle und soziale Wandlungen an und tragen zur Förderung des Menschen bei.

b) Wenn aber «Politik» eine direkte Beteiligung und Vertretung nur einer Gruppe meint - und das heißt ja «politische Praxis» - gilt es, zurückzugreifen auf jene Qualifikationen, die Berufung und Sendung der Ordensleute in Kirche und Gesellschaft begründen, um so die richtigen Kriterien für einen eventuellen Einsatz zu gewinnen.

1) Die Ordensleute, die den wertvollen Beitrag ihres evangelischen Zeugnisses und der Vielfalt ihrer apostolischen Initiativen anerkennen, dürfen sich nicht von der Illusion verführen lassen, daß sie größeren Einfluß auf die Entwicklung der Menschen und Völker ausübten, wenn sie ihre spezifischen Aufgaben durch politischen Einsatz im engeren Sinn ersetzten.[40]

2) Der Aufbau des Reiches Gottes innerhalb der Strukturen der Welt, der die Menschen mit dem Evangelium konfrontiert, ist sicher ein Thema von großem Interesse für alle Christen und darum auch für die Ordensleute. Das ist nicht in dem Sinn gemeint, daß sie sich selber direkt in die politische Praxis hineinziehen lassen.

Mit ihren Schulen, den Kommunikationsmedien und ihren vielfältigen religiösen und erzieherischen Initiativen können sie dagegen aktiv zur Vorbereitung vor allem der Jugendlichen beitragen und sie zu Führungskräften bei der Förderung des Menschen und der sozialen Gegebenheiten heranbilden; dann werden sich die Auswirkungen gewiß auch auf politischem Gebiet zeigen. Es geht dabei nicht um eine Eroberungsstrategie, sondern um den Dienst am Menschen und an der Gesellschaft, zu dem die ganze Gemeinschaft der Kirche von Christus eingeladen ist (Lk 22, 2527).

3) In diesem Sinne werden Initiativen von Ordensschwestern bejaht, die die Stellung der Frau heben und fördern wollen. Den Frauen soll geholfen werden, sich in Bereiche des öffentlichen Lebens einzufügen, die über den Bereich der Kirche hinausgehen und ihrer Natur und besonderen Begabung am besten entsprechen.[41]

4) Auf diese Weise machen sich Ordensleute durch ihr Zeugnis und ihre Werke als «Experten des Evangeliums» glaubwürdig, und als solche dienen sie der Heilung und dem Aufbau der Gesellschaft, auch wenn sie von spezifisch politischen Optionen sich fernhalten. So stehen sie nicht da als Männer und Frauen nur einer politischen Richtung, sondern als Werkzeuge des Friedens und der brüderlichen Solidarität.

In der Tat, durch den Primat der Gottesliebe, den die Wahl ihres Standes deutlich offenbart,[42] stellen sich die Ordensleute als Menschen des Absoluten in das dynamische Leben der Kirche, die vom Absoluten, von Gott, ergriffen ist.[43] Sie sind dazu berufen, für diese Grundentscheidung, die alle anderen fördert und bedingt, Zeichen und Impuls zu sein.

5) Aktive politische Beteiligung bleibt daher Ausnahme und kann nur als Vertretung gesehen werden, die nach besonderen Kriterien zu bewerten ist. Sollten ungewöhnliche Umstände sie fordern, kann man die einzelnen Fälle prüfen, um mit Billigung der Verantwortlichen der Ortskirche und der Ordensinstitute die Folgerungen zu ziehen, die dem Wohl der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinschaft entsprechen. Tatsächlich muß man sich immer die Priorität der spezifischen Sendung der Kirche und des Ordenslebens vor Augen halten, wie es ihrer Kompetenz entspricht.[44]

II. ALLGEMEINE UNTERSCHEIDUNGSKRITERIEN

13. Eine vierfache Treue motiviert und leitet vor allem das Wirken der Ordensleute für die Förderung des Menschen. Sie liegt auf der Linie der Grundsätze, die das Konzil für die Erneuerung aufgestellt hat[45] und trägt den bisher behandelten Problemen Rechnung. Es geht um:

die Treue zum Menschen und zu unserer Zeit,

die Treue zu Christus und zum Evangelium,

die Treue zur Kirche und zu ihrer Sendung in der Welt,

die Treue zum Ordensleben und zum Charisma des eigenen Institutes.

1. Dem Menschen und unserer Zeit nahe

14. Die kulturellen, sozialen und politischen Umwälzungen, die nicht ohne Schwierigkeiten und Unruhen ganze Völker und Kontinente erfassen, rufen die Kirche zu einer dem Evangelium gemäßen Präsenz auf als Antwort auf die größten Hoffnungen und Erwartungen der Menschheit.[46]

Diese brennende pastorale Sorge, die aufgrund der Überlegungen und Perspektiven des II. Vatikanischen Konzils noch deutlicher geworden ist, kam bei den Bischofssynoden und in den Apostolischen Schreiben neu zum Ausdruck. All das ruft klar und nachdrücklich die Gemeinschaft der Kirche auf, in der Erneuerung mutige Schritte zu tun, um den Menschen von heute dem Evangelium näherzubringen, der Quelle aller echten Förderung des Menschen und seiner sozialen Lage.[47]

15. Die Geschichte der Welt von heute, die sich inkarniert in der konkreten Existenz eines jeden Menschen, wird zu einem offenen Buch für die Meditation der Kirche und aller Christen.[48] Diese Geschichte wird in der Tat zur Herausforderung für alle Berufungen innerhalb der Kirche und drängt sie zu einer gründlichen Überprüfung ihres Lebens und ihrer Aufgaben.

Die Ordensleute wissen sich noch tiefer angesprochen, weil sie sich radikal für das Evangelium entschieden haben. Sie begreifen, daß sie in dem Maß, wie sie sich zum ursprünglichen Plan Gottes mit dem Menschen «bekehren», so wie er im neuen Menschen Jesus Christus sichtbar wird,[49] die «Bekehrung» von Mentalität und Haltung bei den anderen fördern. Dadurch kann eine Reform der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen echt und dauerhaft werden, so daß sie einem gerechteren und friedlicheren Zusammenleben dient.[50]

16. Deshalb sollen alle Ordensinstitute beim Bemühen um Erneuerung ihres Zeugnisses und ihrer Sendung dafür sorgen, daß «ihre Mitglieder die Lebensverhältnisse der Menschen, die Zeitlage sowie die Erfordernisse der Kirche wirklich kennen, damit sie die heutige Welt im Licht des Glaubens richtig beurteilen und den Menschen mit lebendigem apostolischem Eifer wirksamer helfen können ».[51]

2. In der umgestaltenden Kraft Christi und des Evangeliums

17. Die Evangelien geben von Christus Zeugnis, von der Treue, mit der er die Sendung erfüllt hat, für die ihn der Geist gesalbt hatte.[52] Es war eine Sendung zur Evangelisierung und Erlösung des Menschen, die ihn mit seinem Volk leben ließ, dessen Sorgen und Nöte er teilte, das er aber auch belehrte und unterwies, indem er das Evangelium der Bekehrung zum Reich Gottes predigte und bezeugte.[53]

Seine umwälzende Lehre von den Seligkeiten führte radikal neue Perspektiven für die Bewertung der irdischen Wirklichkeiten sowie für die menschlichen und sozialen Beziehungen ein. Er wollte, daß diese auf eine Gerechtigkeit und Heiligkeit gerichtet seien, die vom neuen Gebot der Liebe geprägt sein sollten.[54]

Das Leben, das er wählte, kennzeichnet und qualifiziert vor allem die Ordensleute, die die gleiche «Lebensform (wählen), die der Sohn Gottes annahm, als er in die Welt eintrat».[55]

18. Getreu dieser «letzten Norm »[56] wissen sich die Ordensleute täglich auf den Weg der Bekehrung zum Reiche Gottes gestellt. Er macht sie in der Kirche und gegenüber der Welt zum anziehenden Zeichen, das zu tiefgreifender Überprüfung des Lebens und der Wertmaßstäbe aufruft.[57]

Dies ist zweifellos der besonders erwartete und lohnende Einsatz, zu dem sie gerufen sind,[58] auch dort, wo die Gemeinschaft der Christen für die Förderung des Menschen und die Entwicklung von sozialen Beziehungen arbeitet, die getragen sind von den Grundsätzen der Solidarität und brüderlichen Gemeinsamkeit.

Auf diese Weise helfen sie mit, «den ursprünglichen Charakter der christlichen Befreiung und der Energien, die sie freizusetzen vermag, zu bewahren, - Befreiung in ihrem vollständigen und tiefen Sinn, wie Jesus sie angekündigt und verwirklicht hat».[59]

19. Die Kraft zum Wandel, die der Geist der Seligpreisungen enthält und das Leben der Ordensleute durchdringt und dynamisch macht, kennzeichnet ihre Berufung und Sendung.[60] Sie bejahen als erste Seligpreisung und erste «Befreiung» die Begegnung mit Christus, der arm war mit den Armen, und bezeugen so, daß sie wirklich an den Vorrang des Reiches Gottes vor allen Dingen dieser Welt und an seine höchsten Anforderungen glauben.[61]

Indem sie so den christlichen und tief menschlichen Sinn der Wirklichkeit und der Geschichte sichtbar machen, der sich vom Geist der Seligpreisungen herleitet und der zum Entscheidungsmaßstab des täglichen Lebens geworden ist, zeigen die Ordensleute, wie eng die Beziehung zwischen dem Evangelium und der Förderung des Menschen im sozialen Zusammenleben ist. Daher kann die Kirche das dem Evangelium gemäße Zeugnis der Ordensleute als eine herrliche und einzigartige Möglichkeit hinstellen, die zeigt, daß der Weg der Seligpreisungen allein «die Welt zu verwandeln und Gott darzubringen» vermag.[62]

3. In organischer Gemeinschaft mit der Kirche

20. Die den Christen gemeinsame Berufung zur Vereinigung mit Gott und den Menschen für das Heil der Welt[63] ist der Erwägung der unterschiedlichen Gaben und Dienstämter noch vorgeordnet.

Auf dieser gemeinsamen Berufung gründen sich die Beziehungen der verschiedenen Menschen und Gruppen in der Kirche, zumal die mit jenen, die der Heilige Geist als Bischöfe für die Leitung der Kirche Gottes bestellt hat.[64]

21. Die Ordensleute sind inniger mit der Kirche verbunden[65] und nehmen in einer ihnen eigenen Weise an der sakramentalen Struktur des Volkes Gottes teil;[66] in den Ortskirchen gehören sie in einer besonderen Weise zur Diözesanfamilie.[67]

Das Konzilsdekret über das Hirtenamt der Bischöfe widmet der Aufgabe der Ordensleute seine Aufmerksamkeit und zählt sie in doppelter Hinsicht zu den Mitarbeitern des Bischofs:

sie wollen sich den pastoralen Erfordernissen stellen, und sie wollen die charakteristische Zielsetzung der einzelnen Institute einbringen.[68]

22. Die Identität des Ordenslebens und seiner besonderen Aufgabe wird neu beleuchtet durch die Vielfalt der Berufungen und Dienste in der Kirche, die einander ergänzen.

Es ist daher notwendig, die Aufgaben jedes Dienstes zu kennen und zu schätzen: den hierarchischen Dienst, das gottgeweihte Leben in seinen verschiedenen Formen und den Laienstand.

So wird die eigene Aufgabe erfüllt im ständigen Bemühen um brüderliche Übereinstimmung und Hilfe, wodurch gleichzeitig die eigene Identität und die Gemeinschaft der Kirche bejaht wird.

23. Es ist ein allgemeines Unterscheidungskriterium, das noch besser zum Tragen kommt, wenn man sich die Zuständigkeit der verschiedenen kirchlichen Gruppen klar vor Augen führt und die jeweils ergänzenden Aspekte ausfindig macht.

Den Laien kommt es zu, das Reich Gottes zu suchen, indem sie sich mit den zeitlichen Dingen befassen und sie nach Gottes Willen ordnen.[69]

Der «säkulare» Charakter einiger Institute des gottgeweihten Lebens gestattet eine direktere Präsenz und ein volleres Einsteigen in die weltlichen Wirklichkeiten und Strukturen. In diesen Instituten, die deswegen auch «säkular» genannt werden, leisten die Mitglieder einzeln auf jedem entsprechenden Gebiet ihr besonderes Apostolat und bedienen sich dabei der Strukturen der Welt.[70]

Wenn sich die Ordensleute dagegen aufgrund der Lebensentscheidung, die sie kennzeichnet, außerhalb der weltlichen Strukturen stellen, werden sie dadurch nicht dem Wirken der anderen Gruppen der Kirche entfremdet, wo es um den Aufbau der irdischen Gesellschaft geht als Ort, der das Reich Gottes aufnehmen kann.[71]

Sie sind freilich dort auf eine ihnen eigene Weise präsent: sie übernehmen nicht Aufgaben und Methoden, die anderen kirchlichen Gruppen zukommen, machen sich aber zu noch radikaleren Zeichen für einen dem Evangelium gemäßen Lebensstil, ferner für eine bestimmte Art der Beteiligung, denn sie geben das Zeugnis ihres Berufes öffentlich und in all seinen Ausdrucksformen gemeinschaftlich.

Wenn die Ordensleute dann als Priester am priesterlichen Dienstamt teilhaben, sind sie aufgrund dieses neuen Titels verpflichtet, den kirchlichen Gemeinschaften vorzustehen und zu dienen und dabei ein noch bewußteres Zeugnis der Einheit zu geben.[72]

24. Als «Experten des gemeinschaftlichen Lebens» sind die Ordensleute darum aufgerufen, in der Kirche, der kirchlichen Gemeinschaft und der Welt Zeugen und Baumeister im Sinne jenes göttlichen Planes für Gemeinschaft zu sein, der die Geschichte der Menschen krönen soll.[73]

Vor allem werden sie durch das Leben nach den evangelischen Räten, das die Liebe von jedem Hindernis befreit, gemeinsam zu einem prophetischen Zeichen der innigsten Vereinigung mit dem über alles geliebten Gott.[74]

Durch die tägliche Erfahrung eines Lebens in Gemeinschaft, des Gebetes und Apostolates als eines wesentlichen und unterscheidenden Elementes ihrer Form des gottgeweihten Lebens[75] werden sie ferner zum «Zeichen brüderlicher Gemeinschaft», denn sie bezeugen in einer oft so tief entzweiten Welt und vor all ihren Glaubensbrüdern die Fähigkeit zur Gütergemeinschaft, zu brüderlicher Zuneigung sowie zu einem Plan ihres Lebens und Tuns. Dies wird ihnen dadurch möglich, daß sie den Anruf zu freierer und engerer Nachfolge Christi angenommen haben, der vom Vater gesandt wurde, um als Erstgeborener unter vielen Brüdern eine neue Gemeinschaft aufzubauen durch das Geschenk seines Geistes.[76]

25. Von ihrem gemeinschaftlichen Lebensplan her ergibt sich für sie jene Art und Weise der Präsenz und Beteiligung, die sie innerhalb der Sendung der Kirche kennzeichnen muß, und die wir nun herausstellen im Hinblick auf den Einsatz für die Förderung des Menschen.

Wie aus der Verschiedenheit der Gaben und Dienste, von denen schon die Rede war, hervorgeht, haben die Ordensleute anders als die Laien und die Mitglieder der Säkularinstitute (die als Einzelne apostolische, soziale und politische Verantwortlichkeiten übernehmen können, die den ihnen vom Geist zugewiesenen Zielen entsprechen) sich frei und bewußt entschieden, in allem ihre Sendung zum Zeugnis, zur Präsenz und zu apostolischer Tätigkeit im Gehorsam gegenüber dem gemeinsamen Programm und gegenüber den Obern des Institutes zu «teilen».

Dieses Teilen bedeutet Brüderlichkeit und Halt, zumal wenn der apostolische Auftrag den Ordensleuten größere und anspruchsvollere Verantwortlichkeiten im Rahmen schwieriger sozialer Verhältnisse überträgt.

26. Die Dringlichkeit des fundamentalen Kriteriums für Gemeinschaft wird noch verschärft durch die Verschiedenheit der Situationen, in denen sich die Christen in der Welt vor allem auf soziopolitischem Gebiet befinden.[77]

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, stets den Hinweis von OA 4 zu beachten,[78] wenn es um Entscheidungen geht, die das Verhältnis Evangelisation - Förderung des Menschen betreffen und notwendigerweise außer der eigenen Ordensgemeinschaft auch die Gemeinschaft der Kirche mit einbeziehen.

27. Die zutiefst kirchliche Natur des Ordenslebens führt durch ihren Gemeinschaftscharakter, der die Strukturen des Zusammenlebens und der Tätigkeit durchformen muß, zu einem wichtigen Aspekt ihrer Sendung im Innern der Kirche und auch innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft.[79]

Unter diesem Gesichtspunkt ist es eine besondere Forderung für die Ordensleute innerhalb der christlichen Gemeinschaft, das Amt der der Bischöfe als Zentrum der Einheit in der organischen kirchlichen Gemeinschaft zu bejahen und eine gleiche Haltung bei den anderen Gliedern des Gottesvolkes zu fördern.

Die Ordensleute haben vom hierarchischen Charakter dieser kirchlichen Gemeinschaft[80] auch nicht zu fürchten, daß ihre Hochherzigkeit und die Kreativität ihrer Initiativen geschmälert werden,[81] da jede geistliche Vollmacht gegeben wird zur harmonischen Förderung der Charismen und Dienste.[82] Vielmehr werden die Ordensleute zu Unternehmungsgeist und schöpferischem Tun bei ihrem Apostolat ermuntert,[83] weil das der charismatischen und prophetischen Natur des Ordenslebens selbst entspricht.

Durch ihre Sendung, die für die Gesamtkirche offen ist und sich innerhalb der Ortskirchen verwirklicht,[84] sind die Ordensleute daher am besten geeignet, jene Formen einer «angemessenen Koordinierung » anzuwenden, die «Mutuae Relationes» als Weg einer organischen kirchlichen Gemeinschaft aufzeigt.[85]

4. In dynamischer Treue zur eigenen Lebensweihe gemäß dem Charisma des Gründers

28. Eine neue Weise der Präsenz der Ordensleute in der Sendung der Kirche zur Evangelisierung und Förderung des Menschen wäre nicht ganz echt, wenn sie auch nur teilweise auf die Eigenart des Ordenslebens und den besonderen Charakter eines jeden Institutes verzichten müßte.[86] Diese Forderung, die wir immer deutlicher erkannten, muß zweifellos den unermüdlichen Einsatz der Ordensgemeinschaften bestimmen.

29. Es ist eine dynamische Treue, offen für die Anregungen des Geistes, der sich der Ereignisse innerhalb der Kirche und der Zeichen der Zeit bedient, eine Treue, zu der das kirchliche Lehramt immer wieder ermahnt.

Da die Ordensgemeinschaften durch eine bessere Kenntnis der Bedürfnisse des Menschen von heute, seiner Probleme, Bemühungen und Bestrebungen[87] wacher geworden sind, können sie besser unterscheiden, welches in den Ereignissen und Erwartungen, die sie mit anderen Gruppen in der Kirche teilen, die wahren Zeichen der Präsenz und des Planes Gottes sind.

Der gemeinschaftliche Dialog,[88] der sich leiten läßt vom Glauben, der gegenseitigen Annahme und Würdigung der Personen sowie vom religiösen Gehorsam, wird zum bevorzugten Ort für eine solche Unterscheidung.

Gerade weil sie sich auf dem Glauben aufbauen, sind die Ordensgemeinschaften ihrer Natur nach Hüter und Künder jenes Lichtes, das das ganze Volk Gottes die Absichten des Herrn für die integrale Berufung des Menschen erkennen läßt, um darin die humanen Lösungen für jedes Problem zu finden.[89]

30. Die brennende Frage, die ET 52 in die Mitte des Apostolischen Schreibens über die Erneuerung des Ordenslebens stellt, erscheint wie ein Schrei aus dem Herzen, in dem Paul VI. seine tiefe pastorale Sorge ausdrückt, seine große Liebe für den Menschen und die Welt von heute sowie das Vertrauen, das er in die Ordensleute setzt.

Die konkreten Entscheidungen bei der Erneuerung sind davon bestimmt. Ihre Dringlichkeit ruft zu einer Treue auf, die fähig ist, in das Heute des Lebens und der Sendung eines jeden Institutes die Kühnheit zu bringen, mit der die Gründer sich von den ursprünglichen Absichten des Heiligen Geistes erfassen ließen.[90]

31. Es geht hier um einen ständigen Bezug zum Leben in seiner tiefen Dynamik, wie erneut durch das wegweisende Wort Papst Johannes Pauls II.[91] bekräftigt wird, «zum Leben wie es sich uns heute darstellt mit seiner reichen Fülle an Traditionen der Vergangenheit, um uns die Möglichkeit zu bieten, von diesem Reichtum heute Gebrauch zu machen.

Wir müssen uns in voller Klarsicht fragen, wie man dem Ordensberuf heute helfen kann, sich seiner selbst bewußt zu werden und zu reifen; wie das Ordensleben im Gesamtleben der heutigen Kirche "funktionieren" soll. Nach einer Antwort auf diese Frage sind wir immer - und mit Recht - auf der Suche. Wir finden sie in der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils, in dem Apostolischen Schreiben «Evangelii Nuntiandi», in den zahlreichen Aussagen der Päpste, Synoden und Bischofskonferenzen. Diese Antwort ist grundlegend und vielfältig ».

Der Papst bekräftigt seine Hoffnung auf ein Ordensleben, das diesen Grundsätzen treu ist, denn sie machen aus ihm «ein unermeßliches Kapital an gutem Willen», ohne das «die Kirche nicht mehr voll sie selber wäre ».

« In der immer wieder erneuerten Treue zum Charisma ihrer Gründer müssen die Orden sich bemühen, dem, was die Kirche von ihnen erwartet, den Verpflichtungen, die die Kirche samt ihren Hirten heute für die dringendsten hält, zu entsprechen, angesichts einer Mission, die so sehr qualifizierte Arbeiter braucht ».[92]

III. ERFORDERNISSE FÜR DIE AUSBILDUNG

32. Die Probleme, mit denen sich das Ordensleben konfrontieren muß, um sich so zu erneuern, wie es der Einklang zwischen Evangelisierung und Förderung des Menschen fordert, finden ihre Rückwirkung in der Ausbildung zum geistlichen Leben.

All das kann eine Überarbeitung der Programme und Methoden für die Ausbildung verlangen, und zwar sowohl bei der ersten Einführung wie in den folgenden Abschnitten und in der ständigen Weiterbildung.

Führt man sich in diesem Licht die Grundsätze des Konzils für die Erneuerung vor Augen,[93] so wird klar, daß es nicht um bloße Anpassungen in gewissen äußeren Formen geht. Gefordert ist eine tiefreichende Formung der Mentalität und des Lebensstils, die die Ordensleute befähigt, auch in neuen Formen der Präsenz sie selber zu bleiben. Es ist immer eine Präsenz als «gottgeweihte Menschen», die durch ihr Zeugnis und ihre Werke die Umwandlung des einzelnen Menschen und die der Gesellschaft auf das Evangelium hin ausrichten.[94]

33. Einige Punkte bezüglich der Ausbildung verdienen besondere Aufmerksamkeit:

a) Das Bewußtsein von der Natur und dem Wesen des Ordenslebens, in sich selber und in seiner lebendigen Teilnahme an der Sendung der Kirche in der Gesellschaft von heute, ist deutlich zu machen.

Die spezifische Identität des Institutes muß neu entdeckt und schöpferisch eingebracht werden, um eine Erneuerung auf der Ebene der Tätigkeiten und der Werke zu erreichen. Dies ist einer der wichtigsten Aspekte in der ersten sowie in der fortschreitenden Ausbildung.

b) Das Bekenntnis zu den evangelischen Räten kann bei der Gegenüberstellung von Ordensleben - Kirche - Welt von heute eine Haltung erfordern, die den Wert des prophetischen Zeichens als Antriebskraft zur Bekehrung und Umwandlung der Welt, ihrer Auffassungen und Beziehungen anerkennt.[95]

c) Das Gemeinschaftsleben, besonders verstanden als Erfahrung und Zeugnis der «Communio», entwickelt die Fähigkeit, sich an verschiedene Formen der Tätigkeit anzupassen.[96] Diese schwächen nicht die brüderlichen Bande und das solidarische Mittragen des besonderen Auftrags des Institutes innerhalb der Kirche, sie können diese bei einer solchen Haltung sogar festigen.

Neue Bereiche der Einfügung, wie sie bei Überprüfung der Probleme, an die wir erinnert haben, beschrieben wurden, schaffen vielleicht unvorhergesehene Situationen. Sie verlangen eine Einführung ins Ordensleben durch eine geistliche und menschliche Vorbereitung, die zur Verwirklichung einer Präsenz als reife, gottgeweihte Menschen beitragen, im Hinblick auf erneuerte Beziehungen innerhalb und außerhalb der eigenen Gemeinschaften.

d) Die Teilnahme am Leben und an der Sendung der Kirche in einer Haltung der Mitverantwortung und des Mitarbeitens legt eine Kenntnis ihrer Initiativen und Ziele nahe, die zu erreichen sie sich vorgenommen haben.[97] Diese Kenntnis muß auf den neuen Stand gebracht sein.

Aus der Lehre des II. Vatikanischen Konzils und dem Akzent, den die Bischofssynoden darauf gelegt haben, geht hervor, daß es nicht möglich ist, die Ausbildung gemäß der absoluten Verpflichtung des Evangeliums von der Forderung des Menschen nach dem Heilsplan Gottes zu trennen.

Nicht entsprechend und unvollständig ware daher ein Ausbildungs- und Erneuerungsprogramm in den Ordensinstituten ohne genaue Kenntnis dessen, wie die Kirche auf diesem Gebiet denkt.[98]

Das scheint noch notwendiger, wenn man wünscht, daß die Ordensleute in der Lage sind, ihrer Pflicht gemäß, «die Gewissen aufzuwecken»[99] und andere Christen zu formen, zumal die Laien, damit diese sachkundig und ausgewogen ihren Anteil an der gemeinsamen Sendung zur Evangelisierung und Förderung des Menschen übernehmen können.[100]

Da ferner die missionarischen Dimensionen der Kirche besonders der hochherzigen Verfügbarkeit der Ordensleute anvertraut sind,[101] braucht die Ausbildung jener, die zu dieser besonderen Form der Evangelisierung und Förderung des Menschen bestimmt werden, eine entsprechende Anpassung, die den Kulturen, dem Empfinden und den besonderen Problemen am Ort gerecht wird.[102]

34. Die Rolle der Kapitel und der Generalate gewinnt erhebliche Wichtigkeit, wenn man an die Programmgestaltung und Anregung für diesen Weg des Aggiornamento und der Erneuerung denkt, die in Treue zum Geist und zur Geschichte erfolgen sollen:

zu Entscheidungen kommen, die heute am besten den ursprünglichen Zielsetzungen der Institute entsprechen, die Ordensleute und die Gemeinschaften durch entsprechende Information und Ausbildung orientieren, in aufmerksamem und konkretem Dialog die Überprüfung der Werke fordern, um eventuellen Positionen, die der heutigen Zeit wenig entsprechen, neuen Ansporn zu geben und die Suche nach neuen und besseren Ausdrucksformen anzuregen und zu leiten.

All das geschehe, um die Werte der Weihe und der Sendung, die die Grundlage einer bewußten und frohen Zugehörigkeit zum eigenen Institut bilden, in einem neuen Licht und anziehender erscheinen zu lassen.

35. Die Konferenzen der Ordensleute sind wegen ihrer unmittelbaren Kenntnis der kirchlichen und sozialen Zusammenhänge in der Lage, die Probleme, die sich in den verschiedenen Ländern und Kontinenten stellen, besser im einzelnen zu erkennen. Durch Erfahrungsaustausch und gemeinsames Überlegen können sie in Zusammenarbeit mit den Bischofskonferenzen und in Achtung der verschiedenen Charismen Lösungen und Wege finden, die mehr den Ansprüchen einer integralen Förderung des Menschen entsprechen, die sich am Evangelium ausrichten und sich ständig am Lehramt der Kirche orientieren.

Vatikanstadt, den 12. August 1980

Kardinal EDUARDO PIRONIO,
Präfekt
+ Erzbischof AUGUSTINUS MAYER, O.S.B.,

Sekretär

Anmerkungen

  1. EN 18-19.
  2. GS 4 - «Es geschieht also weder aus Opportunismus noch aus Sucht für das Neue, daß die Kirche, die "Expertin in der Menschlichkeit", ein Verteidiger der Menschenrechte ist. Es geschieht aus einer authentischen Verpflichtung aus dem Auftrag des Evangeliums, die, wie es bei Christus geschah, Verpflichtung zugunsten derer ist, die am meisten Not leiden» (Johannes Paul II, Puebla, Eröffnungsansprache III, 3).
  3. LC 46.
  4. LG 44; MR 8; 10.
  5. ET 52-53.
  6. GS 10.
  7. EN 69.
  8. PP 12.
  9. ET 17; GS 63; ET 52.
  10. EN 30.
  11. EN 33-34. Bei der Eröffnungsansprache in Puebla (III, 4) hat Johannes Paul II. daran erinnert: «Christus blieb nicht gleichgültig angesichts dieses weiten und anspruchsvollen Imperativs der Sozialmoral. Ebensowenig kann es die Kirche sein. Im Geist der Kirche, der der Geist Christi ist, und gestützt auf ihre umfangreiche und wahre Lehre wollen wir auf diesem Gebiet an die Arbeit gehen.»
  12. EN 69; LG 31; MR 14, a.
  13. EN 69.
  14. MR 59-60 ff.
  15. AAS, 1971, S. 928-932.
  16. EN 39.
  17. «Der Papst möchte eure Stimme sein, die Stimme jener, die nicht sprechen können oder die zum Schweigen gezwungen werden, möchte das Gewissen der Gewissen sein, der Aufruf zum Handeln, damit die verlorene Zeit, oft nur eine Zeit verlängerter Leiden und enttäuschter Hoffnungen, aufgeholt werde.» (Johannes Paul II. an die «campesinos» von Lateinamerika, 29. Jan. 1979).
  18. Synode von 1971, ebd. S. 933.
  19. EN 69.
  20. LG 46.
  21. PC 1; LG 46.
  22. ET 52.
  23. MR 19; 23 f; 41.
  24. EN 69; Dok. v. Puebla, Nr 733-734: «Die offene Seelsorge durch karitative Werke und die vorrangige Entscheidung für die Armen ist die bemerkenswerteste Tendenz des lateinamerikanischen Ordenslebens. In wachsendem Maße sind die Ordensleute in vernachlässigten und schwierigen Gebieten... tätig. Die Entscheidung für diese Gruppen stellt nicht die Ausschließung anderer dar, sondern ist eine besondere Hinwendung und Annäherung an die Armen. Dies hat zu einer Überprüfung traditioneller Hilfswerke geführt, um den Erfordernissen der Evangelisierung besser gerecht werden zu können... ».
  25. LG 912; 34-36; CD 33-35; EN 13; 58; AA 2, 6-10.
  26. vgl. das Dokument der Kongregation für das katholische Bildungswesen über die katholische Schule (19. März 1977) Nr. 60-61: Teilnahme der Christengemeinde an der Bildungsarbeit der Katholischen Schule.
  27. CD 35; MR 22-23.
  28. PC 13; ET 20; vgl. GS 67-72 zu den rnenschlichen und christlichen Faktoren der Arbeit.
  29. PO 8; OA 48. Das Dokument der Bischofssynode, welches das Dienstamt des Priesters behandelt (vgl. AAS, 1971, S. 912-913), beruft sich auf PO 8 und verdeutlicht, daß das priesterliche Amt als eine schon in sich selber voll gültige Tätigkeit angesehen wird. Ja, im Licht des Glaubens ist es ein erhabeneres Tun als andere Tätigkeiten. Es muß daher normalerweise vollzeitlich ausgeübt werden. Sollen bei besonderen Umständen andere Tätigkeiten mit diesem Dienst verbunden werden, muß der Maßstab für das Zusammenpassen im Dienst gesucht werden, der sich daraus für die pastorale Sendung der Kirche ergibt Darüber hat aber vor allem der Bischof mit seiner Priesterschaft zu urteilen, der, wenn nötig, die Bischofskonferenz hört.
  30. MR 10; LG 44.
  31. vgl. ET 20: «Eure Tätigkeit darf der Bestimmung eurer verschiedenen Ordensgenossenschaften nicht abträglich sein, noch dürft ihr als Regel zusätzliche Arbeiten übernehmen, die dann derart werden, daß sie an Stelle eurer eigentlichen Aufgaben treten ». vgl. auch das Dokument der Kongregation für das Katholische Bildungswesen über die katholische Schule, Nr. 74-76.
  32. ET 20.
  33. LG 44; PC 1; ET 3.
  34. PC 15; ET 21; 39.
  35. OA 48.
  36. OA 4 und 50.
  37. vgl das Dokument Puebla, Nr. 1162-1163 und 1244 (Ansprache Johannes Paul II. an die Arbeiter).
  38. LG 31; 33 - AA 7; 13 - GS 67; 68; 72.
  39. GS 42; 76; Synode 1971, AAS, S. 932; Dokument Puebla, Nr. 558-559.
  40. vgl. die Ansprache Johannes Paul II. an die Vereinigung der Generaloberen vom 24. November 1978, in der er mahnte, der Ordensmann «weiß im rechten Licht des Evangeliums die Entscheidung für die Ärmsten und für alle Opfer des menschlichen Egoismus zu interpretieren, ohne dabei gesellschaftspolitischen Radikalismen nachzugeben... er kommt den Menschen nahe und geht mitten unter das Volk, ohne seine eigene Ordensidentität in Frage zu stellen oder die spezifische Besonderheit seiner Berufung zu schmälern.» vgl. auch das Dokument von Puebla, Nr. 528.
  41. MR 49-50.
  42. ET 1; PC 6.
  43. EN 69; Dokument von Puebla, Nr. 527-529.
  44. vgl. Synode 1971, AAS, S. 912-913: das für die Priester aufgestellte Kriterium, wie es auch schon für andere Formen der Einfügung in die weltlichen Strukturen gefordert ist (Nr. 8), gilt auch für das Verhalten der Ordensleute wegen der engen Verbindung des Ordenslebens mit dem hierarchischen Apostolat (CD 34) und wegen des besonderen Verhältnisses, das es in die pastorale Verantwortung der Kirche hineinstellt (LG 45-46). In MR (Nr. 5-10-36) werden die theologischen Begründungen ausführlicher dargelegt und die praktischen Folgerungen aufgezeigt beim kirchlichen Gehorsam und bei der entsprechenden Ordnung der Dinge. vgl. auch das Dokument von Puebla, Nr. 769, wo die Worte des Papstes zitiert werden: «Ihr seid Priester und Ordensleute, nicht soziale oder politische Führer oder Funktionäre einer weltlichen Gewalt. Daher wiederhole ich: Bilden wir uns nicht ein, es wäre ein Dienst am Evangelium, wenn wir unser priesterliches Charisma zu 'verwässern' versuchen durch ein übertriebenes Interesse für das weite Gebiet der irdischen Probleme » (AAS, LXXI, S. 193).
  45. vgl. PC 2.
  46. GS 9.
  47. vgl. besonders die Synoden von 1971 und 1974; das Apostolische Schreiben «Evangelii nuntiandi», das für den direkten sozialen und politischen Aspekt durch «Octogesima adveniens» ergänzt wird.
  48. vgl. Red. hom. 14: «Die Kirche darf am Menschen nicht vorbeigehen... Der Mensch in der vollen Wahrheit seiner Existenz, seines persönlichen und zugleich gemeinschaftsbezogenen und sozialen Seins... Dieser Mensch ist der erste Weg, den die Kirche bei der Erfüllung ihres Auftrags beschreiten muß ».
  49. GS 22; RH 8.
  50. GS 63.
  51. PC 2 d; MR 26-42.
  52. Jes 42, 1-7; 61, 14; Lk 4, 17-19; vgl. das Dokument von Puebla, Nr. 1130: «Die Evangelisierung der Armen war für Jesus eines der messianischen Zeichen und soll auch für uns ein Zeichen der Wahrhaftigkeit im Geist des Evangeliums sein.»
  53. Mk 1, 15.
  54. Mt 5, 3-12; 5, 20; 43-48;
  55. LG 44; PC 1.
  56. PC 2a.
  57. LG 44; EN 69.
  58. MR 16; 26-28.
  59. Johannes Paul II., Eröffnungsansprache in Puebla III, 6; EN 9, 30-39; vgl. auch in der gleichen Ansprache I, 2-5 das Betonen einer soliden Christologie um des einen Evangeliums, das man nicht verkürzt oder entstellend darbieten darf. «Nur so sind wir in der Lage, dem Menschen und unseren Völkern zu dienen, mit dem Evangelium ihre Kultur zu durchdringen, die Herzen umzuformen sowie Systeme und Kulturen zu vermenschlichen.» vgl. RH 11.
  60. LG 31.
  61. LG 44.
  62. LG 31.
  63. MR 4.
  64. Apg 20, 28; MR 5-9.
  65. LG 44.
  66. MR 10.
  67. CD 34; die theologischen Prinzipien und die Grundsätze ihrer Anwendung sind ausführlich im Dokument «Mutuae Relationes» beschrieben.
  68. CD 33-35.
  69. LG 31.
  70. Motu Proprio «Primo feliciter» AAS, 1948, S. 285; PC 11.
  71. LG 46.
  72. LG 28; GS 43; MR 36.
  73. GS 19; 32 - vgl. Dokument von Puebla, Nr. 211-219; 721: «Das Ordensleben ist in sich selbst Verkündigungsträger in Richtung auf die Gemeinschaft und Mitbeteiligung».
  74. LG 44.
  75. PC 15; vgl. Dokument von Puebla, Nr. 730-732.
  76. GS 32.
  77. OA 3.
  78. «Gegenüber solcher Verschiedenheit der Situation, ist es für uns schwer, ein für alle gültiges Wort zu sagen und eine für alle gültige Lösung vorzulegen. Den Christlichen Gemeinschaften kommt es zu, die für ihr Land eigene Situation objektiv zu analysieren, sie im Lichte der unvergänglichen Worte des Evangeliums aufzuhellen, grundsätzliche Überlegungen für ihre Beurteilung und für die Tätigkeit vorzulegen entsprechend der Soziallehre der Kirche. Den christlichen Gemeinschaften obliegt es, mit den verantwortlichen Bischöfen und im Gespräch mit den anderen christlichen Mitbrüdern wie allen Menschen guten Willens unter dem Beistand des Heiligen Geistes die verschiedenen Möglichkeiten und den Einsatz zu beurteilen, um die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umbildungen durchzuführen, die in vielen Fällen dringend notwendig sind. Bei diesem Bemühen um die Durchführung der Veränderungen müssen sich die Christen mit neuem Vertrauen wappnen in die Kraft und Eigenständigkeit der Forderungen des Evangeliums» (OA 4) - vgl. das Dokument von Puebla, Nr. 473.
  79. «Die Ordensleute (sollen) nicht nur die Einheit mit dem Bischof annehmen, sondern... eine solche unauflösliche Einheit der Ziele und des Handelns mit den Bischöfen ernsthaft suchen. Es darf und soll ihnen die Mitarbeit, eine verantwortliche, aktive Mitarbeit, der Ordensleute nicht fehlen; eine vertrauensvolle, bereitwillige Mitarbeit, die von dem ihnen eigenen Charisma inspiriert ist, das sie zu besonders verfügbaren Dienern des Evangeliums macht » (Johannes Paul II. in der Eröffnungsansprache in Puebla II, 2).
  80. MR 5.
  81. ebd. Nr. 19; 41.
  82. LG 10-12; 27; PO 9; AA 2.
  83. EN 69.
  84. LG 45-46; CD 33-35; vgl. die Ansprache Johannes Paul II. an die Generaloberen der männlichen Orden vom 24. November 1978.
  85. MR 52 ff.
  86. LG Kap. 6; PC 2; MR 11-12.
  87. GS 1-10; ET 25.
  88. PC 14; ET 25.
  89. GS 11.
  90. MR 23 f.
  91. Ansprache an die Generaloberen vom 24. November 1978.
  92. Ansprache an die UISG vom 16. November 1978.
  93. PC 2; 18 - ES II, 15-19; 33-38.
  94. PC 18.
  95. ET 13-29 - vgl. das Dokument von Puebla, Nr. 476: «Unser gesellschaftliches Verhalten ist integrierender Bestandteil unserer Nachfolge Christi ».
  96. PC 3; 15.
  97. PC 2 c.
  98. «Unter Berücksichtigung dieser Lehre hat die Kirche einen Auftrag zu erfüllen: sie muß predigen, die Personen und Gemeinschaften erziehen, die öffentliche Meinung bilden, die Verantwortlichen der Völker beraten. Schöpft also aus diesen authentischen Quellen! Sprecht die Sprache der Erfahrung, der Leiden und der Hoffnung der heutigen Menschheit» (Johannes Paul II., Eröffnungsansprache von Puebla, III, 4).
  99. ET 18.
  100. Das Dokument über die Gerechtigkeit in der Welt (Synode, 1971, AAS, S. 935-937) bietet neben einer Zusammenfassung der hauptsächlichen Lehräußerungen der Kirche auch Hinweise für das Hinwirken auf eine «Erziehung zur Gerechtigkeit ». Johannes Paul II. sagt wieder in Puebla (III, 7): «Gestattet mir, daß ich eurer pastoralen Sorge besonders empfehle, eure Gläubigen für die Soziallehre der Kirche zu interessieren und empfänglich zu machen. Es ist vor allem notwendig, sich dafür einzusetzen, daß auf allen Ebenen und in allen Sektoren ein soziales Bewußtsein herangebildet wird. Wenn die Ungerechtigkeiten zunehmen und der Abstand zwischen Armen und Reichen leider noch immer größer wird, so muß die Soziallehre in schöpferischer Weise, die offen ist für die weiten Bereiche, in denen die Kirche gegenwärtig ist, ein wertvolles Instrument für die Unterweisung und für konkrete Initiativen sein ».
  101. EN 69.
  102. AG 18; 25-21.

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