Depositum fidei

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Unter Depositum fidei, Glaubenshinterlage, Glaubensvermächtnis, Glaubensschatz, oder Glaubensgut (KKK 857) versteht man die Gesamtheit der Offenbarung Gottes, wie sie als religiöse Überlieferung Israels und der ersten christlichen Gemeinden im Alten und im Neuen Testament sowie in der ersten kirchlichen Auslegungen überliefert ist.[1]

Inhaltsverzeichnis

Schrift und Tradition

Das Urzeugnis wurde von Christus als "Erbgut der Wahrheit"[2] den Aposteln und der Kirche übergeben und anvertraut, die als Gesamtheit der Gläubigen im Glauben nicht irren kann. Das Depositum fidei ist als Objekt der Unfehlbarkeit (Lumen gentium, Nr. 12 und 25) bis zur Parusie zu bewahren, (1 Tim 6,20 EU; 2 Tim 1,12ff EU) und unter dem Beistand des Heiligen Geistes auszulegen und zu verkünden.

Überlieferung und Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil, da sie beide ihren Ursprung in der Offenbarung Gottes haben; Schrift und Tradition sollen "mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden"; die Kirche schöpft ihre Gewissheit über Gottes Offenbarung somit nicht allein aus der Heiligen Schrift. Die Bibel ist vom Heiligen Geist inspiriert und den Aposteln anvertraut, und der Kirche ist der Beistand des Heiligen Geistes zugesagt, diese tradierte Wahrheit weiterzugeben. Die Bischöfe haben als Nachfolger der Apostel die Aufgabe, sie "unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu zu bewahren, zu erklären und auszubreiten".[3]

„Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluß Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, dass keines ohne die anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.“

Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, Nr. 10

Das Depositum fidei und der Glaube der Kirche

Das I. Vatikanische Konzil bestimmte 1870 in seiner dogmatischen Konstitution Dei filius Nr. 19:

Mit dem "göttlichen und katholischen Glauben muss man nun an all dem festhalten, was das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes enthält und die Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorstellt - sei es in feierlichem Lehrentscheid, sei es in Ausübung ihres gewöhnlichen allgemeinen Lehramtes."
(Fide divina et catholica ea omnia credenda sunt, quae in verbo Dei scripto vel tradito continentur, et ab Ecclesia sive solemni iudicio sive ordinario et universali magisterio tamquam divinitus revelata credenda proponuntur.)[4]

Diese Bestimmung wurde in den Codex iuris canonici von 1917 (c. 1323, § 1) und von 1983 (c. 750) übernommen, wo es jetzt heißt: "Kraft göttlichen und katholischen Glaubens ist all das zu glauben, was im geschriebenen oder im überlieferten Wort Gottes als dem einen der Kirche anvertrauten Glaubensgut enthalten ist und zugleich als von Gott geoffenbart vorgelegt wird." Das II. Vatikanische Konzil spricht davon, dass die Gläubigen "mit einer im Namen Christi vorgetragenen Entscheidung ihres Bischofs über den Glauben und die Sitten übereinkommen (concurrere) und ihr mit dem religiösen Gehorsam ihres Herzens anhangen" (religioso animi obsequio adhaerere) müssen.[5]

Papst Johannes Paul II fügte durch das Motu proprio Ad tuendam fidem vom 18. Mai 1998 einen zweiten Paragraphen in den Codex Iuris Canonici ein, in dem das Depositum fidei ausdrücklich genannt wird:

c. 450 § 2. "Fest anzuerkennen und zu halten (amplectenda ac retinenda) ist auch alles und jedes, was vom Lehramt der Kirche bezüglich des Glaubens und der Sitten endgültig vorgelegt wird, das also, was zur unversehrten Bewahrung und zur getreuen Darlegung des Glaubensgutes erforderlich ist (quae ad idem fidei depositum sancte custodiendum et fideliter exponendum requiruntur); daher widersetzt sich der Lehre der katholischen Kirche, wer diese als endgültig zu haltenden Sätze ablehnt (doctrinae Ecclesiae catholicae adversatur qui easdem propositiones definitive tenendas recusat)."

Die irrtumslose Verkündigung der Kirche bezieht sich auf das Depositum fidei und "auf die Gegenstände, ohne die dieses Glaubensgut nicht in rechter Weise bewahrt und entfaltet werden kann", nämlich die Dogmen.[6]

Unveränderlichkeit und Veränderung des Depositum fidei

Die schriftliche Überlieferung und die Tradition der Kirche gelten als abgeschlossen, es können keine neuen Lehren hinzugefügt werden[7]. Das Verständnis des Glaubensguts muss durch das Zusammenwirken von "Verstand und Willen, Geist und Arbeit, Lehre und Apostolat, Glaube und Liebe, Lehramt und Hirtenamt" ausgelegt werden, die sich im Leben der Kirche ergänzen, so Papst Paul VI.[8]

Das Zweite Vatikanische Konzil nennt es einen "Fortschritt der apostolischen Überlieferung", wenn diese in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes "durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben" und "durch Nachsinnen und Studium der Gläubigen" "der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegenstrebt".[9] Das Geheimnis Gottes kann dabei nie ganz und vollkommen zur Sprache gebracht werden, es ist nur unangemessen und in der Mangelhaftigkeit der Analogie des Glaubens auszusagen. Um das Depositum fidei unverfälscht zu erhalten, ist es notwendig, dass sich die Verkündigung von bestimmten historisch bestimmten Darstellungen löst.[10] Die Bischöfe als "Herolde des Glaubens" predigen den Gläubigen den Glauben und "erklären ihn im Licht des Heiligen Geistes, indem sie aus dem Schatz der Offenbarung Neues und Altes vorbringen (vgl. Mt 13,52 EU)".[11] Alle Glieder der Kirche haben die Zielaufgabe, "das Wesen des bleibenden Ursprungs des Glaubens unverdeckt hineinzusagen in das Gespräch der Geschichte".[12]

Es ist wichtig, dass das Glaubensgut in eine echte religiöse Praxis umgesetzt wird und sich "in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießt"[13], damit es "in der konkreten geschichtlichen Wirklichkeit seine erlösende Kraft erweist".[14]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Wolfgang Beinert: Art. Depositum fidei in: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl., Bd. 3, Sp. 101.
  2. Kongregation des Heiligen Offiziums Erklärung Mysterium ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Nr. 6.
  3. Zweites Vatikanisches Konzil: Dei Verbum, Nr. 9; vgl. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501).
  4. I. Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution Dei filius, Nr. 19.
  5. II. Vatikanum, Dogmatische Konstitution Lumen gentium [[Lumen gentium (Wortlaut)|Nr. 25.
  6. Kongregation des Heiligen Offiziums: Mysterium ecclesiae, Nr. 3 (24. Juni 1973).
  7. Pastor aeternus, Nr. 17; Mirari vos, Nr. 8
  8. Paul VI.: Ansprache Voi avete partecipato, September 1963.
  9. Dei verbum, Nr. 8.
  10. Wolfgang Beinert: Art. Depositum fidei in: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl., Bd. 3, Sp. 101.
  11. Zweites Vatikanisches Konzil, Enzyklika Lumen gentium Nr. 25.
  12. Karl Rahner, Karl Lehmann in: Johannes Feiner, Magnus Löhrer (Hsg.): Mysterium Salutis. Grundriß heilsgeschichtlicher Dogmatik. Einsiedeln-Zürich-Köln 1969, Bd. I., S. 702, in: Wolfgang Beinert: Art. Depositum fidei in: Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Aufl., Bd. 3, Sp. 101.
  13. Dei Verbum, Nr. 8.
  14. Paul VI.: Ansprache Voi avete partecipato, 1963.
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