Die Breite, Länge, Höhe und Tiefe der Heiligen Schrift nach Bonaventura

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* [[Bonaventura (Kirchenlehrer)|Kirchenlehrer Bonaventura]]: ''[[Breviloquium]]'', Übertragen, eingeleitet und mit einem Glossar versehen von [[Marianne Schlosser]] (Christliche Meister 52), [[Johannes Verlag Einsiedeln]] Freiburg 2017, S. 18-33 (328 Seiten; Dritte Auflage; ISBN 978-3-89411-373-9).
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Wer wahre [[Wissenschaft]] sucht, und das ist für Bonaventura wie für [[Augustinus von Hippo]] nur die Heilswissenschaft, der darf sich nicht an die [[Philosoph]]en wenden, ja nicht einmal an die [[Summa|Summen]] der [[Theologe]]n, sondern muß in erster Linie die [[Heilige Schrift]] studieren. Dabei soll er sich zunächst den Wortlaut und dessen Bedeutung einprägen, ohne aber bei dem äußeren Buchstaben stehen zu bleiben; vielmehr muss er aus dem Zusammenhang den tieferen Sinn und die Bedeutung der einzelnen Texte zu ergründen suchen. Gleicht doch die Heilige Schrift einer Zither, deren einzelne Saiten immer nur bei gleichzeitigem Anschlag mehrerer einen Akkord ergeben. Unter Anspielung auf das Wunder von Kana sagt Bonaventura, Gott schenke nur dann den Wein eines geistigen Verständnisses, wenn der Mensch zuvor das Gefäß seines Geistes mit dem Wasser des buchstäblichen Sinnes angefüllt habe. Da aber die Heilige Schrift viele dunkle Stellen enthalte, müsse man die Werke der Väter zu Hilfe nehmen. Und da auch sie dem Verständnis oft Schwierigkeiten bereiten, sind die [[Summa|Summen]] der Theologen zu Rate zu ziehen. Diese bedienen sich aber nicht selten philosophischer Ausdrücke, weshalb man auch die Werke der Philosophen kennen muss. Doch nimmt man sie nie ohne Gefahr zur Hand. Das zeigt sich schon, wenn man von der Hl. Schrift zu den Vätern herabsteigt, deren Sprache weit schöner ist als die der Schrift. Noch größer werden aber diese Gefahren beim Studium der theologischen Summen, die nie frei von Irrtum sind. Die größte Gefahr aber birgt das Studium der Philosophie in sich. Darum sollen die Lehrer sich hüten, sie zu überschätzen und zuviel Wasser in den [[Wein]] der Heiligen Schrift zu gießen, damit der Wein nicht in Wasser verwandelt werde (Collationes in Hexaemeron, coll. XIX, n. 12 ff.; V, 422; vgl. ebd. n. ,S; V, 423).<ref>''[[Itinerarium mentis in Deum]] - Pilgerbuch der Seele zu Gott'' (S. 9-214) und ''De reductione artium ad theologiam - Die Zurückführung der Künste auf die Theologie'' (S. 215-271), [[lateinisch]]-[[deutsch]], [[Kösel Verlag]] München 1962, S. 17+18, eingeleitet, übersetzt und erläutert von Julian Kauf OFM (271 Seiten; Mit kirchlicher [[Druckerlaubnis]] München den 14. September 1961, GV Nr. 7815 Dr. Johannes Neuhäussler, [[Weihbischof]] und [[Generalvikar]]).</ref>
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Version vom 26. Februar 2019, 16:36 Uhr

Inhaltsverzeichnis

Die Breite, Länge, Höhe und Tiefe der Heiligen Schrift
nach Bonaventura (Eph 3,14-19 EU) - Tabellarischer Überblick

Die Breite der Heiligen Schrift: Die Vielzahl der Teile

Altes Testament (Furcht):
Gesetztesbücher
Geschichtsbücher
Weisheitsbücher
Prophetiebücher
Neues Testament (Liebe): Evangelien
Apostelgeschichte
Apostelbriefe
Apokalypse
Antlitze (Ez 1,6-16 EU) (vgl.): Löwe - erhabene Vollmacht (auctoritas) Stier - Beispiele der Tugend (Engel)-Mensch: Klugheit und Scharfsinn Adler: durchdringende Einsicht

Die Länge der Heiligen Schrift: Beschreibung von Zeiten und Zeitaltern

Zeiten: innerlich eingesenktes Naturgesetz des von außen gegebenen mosaischen, geschriebenen Gesetzes des von oben (durch den Heiligen Geist) eingegossenen Gesetzes der Gnade
Zeitalter: von Adam bis Noach (Genesis) von Noach bis Abraham von Abraham bis David von David bis zur Verschleppung nach Babyion von der Verschleppung nach BabyIon bis zu Christus von Christus bis zum Ende der Welt das siebte Zeitalter aber läuft parallel zum sechsten, es beginnt nämlich mit der Grabesruhe Christi und dauert bis zur allgemeinen Auferstehung Auferstehung (Apokalypse)
Schöpfungstag: 1: an dem das Licht erschaffen und von der Finsternis getrennt wurde (Gen 1,3)
2: an dem das Firmament gebildet wurde und Wasser von Wasser geschieden wurde
3: an dem die Erde hervortrat und grüne Kräuter hervorbrachte
4: an dem die Leuchten des Himmels und die Sterne erschaffen wurden
5: an dem die Fische und Vögel aus dem Wasser erschaffen wurden
6: an dem der erste Mensch gebildet wurde
Zeitalter der Erschaffung der Welt, des Falles der Dämonen und der endgültigen Festigung (confirmatio) der guten Engel in dem in der Arche durch die Flut hindurch die Guten gerettet, die Schlechten aber ausgetilgt wurden in dem Abraham berufen wurde und die Synagoge ihren Anfang nahm, die fruchtbar sein und Nachkommen hervorbringen sollte, die Gott die Ehre gäben in dem Königtum und Priestertum kraftvoll waren - denn der König David gestaltete den Gottesdienst reicher aus an dem sie auswandern mussten und unter vielen Völkern weilten und in Bedrängnis waren in dem Christus in Menschengestalt geboren wurde - Er, der wahrhaft das Abbild Gottes ist
Lebensalter: Säuglingsalter
Kindheit
Heranwachsens
jugendliche Kraft
Alter
Greisenalter
Zeitalter bedeutsamer Ereignisse: denn wie das Säuglingsalter ganz in Vergessenheit versinkt, so verging dieses erste Alter mit der Sintflut denn da beginnen wir zu reden. Und im zweiten Zeitalter geschah die Trennung der Sprachen denn hier beginnt die Zeugungskraft aktiv zu werden denn dann steht der Mensch altersmäßig in voller Blüte denn dann lassen die Kräfte nach und die Schönheit verfällt denn wie dieses mit dem Tod verbunden ist, aber auch viel lichte Weisheit besitzt, so endet das sechste Alter der Welt mit dem Tag des Gerichts und steht in der Vollkraft der Weisheit, die aus der Lehre Christi entspringt

Die Höhe der Heiligen Schrift: Beschreibung stufenweiser geordneter Hierarchien

Hierarchie:
der Kirche
der Engel
Gottes selbst
=heilige Ordnung: unterhimmlische himmlische überhimmlische

Die Tiefe der Heiligen Schrift: Vielfalt des geistlichen Sinnes

Sinn der Auslegung (vgl. KKK, 118): buchstäblicher allegorischer tropologischer oder moralischer anagogischer

"Durch den tropologischen Sinn sollen wir die Kenntnis erlangen, wie wir sittlich zu handeln haben, durch den allegorischen Sinn das zu Glaubende in seiner Wahrheit verstehen, durch den anagogischen Sinn erfassen, was wir mit Freude ersehnen sollen. Denn geläutert durch ein kraftvoll-tugendhaftes Handeln (virtuosa operatio), erleuchtet durch einen strahlend-lichten Glauben (radiosa fides) und vollendet durch glühende Liebe (ardentissima caritas), sollen wir schließlich den Lohn der ewigen Glückseligkeit erlangen" (S. 32-33).

Quelle

Zur Einordnung in Bonaventura Denken

Wer wahre Wissenschaft sucht, und das ist für Bonaventura wie für Augustinus von Hippo nur die Heilswissenschaft, der darf sich nicht an die Philosophen wenden, ja nicht einmal an die Summen der Theologen, sondern muß in erster Linie die Heilige Schrift studieren. Dabei soll er sich zunächst den Wortlaut und dessen Bedeutung einprägen, ohne aber bei dem äußeren Buchstaben stehen zu bleiben; vielmehr muss er aus dem Zusammenhang den tieferen Sinn und die Bedeutung der einzelnen Texte zu ergründen suchen. Gleicht doch die Heilige Schrift einer Zither, deren einzelne Saiten immer nur bei gleichzeitigem Anschlag mehrerer einen Akkord ergeben. Unter Anspielung auf das Wunder von Kana sagt Bonaventura, Gott schenke nur dann den Wein eines geistigen Verständnisses, wenn der Mensch zuvor das Gefäß seines Geistes mit dem Wasser des buchstäblichen Sinnes angefüllt habe. Da aber die Heilige Schrift viele dunkle Stellen enthalte, müsse man die Werke der Väter zu Hilfe nehmen. Und da auch sie dem Verständnis oft Schwierigkeiten bereiten, sind die Summen der Theologen zu Rate zu ziehen. Diese bedienen sich aber nicht selten philosophischer Ausdrücke, weshalb man auch die Werke der Philosophen kennen muss. Doch nimmt man sie nie ohne Gefahr zur Hand. Das zeigt sich schon, wenn man von der Hl. Schrift zu den Vätern herabsteigt, deren Sprache weit schöner ist als die der Schrift. Noch größer werden aber diese Gefahren beim Studium der theologischen Summen, die nie frei von Irrtum sind. Die größte Gefahr aber birgt das Studium der Philosophie in sich. Darum sollen die Lehrer sich hüten, sie zu überschätzen und zuviel Wasser in den Wein der Heiligen Schrift zu gießen, damit der Wein nicht in Wasser verwandelt werde (Collationes in Hexaemeron, coll. XIX, n. 12 ff.; V, 422; vgl. ebd. n. ,S; V, 423).[1]

Anmerkungen

  1. Itinerarium mentis in Deum - Pilgerbuch der Seele zu Gott (S. 9-214) und De reductione artium ad theologiam - Die Zurückführung der Künste auf die Theologie (S. 215-271), lateinisch-deutsch, Kösel Verlag München 1962, S. 17+18, eingeleitet, übersetzt und erläutert von Julian Kauf OFM (271 Seiten; Mit kirchlicher Druckerlaubnis München den 14. September 1961, GV Nr. 7815 Dr. Johannes Neuhäussler, Weihbischof und Generalvikar).
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