Diuturni temporis (Wortlaut)

Aus Kathpedia
(Weitergeleitet von Diuturni temporis)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Enzyklika
Diuturni temporis

von Papst
Leo XIII.
an die Ehrwürdigen Brüder. die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
der katholischen Welt, die in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
Ausdehnung des Rosenkranzfestes auf die ganze Kirche
5. September 1898

(Offizieller lateinischer Text: ASS XXXI [1898-1899] 146-149)

(Quelle: Rundschreiben Leo XIII., Fünfte Sammlung, Lateinischer und deutscher Text, Herder´sche Verlagsbuchhandlung, übersetzt durch den päpstlichen Hausprälaten Professor Franz Hettinger, Freiburg im Breisgau 1904; Die Überschriften wurden aus: Rudolf Graber: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren, Echter Verlag Würzburg 19542 [Mit kirchlicher Druckerlaubnis ] entnommen. Die Nummerierung ist der englischen Fassung angeglichen)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen
Rosenkranz als Herz.jpg

Inhaltsverzeichnis

Maria hat den Papst beschirmt

1 Beim Rückblick auf den langen Zeitraum, während dessen Wir nach Gottes Ratschluss das Amt des höchsten priesterlichen Oberhirten bekleiden, fühlen wir uns lebhaft gedrungen, es auszusprechen, dass Wir, wenngleich ohne entsprechendes Verdienst, den Schutz der göttlichen Vorsehung immer und überall erfahren haben. Wir glauben dies dem vereinigten und deshalb so kräftigem Gebete zuschreiben zu sollen, welches wie ehedem für Petrus, so jetzt für Uns ohne Aufhören von der ganzen Kirche verrichtet wird. Deshalb danken Wir in erster Linie dem Geber alles Guten, Gott, innigst und werden alles, was Wir von ihm empfangen haben, solange Uns zu leben vergönnt ist, in Herz uns Sinn getreu bewahren. Daran aber schließe sich die wonnevolle Erinnerung des mütterlichen Schutzes der hehren Himmelskönigin. Und Wir werden auch das Andenken daran gleichermaßen fromm und unverletzlich festhalten, um Unsere Dankbarkeit zu bezeigen und ihre Wohltaten zu feiern. Denn von ihr strömen wie aus überreicher Leitung die Spenden der himmlischen Gnaden uns zu; „in ihren Händen sind die Schätze der Erbarmungen des Herrn“.[1] „Gott will, dass sie der Born aller Güter sei.“[2] In der Liebe zu dieser zärtlichen Mutter, die Wir stetsfort zu pflegen und von Tag zu Tag zu mehren gesucht haben, hoffen Wir mit Zuversicht den letzten Tag zu beschließen.

Die Bemühungen des Papstes um das Rosenkranzgebet

2 Seit langer Zeit von dem Wunsche getragen, das Heil der menschlichen Gesellschaft in Hebung der Verehrung der reinsten Jungfrau gleichsam sie auf einem starken Bollwerk sicherzustellen, bemühten Wir Uns unablässig, die Übung des Marianischen Rosenkranzes unter den Christgläubigen zu befördern, erließen zu diesem Zwecke schon vom Beginn September des Jahres 188[3] Enzykliken und trafen, wie Euch wohl bekannt ist, mehr denn einmal Verfügungen. Da nun Gottes barmherzige Fügung Uns auch in diesem Jahre die Herankunft des Monats Oktober erleben lässt, den Wir früher der himmlischen Rosenkranzkönigin zu weihen und zu heiligen beschlossen haben, so wollen wir auch jetzt nicht davon Umgang nehmen, Euch Unsere Ermahnung zukommen zu lassen; alles kurz zusammenfassend, was Wir zur Beförderung jenes Gebetes bisher getan haben, werden Wir durch ein letztes Dokument, welches Unsere Bemühung und Unsern Willen in Hinsicht auf die erwähnte Form der Marienverehrung klar hervorheben und den Eifer der Gläubigen, jene so heilige Übung fromm und treu bewahren, anfachen soll, dem Werke die Krone aufzusetzen.

Zusammenfassung aller Gedanken des Papstes über den Rosenkranz

3 Ohne Unterlass bewegte Uns der Wunsch, dass im christlichen Volke die Überzeugung von der Kraft und Würde des Marianischen Rosenkranzgebetes sich befestigte. Deshalb erinnerten Wir zuerst an den eher himmlischen als menschlichen Ursprung dieses Gebetes und zeigten, dass der bewunderungswürdige, aus dem englischen Gruße geflochtenen Kranz, versehen mit der Einlage des Gebetes des Herrn und verbunden mit der Übung der Betrachtung, eine ganz vorzügliche Art des Gebetes und äußerst fruchtbar sei zumal für die Erlangung des ewigen Lebens; denn außer den Vorzügen der Gebete selbst biete es für den Glauben eine kräftige Schutzwehr und in den Geheimnissen, welche zur Betrachtung vorgelegt werden, ein ausgezeichnetes Beispiel der Tugend; außerdem sei es leicht zu üben und entspreche den Neigungen des Volkes; mit der Erinnerung an die heilige Familie von Nazareth werde demselben ein vollkommenes Beispiel der häuslichen Gesellschaft dargeboten; deshalb habe das christliche Volk auch jederzeit seine so heilsame Kraft erfahren.

Der Oktober und das Rosenkranzfest

4 Indem Wir vornehmlich mit diesen Gründen und mit mannigfacher Ermahnung die Gebetsweise des Rosenkranzes behandelt haben, bemühten Wir uns zugleich, die Bahnen Unserer Vorfahren einschlagend, durch Hebung ihres Kultus der Majestät derselben größeren Ausdruck zu verleihen. Denn wie Sixtus V. seligen Andenkens die alte Übung des Rosenkranzgebetes approbierte und Gregor XIII. zu dessen Ehre ein Fest einführte, welches nochmals Klemens VIII. in das Martyrologium aufnahm, Klemens XI. der gesamten Kirche zu feiern befahl, Benedikt XIII. in das römische Brevier einfügte, so haben Wir zum fortwährenden Zeugnis unserer Hingebung an diese Art der Frömmigkeit dieses feierliche Fest mit seinem Offizium in der ganzen Kirche als ein Fest sub ritu duplici zweiter Klasse zu feiern befohlen; Wir haben verfügt, dass der ganze Monat Oktober dieser Religionsausübung geweiht werde; endlich haben Wir die Anordnung getroffen, dass in die Lauretanische Litanei gleichsam als Ankündigung des Sieges, den Wir als Abschluss der gegenwärtigen Anfechtungen hoffen, die Anrufung eingesetzt werde : O Königin des heiligen Rosenkranzes !

Die Ablässe

5 Nun bleibt Uns noch übrig, daran zu erinnern, dass der Marianische Rosenkranz den größten Wert und Segen bringt wegen der Fülle der Privilegien und Rechte, die mit ihm verbunden sind, und insbesondere aus dem reichen Schatze von Ablässen, deren er sich erfreut. Welchen Wert es aber für diejenigen hat, aus diesem Gnadenschatz sich zu bereichern, die für ihr Heil bekümmert sind, das ist leicht einzusehen. Denn es handelt sich um den vollständigen aber teilweisen Nachlass der zeitlichen Strafen, die auch, wenn die Schuld verziehen ist, entweder im gegenwärtigen oder im anderen Leben zu büßen sind. Reich fürwahr ist der Schatz, den die Verdienste Christi, der Gottesmutter und der Heiligen aufgehäuft haben, und mit Recht hat Unser Vorgänger Klemens VI. auf ihn die Worte der Weisheit angewandt: „Ein unerschöpflicher Schatz steht für die Menschen bereit; wer aus ihm schöpft, wird teilhaft der Freundschaft.“3

6 Nun haben die römischen Päpste mit ihrer von Gott verliehenen Gewalt den Mitgliedern der Marianischen Bruderschaft vom heiligen Rosenkranz und denen, welche dieses Gebet fromm verrichten, die reichsten Quellen dieser Gnaden erschlossen.

Die Ankündigung einer eigenen Konstitution über die Rosenkranzbruderschaft

7 In der Erwägung, dass solche Wohltaten und Ablässe die Marienkrone mit schönerem Glanze umgießen und wie mit dem edelsten Gesteine schmücken, ist nunmehr der Entschluss in Uns gereift, den Wir lange im Herzen gehegt haben, eine Konstitution über die Rechte, Privilegien und Ablässe herauszugeben, deren die Bruderschaften vom heiligen Rosenkranze sich erfreuen. Diese von Uns beabsichtigte Konstitution soll ein Zeichen der Liebe sein gegen die hehre Gottesmutter und den Christgläubigen insgesamt für die Pflege der Frömmigkeit Anregung und Belohnung bieten, damit sie in der letzten Lebensstunde durch ihre Hilfe Erleichterung finden, und in ihrem Schutz geborgen, süß in die Ruhe eingehen können.

Darum bitten Wir von Herzen Gott den gütigen und großen durch die Königin des heiligen Rosenkranzes, und Euch, Ehrwürdige Brüder, erteilen Wir als Verheißung und Unterpfand der himmlischen Güter, ebenso dem Klerus und Volk, das Eurer Obsorge anvertraut ist, den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 5. September des Jahres 1898,

dem einundzwanzigsten Unseres Pontifikates

Leo XIII. PP.

Anmerkungen

  1. S. Jo. Damasc., Sermo 1 de nativ. virg.
  2. S. Iren., Contra Valent. 1. 3, c. 33.
  3. Weish 7,14 EU

Weblinks

Meine Werkzeuge