Eine zeitgenössische Sklaverei

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schlusserklärung
Eine zeitgenössische Sklaverei

der vom Päpstlichen Rat für die Familie einberufenen lntemationalen Konferenz
über die sexuelle Ausbeutung der Kinder durch Prostitution und Pornographie vom 9. bis 11. September in Bangkok/Thailand
11. September 1992 (veröffentlicht am 23. September)

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1992, S. 14011404)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Wir haben uns versammelt, um uns gemeinsam mit einem Verbrechen gegen die Menschheit auseinanderzusetzen, das heutzutage sehr anhaltend und weit verbreitet ist: die sexuelle Ausbeutung der Kinder durch Prostitution und Pomographie. Dieses Problem von intemationalen Ausmaßen, das Lösungen auf gemeinschaftlicher, nationaler und internationaler Ebene erfordert, verursacht den Verlust der Menschenwürde, der Gesundheit und des Lebens von Millionen von Kindern in der Welt. Wir fühlen die Verpflichtung, die von anderen Personen, Gruppen und Religionen geteilt wird, uns dazu zu äußern und Initiativen zu ergreifen zugunsten der Kinder, die die Opfer dieses Verbrechens sind.

Wir widersetzen uns der sexuellen Ausbeutung der Kinder durch die Prostitution und die Pomographie aus folgenden Gründen:

  • Es handelt sich um eine zeitgenössische Form der Sklaverei, die aus Eigenutz die menschliche Person ausbeutet und entwürdigt und sich ihrer Opfer bemächtigt unter denen, die sich am wenigsten verteidigen können.
  • Sie fügt jedem dieser ausgenützten Kinder einen tiefen Schaden auf physischer, affektiver und geistiger Ebene zu und verkettet es in einen Teufelskreis von Ausbeutung, Leiden und Krankheit.
  • Sie stürzt den gottgegebenen Plan der menschlichen Beziehungen und Intimität um, indem sie die Kinder und das ganze menschliche Leben als Verkaufsware behandelt, statt als zu liebende Personen.
  • Sie wertet die Sexualität, das Geschenk Gottes, ab Zll etwas, dem die persönliche Würde, die menschliche Zärtlichkeit, die natürliche Intimität, die gegenseitige Liebe, die ethische Verpflichtung und die verantwortliche Zustimmung, d.h. also die Aspekte, die zum Plan Gottes gehören, fehlen.
  • Statt dem Übel offen entgegenzutreten, trägt sie dazu bei, das Unheil und die Krankheit der Pädophilen und der anderen gefühllosen Konsumenten zu verschärfen, die es dagegen nötig hätten, ihr verwerfliches Verhalten zu ändern.

Wir sind zutiefst dankbar für die bedeutende Arbeit, die schon von den am Problem interessierten einzelnen Personen, Gruppen und religiösen Institutionen eingeleitet wurde. Wir erkennen den wirksamen Beitrag an, den die Vereinten Nationen mit der Konvention der Rechte des Kindes geleistet haben. Diese Konvention macht besonders auf die Notwendigkeit aufmerksam, sich mit der Lage der in der Prostitution sexuell ausgenutzten Kinder auseinanderzusetzen (siehe Art. 34, 35 und 39). Diese gundsätzlichen Aussagen müssten von jeder Nation der Welt anerkannt, angenommen und verwirklicht werden.

Die sexuelle Ausbeutung der Kinder durch Prostitution und Pornographie ist der Beweis für eine tiefgreifende Verzerrung und einen Zusammenbruch der Werte. Dass diese Verbrechen gegen Kinder begangen werden, ist eine die Welt betrübende Schande.

Aus diesen Gründen nehmen wir folgende Verpflichtungen auf uns:

  • Wir wollen alles tun, was in unserer Macht steht, um jene von Gott gegebenen menschlichen Werte zu fördern, die uns in jedem Kind ein heiliges Geschenk erkennen lassen, das zu pflegen, zu schützen und zu lieben ist. Wir nehmen uns wieder vor, mit den Kindern zu arbeiten, um sie fähig zu machen, ihre Rechte und ihre Würde als Geschenk Gottes zu verstehen und sich zu eigen zu machen.
  • Wir wollen das Familienleben fördern, in dem das Kind geschützt und geliebt aufwachsen kann, wo die Beständigkeit, die Treue und die Großzügigkeit der Beziehung der Eltern dem Kind eine gesunde, sichere und ruhige Umgebung bietet. Die Eltern haben die moralische Pflicht, das Wohlergehen ihrer Kinder zu fördern und zu gewährleisten.
  • Wir wollen in Zusammenarbeit mit jeder Nation, Religion und am Problem interessierten Gruppen uns dafür einsetzen, daß Gesetze angenommen und verwirklicht werden, welche die Kinder davor schützen, durch Prostitution und Pornographie ausgenützt zu werden. Diese Verstöße müssen von jeder Nation als ein Verbrechen gegen die Menschheit angesehen werden.
  • Wir wollen unsere Bemühungen vereinen, damit man sich moralisch, physisch und affektiv um die Opfer der Prostitution und der Pornographie von Minderjährigen kümmert. Wir appellieren an die Anhänger jedes Glaubens und an die Personen guten Willens, damit sie sich mit Großmut für die Genesung und das Wohlergehen dieser Kinder einsetzen.
  • Wir wollen bei religiösen Führern, Gläubigen und allen Menschen guten Willens das Bewusstsein über die Ausmaße dieses Problems fördern. Wir nehmen uns erneut vor, in unseren Bemühungen fortzufahren, damit dieses Problem der sexuellen Ausbeutung der Kinder in allen Bereichen, sowohl in den religiösen Gemeinschaften als auch in der Welt, diskutiert werde. Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um zu erziehen und Interventionen anzuregen und zu koordinieren, bis dieses Verbrechen gegen die Menschheit völlig und bleibend besiegt ist.
  • Wir appellieren an alle Erwachsenen, die sich dazu degradieren, Kinder sexuell durch Prostitution und Pornographie auszubeuten: Mögen sie ihr Verbrechen an der Menschheit bereuen! Wer dazu schweigt oder die Existenz dieses Übels leugnet, trägt selbst zu diesem Problem bei.
  • Wir appellieren an die einzelnen Personen, die religiösen Gruppen, die Regierungen und die internationalen Organisationen, öffentlich das Ausmaß und die Schwere des Problems anzuerkennen. Alle müssen wir Stellung dazu nehmen. Alle Völker der Welt, so verschieden sie auch sind, können und müssen einstimmig und fest entschlossen die Kinder vor der Prostitution und der Pornographie schützen.
  • Wir appellieren an alle Unternehmer im Tourismus und an die Industrie des Tourismus, daß sie den Sex-Tourismus ablehnen und die Menschenrechte aller Völker in allen Kulturen respektieren.
  • Wir appellieren an die gesetzgebende Gemeinschaft der Welt und an die Polizeikräfte, ihre Zusammenarbeit zu verstärken, sowohl im Einsatz wie auch in der Entschlossenheit, den durch Prostitution und Pornographie ausgenutzten Kindern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
  • Wir appellieren an die Kinder und die Jugend der Welt zu einer verstärkten Besinnung auf die moralischen Werte ihrer selbst und ihrer Gemeinschaften. Die Kinder können bedeutende Hilfe leisten, wenn es darum geht, den Weg zu zeigen, um der Ausbeutung durch die Erwachsenen ein Ende zu setzen.
  • Wir wenden uns an alle Geschäftsmänner und -frauen, daß sie den Gewinn, den sexuelle Ausbeutung der menschlichen Person einbringt, zurückweisen. Kinder sind keine sexuelle oder pornographische Verkaufsware. Der auf Kosten der menschlichen Würde und des Lebens gemachte ökonomische Profit ist ungerecht.
  • Wir appellieren an die Mittel der sozialen Kommunikation, damit sie die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem der sexuellen Ausbeutung der Kinder durch Prostitution und Pornographie lenken. Wir ersuchen diejenigen, die im Schauspielbereich und in der Kultur der Massenmedien arbeiten, die zunehmenden Versuche zurückzuweisen, die in der Werbung und im Unterhaltungsprogramm Kinder als geeignete Sexualobjekte darstellen wollen. Wir versprechen unsere Mitarbeit bei einer Weltkampagne der Massenmedien zur Verurteilung der sexuellen Ausbeutung der Kinder durch Prostitution und Pornographie.
  • Wir appellieren an die Eliten, an die Schulen und an die Erzieher, eine gesunde Auffassung der Sexualität zu fördern, die das Leben respektiert. Sie soll auf jenen Werten basieren, die die Fähigkeiten der Kinder voll zur Entfaltung bringen und sie zu Personen machen, die in der Achtung ihrer selbst und im Respekt vor allen anderen Mitgliedern der Gemeinschaft verwurzelt sind.
  • Wir appellieren an die Bischöfe, an den Klerus, an die Pastoralarbeiter und alle Laien, daß sie das Grudprinzip, zu dem sie sich bereits bekennen, konkret in die Praxis umsetzen - d.h., das Apostolat der Familie soll der vorrangige Bereich ihrer Tätigkeit sein.
  • Wir appellieren an die Bischofskonferenzen und die einzelnen Diözesen, sich zu bemühen und Programme auf gemeinschaftlicher Ebene auszuarbeiten. Das Problem muß auf gemeinschaftlicher Ebene angegangen werden, um beseitigt werden zu können.

Die sexuelle Ausbeutung der Kinder ist ein schweres Verbrechen gegen die Wahrheit der menschlichen Person. Jede Person ist ein Bild Gottes, ist Kind Gottes. Jedes Leben ist ein kostbares Geschenk Gottes. Auf jedem Antlitz leuchtet die große Würde der menschlichen Person.

Den Kindern, die die am meisten verletzbaren Mitglieder unserer Gesellschaft sind, muß die Ausübung aller dem Menschen gebührenden Rechte gewährleistet sein. Sie müssen auf besondere Art geliebt, beschützt und geachtet werden.

Jeder Missbrauch gegen ihre Würde ist ein Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Zukunft der menschlichen Familie. Die Kinder der Welt, die in der Falle der Prostitution, der Pornographie und der sexuellen Ausbeutung gefangen sind, schreien um Hilfe. Der Herr ruft sein Volk zur Tat auf. Durch Überlegungen, Beschlüsse und abgestimmtes Handeln verpflichten wir uns, zu antworten.

Der Text wurde einstimmig angenommen.

Meine Werkzeuge