Einführung in den Catechismus Romanus

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Inhaltsverzeichnis

Einführung in den Catechismus Romanus (S. 23-33)

1. Wohl war der menschliche Verstand stark genug, um unter Aufwand von viel Mühe und Fleiß über Gott und seine Welt eine gewisse Summe von Erkenntnissen aus eigener Kraft zu gewinnen und zu sammeln. Aber das weitaus meiste von dem, was nötig ist zum ewigen Heil - um dessentwillen der Mensch doch vor allem ins Dasein gesetzt und als Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde - hätte er bloß mit dem Licht der natürlichen Vernunft doch nimmermehr zu erkennen oder klar zu schauen vermocht. Der denkende Verstand sieht zwar nach des Apostels Wort (Röm 1,20) »das Unsichtbare an Gott seit Erschaffung der Welt in seinen Werken, nämlich seine ewige Macht und Gottheit.« Aber das »Geheimnis, das von aller Welt und Zeit her verborgen war,« (Kol 1,26) übersteigt so sehr alle menschliche Fassungskraft, dass kein Bemühen dem Menschen zu dieser erhabenen Erkenntnis verholfen hätte, wäre es nicht »den Heiligen Gottes geoffenbart worden - ihnen, denen Gott durch die Gnade des Glaubens kundtun wollte, welchen Reichtum von Herrlichkeit dieses Geheimnis unter den Völkern in sich birgt: Christus« (Kol 1,27).

2. Da also »der Glaube vom Hören [des geoffenbarten Gotteswortes] kommt« (Röm 10, 17) ergibt sich klar, wie notwendig für das ewige Heil das Amt und die Tätigkeit gottgesetzter Glaubenslehrer allezeit war. Es heißt ja: » Wie sollen sie hören, wenn ihnen niemand predigt? Wie aber kann einer predigen, wenn er nicht gesandt ist? (Röm 10,14.15) Darum hat sich Gott in seiner übergroßen Güte von Anbeginn der Welt den Menschen gnädig erwiesen und zu wiederholten Malen und in mannigfacher Weise zu den Vätern in den Propheten gesprochen (Hebr 1,1) und ihnen in dieser Weise je nach der Zeit in der sie lebten den sichern und geraden Weg zur Himmelsseligkeit gewiesen.

3. Und weil Er verheißen hatte, Er werde einen Lehrer der Gerechtigkeit (Joel 2,23) senden zur Erleuchtung der Heiden, auf dass seine Heilsgnade sich ausbreite bis zu den Grenzen der Erde,« (Is 49.6) hat Gott denn am Ende dieser Tage in seinem Sohn zu uns gesprochen.« (Hebr 1,2) Ihn sollten - wie »aus Himmelshöhen der Ruf von hocherhabener Majestät« befahl (2 Petr 1,17) - alle Menschen hören, seinen Geboten sollten sie gehorchen.

Der Sohn aber sandte dann »die einen als Apostel, die andern als Propheten«, wieder andere als Hirten und Lehrer; die sollten das Wort des Lebens verkünden, auf dass wir nicht mehr »unmündige Kinder seien, die sich vom Windhauch jeder Lehrmeinung schaukeln und umhertreiben lassen« (Eph 4, 11.14) sondern, fest gegründet auf dem unerschütterlichen Fundament des Glaubens, »miterbaut würden zu einer Wohnstätte Gottes im HI. Geist» (Eph 2,22).

4. Und damit niemand das Gotteswort, das er von den Dienern der Kirche hört, als bloßes Menschenwort betrachte, sondern als Christi Wort, was es tatsächlich ist, darum hat unser Heiland selbst beschlossen, ihrem Lehramt solch große Autorität zu verleihen, dass Er sagen konnte: »Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.« (Lk 10,16) Dieses Wort sollte nach der Absicht Christi nicht nur jenen gelten, mit denen Er damals eben sprach, es sollte gelten auch für all die, die in rechtmäßiger Nachfolge das Lehramt ausüben würden; Er hatte ja die Verheißung gegeben, Er werde »bei ihnen sein alle Tage bis zur Vollendung der Zeiten« (Mt 28,20).

5. Die Verkündigung des Gotteswortes darf in der Kirche niemals aussetzen. Aber wenn je, dann muss heute mit erhöhter Anstrengung und Hingabe gearbeitet werden, dass die Gläubigen durch die Lebensspeise gesunder, unverdorbener Lehre Nahrung und Stärkung empfangen. Denn es sind falsche Propheten in die Welt hinausgezogen (Mt 16,18) - Leute, von denen der Herr das Wort gesprochen: »Ich habe sie nicht als Propheten gesandt und doch machten sie sich auf den Weg; ich habe nicht zu ihnen gesprochen und doch weissagten sie«.(Jer 23,21) - um »mit allerlei fremdartigen Lehren« (Hebr 13,9) die Herzen der Gläubigen zu verkehren. Und ihr mit allen Kunstgriffen Satans vertrautes freventliches Treiben ist bereits so weit gediehen, dass man den Eindruck bekommen möchte, das Unheil lasse sich überhaupt nicht mehr eindämmen. Könnten wir uns nicht auf jenes herrliche Verheißungswort unsres Heilandes stützen, Er habe die Grundmauern seiner Kirche so fest gegründet, dass die Pforten der Hölle sie nie überwältigen werden, (Mt 16,18) so müsste man jetzt wahrhaftig einen Zusammenbruch der Kirche befürchten. Denn rundum ist sie von Feinden in großer Zahl umringt und wird mit Kampfmitteln aller Art angegriffen. Ganze Länder mit herrlicher Vergangenheit, die sich einst treu und gewissenhaft an die von den Vätern ererbte wahre katholische Religion hielten, sind vom rechten Weg abgekommen, sind dem Irrtum anheimgefallen und behaupten heute sogar offen, sie könnten Religion nicht besser pflegen, als indem sie sich möglichst weit von der Lehre der Vorzeit entfernen.

Ja, keine Gegend ist so entlegen, kein Ort so unzugänglich, kein Plätzchen in der ganzen Christenheit so klein, dass sich diese Seuche nicht dort einzuschleichen versuchte. Denn 6. da die Religionsverderber sich klar darüber waren, dass sie unmöglich mit allen einzeln sprechen und persönlich ihnen ihre giftgeschwängerten Lehren ins Ohr träufeln könnten, griffen sie die Sache anders an, und streuten damit ihre verwerflichen Irrlehren noch viel weiter und leichter aus. Neben den Riesenbänden, in denen sie den katholischen Glauben zu vernichten suchten (vor diesen sich in acht zu nehmen, wäre vielleicht nicht so schwer gewesen, da sie die Irrlehren offen enthielten) schrieben sie noch eine Unzahl kleiner Bücher, die, weil sie fromm aussahen, nichtsahnende schlichte Herzen unglaublich leicht in die Irre führten.

7. Die Väter des allgemeinen Konzils von Trient äußerten darum den entschiedenen Wunsch, es solle zur Bekämpfung dieses weitausgedehnten, verheerenden Übelstandes ein wirksames Gegenmittel geschaffen werden. Sie hielten es für nicht ausreichend, die wichtigsten Punkte der christlichen Glaubenslehre gegen die Irrlehren unsrer Zeit durch Konzilsentscheidungen festzulegen, sondern beschlossen, es müsse für die gesamte religiöse Unterweisung des christlichen Volkes, von der Kinderkatechese angefangen, eine bestimmte Einheitsform dargeboten werden, an die sich die rechtmäßigen Verwalter des Hirten- und Lehramtes in allen Kirchen halten sollten.

8. Es hatte sich zwar bereits eine Reihe von Männern in der Abfassung religiöser Volksschriften durch Frömmigkeit und Wissen rühmlich ausgezeichnet. Trotzdem schien es den Konzilsvätern von außerordentlicher Bedeutung, dass auf Anordnung des Kirchenrates ein Buch herausgegeben werde, dem die Pfarrer oder wem sonst das Lehramt obliegt, zur Erbauung der Gläubigen die sichern Lehren und Richtlinien entnehmen könnten. Es ist »Ein Herr, Ein Glaube«, (Eph 1,5) und dementsprechend sollte auch Eine gemeinsame Norm und Weise sein für den Unterricht im Glauben und für die Erziehung des christlichen Volkes zur Gesamtheit der religiösen Pflichten.

9. Nun gibt es aber vieles, was zu diesem Zweck einschlägig erscheinen möchte. Doch glaube man nicht, es sei die Absicht des hl. Konzils gewesen, die christlichen Glaubenslehren lückenlos im Rahmen eines einzigen Buches mit allen Feinheiten auseinandersetzen zu lassen, wie dies vom Fachtheologen zu geschehen pflegt. Das hätte ein beinah unabsehbares Werk gegeben, und dabei doch dem Zweck nicht entsprochen. Die Aufgabe war vielmehr, den Pfarrern und übrigen Seelsorgsgeistlichen jenen Lehrstoff zur Kenntnis zu bringen, der für die Seelsorge besonders wichtig ist und der Auffassungskraft des Volkes entspricht. Darum sollte nur das zur Sprache kommen, was dem frommen Eifer des Seelsorgers, der etwa in der Behandlung schwieriger religiöser Lehren nicht so bewandert ist, bei seiner Arbeit eine Hilfe sein kann.

Bevor wir nun an die Behandlung der Einzelfragen gehen, die den Inhalt dieses Lehrbuches bilden, müssen zweckentsprechend einige Winke gegeben werden, die die Seelsorger erwägen und beständig vor Augen halten müssen: Sie sollen nämlich genau wissen, auf welches ZieI sie alle ihre Gedanken, Arbeiten und Bemühungen richten müssen, und auf welche Weise sie dieses Ziel leichter und wirksamer erreichen können.

10. Das erste ist wohl dieses: Man halte sich beständig gegenwärtig, dass alle Weisheit des Christen in dieser Grundwahrheit enthalten ist - oder vielmehr, wie unser Heiland es ausgesprochen: »Das ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus«, (Joh 17,3) Somit muss der kirchliche Lehrer vor allem darauf hinarbeiten, dass die Christen von Herzen verlangen, Jesus Christus kennen zu lernen. Ihn, den Gekreuzigten;(1 Kor 2,2) und dass sie durchdrungen sind von der festen Überzeugung und es mit ganzer Seele in Demut glauben, dass kein anderer Name den Menschen unter dem Himmel gegeben ist, in dem wir selig werden können,(Apg 4,12) weil Er die Sühnung ist für unsre Sünden (1 Joh 2,2).

Da wir aber daran sehen, dass wir Ihn kennen gelernt haben, wenn wir seine Gebote halten, (1 Joh 2,3); so soll der Seelsorger zweitens lehren – was mit dem ersten Punkt in unmittelbarem Zusammenhang steht - dass der Christ sein Leben nicht in träger Untätigkeit verbringen darf, sondern dass wir »wandeln müssen, wie auch er gewandelt ist«; (1 Joh 2,6) dass wir also mit aller Hingabe »Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Treue, Liebe und Sanftmut üben« müssen (2 Tim 2,22). Denn Christus hat, wie der Apostel den Seelsorgern eindringlich zu lehren befiehlt, »sich hingegeben für uns, um uns loszukaufen von aller Ungerechtigkeit und so ein reines, in guten Werken eifriges Volk sich zu eigen zu machen« (Tit 2,14.15).

Nun hat aber unser Herr und Heiland nicht nur gelehrt, sondern auch durch sein Beispiel gezeigt, dass das Gesetz und die Propheten in der Liebe enthalten sind (Mt 22,4); und nach Ihm hat der Apostel es wiederholt, dass die Liebe der Zweck der Offenbarung (1 Tim 1,5) und die Erfüllung des Gesetzes ist (Röm 13,8.10). Somit besteht offenbar die Hauptaufgabe des Seelsorgers darin, mit allem Ernst dahinzu arbeiten, dass die Gläubigen zur Gegenliebe für die uns erwiesene unendliche Liebe Gottes gedrängt und mit einer Art heiliger Liebesglut zum Anschluss an Ihn gezogen werden, der das höchste und vollkommenste Gut ist. Denn diesem höchsten Gut anhangen ist allein echte und wahre Seligkeit, wie dies jeder erfährt, der mit dem Propheten sprechen darf: »Was habe ich im Himmel und was verlange ich auf Erden außer dir (Ps 72,35)!. Das ist jener »vorzüglichere Weg« (1 Kor 12,31), den der Apostel uns gezeigt hat, wenn er als das Ziel seiner ganzen Predigt und Seelsorge die Liebe hinstellt, die nimmer aufhört. Mag man also den Christen einen Glaubenssatz vor Augen stellen, oder ein Gut, das sie erhoffen, oder eine Tat, die sie vollbringen sollen - immer muss man ihnen dabei die Liebe zu unserm Herrn ans Herz legen, damit jeder sehen kann, dass alle Werke vollkommener christlicher Tugend einzig und allein aus der Liebe entspringen und kein anderes Ziel haben können als die Liebe.

11. Kommt schon bei jedem Unterricht sehr viel auf die Lehrweise an, so ist diese zweifellos in der Unterweisung des christlichen Volkes von der höchsten Bedeutung. Hier gilt es besonders, das Alter der Hörer zu berücksichtigen, sowie ihre Fassungskraft, Sinnesart und Lebensverhältnisse. Der Seelsorger soll ja allen alles werden, um alle für Christus zu gewinnen (1 Kor 9,19.22); er soll sich bewähren als treuen Diener und Ausspender (1 Kor 4,1.2), und soll als guter und getreuer Knecht würdig befunden werden, dass ihn der Herr über vieles setze (Mt 25,23).

Der Seelsorger beachte also, dass die ihm anvertrauten Schäflein nicht alle von der gleichen Art sind; dass somit auch nicht alle in der gleichen Art nach einem festgelegten Schema unterwiesen und zur wahren Frömmigkeit erzogen werden können. Vielmehr sind die einen »wie neugeborne Kinder« (1 Petr 2,2); andere stehen im Anfang ihres Wachstums in Christus; manche dagegen sind schon gleichsam gereiften Alters. Darum heißt es gut darauf achten, ob sie noch Milch oder schon feste Speise brauchen (Hebr 5, 12; 1 Kor 3, 2) Allen muss jene Nahrung geboten werden, die den Geist erstarken läßt, »bis wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Manneskraft, zur Vollreife des Mannesalters Christi gelangen« (eph 4,13).

Dafür hat der Apostel in seiner eigenen Person ein Vorbild vor Augen gestellt, wenn er sagt, er sei »Schuldner den Griechen wie den Nichtgriechen, den Gebildeten wie den Ungebildeten« (Röm 1,14). An ihm kann der zum Lehramt Berufene sehen, wie man in der Darbietung der Glaubensgeheimnisse und der Sittenlehre seinen Unterricht der Denkart und Auffassungskraft seiner Zuhörer anpassen muss, damit man nicht, während man die weiter Fortgeschrittenen mit geistlicher Nahrung sättigt, die Kleinen mittlerweile verhungern lässt - sie betteln um Brot und keiner ist, der es ihnen bräche (Klgl 4,4).

Man lasse sich auch die Lust und Liebe zum Unterricht nicht lähmen durch die manchmal sich ergebende Notwendigkeit, seine Hörer in Dingen zu unterweisen, die recht unbedeutend und wenig erhaben aussehen und die deshalb gewöhnlich auch nicht gern behandelt werden, vor allem von solchen, die gern in erhabenem Gedankenflug schwelgen und darin ihre Befriedigung finden. Wenn die Weisheit des ewigen Vaters in Person des Heilandes selbst auf die Erde herabstieg, um uns in schlichtem menschlichem Gewand die Richtlinien eines himmlischen Lebens zu weisen, muss da die Liebe Christi nicht jeden drängen, im Kreise seiner Brüder zum Kind zu werden (1 Tim 2,7) und wie eine Mutter, die ihre Kinder hegt, herzinnig nach dem Heil des Nächsten zu verlangen - so sehr, dass er dem Apostel gleich (1 Thess 2,8) ihnen nicht nur Gottes Frohbotschaft, sondern auch sein eigenes Leben schenken wollte?

12. Alle Lehren, die den Christen vorgetragen werden müssen, sind in der Offenbarung enthalten, und diese umfaßt die HI. Schrift und die mündliche Überlieferung. So soll denn der Seelsorger hierin betrachten Tag und Nacht, eingedenk jener Mahnung des hl. Paulus an Timotheus, die jeder Priester in der Seelsorge auf sich beziehen muss. Sie lautet: »Widme dich dem Lesen, dem Mahnen und Lehren; denn jede Schrift, die von Gott eingegeben ist, ist nützlich zur Belehrung, zur Zurechtweisung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. So wird der Mann Gottes vollkommen, zu jedem guten Werk ausgerüstet« (1 Tim 4,13; 2 Tim 3,16.17).

Nun ist aber der Offenbarungsinhalt reich und mannigfaltig, so dass man ihn nicht so leicht ganz umspannen oder doch nicht gut behalten kann, um jedesmal sofort zur Erklärung bereit zu sein, wenn die Aufgabe zu lehren herantritt. Darum hat schon die Vorzeit in sehr praktischer Weise eine gewisse Ordnung hergestellt und den Gesamtstoff der Heilslehre in vier Hauptstücke zerlegt: in das Apostolische GIaubensbekenntnis, die Sakramente, den Dekalog und das Gebet des Herrn.

Die christlichen Glaubenslehren, mögen sie sich auf Gott beziehen oder auf die Schöpfung und Regierung der Welt, auf die Erlösung des Menschengeschlechtes oder auf den Lohn der Guten wie die Strafe der Bösen: sie alle sind im Glaubensbekenntnis enthalten. Was die heiligen Zeichen, gleichsam die Werkzeuge zur Erlangung göttlicher Gnade, betrifft, das ist in der Lehre von den sieben Sakramenten zusammengefasst. Was sich auf die Gebote bezieht, deren Endziel die Liebe ist, das ist im Dekalog aufgezeichnet. Endlich, was der Mensch wünschen, hoffen und zu seinem Heil erbitten soll, das steht kurzgefaßt im Vaterunser. - Wenn somit diese vier Stücke - gewissermaßen die vier großen Stoffgebiete der Hl. Schrift - behandelt sind, dann wird im großen ganzen nichts mehr fehlen im Verständnis dessen, was ein Christ können muss.

13. So oft also an den Seelsorger praktisch die Aufgabe herantritt, ein Evangelium oder sonst eine Stelle der Hl. Schrift zu erklären, so mögt er daran denken - worauf noch ausdrücklich aufmerksam gemacht sei - dass der Inhalt diese Stelle, gleichviel welcher, unter eines der oben erwähnten vier Hauptstücke fällt; und eben hie hat er dann die Stoffquelle, an die er sich für die Erklärung wenden kann. Es soll zB. Das Evangelium vom ersten Adventsonntag erklärt werden: »Es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond« usw. Das hier Einschlägige steht in dem Glaubensartikel: » Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten«. Nimmt nun der Seelsorger den dort behandelten Stoff, so unterweist er die Christen ohne Mehrarbeit zu gleicher Zeit über das Glaubensbekenntnis und über das Sonntagsevangelium.

Der Seelsorger mache es sich also zur Regel, in allen Lehrvorträgen und Schriftauslegungen seine Ausführungen stets an eines von den vier Hauptstücken anzuschließen, in die sich, wie oben gesagt, der gesamte Lehrinhalt der Hl. Schrift einordnen läßt. Die Reihenfolge jedoch, die er in seinen Christenlehren einhält, soll sich den Hörern und Umständen anpassen. Wir folgen hier dem Vorgehen der Väter, die im Taufunterricht mit der Glaubenslehre begannen. Und somit erklären auch wir zunächst, was zum Glauben gehört.

Charakteristik des Buches (S. 9-10)

Aus der Entstehungsgeschichte und den offiziellen Äußerungen des Trienter Konzils ergibt sich die Tendenz des Römischen Katechismus: Die ist eine ganz praktische. Ein Seelsorgsmittel soll er sein zur Lebensreform der Katholiken. Nicht nur Lehrbuch, sondern Lebensbuch. Darum sollte er zunächst die für das christkatholische Leben Richtung gebenden Grundsätze bieten, d. h. jene Glaubens- und Sittenlehren und deren praktische Folgerungen, die der wahre Christ in seinem gesamten innern und äußern Leben vor Augen halten und befolgen muss. Aber nicht in theoretischer und wissenschaftlicher Form, wie etwa ein Lehrbuch der Dogmatik und Moral, sondern in einer Fassung, die Gemüt und Willen trifft: also das Schöne, Begeisternde, Herzergreifende der Wahrheiten soll herausgehoben und die Lehren so dargestellt werden, dass sie als übernatürliche Triebkräfte oder Motive wirken; der Zusammenhang der Wahrheiten mit dem wirklichen Leben soll aufgezeigt werden.

Diese Absicht beseelte das Konzil seit seinem Zusammentritt. Der Blick in das Leben, d. h. auf die traurigen kirchlichen Zustände, auf den Tiefstand des Klerus, auf die religiöse Unwissenheit und sittliche Verwilderung des Volkes, weckte in den Konzilsvätern den Gedanken an dieses seelsorgliche Handbuch. Die vorsitzenden päpstlichen Legaten legten ferner den zur Ausarbeitung vom Konzil Deputierten ans Herz, sie sollten zwei Dinge in ihrer Arbeit leisten: erstens auseinander legen, was ein guter Christ zu glauben hat; und zweitens angeben, was die Priester bei Behandlung dieser Glaubenslehren dem Volk in die Seele legen sollten (Bei Pastor VII 306 Anm. 4). Und als es sich um die Fertigstellung des Katechismus handelte, schrieb Pogiani am 25. Dezember 1564: »Die Arbeit ist vom Papst drei Bischöfen übergeben worden; sie sollten nach dem Beschluss des Tridentinums eine Anleitung zum christlichen Leben verfassen« (ut ... commentarios christianae disciplinae componerent. Bei Pastor VII 307 Anm.7) - Aus diesem Grund ist in den Beschlüssen des Konzils nicht im ersten Teil, wo Lehrentscheidungen gegeben werden, vom Katechismus die Rede, sondern im zweiten, wo von der Reform des inner kirchlichen Lebens gehandelt wird (XXIV. Sitzung, de reformatione Kap.7; XXV de reform. »Über den Index, Katechismus, das Brevier und Missale«). Übrigens spricht der Katechismus selbst seine Tendenz deutlich aus in der Vorrede: Ein Handbuch zur Unterweisung d. h. zur praktisch lebenswirksamen Belehrung des christlichen Volkes will er sein, und ein Buch, aus dem die Seelsorger Anleitung und Grundsätze »zur Erbauung der Gläubigen« d. h. zur seelsorglichen Betreuung des christlichen Volkes schöpfen sollten (Einführung [7-8]). Dieser Tendenz entspricht

Inhalt und Stoffgestaltung (S. 10-12)

Der Katechismus behandelt die christliche Lehre nicht in wissenschaftlich systematischem Aufbau, etwa nach Thomas' Summa, sondern an der Hand der alten Lehr- und Gebetsformeln: des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Sakramente, der Zehngebote und des Vaterunsers. Ja, er bespricht mitunter denselben Gegenstand nicht nur einmal, sondern an verschiedenen Stellen; über die Kirche ist wenigstens viermal die Rede: in der Einführung (Prooemium), beim neunten Glaubensartikel, beim Weihesakrament und bei der Vaterunser-Bitte: »Zu uns komme dein Reich«. Dabei schwebt ihm nicht Vollständigkeit der Glaubens- und Sittenlehren als Norm für Stoffwahl und Stoffbehandlung vor Augen, wie einem theologischen Lehrbuch, sondern die praktische Notwendigkeit: das was für das christliche Leben des gesamten Volkes, der Kinder und Erwachsenen, von Bedeutung ist, wird dargelegt, und zwar nicht mit spekulativer Schärfe und Gründlichkeit, sondern soweit es das Volk verstehen Kann (Einführung [9]). Daher finden wir Lehrstücke, die in theologischen Lehrbüchern kurz besprochen werden, weil ihr theoretisches Verständnis wenig Schwierigkeiten bietet, in diesem Religionsbuch ausführlich behandelt; so nimmt die Lehre vom Gebet und Vaterunser ungefähr den fünften Teil des ganzen Buches in Anspruch. Vor allem aber sucht der Katechismus die Lebenswerte der geoffenbarten Wahrheit herauszuarbeiten, den lebenswirksamen, Herz und Willen ergreifenden Gehalt der Lehren, die in der Offenbarung liegenden Motive. Diese sind es ja, die sowohl nach alter Erfahrung als nach den neuen experimentell-psychologischen Forschungen die freien Handlungen des Menschen bestimmen und so sein sittliches Leben formen.

Daraus erklärt sich die durchaus nicht polemische, sondern ganz positive Haltung des Buches: gewiss will es die Katholiken vor der Häresie schützen, aber nicht durch Beweis der Falschheit der Irrlehren, sondern durch Darlegung der geoffenbarten christkatholischen Wahrheit. Auch der überaus reiche Gebrauch der Heiligen Schrift und nicht selten auch die Wahl der Biblischen Texte werden aus dieser Tendenz verständlich: Die Schriftstellen werden oft nicht an erster Stelle zur Erklärung und zum Beweis der Glaubenswahrheiten herangezogen, sondern zur Erbauung, als Mittel »zur Zurechtweisung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen werde und zu jedem guten Werk ausgerüstet« (1 Tim 3,16f). Wie das Konzil selbst, so ist auch der Katechismus des Konzils von dem Gedanken durchdrungen, dass für das christliche Leben die Heilige Schrift eine ausschlaggebende Bedeutung hat (Oben S. 1).

Nach dem Gesagten kann man darum mit Recht behaupten, der Römische Katechismus habe eine große Bedeutung für die katholische Aszetik. Denn die Pflege des christlichen Tugendlebens bis zur Übung der Vollkommenheit d. h. zum Leben aus der Gottes- und Nächstenliebe, ist ja der eigentliche Zweck dieses Religionsbuches. In allen seinen Teilen findet darum der aufmerksame und fromme Leser aszetische Anregungen und Winke, allerdings nicht systematisch geordnet. Die verschiedenen aszetischen Richtungen innerhalb der katholischen Kirche oder die verschiedenen Frömmigkeitstypen (Das Wort Frömmigkeit, pietas, wird hier im alten Sinn genommen und bezeichnet den liebenden Gehorsam des Gotteskindes dem himmlischen Vater gegenüber. - Solche Typen sind zB. Benediktinische, Franziskanische, Salesianische, Ignatianische werden daher dankbar im Religionsbuch der Kirche Orientierung suchen, um von Irrungen und Einseitigkeiten frei zu bleiben, und die rechte Stellung gegeneinander einzuhalten.

Gebrauch (S. 13-14)

Der Römische Katechismus ist kein Buch zur flüchtigen Lesung, auch nicht zum eigentlichen Studium, sondern zur Betrachtung. Nicht an erster Stelle zur Belehrung, sondern zur Bekehrung. Ein Buch, das seinen Gehalt nicht auf den ersten Blick öffnet, sondern das ähnlich wie die Hl. Schrift seine Schätze erst dann auftut, wenn man demütig und andächtig darin forscht, wenn man sich im Licht der göttlichen Gnade mit Geist und Herz in seine Blätter vertieft. Die betrachtende Seele aber findet darin reiche und süße Nahrung.

Man hat den Gedanken ausgesprochen, dieses Buch sei veraltet und nicht mehr für unsre Zeit. Schon aus dem Grund, weil die dogmatische Entwicklung seit dem Konzil von Trient darin nicht berücksichtigt werde. Das wäre allerdings ein empfindlicher Mangel, wenn der Katechismus vor allem ein dogmatisches Lehrbuch sein wollte. Bei seiner ganz praktischen Richtung aber fällt es kaum ins Gewicht. Von dieser geringen Unvollständigkeit abgesehen, ist der Katechismus aber ein ganz modernes, für die Gegenwart passendes Buch. Denn er bietet gerade das in reichem Maße, was unsre Zeit in der Religion und den Glaubenswahrheiten sucht: psychologische Vertiefung, Innerlichkeit, Willens- und Gefühlswerte. Zunächst soll das Werk auch heute noch Hilfsmittel der Seelsorge sein, obwohl die Bildungsstufe der Geistlichkeit eine höhere ist, als zur Zeit der Entstehung des Buches. Denn die Kunst, die theoretischen Glaubenssätze und sittlichen Vorschriften wirksam zu machen fürs Leben des christlichen Volkes, und so »Leben aus dem Glauben« zu wecken und zu pflegen, diese Kunst ist heute ebensowenig Allgemeingut wie damals. Wird nicht immer wieder geklagt über den Mangel der Verbindung zwischen Lehre und Leben? Hört man nicht immer wieder die Forderung, man müsse den Glauben »erleben« und die christlichen Lehren in Katechismus und Biblischer Geschichte lebensvoll gestalten? Nun, hier findet der Priester ein ganz vorzügliches Lehrbuch, mit dessen Hilfe er die übernatürliche Lebenskunst (d. h. die Kunst sein ganzes inneres und äußeres Leben nach den Grundsätzen des Glaubens einzurichten) zunächst selbst lernen und dann das gläubige Volk, groß und klein, lehren kann, - wenn er sich betend und betrachtend in dasselbe versenkt.

Ja, vielfach wird ihm das Buch unmittelbare Dienste tun in Predigt und Katechese. Mitunter kann der Priester ein Stück in der leicht verständlichen Übersetzung, die hier geboten wird, vorlesen zur Erklärung einer Wahrheit, oder zum Beweis einer kirchlichen Lehre, oder auch, um unangenehme Wahrheiten und Mahnungen nicht mit eigenen Worten, sondern mit den wirksamern der Kirche vorzubringen. Sodann ermöglichen die der Übersetzung beigefügten Randbemerkungen eine rasche Stoffübersicht, und können nicht selten dem Vortrag als Disposition dienen, deren Ausführung dann im Text geboten wird.

Indes wird das Buch auch religiös gebildeten Laien willkommen sein, die den Zug zu tieferer Erfassung der Religion in sich spüren. Nicht durch Lesung und Studium gelehrter theologischer Werke gelangen solche zum ersehnten Ziel, sondern durch kindliche, sich vor allem auf Gottes Gnade stützende Betrachtung dieses oder ähnlicher Bücher.

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