Erbsünde

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Adam und Eva,
Lucas Cranach d. Jüngere

Die Erbsünde (lat. "peccatum originale") ist die von Generation zu Generation weitergegebene Sündenfolge der "Ursünde" der Stammeltern Adam und Eva, durch die sie für sich und alle ihre Nachkommen die Freundschaft mit Gott verloren haben.

Inhaltsverzeichnis

Die Erbsünde im Heilsplan Gottes

Wie im 3. Kapitel des Buchs Genesis beschrieben, sündigten die Stammeltern Adam und Eva, weil sie der Versuchung des Teufels zustimmten und das göttliche Gebot, nicht vom "Baum der Erkenntnis" zu essen, übertraten. Dahinter standen Stolz und Hochmut sowie ein Mißtrauen gegenüber Gott.

Zur Strafe für diese "Ursünde" gingen Adam und Eva der heiligmachenden Gnade verlustig, d.h. sie verloren die Freundschaft Gottes und damit die Gewissheit der übernatürlichen Bestimmung menschlicher Existenz. Ebenso sollten auch ihre Nachkommen das Fehlen dieser Gnade der Gotteskindschaft erfahren; eben darin besteht das Wesen der Erbsünde. Sekundäre Folgen, aber mit der Erbsünde verbunden, sind die Anwesenheit von Leiden und Tod als Strafe der Sünde, die Begierlichkeit (Konkupiszenz) als ungeordnete Neigung zum Bösen sowie eine Trübung der Erkenntnis und eine Schwächung des Willens.

Da Gott nicht will, dass die Menschen verloren gehen, sandte er seinen Sohn Jesus Christus als Erlöser in die Welt, um die Erbsünde und alle weiteren Sünden wieder gut zu machen. Dies geschah durch den freiwilligen Opfertod Christi am Kreuz.

Durch Maria, die frei von der Erbsünde geboren wurde, wurde die Vollendung des Heilsplanes Gottes möglich.

In der Taufe wird die Erbschuld getilgt, während die sekundären Folgen der Erbsünde dem Menschen zur sittlichen Bewährung belassen werden; in der so begründeten Gemeinschaft mit Jesus Christus verlieren die Sündenfolgen aber ihren Strafcharakter und werden zum Anlaß und Mittel, mit der Gnade Gottes das Heil zu wirken.

Konzil von Trient

Das Konzil von Trient stellte im Decretum de Peccato Originali fest, dass alle Menschen in Nachfolge des Adam, mit Ausnahme von der Muttergottes als 'neuer Eva' (Immaculata), von der Erbsünde betroffen sind.

Schwierigkeiten mit der Erbsündenlehre

Obwohl die Lehre von der Erbsünde das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens unmittelbahr berührt, nämlich die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und seinen Kreuzestod, die ohne die Erbsünde nicht erklärbar wären, haben heute viele Christen Schwierigkeiten, die Lehre von der Erbsünde anzunehmen.

Die Schwierigkeiten sind im Wesentlichen folgende: Einerseits wird es als ungerecht empfunden, dass die Sünde unserer Stammeltern auch uns Nachkommen "angelastet" wird. Andererseits lässt sich das Geschehen der Erbsünde angesichts der wissenschaflichen Erkenntnisse und der gängigen naturwissenschaftlichen Theorien über die Entwicklung der Welt historisch nur schwer einordnen, unter anderem, weil die Welt offenbar auch vor den Menschen im wesentlichen so war, wie sie jetzt ist.

  • Die erste Schwierigkeit lässt sich leicht überwinden, wenn man die Menschheit als eine Einheit betrachtet, wie es offenbar von Gott vorgesehen ist. Die Menschheit ist also wesentlich mehr, als die Summe aller Menschen. Die Menschheit ist als Gesamtes eine Familie, in der die Handlungen jedes Einzelnen Auswirkungen auf alle haben. Das hat den Nachteil, dass die Sünde eines Einzelnen ()letztlich für alle schlecht ist, aber den Vorteil, dass auch die gute Tat des Einzelnen allen zugute kommt.

So wurden durch die Sünde des Einen (Adam) alle Menschen zu Sündern, und durch die Erlösungstat Christi (der neue Adam) allen Menschen das Tor zur Erlösung geöffnet.

Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen. Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden. (Röm 5,18-19)

  • Der zweiten Schwierigkeit begegnet man am besten, indem man den momentanen Zustand der Menschen und der Welt betrachtet: Es ist ganz offensichtlich so, das mit den Menschen etwas nicht in Ordnung ist. Die oben beschriebenen sekundären Folgen der Erbsünde, Leid und Tod, Neigung des Menschen zum Bösen, Schwächung von Ekenntnis und Willen, sind ganz objetiv vorhanden.

Wenn wir nun erkennen, dass einerseits Gott gut ist und daher konsequenterweise nur Gutes geschaffen hat und andererseits vieles am Menschen keineswegs gut ist, so stößt man hier auf einen Widerspruch, auf den die Erbsündenvorstellung eine Antwort gibt. Das Schlechte im Menschen kann also nur vom Menschen selbst stammen, als Folge des Missbrauchs seiner Freiheit, die Ihm von Gott zuvor geschenkt wurde, damit der Mensch sich in echter freier Liebe Gott zuwenden kann.

Die grundsätzliche Wahrheit der Erbsünde kann also anhand des Zustandes des Menschen und der Welt erkannt werden, auch wenn die genaue historische Einordnung dieses vor allem übernatürlichen Ereignisses auf Schwierigkeiten stößt.

Andere Erklärungsversuche

Dualistische (Gnosis) und fernöstliche Theorien (Buddhismus), die die Wurzel des Übels in der Materie sehen, die eben prinzipiell schlecht wäre, lassen sich mit dem Glauben an den guten Gott nicht vereinbaren. Somit ist auch der Gedanke der "Selbsterlösung" durch die Überwindung alles Materiellen mit dem Christentum nicht vereinbar; Erlösung von der Schuld, Rechtfertigung deds Menschen (Martin Luther) ist für Christen Geschenk Gottes. Für den Christen ist zudem die Materie aus zwei Gründen gut: Sie wurde von Gott geschaffen und von Gott durch die Menschwerdung seines Sohnes auch in die göttliche Natur aufgenommen.

In der europäischen Philosophiegeschichte gab vor allem seit der Aufklärung zahlreiche Gegenkonzepte zur Erbsündenlehre:

Jean-Jacques Rousseau vertrat die Ansicht dass der Mensch von sich aus gut wäre, und nur durch Gesellschaft und Kultur schlecht würde. Dies könne durch eine Erziehung unter Abschottung von möglichst allen kulturellen Einflüssen überwunden werden. Rousseaus Theorien hatten großen Einfluss auf die Entwicklung Reformpädagogik und die "antiautoritären Erziehung" v.a. im 20. Jahrhundert, die jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis des "besseren, naturnahen Menschen" geführt hat.

Auch für Karl Marx war die Gesellschaft die Wurzel des Übels, die daher im Idealfall durch eine gewaltsame Revolution zu vernichten sei, um danach die utopische "klassenlosen Gesellschaft" als eine Art Paradies auf Erden etablieren zu können. Auch hier haben die großen marxistischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts nicht das prognostizierte Resultat gebracht.

In welcher Sünde bestand die Ursünde?

Die Ursünde war eine Sünde des Stolzes ("ihr werdet wie Gott" - Gen 3,5 EU) und der Missachtung Gottes (vgl. KKK 398) sowie des direkten schweren Ungehorsams gegen Gott (vgl. Röm 5,19 EU, KKK 397).

Vor allem im 19. Jahrhundert wurde von manchen Theologen die Theorie vertreten, dass die Ursünde mit der Sexualität zusammenhinge. Dies wird vom KKK (Punkte 385-409) und Johannes Paul II. in seinen Werken über die menschliche Liebe nicht weiterverfolgt und ist exegetisch nicht zu halten. Die Erbsünde hat die Beziehung des Menschen zu Gott zerstört und die Beziehung der Menschen untereinander nachhaltig beeinträchtigt. Dass davon als Folge der Erbsünde auch die menschliche Sexualität betroffen ist, die ja gerade im Kernbereich der intimsten Beziehung von Menschen untereinander steht, ist nicht verwunderlich, aber lässt keinerlei Rückschlüsse auf eine etwaige Beteiligung der Sexualität an der Erbsünde zu.

Zitate

  • John Henry Newman sagte über die Erbsünde: "Unter Erbsünde verstehen wir etwas Negatives, den Verlust der übernatürlichen, unverdienten Gnade, die Adam und Eva gleich bei ihrer Erschaffung besaßen - den Verlust sowie die Folgen dieses Verlustes" (vgl.: Schriften).
  • Im Osterlob findet man die auf den ersten Blick die paradoxe Idee der "glücklichen Schuld Adams":

"O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden"

Päpstliche Schreiben

Paul III.

Literatur

Medien

  • CD Hörbuch: Geheimnis der Erbsünde (Horst Obereder) [1]

Weblinks

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