Es war mein Wunsch

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Apostolischer Brief
Die Herz-Jesu-Verehrung in geeigneter Weise fördern

Seiner Heiligkeit
Johannes Paul II.
5. Oktober 1986

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1986, S. 1620-1622)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Dem hochwürdigen Pater Peter-Hans Kolvenbach,
Generaloberer der Gesellschaft Jesu

Es war mein Wunsch, auf meiner Pilgerfahrt nach Paray-le-Monial in der Kapelle zu beten, in der das Grab des seligen Claude de la Colombiere verehrt wird. Er war "der treue Knecht", den der Herr in seiner Liebe und Vorsehung der hl. Margareta-Maria Alacoque als geistlichen Führer gegeben hat. So kam es, dass er ihre Botschaft als erster verbreitete. In den wenigen Jahren seines Ordenslebens und intensiven Dienstes hat er sich als ein "vorbildlicher Sohn" der Gesellschaft Jesu erwiesen, der Christus, wie die hl. Margareta-Maria selbst bezeugt, die Aufgabe anvertraut hatte, die Verehrung seines göttlichen Herzens zu verbreiten.

Ich weiß, mit welcher Hochherzigkeit die Gesellschaft Jesu diesen wunderbaren Auftrag angenommen und mit welchem Eifer sie sich bemüht hat, ihn während der letzten drei Jahrhunderte nach Kräften zu erfüllen. Doch möchte ich bei dieser feierlichen Gelegenheit alle Mitglieder der Gesellschaft Jesu auffordern, diese Verehrung noch eifriger zu fördern, die mehr denn je den Erwartungen unserer Zeit entspricht.

Bedenken wir wohl: Der Herr hat in seiner Vorsehung gewollt, dass an der Schwelle der modernen Zeit, im 17. Jahrhundert, von Paray-le-Monial ein kräftiger Anstoß zur Verehrung des Herzens Christi ausging, und zwar in den Formen, wie sie die hl. Margareta-Maria in ihren Visionen empfangen hat. Die wesentlichen Elemente dieser Verehrung gehören jedoch bleibend zur Spiritualität der Kirche während ihrer ganzen Geschichte. Denn von Anfang an hat die Kirche auf das Herz Christi geschaut, das am Kreuze durchbohrt wurde und aus dem Blut und Wasser floß, Symbole der Sakramente, die die Kirche begründen. Und im Herzen des fleischgewordenen Wortes haben die Vater des christlichen Ostens und Westens den Beginn des ganzen Werkes unseres Heiles gesehen, die Frucht der Liebe des göttlichen Erlösers, für die dieses durchbohrte Herz ein besonders eindringliches Zeichen ist.

Das Verlangen, "den Herrn tief innerlich zu erkennen" und "ein Zwiegespräch mit ihm zu halten", von Herz zu Herz, ist durch die Geistlichen Exerzitien ein Wesensmerkrnal der geistlichen und apostolischen Dynamik des Ignatius von Loyola, die ganz und gar ausgerichtet ist auf den Dienst der Liebe des Herzens Gottes.

Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert uns daran, dass Christus, das fleischgewordene Wort, uns "mit einem menschlichen Herzen geliebt hat". Gleichzeitig versichert es uns: "Seine Botschaft mindert nicht nur den Menschen nicht, sondern verbreitet, um ihn zu fördern, Licht, Leben und Freiheit; und außer ihr vermag nichts dem Menschenherzen zu genügen" (vgl. GS 21 f.). Beim Herzen Christi lernt das Herz des Menschen den wahren und einzigartigen Sinn seines Lebens und seiner Bestimmung erkennen, den Wert eines wahrhaft christlichen Lebens begreifen, sich vor gewissen Entartungen des menschlichen Herzens schützen und die Liebe eines Kindes zu Gott mit der Liebe zum Nächsten vereinen. So wird auf den Trümmern, die von Hass und Gewalt aufgehäuft wurden, die so sehr erhoffte Zivilisation der Liebe, das Reich des Herzens Christi, errichtet werden können. Das ist in Wahrheit die Wiedergutmachung, die vom Herzen des Erlösers gefordert wird.

Das sind die Beweggründe, warum ich so sehr wünsche, dass Ihr beharrlich fortfahrt, die wahre Herz-Jesu-Verehrung zu verbreiten, und dass Ihr stets bereit seid, meinen Brüdern im Bischofsamt bei der Förderung dieser Verehrung überall und wirksam zu helfen. Ihr sollt euch darum kümmern, die geeignetsten Wege zu finden, die Herz-Jesu-Verehrung darzulegen und zu verwirklichen, damit der Mensch von heute mit der ihm eigenen Mentalität und Sensibilität in ihr die wahre Antwort auf seine Fragen und Erwartungen finden kann.

Im vergangenen Jahr habe ich Euch anlässlich des Kongresses des Gebetsapostolats dieses Werk, das mit der Verehrung des Heiligen Herzens so eng verbunden ist, in besonderer Weise anvertraut. In gleicher Weise bitte ich Euch bei meiner Pilgerfahrt nach Paray-le-Monial, alle Anstrengungen, die möglich sind, zu unternehmen, um den Auftrag, den Christus selber Euch gegeben hat, immer besser zu erfüllen: die Verbreitung der Verehrung seines göttlichen Herzens.

Die reichen geistlichen Früchte, welche die Herz-Jesu-Verehrung hervorgebracht hat, sind weithin bekannt. Sie drücken sich vor allem aus in der Praxis der Heiligen Stunde und dem Empfang von Beichte und Kommunion am ersten Freitag im Monat. Dadurch hat diese Verehrung dazu beigetragen, Generationen von Christen zu intensiverem Gebet und zum häufigeren Empfang der Sakramente der Buße und der Eucharistie anzuregen. Es ist auch heute noch wünschenswert, die Gläubigen zu diesen Formen des geistlichen Lebens hinzuführen.

Die Heilige Jungfrau Maria stehe Euch bei mit ihrem mütterlichen Schutz. An ihrem Fest der Heimsuchung wurde Euch 1688 diese Sendung anvertraut. Stütze und Trost in Eurer apostolischen Arbeit sei Euch der Apostolische Segen, den ich der ganzen Gesellschaft Jesu von Paray-le-Monial aus von ganzem Herzen erteile!

Paray-Ie-Monial, am 5. Oktober 1986
Papst Johannes Paul II.
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