Evangelium

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Evangelium (von griech. euangélion - "gute Nachricht" oder Frohbotschaft) bezeichnet den Inhalt jeder christlichen Verkündigung. Eingeführt wird der Begriff von Jesus Christus als Zusammenfassung der Botschaft von der durch sein Leben und Sterben anbrechenden Gottesherrschaft (Mk 1,15).

Außerdem bezeichnet der Begriff die schriftlichen Lebenszeugnisse des Herrn dokumentiert in der Heiligen Schrift, von denen die Kirche vier in den verbindlichen Schriftkanon aufgenommen hat:
das Matthäusevangelium, das Markusevangelium, das Lukasevangelium und das Johannesevangelium.

In jeder Hl. Messe wird ein Abschnitt aus den Evangelientexten vorgetragen. Er stellt den Höhepunkt des Wortgottesdienstes dar.

Inhaltsverzeichnis

Jesus Christus und der Begriff Evangelium

Ob Jesus selbst von "Evangelium" gesprochen hat bzw. welches entsprechende aramäische Wort er gebraucht hat, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass er die Reichgottesbotschaft in Wort und Zeichen machtvoll ausrichtete, den Sündern, Armen und Verlorenen Israels und selbst den bittenden Heiden zum Heil, den Reichen, Stolzen und Selbstgerechten zur Warnung und zum Gericht. Da er selbst in Person der vollkommene Ausdruck dieser Botschaft war und ihre göttliche Legitimität im Prozess um seine göttliche Legitimität zugleich vor Gericht stand und am Kreuz besiegelt wurde, erfährt der Begriff unter den ersten Christen eine Bedeutungserweiterung.

Für die Kirche ist Evangelium das Kurzwort für die Botschaft, von der sie lebt und die sie allen Geschöpfen (Mk 16,15) auszurichten hat: Menschwerdung, Wort und Wirken, Kreuzestod und Auferstehung des Sohnes Gottes; die eine Botschaft, die richtend und rettend jeden Menschen betrifft. Auch der Glaube an das Reich Gottes kann als Evangelium bezeichnet werden (vgl. Mk 1,14). Jesus Christus bezieht sich auf die Heilsbotschaft des Propheten Jesaja (vgl. Jes 40,10).

Die Evangelienschriften

Die vier Evangelienschriften des Neuen Testaments sind mit diesem Titel benannt, weil die Verfasser - aus eigener Erinnerung und gesammeltem Material - Zeugnis vom Leben Jesu Christi geben wollten. In der zeitgenössischen Exegese wird diskutiert, inwieweit und welche Überlieferungen authentischen Ursprung haben. Dabei kommt sie zu stets unterschiedlichen Ergebnissen und muss den Vorwurf auf sich nehmen, die Authentizität der Texte nicht aufgrund historischer Fakten zu beurteilen, sondern aufgrund einer postulierten Originalverkündigung, die durch die frühe Kirche erweitert worden sei. So vertreten weite Kreise der sog. historisch-kritischen Exegese die Ansicht einer vorösterlichen authentischen Botschaft und einer nachösterlichen Ausdeutung im Geist der werdenden Kirche ("Ostergraben"). Je nach Ideologie und eigener Überzeugung sähe dann diese ursprüngliche Botschaft Jesu immer anders aus und letzten Endes sei sie den Vorstellungen des Exegeten unterworfen. In diesem Zusammenhang hat der Archäologe Carsten-Peter Thiede in seinen Büchern darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse der Qumranforschung und der Papyrologie insgesamt von der historisch-kritischen Exegese nicht berücksichtigt würden. Auch hinsichtlich der Datierung der Evangeliumschriften existieren unterschiedliche Überzeugungen. Treten die meisten Anhänger der kritisch-historischen Methode für eine Spätdatierung (insbesondere des Johannes-Evangeliums) ein, so setzt sich allmählich -unter dem Einfluss der Kritik an der historisch-kritischen Methode- wieder eine in der Tradition verwurzelte Frühdatierung durch (vergl. v.a. Schriften von Papst Benedikt XVI. und Klaus Berger).

Ohne sich in diese Debatten einzumengen, hat die Kirche die vier kanonischen Evangelien als authentisches und wahres Lebenszeugnis anerkannt und sie gemeinsam - in ihrer Verschiedenheit - zur Grundlage für alle künftige Evangelisierung erklärt. So heißt es in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung "Dei Verbum" des 2. Vatikanischen Konzils:

"Niemandem kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes." (Nr. 18) "Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1-2). Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit zufloss. Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren. Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, 'die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren', es ging ihnen immer darum, dass wir die 'Wahrheit der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben' (vgl. Lk 1,2-4)." (Nr. 19)

Das Evangelium in der Eucharistiefeier

Teil eines Ambos in St. Blasius, Balve

Die Eucharistiefeier der Kirche besteht von Anfang an aus den zwei Hauptteilen Wortgottesdienst und eucharistisches Opfer (Gabenbereitung, Eucharistisches Hochgebet, Kommunion). Im Wortgottesdienst wird aus den Schriften des Alten Testaments, aus den Briefen der Apostel und aus den Evangelien vorgelesen, wobei das Evangelium als unmittelbares Wort des Herrn und besondere Weise seiner Gegenwart schon früh den Vorrang hat und liturgisch hervorgehoben wird. Seine Verlesung ist dem Diakon oder Priester vorbehalten. In der Hochform der hl. Messe wird das üblicherweise kostbar verzierte Evangelienbuch in Prozession mit Leuchtern zum Ambo getragen; der Herr, der nun spricht, wird begrüßt mit dem Halleluja und mit Weihrauch verehrt; der Verkündigung geht der liturgische Wechselgruß, der zugleich Gebet ist, sowie das Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust voran, sie wird umrahmt von Christus-Akklamationen des Volkes; zum Abschluss wird das Buch vom Verkünder erhoben und geküsst, die Verkündung mit erneutem Halleluja beantwortet.

Die liturgische Gestaltung drückt den Glauben der Kirche an die Macht und Heiligkeit des Evangeliums aus, die die Macht und Heiligkeit Jesu Christi selber ist und auf die tägliche Antwort der Glaubenden zielt. Dazu Vertiefung und Hilfe zu geben, ist Aufgabe der anschließenden Predigt.

Siehe auch: Evangelisierung, Evangelisch

Literatur

  • Hans-Joachim Schulz: Die apostolische Herkunft der Evangelien. Zum Ursprung der Evangelienform in der urgemeindlichen Paschafeier (Quaestiones disputatae 145) Freiburg 31997, ISBN 3451021455
  • Thomas Weißenborn: Apostel, Lehrer und Propheten: Evangelien und Apostelgeschichte (Einführung in das Neue Testament 1), Marburg 2004, ISBN 3861226766
  • Alfons Sarrach: Jahrhundertskandal ; Von der unhaltbaren Kritik an den Evangelien Miriam Verlag 2003 (ISBN 9783874493239; 192 Seiten).

`* Xavier Leon-Dufour: Die Evangelien und der historische Jesus. Christiana Verlag Zürich 1966 (599 Seiten).

  • Die vier heiligen Evangelien. 2 Mappen. Mit 350 Abbildungen nach älteren deutschen, französischen, italienischen und niederländischen Meisterwerken. Anmerkungen und kunstgeschichtlicher Anhang von G. Anton Weber. Josef Habbel Verlag 1905 (372 Seiten).

Weblinks

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