Evangelii praecones (Wortlaut)

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Enzyklika
Evangelii praecones

von Papst
Pius XII.
an unsere Ehrwürdigen Brüder, Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die anderen Oberhirten, welche in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl stehen
über die Förderung der katholischen Missionen
2. Juni 1951

(Offizieller lateinischer Text: AAS XLIII [1951] 497-528)

(Quelle: Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Deutsche Ausgabe des französischen Originals von P. Cattin O.P. und H. Th. Conus O.P. besorgt von Anton Rohrbasser, Paulus Verlag Freiburg Schweiz 1953, S. 437-465; Imprimatur Friburgi Helv., die 22. maii 1953 L. Weber V. G.; auch in: Päpstliche Rundschreiben über die Mission von Leo XIII. bis Johannes XXIII., Missionswissenschaftliches Seminar der Universität Würzburg, Herausgegeben von Josef Glazik MSC, Vier-Türme-Verlag 1961 Abtei Münsterschwarzach, S. 71-112, Ausgabe A: Latein und Deutsch. Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte: Würzburg, 4.5.1981 Dr. Fuchs, Generalvikar).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder !
Gruß und Apostolischen Segen!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: 25. Jubiläum des Rundschreibens Rerum Ecclesiae

1 Die Künder des Evangeliums, die sich auf einem fast unermesslichen Arbeitsfeld abmühen, damit das Wort Gottes seinen Lauf nehme und Ehre gewinne[1] sind der besondere Gegenstand Unseres herzlichen Gedenkens, da vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren Unser unvergesslicher Vorgänger Pius XI. das Rundschreiben Rerum Ecclesiae[2] herausgegeben hat, worin er sehr weise Ratschläge zur stets weiteren Ausbreitung der katholischen Missionen erteilte. Und wenn Wir bedenken, welch bedeutende Fortschritte dieses heilige Unternehmen in diesem Zeitraum gemacht hat, so sind Wir von großer Freude erfüllt. Tatsächlich hat - wie Wir am 24. Juni 1944 vor den Leitern der Päpstlichen Missionswerke auszuführen Gelegenheit hatten -« die emsige Schaffensfreude der christlichen Glaubensboten sowohl in den bereits vom Lichte des Evangeliums erleuchteten Ländern, als auch bei den Völkern, die es noch nicht erreicht hatte, eine Intensität und Reichweite wie vielleicht noch nie in der Geschichte der katholischen Missionen angenommen ».[3]

2 Heute jedoch, in diesen Zeiten voll Unruhe und Gefahren, in denen viele Völker durch entgegengesetzte Interessen getrennt sind, scheint es Uns ganz besonders wichtig, dieses Anliegen nachdrücklich zu empfehlen, da ja die Boten des Evangeliums alle Menschen zu menschlicher und christlicher Liebe ermahnen und zu brüderlichen Beziehungen anhalten, die alle Rivalitäten und nationalen Grenzen überwinden sollen.

3 Darum haben Wir in der oben erwähnten Ansprache den Leitern der Missionswerke u. a. gesagt: «... Die Natur eurer Aufgabe, die durch keine nationalen Grenzen beschränkt ist, und eure gemeinsame brüderliche Arbeit lassen jenes besondere Kennzeichen der katholischen Kirche vor aller Augen hell aufstrahlen, das keine Zwietracht duldet, alle Feindseligkeiten meidet und den Spaltungen, die den Völkern Unruhen und zu weilen Elend bringen, durchaus abhold ist: Wir meinen den christlichen Glauben und die Liebe zu allen Menschen, die sich über alle feindlichen Lager, alle. staatlichen Grenzen, alle Erdteile und Ozeane erhebt; die jedem einzelnen und allen insgesamt ein Ansporn ist, das Ziel anzustreben, das ihr euch gesteckt habt und das darin besteht, das Reich Gottes auf den gesamten Erdkreis auszudehnen»).[4]

4 Gern benützen Wir daher die Gelegenheit des fünfundzwanzigsten Jubiläums der Enzyklika Rerum Ecclesiae, um mit großer Freude die schon geleistete Arbeit zu loben; Wir ermahnen euch alle, ehrwürdige Brüder im Episkopat, euch Missionare, alle Priester und jeden einzelnen Gläubigen, ob ihr nun in Ländern arbeitet, die noch Missionsgebiet sind, oder an irgendeinem anderen Punkt der Erde, dieses Werk stets mit größter Hingabe weiter zu fördern durch das Gebet zu Gott, durch die Ausbildung und Unterstützung der angehenden Missionare und schließlich durch Geldspenden zugunsten dieser wichtigen Angelegenheit.

1. Erfreuliche Fortschritte in der Missionsarbeit

a) Missionsstatistik und Bildungsanstalten

5 An erster Stelle möchten Wir hier kurz von den bereits erzielten Fortschritten reden. 1926 zählte man 400 Missionen, gegenwärtig sind es rund 600. Damals kamen die Katholiken noch nicht auf 15 Millionen; heute sind es ungefähr 20 Millionen 800000. Im gleichen Jahr 1926 gab es ungefähr 14800 Missionspriester des auswärtigen und einheimischen Klerus, heute sind es mehr als 26 800. Damals waren alle Oberhirten in den Missionen Ausländer; nach fünfundzwanzig Jahren sind 88 von diesen Missionen dem einheimischen Klerus übergeben worden, und da an zahlreichen Orten die kirchliche Hierarchie mit einheimischen Bischöfen schon ordnungsgemäß konstituiert ist. tritt noch offensichtlicher zutage, dass die Religion Jesu Christi wirklich katholisch und an keinem Punkt der Erde fremd ist.

6 So ist, um einige Beispiele zu nennen, in Pakistan und in gewissen Gebieten Afrikas die kirchliche Hierarchie gemäß den kanonischen Gesetzen errichtet worden; drei Plenar-Konzilien von weittragender Bedeutung wurden abgehalten, das eine 1934 in lndochina, das zweite 1937 in Australien und das dritte letztes Jahr in Indien. Die Kleinen Seminare haben an Zahl und Qualität bedeutend gewonnen; die Großen Seminare, deren es vor fünfundzwanzig Jahren nur 1770 gab, sind gegenwärtig auf die Zahl von 4300 gestiegen und es wurden zahlreiche Regionalseminare gegründet. In Rom ist am Propagandakolleg ein Missionsinstitut gegründet worden; ebenfalls in Rom sowie an zahlreichen anderen Orten sind Lehrstühle für Missiologie errichtet worden; in Rom wurde ferner das Kolleg St. Peter geschaffen zur gründlicheren Ausbildung des Eingeborenen-Klerus in den theologischen Wissenschaften, in der Tugend und im Apostolat. Zwei neue Universitäten wurden gegründet; die Studienkollegien, die sich früher auf etwa 1600 beliefen, haben heute die Zahl 5000 überschritten. Die Elementar- und Mittelschulen sind ungefähr doppelt so zahlreich wie damals. Ebenso kann man sagen. dass die Armenapotheken und Spitäler, in denen alle Arten von Kranken, Gebrechlichen und Aussätzigen gepflegt werden, sich nahezu verdoppelt haben. Auch der Priestermissionsbund hat in diesen Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen; die Agentur Fides wurde geschaffen, deren Aufgabe es ist, Nachrichten über das religiöse Leben zu sammeln, zu redigieren und zu veröffentlichen; die Missionspresse hat fast überall an Zahl und an Auflageziffern zugenommen.

b) Missionskongresse und Apostolische Delegaturen

Zahlreiche Missionskongresse wurden abgehalten, worunter jener besonders erwähnenswert ist, der im vergangenen Jahr anlässlich des Heiligen Jahres in Rom stattfand, und der sehr deutlich gezeigt hat, was auf diesem Gebiet geleistet wurde. Kürzlich hat ein Eucharistischer Kongress in Kumasi an der Goldküste eine bemerkenswerte Zahl von Teilnehmern in glühender Frömmigkeit vereinigt. Endlich haben Wir zugunsten des Päpstlichen Werkes der Heiligen Kindheit einen besonderen Tag bestimmt, der alljährlich dem Gebet und den Opferspenden für dieses Werk geweiht sein soll.[5] All dies beweist deutlich, dass die Missionsarbeit sich den veränderten Verhältnissen und den wachsenden Bedürfnissen unserer Zeit durch neue Methoden und zweckentsprechendere Maßnahmen gebührend anpasst.

7 Ferner sei nicht verschwiegen, dass in dieser Zeit fünf neue Apostolische Delegaturen in verschiedenen Ländern gesetzlich errichtet wurden, die der Jurisdiktion der Propaganda-Kongregation unterstehen. Außerdem gibt es nun eine beträchtliche Anzahl von Missionsgebieten, die Apostolischen Nuntien oder Internuntien unterstehen. Und Wir möchten hervorheben, dass die Anwesenheit und der Eifer dieser Prälaten schon reiche Früchte gezeitigt hat; ihnen ist es vor allem zu verdanken, dass die Missionswerke durch eine bessere Organisation und gegenseitige Hilfeleistung dem gemeinsamen Ziel erfolgreicher dienen. Auch Unsere Legaten haben diesem gleichen Ziel wichtige Dienste geleistet, indem sie sämtliche Gebiete besuchten und als Unsere Stellvertreter an Bischofskonferenzen teilnahmen, wo die Ortsordinarien zum Gesamtwohl ihre Erfahrungen austauschten, um in gemeinsamer Beratung die Seelsorgemethoden zu verbessern und zu vereinfachen. Diese einträchtige Zusammenarbeit des Glaubensgeistes und werktätigen Apostolates hat zudem den Vorteil zur Folge gehabt, dass die zivilen Behörden und die Andersgläubigen der christlichen Religion größere Achtung entgegenbrachten.

c) Wachsende Aufgaben erfordern mehr Glaubensboten

8 Was Wir hier über den Fortschritt der Mission in den letzten fünfundzwanzig Jahren kurz erwähnt haben und was Wir während des Heiligen Jahres sehen konnten - als aus den fernen Gegenden, wo die Glaubensboten gewirkt hatten, eindrucksvolle Massen nach Rom strömten, um die Gnadengeschenke Gottes und Unseren Segen zu empfangen -, an das, sagen Wir, drängt Uns zur Erneuerung des sehnlichen Wunsches des Völkerapostels, als er an die Römer schrieb: ... dass ich euch eine geistige Gabe mitteile zu eurer Stärkung, oder vielmehr um uns gegenseitig aufzumuntern durch unseren gemeinsamen Glauben, den euren wie den meinen.[6]

9 Und es scheint Uns, der göttliche Meister selber wiederhole uns allen die tröstlichen und mahnenden Worte: Erhebt die Augen und schaut die Felder an, sie sind schon weiß zur Ernte. [7] Da jedoch die Verkünder der christlichen Wahrheit den gegenwärtigen Anforderungen nicht gewachsen sind, ertönt gewissermaßen als Widerhall auf diese Worte die neue Aufforderung desselben göttlichen Erlösers: Die Ernte ist groß, aber die Zahl der Arbeiter ist gering. Bittet daher den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld sende.[8]

10 Wir wissen, und das ist Unserem Herzen ein großer Trost, dass die Zahl derer, die ein übernatürlicher Ruf zur Verbreitung des Evangeliums auf der ganzen Erde drängt, in unsern Tagen gottlob wächst und die Kirche in ihren Hoffnungen bestärkt. Aber es bleibt noch viel zu tun, und viel ist noch durch demütiges Gebet von Gott zu erflehen. Überblicken Wir im Geiste die ungezählten Völker, die durch diese Werkleute des Evangeliums zum einen Schafstall und zum einzigen Hort des Heils geführt werden sollen, dann wenden Wir Uns an den Herrn der Hirten mit den Worten des Ekklesiastikus: Wie Du vor ihnen dich an uns als heilig hast erwiesen, so zeige dich vor uns an ihnen jetzt als mächtig, damit sie Dich erkennen, wie wir erkannt haben, dass es keinen Gott gibt außer Dir, o Herr.[9]

2. Verfolgungen und Gefahren

a) Liebe, Bewunderung und Trost für die Betroffenen

11 Dieses verheißungsvolle Wachstum der Missionen ist nicht allein dem Wirken der Sämänner des göttlichen Wortes zu verdanken, sondern ebenso dem Blutzeugnis zahlreicher Märtyrer; denn im Verlauf der letzten Jahre sind bei gewissen Völkern die heftigsten Verfolgungen ausgebrochen gegen die entstehende Kirche. Und gerade in unsern Tagen fließt in gewissen Ländern des Fernen Ostens Christenblut für dieselbe heilige Sache. Wir erfahren nämlich, dass um der Treue zu ihrem Glauben willen zahlreiche Christen, Missionsschwestern, eingeborene Priester und selbst einige Bischöfe aus ihrem Heim vertrieben und ihrer Güter beraubt wurden, dass sie nun außerhalb ihres Landes Hunger leiden oder auch in Gefängnissen oder Konzentrationslagern eingesperrt und zum Teil sogar grausam ermordet wurden.

12 Es ist für Unser Herz ein sehr großer Schmerz, an die Ängste, die Leiden und an den Tod dieser treuen Söhne zu denken; nicht nur sind Wir ihnen in väterlicher Liebe nahe, sondern Wir sprechen davon mit, väterlicher Ehrfurcht, denn Wir wissen wohl, dass ihr Geschick bisweilen die hohe Würde des Martyriums erreicht. Jesus Christus, der erste aller Blutzeugen, hat gesagt: Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen"[10] In der Welt habt ihr Trübsal, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden"[11] Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es für sich allein, wenn es aber stirbt, bringt es tausendfältige Frucht.[12]

13 Die Boten und Künder der christlichen Wahrheit und Sittenlehre, die fern von ihrer Heimat in der Ausübung ihres heiligen Amtes den Tod finden, sind eine Saat, aus der Gottes Wille eines Tages reiche Frucht wird aufkeimen lassen. Deshalb sagte der Apostel Paulus: Wir rühmen uns der Trübsale"[13] und der heilige Bischof und Märtyrer Cyprian tröstete und ermahnte die Christen seiner Zeit mit den Worten: « Der Herr wollte, dass wir uns freuen und frohlocken inmitten der Verfolgungen; denn wenn Verfolgungen kommen, dann werden Kronen des Glaubens verliehen, dann werden die Kämpfer Gottes erprobt, dann steht den Märtyrern der Himmel offen. Wir haben uns ja nicht zum Kriegsdienst verpflichtet, um nun lediglich an Frieden zu denken, den Kampf zu schmähen und zu verweigern, da doch der Herr als erster in den Kampf voran gezogen ist, der Lehrer der Demut, der Geduld und des Leidens; denn er wollte, was er uns zu tun lehrte, zuerst selber tun, und was er uns zu dulden mahnte, zuerst selber erdulden ».[14]

b) Vertrauen auf den Endsieg der Kirche

14 Die Glaubensboten, die heute in fernen Ländern wirken, mühen sich um eine Aufgabe, die jener der Frühkirche seht ähnlich ist. Tatsächlich befanden sich jene, die mit den Apostelfürsten Petrus und Paulus die Wahrheit des Evangeliums in die Zitadelle des römischen Weltreiches brachten, in Rom in einer nahezu gleichen Lage. Wer die Kirche in ihrem damaligen Anfangsstadium betrachtet, ohne irgendwelche menschliche Hilfsmittel, im Kampf mit allen möglichen Schwierigkeiten, Heimsuchungen und Angriffen, wird sich einer tiefen Bewunderung nicht erwehren können, wenn er feststellt, dass die friedliche Christenschar eine Macht besiegt hat, wie es vielleicht keine größere gegeben hatte. Was aber damals geschah, wird zweifellos immer wieder geschehen. Wie der junge David, der sich mehr auf die göttliche Hilfe als auf seine Schleuder verließ, den Riesen Goliath in seiner Eisenrüstung zu Boden warf, so wird auch diese göttliche Gemeinschaft, die Christus gegründet hat, niemals und durch keine irdische Macht besiegt werden, sondern gelassen über alle Angriffe triumphieren. Obwohl Wir wissen, dass dies auf Grund unfehlbarer Verheißungen. Gottes geschieht, so können Wir uns doch nicht enthalten, all denen Unsern Dank auszusprechen, die ihren unerschütterlichen und unbesiegbaren Glauben an Jesus Christus und an die Kirche, die Säule und Grundfeste der Wahrheit,[15] bezeugt haben, und zugleich ermahnen Wir sie, in der gleichen Standhaftigkeit auszuharren.

15 Häufig bekommen Wir Berichte über solch unbesieglichen Glauben und unerschütterlichen Mut, und sie bereiten Uns großen Trost. Und wenn es nicht an Elementen fehlt, die darauf ausgehen, die Katholiken vom Apostolischen Stuhl dieser Ewigen Stadt zu trennen, unter dem Vorwand, dass die Liebe eines jeden Menschen zu seinem eigenen Vaterland und die Treue ihm gegenüber diese Trennung fordere, so konnten und können doch Unsere Söhne mit gutem Recht antworten, dass sie in der Vaterlandsliebe hinter keinem Bürger zurückstehen, dass sie aber eine gerechte Freiheit offen für sich fordern.

c) Heidentum, Atheismus, Kommunismus

16 Jedenfalls muss man im Auge behalten, was Wir schon oben erwähnt haben, dass nämlich die noch zu leistende Arbeit gewaltige Anstrengungen und zahllose Werkleute erfordert. Bedenken wir doch, dass eine unabsehbare Menge unserer Brüder immer noch im Finstern und im Todesschatten sitzt,[16] und dass ihre Zahl sich auf eine Milliarde belaufen mag. Darum ist es Uns, als dringe der unaussprechliche Seufzer des liebevollsten Herzens Jesu Christi immer noch an unser Ohr: Ich habe noch andere Schafe, die nicht Zu diesem Schafstall gehören; auch sie muss ich herbeiführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirt sein.[17]

17 Zudem fehlt es nicht an Hirten, ihr wisst es wohl, ehrwürdige Brüder, die sich bemühen, die Schafe von dieser einen Hürde, von diesem einzigen Hort des Heils fernzuhalten. Ihr wisst auch, dass diese Gefahr in gewissen Gegenden von Tag zu Tag zunimmt. Wenn Wir daher vor Gott bedenken, dass eine unabsehbare Menge den wahren Glauben noch nicht kennt, und wenn Wir den ganzen Ernst der Gefahr ermessen, der so viele Menschen ausgesetzt sind, sei es durch das immer weitere Umsichgreifen des atheistischen Materialismus, sei es durch eine dem Namen nach christliche Lehre, die aber in Wirklichkeit von den Anschauungen und Irrtümern des Kommunismus durchsetzt ist, so drängt Uns große Herzensangst und Sorge, das Missionswerk weiterhin mit allen Kräften zu fördern, und Wir betrachten die Worte des Propheten als an Uns gerichtet: Rufe laut und ohne Unterlass, wie eine Posaune erhebe deine Stimme.[18]

18 Ganz besonders empfehlen Wir Gott in Unseren Gebeten die Missionare im Innern Lateinamerikas, denn Wir wissen, welchen Gefahren, welchen Tücken sie ausgesetzt sind durch die geheimen oder offenen Irrtümer, welche die Nichtkatholiken verbreiten.

II. Grundsätze und Richtlinien für die Missionsarbeit

1. Der Klerus in den Missionsgebieten

a) Ideale Gesinnung und Rüstzeug des Missionars

19 In der Absicht, das Wirken der Künder des Evangeliums immer erfolgreicher' zu gestalten, und damit kein einziger ihrer Schweiß- oder Blutstropfen umsonst vergossen werde, wollen Wir hier die Grundsätze und Richtlinien kurz darlegen, welche die Tätigkeit und den Seeleneifer der Missionare leiten sollen.

20 Zunächst muss bemerkt werden, dass jeder, an den die über natürliche Berufung ergeht, fernen Heidenvölken die Wahrheit des Evangeliums zu verkünden, zu einer ganz großen, ganz erhabenen Aufgabe bestimmt ist. Denn er weiht sein Leben Gott, um dessen Reich bis zu den äußersten Grenzen der Erde auszubreiten. Er sucht nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den Jesu Christi.[19] Er macht sich die herrlichen Worte des Völkerapostels zu eigen: Wir sind Gesandte ... an Christi Statt[20] Obwohl im Fleische wandelnd, kämpfen wir nicht nach Fleischesart,[21] Mit den Schwachen ward ich schwach, um die Schwachen Zu gewinnen. [22] Er muss also das Land, dem er das Licht des Evangeliums bringt, als ein zweites Vaterland betrachten und entsprechend lieben; er darf keine materiellen Vorteile, auch nicht die Interessen seines Heimatlandes oder seines Ordens suchen, sondern nur das Heil der Seelen. Gewiss soll er seiner Heimat und seinem Orden in tiefer Liebe zugetan sein, aber mehr noch muss er die Kirche lieben. Und er bedenke wohl, dass alles, was dem Wohl der Kirche zuwiderläuft, seinem Orden keinen Nutzen bringt.

21 Ferner müssen jene, die zu diesem Apostolat berufen sind vor ihrer Aussendung nicht nur in allen Tugenden und allen kirchlichen Wissenszweigen geschult und ausgebildet werden, sondern sich unbedingt auch jene besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten aneignen, die ihnen eines Tages von größtem Nutzen sein werden, wenn sie bei fernen Völkern als Glaubensboten wirken. Darum müssen sie Sprachen lernen, vor allem jene, die sie später brauchen werden; sie müssen etwas verstehen von Medizin, Landwirtschaft, Völkerkunde, Geschichte, Geographie und anderen Fachgebieten dieser Art.

b) Hochziel der Missionsarbeit: Verwurzelung und Verselbständigung der Kirche

22 Das nächste Ziel der Missionen ist es, wie jedermann weiß, neuen Völkern das Licht des Evangeliums zu bringen und neue Gläubige für Christus zu gewinnen. Ihr Endziel aber, das man nie aus den Augen verlieren darf, muss darin bestehen, die Kirche fest und endgültig bei neuen Völkern zu verwurzeln und ihr dort eine eigene Hierarchie zu geben, die aus Einheimischen besteht.

23 In einem Schreiben vom 9. August vorigen Jahres an Unseren geliebten Sohn, Kardinal Pietro Fumasoni Biondi, den Präfekten der Propaganda-Kongregation, haben Wir u. a. gesagt: « Die Kirche hat keineswegs die Absicht, die Völker zu beherrschen oder irdische Macht an sich zu reißen: ihr einziger Wunsch ist es, allen Völkern das übernatürliche Licht des Glaubens zu bringen, die Entwicklung der menschlichen und bürgerlichen Kultur sowie die Eintracht unter den Völkern zu fördern».[23]

24 Im Apostolischen Schreiben Maximum illud,[24] das Unser Vorgänger Benedikt XV. im Jahre 1919 erließ, sowie in der Enzyklika Rerum Ecclesiae[25] unseres unmittelbaren Vorgängers Pius XI. wurde betont, dass es das höchste Ziel der Missionen sein müsse, in neuen Ländern die Kirche einzurichten. Wir selber haben, wie schon erwähnt, im Jahre 1944 beim Empfang der Vorsteher der Missionswerke erklärt: « Das Ziel, das sich die Glaubensboten mutig und hochherzig setzen, besteht darin, die Kirche in neue Gebiete zu tragen, so dass sie dort immer tiefere Wurzeln schlagen und nach genügender Entwicklung, sobald wie möglich, ohne weitere Hilfe der Missionswerke leben und sich entfalten kann. Diese Missionswerke suchen ja nicht ihr eigenes Interesse, sie müssen vielmehr mit allen Kräften das Ziel zu erreichen trachten, von dem Wir gesprochen haben; ist es einmal erreicht, dann werden sie sich gern anderen Unternehmungen widmen ».[26] « Darum richten sich die Sendboten des Glaubens nicht auf bereits bestellten Missionsfeldern ein, als ob das ihre Wohnsitze wären; ihre Aufgabe ist es vielmehr, den ganzen Erdkreis durch die Wahrheit des Evangeliums zu erleuchten und durch die Heiligkeit der Christen zu weihen. Es ist nämlich die Sendung der Missionare, das Reich des göttlichen Erlösers, der den Tod besiegt hat und auferstanden ist, und dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden,[27] mit immer rascherem Schritt von einem Land zum andern zu tragen bis zu der entferntesten und unbekanntesten Hütte, bis zum entferntesten und unbekanntesten Menschen».[28]

c) Der einheimische Klerus: Bedeutung und Verhältnis zu den Missionsorden

25 Es ist jedoch klar, dass die Kirche sich in neuen Gebieten nur dann ordentlich festigen kann, wenn ihre Niederlassungen und Werke dort in zweckgemäßer Weise organisiert und koordiniert werden und namentlich wenn dort ein den Anforderungen gewachsener Eingeborenen-Klerus herangezogen und ausgebildet wird. Wir möchten daher die folgenden ernsten und weisen Sätze aus dem Rundschreiben Rerum Ecclesiae wiederholen: « Wenn ihr dafür sorgen müsst, dass jeder von euch möglichst zahlreiche eingeborene Alumnen hat, so bemüht euch des weiteren, sie gehörig zu erziehen und zur standesgemäßen priesterlichen Heiligkeit heranzubilden, zu jenem Apostelgeist und jenem Seeleneifer für das Heil ihrer Brüder, die sie selbst zum Lebensopfer für ihre Landsleute fähig machen».[29]

26 « Nehmt einmal an, dass ein Krieg oder sonst ein politisches Ereignis in einem Missionsland einen Regierungswechsel zur Folge hat und dass die Abreise der Missionare einer bestimmten Nationalität gewünscht oder verordnet wird; nehmt an - was allerdings weniger leicht zutreffen dürfte -, dass die Eingeborenen eine höhere Kulturstufe erreichen und eine gewisse politische Reife erlangen und deshalb die Beamten, Truppen und Missionare der herrschenden Nation zu vertreiben beabsichtigen und das nur mit Gewalt bewerkstelligen können. Welches Verhängnis, fragen Wir, würde dann die Kirche in jenen Gebieten bedrohen, wenn nicht in jeder Beziehung für die Bedürfnisse der neugewonnenen Christen Vorsorge getroffen wäre durch ein dichtes Netz von einheimischen Priestern, welches das ganze Gebiet umfasst?»[30]

27 Was Unser unmittelbarer Vorgänger in einer Art Vorahnung geschrieben hat, sehen Wir zu Unserem tiefsten Schmerz in zahlreichen Gebieten des Fernen Ostens heute verwirklicht. Die blühenden Missionen jener Länder, die schon weiß zur Ernte[31] waren, kämpfen heute leider mit den größten Schwierigkeiten. Möge es Uns zu hoffen erlaubt sein, dass die Völker Koreas und Chinas, die sich durch natürliche Gaben der Menschlichkeit und des Herzensadels auszeichnen und sich seit alter Zeit durch eine hochstehende Kultur glänzend hervortaten, doch baldmöglichst von den mörderischen Kämpfen und Kriegen erlöst werden, aber auch von jener unseligen Lehre, die nur nach irdischen Gütern trachtet und die überirdischen verschmäht. Mögen sie auch die gebührende Hochschätzung aufbringen für die christliche Liebe und Tapferkeit der ausländischen Missionare und der einheimischen Priester, die mit ihren Mühen und wenn nötig sogar mit dem Einsatz ihres Lebens nur das wahre Wohl des Volkes suchen.

28 Wir sagen Gott unendlichen Dank dafür, dass in beiden Ländern ein ausgezeichneter und bereits zahlreicher Klerus zur Hoffnung der Kirche aus der Bevölkerung selber hervorgegangen ist, und dass verschiedene Diözesen einheimischen Bischöfen übergeben werden konnten. Wenn es schließlich so weit gekommen ist, so gebührt den auswärtigen Missionaren der Dank dafür.

29 Diesbezüglich möchten Wir jedoch auf einen Punkt hinweisen, der Unseres Erachtens besondere Aufmerksamkeit verdient; es handelt sich um die Übergabe der Missionen, die bis anhin dem ausländischen Klerus anvertraut waren, in die Hände nationaler Bischöfe und Priester. Der Orden, dessen Mitglieder den Weinberg des Herrn im Schweiße ihres Angesichtes bestellt haben, braucht dieses von ihm beackerte und schon fruchtverheißende Arbeitsfeld nicht unbedingt vollständig zu verlassen, wenn es durch ein Dekret des obersten Rates der Propaganda-Kongregation anderen Arbeitern übergeben wird. Es wird vielmehr nützlich und angebracht sein, dass der Missionsorden dem neuen landeseigenen Bischof weiterhin zur Seite steht. Genau wie in den meisten anderen Diözesen der Welt Ordensleute dem Ortsbischof ihre Dienste zur Verfügung stellen, so sollen sie auch in den Missionsgebieten als Gehilfen in der Seelsorge mitwirken, selbst wenn sie anderer Nationalität sind. So wird sich in glücklicher Weise verwirklichen, was der göttliche Meister am Brunnen von Sichar sagte: Der Schnitter empfängt seinen Lohn und sammelt Frucht fürs ewige Leben, damit Sämann und Schnitter sich gemeinsam freuen.[32]

2. Die Katholische Aktion in den Missionen

a) Das Laienapostolat im Lauf der Zeiten

30 Wir wollen ferner Unsere Ermahnung nicht nur an die Missionare, sondern auch an die Laien richten, die mit Großmut und Bereitschaft[33] in den Reihen der Katholischen Aktion den Missionaren beistehen.

31 Man kann gewiss behaupten, dass die Mitarbeit der Laien, die wir heute Katholische Aktion nennen, der Kirche seit ihren Anfängen niemals gefehlt hat; sie hat vielmehr schon die Apostel und die anderen Glaubensboten in bedeutendem Maße unterstützt und sich um die Ausbreitung des Christentums große Verdienste erworben. In diesem Zusammenhang nennt der Völkerapostel Apollo, Lydia, Aquila, Priscilla und Philemon; im Philipperbrief schreibt er: Ich bitte auch dich, trauter Gefährte, nimm dich ihrer an! Sie haben sich ja mit mir für das Evangelium abgemüht, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens stehen.[34]

32 Jedermann weiß auch, dass die christliche Lehre nicht nur von Bischöfen und Priestern, sondern auch von Staatsbeamten, Soldaten und Privatleuten längs den römischen Konsularstraßen verbreitet wurde. Viele Tausend eben erst zum Christentum bekehrte Gläubige, deren Namen heute unbekannt sind, waren von dem Verlangen beseelt, die neue Religion, die sie selber angenommen hatten, überallhin zu tragen, und haben alles getan, um der christlichen Wahrheit den Weg zu bahnen. Daher waren schon nach kaum hundert Jahren das Christentum und die Tugendhaftigkeit der Christen in allen wichtigeren Städten des römischen Reiches bekannt.

33 Der heilige Justinus, Minucius Felix, Aristides, der Konsul Acilius Glabrio, der Patrizier Flavius Clemens, der heilige Tarcisius, unzählige heilige Märtyrer und Märtyrerinnen, die durch ihre Bemühungen und ihr Blut die wachsende Kirche gefestigt und befruchtet haben, können in gewisser Hinsicht als Vorkämpfer und Vorläufer der Katholischen Aktion bezeichnet werden. Wir möchten hier das schöne Wort des Verfassers des Briefes an Diognet anführen, dessen Mahnung auch heute noch ihren vollen Sinn behält: « Die Christen leben in ihrem Vaterland, jedoch wie auswärtige Mieter; ... ihnen wird jede Fremde zur Heimat, und jede Heimat ist ihnen Fremde».[35]

34 Während der Barbareneinfälle des Mittelalters sehen wir Fürsten und Fürstinnen, aber auch einfache Handwerker und eifrige Frauen aus dem christlichen Volk sich mit aller Kraft einsetzen, um ihre Landsleute zu einem überzeugten Glauben an Jesus Christus zu bekehren und ihren Lebenswandel danach zu gestalten; ebenso retteten sie Glauben und Gemeinwesen im Fall der Gefahr. Als Unser unsterblicher Vorgänger Leo der Große dem Attila bei seinem Einfall in Italien unerschrocken entgegentrat, begleiteten ihn nach der Überlieferung zwei römische Konsuln. Als die furchtbaren Hunnenhorden Paris belagerten, stand die heilige Jungfrau Genoveva, die in ununterbrochenem Gebet und in den härtesten Bußübungen ihre Wonne fand, in bewundernswürdiger Liebe ihren Mitbürgern an Leib und Seele bei. Die Langobardenkönigin Theodelinde fleht ihr Volk an, die christliche Religion anzunehmen. In Spanien bemüht sich König Rekkared, sein Volk von der Irrlehre des Arianismus zum wahren Glauben zurückzuführen. In Gallien sind es nicht nur heilige Bischöfe wie Remigius von Reims, Caesarius von Arles, Gregor von Tours, Eligius von Noyon und manche andere -, die durch ihre Tugend und ihren Seeleneifer hervorragen; man sieht Königinnen zu jener Zeit dem einfachen und unwissenden Volk die christliche Wahrheit verkünden, Kranke, Hungernde und Elende jeder Art speisen. Einige Beispiele dazu: Chlothilde weiß das Herz Chlodwigs so gut für den christlichen Glauben zu gewinnen, dass er sich schließlich freudig zum Empfang der Taufe bereit erklärt. Radegundis und Bathilde nehmen die Kranken liebevoll auf und pflegen die Aussätzigen. In England empfängt die Königin Bertha den heiligen Augustin, den Apostel jener Nation, bei seiner Ankunft und überredet ihren Gemahl Ethelbert, die Lehren des Evangeliums mit Wohlwollen anzuhören. Und kaum haben die Angelsachsen, Fürsten. Und Untertanen, Männer und Frauen, jung und alt, den christlichen Glauben angenommen, so knüpfen sie sogleich, wie auf göttlichen Gnadenantrieb hin, ein enges Band der Ehrfurcht, der Treue und des Gehorsams zum Apostolischen Stuhl.

35 Ein ebenso herrliches Schauspiel sehen wir in Deutschland: der heilige Bonifatius und seine Gefährten durchziehen das Land auf ihren Bekehrungsreisen und tränken es mit ihrem Schweiße. Die Söhne und Töchter dieses tapferen und hochherzigen Volkes liehen den Mönchen, Priestern und Bischöfen mit hinreißender Begeisterung ihre Hilfe und Unterstützung, so dass das Licht des wahren Glaubens in ihren ausgedehnten Gebieten von Tag zu Tag weiter vordrang und die christlichen Gebote und Tugenden immer mehr Boden gewannen und reichere Früchte brachten.

36 Zu allen Zeiten also hat die katholische Kirche nicht bloß durch den unermüdlichen Seeleneifer des Klerus, sondern auch dank der von ihr gewünschten Mitarbeit der Laien die Weiterverbreitung des Glaubens gefördert und auf sozialen Gebiet den Wohlstand der Völker gehoben. Jedermann weiß was diesbezüglich in Ungarn die heilige Königin Elisabeth, in Kastilien der heilige König Ferdinand, in Frankreich König Ludwig der Heilige getan haben: dank ihrer Heiligkeit und ihrem Opfergeist haben sie ihre Wohltaten auf alle soziale Schichten ausgedehnt durch Gründung wohltätiger Werke, durch energische Verbreitung des Glaubens, durch Unterstützung der Kirche und vor allem durch ihr persönliches Beispiel. Bekannt sind auch die Verdienste der mittelalterlichen Bruderschaften, zu denen Handwerker und Arbeit beider Geschlechter gehörten. Sie lebten zwar in der Welt, hatten aber ein hohes Ideal evangelischer Vollkommenheit vor Augen; sie strebten sie für sich selber an und bemühten sich mit Hilfe der Geistlichen, auch die Mitmenschen dazu zu führen.

b) Gründung und Ausbau von Laienorganisationen

37 Nun aber herrschen in den meisten Missionsgebieten heute noch dieselben Verhältnisse wie in der Frühzeit der Kirche; oder wenigstens herrschen bei diesen Völkern noch Missstände, denen ein späteres Zeitalter abhelfen müsste. Danrum ist es unbedingt notwendig, dass sich zahlreiche Laien in der Katholischen Aktion zusammenschließen, um ihren hochherzigen und tatkräftigen Eifer mit dem hierarchischen Apostolat des Klerus zu verbinden. Die Katechetenarbeit ist gewiss dringend nötig, aber nicht weniger dringlich ist die rege Tätigkeit jener, die einzig aus Liebe zu Gott und ohne einen Lohn zu empfangen, sich als Seelsorgehelfer den Priestern zur Verfügung stellen.

38 Wir wünschen daher, dass nach Möglichkeit überall Vereinigungen katholischer Männer und Frauen, der katholischen Jugend, Studentenvereine, Arbeiter- und Handwerkerverbände und Sportvereine gegründet werden, sowie auch Kongregationen und religiöse Vereine, die man die Hilfstruppen der Missionare nennen könnte. Bei Gründung und Ausbau dieser Gruppen schaue man jedoch mehr auf Zuverlässigkeit, Tugendhaftigkeit und Arbeitswillen als auf die Zahl.

39 Ferner ist zu beachten, dass nichts den Missionaren das Vertrauen der Eltern rascher gewinnt, als wenn sie sich ihrer Kinder liebevoll annehmen. Ist der Verstand der Kinder für die christliche Wahrheit gewonnen und ihr Lebenswandel zur Tugend bekehrt, so gereichen sie nicht nur ihrer eigenen Familie, sondern der ganzen Gemeinschaft zur Festigung, Ehre und Zier; und sollte der christliche Lebensgeist einer Gemeinde etwas erlahmen, so werden oft gerade die Kinder in erfreulicher Weise zu dessen Wiederbelebung beitragen.

40 Wenn auch die Katholische Aktion bekanntlich in erster Linie dazu da ist, um die Werke des Apostolates zu fördern, so können ihre Mitglieder doch auch ohne weiteres anderen Vereinen angehören, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Grundsätze des Evangeliums auf sozialem und politischem Gebiet zu verwirklichen; ja, es ist ihr gutes Recht und sogar ihre Pflicht, sich nicht nur als Bürger, sondern auch als Katholiken daran zu beteiligen.

3. Volksbildung und Sozialdienst

a) Bildungsarbeit durch Schule und Presse

41 Die Jugend, besonders jene, die durch höhere Schulen gegangen ist, wird morgen die Geschicke ihres Landes lenken. Die Wichtigkeit der Erziehung auf Elementarschule, Mittelschule und Hochschule ist ja auch allgemein anerkannt. Wir richten daher an die Missionsobern die väterliche Ermahnung, zur Entfaltung dieser Institutionen keine Mühen und keine Ausgaben zu scheuen.

42 Die niederen und höheren Schulen bieten zudem auch den Vorteil, dass sie zwischen den Missionaren und den Einheimischen wertvolle Beziehungen knüpfen. Denn gerade die Jugend, die noch bildsam ist wie Wachs, wird eher das Bedürfnis empfinden, die katholische Lehre kennen zu lernen, zu würdigen und anzunehmen. Diese besser gebildete Jugend wird einmal an leitender Stelle im Staate stehen, und die Volksmasse wird ihnen als Führern und Lehrern folgen. So hat auch der Völkerapostel der bestgebildeten Elite die erhabene Wahrheit des Evangeliums dargelegt, als er auf dem Areopag den unbekannten Gott verkündete. Wenn auch nach diesen Begegnungen vielleicht nur wenige sich tiefinnerlich zu Christus bekehren, so wird doch eine größere Zahl die geheime Anziehungskraft verspüren, die von der hehren Schönheit dieses Glaubens ausgeht und von der Liebe derer, die ihn verkünden.

43 Diese Schulen und Kollegien leisten ferner einen hervorragenden Dienst zur Widerlegung der vielen Irrtümer, die Nichtkatholiken und Kommunisten in steigendem Maß verbreiten, und die offen oder heimlich besonders die Jugend anstecken. .

44 Von nicht geringerem Nutzen sind auch Druck und Verbreitung geeigneter Schriften. Darauf brauchen Wir wohl kaum näher einzugehen; die Macht der Presse ist ja zur Genüge bekannt. Bücher, Zeitschriften und Flugblätter sind von großer Bedeutung, um die Wahrheit und die Moral darzulegen und sie den Menschen einzuprägen, um Irrtümer zu entlarven und Lügen zu widerlegen, mit denen die Religion angegriffen wird oder die heftig umstrittenen sozialen Fragen zum Schaden der Seelen entstellt werden. Lebhaftes Lob zollen Wir daher den Seelenhirten, die sich bemühen, wirklich gediegenes Schrifttum dieser Art zu drucken und zu verbreiten. Auf diesem Gebiet ist schon viel geschehen, aber es bleibt auch noch viel zu tun.

b) Gesundheitsdienst und Fürsorgewerke

45 Wir möchten hier auch ganz besonders die Werke und Anstalten empfehlen, die sich der Kranken, Gebrechlichen und Leidgeprüften jeder Art annehmen: Krankenhäuser, Aussätzigenheime, Armenapotheken, Altersheime, Frauenkliniken, Waisenhäuser und Obdachlosenasyle. Diese Werke, die Uns als die schönsten Blüten des Seelsorgefeldes erscheinen, lassen gewissermaßen den göttlichen Heiland selber vor unsern Augen erstehen, wie er umherzog, Gutes tat und alle heilte.[36]

46 Diese Wunderwerke der Liebe bereiten ohne Zweifel die Herzen der Heiden besonders wirksam vor auf die Annahme des Glaubens und der Gebote des Christentums. Christus selber hat seinen Aposteln empfohlen: Wenn ihr in eine Stadt kommt und Aufnahme findet. .., heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet: Das Reich Gottes ist nahe.[37]

47 Jedoch müssen die Ordensmänner und Ordensfrauen, die sich zu diesem fruchtbaren Wirken berufen fühlen, sich schon vor der Ausreise die geistige und sittliche Bildung aneignen, die heute für diese Dienste unerlässlich sind. Wir wissen, dass es nicht an Ordensschwestern fehlt, die bereits im Besitz von beruflichen Staatsdiplomen ihre Studien über furchtbare Krankheiten wie den Aussatz noch fortgesetzt und Medikamente zu deren erfolgreichen Behandlung gefunden haben; ihnen gebührt wohlverdientes Lob. Sie und alle Missionare, die sich in Aussätzigenheimen aufopfern, segnen Wir väterlich und zollen ihrer bewunderungswürdigen Nächstenliebe Unsere Anerkennung.

48 Gerade auf dem Gebiet der Medizin und der Chirurgie ist es sehr angezeigt, die Hilfe von fachlich geschulten Laienkräften heranzuziehen, die bereit sind, ihre Heimat zu verlassen, sich aber auch als wahrhaft gläubige und sittlich untadelige Männer erweisen.

c) Beitrag zur Lösung der sozialen Frage

ca) Bekämpfung des Materialismus

49 Wir kommen nun zu einem Gegenstand, der nicht weniger wichtig und schwerwiegend ist: die soziale Frage und ihre Lösung im Geiste der Gerechtigkeit und Liebe. Während heute die Kommunisten ihre Ideen weit und breit propagieren und das einfache Volk leicht betören, ist es Uns, als halle Christi Wort an Unser Ohr: Mich erbarmt des Volkes.[38] Die klaren Grundsätze der Kirche auf diesem Gebiet müssen daher mit Eifer, Umsicht und Energie in die Tat umgesetzt werden. Es ist eine dringliche Notwendigkeit, alle Völker vor diesen verhängnisvollen Irrtümern zu bewahren, oder falls sie davon schon angesteckt sind, sie von diesen gewaltsamen Lehren zu befreien, die den Genuss der irdischen Güter als das einzige Lebensziel des Menschen hinstellen, den Besitz und die Verwaltung. aller Lebensgüter der willkürlichen Gewalt des Staates überantworten und damit die Würde der menschlichen Person derart herabsetzen, dass sie nahezu vernichtet wird. Es ist unbedingt notwendig, im privaten und öffentlichen Leben alle Menschen zur Einsicht zu führen, dass wir hier auf Erden wie Verbannte unterwegs sind zu einem unvergänglichen Vaterland, dass wir zu einem ewigen Leben und unvergänglichen Glück bestimmt sind, das wir einmal erreichen werden, wenn wir die Gebote der Wahrheit und der Tugend befolgen. Christus allein ist der Hüter der menschlichen Gerechtigkeit und der sanfte Tröster im Leid, das hienieden unvermeidlich ist. Er allein zeigt uns den Zufluchtsort des Friedens, der Gerechtigkeit und der ewigen Freude, zu dem wir alle, erlöst durch sein Blut, nach dieser irdischen Pilgerschaft gelangen sollen.

cb) Verbreitung der christlichen Soziallehre

50 Immerhin ist es auch für uns alle eine heilige Pflicht, die Leiden, das Elend und die Ängste unserer Brüder soweit möglich zu mildem, zu erleichtern und zu lindern.

51 Die Liebe vermag wohl viele Ungerechtigkeiten auf sozialem Gebiet bis zu einem gewissen Punkt auszugleichen; das ist jedoch nicht genug. Zuallererst muss die Gerechtigkeit sich durchsetzen, herrschen und tatsächlich ausgeübt werden.

52 Diesbezüglich gestatten Wir uns, die Worte anzuführen, die Wir in der Weihnachtsbotschaft 1942 an das Kardinalskollegium und die versammelten Bischöfe richteten: « Die Kirche hat stets aus religiösen Beweggründen die verschiedenen Systeme des marxistischen Sozialismus verurteilt. Sie tut es auch heute, weil es ihre unabdingbare Rechtspflicht ist, die Menschen vor Strömungen und Einflüssen zu bewahren, die ihr ewiges Heil gefährden. Aber die Kirche kann auch nicht übersehen oder verkennen, dass der Arbeiter beim Streben nach Besserung seiner Lage auf ein Sozialsystem stößt, das, weit davon entfernt, der Natur zu entsprechen, vielmehr der Ordnung Gottes und dem von ihm in die Erdengüter hineingelegten Sinn widerstreitet. So falsch, so verurteilenswert und verhängnisvoll die Wege waren und sind, die man beschritten hat, wer, welcher Christ vor allem und welcher Priester könnte den Schrei aus der Tiefe überhören, der in der Welt eines gerechten Gottes nach Gerechtigkeit und Brüderlichkeit ruft? Es wäre ein schuldhaftes Schweigen, nicht zu verantworten vor Gott und in Widerspruch mit dem erleuchteten Sinn des Apostels, der zwar Unerbittlichkeit gegenüber dem Irrtum fordert, dabei aber sich bewusst ist, dass er dem Irrenden Schonung, Rücksicht und Verständnis für seine Wünsche, Hoffnungen und Beweggründe schuldet ... Die Persönlichkeitswürde des Menschen erheischt also das persönliche Nutzungsrecht an den Gütern der Erde als normale und naturgemäße Lebensgrundlage. Dem entspricht die grundsätzliche Forderung des Privateigentums, soweit möglich für alle. Die positivrechtlichen Bestimmungen zur Regelung des Privateigentums mögen wechseln und eine mehr oder weniger gebundene Nutzung gestatten. Wollen sie jedoch ihre Friedensaufgabe im Dienste der Gemeinschaft erfüllen, so haben sie zu verhindern, dass der arbeitende Mensch, der gegenwärtige oder zukünftige Familienvater einer wirtschaftlichen Abhängigkeit oder Unfreiheit verfällt, die mit seinen Persönlichkeitsrechten unvereinbar ist.

53 Ob diese Unfreiheit von der Übermacht des Privatkapitals oder von der Staatsmacht ausgeht, ist für die Wirkung selbst; ohne Belang. Im Gegenteil, unter dem Druck eines Staates, der alles beherrscht und das Gesamtgebiet des öffentlichen und privaten Lebens regeln will, bis hinein selbst in den Gesinnungs-, Überzeugungs- und Gewissensbereich, könnte diese Unfreiheit noch viel schwerwiegendere Folgen zeitigen, wie die Erfahrung lehrt und bezeugt ».[39]

54 Euch obliegt es, ehrwürdige Brüder, die ihr eure Kräfte ganz in den Dienst der Missionen stellt, für die praktische Verwirklichung dieser Grundsätze und Richtlinien zu sorgen. Prüft die besonderen Verhältnisse des Landes, beratschlagt miteinander auf euren Bischofskonferenzen, Synoden und Versammlungen und sorgt für die Gründung von sozialen und wirtschaftlichen Verbänden, Vereinen und Instituten, die den Verhältnissen und dem Charakter eures Volkes entsprechen. Es ist zweifellos eine Aufgabe eures Hirtenamtes, darüber zu wachen, dass die euch anvertraute Herde nicht vom rechten Wege abweicht und neuen Irrtümern zum Opfer fällt; die sich den Anschein der Wahrheit und Gerechtigkeit geben. Mögen die Glaubensapostel, die euch zur Seite stehen, sich auch gerade darin vor allen auszeichnen; dann wird man ihnen nicht eines Tages den Vorwurf machen können: Die Kinder in dieser Welt sind ... klüger als die Kinder des Lichtes.[40] Allerdings wird es gut sein, wenn sie, wo immer es sich machen lässt, sachverständige Laien zuziehen, die vermöge ihres Rechtssinnes und ihrer Klugheit befähigt sind, diese Unternehmungen in die Hand zu nehmen und zu entwickeln.

4. Territoriale und kulturelle Probleme

a) Zusammenarbeit des Missions- und Landesklerus

55 In früheren Zeiten war das weite Gebiet des Missionsapostolates nicht durch feste Grenzen der kirchlichen Jurisdiktion umschrieben noch auch Orden und Kongregationen anvertraut, die mit einem in Entwicklung begriffenen Eingeborenenklerus zusammenzuarbeiten haben. Das ist heute bekanntlich die Regel geworden; es ist sogar vorgekommen, dass gewisse Gebiete den Mitgliedern einer einzelnen Ordensprovinz übergeben wurden. Wir anerkennen die Vorteile dieser Methode; die Organisation der Missionen wird dadurch beschleunigt und erleichtert. Aber es können sich daraus auch ernste Nachteile ergeben, denen nach Kräften abgeholfen werden muss. Schon Unsere Vorgänger haben in ihren bereits erwähnten Rundschreiben[41] ähnliche Probleme behandelt und sehr weise Grundsätze aufgestellt, die Wir hier wiederholen und bestätigen wollen. Wir ermahnen euch väterlich, « im flammenden Glaubens- und Seeleneifer, den Wir sehr wohl kennen, sie kindlichen und gehorsamen Sinnes anzunehmen. Die Gebiete, die der Heilige Stuhl eurem Arbeitseifer anvertraut hat, um sie für Christus zu gewinnen, sind meistens sehr ausgedehnt; daher kommt es vor, dass eure Orden nur eine Anzahl von Missionaren zur Verfügung stellen können, die bei weitem nicht ausreicht. Zögert dann nicht, die kanonisch errichteten Diözesen in ihrer Praxis nachzuahmen: Priester und Laienbrüder aus den verschiedensten Ordensgesellschaften, Schwestern der verschiedensten Kongregationen umgeben den Bischof und leihen ihm ihre Dienste. So zögert auch ihr nicht, für die Glaubensverbreitung, den Jugendunterricht und andere ähnliche Dienste Ordensleute und Missionare aus anderen Orden als Gehilfen in eurer Arbeit herbeizurufen, seien es nun Priester oder Laienbrüder. Die Orden und religiösen Kongregationen dürfen sich gewiss ihrer Sendung unter die Heiden, die sie ins Reich Christi eingegliedert haben, als einer Eroberung rühmen; aber sie sollen sich erinnern, dass sie auf die Missionsgebiete kein persönliches und dauerndes Anrecht beanspruchen dürfen. Diese Gebiete sind ihnen anvertraut nach dem Gutdünken des Apostolischen Stuhles, dem das Recht und die Pflicht zusteht, ihre geordnete und volle Entfaltung zu überwachen. Der Papst würde folglich seiner Pflicht nicht genügen, wenn er sich damit zufrieden gäbe, mehr oder weniger große Gebiete unter die Orden aufzuteilen. Ihm obliegt die noch wichtigere Aufgabe, ohne Unterlass und auf jede Weise darüber zu wachen, dass die Missionsorden die ihnen anvertrauten Gebiete zahlenmäßig und vor allem qualitativ mit den nötigen Missionaren beschicken, um im ganzen Land das Licht der christlichen Wahrheit zu entzünden und mit Erfolg wirken zu können ».[42]

b) Ehrfurcht vor der einheimischen Kultur

ba) Gesunde Kultur als Vorstufe zum Christentum

56 Es bleibt Uns noch ein Punkt zu berühren, den alle, wie Wir wünschen, möglichst genau erfassen sollten. Die Kirche hat seit ihren Anfängen bis heute stets die weise Regel befolgt, dass die Völker durch die Annahme des Evangeliums keine Einbuße oder Beeinträchtigung erleiden sollen bezüglich alles dessen, was in ihrem Charakter und in ihrer Eigenart gut, schön und edel ist. Wenn nämlich die Kirche die Völker aufruft, sich unter Führung des Christentums zu einer höheren Form von Menschlichkeit und Kultur zu erheben, so handelt sie nicht wie jener, der achtlos einen üppig wuchernden Wald niederschlägt, ihn plündert und ausrottet, sondern sie macht es wie der Gärtner, der ein Edelreis auf den Wildling aufpfropft, damit er eines Tages saftigere und süßere Früchte trage.

57 Trotz der Behaftung mit der erblichen Schuld seit Adams Fall bewahrt doch die menschliche Natur etwas naturhaft Christliches in sich,[43] das sich unter dem Strahl des göttlichen Lichtes und in der Kraft der Gnade zu echter Tugend und übernatürlichem Leben erheben kann.

58 Darum hat auch die Kirche die Philosophie der Heiden nie verachtet noch abgelehnt, sondern sie vielmehr von allem Irrtum und aller Unreinheit gesäubert und sie dann durch die christliche Weisheit vollendet und gekrönt. Ebenso hat sie deren Kunst und Kultur, die sich oft zu einer beträchtlichen Höhe erhoben, mit Wohlgefallen aufgenommen, sorgsam gepflegt und zu einem Grad der Schönheit emporgeführt, die sie vielleicht vordem nie erreicht hatten. Auch die Sitten und überlieferten Bräuche der Völker hat sie nicht kurzerhand verurteilt, sondern gewissermaßen geheiligt. Durch Abänderung von Inhalt und Form ihrer Feste hat sie diese als Gedächtnisfeiern zu Ehren der Märtyrer und zur Verherrlichung der heiligen Geheimnisse in ihren Dienst genommen. Dazu bemerkt der heilige Basilius treffend: « Genau wie die Färber den Stoff, den sie färben wollen, zuerst durch eine entsprechende Behandlung vorbereiten und dann erst in Purpur oder eine andere Farbe eintauchen, so werden auch wir, wenn der Glanz des Guten unauslöschlich in uns haften soll, zuerst anhand dieser fremden Lehren heranreifen und uns erst dann in den heiligen und geheimen Wissenschaften ausbilden lassen, und gleichsam daran gewöhnt, die Sonne in der Spiegelung des Wassers zu sehen, werden wir alsdann unser Auge dem Lichte zukehren... Gewiss ist es die eigentliche Bestimmung des Baumes, zur Reifezeit mit Früchten reich beladen zu sein; und doch trägt auch das Laub, das seine Zweige rings umzittert, zu seiner Schönheit bei. So ist auch die vorzüglichste Frucht der Seele zwar die Wahrheit; und dennoch ist es ganz und gar nicht ohne Reiz, wenn sie sich in das Gewand der profanen Weisheit hüllt wie in ein Blätterwerk, das Schutz bietet für die Frucht und zugleich einen angenehmen Anblick. Daher soll auch Moses, der Gewaltige, dessen Name um seiner Weisheit willen, bei allen Menschen in Ehren steht, seinen Geist zuerst in der Wissenschaft der Ägypter gebildet haben, um alsdann zur Anschauung Dessen zu gelangen, der ist. Ebenso wird berichtet, dass in späteren Zeiten der weise Daniel sich in BabyIon die Weisheit der Chaldäer angeeignet hat, um sich sodann den göttlichen Lehren zu widmen».[44]

bb) Anpassung an die kulturelle Eigenart der Missionsvölker

59 Wir selber haben in Unserer ersten Enzyklika Summi Pontificatus geschrieben: « Zahllose Studien und bahnbrechende Forschungen, die von den Missionaren aller Zeiten in einem Geist der Aufopferung, der Hingabe und der Liebe durchgeführt wurden, haben sich zum Ziel gesetzt, das intimere Verständnis und die Achtung der verschiedenartigsten Kulturen zu erleichtern und ihre geistigen Werte für eine lebendige und lebenweckende Verkündigung der Frohbotschaft Christi fruchtbar zu machen. Alles, was in diesen Sitten und Bräuchen nicht untrennbar mit religiösen Irrtümern verbunden ist, wird immer mit Wohlwollen geprüft und, wenn möglich, geschützt und ermutigt werden ».[45]

60 Wir haben 1944 in Unserer Ansprache an die Leiter der Päpstlichen Missionswerke unter anderem gesagt: « Der Missionar ist der Künder des Evangeliums und Sendbote Jesu Christi. Seine Aufgabe verlangt von ihm nicht, dass er die europäische Kultur in ihrem gegenwärtigen Stand zu den fernen Missionsländern bringe, wie man einen Baum verpflanzt. Vielmehr sind diese neu gewonnenen Völker, die oft mit Stolz auf eine sehr alte Kultur zurückblicken können, so zu unterrichten und heranzubilden, dass sie befähigt werden, mit bereitwilligem und herzlichem Verlangen die Grundsätze der christlichen Sittenlehre und des christlichen Lebenswandels anzunehmen. Diese Regeln können mit jeder profanen Kultur in Einklang gebracht werden, wofern sie nur gesund und rein ist, und vermögen sie überdies noch tauglicher zu machen, um die Menschenwürde zu schützen und das Glück zu erlangen. Die Katholiken eines Landes sind zuerst Bürger der großen Familie Gottes und seines Reiches,[46] aber sie verzichten deshalb nicht darauf, auch Bürger ihres irdischen Vaterlandes zu sein ».[47]

==III. Verbreitung des Missionsgedankens

1. Die Missionsausstellung des Heiligen Jahres

61 Unser Vorgänger seI., Pius XI., hat anlässlich des Jubeljahres 1925 eine umfassende Missionsausstellung veranstalten lassen, deren gelungenen Erfolg er in den Worten festgehalten hat: « Geradezu ein Wunder ist dieses neue Zeugnis, das uns die lebendige Struktur der Kirche Gottes in ihrer Einheit unter allen Völkern zu Bewusstsein bringt. Die Ausstellung ist Tatsache geworden und steht nun da wie ein gewaltiges und ergreifendes Buch».[48]

62 Um möglichst vielen die einzigartigen Verdienste der Missionen namentlich auf dem Gebiete der hohen Kultur zugänglich zu machen, haben Wir, diesem Beispiel folgend, im Laufe des letzten Heiligen Jahres eine reiche Dokumentation zusammengetragen und in der Nähe des Vatikans ausstellen lassen.

63 Damit sollte die christliche Entwicklung der schönen Künste, denen die Missionen bei den Kulturvölkern sowie bei anderen weniger fortgeschrittenen Völkerschaften zu Aufschwung verholfen haben, im vollen Licht zur Darstellung gelangen. Dabei ist deutlich geworden, in welchem Maße das Wirken der Missionare zum Fortschritt des einheimischen Kunstschaffens und zum Studium der Künste an den Akademien beigetragen hat. Man hat auch feststellen können, dass sich die Kirche der geistigen Eigenart keines einzigen Volkes verschließt, sondern sie vielmehr zur höchsten Vollendung führt.

64 Dem allgütigen Gott schreiben Wir die Tatsache zu, dass ein solches Ereignis, das die wachsende Regsamkeit und Lebenskraft der Missionen öffentlich bezeugt, allgemein mit ganz besonderem Interesse begrüßt wurde. Dank dem Eifer der Missionare hat das Christentum die Seele der entferntesten und der verschiedensten Völker so tief zu durchdringen vermocht, dass es bei ihnen prachtvolle Zeugnisse einer künstlerischen Wiedergeburt hervorgerufen hat. Ein neuer Beweis dafür, dass allein der christliche Glaube, wenn er wirklich in Fleisch und Blut übergeht und das Leben beseelt, den menschlichen Geist so hoch erheben kann, dass er jene wunderbaren Werke hervorbringt, die der unvergängliche Ruhm der Katholischen Kirche und die schönste Zier des Gottesdienstes sind.

2. Priestermissionsbund und Päpstliche Missionswerke

65 Ihr erinnert euch wohl, dass die Enzyklika Rerum Ecclesiae den Priestermissionsbund angelegentlichst empfahl, der alle Mitglieder des Welt- und Ordensklerus sowie die Theologiestudenten umfassen soll, um mit vereinten Kräften die Sache der katholischen Missionen zu fördern. Wir haben, wie bereits angedeutet, seine fortschreitende Entwicklung mit großer Freude verfolgt. Wir wünschen sehr, dass er sich weiter entfalte und die Priester samt den ihnen anvertrauten Gläubigen zur Unterstützung der Missionswerke begeistere. Dieser Verein ist gleichsam die Quelle, aus der die Wasser hervorsprudeln, welche die übrigen Päpstlichen Werke beleben, das Werk der Glaubensverbreitung, des heiligen Apostels Petrus für den einheimischen Klerus und den Kindheit-Jesu-Verein. Es erübrigt sich für Uns, die Bedeutung, die Notwendigkeit und die großen Verdienste dieser Werke besonders zu betonen, die Unsere Vorgänger mit reichen Ablässen versehen haben. Freilich wünschen Wir, dass die Spenden der Gläubigen gesammelt werden, besonders am Missionssonntag, aber Unser erster Wunsch geht dahin, dass alle zum allmächtigen Gott beten um die Weckung von Missionsberufen, dass sie sich in die Päpstlichen Missionswerke aufnehmen lassen und sie nach Kräften unterstützen. Wie ihr wisst, ehrwürdige Brüder, haben Wir neulich ein besonderes Fest für die Kinder eingeführt, um ihnen Gelegenheit zu geben, das Werk der Heiligen Kindheit durch Gebet und Opfergaben zu fördern. Dadurch sollen sich unsere lieben Kinder an das inständige Gebet für das Seelenheil der Ungläubigen gewöhnen; möge in ihren noch unschuldigen Herzen der Same des Missionsberufes keimen!

66 Lob verdient ferner das Werk, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Missionen mit den gottesdienstlichen Gefäßen und Geräten zu versehen; Unsere väterliche Anerkennung sprechen Wir auch den Frauen aus, die in den Paramentenvereinen wertvolle Arbeit leisten für Sakristei und Altar. Schließlich wollen Wir allen Unseren teuern Dienern der Kirche die aufmunternde Zusicherung geben: die Opferbereitschaft des christlichen Volkes für das Seelenheil der Ungläubigen wird seinen eigenen Glaubensgeist neu beleben und ausgezeichnete Früchte zeitigen. Wenn der Missionseifer zunimmt, wächst zugleich auch die Frömmigkeit.

Schluss: Aufforderung der ganzen katholischen Welt zu materieller und geistiger Unterstützung der Missionen

67 Wir wollen dieses Rundschreiben nicht schließen, ohne Uns mit innigem Dank an den Klerus und an alle Gläubigen zu wenden. Wir hören, dass auch in diesem Jahr die Freigebigkeit Unserer Söhne zugunsten der Missionen merklich gestiegen ist. Sicher kann sich eure Nächstenliebe nirgends nutzbringender betätigen als zugunsten dieses Werkes, das der Ausbreitung des Reiches Christi und der Rettung so vieler Menschen dient, die dem Glauben noch fern stehen. Hat doch der Herr selber jedem ... seinen Nächsten ans Herz gelegt.[49]

68 Die Mahnung, die Wir in Unserem Brief vom 9. August 1950 an Unsern geliebten Sohn Kardinal Pietro Fumasoni Biondi, den Präfekten der Propaganda-Kongregation, aussprachen, möchten Wir mit erneuter und stärkerer Eindringlichkeit hier wiederholen: « Möchten doch alle Christen... ihrem Vorsatz treu bleiben, den Missionen beizustehen, möchten sie dafür ihre Einsatzbereitschaft noch steigern, sich in unablässigen Gebeten an Gott wenden und die Missionare nach bestem Vermögen unterstützen.

69 Die Kirche ist ja der mystische Leib Christi, in dem alle Glieder mitleiden, wenn ein Glied leidet.[50] Da viele ihrer Glieder heute bittere Schmerzen leiden und tiefe Wunden tragen, so ist es heilige Pflicht aller Christen, sich in Gesinnung und Tat mit ihnen zu vereinen. In manchen Missionsgebieten hat die Kriegsfurie zahlreiche Kirchen, Niederlassungen, Schulen und Krankenhäuser geplündert und vernichtet. Um diese Schäden wieder gutzumachen, um alles wieder aufzubauen, wird die katholische Welt in ihrer fürsorgenden Liebe für die Missionen großzügig das Nötige spenden ».[51]

70 Ihr wisst, ehrwürdige Brüder, dass fast die ganze Menschheit heute in zwei feindliche Lager aufgespaltet ist, für oder wider Christus, und zwar mit zunehmender Verbissenheit. Die Menschheit schwebt in großer Gefahr; das Ende davon kann nur sein: entweder das Heil Christi oder der grauenhafteste Zusammenbruch. Die Glaubensboten sind emsig und tapfer an der Arbeit, um das Reich Christi auszubreiten, aber andere Boten sind am Werk, die alles auf die Materie zurückführen und die Hoffnung auf ein ewiges Leben in der Glückseligkeit verwerfen; sie sind daran, den Menschen ein völlig unwürdiges Los zu bereiten.

71 Mit umso mehr Recht ruft also die Katholische Kirche die liebevolle Mutter aller Menschen, ihre Kinder auf, wo immer sie seien, den mutigen Kündern des wahren Glaubens nach Kräften brüderlich beizustehen durch Opfergaben, Gebet und Unterstützung der zukünftigen Missionare. Sie ermahnt sie mütterlich, herzliches Erbarmen zu zeigen[52] und wenn nicht durch die Tat, so doch in der Gesinnung am Missionswerk mitzuwirken, um das Verlangen des liebevollsten Herzens Jesu nicht unerfüllt zu lassen, der kam, zu suchen und zu retten, was verloren war.[53] Wenn die Gläubigen dazu beitragen, das milde Licht des Glaubens auch nur in ein einziges Heim eindringen zu lassen, dann dürfen sie die Gewissheit haben, dass sie einen Gnadenquell erschlossen haben, der in Ewigkeit weiterrieseln wird; wenn sie zur Ausbildung auch nur eines einzigen Priesters beigetragen haben, so kehrt die Frucht all seiner Messen, seines apostolischen Wirkens und seiner Gebete auf sie zurück. Alle Christen bilden ja nur eine einzige große Familie, deren Mitglieder sich die Güter der streitenden, leidenden und triumphierenden Kirche gegenseitig mitteilen. Daher ist auch nichts besser geeignet als die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen, um Geist und Herz des christlichen Volkes vom Nutzen und von der Bedeutung der Missionen tief zu überzeugen.

72 Das sind Unsere väterlichen Wünsche für die Missionen, die Grundsätze und Richtlinien, die Wir verkünden wollten. Wir vertrauen darauf, dass dieses fünfundzwanzigste Jubiläum des Rundschreibens Rerum Ecclesiae allen Katholiken ein Ansporn sein wird zu erneuter Bemühung zugunsten der Missionen.

73 In dieser zuversichtlichen Hoffnung erteilen Wir jedem einzelnen von euch, ehrwürdige Brüder, eurem Klerus und dem ganzen Volk, besonders aber denen, die in der Heimat durch Gebete und Spenden, in den Missionsländern durch ihre Arbeit an dieser heiligen Aufgabe mitwirken, als Unterpfand der göttlichen Gnaden und als Erweis Unseres väterlichen Wohlwollens aus der Fülle Unseres Herzens den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom am Grabe des heiligen Petrus,

am 2. Juni 1951, dem Fest des heiligen Eugen,
im dreizehnten Jahr Unseres Pontifikates

Pius XII. PP.

Anmerkungen

  1. 2 Thess 3,1 EU.
  2. Vgl. Pius XI., Rundschreiben Rerum ecclesiae über die Förderung der Missionen, vom 28. Februar 1926. AAS XVIII (1926) 65-83.
  3. Pius XII., Ansprache Vivamente gradito an die Vorsteher der Päpstlichen Missionswerke, am 24. Juni 1944. AAS XXXVI [1944] 209.
  4. Pius XII., Ansprache Vivamente gradito an die Vorsteher der Päpstlichen Missionswerke, am 24. Juni 1944. AAS XXXVI (1944) 207.
  5. Vgl. Pius XII., Schreiben Praeses consilii an Kard. Pietro Fumasoni Biondi, vom 4. Dezember 1950. AAS XLIII (1951) 88-89.
  6. Röm 1,11-12 EU.
  7. Joh 4,35 EU.
  8. Mt 9,37-38 EU.
  9. Sir 36,4-5 EU.
  10. Joh 15,20 EU.
  11. Joh 16,33 EU.
  12. Joh 12,24-25 EU.
  13. Röm 5,3 EU.
  14. Cyprian, Epist. LVI 3, PL 4, 351f,; CV 3,2 (Epist, LVIII 3) 658 f.
  15. Vgl. 1 Tim 3,15 EU.
  16. Ps 56,10 EU.
  17. Joh 10,16 EU.
  18. Jes 58,1 EU.
  19. Vgl. Phil 2,21 EU.
  20. 2 Kor 5,20 EU.
  21. 2 Kor 10,3 EU.
  22. 1 Kor 9,22 EU.
  23. Pius XII., Schreiben Per libenti quidem an Kard. Pietro Fumasoni Biondi, vom 9. August 1950. AAS XLII (1950) 727.
  24. Vgl. Benedikt XV., Apostolisches Schreiben Maximum illud über die Verbreitung des katholischen Glaubens in der Welt, vom 30. November 1919. AAS XI (1919) 440-455.
  25. Vgl. Pius XI., Rundschreiben Rerum ecclesiae vom 27. Februar 1926. AAS XVIII (1926) 65-83.
  26. Pius XII., Ansprache Vivamente gradito an die Vorsteher der Päpstlichen Missionswerke, am 24. Juni 1944. AAS XXXVI (1944) 210.
  27. VgI. Mt 28,18 EU.
  28. Pius XII., ebd. AAS XXXVI (1944) 208.
  29. Pius XI., Rundschreiben Rerum ecclesiae vom 27. Februar 1926. AAS XVIII (1926) 76.
  30. Ebd., AAS XVIII (1926) 75.
  31. Joh 4,35 EU.
  32. Joh 4,36 EU.
  33. 2 Makk 1,3 EU.
  34. Phil 4,3 EU.
  35. Epist. ad Diognetum v 5. Edit. Funk, Patres aposlolici I (1901) 399.
  36. Apg 10,38 EU.
  37. Lk 10,8-9 EU.
  38. Mt 8,2 EU.
  39. Pius XII., Rundfunkansprache Con sempre vom 24. Dezember 1942. AAS XXXV (1943) 16-17. Vgl. HK Nm. 1134-1135.
  40. Lk 16,8 EU.
  41. Vgl. Benedikt XV., Apostolisches Schreiben Maximum illud vom 30. November 1919. AAS XI (1919) 444; Pius XI., Rundschreiben Rerum ecclesiae vom 27. Februar 1926. AAS XVIII (1926) 81-82.
  42. Pius XI., Rundschreiben Rerum ecclesiae vom 27. Februar 1926. AAS XVIII (1926) 81-82.
  43. VgI. Tertullian, Apologet. XVII. PL I 377.
  44. Basilius der Große, Ad adolescentes II. PG 31, 567.
  45. Pius XII., Rundschreiben Summi pontificatus vom 20. Oktober 1939 AAS XXXI (1939) 429.
  46. Vgl. Eph 11,19 EU.
  47. Pius XII., Ansprache Vivamente gradito vom 24. Juni 1944. AAS XXXVI (1944) 210.
  48. Pius XI., Ansprache vom 10. Januar 1926.
  49. Sir 17,14 EU.
  50. 1 Kor 12,26 EU.
  51. Pius XII., Schreiben Per libenti quidem an Kard. Pietro Fumasoni Biondi, vom 9. August 1950. AAS XLII (1950) 727-728.
  52. Vgl. Kol 3,12 EU.
  53. Lk 19,10 EU.

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