Evangelische Räte

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Die Evangelischen Räte
Einteilung der Gelübde.JPG

Evangelische Räte sind im Evangelium (der Heiligen Schrift) empfohlene Möglichkeiten, die jedoch nicht zum ewigen Heile notwendig sind. Sie beruhen auf der Lehre und dem Beispiel Christi und sind ein Geschenk Gottes, der die Gläubigen in besonderer Weise dazu beruft.

Inhaltsverzeichnis

Die Evangelische Räte (Gelübde):

Armut, Keuschheit und Gehorsam nennt man die "evangelischen Räte" (das Wort kommt vom Evangelium und hat mit den Protestanten keinen Zusammenhang). Jede Ordensperson verpflichtet sich in den Gelübden dazu, diesen evangelischen Räten entsprechend zu leben. Die besondere Ausgestaltung insbesondere des Armutgelübdes und des Gehorsams unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Instituten sehr stark. Während Armut, Keuschheit und Gehorsam für alle Getauften nur im je persönlich zu findenden Maß verpflichten, gehen die Ordensleute mit den Gelübden eine strengeren Grad der Verpflichtung vor Gott ein. Immer ist die Ehelosigkeit ein Kennzeichen des geweihten Lebens. Jedoch können sich auch einzelne Getaufte zum Verzicht auf die Ehe verpflichten (z.B. in der Jungfrauenweihe), ohne einem Orden oder Säkularinstitut anzugehören.

  • Das Gelübde der Armut (pauperitas):

Durch das Gelübde der Armut verzichtet man wenigstens auf jede freie Verfügung über Sachen von Geldeswert ohne Erlaubnis der Oberen, wenn man auch das Eigentumsrecht daran behält (einfache Gelübde), oder auch auf jedes Eigentumsrecht selbst (feierliche Gelübde). Zur Armut in der Nachfolge Christi gehört außer einem dem Geist und der Sache nach armen Leben in Einfachheit und unter Verzicht auf irdischen Reichtum die Einschränkung in Gebrauch und Verfügbarkeit zeitlicher Güter nach den Bestimmungen des jeweiligen Instituts (can. 600).

Durch das Gelübde der Keuschheit oder Jungfräulichkeit verzichtet man auf die Ehe und damit auf jeden Gebrauch der von Gott in den Menschen hineingelegten Fähigkeiten zur Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, so dass jede Sünde gegen die Keuschheit auch eine Sünde gegen das Gelübde ist. Die Keuschheit um des Himmelreiches willen ist ein Zeichen der zukünftigen Welt und Quelle überreicher Fruchtbarkeit, verbunden mit der Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit in einem ehelosen Leben (can. 599). (Das feierliche Gelübde der Keuschheit ist ein trennendes, das einfache, wenn nichts anderes bestimmt ist, ein aufschiebendes Ehehindernis. In dringenden Fällen kann die Kirche, und zwar bei Ordensgenossenschaften päpstlichen Rechts durch die Religiosenkongregation, bei andern durch den Ortsordinarius, von den Ordensgelübden entbinden [Säkularisation]).

Der Gehorsam in der Nachfolge Christi, im Geist des Glaubens und der Liebe angenommen, verpflichtet zur Unterwerfung des eigenen Willens unter den des rechtmäßigen Oberen, wenn er entsprechend den eigenen Konstitutionen etwas anordnet (can. 601). Nicht jeder Befehl der Oberen verpflichtet schon kraft des Gelübdes.

- Dazu kommen in manchen Orden noch dem besonderen Ordenszweck entsprechende viertes Gelübde (z.B.: Benediktiner: bis zum Lebensende im selben Kloster [stabilitas loci]; die Jesuiten: die besondere Verfügbarkeit für den Heiligen Vater).

Unterscheidung zwischen feierlichen und einfachen Gelübden

Die feierlichen Gelübde unterscheiden sich von den einfachen nicht durch ihr Wesen, sondern durch bestimmte Wirkungen:

a) Die feierlichen Gelübde verbinden die Ordensperson fester mit dem Orden. Deshalb ist die Entlassung eines feierlichen Professen meist schwerer. Auch dispensiert die Kirche nur in den seltensten Fällen und nur aus schwerwiegenden Gründen von den feierlichen Gelübden.

b) Bei einfachen Gelübden sind entgegenstehende Handlungen unerlaubt. Bei feierlichen Gelübden sind entgegenstehende Handlungen nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig (nach dem Kirchenrecht 1983 gilt diese Unterscheidung nicht mehr).

Die Ordensgelübde sind entweder einfache (in den religiösen Genossenschaften) oder feierliche (in den eigentlichen Orden). Die feierlichen Ordensgelübde sind immer ewig, d. h. für das ganze Leben bindend, die einfachen dagegen sind entweder zeitlich, d. h. nur auf eine bestimmte Zeit abgelegt und bindend (wie es nach dem Kirchenrecht in allen Orden und religiösen Genossenschaften die ersten Gelübde sein sollen, wenn nicht durch ein Privileg eine Ausnahme gemacht ist), oder ewig (die letzten Gelübde in den meisten religiösen Genossenschaften).

Wie streng verpflichten die Ordensgelübde?

Die Ordensgelübde verpflichten an sich unter schwerer Sünde. Man kann sich also nicht vornehmen, sich durch die Ordensgelübde nur unter läßlicher Sünde verpflichten zu wollen. Ein Verstoß gegen die Ordensgelübde ist nur dann eine lässliche Sünde, wenn es sich um eine geringe Sache handelt, oder wenn es an der nötigen Erkenntnis oder vollen Einwilligung fehlt.

Wirkungen der Ordensgelübde

Wer das Gelübde erfüllt, übt die Tugend der Gottesverehrung (die höchste sittliche Tugend) -sein Leben wird gleichsam zur Liturgie - und er erwirbt damit ein doppeltes übernatürliches Verdienst: A) das Verdienst der Tugend, zu der das Werk gehört und B) das Verdienst der Gottesverehrung kraft des Gelübdes.

Wer die Gelübde verletzt, begeht ein Sakrileg. Ist das gelobte Werk an sich schon unter Sünde geboten, dann begeht man bei Übertretung des Gelübdes eine doppelte Sünde, nämlich die Sünde gegen das betreffende Gebot und die Sünde gegen das Gelübde.

Unterscheidung zwischen Gelübde und Tugend

Tugend wird definiert als "habitus bonus" (Neigung zum guten Handeln). Gelübde sind Akte einer solchen Tugend, und zwar der Tugend der Gottesverehrung. Durch die Gelübde werden die Akte anderer Tugenden in Akte der Gottesverehrung verwandelt. Die Tugenden sind das Ziel im Streben nach Vollkommenheit. Die Gelübde sind vorzügliche Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Gelübde sind ein geistiges Grundkapital, das der Mensch anlegt, ein Mindestmaß, zu dem er sich verpflichtet, ein Talent, das er erwirbt und mit dem er wuchern soll durch sein Streben nach der Tugend. Der Ordenangehörige hat darum eine doppelte Pflicht: a)das ihm anvertraute Talent zu bewahren, indem er die Gelübde einhält; b) das Talent zu vermehren, indem er nach der Tugend strebt. Die Ordensgelübde sind wie ein Samenkorn, aus dem der Baum des Kreuzes wächst; die Tugenden sind dann die Früchte an diesem Baum.

Sonderregelung

  • Ordensleute, die aus wichtigen Gründen die Erlaubnis erhalten, zeitweilig außerhalb des Ordenshauses und unabhängig von den Oberen zu leben (Exklaustration), bleiben durch ihre Gelübde gebunden und sind kraft des Gelübdes dem Ortsordinarius gegenüber zum Gehorsam verpflichtet.

Literatur

  • Hans Buob: Berufen zur Hingabe, Die evangelischen Räte (167 Seiten; ISBN-Nr: 978-3-935189-17-0; ISBN 3-935189-17-6).
  • Meinrad Gyr: Im Dienst der Liebe. Gedanken und Meditationen zu den evangelischen Räten. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1982 (94 Seiten; ISBN 3857640588).
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