Für jungen Wein neue Schläuche (Wortlaut)

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Leitlinien
Für jungen Wein neue Schläuche

Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
im Pontifikat von Papst Franziskus
Geweihtes Leben und noch offene Herausforderungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil
6. Januar 2017

(Quelle: hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz Bonn 2018, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 210)
Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche; der Wein ist verloren
und die Schläuche sind unbrauchbar. Junger Wein gehört in neue Schläuche
(Mk 2,22 EU).
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vom 27. bis 30. November 2014 hielt die Kongregation für die Institute geweihten Lebens und die Gesellschaften apostolischen Lebens die Vollversammlung des Dikasteriums zum Thema: „Neuer Wein in neuen Schläuchen. Geweihtes Leben 50 Jahre nach Lumen gentium und Perfectae caritatis“ ab, auf der sie sich mit dem nach dem Konzil zurückgelegten Weg des geweihten Lebens befasste und versuchte, die insgesamt noch bestehenden Herausforderungen auf diesem zu beleuchten.

Die vorliegenden Leitlinien sind das Ergebnis der Erörterungen während dieser Vollversammlung sowie nachfolgender Überlegungen. Zum Teil wurden sie auch nach den zahlreichen Zusammenkünften erarbeitet, zu denen sich geweihte Frauen und Männer aus allen Teilen der Welt im Laufe des Jahres des geweihten Lebens in Rom am Heiligen Stuhl versammelten.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat das Lehramt der Kirche das Leben der geweihten Frauen und Männer kontinuierlich begleitet. Insbesondere hat dieses Dikasterium große Wegmarken aufgezeigt, die wertvolle Bezugspunkte sind: die Instruktionen Potissimum institutioni (1990), Das brüderliche Leben in Gemeinschaft (1994), Neubeginn in Christus (2002), Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Faciem tuam (2008), und Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche (2015).

Die vorliegenden Leitlinien sind eingebunden in die „Übung evangeliumsgemäßer Unterscheidung, bei der man – im Licht des Heiligen Geistes – jenen ,Anrufʻ zu erkennen sucht, ,den Gott gerade in dieser geschichtlichen Situation vernehmen lässt. Auch in ihr und durch sie ruft Gottʻ[1] die geweihten Frauen und Männer unserer Zeit, denn ,alle sind wir aufgefordert, diesen Ruf anzunehmen: hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen, die das Licht des Evangeliums brauchenʻ“.[2]

Eine Übung der kirchlichen Unterscheidung also, bei der die geweihten Frauen und Männer dazu aufgerufen sind, neue Übergänge in Angriff zu nehmen, damit Ideale und Lehre Gestalt im Leben annehmen: Systeme, Strukturen, Diakonien, Stile, Beziehungen und Sprache. Papst Franziskus betont die Notwendigkeit einer solchen Überprüfung: „Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee. [...] Die Wirklichkeit ist etwas, das einfach existiert, die Idee wird erarbeitet. Zwischen den beiden muss ein ständiger Dialog hergestellt und so vermieden werden, dass die Idee sich schließlich von der Wirklichkeit löst. Es ist gefährlich, im Reich allein des Wortes, des Bildes, des Sophismus zu leben“.[3]

Es kann geschehen, dass das geweihte Leben trotz des umfassenden und reichen Prozesses der Accomodata renovatio, der sich nach dem Konzil vollzogen hat, mit Herausforderungen konfrontiert wird, die noch unbeantwortet sind und „mit Entschiedenheit und Weitblick“[4] in Angriff genommen werden müssen.

Im Hinblick auf diese Übung der Unterscheidung sollen die vorliegenden Leitlinien unzulängliche Praktiken beleuchten, sie sollen aufzeigen, wo Prozesse ins Stocken geraten sind, konkrete Fragen stellen und Rechenschaft fordern über Beziehungs-, Führungs- und Ausbildungsstrukturen, in denen geweihte Personen in ihrer evangeliumsgemäßen Lebensform eine echte Unterstützung finden.

Leitlinien, die in einem offenen Diskurs der Parrhesia prüfen, ob die Schläuche für die Aufbewahrung des neuen Weins, den der Heilige Geist seiner Kirche weiter schenkt, geeignet sind, und die gleichzeitig dazu ermahnen, kurz- und langfristig durch konkrete Taten Veränderungen einzuleiten.

I. Für junge Weine neue Schläuche

Das logion Jesu

1. Ein Wort des Herrn kann den Weg des geweihten Lebens in Anbetracht der Herausforderungen unserer Zeit und im Geiste der vom Zweiten Vatikanischen Konzil intendierten Erneuerung erhellen: Junger Wein in neuen Schläuchen (Mk 2,22). Dieser weise Ausspruch des Herrn ist bei allen Synoptikern nachgewiesen, die im Zusammenhang mit den Anfängen des öffentlichen Wirkens Jesu darüber berichten. Der Evangelist Markus macht ihn zum Mittelpunkt der ersten herausfordernden Kritik der Pharisäer von Kafarnaum an dem freien und selbständigen Handeln Jesu (Mk 2,18–22). Auch Matthäus greift dieses logion auf und fasst es noch etwas weiter, um gewissermaßen die prophetische Sprengkraft der zentralen Bedeutung der Barmherzigkeit in seinen Worten und Gesten zu besiegeln (Mt 9,16–17). Lukas ordnet diese Provokation noch genauer in ihren Kontext ein und unterstreicht, dass es unmöglich ist, in der althergebrachten Weise miteinander zu sprechen (Lk 5,36–39). Dieser Evangelist hebt hervor, dass ein Stück Stoff von einem bereits fertigen neuen Gewand abgeschnitten wird, (bei Matthäus ist es ein grober Stoff), um es dann auf ein altes zu nähen. Dies wäre ungeschickt und würde zu zweierlei Verderben führen (Lk 5,36). So fügt er vielsagend hinzu: Und niemand, der alten Wein trinkt, will jungen; denn er sagt: Der alte ist bekömmlich (Lk 5,39).

Hier muss bei allen drei synoptischen Evangelisten der neue Stil unterstrichen werden, in dem Jesus sich dadurch, dass er der Welt das barmherzige Antlitz des Vaters offenbart, kritisch von der einfachen Beibehaltung gewohnter religiöser Schemata distanziert. Sünden zu vergeben und jeden Menschen im Mysterium seines Leidens und gar in seinen Verirrungen anzunehmen ist etwas radikal Neues. Diese Neuheit bringt jeden, der an die einfache Wiederholung von Schemata gewohnt ist, in denen alles bereits vorgesehen und klassifiziert ist, aus dem Gleichgewicht. Eine solche Einstellung schafft nicht nur Unbehagen, sondern ist von vornherein Grund für Ablehnung. Der Stil, in dem Jesus das Reich Gottes ankündigt, beruht auf dem Gesetz der Freiheit (vgl. Jak 2,12), das eine neue Möglichkeit aufzeigt, in Beziehung zu den Menschen und ihren konkreten Situationen zu treten. Dieser Stil hat genau die Farbe und den Geschmack eines jungen Weins, der allerdings die alten Schläuche zerreißen könnte. Das Bild offenbart eindeutig, dass institutionelle, religiöse und symbolische Formen immer stärker an Elastizität gewinnen müssen. Ohne die nötige Elastizität ist keine institutionelle Form, sei sie auch noch so verehrungswürdig, in der Lage, die Spannungen des Lebens auszuhalten und auf die Rufe der Geschichte zu reagieren.

2. Der Vergleich, den Jesus hier anstellt, ist ebenso einfach wie anspruchsvoll. Der Schlauch, von dem das kleine Gleichnis spricht, ist ein Behältnis aus weichen Häuten, die sich noch weiter ausdehnen können, damit der ständig aufwallende, neue Wein besser atmen kann. Wäre der Schlauch hingegen trocken und durch den zeitlichen Verschleiß hart geworden, besäße er nicht mehr die nötige Elastizität, um dem pulsierenden Druck des neuen Weins standzuhalten. So würde er zwangsläufig zerreißen, und Wein und Schlauch wären verloren. Der Evangelist Johannes verwendet dieselbe Metapher von dem guten Wein (Joh 2,10), der auf der Hochzeit von Kana ausgeschenkt wird, um auf die prophetische Neuheit der freudigen und kraftspendenden Verkündigung des Evangeliums hinzuweisen. Der gute Wein und der junge Wein werden so zum Sinnbild für das Handeln und die Lehre Jesu, die nicht in alten Schläuchen verweltlichter religiöser Denkweisen aufbewahrt werden dürfen, die sich neuen Verheißungen nicht öffnen können. Wenn der Evangelist Lukas von altem Wein spricht, der angenehm (chrestòs) ist, bezieht er sich natürlich darauf, dass die Pharisäer und Anführer des Volkes standardisierten und starren Formen der Vergangenheit verhaftet waren. Doch das ist vielleicht nicht alles. Eben jene Christen der zweiten Generation müssen sich sagen lassen, dass sie sich der Neuheit des Evangeliums tendenziell nicht vollständig öffnen. Die Versuchung, zum alten Stil einer in ihren Gewissheiten und Gewohnheiten verschlossenen Welt zurückzukehren, lauert immer als Gefahr im Hinterhalt. Bereits von Anfang an existiert in der Geschichte der Kirche die Versuchung, sich taktisch so einzurichten, dass man den ständigen Herausforderungen der Umkehr des Herzens ausweichen kann.

Das Wort Jesu hilft uns, diese Herausforderung bzw. Neuheit anzunehmen, die nicht nur Aufnahmebereitschaft, sondern auch Unterscheidungsvermögen erfordert. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die tatsächlich dazu geeignet sind, den innovativen Reichtum des Evangeliums zu hüten, damit er gelebt und in den Dienst aller gestellt und gleichzeitig in seiner Qualität und Güte bewahrt werden kann. Neuen Wein muss man gären und sozusagen im Schlauch atmen lassen, damit er richtig reifen kann und schließlich genießbar wird und gemeinsam getrunken werden kann. Gleiches gilt für das Bild von dem Gewand und dem Flicken: Man kann nicht ein Stück Stoff von einem neuen Gewand abreißen und ein bereits verschlissenes Gewand damit flicken. Durch die unterschiedliche Gewebespannung würde das alte Gewand ausfransen, sodass der neue Flicken dann im Grund nichts nützen würde.

3. Die Botschaft des Evangeliums darf nicht auf eine rein soziologische Komponente reduziert werden. Es handelt sich hier um eine spirituelle Ausrichtung, die immer neu bleibt. Sie verlangt die geistige Offenheit, sich prophetische und charismatische Formen einer Nachfolge vorzustellen, die in angemessenen und eventuell ganz neuen Denkstrukturen gelebt werden. Eine ganze Reihe innovativer Formen der Diakonie werden außerhalb bereits bewährter Denkstrukturen der Vergangenheit gelebt und müssen unbedingt auch in neue institutionelle Strukturen Eingang finden. Diese Strukturen müssen den Erwartungen und Herausforderungen wahrlich gewachsen sein. Eine Erneuerung, die nicht in der Lage ist, außer dem Herzen auch die Strukturen zu berühren und zu verändern, führt nicht zu einer echten, dauerhaften Veränderung. Hier sollte man immer daran denken, dass eine überzogene Auslegung, mag sie auch noch so großzügig sein, auf Ablehnung stoßen kann. Ablehnung führt zum Verlust eben jener Lebendigkeit des unverzichtbar Neuen, das nicht nur anerkannt, sondern auch konsequent gelebt und gewiss nicht einfach nur ertragen oder erduldet werden will.

Wenn wir dieses evangelische Kriterium auf das übertragen, was zum Zeitpunkt des Zweiten Vatikanischen Konzils, einem Augenblick der Gnade, innerhalb der Kirche gelebt wurde, können und dürfen wir tatsächlich von jungem Wein sprechen. Unter der Führung des Heiligen Geistes war die Kirche als Weinberg des Herrn dazu in der Lage, eine erneute spirituelle Ernte zu erleben, zu der alle großzügig ihren Beitrag geleistet haben. Wir alle haben uns gefreut über die lebhaften Erfahrungen der Erneuerung, die in neuen katechetischen Wegen, neu gestalteten Modellen der Heiligkeit und des brüderlichen Lebens, modernisierten Leitungsstrukturen, neuen theologischen Strömungen, ungeahnten Formen der Solidarität und Diakonie etc. zum Ausdruck kamen. Eine echte Weinernte, für die wir überreiche, freudige Dankbarkeit empfinden. Nichtsdestoweniger existieren neben all diesen Zeichen der Erneuerung und Formen der Neuheit – und auch das ist normal – alte, heilig gewordene und erstarrte Gewohnheiten. Es handelt sich um Gewohnheiten, die sich in ihrer Starrheit und Unfähigkeit dagegen sperren, sich an diese Erneuerung wirklich anzupassen, die immer noch im Werden ist. Aus diesem Nebeneinander von Stilen können Konflikte selbst heftigster Art entstehen. Aus den Konflikten entstehen gegenseitige Vorwürfe, dass man nicht guter Wein (Hld 7,10) sei, sondern zu gärendem, gewürztem Wein (Ps 75,9) verdorben sei. Manche verurteilen die anderen sogar als faule Beeren (vgl. Jes 5,2), weil sie das, was seit jeher festgelegt und bewährt war, nicht treu genug befolgen würden. Von all dem sollte man sich nicht beeindrucken und schon gar nicht entmutigen lassen. Man kann keine angemessenen Strukturen für eine echte Erneuerung gestalten, ohne für deren Ausarbeitung viel Zeit und auf dem Weg dahin unvermeidliche Zwischenfälle einzukalkulieren. Authentische und dauerhafte Veränderungen ergeben sich nie automatisch.

Normalerweise ist mit einigem Widerstand zu rechnen und sogar auch hier und da mit einem Rückzieher. Dabei ist zu bedenken, dass dieser Widerstand nicht immer boshaft oder böswillig gemeint ist. Mehr als 50 Jahre nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils muss man zur Kenntnis nehmen, dass es nie schmerzlos ist, sich von den belebendenden Aufforderungen des Heiligen Geistes beunruhigen und aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Dies gilt gewiss auch für das geweihte Leben und seine mehr oder weniger fruchtbaren Jahreszeiten im Sinne der Antwort auf die Zeichen der Zeit und die Eingebungen des Heiligen Geistes.

Die postkonziliare Erneuerung

4. Um nach vorne zu schauen und im Geiste der vom Konzil beabsichtigten Erneuerung weiterzugehen, kann ein wenig Geschichte den Weg aller erhellen und bestätigen. Das Bewusstsein für das, was wir in den letzten 50 Jahren erlebt haben, wird noch notwendiger, wenn wir die Anregungen aufgreifen wollen, die sich aus den Worten und Gesten von Papst Franziskus ergeben.

Die Accomodata renovatio des Lebens und der Regeln der Institute des geweihten Lebens gemäß den „zeitbedingten Erfordernissen“[5] war eine ausdrückliche Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Konzilsväter hatten insbesondere in Kapitel VI der dogmatischen Konstitution Lumen gentium[6] die theologischen und ekklesiologischen Grundlagen für die Erneuerung geschaffen. In dem Dekret Perfectae caritatis hatten sie geeignetere Richtlinien und praktische Orientierungshilfe für die geistliche, kirchliche, charismatische und institutionelle Aktualisierung des geweihten Lebens in der Kirche angeboten. Was die anderen Konzilstexte betrifft, so wurden nur in der Konstitution Sacrosanctum Consilium und in dem Dekret Ad gentes einige praktische Auswirkungen aufgezeigt, die eine gewisse Relevanz für das Ordensleben hatten.

Ein halbes Jahrhundert später können wir mit Zufriedenheit feststellen, dass sich die Mens des Konzils ganz besonders fruchtbar auf das geweihte Leben ausgewirkt hat. Der von choralem Unterscheidungsvermögen und forschender Aufmerksamkeit geprägte Stil brachte während der Aktualisierung äußerst wirkungsvolle Impulse und Methoden hervor. Der erste Schritt dieses tiefgreifenden Wandels betraf das neue Selbstverständnis des geweihten Lebens. In der Zeit vor dem Konzil bildete das Ordensleben mit all seinen Ausprägungen und Strukturen die vereinte Arbeitskraft für Leben und Sendung einer kämpferischen Kirche, die sich in ständiger Opposition zur Welt erlebte. In der neuen Ära der Öffnung und des Dialogs mit der Welt fühlte sich das geweihte Leben in erster Linie dazu aufgerufen, zum Wohle des gesamten Kirchenkörpers die Koordinaten für eine neue Beziehung zwischen Kirche und Welt auszuloten. Dies ist eines der am stärksten inspirierenden und transformierenden Themen, die das von dem hl. Johannes XXIII. einberufene Zweite Vatikanische Konzil im Sinn hatte. Im Sinne des Dialogs und des Annehmens ist das geweihte Leben tatkräftig auf die Risiken dieses neuen Abenteuers, sich zu öffnen, Gehör zu schenken und zu dienen, zugegangen. Um einen von Vertrauen geprägten Beziehungsstil in der gegenwärtigen Welt tatsächlich konkret umsetzen zu können und in dieser präsent zu sein, hat das geweihte Leben seine zahlreichen Charismen und sein spirituelles Erbe aufs Spiel gesetzt und sich tatkräftig neuen Wegen ausgesetzt und diese angenommen.

5. In den 50 Jahren, die seit dem Konzil vergangen sind, konnten wir zur Kenntnis nehmen, dass alle Institute des geweihten Lebens sich nach Kräften bemüht haben, auf die Anregungen des Zweiten Vatikanischen Konzils einzugehen. Insbesondere in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Konzil waren die Erneuerungsbemühungen umfangreich und kreativ und wurden auch in den Jahrzehnten danach fortgesetzt, wenn auch etwas langsamer und weniger dynamisch. Die Vorschriften und institutionellen Formen wurden anfangs als Reaktion auf die Anregungen des Konzils und später als Anpassung an die Bestimmungen des neuen Kodex des Kanonischen Rechts (1983) überarbeitet. Jede Ordensfamilie hat sich intensiv dafür eingesetzt, den „Geist des Ursprungs der Institute“[7] neu zu deuten und zu interpretieren. Damit wurden hauptsächlich zwei Ziele verfolgt: den „Stifterwillen“[8] getreulich zu bewahren und „mutig den Unternehmungsgeist, die Erfindungsgabe und die Heiligkeit der Gründer und Gründerinnen wieder hervorzuheben.“[9]

Die Ergebnisse dieser großen Anstrengung, Identität, Lebensstil und die jeweilige kirchliche Sendung neu zu gestalten, wurden auch von der mutigen und geduldigen Suche nach neuen, auf das Wesen und Charisma jeder einzelnen Ordensfamilie abgestimmten Ausbildungswegen begleitet. Auch im Bereich der Leitungsstrukturen, der wirtschaftlichen Verwaltung und der Tätigkeit wurde vieles an die „körperlichen und seelischen Voraussetzungen der Menschen von heute [...] und die Erfordernisse des Apostolats, die Ansprüche der Kultur, die soziale und wirtschaftliche Umwelt“ angepasst.[10]

6. Nach diesem kurzen Rückblick auf die Geschichte der letzten 50 Jahre können wir in Demut anerkennen, dass das geweihte Leben sich darin geübt hat, die Horizonte des Konzils leidenschaftlich zu besetzen und kühn zu erforschen. Für den insgesamt zurückgelegten Weg können wir Gott und uns gegenseitig nur aufrichtig und wahrhaft Dank sagen.

Auf diesem engagierten und mühsamen Weg kam vom obersten Lehramt der Päpste der letzten Jahrzehnte große Unterstützung. Durch Texte und Beiträge unterschiedlichster Art haben die Päpste in regelmäßigen Abständen versucht, die neuen Überzeugungen zu festigen, neue Wege zu erkennen und bei neuen Entscheidungen über Wirken und Dienst die Rufe des Heiligen Geistes stets zu erhören und uns weise im kirchlichen Sinne zu führen. Theologisch und kirchlich außerordentlich wertvoll und richtungsweisend ist hier das Nachsynodale Apostolische Schreiben Vita consecrata (1996), in dem die besten Ergebnisse der nachsynodalen Erneuerung aufgegriffen und bekräftigt werden.

Im Besonderen werden in Vita consecrata die Kontemplation und der ursprüngliche Bezug zum Mysterium der Allerheiligsten Dreifaltigkeit beleuchtet: „Das geweihte Leben ist Ankündigung dessen, was der Vater durch den Sohn im Geist aus seiner Liebe, seiner Güte und seiner Schönheit vollbringt. Denn ‚der Ordensstand [...] macht die Erhabenheit des Gottesreiches gegenüber allem Irdischen und seine höchsten Ansprüche in besonderer Weise offenkundig. Er zeigt auch allen Menschen die überragende Größe der Herrscherkraft Christi und die wunderbare, unbegrenzte Macht des Heiligen Geistes in der Kirche auf. [...] So wird das geweihte Leben zu einer der konkreten Spuren, die die Dreifaltigkeit in der Geschichte hinterlässt, damit die Menschen das Faszinierende der göttlichen Schönheit wahrnehmen könnenʻ“.[11] Das geweihte Leben wird zur confessio trinitatis, auch weil es sich der Herausforderung des brüderlichen Lebens stellt, „kraft dessen sich die Personen des geweihten Lebens bemühen, in Christus zu leben und ‚ein Herz und eine Seeleʻ zu sein (Apg 4,32)“.[12] Aus dieser trinitarischen Perspektive heraus ergibt sich die große Herausforderung, die Einheit und Notwendigkeit der betenden, Zeugnis ablegenden und märtyrerhaften Ökumene als Königsweg für die geweihten Frauen und Männer: „Das Gebet Christi zum Vater vor seinem Leiden, dass seine Jünger eins bleiben mögen (vgl. Joh. 17,21–23), setzt sich im Beten und Wirken der Kirche fort. Wie könnten sich da die Personen des geweihten Lebens nicht miteinbezogen fühlen?“[13]

Auch die engagierte und weise Leitung unserer Kongregation hat auf verschiedene Weise, durch Instruktionen, Schreiben und Richtlinien, und in fortlaufender Wachsamkeit leitende Kriterien aufgezeigt, um authentisch auf der vom Konzil beschlossenen Erneuerung zu bestehen und der Identität und kirchlichen Funktion des geweihten Lebens in gemeinschaftlicher Unterscheidungskraft und prophetischer Kühnheit treu zu bleiben.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Schwachpunkte und Mühen geleugnet werden. Diese müssen erkannt und beim Namen genannt werden, damit der eingeschlagene Weg nicht nur weitergeht, sondern treu und schaffenskräftig noch radikaler fortgesetzt werden kann. So ist es auch notwendig, neuen Situationen, in denen das geweihte Lebens aufgerufen ist, sich zu messen und Gestalt anzunehmen, realistisch ins Gesicht zu schauen.

Neue Wege rufen uns auf

7. Die reiche Vielfalt an Diakonien, die das geweihte Leben in den letzten Jahrzehnten gelebt hat, ist aufgrund gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer, wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen radikal zurückgegangen. Gleiches gilt für staatliche Maßnahmen in vielen Bereichen, in denen Ordensleute immer schon tätig waren. All dies hat die Beziehungen zwischen den Ordensleuten und ihrem Lebensumfeld und ihre gewohnte Art der Auseinandersetzung mit ihren Mitmenschen verändert. In der Zwischenzeit haben neue, bisher ungekannte Notsituationen weitere Bedürfnisse aufbrechen lassen, auf die bisher noch nicht reagiert wurde und die an die Tür der schaffenskräftigen Treue des geweihten Lebens in all ihren Formen klopfen.

Neue Formen der Armut appellieren an das Gewissen vieler geweihter Frauen und Männer und fordern historische Charismen zu neuen tatkräftigen Formen der Antwort auf die neuen Situationen und neuen Auswüchse der Geschichte auf. Dadurch entstehen neue Formen der Präsenz und des Dienstes in zahlreichen Randgebieten des Lebens. Auch die Verbreitung von Freiwilligeninitiativen darf nicht vergessen werden, in denen Laien und Ordensleute, Männer und Frauen, sich engagieren und „neue apostolische Tatkräfte“[14] in reicher Synergie einbringen, so dass „durch den einmütigen Beitrag der unterschiedlichen Gaben die Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wirksamer“[15] gemacht wird. Ein solcher gemeinsamer Einsatz stützt sich auf die Wiederentdeckung der gemeinsamen Wurzel der Taufe, die alle Jünger Christi vereint und sie dazu aufruft, ihre Kräfte und Vorstellungsgabe zu bündeln, um diese Welt für alle schöner und lebenswerter zu gestalten.

Viele Kongregationen und insbesondere Frauenorden haben begonnen, die Gründungen in den jungen Kirchen in den Vordergrund zu stellen, und sich so von fast ausschließlich monokulturellen zu multikulturellen Gemeinschaften mit den entsprechenden Herausforderungen entwickelt. In diesem Zuge wurden internationale Gemeinschaften gegründet, die für einige Institute der erste mutige Schritt aus ihren geografischen und kulturellen Grenzen heraus waren. Es wurden erste Erfahrungen in der Diakonie gemacht, und man war in unbekannten oder multireligiösen Kontexten präsent. Neue Gemeinschaften wurden in schwierigen Umfeldern angesiedelt, die oft von unterschiedlichen Formen der Gewalt bedroht sind. Diese Erfahrungen bewirkten große Veränderungen innerhalb der Ordensfamilien, und zwar sowohl in Bezug auf das gemeinsame kulturelle Ethos als auch auf kirchliche Modelle und innovative spirituelle Stile. Dieser Exodus führte natürlich zu einer Krise der traditionellen Bildungsstrukturen, die nicht mehr zu den neuen Berufungen und Kontexten passten. All dies ist sicherlich sehr bereichernd, aber auch Grund für unterschiedlichste Spannungen, die vor allem in Kongregationen mit weniger missionarischer Erfahrung auftraten und teilweise sogar zum Bruch führten.

8. Die aktuelle Entwicklung der Gesellschaft und Kulturen, die sich in einer Phase schneller und umfassender, unvorhersehbarer und chaotischer Veränderungen befinden, konfrontiert das geweihte Leben mit der ständigen Herausforderung, Korrekturen vorzunehmen. Dies produziert und erfordert ständig neue Antworten und geht mit einer Krise von historischem Ausmaß und charismatischem Profil einher. Das Zeichen dieser Krise ist eine offenkundige Mühe. In einigen Fällen hat man es genau genommen mit einer Unfähigkeit zu tun, von einer ordentlichen Geschäftsführung (Management) zu einer Leitung überzugehen, die der neuen Realität, in der man weise agieren muss, gewachsen ist. Es ist keine leichte Aufgabe, den Sprung von der einfachen Verwaltung altbekannter Gegebenheiten hin zu Zielen und Idealen mit so viel Überzeugung zu schaffen, dass daraus Vertrauen entstehen kann. Dies beinhaltet, sich nicht mit der Ausarbeitung reiner Überlebensstrategien zufrieden zu geben, sondern die nötige Freiheit zu haben, Prozesse anzustoßen, wie Papst Franziskus immer wieder erinnert. Es erweist sich vor allen Dingen als immer notwendiger, dass das Leitungsamt in der Lage ist, echte Synodalität anzumahnen, indem von Synergie getragene Dynamik genährt wird. Nur in einer solchen gemeinsamen Absicht lässt sich der Übergang geduldig, klug und weitsichtig gestalten.

Einige Problempunkte sind mit der Zeit immer komplexer geworden und haben das geweihte Leben und seine Institutionen gelähmt. Das geweihte Leben droht sich in dem rasanten Wandel zu verstricken und hangelt sich von einer Notsituation zur nächsten, ohne den Blick auf den Horizont zu richten. Zuweilen scheint es, als sei das geweihte Leben fast nur noch damit beschäftigt, seinen Alltag bzw. das schlichte Überleben zu bewältigen. Eine derartige Auseinandersetzung mit der Realität geht zu Lasten eines sinnerfüllten Lebens, das prophetisch Zeugnis ablegen kann.

Ständig mit Notsituationen umgehen zu müssen, die immer gravierender werden, ist kräftezehrender, als man meint. Dies birgt leider das Risiko, dass man, anstatt über Wege nachzudenken, völlig von der Eindämmung der Probleme in Anspruch genommen ist. In Anbetracht dieses mühevollen Unterfangens kann man fast den Eindruck haben, der charismatische Impuls des Konzils sei abhandengekommen. An die Stelle des großartigen Bemühens um Erneuerung und Kreativität scheint seit Kurzem ein auswegloser Stillstand getreten zu sein, und dies, obwohl wir gerade jetzt aufgerufen sind, einen neuen Exodus nach Kräften aufzuhalten. In vielen Fällen schwächt und entkräftet die Zukunftsangst jenes prophetische Amt, auf dem Papst Franziskus beharrt,[16] zu dessen Ausübung in der Kirche das geweihte Leben zum Wohl der gesamten Menschen aufgerufen ist.

9. An dieser Stelle des Weges ist es heilsam und notwendig innezuhalten, um Güte und Reifegrad des jungen Weins zu erkennen, der in der langen Zeit der Erneuerung nach dem Konzil erzeugt worden ist. Hier stellen sich einige Fragen. Die erste betrifft die Harmonie und Kohärenz zwischen den schon seit geraumer Zeit bestehenden Strukturen, Organen, Ämtern und Stilen und denen, die als Reaktion auf die Vorgaben des Konzils in den letzten Jahren eingeführt wurden.[17] Die zweite veranlasst uns zu prüfen, ob die heutzutage im geweihten Leben praktizierten Mediationspunkte dazu geeignet sind, die offenkundigsten Neuheiten aufzunehmen und – wie im Bild von dem jungen Wein, der gärt und aufwallt – den notwendigen Übergang zu bewerkstelligen, bis volle Stabilität erreicht ist. Schließlich können wir uns fragen, ob das, was wir kosten und zu trinken anbieten, wirklich vollmundiger und gesunder junger Wein ist. Oder handelt es sich trotz aller guten Absichten und lobenswerten Bemühungen um mit Wasser verdünnten Wein, mit dem über die sauren Folgen einer misslungenen Ernte und schlecht gestutzte Rebstöcke hinweggetäuscht werden soll?

Diese Fragen kann man einfach und im Geiste der Parrhesie stellen, ohne dabei in Schuldgefühle zu verfallen, die uns nur weiter blockieren könnten. Wir können uns ein wenig Zeit nehmen, um gemeinsam zu schauen, was in den Schläuchen unseres geweihten Lebens vor sich geht. Es geht darum, ohne Schuldgefühle und Vorwürfe die Güte des jungen Weins und des guten Weins festzustellen. Diesen Wein, dessen liebevolle Hüter wir sind, sollen wir zur Freude aller und ganz besonders der Ärmsten und Kleinsten ausschenken.

Wir dürfen nicht davor zurückschrecken, ehrlich zu erkennen, wie schwer es dem alten institutionellen System trotz einer ganzen Reihe von Veränderungen fällt, neuen Modellen entschieden Platz zu machen. Die uns vertraute Gesamtkonstellation aus Sprache und Vorbildern, Werten und Pflichten, Spiritualität und kirchlicher Identität hat vielleicht noch keinen Freiraum für die Prüfung und Stabilisierung des neuen, aus der nachkonziliaren Inspiration und Praxis entstandenen Paradigmas geschaffen. Wir erleben eine Phase, in der all das, was das Erbe und die Identität des geweihten Lebens innerhalb der Kirche und in Anbetracht der Geschichte ausmacht, geduldig überarbeitet werden muss. So müssen wir auch jenen lange übertünchten, zähen Widerstand aufzeigen und deuten, der nun explizit in vielen Zusammenhängen auch als eventuelle Reaktion auf ein fälschlicherweise verhohlenes Frustrationsgefühl wieder zum Vorschein kommt. In einigen Kreisen des geweihten Lebens mit teilweise erheblichen Mitgliederzahlen und verfügbaren Mitteln ist man nicht in der Lage, die Zeichen des Neuen aufzunehmen: An den Geschmack des alten Weins gewöhnt und sich in der Sicherheit bewährter Modalitäten wiegend, ist man nicht wirklich zu irgendeiner Änderung bereit, außer sie ist im Wesentlichen unerheblich.

10. Nachdem wir den derzeitigen Zustand des geweihten Lebens dargestellt und gemeinsam betrachtet haben, möchten wir einige Widersprüche und Widerstände aufzeigen. Diese gemeinsame Betrachtungsweise soll wahrheitsgetreu und ehrlich erfolgen. Die Aufgabe, gemeinsam zu ergründen, welcher Knoten zerschlagen werden muss, um aus der Lähmung herauszufinden und die Zukunftsangst zu überwinden, dürfen wir nicht länger vor uns herschieben. Wir wollen versuchen zu benennen, was das dynamische Wachstum und die der Prophezeiung des geweihten Lebens innewohnende Erneuerung hemmt. Darüber hinaus scheint es uns angebracht, einige Orientierungspunkte aufzuzeigen, um nicht von Angst oder Trägheit gelähmt zu werden. In diesem Sinne werden wir versuchen, einige Vorschläge zu den Bildungswegen zu machen und rechtliche Hinweise aufzuzeigen, die für ein Weiterkommen nötig sind, sowie einige Ratschläge zum Amt der Autorität, damit dieses im Dienste eines tatsächlich gemeinschaftlichen brüderlichen Lebensstils steht. Außerdem scheint es uns notwendig, den Schwerpunkt auf zwei weitere Bereiche zu legen, die das geweihte Leben maßgeblich berühren: Ausbildung und Gütergemeinschaft.

Zur Untermauerung eines jeden Weges scheint es uns wichtig, das Bedürfnis nach einem neuen, von Heiligkeit getragenen Schwung für die geweihten Personen zu unterstreichen, was ohne ein Aufrütteln zu neuer Leidenschaft für das Evangelium im Dienste des Reiches Gottes undenkbar wäre. Auf diesem Weg bewegt uns der Geist des Auferstandenen, der mit seinen Eingebungen weiter zur Kirche spricht.

Papst Franziskus bestärkt uns auf diesem Weg: „Neue Schläuche für neuen Wein. Die Neuheit des Evangeliums. Was bringt uns das Evangelium? Freude und Neuheit. Neuheit für die Neuheit; neue Schläuche für den neuen Wein. Keine Angst davor, die Dinge den Geboten des Evangeliums entsprechend zu verändern: Die Kirche fordert uns alle zu einigen Veränderungen auf. Sie fordert uns auf, hinfällige Strukturen aufzugeben. Sie sind überflüssig.

Und neue Schläuche zu benutzen, jene des Evangeliums. Das Evangelium ist Neuheit, das Evangelium ist ein Fest. Und nur mit einem freudigen und erneuerten Herzen kann man das Evangelium ganz leben. Mehr Platz für das Gesetz der Seligpreisungen, der Freude und der Freiheit, die uns die Neuheit des Evangeliums bringt. Der Herr möge uns die Gnade schenken, keine Gefangenen zu bleiben, und er schenke uns die Gnade der Freude und Freiheit, welche die Neuheit des Evangeliums uns bringt.“[18]

II. Noch offene Herausforderungen

11. Was Jesus zum Widerstand gegen Veränderung sagt – weil der alte bekömmlich ist (vgl. Lk 5,39) –, ist ein Phänomen, das wir in allen menschlichen Verhaltensweisen und Kultursystemen antreffen. Wie uns das Evangelium in den Gleichnissen vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,25–30) und vom Fischernetz mit den guten und schlechten Fischen (Mt 13,47–48) lehrt, werden die guten Werke oft mit anderen, weniger guten vermischt. Dies sollte uns nicht wundern, sondern uns vielmehr dazu anhalten, stets wachsam zu sein, damit wir erkennen, welche Grenzen und Schwachpunkte den für ein authentisches und glaubhaftes Zeugnis nötigen Prozessen im Wege stehen.

Jedes etablierte System neigt dazu, sich gegen Veränderungen zu sperren und bemüht sich, seine Stellung zu halten. Dabei werden manches Mal Unstimmigkeiten verschleiert und manchmal Altes und Neues vermischt, indem entweder die Realität und Reibungen unter dem Deckmantel einer scheinbaren Eintracht ignoriert oder die eigenen Zielsetzungen hinter oberflächlichen Korrekturen künstlich verborgen werden. Leider trifft man immer wieder auf Beispiele für eine rein formale Zustimmung ohne die gebührende Umkehr des Herzens.

Berufung und Identität

12. Mit gesundem Realismus müssen wir als erstes feststellen, dass die Anzahl der Austritte aus dem Ordensleben weiterhin hoch ist. Wichtig ist, die Hauptgründe für diese Austritte zu beleuchten, die sowohl nach den wichtigen Stationen des Ausbildungsweges (Profess, Ordination) als auch im fortgeschrittenen Alter erfolgen. Dieses Phänomen trifft man heute in allen kultu-

rellen und geographischen Kontexten an.

Hier ist klar zu sagen, dass es sich nicht immer nur um emotionale Krisen handelt. Oft sind diese Gefühlskrisen das Ergebnis einer bereits lange bestehenden Enttäuschung über ein Gemeinschaftsleben, das nicht authentisch ist. Die Kluft zwischen dem, was auf der Werteebene angeboten und dann im Konkreten gelebt wird, kann bis hin zu einer Glaubenskrise führen. Ein zu hoher Umfang an belastenden und übertrieben dringenden Aufgaben lässt dann potenziell kein solides spirituelles Leben mehr zu, das den Wunsch nach Treue nähren und fördern kann. Die Isolierung der jüngsten Mitglieder in Gemeinschaften mit vorwiegend alten Mitgliedern, die den Stil der neuen Evangelisierung nur schwer in Spiritualität, Gebet und Seelsorge übernehmen können, droht in einigen Fällen die Hoffnung auf ein echtes Lebensversprechen zu untergraben. Aus dieser Frustration heraus erweist sich manchmal der Austritt als einziger Ausweg, um nicht unterzugehen.

Soziologische Untersuchungen haben gezeigt, dass junge Menschen durchaus nach echten Werten streben und bereit sind, sich ernsthaft für diese einzusetzen. Junge Menschen besitzen eine Bereitschaft zur Transzendenz und die Fähigkeit, sich leidenschaftlich für Solidarität, Gerechtigkeit und Freiheit zu engagieren. Das Ordensleben läuft mit seinen – allzu häufig außerhalb kultureller Kontexte – standardisierten Stilarten und seiner eventuell überlasteten Leitung der Werke Gefahr, den tiefsten Wunsch der jungen Menschen zu überhören. Dies schafft eine Leere, die den Generationenwechsel immer schwieriger und den notwendigen Dialog zwischen den Generationen allzu mühsam macht.

Deshalb müssen wir uns ernsthaft fragen, wie es um unser Ausbildungssystem bestellt ist. Natürlich haben wir in den letzten Jahren auch positive Änderungen in die richtige Richtung vorgenommen. Dies war jedoch nicht kontinuierlich der Fall und ohne dass die wesentlichen Grundpfeiler der Ausbildung im Endeffekt geändert worden wären. Anscheinend ist es trotz aller in die Ausbildung investierten Anstrengungen und Bemühungen nicht gelungen, das Herz der Menschen zu berühren und wirklich zu ändern. Man hat den Eindruck, dass die Ausbildung mehr informativ als performativ ist, mit dem Ergebnis, dass die Menschen sowohl in ihren Grundüberzeugungen als auch auf ihrem Glaubensweg weiterhin anfällig sind. Dies führt zu einer psychischen und spirituellen Minimaleinstellung mit der daraus resultierenden Unfähigkeit, die eigene Sendung engagiert und mutig in Bezug auf den Dialog mit der Kultur und die Eingliederung in Gesellschaft und Kirche zu leben.

13. Durch die jüngste Entwicklung in vielen Instituten hat sich das Problem der Integration unterschiedlicher Kulturen noch weiter verschärft. Bei einigen Instituten zeichnet sich mittlerweile eine Situation ab, mit der kaum noch umzugehen ist: Einigen Dutzend alten Mitgliedern, die sich kulturellen und teils angepassten klassischen institutionellen Traditionen verbunden fühlen steht eine große Schar an jungen Mitgliedern – aus verschiedenen Kulturen – gegenüber, die voller Tatendrang sind, sich ausgegrenzt fühlen und keine untergeordneten Rollen mehr akzeptieren. Der Wunsch, selbst Verantwortung in die Hand zu nehmen, um sich aus dieser Unterwerfung zu befreien, könnte so manche Gruppe zu einem gewissen Druck auf die Entscheidungsstellen veranlassen. Auf diese Weise entstehen Leid und Ausgrenzung, Unverständnis und Verzerrungen, die den unverzichtbaren Prozess der Inkulturation des Evangeliums in eine Krise stürzen.

Diese Mühe der Inkulturation offenbart umso tiefer die zunehmende Distanz zwischen der klassischen Vorstellung von geweihtem Leben und seinen standardisierten Formen und der anderen Art und Weise, wie dieses in aufstrebenden kirchlichen und kulturellen Kontexten wahrgenommen und gewünscht wird. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass ein Prozess der Entwestlichung bzw. der Enteuropäisierung des geweihten Lebens stattfindet, der anscheinend mit einem massiven Globalisierungsprozess einhergeht. Es wird immer klarer, dass nicht die Bewahrung der Formen das wichtigste ist, sondern die Bereitschaft, das geweihte Leben in kreativer Kontinuität wieder als Erinnerung des Evangeliums an einen permanenten Zustand der Umkehr zu sehen, aus dem konkrete Eingebungen und Entscheidungen her-

vorgehen.

Ausbildungsentscheidungen

14. In diesem Bereich haben die Institute mit Unterstützung der Initiativen der verschiedenen (nationalen und internationalen) Konferenzen der obersten Ordensleitungen erhebliche Anstrengungen unternommen. Trotz all dieser Bemühungen stellt man immer noch fest, dass die theologische und anthropologische Vision nur in geringem Maße in die Konzeption von Ausbildung, Ausbildungsmodellen und erzieherischer Pädagogik integriert ist. Dies ist nicht nur eine theoretische Fragestellung, denn diese geringe Integration ermöglicht keine Interaktion und keinen Dialog zwischen den beiden wesentlichen Komponenten, die für einen Weg der Weiterentwicklung unerlässlich sind: die spirituelle und die menschliche Dimension. Man kann nicht mehr meinen, diese beiden Dimensionen könnten unabhängig voneinander weiterbestehen, ohne komplementär und harmonisch gepflegt zu werden.

Die Sorge um eine harmonische Weiterentwicklung innerhalb der spirituellen und menschlichen Dimension lenkt die Aufmerksamkeit auf die spezifische Anthropologie der verschiedenen Kulturen und die Empfänglichkeit der heutigen Generationen ganz besonders in Bezug auf neue Lebenskontexte. Nur ein tiefgreifendes Neuverständnis der Symbolik, die das Herz der heutigen Generationen wirklich berührt, kann vor der Gefahr bewahren, sich mit einer rein oberflächlichen, von Tendenzen oder gar der Mode geprägten Zustimmung zufrieden zu geben, bei der es scheint, dass die Suche nach äußeren Zeichen identitätsstiftende Sicherheit bietet. Es muss dringend zwischen den Berufungsmotivationen unterschieden und dabei ein Schwerpunkt auf die verschiedenen kulturellen Bereiche und Kontinente gelegt wer- den.[19]

15. Obwohl alle Institute in den letzten Jahren ihre jeweilige Ratio formationis festgelegt haben, wird die Umsetzung des Bildungsweges oft improvisiert und unterschätzt. Dies geschieht insbesondere in den Fraueninstituten, wo dringende Aufgaben der Werke häufig Vorrang vor einem fruchtbaren, systematischen und organischen Bildungsweg haben. Unter dem Druck der Arbeit und Pflichten wird die Bewältigung des laufenden Lebens der Gemeinschaften zu einer immer größeren Belastung und droht zu einem schädlichen Rückschritt gegenüber dem direkt nach dem Konzil eingeschlagenen Weg zu werden.

In dieser Hinsicht sollten sowohl der gelegentliche Besuch theologischer Kurse als auch die ausschließliche Belegung von professionellen Studiengängen vermieden werden, indem eine ausgewogene Ausbildung für das geweihte Leben garantiert wird. Eines der Risiken besteht nämlich darin, dass jeder sich seine eigene Welt aufbaut und den Zugang dazu eifersüchtig vor allen Bitten um eine gemeinsame Nutzung verschließt. So sollten wir in naher Zukunft nicht nur junge Geweihte mit akademischen Titeln haben, sondern auch mit einer Ausbildung in der Identifikation mit den Werten für ein Leben in der Nachfolge Christi.

16. In mehreren Instituten fehlt es an Personen, die entsprechend für Ausbildungsaufgaben ausgebildet sind. Dieser Mangel ist relativ verbreitet und betrifft insbesondere die kleinen Institute, die ihre Tätigkeit auch auf andere Kontinente ausgeweitet haben. Dabei ist stets zu berücksichtigen, dass Ausbildung nicht improvisiert werden kann, sondern weit im Voraus kontinuierlich vorbereitet werden muss. Ohne eine solide Ausbildung der Ausbilder ist keine wirklich Erfolg versprechende Begleitung der jüngeren Mitglieder durch Brüder und Schwestern möglich, die richtig für dieses Amt ausgebildet und zuverlässig sind. Damit eine Ausbildung erfolgreich ist, muss sie pädagogisch auf den Betreffenden zugeschnitten sein und darf sich nicht auf ein für alle gleiches Angebot an Werten, Spiritualität, Zeit, Stil und Modalitäten beschränken. Wir stehen vor der Herausforderung einer individuell gestalteten Ausbildung, in die das Initiationsmodell tatsächlich wieder Eingang findet. Die Initiation erfordert Kontakt zwischen Lehrer und Schüler, die ihren Weg vertrauensund hoffnungsvoll Seite an Seite zurücklegen.

In diesem Zusammenhang muss betont werden, dass Ausbilderinnen und Ausbilder sehr sorgfältig ausgewählt werden müssen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den ihnen anvertrauten Menschen „die Schönheit der Nachfolge des Herrn und den Wert des Charismas, in dem diese sich erfüllt“[20] zu vermitteln. Von ihnen wird hauptsächlich verlangt, dass sie „erfahrene Personen auf dem Weg der Suche nach Gott “[21] sind.

Zu oft werden die jungen Frauen und Männer vorschnell für die Erledigung dringender und belastender Tätigkeiten herangezogen, wodurch es ihnen recht schwer gemacht wird, sich einer ernsthaften Ausbildung zuzuwenden. Diese darf nicht nur dem anvertraut werden, der direkt mit der Ausbildung der jüngsten Mitglieder beauftragt ist, so als wäre diese nur sein Problem, sondern hier ist die gesamte Gemeinschaft zur Mitwirkung und entsprechenden harmonischen Präsenz aufgefordert, da dies der Ort ist, an dem „die Einweihung in die Mühe und in die Freude des Zusammenlebens“[22] erfolgt. In der Brüderlichkeit lernt ein jeder mit dem zu leben, den Gott neben ihn gestellt hat, indem er seine positiven Wesensmerkmale und zugleich seine Andersartigkeit und seine Grenzen annimmt. Und in der Brüderlichkeit lernt man, die für die Erbauung aller empfangenen Gaben mit den anderen zu teilen. In der Brüderlichkeit lernt man die missionarische Dimension der Weihe.[23]

In der Weiterbildung existiert das Risiko, dass viel darüber gesprochen, aber wenig getan wird. Es reicht nicht aus, theoretische Informationskurse über Theologie zu veranstalten und spirituelle Themen zu behandeln, sondern es muss dringend eine Fortbildungskultur entwickelt werden. Zu dieser Kultur sollte nicht nur die Ausarbeitung theoretischer Konzepte gehören, sondern auch die Fähigkeit zur Verarbeitung und Überprüfung des konkret in der Gemeinschaft Erlebten. Außerdem sollte Fortbildung, als Gelegenheit zur Reflexion und Überprüfung, nicht mit einer Art religiösem Tourismus verwechselt werden, der sich mit einem erneuten Besuch der Entstehungsorte des Instituts zufrieden gibt. Ebenfalls besteht die Gefahr, dass Ausbildungsmöglichkeiten an besondere Gelegenheiten (Gedenkfeiern des Instituts, wiederkehrende Feierlichkeiten zur 25- oder 50-jährigen Profess) geknüpft werden, beinahe so, als wäre es kein Bedürfnis, das der Dynamik der Treue in den verschiedenen Lebensphasen innewohnt.[24]

Es wird immer wichtiger, dass im Rahmen der Weiterbildung auch eine seriöse Einweisung in die Leitungstätigkeit erfolgt. Bei dieser im Leben der Gemeinschaft wirklich grundlegenden Aufgabe wird manchmal improvisiert, und sie wird unangemessen und lückenhaft erledigt.

Beziehung im humanum: Wechselbeziehung zwischen Mann und Frau

17. In Bezug auf Lebensmodelle, Organisations- und Leitungsstrukturen, Sprachgebrauch und kollektive Vorstellungswelt haben wir eine Mentalität geerbt, die tiefgreifende Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Vordergrund gestellt und ihnen nicht dieselbe Würde zugesprochen hat. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Kirche haben einseitige Vorurteile verhindert, dass die Gaben des echten Genius der Frau[25] und ihr ureigener Beitrag anerkannt wurden. Diese Art von Unterschätzung betraf vor allem die geweihten Frauen, die man nur am Rande des Lebens, der Seelsorge und der Mission der Kirche hat wirken lassen.[26] Im Zuge der nachkonziliaren Erneuerung wurde der Rolle der Frau ein höherer Stellenwert auf breiterer Basis zugemessen. Das 20. Jahrhundert wurde vor allem aufgrund des wiedererwachten weiblichen Bewusstseins in der modernen Kultur, in dem der hl. Johannes XXIII. 50 Jahre zuvor eines der deutlichsten „Zeichen der Zeit“ erkannt hatte, als „Jahrhundert der Frau“[27] bezeichnet.

Trotzdem gab es in der kirchlichen Gemeinschaft und zum Teil auch unter den geweihten Frauen selbst noch lange Zeit Widerstände gegen dieses neue Empfinden. Ein besonderer Impuls kam in jüngster Zeit vom Lehramt selbst, das die Frauen zu diesem Bewusstsein für ihre Würde ermutigt hat. Dies ist insbesondere das Verdienst der Päpste Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die wertvolle Lehren zu dem Thema aufgezeigt haben. Viele geweihte Frauen haben heute eine positive Einstellung, wodurch der Entwicklungsprozess einer biblischen Sicht des humanum gegenüber einer Gesellschaft unterstützt wird, die in ihren Denkschemata und ihrer gesellschaftspolitisch-religiösen Organisation von chauvinistischen Stereotypen geprägt ist. Solidarisch stellen sich die geweihten Frauen an die Seite derjenigen Frauen, die in verschiedenen Kontexten der Welt leidvolles Unrecht und Ausgrenzung erfahren. Wertvoll ist hier der Beitrag derjenigen unter ihnen, die die biblische Offenbarung mit den Augen der Frau neu deuten und so neue Horizonte und Stile entdecken, um das Charisma des Frauseins[28] kreativ zu leben. Ziel dieser intelligenten, vom Glauben und von der Leidenschaft für die Kirche erleuchteten Tätigkeit ist es, brüderliche und schwesterliche Beziehungen zwischen den geweihten Frauen und Männern innerhalb der Kirche zu fördern, damit diese zu einem anthropologisch nachhaltigen Vorbild werden.

18. Trotz des zurückgelegten Weges muss man erkennen, dass noch keine ausgewogene Synthese und keine Bereinigung der aus der Vergangenheit übernommenen Schemata und Modelle erreicht worden ist. Es gibt weiter Hindernisse in den Strukturen, und es existiert immer noch etliches an Misstrauen, wenn geprüft wird, ob Frauen in der Kirche und in der konkreten Leitung des geweihten Lebens „Räume zur Mitwirkung in verschiedenen Bereichen und auf allen Ebenen eröffnet werden, auch in den Prozessen der Entscheidungsfindung, vor allem dort, wo es um sie selbst geht “.[29] Die jungen Berufungen, die hier nach vorne treten, tragen ein natürlich ausgeprägtes weibliches Bewusstsein in sich. Dieses wird leider nicht immer als Wert erkannt und angenommen. Die Kritik, mit der eine gewisse Missbilligung geäußert wird, kommt nicht nur von anderen geweihten Frauen, sondern auch von einigen Kirchenmännern, die weiter in chauvinistischen und klerikalen Klischees denken. Wir sind weit von der Botschaft der Befreiung entfernt, die wir von Christus erhalten haben und die die Kirche „prophetisch verbreiten müsste, indem sie Denk- und Verhaltensweisen fördert, die dem Willen des Herrn entsprechen“.[30] Ebenso wie der hl. Johannes Paul II. hat auch Papst Franziskus oft wiederholt: „Deshalb ist das Bestreben der Frau des geweihten Lebens gerechtfertigt, ihre Identität, ihre Fähigkeit, ihre Sendung, ihre Verantwortung sowohl im Bewusstsein der Kirche als auch im täglichen Leben klareranerkannt zu sehen“.[31]

Im Umfeld des geweihten Lebens fehlt es in der Beziehung zwischen Mann und Frau an echter Reife: Geeignete pädagogische Maßnahmen für junge Menschen sind dringend nötig, um ein gesundes Gleichgewicht zwischen Identität und Andersartigkeit zu erreichen. Ebenso sollte den Alten geholfen werden, das Positive an einer respektvollen und entspannten Beziehung zu erkennen. Wir können von einer kognitiven Dissonanz sprechen, die zwischen alten und jungen Ordensleuten existiert. Bei den einen sind die Beziehungen zu Weiblichem und Männlichem von viel Zurückhaltung oder gar von Ablehnung geprägt, bei den anderen von Offenheit, Spontanität und Natürlichkeit.

Ein weiterer erwähnenswerter Aspekt ist die Schwäche, die man im Innern der Institute in Bezug auf diesen anthropologisch-kulturellen Prozess einer tatsächlichen Integration der weiblichen und männlichen Sensibilität und ihrer wechselseitigen Komplementarität feststellt. Der hl. Johannes Paul II. hat den Wunsch der geweihten Frauen nach „Räumen zur Mitwirkung in verschiedenen Bereichen und auf allen Ebenen“[32] als berechtigt anerkannt. De facto sind wir in der Praxis jedoch noch weit davon entfernt. Und man riskiert, die Kirche selbst massiv ärmer zu machen, wie Papst Franziskus gesagt hat: „Schränken wir den Einsatz der Frauen in der Kirche nicht ein, sondern fördern wir ihre aktive Rolle in der kirchlichen Gemeinschaft. Wenn die Kirche die Frauen verliert, in ihrer totalen und realen Dimension, riskiert sie, unfruchtbar zu werden.“[33]

Dienst der Autorität

19. Die Autorität ist von der derzeitigen Krise innerhalb des geweihten Lebens nicht ausgenommen. Bei einer ersten Analyse bestimmter Situationen zeigt sich noch die Tendenz zu einer auf die Leitungsspitze konzentrierten Zentralisierung in der Ausübung der Autorität auf lokaler Ebene und auch weiter oben,wobei die erforderliche Subsidiarität umgangen wird. In einigen Fällen könnte es verdächtig wirken, dass manche Oberen darauf bestehen, ihre Autorität sei an ihre Person gebunden. Dies kann so weit gehen, dass die Zusammenarbeit mit den Räten in der Überzeugung, (unabhängig) nach dem eigenen Gewissen zu handeln, sozusagen vereitelt wird. Das Resultat ist eine schwache oder wirkungslose Mitverantwortung in der Leitungspraxis oder im Einzelfall, dass nicht entsprechend delegiert wird. Die Leitung darf sich sicherlich nicht in der Hand einer einzigen Person konzentrieren, denn so werden kirchenrechtliche Verbote umgangen.[34] In verschiedenen Instituten gibt es immer noch Oberinnen und Oberen, die Entscheidungen des Kapitels nicht gebührend berücksichtigen.

In vielen Fällen überlagern sich General-, Provinz- und Ortsebene, weil die Eigenständigkeit der jeweiligen Ebene nach dem Subsidiaritätsprinzip nicht gewährleistet ist. So wird Mitverantwortung, die Raum für richtige Eigenständigkeit zulässt, nicht gefördert. Es gibt auch das Phänomen, das Obere nur darauf bedacht sind, den Status quo beizubehalten, weil „es immer so gemacht wurde“. Der Aufruf von Papst Franziskus „wagemutig und kreativ zu sein [...], die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Methoden zu überdenken“[35] gilt genauso für die Organe und die Leitungspraxis.

20. In Anbetracht solch schwerwiegender Fragen sind von der Autorität vorab gebildete Mehrheiten sicher keine kluge Praxis, wenn dabei Überzeugungen und Meinungen, eine korrekte und ehrliche Unterrichtung und die Klärung von Einwänden vernachlässigt werden. Noch weniger akzeptabel ist eine Leitungspraxis, die auf der Logik verschiedener Lager aufbaut oder sogar auf Vorteilen basiert, die die charismatische Gemeinschaft der Institute zerstören und sich negativ auf das Zugehörigkeitsgefühl auswirken. Der hl. Johannes Paul II. hat unermüdlich an die alte Weisheit der monastischen Tradition „,Der Herr offenbart oft einem Jüngeren, was das Bessere istʻ (Regula Benedicti, III, 3). erinnert, die in der konkreten Verwirklichung der Spiritualität der Gemeinschaft zur Anwendung kommt und die tatsächliche Mitbeteiligung aller fördert und gewährleistet“.[36]

Keine Autorität – selbst wenn sie der Gründer ist – darf meinen, die ausschließliche Deutungshoheit in Bezug auf das Charisma zu besitzen und annehmen, sich den Vorschriften des universalen Kirchenrechts entziehen zu dürfen. Diese Verhaltensweisen können bei den anderen Mitgliedern der Kirche,[37] der Ordensfamilie oder der Bezugsgemeinde Misstrauen wecken und zum Ausdruck bringen.

In den letzten Jahren kam es insbesondere bei den in letzter Zeit gegründeten Instituten immer wieder zu Vorfällen und Situationen, in denen die Freiheit und Würde der Personen manipuliert wurde. Diese wurden nicht nur in eine totale Abhängigkeit gezwungen, wodurch sie in ihrer Würde und sogar in ihren grundlegenden Menschenrechten beschnitten wurden, sondern sie wurden verschiedentlich hintergangen und unter dem Vorwand der Treue zu den Plänen Gottes durch das Charisma sogar dazu veranlasst, sich so weit zu unterwerfen, dass auch die Sphäre der Moral und selbst der sexuellen Intimität betroffen war. Zur großen Empörung aller, als die Fakten ans Licht kamen.

21. Im täglichen Dienst der Autorität lässt sich vermeiden, dass jemand ständig im normalen Tagesablauf um Erlaubnis fragen muss. Wer Macht ausübt, darf nicht zu infantilen Einstellungen ermutigen, die zu verantwortungsfreiem Verhalten führen können. Eine solche Linie wird Menschen wohl kaum zur Reife führen.

Leider muss man erkennen, dass solche Situationen häufiger vorkommen, als man zu akzeptieren und zu melden bereit ist. Besonders deutlich ist dies bei den Fraueninstituten. Dies ist scheinbar einer der Gründe für die zahlreichen Austritte. Für einige ist dies die einzige Antwort auf eine Situation, die nicht mehr zu ertragen ist. Jedes Austrittsgesuch sollte eine Gelegenheit sein, sich ernsthaft mit der Verantwortung der gesamten Gemeinschaft und insbesondere der Oberen auseinanderzusetzen. Es muss klar gesagt werden, dass autoritäres Verhalten der Lebendigkeit und Treue der geweihten Personen schadet! Der Kodex bekräftigt mutig: „Das jedem Institut eigene brüderliche Leben [...] soll so geregelt werden, dass es durch gegenseitige Unterstützung allen dazu verhilft, ihre persönliche Berufung zu erfüllen.“[38]

Wer daher sein Amt ausübt, ohne dem anderen geduldig zuzuhören und ihn verständnisvoll anzunehmen, bringt sich in eine Lage, in der er wenig Ansehen bei seinen Mitbrüdern und Mitschwestern genießt. So muss „die Autorität des Ordensobern vom Geiste Christi gekennzeichnet sein, der nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen“.[39] Diese Haltung orientiert sich an Jesus, der die Füße seiner Apostel wäscht, damit sie an seinem Leben und seiner Liebe teilhaben.[40]

Beziehungsmodelle

22. Zu den neuen Schläuchen, von denen Jesus im Evangelium spricht, wurde kommentiert, dass die Schläuche nicht automatisch ersetzt werden, sondern dass dafür Engagement, Geschick und die Bereitschaft zur Veränderung erforderlich sind. Damit dies geschieht, muss man großzügig dazu bereit sein, auf jede Form von Privileg zu verzichten. Es wird darauf hingewiesen, dass niemand, und schon gar nicht, wer Autorität besitzt, meinen darf, von dem Verzicht auf bisweilen überholte und schädliche Schemata ausgenommen zu sein. Keine Veränderung ist möglich, ohne auf veraltete Schemen zu verzichten,[41] denn nur so können sich neue Horizonte und Leitungsmöglichkeiten im Gemeinschaftsleben, in der Verwaltung der Güter und in der Mission eröffnen. Auf keinen Fall darf man in einer Haltung verharren, die mehr dem Erhalt dient als einer authentischen Neuqualifizierung des Stils und der Einstellungen.

Ein vielsagendes Indiz für diesen Stillstand sind der Fortbestand der Entscheidungsbefugnis auf der zentralen Ebene und der seltene Wechsel an der Spitze der Gemeinschaften und Institute.

Mit evangeliumsgetreuer Parrhesie müssen wir uns dessen bewusst sein, dass in einigen Frauenkongregationen Ämter immerfort besetzt bleiben. Einige Personen bleiben, wenn auch in unterschiedlichen Funktionen, zu viele Jahre in der Leitung. Es wäre angebracht, durch spezielle allgemeine Vorschriften dafür zu sorgen, dass die mittel- und langfristigen Auswirkungen der verbreiteten Praxis der Kooptation von Mitgliedern der vorherigen allgemeinen Leitungen in verantwortungsvolle Ämter gemildert werden. Mit anderen Worten Vorschriften, die eine Beibehaltung der Ämter nach Ablauf der kirchenrechtlichen Fristen verhindern, ohne dass dabei auf Methoden zurückgegriffen werden kann, die in der Realität genau das umgehen, was die Vorschriften zu verhindern versuchen.

23. Ein weiterer Punkt, den wir nicht verbergen dürfen, ist die zunehmende Klerikalisierung des geweihten Lebens in den letzten Jahrzehnten. Eines der deutlichsten Phänomene ist die Krise der Mitgliedszahlen in den Laienorden.[42]

Ein weiteres Phänomen sind die Presbyter in den Orden, die fast ausschließlich dem Leben der Diözese und weniger dem der Gemeinschaft ergeben sind, die dadurch geschwächt zurückbleibt.

Die theologische und ekklesiologische Reflexion über die Rolle und Funktion der Presbyter in den Orden bleibt offen, insbesondere wenn sie einen Seelsorgedienst wahrnehmen. Ebenso müsste man sich mit dem Phänomen der Priester in den Orden auseinandersetzen, die vom Bischof ohne die entsprechende Klärung und die nötigen Feststellungen wohlwollend in eine Diözese aufgenommen werden. Umgekehrt muss ebenfalls darüber gewacht werden, wie leicht einige Ordensinstitute ohne entsprechende Klärung Seminaristen aufnehmen, die aus den Seminaren der Diözese oder anderen Instituten entlassen wurden.[43]

Diese drei Punkte dürfen auch deshalb keineswegs unbeachtet bleiben, weil größere Probleme für die Betroffenen und die Gemeinschaften vermieden werden müssen.

24. Gehorsam und Dienst der Autorität bleiben höchst sensible Fragestellungen, denn auch die Kulturen und Modelle haben tiefgreifende, ungeahnte Veränderungen erfahren, die in gewisser Hinsicht zumindest auf einige vielleicht sogar befremdlich wirken. In unserem Lebensumfeld sind die Begriffe Oberer und Untergebener nicht mehr angemessen. Was in einem pyramidenförmigen, autoritären Beziehungsumfeld noch funktioniert hat, ist so, wie wir uns heute gemeinschaftlich als Kirche empfinden und verstehen, nicht mehr wünschenswert bzw. menschengerecht. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass echter Gehorsam nicht umhin kann, sowohl den Gehorsam der Autorität als auch den des Gehorchenden gegenüber Gott an die erste Stelle zu stellen, so wie er nicht ohne einen Verweis auf den Gehorsam Jesu auskommt, einen Gehorsam, der den Ruf der Liebe Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46) und das Schweigen der Liebe des Vaters umfasst.

Papst Franziskus lädt eindringlich dazu ein: „Die Christen aller Gemeinschaften der Welt möchte ich besonders um ein Zeugnis brüderlichen Miteinanders bitten, das anziehend und erhellend wird. Damit alle bewundern können, wie ihr euch umeinander kümmert, wie ihr euch gegenseitig ermutigt und wie ihr einander begleitet.“[44]

Wahrer Gehorsam schließt also nicht aus, sondern er fordert sogar, dass jeder seine in der Erkenntnis gereifte eigene Überzeugung äußern darf, auch wenn besagte Überzeugung nicht mit dem übereinstimmt, was der Obere verlangt. Wenn sich dann ein Bruder oder eine Schwester im Namen der Gemeinschaft spontan zum Gehorsam entschließen, auch wenn sie etwas Besseres sehen, dann wird caritativer Gehorsam[45] praktiziert.

Es ist ein weit verbreiteter Eindruck, dass es im Verhältnis zwischen Oberem und Untergebenem nicht selten an jener Brüderlichkeit fehlt, die dem Evangelium zugrunde liegt. So wird der Institution mehr Bedeutung zugemessen als den Menschen, aus denen sie besteht. Diese Kongregation kann aus Erfahrung sagen, dass es kein Zufall ist, dass zu den Hauptgründen für den Austritt eine Schwächung der Glaubensvision, Konflikte im brüderlichen Leben und ein menschlich schwaches Leben der Brüderlichkeit zählen.

Der Führungsstil der Gemeinschaft durch die Oberen wird ja im Kodex gut beschrieben und setzt das um, was Perfectae caritatis dazu sagt: „Die Oberen haben [...] ihre Untergebenen wie Söhne Gottes zu leiten und mit Achtung vor der menschlichen Person deren freiwilligen Gehorsam zu fördern [...] und sollen sich darum bemühen, eine brüderliche Gemeinschaft in Christus aufzubauen, in der Gott vor allem gesucht und geliebt wird.“[46]

25.Besondere Bedeutung und Berücksichtigung verdient das Verhältnis zwischen dem Oberen und dem Gründer bei Neugründungen. Zwar müssen wir dem Heiligen Geist für so viele Charismen danken, die das kirchliche Leben lebendig machen, doch können wir nicht unsere Ratlosigkeit in Anbetracht von Einstellungen verhehlen, bei denen man häufig auf ein eingeschränktes Verständnis von Gehorsam stößt, das gefährlich werden kann. In einigen Fällen wird nicht die Mitwirkung in „aktivem und verantwortlichem Gehorsam“[47] gefördert, sondern eine kindliche Unterwerfung und skrupulöse Abhängigkeit. Auf diese Weise kann die Würde der Person bis zur Erniedrigung hin verletzt werden.

Bei solch neuen Erfahrungen oder in anderen Zusammenhängen wird die Unterscheidung zwischen externem und internem Kreis[48] nicht immer richtig berücksichtigt und angemessen respektiert. Wird diese Unterscheidung sichergestellt, werden eine unrechtmäßige Einmischung und somit Situationen verhindert, in denen mangelnde innere Freiheit und psychologische Abhängigkeit entstehen, die Anlass für eine Art Gewissenskontrolle sein könnten. In diesen wie in anderen Fällen geht es darum, die Mitglieder nicht zu übermäßiger Abhängigkeit zu verleiten, die Formen der Hörigkeit bis hin zur psychischen Gewalt auslösen kann. In diesem Bereich erweist es sich außerdem als notwendig, die Figur des Oberen von der des Gründers zu trennen.

26. Ein nivelliertes Gemeinschaftsleben, das keinen Raum für Echtheit, Verantwortungsgefühl und herzliche brüderliche Beziehungen zulässt, führt zu einem dürftigen Miteinander im realen Leben. Die Kompromittierung dieser Beziehungen tritt deutlich zutage in der konkreten Art und Weise, die Gütergemeinschaft nach dem Evangelium zu leben, wodurch sich die brüderlichen Beziehungen ändern. Papst Franziskus warnt: „Die Finanzkrise, die wir durchmachen, lässt uns vergessen, dass an ihrem Ursprung eine tiefe anthropologische Krise steht: die Leugnung des Vorrangs des Menschen!“[49]

Das geweihte Leben war in seiner langen Geschichte immer dann dazu fähig, sich prophetisch zu widersetzen, wenn die wirtschaftliche Macht die Menschen und insbesondere die Ärmsten zu erniedrigen drohte. In der heutigen weltweiten Finanzkrise, auf die Papst Franziskus immer wieder hinweist, sind die Geweihten dazu aufgerufen, wahrhaft treu und kreativ zu sein, um die Prophezeiung des gemeinsamen Lebens im Inneren und die Solidarität nach außen besonders gegenüber den Armen und den Schwächsten nicht zu vernachlässigen.

Aus der Hauswirtschaft sind Verwaltungs- und Steuerungsprozesse geworden, die sich sozusagen unserer Kontrolle entziehen, die aufzeigen, wie unsicher, und mehr noch, wie schlecht wir vorbereitet sind. Wir müssen uns endlich wieder auf wirtschaftliche und finanzielle Transparenz konzentrieren. Dies ist der erste Schritt, um den echten Sinn der realen Gütergemeinschaft innerhalb der Gemeinschaften wiederherzustellen und diesen Besitz konkret mit denen, die an unserer Seite leben, zu teilen. 27. In den Gemeinschaften soll die Verteilung der Güter immer gerecht und in gemeinsamer Verantwortung erfolgen. In manchen Fällen trifft man auf Systeme, die man fast als Verrat an den unverzichtbaren Grundfesten des Lebens in Brüderlichkeit bezeichnen könnte, während doch gilt: „Wer die Autorität ausübt, ist angehalten, die Würde der Person zu fördern“.[50] Man darf keinen Führungsstil akzeptieren, bei dem die wirtschaftliche Eigenständigkeit der einen der Abhängigkeit der anderen gegenüber steht, denn dadurch werden das beiderseitige Zugehörigkeitsgefühl und die Sicherstellung von Gerechtigkeit untergraben, selbst wenn die Unterschiedlichkeit der Rollen und Dienste anerkannt wird.

Die Regel über den Lebensstil der geweihten Frauen und Männer entbindet nicht von einer ernsthaften und besonnenen Einschätzung der Armut des Instituts als Bewertung, Maßnahme und bedeutsames Zeugnis in der Kirche und im Volk Gottes.

28. Die geweihten Frauen und Männer, die in der Anerkennung verwurzelt sind, dass das Sein über dem Haben steht und die Ethik über der Wirtschaft, müssten als Seele ihres Handelns eine Ethik der Solidarität und des Teilens vertreten und vermeiden, dass die Verwaltung der Mittel ausschließlich in der Hand einiger weniger liegt.

Die Institutsleitungen sind kein geschlossener Kreis, andernfalls drücken sie nicht die Summe der Ekklesialität aus. Der Besitz der Institute ist Kirchenbesitz und trägt nach der Art des Evangeliums zu eben jenen Zielen der Förderung des Menschen, der Sendung und des karitativen und solidarischen Teilens mit dem Volk Gottes bei: Besonders das Bemühen und die Sorge um die Armen können, wenn sie als gemeinsame Verpflichtung gelebt werden, dem Institut neue Lebenskraft schenken.

Diese Solidarität, die sicherlich innerhalb aller Institute und Bruderschaften gelebt wird, muss auch auf andere Institute ausgedehnt werden. In dem Apostolischen Schreiben an alle Geweihten lädt Papst Franziskus zur „Gemeinschaft zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Institute“[51] ein. Warum sollte man nicht auch an eine effektive Gemeinschaft im wirtschaftlichen Bereich gerade mit jenen Instituten denken, die Notsituationen erleben, und seine Mittel gemeinsam einbringen?[52] Dies wäre ein schönes Zeugnis für Gemeinschaft innerhalb des geweihten Lebens, ein prophetisches Zeichen in dieser unserer Gesellschaft, die beherrscht ist von einer „neuen Tyrannei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und ihre Regeln aufzwingt“,[53] einer Tyrannei der Macht und des Besitzes, die „keine Grenzen kennt“.[54]

III. Neue Schläuche bereiten

29. Jesus hat seine Jünger viele Male davor gewarnt, sich dazu verleiten zu lassen, die Neuheit der Evangeliumsverkündigung auf die alten Gewohnheiten zurückzuführen, da so die Gefahr besteht, dass sie auf ein Ethos der reinen Wiederholung reduziert wird. Zusammen mit dem Gleichnis vom jungen Wein, der in neue Schläuche gefüllt wird, sind wir dazu aufgerufen, uns von der Logik der Seligpreisungen leiten zu lassen. Die Bergpredigt ist die Magna Charta für den Weg eines jeden Jüngers und Schülers: Ihr habt gehört, dass gesagt wurde [...] Ich aber sage euch (vgl. Mt 5,21.27.33.38.43). Wenn dies die Richtung ist, in die man gehen soll, so warnt uns der Herr auch vor jeder Gefahr einer Rückkehr zum Legalismus: Hütet euch vor ... (Mk 8,15; Mt 16,11; Lk 12,15).

Alle Worte und Gesten Jesu drängen beständig dazu, sich für die Neuheit des Reiches endlos zu öffnen. Der erste Schritt dieser Öffnung ist das Erkennen und die Ablehnung all dessen, was im Widerspruch zu den Grundwerten der Gottestreue steht, die sich in der Bereitschaft zum Dienst manifestiert: Bei euch aber soll es nicht so sein (vgl. Mk 10,43). Das Leben Jesu Christi ist die Geschichte einer neuen Praxis, in der das neue Leben seiner Jünger verwurzelt ist, die dazu aufgerufen sind, empfänglich für die neuen Denkweisen und neuen Prioritäten des Evangeliums zu sein.

Treue im Heiligen Geist

30. Die Auseinandersetzung mit den noch offenen Herausforderungen aus dem ersten Teil dieser Leitlinien muss uns gemäß dem Evangelium zu dieser Schwelle führen, an der wir bereitwillig die problematischen Punkte erkennen, um neue Pfade der Hoffnung für alle zu eröffnen. Hier kann analog das gelten, was Papst Franziskus empfiehlt: „Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des ,Es wurde immer so gemachtʻ aufzugeben. Ich lade alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs-Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken.“[55]

Es geht also darum, neue Wege zur Authentizität eines charismatischen Zeugnisses des geweihten Lebens nach dem Evangelium zu entdecken, diese zu erkennen und dann die notwendigen Prozesse der Reinigung und Heilung vom Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit (vgl. 1 Kor 5,8) einzuleiten. In diesem fesselnden und anspruchsvollen Prozess sind Spannungen und Leid unvermeidlich und können ein Zeichen dafür sein, dass etwas Neues im Entstehen ist. In Wirklichkeit stehen wir bereits an der Schwelle neuer Synthesen, die in unserem Herzen mit unaussprechlichen Seufzern (vgl. Röm 8,23.26) und mit geduldigem Praktizieren der karitativen Treue[56] entstehen.

31. Papst Franziskusʼ tägliche Ermahnungen zu freudiger Evangelizität ohne Heuchelei spornen zu einer Vereinfachung an, die den Glauben der Einfachen und den Wagemut der Heiligen wiederentdecken soll. Die Ursprünglichkeit des Evangeliums (Mk 10,43), dessen Fleisch gewordene Prophezeiung das geweihte Leben sein will, erfolgt über konkrete Einstellungen und Entscheidungen: den Vorrang des Dienens (Mk 10,43–45), den beständigen Weg zu den Armen und die Solidarität mit den Kleinsten (Lk 9,48); die Förderung der Würde des Einzelnen, egal, in welcher Situation er lebt und leidet (Mt 25,40); die Subsidiarität als Übung des gegenseitigen Vertrauens und großzügigen Mitwirkens aller und mit allen.

32. Um auf die Rufe des Geistes und die Provokationen der Geschichte antworten zu können, sollte daran erinnert werden, dass „das geweihte Leben als entscheidendes Element für die Sendung der Kirche in deren Herz und Mitte steht, da es ,das innerste Wesen der christlichen Berufung offenbartʻ und ,das Streben der ganzen Kirche als Braut nach der Vereinigung mit dem einen Bräutigam zum Ausdruck bringtʻ.“[57] Durch das Zeichenhafte, welches das geweihte Leben auf dem historischen Weg des Volkes Gottes prägt, erhält es einen privilegierten Platz in der Linie der evangelischen Prophezeiung. Diese prophetische Linie ist Zeichen und Ergebnis seiner charismatischen Natur, durch die es zur Erfindungsgabe und Ursprünglichkeit befähigt wird. Dies erfordert, beständig für die vom Heiligen Geist gesandten Zeichen bereit zu sein und sogar das Säuseln zu hören (vgl. 1 Kön 19,12). Nur durch diese Haltung können die geheimnisvollen Wege (vgl. Joh 3,8) der Gnade erkannt werden, bis neue Hoffnung in der Fruchtbarkeit des Wortes (vgl. Joh 4,35) erwacht.

33. Die Identität stellt sich in ihrer gesamten Tragweite nicht als unbewegliche, theoretische Tatsache dar, sondern als gemeinsam erlebter Wachstumsprozess. Generationengefälle, Inkulturation und Multi- und Interkulturalität, die die Institute des geweihten Lebens immer mehr zu Orten der Mühe machen, können zu einer Herausforderung für einen echten gemeinschaftlichen Dialog in der Warmherzigkeit und Liebe Christi werden. Nur so fühlt ein jeder sich in das gemeinschaftliche Projekt einbezogen und für dieses verantwortlich, so „dass es durch gegenseitige Unterstützung allen dazu verhilft, ihre persönliche Berufung zu erfüllen“.[58]

Diese Bedürfnisse erfordern eine Änderung der Strukturen, damit diese allen eine Stütze sind, in einem erneuerten Vertrauen, das dynamische brüderliche Treue neu entfacht.

Ausbildungsmodelle und Ausbildung der Ausbilder

34. Der Ausbildungsbereich hat sich in den letzten Jahren im Hinblick auf Methodik, Sprachgebrauch, Dynamik, Werte, Ziele und Abschnitte grundlegend verändert. Papst Franziskus betont dazu: „Man muss immer im Volk Gottes denken, in dieses hinein. [...] Nicht Verwalter und Geschäftsführer müssen wir ausbilden, sondern Väter, Brüder und Weggefährten“,[59] und weiter: „Ausbildung ist eine handwerkliche und keine polizeiliche Tätigkeit“.[60]

Die Verabschiedung einer eigenen Ratio formationis hat einen großen Teil der Institute dazu verpflichtet, auf die neuen Erfordernisse zu reagieren. Dennoch sind erhebliche Unterschiede in Sprache, Qualität und mystagogischer Gelehrsamkeit festzustellen. Obwohl noch druckfrisch, sollten diese im Übrigen voneinander abgeschriebenen Anleitungen überarbeitet werden, weil die Frage der Ausbildung ein grundlegender Aspekt für die Zukunft des geweihten Lebens ist.

35. Vor allem für die Weiterbildung muss speziell Sorge getragen werden, wie der Papst in dem bekannten Dialog mit den Generaloberen unterstrichen hat.

a) Die Weiterbildung muss an der kirchlichen Identität des geweihten Lebens ausgerichtet werden. Es geht nicht nur um Weiterbildung im Hinblick auf neue theologische Ansätze, neue Kirchenvorschriften oder neue Studien über die eigene Geschichte und das Charisma des Instituts. Die Aufgabe besteht darin, den eigenen Platz in der Kirche im Dienste der Menschheit zu festigen bzw. oft auch wiederzufinden. Häufig fällt dies zusammen mit der klassischen zweiten Umkehr, die in entscheidenden Momenten des Lebens wie der Lebensmitte, in Krisensituationen oder auch beim Rückzug aus dem Erwerbsleben aufgrund von Krankheit oder Alter nötig wird.[61]

b) Wir alle sind überzeugt, dass man sich ein Leben lang weiterbilden muss. Dennoch müssen wir einräumen, dass es noch keine Weiterbildungskultur gibt. Dieses Defizit ist das Ergebnis einer eingeschränkten und oberflächlichen Sicht von Weiterbildung mit der Konsequenz, dass man sich ihrer Bedeutung nur wenig bewusst ist und der Einzelne kaum einbezogen wird. In der pädagogischen Praxis haben wir noch keine konkreten Wege auf der individuellen und gemeinschaftlichen Ebene gefunden, wodurch sie zu einem echten Weg der Weiterentwicklung in kreativer Treue mit nennenswert nachhaltigen Auswirkungen auf das konkrete Leben würde.

c) Insbesondere setzt sich nur mühsam der Gedanke durch, dass es sich nur dann um wirkliche Weiterbildung handelt, wenn diese planmäßig im Alltag verankert ist. Es besteht immer noch eine schwache bzw. soziologische Interpretation von Weiterbildung, die an eine einfache Fortbildungspflicht gebunden ist oder an die eventuelle Forderung nach einem geistlichen Aufschwung und nicht an eine beständige Haltung des Zuhörens und gemeinsamen Erlebens von Rufen, Problemstellungen und Horizonten. Jeder ist dazu aufgerufen, sich vom Leben und von der Geschichte, von dem, was verkündet und zelebriert wird, von den Armen und Ausgeschlossenen, von den Nahen und Fernen berühren, bilden, provozieren und erleuchten zu lassen.

d) Außerdem muss die Rolle der anfänglichen Ausbildung geklärt werden. Sie darf sich nicht damit begnügen, zu Fügsamkeit, gesunden Gebräuchen und Traditionen in einer Gruppe zu erziehen, sondern muss den jungen geweihten Menschen wahrhaftig docibilis machen. Das bedeutet, ein Herz zu formen, das frei ist, um aus der Geschichte des Alltags für das gesamte Leben im Stile Christi zu lernen, um sich in den Dienst aller zu stellen.

e) Bei diesem Thema ist es vor allem unerlässlich, sich Gedanken über die strukturell-institutionelle Dimension der Fortbildung zu machen. So wie seinerzeit nach dem Konzil von Trient Seminare und Noviziate für die Grundausbildung eingerichtet wurden, sind wir heute dazu aufgerufen, Formen und Strukturen zur Unterstützung der Geweihten auf ihrem Weg zu schaffen, damit diese sich so ausrichten können, wie es dem Sohn Gottes entspricht (vgl. Phil 2,5). Dies wäre ein äußerst vielsagendes institutionelles Zeichen.

36. Die Oberen sind dazu aufgerufen, den Geweihten bei allen Problemen beizustehen, mit denen diese auf ihrem Weg auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene konfrontiert sind. Es ist die besondere Aufgabe der Oberen, diejenigen, die in der Aus- bildung stehen oder aus unterschiedlichen Gründen in diese zurückkehren, in einem ehrlichen und konstruktiven Dialog zu begleiten. Die zu Tage getretenen Schwierigkeiten machen die Förderung eines brüderlichen Lebens nötig, in dem Gleichgewicht herrscht zwischen menschlichen und evangelischen Elementen, damit jeder sich mitverantwortlich fühlt und gleichzeitig als un verzichtbar erkannt wird, Brüderlichkeit zu schaffen. Denn Brüderlichkeit ist der Ort einer herausragenden Weiterbildung.

37. Auf neue Professionalität muss auch in der Ausbildung von Ausbildern im multikulturellen Kontext angemessen hingewirkt werden. „Gute Strukturen helfen, aber sie reichen allein nicht aus.“[62] Provinzübergreifende oder internationale Strukturen für die Ausbildung der Kandidaten bringen die feste Einbindung von Ausbildern und Ausbilderinnen mit sich, die tatsächlich davon überzeugt sind, dass „das Christentum nicht über ein einziges kulturelles Modell verfügt, sondern dass ,es voll seine eigene Identität in totaler Treue zur Verkündigung des Evangeliums und zur Tradition der Kirche bewahrt und auch das Angesicht der vielen Kulturen und Völker trägt, in die es hineingegeben und verwurzelt wirdʻ“.[63] Dies beinhaltet die Fähigkeit und Demut, ein kulturelles System nicht von oben aufzuerlegen, sondern jede Kultur mit dem Samen des Evangeliums und ihrer eigenen charismatischen Tradition zu befruchten und dabei sorgfältig die „selbstgefällige Sakralisierung der eigenen Kultur“[64] zu vermeiden.

Eine Synergie aus neuem Wissen und Kompetenzen kann in der Ausbildungsbegleitung in speziellen multikulturellen Kontexten vorteilhaft sein, damit Formen der Assimilierung oder Vereinheitlichung überwunden werden, die dann langfristig – auf dem Ausbildungsweg und auch danach – wieder zum Vorschein kommen und Probleme auslösen, die sich negativ auf das Zugehörigkeitsgefühl zu dem Institut und das Durchhalten in der Berufung für die Nachfolge Christi auswirken.

Zu einer Relationalität im Sinne des Evangeliums

Gegenseitigkeit und multikulturelle Prozesse

38. Über das geweihte Leben der Frauen nachzudenken bedeutet, sich unter Berücksichtigung der Komplexität unserer Zeit konkret mit den Institutionen und den geweihten Frauen als einzelnen wie auch als Gemeinschaft auseinanderzusetzen. Hier ist zur Kenntnis zu nehmen, dass das Lehramt in den letzten Jahren insbesondere mit Mulieris dignitatem (1988) eine respektvolle Sichtweise der kulturellen und kirchlichen Prozesse in Bezug auf die weibliche Identität angemahnt und vertreten hat, die sich deutlich (oder manchmal latent) auf das Erleben der Institute auswirkt.

Die kulturellen Unterschiedlichkeiten verpflichten insbesondere zu einem zweigleisigen Weg der Verwurzelung in dem eigenen besonderen kulturellen Sein und in der Fähigkeit, dessen Grenzen dann immer weiter im Sinne des Evangeliums zu überschreiten. Mit der Profess entscheiden sich die Geweihten für ein Leben in Mediation zwischen ihrer besonderen kulturellen Prägung und ihrem Streben nach einem evangeliumsgemäßen Leben, die ihren Horizont zwangsläufig erweitert und ihre Sensibilität vertieft. Diese Mediationsfunktion muss dringend erforscht werden, ohne sie den Partikularismen der kulturellen Vielfalt unterzuordnen.

In dieser Hinsicht erscheint es eindeutig notwendig, die Theologie des geweihten Lebens in ihren Grundaspekten nochmals zu überdenken und die Gesuche aus den Kreisen der Frauen zu erhören und mit denen der Männer zu verbinden. Der Akzent auf dem Besonderen darf nicht die Zugehörigkeit zur gemeinsamen Menschheit überlagern. Interdisziplinäre Ansätze sollten daher nicht nur in den Bereich der Theologie wiedereingebracht werden, sondern auch in die Humanwissenschaften mit ihren zahlreichen Ausprägungen.

39. Insbesondere sollte man sich unbedingt gezielt mit der übereilten Internationalisierung befassen, die in letzter Zeit vor allem in den Fraueninstituten mittels improvisierter Lösungen erfolgt ist, ohne besonnen Schritt für Schritt vorzugehen. Hier ist zur Kenntnis zu nehmen, dass die geographische Erweiterung ohne eine angemessene Überprüfung der Stile und Strukturen, Denkschemata und kulturellen Kenntnisse erfolgt ist, die eine echte Inkulturation und Integration ermöglichen sollen. Insbesondere betrifft diese fehlende Erneuerung die Aufwertung der Art und Weise, sich in Kirche und Gesellschaft als Frau zu fühlen, wie auch das päpstliche Lehramt es aufgezeigt hat. Das gering ausgebildete Bewusstsein dafür oder gar die Verdrängung der Frauenfrage wirken sich negativ auf die heutigen Frauengenerationen aus und schaden ihnen sehr. Vielen Frauen, die sich einem Institut anvertraut haben, um in die Nachfolge Christi eingeführt und für diese ausgebildet zu werden, fühlen sich nämlich verpflichtet, Verhaltensmodelle zu übernehmen, die vor allem im Hinblick auf die Rollen veraltet sind und mehr an „Knechtschaft“ als an einen Dienst in Freiheit im Sinne des Evangeliums erinnern.

40. Die Internationalisierungsprozesse müssten alle Institute (Männer- und Frauenorden) dazu verpflichten, zu sogenannten Versuchsräumen zu werden, in denen unterschiedliche Empfindungsweisen und Kulturen solidarisch aufgenommen werden und eine Kraft und Bedeutung gewinnen können, die man woanders nicht kennt und die daher im höchsten Sinne prophetisch ist. Dieses solidarische Aufnehmen baut man durch einen echten Dialog zwischen den Kulturen auf, damit alle sich zum Evangelium bekehren können, ohne auf die eigenen Besonderheiten verzichten zu müssen. Ziel des geweihten Lebens soll es nicht sein, sich als dauerhafter Zustand in den unterschiedlichen Kulturen zu halten, die man antrifft, sondern die Umkehr im Sinne des Evangeliums dauerhaft im Herzen des fortschreitenden Aufbaus einer interkulturellen menschlichen Realität zu halten.

Zuweilen droht eine schwache, kulturell nicht angepasste anthropologisch-spirituelle Sicht der weiblichen Identität die Lebendigkeit der sodales in den Instituten des geweihten Lebens auszulöschen oder zu verletzen. Hier muss noch viel getan werden, um Gemeinschaftsmodelle zu fördern, die zur weiblichen Identität der Geweihten passen. Dafür müssen die Beziehungsstrukturen in der Auseinandersetzung und im schwesterlichen Verhältnis zwischen Oberin und Schwestern gestärkt werden. Keine Schwester darf in die Untertänigkeit verbannt werden, was man leider häufig antrifft. Ein solcher Zustand begünstigt gefährliche infantile Verhaltensweisen und könnte den allgemeinen Reifungsprozess der Betreffenden behindern.

Es soll darüber gewacht werden, dass das Gefälle zwischen den Geweihten, die (auf verschiedenen Ebenen) in Autorität dienen oder für die Verwaltung des Besitzes (auf verschiedenen Ebenen) zuständig sind, und den ihnen unterstehenden Schwestern durch das Anderssein und den Autoritarismus nicht zum Quell für Leid wird. Dies geschieht, wenn erstere Reife und Projekte entwickeln, während letztere selbst von den elementarsten Entscheidungsformen und der Entwicklung ihrer persönlichen und gemeinschaftlichen Ressourcen ausgeklammert werden.

Dienst der Autorität

41. In der seit dem Konzil ausgearbeiteten umfassenden Sicht auf das geweihte Leben steht nun nicht mehr die zentrale Rolle der Autorität im Mittelpunkt, sondern die Dynamik der Brüderlichkeit. Daher kann die Autorität nur im Dienste der Gemeinschaft stehen, als echtes Amt, das die Brüder und Schwestern hin zu einer bewussten und verantwortungsvollen Treue begleitet.

In der Tat sind die Auseinandersetzung zwischen Brüdern oder Schwestern und das Erhören des Einzelnen unabdingbar für einen Dienst der Autorität, der dem Evangelium entspricht. Der Einsatz von Managementtechniken oder die spiritualisierende und paternalistische Anwendung von Möglichkeiten, die als Ausdruck des „Willens Gottes“ gelten, sind für ein Amt, das aufgerufen ist, sich mit den Erwartungen des anderen, der Realität des Alltags und den gemeinschaftlich gelebten und vertretenen Werten auseinanderzusetzen, zu dürftig.

Dienst der Autorität: Beziehungsmodelle

42. In der Beziehung zwischen Oberen und Untergebenen besteht die Herausforderung darin, zusammen die Verantwortung für ein gemeinsames Projekt zu tragen und dabei über die reine Ausübung des Gehorsams hinauszugehen. Dieser dient nicht etwa dem Evangelium, sondern lediglich dem Bedürfnis, die bestehende Situation beizubehalten oder auf Notstände insbesondere in der wirtschaftlichen Leitung zu reagieren.

In dieser Hinsicht können die häufig bei diesem Dikasterium eingehenden Gesuche um Bewilligung von Konstitutionen (Umschreibung und/oder Abänderung) bewertet werden, mit denen eine Neuformulierung der geltenden juristischen Terminologie in Bezug auf die Begriffe Oberer und Untergebener bewirkt werden soll. Genau dazu hatte das Konziliumsdekret Perfectae caritatis ausdrücklich aufgefordert, als es sagte: „Lebensweise, Gebet und Arbeit müssen den körperlichen und seelischen Voraussetzungen des Menschen von heute, aber auch – soweit die Eigenart des Instituts es verlangt – den Erfordernissen des Apostolats, den Ansprüchen der Kultur, der sozialen und wirtschaftlichen Umwelt entsprechen.“[65]

43. Es muss daher zu einem Dienst der Autorität ermutigt werden, der zur Zusammenarbeit und zu einer gemeinsamen Sichtweise im Stil der Brüderlichkeit aufruft. In Übereinstimmung mit dem Weg des Konzils hat das Dikasterium damals die Instruktion Der Dienst der Autoriät und der Gehorsam. Faciem tuam, Domine, requiram herausgegeben und darin anerkannt, dass „diesem Thema eine besonders eingehende Reflexion gewidmet werden muss, und zwar vor allem aufgrund der Veränderungen, denen die Institute und Gemeinschaften während der vergangenen Jahre ausgesetzt gewesen sind, aber auch in Anbetracht der Beiträge, die vom Lehramt in jüngster Zeit zur Erneuerung des geweihten Lebens geleistet wurden“.[66]

Daher kann man – mehr als 50 Jahre nach Ende des Konzils – nicht anders als besorgt darüber sein, dass in der Leitung weiterhin ein Stil und eine Praxis vorherrschen, die sich vom Geist des Dienstes entfernen oder diesem sogar so widersprechen, dass er zu einer Art Autoritarismus degeneriert.

44. Das legitime Vorrecht einer persönlichen Autorität der Oberen und Oberinnen[67] wird in einigen Fällen als private Autorität an der Grenze zu einem falsch verstandenen Geltungsdrang missverstanden, wie Papst Franziskus mahnt: „Denken wir an den Schaden, der dem Gottesvolk durch Männer und Frauen der Kirche zugefügt wird, die Karrieremacher, Emporkömmlinge sind, die das Gottesvolk, die Kirche, die Brüder und Schwestern – jene, denen sie dienen sollten – als Sprungbrett für eigene Interessen und persönlichen Ehrgeiz ,benutzenʻ. Diese fügen der Kirche jedoch großen Schaden zu.“[68] Und nicht nur das. Denn wer den Dienst der Autorität verrichtet, sollte sich davor hüten, „selbstherrlich zu glauben, alles hinge von seiner Person ab.“[69]

45. Eine selbstbezogene Autorität entzieht sich der Logik des Evangeliums, die von der Verantwortung unter Brüdern und Schwestern spricht, und untergräbt in ihnen die Gewissheiten des Glaubens, die sie leiten sollen.[70] So entsteht ein Teufelskreis, der die Glaubensvision als unmissverständliche Voraussetzung für die Anerkennung der Rolle der Oberen gefährdet. Diese Anerkennung beschränkt sich nicht darauf, die Persönlichkeit des oder der diensthabenden Amtsinhabers/-in zur Kenntnis zu nehmen, sondern geht weit darüber hinaus. Es geht darum, sich einander in Wahrheit zu vertrauen und anzuvertrauen.

Auch in Konfliktsituationen und bei Streitigkeiten löst die Anwendung von Formen des Autoritarismus eine Spirale von Unverständnis und Verletzungen aus, die innerhalb des Instituts weit über die konkreten Fälle hinaus Desorientierung und Misstrauen schüren bzw. die nahe Zukunft des Instituts gravierend belasten. Wer zum Dienst der Autorität aufgerufen ist, darf – egal, in welcher Situation – keinerlei Verantwortungsgefühl vermissen lassen, und dies verlangt zuallererst ein ausgewogenes Gespür für die eigene Verantwortung gegenüber den Brüdern und Schwestern. „All das ist dadurch möglich, dass man vertrauensvoll das Verantwortungsbewusstsein der Mitbrüder weckt, ,unter Achtung vor der menschlichen Person deren freiwilligen Gehorsamʻ fördert und auf den Dialog baut, wobei zu beachten ist, dass die Zustimmung ,im Geist des Glaubens und der Liebeʻ erfolgen muss, ,im Sinne der Nachfolge des bis zum Tode gehorsamen Christusʻ und nicht aus anderen Beweggründen.“[71]

46. „Die Oberen, die für eine bestimmte Zeit eingesetzt sind, sollen nicht allzu lange ohne Unterbrechung in Leitungsämtern verbleiben.“[72] Die Vorschrift des Kodex ist noch in der Umsetzungsphase; in der Praxis der Institute gibt es zum Teil erhebliche Variablen. Die Begründungen, die gewöhnlich für eine Verlängerung der Amtszeit über die im Eigenrecht vorgeschriebenen Fristen hinaus angeführt werden, sind im Zusammenhang mit den Notsituationen oder mangelnden Ressourcen im spezifischen Kontext der lokalen Gemeinschaften zu verstehen. Der Einfluss der eigenen Traditionen eines Instituts hat dazu beigetragen, dass sich eine gewisse Mentalität etabliert hat, die den Wechsel de facto behindert. So wird dann schließlich ein dienendes Amt zu einer Dauerposition. In dieser Hinsicht müssen die im Eigenrecht festgelegten Vorschriften, sofern sie unzulänglich sind, revidiert und, wenn sie in ihrer Ausrichtung klar sind, eingehalten werden.

Wenn man näher untersucht, weshalb der Wechsel von Oberen und Oberinnen so schleppend erfolgt, scheint man zu erkennen, dass man mehr um die Sicherstellung der Kontinuität in der Leitung der Werke besorgt ist als um das Bedürfnis der Gemeinschaften nach religiös-apostolischer Animation. Außerdem ist die Präsenz von Brüdern und Schwestern der jüngeren Generationen im Rahmen einer Beurteilung der Gemeinschaften die Bedingung für einen Generationenwechsel. Ein verzögerter Wechsel könnte als Misstrauen in ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten verstanden werden und letztlich zu einem Vakuum führen, das sich später als unüberwindbar erweisen könnte.

47. Wir alle müssen uns die Worte von Papst Franziskus zu diesem Thema in Erinnerung rufen: „Und auch im geweihten Leben lebt man die Begegnung zwischen Jung und Alt, zwischen Gesetzestreue und Prophetie. Sehen wir sie nicht als zwei gegensätzliche Realitäten! Es tut den alten Menschen gut, den jungen die Weisheit weiterzugeben; und den jungen Menschen tut es gut, diesen Schatz an Erfahrung und Weisheit aufzunehmen und weiterzutragen, nicht um ihn in einem Museum zu hüten, sondern um ihn voranzutragen, indem sie die Herausforderungen annehmen, die das Leben uns stellt, um ihn weiterzutragen zum Wohl der jeweiligen geistlichen Familie und der ganzen Kirche“.[73]

Dienst der Autorität: Kapitel und Räte

48. Im Rahmen dieser stetigen Erkenntnis- und Erneuerungsarbeit sind „die ,Kapitelʻ (oder analoge Versammlungen), sei es besondere oder Generalkapitel, von besonderer Bedeutung. Während dieser Kapitel ist jedes Institut berufen, nach den von deren Konstitutionen festgelegten Normen die Oberen oder die Oberinnen zu wählen und im Lichte des Geistes die angemessenen Bestimmungen zu treffen, um das eigene Charisma und das eigene spirituelle Erbe zu bewahren und es in den verschiedenen historischen und kulturellen Situationen auf den aktuellen Stand zu bringen“.[74] Außerdem soll das Kapitel „so gebildet werden, dass es das ganze Institut repräsentiert und ein wirkliches Zeichen seiner Einheit in Liebe wird“.[75]

Die Überlegung, wie das Kapital repräsentiert sein soll, geht von dessen ureigenem Horizont aus: der Einheit in Liebe. Die Regeln und Verfahren für die Wahl der Schwestern und Brüder in die Kapitel können – insbesondere auf der Generalebene – nicht unberücksichtigt lassen, dass sich die kulturelle Struktur und das Generationengefüge, die heute das Gesicht vieler Institute des geweihten und Gesellschaften des apostolischen Lebens prägen, verändert haben. Die multikulturelle Dimension muss in der Zusammensetzung des Kapitels gerecht und ausgewogen zum Ausdruck kommen.

49. Das Problem wird deutlich, wenn sich Regeln und Verfahren als unangemessen oder veraltet erweisen und zu Ergebnissen führen, die nicht repräsentativ sind, mit dem Risiko, dass sich in der Zusammensetzung des Kapitels unpassende kulturelle Hegemonialstrukturen oder ein eingeschränkter Generationenquerschnitt wiederfinden. Um solche Verzerrungen zu vermeiden, ist es notwendig, dass hier zunehmend mehr Schwestern und Brüder aus unterschiedlichen Kulturräumen repräsentiert sind. Es geht darum, denjenigen Vertrauen zu schenken, die in unseren Kreisen zwar als zu jung gelten, in anderen zivilgesellschaftlichen und kulturellen Kreisen jedoch auch aufgrund ihrer Fähigkeiten die Voraussetzungen für die Übernahme von Aufgaben mit erheblicher Verantwortung mitbringen würden. Die Verfahren müssten an Flexibilität gewinnen, um eine breitere und weitsichtigere Repräsentanz zu gewährleisten, damit eine erstrebens- und lebenswerte Zukunft gestaltet werden kann.

Hier stehen nicht nur gerechte Verfahren und ein intelligentes Sichfügen in die methodischen Entscheidungen auf dem Spiel, sondern es geht darum, „so klar wie möglich den Willen Christi für den Weg der Communauté zu erkennen“, wie die Regel von Taizé schreibt, und zwar im Geiste einer Suche, die von dem Wunsch geläutert ist, das Zeichen Gottes zu erkennen.

50. Der Wille eines jeden Kapitulars, sich dem Heiligen Geist zu öffnen, muss alle Entscheidungen innerhalb der Versammlung begleiten. Diese darf die Äußerung anderer Meinungen und Standpunkte nicht verschmähen, denn auch sie tragen zur Suche nach der Wahrheit bei. Auf diese Weise sind das Streben nach Einstimmigkeit und die Möglichkeit, diese zu erreichen, keine utopischen Ziele, sondern sogar ein besonders deutliches Zeichen dafür, dass man sich zuhört und gemeinsam für den Heiligen Geist bereit ist.

Es wäre unbesonnen, die Entscheidungsfindung in den privaten Horizont der Kapitulare zu verbannen, als sei das Kapitel sozusagen ein Unterfangen von Einzelgängern. Es geht darum, „mit dem Wehen des Geistes in Berührung zu kommen“, und das bedeutet, „zu hören, was Gott uns in unseren Situationen im Institut sagt.“ Die Entscheidungsfindung „macht nicht bei der Beschreibung der Situationen, der Probleme [...] halt, sondern geht stets darüber hinaus und vermag hinter jedem Gesicht, jeder Geschichte, jeder Situation eine Gelegenheit, eine Möglichkeit zu sehen.“[76] Hier sollte nicht vergessen werden, dass das Generalkapitel der Ort des persönlichen und choralen Gehorsams gegenüber dem Heiligen Geist ist; dieses fügsame Erhören erfleht man, indem man Intelligenz, Herz und Knie im Gebet beugt. In dieser Umkehr handelt jeder Kapitular im Augenblick der Entscheidung nach seinem Gewissen und beurteilt das Wohl des Instituts in der Kirche in dem vom Heiligen Geist empfangenen Licht. Diese Einstellung des betenden Gehorsams ist die Konstante, die die nicht ohne Grund am Pfingsttag begonnene Geschichte der Generalkapitel zusammenhält.

51. Zu den Kapitelsereignissen gehört auch die Wahl des Generaloberen und der Generaloberin. In den letzten Jahren war eine gewisse Tendenz zur Wahlbitte festzustellen. Das Institut ist nach den Canones 180–183 des Kodex des Kanonischen Rechts geregelt. Daran orientiert man sich in jenen Fällen, in denen der kanonischen Wahl selbiger Person ein Hindernis entgegensteht, oder bei Abweichungen von den für das Amt geltenden persönlichen Voraussetzungen, die im gemeinen Recht oder im Eigenrecht festgeschrieben sind, wie zum Beispiel Alter, Jahre der Profess[77] oder eine entsprechende Unvereinbarkeit von Ämtern.[78] Der häufigste Fall ist ein Hindernis, das der Neuwahl (oder Wiederbestätigung) des Generaloberen oder der Generaloberin nach Ablauf der in den Konstitutionen vorgeschriebenen Amtsdauer entgegensteht. Dieser Sachverhalt hängt mit den komplexen Kontexten (Institute), den persönlichen Situationen (bereits amtierender Kandidaten) und zuletzt auch mit zufälligen Umständen zusammen, die zum Gesuch um Wahlbitte beim zuständigen Dikasterium führen. Hierzu seien einige Hinweise angeführt.

Es ist keine bessere Voraussetzung für eine Wahlentscheidung, die Wahlbitte als selbstverständlich zu betrachten, als würden mögliche Alternativen sozusagen von vornherein ausgeschlossen. Die erforderliche Mehrheit beträgt „mindestens zwei Drittel der Stimmen“.[79] Diese kanonische Bestimmung will zu der Verpflichtung ermutigen, zuvor über die mögliche Inanspruchnahme der Wahlbitte zu entscheiden. Kollegial ausgeübte Mitverantwortung bringt auch die Verantwortung mit sich, nach Alternativlösungen zu forschen. In der Praxis wurden in einigen Instituten informelle Vorberatungen als Modus eingeführt. Die empfohlene Ausrichtung dürfte die Schaffung von im Voraus gebildeten Mehrheiten verhindern. Andernfalls ist der Schritt hin zu einer selbstverständlichen Wahlbitte kurz.

52. Die Generalkapitel wählen gewöhnlich neben dem obersten Leiter[80] den Rat als Organ für die Zusammenarbeit in der Institutsleitung. Von jedem seiner Mitglieder wird in dem Institut eine „überzeugende Teilnahme am Leben und an der Sendung erwartet“,[81] „eine Mitbeteiligung, die Dialog und Entscheidung ermöglichen“,[82] im Geiste der Aufrichtigkeit[83] und der Treue, „damit die ständige Gegenwart des Herrn gesichert sei, der erleuchtet und führt“.[84]

Unvermeidlicher Unmut und Unverständnis können den Willen zum Einverständnis und die Fähigkeit zur Übereinstimmung innerhalb des Rats gefährden, wenn ihnen nicht rechtzeitig begegnet wird. Ein an der Institutsleitung beteiligtes Organ übernimmt in der Sorge um dessen Gemeinwohl die Verpflichtung, für seinen Betrieb Sorge zu tragen und dabei jene begleitenden (spirituellen, professionellen und ausbildungsspezifischen) Mittel nicht zu vernachlässigen, die Voraussetzung für eine weitsichtige Entscheidung sind. Der Rat darf sich daher nicht an erster Stelle mit seinem eigenen Image beschäftigen, sondern muss sich vor allem um seine Glaubwürdigkeit als Organ kümmern, das in der Institutsleitung mitwirkt.

53. Die neue Landkarte der Präsenz des geweihten Lebens in der Kirche führt zu neuen kulturellen Gleichgewichten im Leben und in der Leitung der Institute.[85] Die internationale Zusammensetzung des Kapitels ist gewöhnlich auch Ausdruck der multikulturellen Gestalt des Rates. Viele Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften apostolischen Lebens haben in dieser Hinsicht bereits Erfahrungen gesammelt und blicken auf eine lange Tradition zurück. Jüngere Institute befinden sich noch in einer Art Lernphase, um dahinzukommen, „innerhalb der katholischen Einheit die Erfordernisse der verschiedenen Völker und Kulturen zum Ausdruck zu bringen“.[86] Es handelt sich um einen anspruchsvollen Weg, der „der Läuterung und der Reifung“[87] bedarf.

Die Internationalisierungsprozesse der letzten Zeit sind eine Art Versuchsraum für eine Zukunft, die in Bezug auf die Ausbildung für verantwortungsvolle Ämter und insbesondere die Übernahme des Ratsamtes nicht improvisiert wird. Der Generationen- und Kulturwechsel dürfte keinen Anlass zu Situationen geben, die die interne Dynamik innerhalb der Ratsentscheidung, die eine gute Institutsleitung widerspiegelt, beeinträchtigen können.

Als Beispiel für problematische Situationen seien genannt: Personen, die zwar geeignet sind, aber noch nicht so weit sind zu kandidieren oder dies zu früh tun; Ordensleute, die eher aufgrund einer kulturellen Verteilungslogik hinzugewählt werden als aufgrund der Wertschätzung ihrer Erfahrung und/oder persönlichen Kompetenz; und schließlich auch Entscheidungen, die aus Mangel an Alternativen unumgänglich sind.

54. Die Einbindung von Brüdern/Schwestern aus anderen Kulturen und Generationen ändert das traditionelle Ratsamt sicher nicht, sie wirkt sich aber auf die Wahrnehmung des Amtes und seinen Interaktionsmodus inner- und außerhalb des Rats aus. Durch den Beitrag anderer Standpunkte (Analysen/Bewertungen von Problemen) erweitert sich der Verständnishorizont des Instituts in Bezug auf die eigenen Gegebenheiten: mehr von den Randgebieten als von der Mitte. Kulturen und Generationenwechsel, eine bereits an sich komplexe Verbindung, dürften der Bewältigung einer nachhaltigen Zukunft des Instituts neuen Schwung verleihen.

Die Einführung in ein verantwortungsvolles Amt ist in Erfahrung eingebunden. Wenn Erfahrung ein täglicher Lernprozess ist, muss das Lernen durch eine spezielle Ausbildung unterstützt werden. Andernfalls wird die Erfahrung nicht voll ausgeschöpft, um das Amt wirksam zu gestalten und in die Ratsdynamik einzubeziehen. In diesem Fall geht es darum, Leitlinien wiederzuentdecken oder zu überdenken, die in der Leitungstradition der Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des apostolischen Lebens lange dadurch herangereift sind, dass man in die Gegenwart investierte und so die Zukunft vorbereitet hat, nicht ohne die erforderliche Überprüfung im Laufe der Zeit. Die nahe Zukunft darf nicht den Horizont einengen: Neue Formen der Professionalität (Wissen und Kompetenzen) können zur Erweiterung unseres Horizonts beitragen und insbesondere dazu, dass wir nicht an den Rändern der Zukunft in engstirnigen Ansichten gefangen bleiben, die langfristig den gemeinsamen Weg ins Stocken bringen.

Schlusswort

55. Im Weinberg des Herrn haben die geweihten Frauen und Männer in den letzten Jahrzehnten der vom Konzil angestoßenen Aktualisierung tatkräftig und wagemutig gearbeitet. Nun ist es Zeit für die Lese und den jungen Wein, der freudig aus den Trauben gepresst und sorgfältig in passenden Schläuchen aufgehoben werden muss, damit sich während des für die Reifezeit typischen Gärens kein Bodensatz bildet und neuer Festigkeit Platz gemacht wird. Junger Wein und neue Schläuche stehen gemeinsam für uns bereit; sie sind entstanden durch unser Mitwirken gemäß den Charismen und Umständen in Kirche und Gesellschaft, unter der Führung des Heiligen Geistes und der Verantwortungsträger der Kirche. Nun ist die Zeit gekommen, die Neuheit kreativ zu hüten, damit sie den unverfälschten Geschmack der gebenedeiten Fruchtbarkeit Gottes bewahrt.

Junger Wein erfordert die Fähigkeit, über geerbte Modelle hinauszugehen, um die vom Heiligen Geist erweckten Neuheiten zu schätzen, sie in Dankbarkeit anzunehmen und sie zu hüten, bis sie jenseits aller Vorläufigkeit vollständig vergoren sind. Auch das neue Gewand, von dem Jesus auf derselben Seite des Evangeliums spricht, wurde zu unterschiedlichen Zeiten erneuert und kann nun mit Freude inmitten des Volkes der Gläubigen angelegt werden.

56. Junger Wein, neue Schläuche und neues Gewand weisen auf eine Zeit der Reife und Vollendung hin, die nicht durch unbesonnenes Nebeneinander oder taktische Kompromisse aufs Spiel gesetzt werden darf: Altes und Neues dürfen nicht vermischt werden, weil ein jedes einer eigenen Jahreszeit angehört, weil es Frucht verschiedener Zeiten und Handwerke ist und in seiner ihm eigenen Unverfälschtheit aufbewahrt werden muss.

Der Herr des Weinbergs, der unserer Hände Werk fruchtbar gemacht und uns auf den Wegen der Aktualisierung geleitet hat, möge gewähren, dass wir die uns anvertraute Neuheit furchtlos mit erneutem Schwung im Sinne des Evangeliums mit den passenden Mitteln und in geduldiger Wachsamkeit zu bewahren wissen.

57. Heilige Maria, Frau des jungen Weins, bewahre in uns den Wunsch, gehorsam der Neuheit des Heiligen Geistes entgegenzugehen, indem wir das Zeichen seiner Gegenwart in dem jungen Wein, der Frucht der Ernten und neuen Jahreszeiten ist, erkennen.

Mache uns fügsam für seine Gnade und lass uns emsig Schläuche bereiten, die dem Aufwallen des Rebensaftes Einhalt gebieten können, damit er nicht verloren geht. Festige unsere Schritte im Geheimnis des Kreuzes, das der Heilige Geist für jede neue Schöpfung erbittet.

Lehre uns, das zu tun, was Christus, dein Sohn, uns sagt (vgl. Joh 2,5), um jeden Tag an seinem Tische zu sitzen: Er ist der junge Wein, durch den wir Dank sagen, Segen empfangen und spenden. Nähre in uns die Hoffnung, in der Erwartung des Tages, an dem wir mit Christus von der neuen Frucht des Weinstocks trinken, im Reich unseres Vaters (vgl. Mt, 26,29).

Der Heilige Vater hat die Veröffentlichung der hier vorliegenden Leitlinien in der Audienz vom 3. Januar 2017 genehmigt.

Vatikanstadt, den 6. Januar 2017, Dreikönigsfest

João Kardinal Braz de Aviz
Präfekt
† José Rodríguez Carballo, O.F.M.

Erzbischof und Sekretär

Anmerkungen

  1. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 154: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 194 (Bonn 2013), S. 112.
  2. Ebd., 20: a. a. O., S. 21.
  3. Ebd., 231: a. a. O., S. 158.
  4. Ebd., 58: a. a. O., S. 48.
  5. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 1.
  6. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, 43–47.
  7. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 2.
  8. CIC, c. 578.
  9. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 37: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 125 (Bonn 1996), S. 47.
  10. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 3.
  11. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 20: a. a. O., S. 27–28.
  12. Ebd., 21: a. a. O., S. 29.
  13. Ebd., 100: a. a. O., S. 119.
  14. Ebd., 55: a. a. O., S. 64.
  15. Ebd., 54: a. a. O., S. 64.
  16. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben an alle Personen des geweihten Lebens zum Jahr des geweihten Lebens (21. November 2014).
  17. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 2–4.
  18. Papst Franziskus, Frühmesse im Vatikanischen Gästehaus Domus Sanctae Marthae (Rom, 5. September 2014).
  19. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Neubeginn in Christus. Ein neuer Aufbruch des geweihten Lebens im dritten Jahrtausend. Instruktion (19. Mai 2002), 19: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 155 (Bonn 2002), S. 27–28.
  20. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 66: a. a. O., S. 80.
  21. Ebd.
  22. Ebd., 67: a. a. O., S. 81.
  23. Vgl. ebd.
  24. Vgl. ebd., 70, 71: a. a. O., S. 83–86.
  25. Vgl. ebd., 58: a. a. O., S. 67.
  26. Vgl. ebd., 57: a. a. O., S. 66–67.
  27. Papst Johannes XXIII., Enzyklika Pacem in terris zum Frieden unter allen Völkern (11. April 1963), 22.
  28. Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem über die Würde und Berufung der Frau anlässlich des Marianischen Jahres (15. August 1988), 29: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr.86 (Bonn 1988), S. 63–65.
  29. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 58: a. a. O., S. 67.
  30. Ebd., 57: a. a. O., S. 67.
  31. Ebd.
  32. Ebd., 58: a. a. O., S. 67.
  33. Papst Franziskus, Ansprache anlässlich der Begegnung mit den brasilianischen Bischöfen, Rio de Janeiro (27. Juli 2013).
  34. Vgl. CIC, c. 636.
  35. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 33: a. a. O., S. 31.
  36. Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 45: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 150 (Bonn 2001), S. 41; Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Neubeginn in Christus. Ein neuer Aufbruch des geweihten Lebens im dritten Jahrtausend. Instruktion (19. Mai 2002), 14: a. a. O., S. 20–21.
  37. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 13f: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 181 (Bonn 2008), S. 31–32.
  38. CIC, c. 602; vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 15.
  39. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 14b: a. a. O., S. 34.
  40. Vgl. ebd., 12: a. a. O., S. 26.
  41. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 3.
  42. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche, LEV (Vatikanstadt 2013).
  43. Vgl. Kongregation für den Klerus, Das Geschenk der Berufung zum Priestertum. Ratio Fundamentalis Institutionis Sacerdotalis (8. Dezember 2016): Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 209 (Bonn 2017).
  44. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 99: a. a. O., S. 75–76.
  45. Vgl. Franz von Assisi, Geistliche Weisungen, III.6.
  46. CIC, c. 618–619; vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 14.
  47. Ebd.
  48. Auf dieses Thema legt c. 630 einen besonderen Schwerpunkt.
  49. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 55: a. a. O., S. 46.
  50. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 13c: a. a. O., S. 29.
  51. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben an alle Geweihten zum Jahr des geweihten Lebens (21. November 2014), II, 3.
  52. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Richtlinien für die Verwaltung der kirchlichen Güter der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens (2. August 2014), 2.3: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 198 (Bonn 2014), S. 17.
  53. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 56: a. a. O., S. 47.
  54. Vgl. ebd.
  55. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 33: a. a. O., S. 30–31.
  56. Vgl. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 37: a. a. O., S. 47–48.
  57. Ebd., 3: a. a. O., S. 10.
  58. CIC, c. 602.
  59. Papst Franziskus, Svegliate il mondo. Colloquio di Papa Francesco con i Superiori Generali [Erwecket die Welt, Papst Franziskus im Gespräch mit den Generaloberen], in: La Civiltà Cattolica, 165 (2014/I), 11.
  60. Ebd., 10.
  61. Vgl. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 70: a. a. O., S. 83–85.
  62. Papst BENEDIKT XIV., Enzyklika Spe Salvi über die christliche Hoffnung (30. November 2007), 25: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 179 (Bonn 2007), S. 34.
  63. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 116: a. a. O., S. 86.
  64. Ebd., 117: a. a. O., S. 87.
  65. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectae caritatis, 3.
  66. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 3: a. a. O., S. 8.
  67. Vgl. CIC, c. 618.
  68. Papst Franziskus, Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen, Rom (8. Mai 2013), 2.
  69. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 25a: a. a. O., S. 57.
  70. Vgl. Papst Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelica testificatio (29. Juni 1971), 25.
  71. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Der Dienst der Autorität und der Gehorsam. Instruktion (11. Mai 2008), 14b: a. a. O., S. 34–35.
  72. CIC, c. 624 § 2.
  73. Papst Franziskus, Predigt zum Fest der Darstellung des Herrn, XVIII. Tag des geweihten Lebens, Rom (2. Februar 2014).
  74. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 42: a. a. O., S. 53.
  75. CIC, c. 631 § 1.
  76. Papst Franziskus, Ansprache zur Eröffnung der kirchlichen Tagung der Diözese Rom (16. Juni 2016).
  77. Vgl. CIC, c. 623.
  78. Vgl. CIC, c. 152.
  79. Vgl. CIC, c. 181 § 1.
  80. Vgl. CIC, c. 625 § 1.
  81. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Neubeginn in Christus. Ein neuer Aufbruch des geweihten Lebens im dritten Jahrtausend. Instruktion (19. Mai 2002), 14: a. a. O., S. 20.
  82. Ebd.
  83. Vgl. CIC, c. 127 § 3.
  84. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Neubeginn in Christus. Ein neuer Aufbruch des geweihten Lebens im dritten Jahrtausend. Instruktion (19. Mai 2002), 14: a. a. O., S. 20.
  85. Vgl. ebd., 17: a. a. O., S. 24–25.
  86. Papst Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt (25. März 1996), 47: a. a. O., S. 57.
  87. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute (24. November 2013), 69: a. a. O., S. 56.

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