Fürbitte

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Fürbitten, Preces, sind Bestandteil der heiligen Messe, des Stundengebetes, der Karfreitagsliturgie, von Wort-Gottes-Feiern und vieler Litaneien. Auch viele Gebete der persönlichen Frömmigkeit haben fürbittenden Charakter.

Inhaltsverzeichnis

Theologischer Hintergrund

Wir betrachten die Gesamtheit aller Glaubenden als den mystischen Leib Christi, die Kirche. Alle Glieder der Kirche sind auf geheimnisvolle Weise in Christus Jesus miteinander verbunden.

Hier gibt es nicht nur eine "horizontale" Komponente - die Beziehung mit unseren Brüdern und Schwestern im Glauben jetzt hier und in der ganzen Welt. Es gibt auch eine "vertikale" Komponente - die Beziehung mit allen Brüdern und Schwestern im Glauben, die jemals gelebt haben und noch leben werden. Man spricht auch von der leidenden Kirche (im Fegefeuer), der streitenden Kirche (hier auf Erden) und der triumphierenden Kirche (der Heiligen und Seligen, die bereits zur Anschauung Gottes gelangt sind).

Durch diesen geheimnisvollen Zusammenhang im mystischen Leib Christi sind die einzelnen "Teile" der Kirche befähigt, ja sogar berufen, füreinander im Gebet vor Gott einzustehen. Das Fürbittgebet im Rahmen der heiligen Messe ist (von den Ursprüngen her) ein Vorrecht des Gottesvolkes - priesterliches Tun der Glieder des Leibes Christi füreinander.

Gleichzeitig vertrauen wir fest darauf, dass auch die Heiligen und Seligen, die schon vor Gott stehen, mit uns im mystischen Leib verbunden sind. Daher rufen wir gerne Heilige und Selige um ihre Fürbitte an. Gott ist es wohlgefällig, wenn seine "Kinder" zusammenhalten und füreinander einstehen, so wurde schon vielfach der Segen Gottes besonders durch das Fürbittgebet erfahrbar.

Die unmittelbarste Form des Fürbittgebetes finden wir im Fürbittgebet Jesu für die Jünger und die Welt (Joh. 17,9 ff) - und im stellvertretenden Kreuzestod Jesu, in dem Er dem Vater die Antwort der Liebe, das vollkommene "JA", stellvertretend für die Menschheit gibt.

Im weiteren Sinn des Wortes ist Fürbitte jedes bittende Eintreten eines Beters für andere oder eines Heiligen für einen Beter, insbesondere die Hilfe Marias, letztlich auch Jesu Eintreten für uns beim Vater (Trinität). Daher sollten die Fürbitten auch in der Messe deutlich machen, dass die Christen tatsächlich etwas von Gott erlangen wollen. Das gebietet der Glaube: legem credendi lex statuat supplicandi (Hl. Prosper von Aquitanien, 5. Jh.).

Das Allgemeine Gebet

Fürbitten oder auch allgemeines Gebet (der Gläubigen, oratio fidelium) sind Interzessionen der Gemeinde in der heiligen Messe. Sie haben ihren liturgischen Platz nach der Predigt. Das Allgemeine Gebet gehört früh zum christlichen Gottesdienst. Es war jedoch über Jahrhunderte aus dem Ritus der heiligen Messe verschwunden und nur in der Karfreitagsliturgie erhalten, bis es im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wieder in den Ablauf der Messefeier eingeführt wurde.

Suffragien

Suffragien (d.h. Fürbitten) nannte man früher im besonderen die Oration (Gebet: A cunctis) zu allen Heiligen, die nach Lichtmess und Pfingsten an den gewöhnlichen Sonntagen, den gewöhnlichen Ferialtagen (Werktagen) und den Festen, die nicht im Range eines Duplex stehen, in der Messe und in den Laudes und der Vesper an die Tagesoration anzufügen war. In der Osterzeit trat an ihre Stelle in der Messe die Oration von der Mutter Gottes und im Brevier die Oration vom Kreuze. Durch die Neuordnung der Rubriken vom 23. März 1955 sind alle diese Suffragien abgeschafft worden.

Literatur

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