François-Xavier Nguyên van Thuán

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François-Xavier Kardinal Nguyên Van Thuán (*17. April 1928 in Huê, Vietnam; † 16. September 2002 in Rom) war seit 1998 Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden. Er war der Neffe des ersten südvietnamesischen Präsidenten Ngô Đình Diệm. Der römisch-katholische Kardinal wurde bereits zu Lebzeiten als sogenannter "lebender Märtyrer" bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Kindheit und geistliche Prägung

Nguyen van Thuán kam am 17.April 1928 in Hue in Zentralvietnam auf die Welt. Er wuchs in einem behüteten Elternhaus auf. Sein Lieblingsonkel Ngo Dinh Thuc war Priester. Dieser sah ihn schon als Kind als zukünftigen Priester und bereitete die spirituelle Basis für die geistliche Laufbahn Nguyen Van Thuans.

Ab August 1940 ging Nguyen van Thuán in das Schülerkonvikt in An Ninh. Diese Schule ermöglichte Ihm die Vertiefung seines Glaubens. Dort lerne er durch die Pariser Missionsgemeinschaft, die die Einrichtung leitete, vor allem 3 Heilige kennen, die sein Leben geprägt haben: Therese von Lisieux, den Pfarrer von Ars Jean-Marie Vianney und den "Apostel Asiens" Franz Xaver, dessen Namen er später neben seinem vietnamesischen Namen annahm. 1947 kehrte nach Hue zurück um am Priesterseminar zu studieren.

Priester und Bischof

Am 11. Juni 1953 wurde François-Xavier Nguyễn Văn Thuận zum Priester des Bistums Nha Trang geweiht.

Er studierte in Rom (1956-1959) Kirchenrecht und promovierte. 1962 wurde er Direktor des Schülerkonvikts in An Ninh, der Schule, in der er einen Großteil seiner Kindheit verbracht hatte. 2 Jahre später wurde er 1964 zum Generalvikar der Diozöse Hue bestimmt. Am 13. April 1967 wurde zum Bischof von Nha Trang ernannt und am 24. Juni 1967 empfing er die Bischofsweihe. Weitere 8 Jahre später, am 24. April 1975 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof-Koadjutor von Saigon (heute: Thành-Phố Hồ Chí Minh bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt).

Verfolgung

Nun begann für Nguyễn Văn Thuận die Zeit der Verfolgung. Trotz seiner erfolgreichen Laufbahn, folgten nun die Schwierigkeiten. Die Kommunisten besetzten Saigon und benannten es in Ho-Chi-Minh-Stadt um. Am 15.8.1975, nur wenige Wochen nach seiner Ernennung wurde er festgenommen, wegen seiner verwandschaftlichen Beziehung zum südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem, der ein gläubiger Katholik und Anti-Kommunist war. Es sollten 13 Jahre Gefangenschaft folgen, geprägt von Verhören, psychischem Druck und Schikanen. Zuer st stand er jedoch "nur" unter Hausarrest, Kontakt zu anderen Mensche oder pastorale Arbeit waren Ihm nicht erlaubt. Dennoch beschloss er, ein Buch zu schreiben. Es sollten Briefe an die Gläubigen in Vietnam sein. Doch wie sollte er es angehen? Eines Tages nahm er Blickkontakt mit einem Jungen auf der Strasse auf, der daraufhin auf ihn zukam. Ihn weihte er in seinen Buchplan ein. Unter grosser Gefahr reichte Nguyen Van Thuan dem kleinen Jungen seiner Gemeinde jeden Tag unbemerkt Notizen auf einem Blatt eines Abreisskalenders. Der Junge und seine Schwester schreiben es zuhause in einem kleinen Notizblock auf. Die Notizen verbreitete sich geheim innerhalb der katholischen Gemeinschaft in Vietnam. Später wurden sie in dem Buch Hoffnungswege veröffentlicht.

Diese Art des Kontakts nach aussen ging 7 Monate gut. Doch am 19. März 1976 Nguyen Van Thuan von der Polizei abgeholt und in ein Gefangenenlager gebracht, wo er in einer fensterlosen Zelle untergebracht wurde. Erst im Herbst 1988 wurde er wieder freigelassen, stand aber weiterhin unter Beobachtung. Nach einigen Reisen liess man ihn ins (erzwungene) Exil gehen. Nguyen van Thuan wollte nach Rom. Im Dezember 1991 reiste er schliesslich dorthin mit der Hoffnung irgendwann einmal wieder nach Vietnam zurückzukehren.

Exil und Kurienkardinal

Am 21. November 1988 wurde er schliesslich freigelassen, musste jedoch im Vatikan im Exil leben. Nicht einmal die sterbende Mutter durfte er besuchen. Am 24. November 1994 trat er als Koadiutor-Erzbischof von Thành-Phố Hồ Chí Minh zurück.

Am 24. Juni 1998 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden.

Papst Johannes Paul II. nahm ihn im Vatikan auf und ernannte ihn erst zum Vizepräsident und später zum Präsidenten des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. In dieser Funktin sprach er sich auch für einen Schuldenerlass für ärmere Länder aus, denn seines Erachtens waren die Schulden ein Haupthindernis für deren Entwicklung- eine Idee, die von katholischen Jugendverbänden aufgegriffen und von Politkern auf dem Weltwirtschaftsgipfel 1999 in Köln diskutiert wurde. Kurz vor dem Jahrtausendwechsel bat Papst Johannes Paul II. ihn, die Fastenexerzitien für den Papst und die Römische Kurie zu entwickeln- eine Ehre, die zuvor keinem asiatischen Bischof zuteil geworden war. Seine Mediationen und Ausführungen waren geprägt von seinem persönlichen Schicksal. Ausdrücklich bedankte sich der Papst im März 2000 bei Ihm, dass er ihn und die Kurie darin bestärkt hätte, dass Christus der Halt sein, auch wenn alles um einen herum zusammenzubrechen drohe. Am 21. Februar 2001 wurde er ins Kardinalskollegium aufgenommen und zum Kardinaldiakon von S. Maria della Scala ernannt. Erst jetzt wurde dem Kardinal die Reise ins Heimatland als ausländischer Besucher gewährt.

Kurz nach seiner Ernennung wurde jedoch ein Krebsleiden diagnostiziert, eine notwendige Operation verlief nur teilweise erfolgreich.

Am 16. September 2002 starb Kardinal Nguyễn Văn Thuận in Rom an seiner Krebserkrankung im Rufe der Heiligkeit. Über seinen Leidensweg in Vietnam geben seine autobiographischen Schriften beredt Auskunft, die Papst Benedikt XVI. in der Enzyklika Spe salvi zitierte.

Kardinal Nguyen van Thuan gehörte der Fokolarbewegung an.

Seligsprechungsprozess

Am 22. Oktober 2010 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. Die diözesane Phase endete am 5. Juni 2013.[1] In einer Ansprache am 8. Juli 2013 hob Papst Franziskus die Heiligmäßigkeit van Thuáns hervor und nannte ihn einen "Zeugen der Hoffnung".[2]

Werke

Literatur

  • André Nguyen Van Chau: François Xavier Nguyen Van Thuan : ein Lebensbild. Originaltitel:The miracle of hope. Aus dem Amerikan. von Gudrun Griesmayr.(Reihe: Zeugen unserer Zeit) Verlag Neue Stadt 2008 (255 Seiten; 1. Auflage; ISBN 978-3-87996-762-9).

Weblinks

Anmerkungen

Ergänzende Angaben wurden mit Hilfe des Glaubenskompass von Kirche in Not gemacht.

  1. Radio Vatikan: Vietnam: Fall Van Thuân kommt nach Rom, Meldung vom 4. Juni 2013.
  2. Vatican Information Service: Cardinal Van Thuan: A Witness Of Hope, Meldung vom 8. Juli 2013.