Freiburger Münster

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Freiburger Münster

Das Münster Unserer Lieben Frau zu Freiburg im Breisgau ist die Kathedralkirche der Erzdiözese Freiburg. Das der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria ("Unserer Lieben Frau") geweihte Gotteshaus wurde um das Jahr 1200 im spätromanischen Stil begonnen in der ersten Hälfte des 16. Jh. im spätgotischen Stil vollendet. Der 116 Meter hohe Westturm mit seiner durchbrochenen Turmhaube aus filigranem Maßwerk (nach dem Schweizer Historiker Jakob Burckhardt der "schönste Turm der Welt") wurde zum Vorbild für die Kirchtürme u.a. des Kölner Doms und des Ulmer Münsters. Ursprünglich als Stadt- und Pfarrkirche errichtet, wurde das Münster 1827 Bischofskirche.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

An der Stelle eines bescheidenen romanischen Vorgängerbaus (in dem der hl. Bernhard von Clairvaux 1146 eine Kreuzzugspredigt hielt) wurde um das Jahr 1200 mit dem Bau des heutigen Münsters begonnen. Bauherr war Herzog Bertold V. von Zähringen. Nach dem Vorbild des Basler Münsters war eine dreischiffige Emporenbasilika mit großem Querhaus und kurzem Chor mit polygonaler Apsis geplant. Aus dieser spätromanischen Bauphase sind Vierung und Querhaus sowie die unteren Geschosse der Chorflankentüme ("Hahnentürme") erhalten.

Nach dem Tode Bertolds V. kam Freiburg unter die Herrschaft des Grafen von Urach, der sich von nun an Graf von Freiburg nannte. Möglicherweise im Zusammenhang mit diesem Herrschaftswechsel ist der Stilwechsel vom romanischen zum gotischen Stil beim Bau des Münsters zu sehen. Vorbild war nun das Straßburger Münster. Nach der im Mittelalter üblichen Baurichtung von Ost nach West wurden zunächst die beiden östlichen Langhausjoche in schlichten gotischen Formen ("Reduktionsgotik") errichtet. Nach einem erneuten Wechsel des Baumeisters errichtete man die vier westlichen Langhausjoche in reiferen gotischen Formen. Seit Ende des 13. Jh.s übernahm der Stadtrat die Leitung der Bauarbeiten. Wohlhabende Familien (Silberbergwerksbesitzer) und städtische Zünfte finanzierten Bau und Ausstattung.

Vor 1270 (Inschrift im Mauerwerk) begann man mit dem Bau des 116 Meter hohen Westturmes, der Mitte des 13. Jh.s vollendet wurde. Die Turmhaube aus filigranem Maßwerk ist der erste vollständig durchbrochene Steinhelm in der europäischen Architekturgeschichte.

Im Jahre 1354 wurde der Grundstein für den Neubau eines größeren Chores und eines Chorumgangs mit Kapellenkranz gelegt. 1368 unterstellte sich Freiburg dem Erzherzogtum Österreich. Nicht zuletzt durch die Schlacht von Sempach 1386, wo Freiburger auf der Seite der unterlegenen Österreicher gegen die Eidgenossen kämpften, gerieten der Bau am Chor aus Geldmangel ins Stocken. Erst rund 100 Jahre später konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Im Jahre 1511 wurde das Chorgewölbe, 1536 die letzte Chorumgangkapelle vollendet.

Mit der Vollendung des spätgotischen Chores war der Bau im wesentlichen abgeschlossen. Es folgten lediglich kleinere An- und Umbauten wie die Renaissance-Vorhalle vor dem Nikolaus-Portal an der Südseite des Querhauses (1620), der Renaissance-Lettner (1578; heute in zwei Hälften geteilt und als Sängeremporen im Querhaus genutzt) oder zu Beginn des 19. Jh.s die Abendmahlskapelle an der Langhaus-Nordseite.

Im Inneren kam es im Laufe der Jahrhunderte zu zahlreichen Umgestaltungen. Im 18. Jh. erfolgte eine Barockisierung: Absenkung des Chorbodens, Ersetzung einiger mittelalterlicher Glasfenster durch lichtdurchlässigere Scheiben, Aufstellung von 12 barocken Altären. Diese Änderungen wurden im Zeitalter des Historismus (19. Jh.) weitgehend durch eine Regotisierung und Renovierung im neugotischen Stil rückgängig gemacht. Aus dieser Zeit sind die zwei Seitenaltäre im Langhaus (Josef- und Marienaltar) erhalten.

Nach der Liturgiereform im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil wurde der Altarraum (zunächst provisorisch) neu gestaltet: eine in die Vierrung hineinreichende hölzerne Chorstufenanlage führte zum neuen Zelebrationsaltar im westlichen Bereich des Chorraumes. Dieses Provisorium wurde im Jahr 2006 durch eine dauerhafte und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Umgestaltung des Altarraumes ersetzt: Der Künstler Franz Gutmann entwarf eine neue steinerne Stufenanlage sowie Zelebrationsaltar und Ambo, eine neue Kathedra und ein Chorgestühl für das Domkapitel. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch weihte den neuen Zelebrationsaltar am 10. Dezember 2006.

Ausstattung

Im Freiburger Münster befindet sich eine Vielzahl kultur- und theologiegeschichtlich bedeutender Kunstwerke. Der Hochaltar, 1512 - 1516 vom Dürer-Schüler Hans Baldung Grien gemalt, ist ein Wandelaltar, der auf drei Schauseiten zentrale Ereignisse der christlichen Heilsgeschichte und zugleich des Lebens Mariens präsentiert. Die vier "Weihnachtstafeln" des geschlossenen Altares thematisieren die Menschwerdung Gottes: die Verkündigung, die Heimsuchung (Besuch Marias bei Elisabeth), die Geburt Jesu, die Flucht nach (oder Rückkehr aus) Ägypten. Der geöffnete Altar zeigt auf der Mitteltafel die von Gott Vater und Jesus Christus im Himmel gekrönte Gottesmutter Maria als Repräsentantin der erlösten Menschheit; auf den Seitenflügeln stehen sich je sechs Apostel, eine Petrusgruppe und eine Paulusgrupe, gegenüber. Die Rückseite zeigt die Kreuzigung Jesu mit Maria, Johannes und Maria Magdalena unter dem Kreuz.

Die Portalhalle im Erdgeschoss des Westturmes weist reichen Figurenschmuck aus der Zeit Ende des 13. Jh.s auf. Zentrales Motiv sind Christusereignis und Weltgericht: Über der Trumeau-Figur, einer Madonna mit dem Jesuskind, zeigt der Tympanon die Geburt Jesu, sein Leiden und seinen Tod sowie den auferstandenen Christus als Weltenherrscher. Die 12 Apostel sitzen als Richter der 12 Stämme Israels zu seinen Füßen. Des Erzengel Michael wird mit der Seelenwaage dargestellt, auf der linken Seite (vom Bild, nicht vom Betrachter aus gesehen) werden die Verdammten von Teufeln in den Höllenschlund abgeführt, zur Rechten stehen die Erlösten. In den Archivolten (Bogenlaibungen) sieht man Figuren von Patriarchen, Propheten und Königen aus dem Alten Testament sowie Engel. An den Seitenwänden der Portalhalle befinden sich weitere biblische und allegorische Figuren, die als Vorbilder für christliches Leben oder als Warnung (etwa der "Fürst der Welt" oder "Frau Begierde") dienen. Besondere Beachtung verdienen die fein gearbeiteten klugen und törichten Jungfrauen.

Das Freiburger Münster besitzt noch viele Fenster aus der Entstehungszeit des Gotteshauses. Aus der spätromanischen Epoche sind im Querhaus die "Wurzel-Jesse-Scheiben" und das Barmherzigkeitsfenster mit der Darstellung der guten Werke nach Mt 25,31ff erhalten. Im Langhaus geben die von wohlhabenden Familien und vor allem von Zünften gestifteten Fenster Zeugnis von der hervorragenden Kunst gotischer Glasmalerei. Die Zunftfenster sind leicht an den entsprechenden Symbolen zu erkennen (Bäckerfenster: Brezel; Schneiderfenster: Schere; Schumacherfenster: Stiefel etc.). Die Glasmalereien zeigen Heilige und Märtyrer als Vorbilder christlichen Lebens, insbesondere die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria als Patronin des Münsters.

An der Langhaus-Südseite befindet sich ein Heiliges Grab, eine großplastische Figurengruppe (um 1330). Umgeben von den drei Marien und zwei Engeln liegt der Leichnam Christi auf einem Sarkophag, davor fünf schlafende Grabwächter. In der Brust der Christusfigur befindet sich eine verschließbare Öffnung. Dort werden von Karfreitag bis Karsamstag die für die "Wegzehrung" (Kommunionspendung an Sterbende) benötigten konsekrierten Hostien aufbewahrt.

Das "Wunder von Freiburg"

Im Zweiten Weltkrieg flog die britische Luftwaffe in den Abendstunden des 27. November 1944 einen Angriff auf Freiburg. Rund 150.000 Bomben legten die Innenstadt fast vollständig in Schutt und Asche. Obwohl nicht absichtlich von der Royal Air Force verschont, bekam das Münster wie durch ein Wunder keinen direkten Bombentreffer. Durch Einschläge im Münsterplatz wurde der Chorumgang und das Dach des Hochchores zwar beschädigt, die Kirche wurde aber nicht zerstört, insbesondere ihr Wahrzeichen, der Westturm, blieb unversehrt. In der Nordwestecke des Langhauses erinnert eine Informationstafel mit einem historischen Foto an den Luftangriff. Die Aufnahme zeigt eindrücklich das erhaltene Münster inmitten der Trümmerlandschaft. Eine weltliche Deutung kann die als "Wunder von Freiburg" bezeichnete Verschonung des Münsters nur als seltenen Zufall interpretieren. Viele Freiburger sahen und sehen darin jedoch ein Wirken Marias, die das ihr geweihte Gotteshaus vor der Zerstörung geschützt hat.

Literatur

  • Heike Mittmann, Das Münster zu Freiburg im Breisgau, hg. vom Freiburger Münsterbauverein, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 4. Aufl. 2007
  • Heike Mittmann, Die Glasfenster des Freiburger Münsters, Schnell & Steiner Verlag, 1. Aufl. 2005
  • Benedikt Schaufelberger, Wie die Freiburger ihr Münster bauten. Eine Zeitreise in historisch präzisen Zeichnungen, Herder Verlag Freiburg , 5. Aufl. 2006

Weblinks

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