Gemeinsame Erklärung vom 13. Dezember 1996 in Rom

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Gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und
dem Katholikos der Armenisch-Apostolischen Kirche Karekin I. (Sarkissian)

13. Dezember 1996 in Rom
(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1996, S. 1137-1139)

(Offizieller englischer Text: AAS 89 [1997| 90-92)

Zum Abschluss ihrer Begegnung danken Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II.., Bischof von Rom und Papst der katholischen Kirche, und Seine Heiligkeit Karekin I., Oberster Patriarch und Katholikos aller Armenier, demütig dem Herrn und Erlöser Jesus Christus. Sie sind tief davon überzeugt, dass diese Begegnung für die weiter vorangehenden Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der armenischen apostolischen Kirche von besonderer Bedeutung war. Christus hat ihnen ermöglicht, in seiner Liebe zusammenzukommen zu gemeinsamem Gebet, zu einer fruchtbaren Besprechung ihres gemeinsamen Wunsches, nach einer vollkommeneren Einheit im Heiligen Geist zu suchen, und zum Meinungsaustausch darüber, wie ihre Kirchen in einer Welt, die einem neuen Jahrtausend der Heilsgeschichte entgegengeht, ein wirksameres Zeugnis für das Evangelium geben können.

Papst Johannes Paul II. und Katholikos Karekin I. anerkennen die tiefe geistliche Gemeinschaft, die sie und die Bischöfe, den Klerus und die gläubigen Laien ihrer Kirchen bereits verbindet Es ist eine Gemeinschaft, die ihre Wurzeln in dem gemeinsamen Glauben an die heilige und lebenspendende Dreifaltigkeit hat, den die Apostel verkündigten und der die Jahrhunderte hindurch von den vielen Kirchenvätern, Kirchenlehrern, Bischöfen, Priestern und Märtyrern, die ihnen folgten, überliefert wurde. Der Papst und der Katholikos freuen sich über die Tatsache, dass die jüngsten Entwicklungen der ökumenischen Beziehungen und die im Geist christlicher Liebe und Gemeinsamkeit geführten theologischen Gespräche viele Missverständnisse beseitigt haben, die ein Erbe der Kontroversen und Meinungsverschiedenheiten der Vergangenheit waren. Solche Dialoge und Zusammenkünfte haben eine ausgewogene Situation gegenseitigen Verstehens und die Wiederentdeckung der tieferen geistlichen Gemeinschaft vorbereitet, gegründet auf dem gemeinsamen Glauben an die Heilige Dreifaltigkeit, der ihnen durch das Evangelium Christi und die heilige Tradition der Kirche geschenkt wurde.

Sie begrüßen vor allem den großen Fortschritt, den ihre Kirchen in ihrem gemeinsamen Streben nach Einheit in Christus, dem menschgewordenen Wort Gottes, festgestellt haben. Vollkommen in seiner Gottheit, vollkommen in seiner Menschheit, ist seine Gottheit mit seiner Menschheit vereint in der Person des einzig geborenen Sohnes Gottes in einer Verbindung, die real, vollkommen, unvermischt, unveränderlich, ungetrennt und unteilbar ist. Die Realität dieses gemeinsamen Glaubens an Jesus Christus und an dieselbe Sukzession apostolischen Dienstes war zeitweise unklar und unbeachtet. Sprachliche, kulturelle und politische Faktoren haben ungeheuer viel zu den theologischen Meinungsverschiedenheiten beigetragen, die in der Terminologie, in der die betreffenden Lehrsätze formuliert wurden, zum Ausdruck kamen. Seine Heiligkeit Johannes Paul II. und Seine Heiligkeit Karekin I. haben ihre entschiedene Überzeugung ausgesprochen, dass wegen des grundlegenden gemeinsamen Glaubens an Gott und an Jesus Christus die Meinungsstreitigkeiten und unglücklichen Trennungen, die manchmal eine Folge der unterschiedlichen Gewohnheiten waren, diesen Glauben auszudrücken, heute - als Ergebnis dieser abgegebenen Erklärung nicht weiter Leben und Zeugnis der Kirche beeinflussen sollten. Vor Gott bekunden sie demütig ihre Reue über diese Streitigkeiten und Differenzen und ihre Entschlossenheit, aus dem Bewusstsein und der Erinnerung ihrer Kirchen zu entfernen, was in der Vergangenheit manchmal an Bitterkeit und gegenseitiger Diskriminierung, ja sogar Hass zutage getreten ist und was selbst heute über die wirklich brüderlichen und wirklich christlichen Beziehungen zwischen den Führern und Gläubigen bei der Kirchen, besonders wie diese sich in der letzten Zeit entwickelt haben, einen Schatten werfen könnte.

Die bereits bestehende Gemeinschaft zwischen den beiden Kirchen sowie ihre Hoffnung auf und ihr Einsatz für die Wiedergewinnung der vollen Gemeinschaft untereinander sollten Gründe dafür sein, weitere Kontakte und regelmäßigere und wesentliche Dialoge anzuregen, die zu einem größeren Maß gegenseitigen Verstehens und zur Wiederherstellung der Gemeinsamkeit ihres Glaubens und Amtes führen. .

Papst Johannes Paul II. und Katholikos Karekin I. segnen und unterstützen die Weiterentwicklung bestehender Kontakte sowie neue Aufbrüche dieses Dialogs der Liebe zwischen ihren jeweiligen Hirten und Gläubigen. Sie sollen Frucht bringen in gemeinsamem Handeln auf pastoraler, katechetischer, sozialer und intellektueller Ebene.

Ein solcher Dialog ist besonders in der jetzigen Zeit dringend notwendig, da die Kirchen sich neuen Herausforderungen im Hinblick auf ihr Zeugnis für das Evangelium Jesu Christi gegenübergestellt sehen. Solche Herausforderungen ergeben sich aus den sich schnell verändernden Situationen in der modernen Welt, die so tief von einer äußerst säkularistischen und säkularisierenden Lebensart und Kultur beeinflusst ist. Dieser Dialog erfordert engere Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und in höherem Maß ein Bemühen um gemeinsames Handeln. Als Voraussetzung verlangt er eine Haltung selbstlosen Dienstes, gekennzeichnet durch gegenseitige Achtung vor der Treue der Gläubigen zu ihren eigenen Kirchen und christlichen Traditionen.

Papst Johannes Paul II. und Katholikos Karekin I. appellieren an ihren Klerus und die Laien, auf allen Gebieten der Diakonie aktiver und wirksamer ihre Zusammenarbeit einzusetzen, Förderer von Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit zu sein, um die wirkliche Anerkennung der Menschenrechte zu kämpfen und sich der Unterstützung all derer zu widmen, die leiden und in der ganzen Welt in geistiger und materieller Not sind.

Johannes Paul II. und Karekin I. bringen eine besondere pastorale Sorge für das armenische Volk zum Ausdruck, sowohl hinsichtlich der Menschen, die in ihrer historisch angestammten Heimat leben, wo Freiheit und Unabhängigkeit wiedergewonnen und kürzlich durch die Schaffung des neuen unabhängigen Staates Armenien wieder anerkannt sind, als auch hinsichtlich jener, die in Nagorny Karabagh noch keinen dauerhaften Frieden haben, und jener, die in einem Zustand weltweiter Diaspora leben. Mitten in Umwälzungen und Tragödien, vor allem in diesem Jahrhundert, sind diese Menschen ihrem apostolischen Glauben treu geblieben, dem Glauben von Märtyrern und Bekennern, dem Glauben von Millionen namenloser Gläubigen, für die Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes und Erlöser der Welt, das Fundament ihrer Hoffnung war, und dessen Geist sie durch die Jahrhunderte geführt hat. Da sie nun dem siebzehnten Jahrhundert seit der offiziellen Errichtung der Kirche in Armenien entgegengehen, mögen sie den besonderen Segen des dreieinigen Gottes empfangen für Frieden und Gerechtigkeit und für eine erneute Hingabe zu treuem Zeugnis für den Herrn Jesus Christus.

Rom, den 13. Dezember 1996
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