Gemeinsame Erklärung vom 5. Dezember 1996 in Rom

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und
George Carey Erzbischof von Canterbury, Primas der anglikanischen Gemeinschaft

5. Dezember 1996 in Rom

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1996, S. 1135-1137)

Wiederum haben sich in der Stadt Rom ein Erzbischof von Canterbury, Seine Gnaden George Carey, der die Anglikanische Gemeinschaft vertritt, und der Bischof von Rom, Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II., getroffen und gemeinsam gebetet.

Im Bewusstsein, dass das jetzt zu Ende gehende zweite christliche Jahrtausend Entzweiungen, ja offene Feindschaft und Kampf zwischen Christen gesehen hat, war das Anliegen unseres inständigen Gebetes die Gnade der Versöhnung. Wir haben aufrichtig um Bekehrung gebetet - Bekehrung zu Christus und zueinander in Christus. Wir haben gebetet, dass Katholiken und Anglikanern die Weisheit verliehen werde, den Willen des Vaters zu erkennen, und die Kraft, ihn zu erfüllen. Dieser Wille möge das Fortschreiten zu jener vollen sichtbaren Einheit möglich machen, die Gottes Geschenk und unsere Berufung ist.

Wir haben Dank dafür gesagt, dass in vielen Teilen der Welt Anglikaner und Katholiken, in einer Taufe verbunden, einander als Brüder und Schwestern in Christus anerkennen und dies durch Gemeinschaft im Gebet, Zusammenarbeit im Handeln und Einheit im Zeugnis zum Ausdruck zu bringen. Das ist das Bezeugen jener Gemeinschaft, von der wir wissen, dass wir sie durch Gottes Gnade bereits miteinander teilen, und es zeigt unser ersehntes Ziel, dass sie zu der von Christus gewollten Fülle komme. Wir haben besonders gedankt für den Geist des Glaubens an Gottes Verheißungen, für die ausdauernde Hoffnung und die gegenseitige Liebe, die alle inspiriert hat, die für die Einheit zwischen der Anglikanischen Gemeinschaft und der katholischen Kirche gearbeitet haben, seitdem unsere Vorgänger, Erzbischof Michael Ramsey und Papst Paul VI., sich getroffen und zusammen gebetet haben In der Kirche des hl. Gregor auf dem Caeliushügel haben wir in Dankbarkeit des gemeinsamen Erbes von Anglikanern und Katholiken gedacht, verwurzelt in der einen Sendung am englischen Volk, mit der Papst Gregor der Große den hl. Augustinus von Canterbury betraute.

Seit mehr als fünfundzwanzig Jahren wird ein ständiger und sorgfältiger Dialog von der Anglikanisch-Römisch Katholischen Internationalen Kommission (ARCIC) unternommen. Wir bestätigen die Zeichen des Fortschritts, enthalten in den Erklärungen von ARCIC I über die Eucharistie und über das Verständnis von Amt und Weihe, die eine maßgebliche Antwort von beiden Dialogpartnern erhalten haben. ARCIC II hat weitere Erklärungen über die Erlösung und die Kirche, über das Verständnis der Kirche als Communio erarbeitet, sowie über die Lebensweise und die Treue zu Christus, die wir zu teilen suchen. Diese Erklärungen verdienen es, weiteren Kreise!) bekannt zu werden. Sie erfordern genauere Untersuchung, Reflektion und Antwort. Augenblicklich sucht die Internationale Kommission die Annäherung in den Auffassungen über Autorität in der Kirchen voranzubringen. Ohne Übereinstimmung auf diesem Gebiet werden wir die volle sichtbare Einheit, die wir anstreben, nicht erreichen. Das der Übereinstimmung entgegenstehende Hindernis, das in einigen Provinzen der Anglikanischen Gemeinschaft durch die Priester- und Bischofsweihe von Frauen verursacht wurde, ist zunehmend deutlich geworden und hat eine neue Situation geschaffen. Im Hinblick darauf mag es an diesem Abschnitt unseres Weges angebracht. sein, weiter darüber zu beraten, wie die Beziehung zwischen der Anglikanischen Gemeinschaft und der katholischen Kirche weiter fortschreiten soll. Gleichzeitig ermutigen wir ARCIC, unseren theologischen Dialog fortzusetzen und zu vertiefen, nicht nur über Fragen, die mit unseren augenblicklichen Schwierigkeiten zusammenhängen, sondern auch in allen Bereichen, in denen volle Obereinstimmung noch erreicht werden muß.

Wir sind berufen, das Evangelium zu predigen, "ob man es hören will oder nicht" (2 Tim 4,2). In vielen Teilen der Welt versuchen Anglikaner und Katholiken angesichts der Zunahme von Säkularismus, religiöser Gleichgültigkeit und moralischer Verwirrung gemeinsam Zeugnis zu geben. Wann immer sie in der Lage sind, vereint Zeugnis für das Evangelium zu geben, müssen sie es tun, denn Spaltungen verdunkeln die Botschaft des Evangeliums von Versöhnung und Hoffnung.

Wir fordern unsere Gläubigen dringend auf, vollen Gebrauch zu machen von den Möglichkeiten, die ihnen bereits zur Verfügung stehen, wie etwa das von der katholischen Kirche herausgegebenen Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (1993). Wir rufen sie auf, Vergangenes zu bereuen, um die Gnade der Einheit zu beten, sich Gottes umgestaltender Macht zu öffnen und in jeder geeigneten Weise auf lokaler, nationaler und Provinzebene zusammenzuarbeiten. Wir beten, dass der Geist des Dialogs sich durchsetze, der zur Versöhnung beiträgt und dem Entstehen neuer Schwierigkeiten zuvorkommt. Wenn immer etwas geschieht, was eine Haltung von Proselytismus erkennen läßt so ist das unserem gemeinsamen Zeugnis abträglich und muß ausgeschaltet werden.

Wir freuen uns auf die Feier anläßlich der 2000 Jahre, seitdem das Wort Fleisch wurde und unter uns gewohnt hat (vgl. Joh 1,14). Das ist eine Gelegenheit, erneut unseren gemeinsamen Glauben an Gott zu verkünden, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen Sohn sandte, nicht um die Welt zu verurteilen, sondern damit die Welt durch ihn gerettet, werde (vgl. Job 3,16-17). Wir fordern Anglikaner und Katholiken mit und alle unsere christlichen Brüder und Schwester auf, im Jahr 2000 gemeinsam zu beten, zu feiern und Zeugnis zu geben. Diesen Aufruf lassen wir im Geist der Demut ergehen in der Erkenntnis, dass ein glaubwürdiges Zeugnis erst dann vollkommen ist, wenn Anglikaner und Katholiken, zusammen mit all unseren Brüdern und Schwestern, jene volle sichtbare Einheit erreicht haben, die dem Gebet Christi entspricht: "Alle sollen eins sein ... damit die Welt glaubt" (Joh 17,21).

Rom, St. Gregor auf dem Caelius, 5. Dezember
Meine Werkzeuge