Heiligmachende Gnade

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Heiligmachende Gnade (gratia sanctificans oder Gnadenstand, gratia iustificans auch schlechthin gratia habitualis) ist die von Gott bei der Rechtfertigung in der Seele hervorgebrachte dauernde übernatürliche und geschenkte Verfassung (Habitus) oder Eigenschaft.[1] Sie ist das göttliche Leben der Seele, das in der Taufe gegeben wird und durch die schwere Sünde (=Todsünde [Stand der Ungnade]) verlorengeht, bis es durch die vollkommene Reue oder durch eine gute Beichte wiedererlangt wird. Durch sie nimmt der Mensch an der göttlichen Natur teil und ist ein Gotteskind.[2] Die übernatürliche Würde, die sie dem Menschen verleiht, ist das wichtigste Erfordernis, um durch gute Werke im eigentlichen Sinne bei Gott (Verdienste) erwerben zu können.[3] In der Offenbarung des Johannes wird sie ein Gewand aus Linnen von blendender Weiße bezeichnet, aus den guten Werken der Heiligen gewoben (vgl. Offb 19,8 EU).[4]

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Wie das Licht durch sein bloßes Vorhandensein ohne weiteres die Finsternis verscheucht und Helligkeit verbreitet, so vertreibt die heiligmachende Gnade (als Formalursache der Rechtfertigung) den Zustand der Todsünde aus der Seele, erneuert dieselbe und macht sie gerecht und wohlgefällig vor Gott.[5] Die heiligmachende Gnade ist einer unbegrenzten Steigerung fähig. Der Grad, den sie am Ende der Zeit des Verdienens, also am Lebensende, erreicht hat, ist der Maßstab für die wesentliche Seligkeit des Himmels. [6]

Die lässliche Sünde entzieht nicht die heiligmachende Gnade, die Freundschaft mit Gott, die Liebe und so auch nicht die ewige Seligkeit, während ein solcher Entzug gerade die Folge der Todsünde ist.[7]

Die heiligmachende Gnade im Katechismus der Katholischen Kirche

„Die Gnade Christi besteht darin, dass uns Gott ungeschuldet sein Leben schenkt. Er gießt es durch den Heiligen Geist in unsere Seele ein, um sie von der Sünde zu heilen und sie zu heiligen. Das ist die heiligmachende oder vergöttlichende Gnade, die wir in der Taufe erhalten haben. Sie ist in uns der Ursprung des „Heiligungswerkes" [Vgl. Joh 4,14 EU; Joh 7,38-39 EU]. „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt" hat (2 Kor 5,17-18 EU). Die heiligmachende Gnade ist ein bleibendes Geschenk, eine übernatürliche feste Neigung. Sie vervollkommnet die Seele, um sie zu befähigen, mit Gott zu leben und aus seiner Liebe zu handeln. Man unterscheidet die sogenannte habituelle Gnade, das heißt eine bleibende Neigung, entsprechend dem göttlichen Ruf zu leben und zu handeln, von den sogenannten helfenden Gnaden, das heißt dem göttlichen Eingreifen zu Beginn der Bekehrung oder im Verlauf des Heiligungswerkes. Charismen sind auf die heiligmachende Gnade hingeordnet und haben das Gemeinwohl der Kirche zum Ziel. Sie stehen im Dienst der Liebe, welche die Kirche aufbaut [Vgl. 1 Kor 12 EU. - Vgl. Konzil von Trient: DS 1533-1534].[8]

Der Verlust der Heiligmachenden Gnade

Ist die Heiligmachende Gnade durch die Schwere Sünde verloren gegangen, wohnt Gott nicht mehr im Herzen dieses Menschen.[9] Dieser hat durch seine Todsünde die Liebe und heiligmachende Gnade verloren und ist deswegen unfähig geworden zu übernatürlichem Verdienst. Er verliert jedoch das übernatürliche Leben nicht ganz, denn wenn er den Glauben und die christliche Hoffnung bewahrt und durch himmlisches Licht erleuchtet, durch die Einsprechungen und inneren Antriebe des Heiligen Geistes, kann er zu heilsamer Furcht gebracht werden, kann zum Gebet und zur Reue über den Fall angespornt werden.[10] Der Glaube allein, genügt zur Erlangung der ewigen Seligkeit jedoch nicht (vgl. 1 Kor 13,13 EU). Der Verlust der Heiligmachenden Gnade ist ein Verlust der "Liebe" und der "ewigen Seligkeit".[11]

Christliche Eltern können, so sehr sie selbst im Gnadenstande sein mögen, die heiligmachende Gnade nicht an ihre Kinder weitergeben. Sie werden mit der Erbschuld geboren. "Ihre Aufgabe ist es, ihr eigenes Kind der Kirche darzubringen, damit es von dieser überaus fruchtbaren Mutter der Kinder Gottes durch das Bad der Taufe zur übernatürlichen Gerechtigkeit wiedergeboren" und ein lebendiges Glied am mystischen Leibe Christi sind.[12]

Weitere theologische Erklärungen

Wird die Heiligmachende Gnade durch eine neue Rechtfertigung (in der Beichte) wiedergewonnen, so leben nach der wahrscheinlicheren Ansicht die früher erworbenen Verdienste voll wieder auf. Demgemäß wird auch anzunehmen sein, dass in diesem Falle die heiligmachende Gnade in einem der früheren Verdiensten entsprechende Gnade zugegeben wird.[13]

Gleichwie die Seele die natürliche Wesensform ist, die den Menschen zum Menschen macht und als dessen Lebensprinzip vermittelst ihrer Fähigkeiten und deren angeborenen oder erworbenen Fertigkeiten alle Lebenstätigkeit hervorbringt, so ähnlich ist die heiligmachende Gnade die Form des höheren, übernatürlichen Seins und Lebens der begnadeten Seele. Das übernatürliche Leben betätigt die heiligmachende Gnade vermittelst der eingegossenen Tugenden, vor allem der göttlichen, die als übernatürliche Seelenfähigkeiten aufzufassen sind, und der Gaben des Heiligen Geistes, die man passend als übernatürliche Fertigkeiten der Seelenkräfte ansieht. Somit ist die heiligmachende Gnade wahrscheinlicher nicht ein mit dem Habitus der göttlichen Liebe identisches, unmittelbares Tätigkeitsprinzip, sondern ein sachlich davon verschiedenes Prinzip übernatürlichen Seins und als Träger der andern eingegossenen Gaben zugleich das letzte und mittelbare Prinzip der übernatürlichen Betätigung.[14]

Grundentscheidung und Heiligmachende Gnade[15]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, Herder & Co., Freiburg im Breisgau 1926, S. 127 (Imprimatur Friburgi, die 17. Iulii 1926 Dr. Sester, Vic. Gen.).
  2. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 111, Heiligmachende Gnade (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  3. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 128.
  4. Wörterbuch zur biblischen Botschaft, Herausgegeben von Xavier Lèon-Dufour, Herder Verlag Freiburg 1981, S. 76, Artikel: Brautschaft (827 Seiten; ISBN 3-451-1417-4; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 20. Juli 1964 Der Generalvikar Dr. Föhr).
  5. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 127.
  6. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 128.
  7. Johannes Paul II., Reconciliatio et paenitentia vom 2. Dezember 1984 über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 17.
  8. Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1999-2000+2003.
  9. vgl. Mystici corporis christi, Nr. 57.
  10. Pius XII., Mystici corporis christi, vom 29. Juni 1943 über den Geheimnisvollen Leib Christi, Nr. 23.
  11. Johannes Paul II., Veritatis splendor, vom 6. August 1993 über einige grundlegende Fragen der kirchlichen Morallehre, Nr. 68.
  12. vgl. Pius XI., Casti connubii, vom 31. Dezember 1930 über die christliche Ehe, in Hinsicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse, Bedrängnisse, Irrtümer und Verfehlungen in Familie und Gesellschaft, Nr. 14.
  13. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 127-128.
  14. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 127-128.
  15. Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Persona humana zu einigen Fragen der Sexualethik vom 29. Dezember 1975, Nr. 10; Johannes Paul II., Veritatis splendor, Nr. 65-70.
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