Goldenes Rössl

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Version vom 7. Juni 2009, 20:34 Uhr

Das "Goldene Rössl" ist das Juwel des "Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum" in Altötting.

Geschichte

Das "Goldene Rössl" wurde im Jahre 1404 im Auftrag der französischen Königin Isabeau de Baviére, einer Wittelsbacherin, als Neujahrsgeschenk für ihren Gemahl König Karl VI. angefertigt. Schon kurz nach seiner Entstehung gelangte es als Pfand für eine fällige Jahrespension in den Besitz des Bruders von Isabeau, Herzog Ludwig dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt. Schließlich kam das "Goldene Rössl" nach dem Aussterben der Ingolstädter Linie in den Besitz der niederbayerischen Herzöge. Diese gaben es 1506 nach Altötting, um Kriegsanleihen für den Landshuter Erbfolgekrieg zu begleichen.

Aufbau

Vor einer mit ungewöhnlich großen Rubinen und Saphiren sowie Perlen reich verzierten Laube thront auf einem Sockelaufbau Maria mit dem Jesuskind. Unmittelbar vor ihr knien als Kinder dargestellt, Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist, links daneben die hl. Katharina von Alexandrien, die von Jesus einen Ring erhält als Hinweis auf die "mystische Verlobung". Vor dem Sockel kniet links auf einem Kissen der betende König Karl VI., gegenüber dessen Chevalier mit dem Helm des Herrschers in Händen.

Die Laubenanlage ruht auf einem flachen, von vier dicken Säulen getragenen Gewölbe, begleitet von zwei flankierenden Treppen. Unter dem Gewölbe steht ein gesattelter und reich gezäumter Schimmel, der von einem Reitknecht gehalten wird. Die Laubanlage und sämtliche figürliche Darstellungen bestehen aus 24-karätigem gold. Die hauchdünn getriebenen Figuren sind mit Email in den Farben weiß, rot, grün und blau überzogen.

Die Architektur des Sockelgeschosses ist aus Silber gefertigt und feuervergoldet. Das 62 cm hohe Anbetungsaltärchen gilt als eines der bedeutendsten Werke der mittelalterlichen Goldschmiedekunst und genießt wegen seiner Schönheit und außergewöhnlichen technischen Ausführung Weltruf.

1992–1995 wurde das "Goldene Rössl" in den Werkstätten des Bayerischen Nationalmuseums in München unter fachlicher Beratung und Mitarbeit von Kunsthistorikern des Pariser Louvre, des Britischen Museums in London sowie aus Deutschland und Österreich aufwendig restauriert und kehrte nach einer Ausstellung in München im April 1995 wieder an seinen Platz in die Schatzkammer der Stiftskirche von Altötting zurück. Das Goldene Rössl gilt als das weltweit kostbarste Exemplar dieser Kunstgattung.

Vom 22. März bis 12. Juli 2004 kehrte das "Goldene Rössl" an seinen Ursprungsort Paris zurück. Es wurde in der Sonderausstellung Paris 1400 – Les arts sous Charles VI im Louvre gezeigt. In der Ausstellung "Von Paris nach Bayern - das Goldene Rössl und Meisterwerke der französischen Hofkunst um 1400" zeigte die Altöttinger Stadtgalerie vom 21. Juli bis 24. September 2006 das Goldene Rössl zusammen mit Exponaten aus dem Pariser Louvre.

Als Papst Benedikt XVI. den bisherigen Standort des Goldenen Rössls, die Schatzkammer der Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob 2006 in eine Andachtskapelle umwandelte, wurde 2008 mit dem Bau des Haus Papst Benedikt XVI. - Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum begonnen, das dem Kunstwerk seit Mai 2009 ein neues Zuhause bietet.

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