Guido von Arezzo

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Guidonische Hand

Guido von Arezzo (* um 992 in Pomposa; † um 1050 in Avellana) war ein Benediktinermönch und Musiktheoretiker.

Biografie

Guido von Arezzo wurde im letzten Jahrzehnt des 10. Jahrhundert in Pomposa bei Ferrara geboren und kam vor 1020 in die dortige Abtei Santa Maria, wo er u. a. die Traktate des Odo, Abt von St.-Maur, studierte. 1023 oder 1025 verließ er das Kloster wieder und wurde unter Bischof Theobald von Arezzo (1023-1036) Lehrer in der Kathedralschule von Arezzo.

Von 1025 bis 1026 entstand Guidos musiktheoretisches Hauptwerk, der Micrologus de disciplina artis musicae, in dem er neben den Beschreibungen von Tonzwischenräumen (Intervallen) und den Kirchentonarten unter anderem auch die Legende von der Schmiede des Pythagoras weitergibt. Vermutlich 1028 überreichte Guido von Arezzo Papst Johannes XIX. (1024-1033) auf dessen Einladung hin in Rom ein Exemplar seines noch in Pomposa verfassten Antiphonarium. Im Vorwort des Werkes wird erstmals die von Guido von Arezzo erfundene zunächst auf zwei, später auf vier Notenlinien im Terzabstand (Dreitonabstand) basierende Musiknotation beschrieben. In dem später verfassten Werk „Epistola Guidonis Michaeli monacho de ignoto cantu directa“ erläuterte er die heute als Solmisation bekannte Technik, die Töne eines Hexachords (eine Reihe von sechs aufeinanderfolgenden Tönen oder Tonäquivalenzrelationen) mit den Anfangssilben der Zeilen des Johannes-Hymnus 'Ut queant laxis'. Der Text des Hymnus stammt aus dem 8. Jahrhundert, vermutlich von Paulus Diaconus, die Melodie ist möglicherweise von Guido selbst komponiert worden:

  • Ut queant laxis
  • resonare fibris
  • mira gestorum
  • famuli tuorum
  • solve polluti
  • labii reatum
  • S-ancte I-ohannes.

(ut - re - mi - fa - sol - la)

Daraus wurde später dann die Tonleiter: ut - re - mi - fa - so - la - si - do.

In den Jahrhunderten vor Guido von Arezzo wurden für die Musikzeichen (Neumen) benutzt, die in campo aperto (auf dem offenen Feld) notiert waren und die allerdings keinen Aufschluss über die genaue Länge oder Höhe des Tons zuließen. Die eigentliche Melodie wurde mündlich überliefert.

Literatur

  • Karl Heinrich Ehrenforth: Geschichte der musikalischen Bildung. Schott Verlag, Mainz, 2005.
  • Peter Gülke: Mönche, Bürger, MInnesänger. Koehler & Amelang, Leipzig, 1975.
  • Barbara Stühlmeyer: Wie Guido von Arezzo die Notenschrift erfand, Karfunkel 100.
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