Heiliger

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Albrecht Dürer: Anbetung der Dreifaltigkeit durch die Civitas Dei, die Gemeinschaft der Heiligen (1511)
Christus, die Krone der Heiligen
Fra Angelico OP: Heilige (Predella des Hochaltars von San Domenico in Fiesole,1423/24)

Als Heiliger wird ein in religiöser Hinsicht vollkommener Mensch bezeichnet. Die Heiligen werden verehrt (cultus duliae). Die Gottesmutter jedoch hochverehrt (cultus hyperduliae) und Gott angebetet (cultus latriae), vgl. Anbetung.

Inhaltsverzeichnis

Stufen der Heiligkeit

Die Theologie hat ein Doppelkonzept der Heiligkeit:

Gott selber ist schlechthin heilig. Seine Heiligkeit ist Grund und Maßstab für die Heiligkeit des Menschen. (Lev 11,45 EU, 1 Petr 1,16 EU).

Jesus Christus hat durch seine besondere Beziehung zum Vater und sein Erlösungwirken die Heiligkeit in den Menschen bewirkt.

Heilige im umgangssprachlichen Sinn zeichnen sich dadurch aus, dass sie bereits eine höhere Stufe der Gnade erreicht haben, die aber prinzipiell für jeden Gläubigen als Glied der Kirche erreichbar ist. Der Theologe Wolfgang Beinert drückt es kompakt so aus: „Sie die Heiligkeit des Einzelnen wird in der Taufe begründet als seinshafte Qualität und entfaltet sich in der personalen Annahme des göttlichen Rufes durch Übernahme der Gesinnung Jesu in einem moralisch heiligen Leben (vgl. Eph 1,4 EU, 5,1 EU; Phil 2,5 EU, 4,8 EU; Kol 1,22 EU, 1 Petr 1,15-16 EU, 2,9 EU; Tit 1,7-9 EU u.ä.)

In den Selig- und Heiligsprechungsprozessen, so Papst Franziskus, "werden neben den Zeichen eines heroischen Tugendgrades und der Hingabe des Lebens im Martyrium auch diejenigen Fälle berücksichtigt, in denen eine bis zum Tod durchgehaltene Aufopferung des eigenen Lebens für andere erfolgt ist".[1] Heilige sind oftmals Märtyrer, Bekenner, Menschen mit einem "engelsgleichen Leben", große Gestalten der Christenheit (Kirchenlehrer, Könige, Ordensgründer, Päpste).

Die Heiligen werden als Mittler zu Gott verehrt und als Fürsprecher vor Gottes Thron angerufen. Besonders verehrt wird hierbei die heilige Maria, die Mutter Gottes.

Papst Franziskus unterscheidet in seinem Apostolischen Schreiben Gaudete et exsultate

  • "die Heiligen, die bereits in der Gegenwart Gottes sind" und "mit uns Bande der Liebe und der Gemeinschaft" unterhalten;
  • "die Heiligkeit der streitenden Kirche": "die Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes; die Heiligkeit „von nebenan“, derer, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind, oder, um es anders auszudrücken, 'die Mittelschicht der Heiligkeit'“; Franziskus denkt an "Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen", an "Männer und Frauen, die arbeiten, um das tägliche Brot nach Hause zu bringen", an die Kranken und an "die älteren Ordensfrauen, die weiter lächeln".[2]

Die übernatürliche Gemeinschaft zwischen den Lebenden auf der Erde und den Verstorbenen im Himmel bekennt die Kirche im Apostolischen Glaubensbekenntnis als Gemeinschaft der Heiligen (Communio Sanctorum).

Präfationen von den Heiligen

(Präfationen im Wochentagsmessbuch)
I. Die Glorie der Heiligen und die Gläubigen
In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott, immer und überall zu danken. Die Schar der Heiligen verkündet Deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst Du das Werk Deiner Gnade. Du schenkst uns in ihrem Leben ein Vorbild, auf ihre Fürsprache gewährst Du uns Hilfe und gibst uns in ihrer Gemeinschaft das verheißene Erbe. Ihr Zeugnis verleiht uns die Kraft, im Kampf gegen das Böse zu siegen und mit ihnen die Krone der Herrlichkeit zu empfangen durch unseren Herrn Jesus Christus. Darum preisen wir Dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob Deiner Herrlichkeit: Heilig, heilig, heilig...

II. Die Heiligen und wir
In Wahrheit ist es würdig und recht, Dir, Vater im Himmel, zu danken und das Werk Deiner Gnade zu preisen. Denn in den Heiligen schenkst Du der Kirche leuchtende Zeichen Deiner Liebe. Durch das Zeugnis ihres Glaubens verleihst Du uns immer neu die Kraft, nach der Fülle des Heiles zu streben. Durch ihre Fürsprache und ihr heiliges Leben gibst Du uns Hoffnung und Zuversicht. Darum rühmen Dich Himmel und Erde, Engel und Menschen und singen wie aus einem Munde das Lob Deiner Herrlichkeit: Heilig, heilig, heilig...

Zitat

"Deine Heiligen sind wie Wasser, die aufwärts fließen" (Die Dichterin Gertrud von le Fort in: "Hymnen an die Kirche")

Päpstliche Schreiben

Pius IV.

Franziskus

  • 19. März 2018: Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute

Literatur

  • Arnold Angenendt: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, 2. Aufl. (C.H. Beck) München 1994 (= Niocolai-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-937872-72-8).
  • Wolfgang Beinert (Hrsg.): Die Heiligen heute ehren. Eine theologisch-pastorale Handreichung. Freiburg (Breisgau) u. a. 1983, ISBN 3-451-19544-5.
  • Peter Dinzelbacher, Dieter R. Bauer (Hrsg.): Heiligenverehrung in Geschichte und Gegenwart. Schwabenverlag, Ostfildern 1990, ISBN 3-7966-0679-2.
  • Ludwig Donin: Leben und Thaten der Heiligen Gottes, oder: Der Triumph des wahren Glaubens in allen Jahrhunderten., Mit Angabe der vorzüglichsten Geschichtsquellen und praktischer Anwendung nach den bewährtesten Geistesmännern, komplett in 7 Bänden, es fehlt Band 5 (1. Sept - 31. Okt.), Grund Verlag Wien 1861-62 (2., vermehrte und verbesserte Auflage; pro Band ca. 650 Seiten).
  • Hans Hümmeler: Helden und Heilige, Borromäus Verein Bonn 1958 (Imprimatur Coloniae, die 16. m. Martii a. 1954, Jr. Nr.: 967/I/54 Teusch vic. glis.).
  • Wilhelm Hünermann: Der endlose Chor, Freiburg 1948 (Nachdruck: Theresia Verlag, 1200 Seiten)
  • Bernhard Kaul: Die Strahlkraft der Heiligen : 20 Porträts, Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz; Kanisiuswerk Konstanz 1989 (104 Seiten).
  • Rudolph Keith: Königin aller Heiligen, Miriam Verlag 1977 (ISBN 3874491102; 165 Seiten).
  • Konrad Kirch/Adolf Rodewyk: Helden des Christentums Bd. 1-3, St. Benno Verlag, Leipzig 1957-1958 (Kirchliche Druckerlaubnis Bautzen, Dr. Hötzel Generalvikar).
  • Gisbert Kranz: Politische Heilige und katholische Reformatoren, 1-3. Band , Verlag Winfried Werk, Augsburg 1958.
  • Odilo Lechner, Ulrich Schütz: Mit den Heiligen durch das Jahr, Herder Verlag, Freiburg 1987, ISBN 3-451-20485-1 (289 S.).
  • Lexikon der Heiligen und der Heiligenverehrung (3 Bände), Herder Verlag, Freiburg 2003, ISBN 978-3-451-28190-7.
  • Peter Mann (Hsgr.): Die Heiligen. Alle Biografien zum Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet, Matthias-Grünewald-Verlag Mainz 1975 (Mit kirchlicher Druckerlaubnis: Mainz, den 8. September 1975 Generalvikar Martin Luley).
  • Ludwig Mödl: Heilige. Boten Gottes, Media Maria Verlag 2016 (Gebunden, 160 Seiten; ISBN 978-3-9454012-5-5).
  • Walter Nigg: Große Heilige. Diogenes Verlag, Zürich 1993, ISBN 978-3-257-06526-8 (Erstausgabe 1947, Artemis Verlag).
  • Georg Popp (Hsgr.): Die Grossen der Kirche, Männer und Frauen der Kirche, die jeder kennen sollte, Arena Verlag Würzburg 1964 (Kirchliche Druckerlaubnis Bischöfliches Ordinariat Würzburg).
  • Robert Quardt: Heilige aus dem Bauernstande, Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1956 (38 Seiten).
  • Wilhelm Schamoni/Karl Besler: Charismatische Heilige, Besondere Gnadengaben bei Heiligen nach Zeugenaussagen aus Heiligssprechungsakten, Christiana Verlag Stein am Rhein 1989 (312 Seiten; ISBN 3-7171-0921-9; 1. Auflage; erschien unter dem Titel: "Das wahre Gesicht der Heiligen" Jakob Hegner Leipzig 1938).
  • Theodor Schnitzler: Die Heiligen im Jahr des Herrn'#, Herder Verlag Freiburg 1979 (3. Auflage; Imprimatur Coloniae die 27. dec. 1978 – Nr. 94658 I.78 Hubert Luthe vicarius episcopalis).
  • Otto Wimmer, Hartmut Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, 6. Auflage, Innsbruck 1988, ISBN 3-7022-1657-X (990 S.)
Ferdinand Holböck


Siehe auch:

Weblinks

Anmerkungen

  1. Gaudete et exsultate Nr. 5.
  2. Gaudete et exsultate Nr. 4.7.
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