Ho appreso

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Botschaft
Ho appreso

im Pontifikat von Papst
Johannes Paul II.
Fundament der Gesellschaft Jesu ist die Treue zur Kirche
31. Juli 1990

(Offizieller lateinischer Text: Die italienische Fassung auf der Vatikanseite)

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1990, S. 1010-1014)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


An den hoch würdigsten Herrn
P. Peter-Hans Kolvenbach Generaloberer der Gesellschaft Jesu

1. Mit lebhafter Genugtuung habe ich vernommen, dass Sie bei Gelegenheit des 500. Jahrestages seit der Geburt des hl. Ignatius von Loyola und dem 450. Jahrestag seit der Bestätigung der Gesellschaft Jesu durch Papst Paul III. in der Bulle Regimini militantis ecclesiae vom 27. September 1540 ein "Ignatianisches Jahr" verkündet haben. Es soll beginnen am 27. September 1990 und am 31. Juli 1991 schließen, zur Erinnerung an den Tag, an dem Ihr heiliger Gründer im Jahr 1556 in Rom, in seinem kleinen Zimmer neben der Kapelle "Unserer Lieben Frau von der Straße" starb.

Gern habe ich auch zur Kenntnis genommen, dass diese so wichtigen Ereignisse nicht nur mit Kundgebungen nach außen, sondern auch und vor allem mit einer Erneuerung des Ordenslebens und des apostolischen Eifers der Gesellschaft Jesu begangen werden sollen, sowie mit dem festen Willen, das, was der hl. Ignatius getan und zu tun empfohlen hat, immer besser zu erfüllen.

Angesichts der engen Bande, die die Gesellschaft Jesu mit dem Apostolischen Stuhl verbinden, vereinige ich mich im Geist mit diesen Feierlichkeiten und ermutige die festen Vorsätze, die ich mit meinem Gebet begleite.

2. Das Jahresgedächtnis der Geburt des hl. Ignatius läßt vor unserem Geist den Weg aufleuchten, den er als Pilger, wie er sich zu nennen liebte, zurückgelegt hat, geleitet von seinem Meister, dem Herrn der Geschichte und des Geschickes der Menschen, um so aus einem tüchtigen Ritter im Dienst eines irdischen Herrn der heroische Ritter des Königs der Ewigkeit, Jesus Christus, zu werden. Die Verwundung, die er in Pamplona davontrug, die lange Zeit der Genesung in Loyola, die Lektüre sowie die Überlegungen und Meditationen unter dem Einfluss der Gnade und die verschiedenen inneren Zustände, die er im Geist durchmaß, bewirkten in ihm schrittweise eine radikale Bekehrung: von den Träumen nach einem weltlichen Leben zur vollen Weihe an Christus, die zu Füßen der Madonna von Monserrat erfolgte und in der Einkehr von Manresa zur Reife kam.

Der Pilger begab sich in das Land seines Herrn. Doch der göttliche König wollte Ignatius nicht in Jerusalem zurückhalten. Die Studienjahre in Barcelona, Alcala, Salamanca und Paris ließen ihn die Notwendigkeit einer gediegenen geistlichen und intellektuellen Vorbereitung für ein wirksames Apostolat erkennen, das er unter Mitarbeit anderer durchführen wollte, die vom gleichen übernatürlichen Geist erfüllt und lehrmäßig ebenso vorgebildet waren. Darum scharte er in Paris die ersten Gefährten um sich. Mit ihnen legte er am 15. August 1534 in der Kapelle des Montmartre die Gelübde der Keuschheit und der Armut ab, zusammen mit der Verpflichtung, ins Heilige Land zu gehen, um dort das Apostolat auszuüben.

Doch damals, im Jahre 1537, liefen in Venedig keine Schiffe ins Heilige Land aus, weil ein Krieg die Meereswege unpassierbar machte. Ignatius gehorchte daher dem Herrn, der ihn mit seinen Gefährten in Rom an der Seite des Papstes haben wollte. Dieser nahm sie in seinen Dienst auf, so dass die entstehende Gesellschaft Jesu sich vor allem auf das Fundament der Treue zur Kirche gründete. Ignatius, der so sehr danach verlangt hatte, im Heiligen Land zu bleiben, um "den Seelen zu helfen", indem er ihnen das Geheimnis der Menschwerdung verkündete, feierte seine erste hl. Messe in Rom in der Weihnachtsnacht 1538 vor der Krippenreliquie in der Basilika Santa Maria Maggiore.

3. Der treue Gehorsam der Gesellschaft Jesu gegenüber dem Nachfolger des Apostels Petrus in all ihrem Wirken wurde klar in der erwähnten Bestätigungsbulle Regimini militantis ecclesiae vom Jahre 1540 ausgesprochen und vollständig in die Bulle Exposcit debitum Julius III. vom 21. Juli 1550 aufgenommen, in der erklärt wird, dass alle, die in der Gesellschaft Jesu Profeß ablegen "außer der gewöhnlichen Verpflichtung zu den drei Gelübden sich durch ein weiteres, besonderes Gelübde binden. Kraft dieses Gelübdes sind wir verpflichtet, alles das, was der derzeitige Papst und seine Nachfolger, die künftigen Römischen Päpste, zum Nutzen der Seelen und zur Verbreitung des Glaubens befehlen, und wohin auch immer sie uns senden mögen, sofort und ohne irgendein Ausweichen oder eine Entschuldigung, soweit es von uns abhängt, auszuführen."

Diesem Gelübde getreu hat die Gesellschaft Jesu durch ihr Apostolat in Europa vor allem die Ausbreitung des Protestantismus aufgehalten sowie die Dekrete des Konzils von Trient durchgeführt. Auf den anderen Kontinenten, von den fernsten Gegenden Ostasiens bis zu den gerade neu entdeckten Ländern Amerikas, hat sie durch Predigt- und Lehrtätigkeit sowie bewundernswerte soziale Leistungen und mit allen möglichen weiteren Formen des Apostolates den Glauben verbreitet.

Diese Treue der Jesuitenpatres zum Apostolischen Stuhl bei der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben trug ihnen auch Schwierigkeiten und Angriffe von seiten der Feinde der Kirche ein, die sogar die Autbebung der Gesellschaft erreichten. Diese blieb aber nach der wundersamen Fügung der Vorsehung in Weißrußland erhalten und erstand durch Entscheidung Pius VII. seligen Andenkens neu, der das Schifflein Petri, wie er in der Bulle Sollicitudo omnium ecclesiarum vom 7. August 1814 schrieb, angesichts der zahlreichen Stürme nicht länger der wertvollen Hilfe derart tüchtiger Ruderer berauben wollte.

Die Gesellschaft nahm ihr apostolisches Wirken in Predigt und Lehrtätigkeit, wissenschaftlicher Forschung und sozialem Engagement, Missionstätigkeit sowie der Betreuung der Armen, Leidenden und Randexistenzen wieder auf.

Heute greift sie ebenso klug wie tatkräftig auch das tragische Problem der Vertriebenen und Flüchtlinge auf. Sie ist bemüht, durch gebührendes Unterscheiden den Dienst am Glauben mit der Förderung der Gerechtigkeit in Übereinstimmung mit dem Evangelium zu verbinden. Mein Vorgänger Papst Paul VI. konnte mit Recht feststellen: "Wo immer in der Kirche, auch in schwierigsten und wichtigsten Bereichen wie bei den Auseinandersetzungen mit den Ideologien und in den sozialen Kämpfen, die brennenden Anliegen des Menschen und die bleibende Botschaft des Evangeliums aufeinandertrafen und -treffen, dort fanden und finden wir die Jesuiten" (Ansprache vom 3. Dezember 1974: AAS 66 [1974] S. 718).

Viele Söhne des hl. Ignatius hat die Kirche zur Ehre der Altäre erhoben. Unzählbar aber sind jene, die mit ganzem Einsatz im Weinberg des Herrn gearbeitet haben. Die Vergangenheit der Gesellschaft Jesu ist gewiss ruhm voll. Möge die Erinnerung daran für alle eine Anregung zu hochherziger Erneuerung des apostolischen Eifers sein, immer in Treue zum Vorsatz, den Nachfolger des Petrus zu lieben und ihm zu Diensten zu sein.

4. Der apostolische Eifer, der den hl. Ignatius erfüllte und der von ihm der Gesellschaft im hochherzigen Dienst für die Kirche seit nunmehr 450 Jahren eingeflößt wurde, erklärt sich aus dem inneren Geist, der den heiligen Gründer und seine geistlichen Söhne belebte und ihr apostolisches Wirken erfolgreich machte. Im zehnten Abschnitt der Konstitutionen, wo es um die Weise geht, die Gesellschaft zu erhalten und zu entfalten, damit sie ihr Ziel erreicht, schrieb der hl. Ignatius, dass "die Mittel, die das Werkzeug Gottes ausrüsten und bereit machen, sich von seiner göttlichen Hand leiten zu lassen, wirksamer sind als jene, die es für die Menschen bereit machen ... denn die inneren Haltungen müssen die äußeren Verhaltensweisen im Hinblick auf das angestrebte Ziel wirksam machen".

Bevor er sie in den Konstitutionen festlegte, lebte der hl. Ignatius diese Wahrheit seit der Zeit von Manresa, unmittelbar nach seiner Bekehrung. Lange Stunden des Gebetes füllten seinen Tag aus und dazu einen Teil der Nacht. Hier geschah unter dem Einfluß der Gnade und unter dem Antrieb besonderer mystischer Gaben seine innere Umwandlung, die in dem wunderbaren Büchlein der "Geistlichen Exerzitien" zum Ausdruck kommt, und er war der Erste, der diese Übungen machte, so dass er ein wahrhaft geistlicher Mensch wurde.

In den folgenden Jahren mußte er wegen seiner Studien und dann wegen seiner apostolischen Tätigkeit die Zeit für das tägliche Gebet einschränken, wir wissen aber, dass er diesem stets in seinem Tagewerk angemessenen Raum gab. Aus dem, was uns in seinem Geistlichen Tagebuch erhalten blieb, geht nämlich hervor, dass er als Generaloberer der Gesellschaft sich jeden Morgen eine bestimmte Zeit für das Gebet und die Feier der hl. Eucharistie nahm, der gewöhnlich zwei Stunden Gebet folgten, in denen er nicht gestört werden wollte.

Die Feier der Eucharistie bildete den Mittelpunkt seines Gebetes. Es war die besondere Zeit für seinen innersten Austausch mit Gott, der oft von mystischen Gaben begleitet war. In die Eucharistiefeier nahm er seine Anliegen und Sorgen mit, die ihm bei der Leitung der Gesellschaft nicht erspart blieben; hier empfing er Erleuchtungen und Anregungen, die ihn bei der getreuen Durchführung der Pläne Gottes leiteten.

Es ist also natürlich, dass er nach dieser der Eucharistiefeier und dem Gebet gewidmeten Zeit den ganzen Tag in ständiger Vereinigung mit Gott zubrachte. Er erfuhr seine Gegenwart und sah Gott in allen Dingen, in allen Ereignissen, die ihn froh oder traurig machten. Das haben jene bezeugt, die mit ihm zu tun hatten, und sie stellten die unglaubliche Leichtigkeit fest, mit der er sich im Drang der Geschäfte geistlich zu sammeln, Urteile zu formulieren und Entscheidungen in übernatürlichem Licht zu fällen wusste. Er verwirklichte das, was P. Hieronymus Nadal in einem für die ignatianische Spiritualität kennzeichnenden Ausdruck zusammenfaßte: "in der Aktion kontemplativ sein."

5. Der hl. Ignatius war nicht nur ein Mann des Gebetes, sondern zugleich ein Lehrer des Gebetes, um auch die anderen dahin zu führen, "im Wirken kontemplativ zu sein".

Der einzuschlagende Weg ist der in seinen Geistlichen Exerzitien beschriebene. Hier spiegelt sich seine persönliche Erfahrung wider, und ihrer bediente er sich bei der Formung der anderen, angefangen bei seinen ersten Gefährten. Er wollte daher, dass jeder, der um Zulassung zur Gesellschaft bat, zunächst einen Monat lang geistliche Exerzitien machte, um so der Spiritualität eines jeden ein gediegenes Fundament zu geben.

Im ganzen Verlauf seines Ordenslebens ist der Jesuit daher aufgerufen, jeden Tag eine angemessene Zeit dem persönlichen Gebet und der Teilnahme an der Eucharistiefeier zu widmen, die, wie schon für den hl. Ignatius, die unerläßliche tägliche Nahrung für das geistliche Wachstum bildet.

Der hl. Ignatius schrieb keine langen Gebete vor; er betonte vielmehr, wie schon in den Geistlichen Exerzitien, die Abtötung, die man soweit wie möglich in allen Dingen suchen muss, weil die Beherrschung der Leidenschaften die Vereinigung mit Gott im Gebet erleichtert. Von daher erklärt sich auch die Wichtigkeit, die er der täglich zweimal vorzunehmenden Gewissenserforschung beimaß, um eine immer größere Reinheit des Herzens zu erlangen, die für die Vereinigung mit Gott bereit macht.

Die Söhne des hl. Ignatius sind nicht nur für den eigenen geistlichen Fortschritt zu diesem Ideal aufgerufen, sondern auch, um selber Lehrer des Gebetes zum Nutzen der anderen zu werden. Die ignatianischen Exerzitien und allgemein die ignatianische Spiritualität haben sich in der Kirche immer großer Wertschätzung erfreut, wie verschiedene päpstliche Dokumente bezeugen, angefangen von der ersten Approbation der Exerzitien im Breve Pastoralis Officii von Paul III. (31. Juli 1548) bis zu der Enzyklika Menti nostrae von Pius XI. (20. Dezember 1929), und wie zahllose Männer der Kirche und Laien bestätigen, die diesen geistlichen Übungen den Beginn oder einen neuen Aufschwung ihres geistlichen Lebens verdanken. Daher also das besondere Bemühen der Söhne des hl. Ignatius, dieses kostbare Werkzeug der Heiligung, das die Vorsehung der Gesellschaft zum Wohl des Volkes Gottes geschenkt hat, nicht verkümmern zu lassen. Darum ermuntere ich die Initiativen, die auf diesem Gebiet durch Studien und vertiefende Kurse derzeit ergriffen werden, um auf die heutigen Fragen und Bedürfnisse angemessen zu antworten.

6. Die Feier der ignatianischen Gedenkjahre fällt auch mit dem 25. Jahrestag seit dem Abschluß des II. Vatikanischen Konzils zusammen, dessen Durchführung mein pastorales Anliegen ist. Daher ist es mir ein besonderes Bedürfnis, euch an den besonderen Auftrag zu erinnem, den ihr von meinem Vorgänger Paul VI. erhalten habt, "dem Atheismus kraftvoll und mit vereinten Kräften zu widerstehen". Er ist eine "schreckliche Gefahr, die die Menschheit bedroht" (AAS 57[1965] S. 514). Dieser Auftrag verpflichtet euch gerade in den neuen Situationen, die durch den Zusammenbruch der atheistischen Ideologien entstanden sind. Wie ich euch schon bei einer anderen Gelegenheit gesagt habe, "erwartet die Kirche heute von der Gesellschaft einen wirksamen Beitrag zur Durchführung des II. Vatikanischen Konzils, wie sie zur Zeit des hl. Ignatius und später sich mit allen Mitteln dafür eingesetzt hat, das Konzil von Trient bekanntzumachen und durchzuführen und in ganz besonderer Weise den Römischen Päpsten bei der Ausübung ihres höchsten Lehramtes zu helfen" (AAS 74[1982] S. 557). Ich habe meinerseits diese Erwartung bei Gelegenheit der Eröffnung eurer 33. Generalkongregation bekräftigt und euch aufgefordert "immer größere Aufmerksamkeit den Initiativen zuzuwenden, welche das II. Vatikanische Konzil besonders ermutigt hat, wie dem Ökumenismus, dem tieferen Studium der Verhältnisse zu den nichtchristlichen Religionen und dem Dialog der Kirche mit den Kulturen" (Der Apostolische Stuhl, 1983, S. 1065).

7. Bei der Verwirklichung dieser hochherzigen Bemühungen möge euch der mütterliche Schutz der seligsten Jungfrau Maria helfen, die den Weg eures Gründers unterstützt und erleuchtet hat. Die persönliche Erfahrung des hl. Ignatius, die Lehren der Geistlichen Exerzitien und der Konstitutionen sowie die Vorgehensweise der Gesellschaft sind tatsächlich nichts anderes als "ein Weg zu Gott" (Formel des Institutes, 1), "der Weg zum größeren Dienst und Lob Christi, unseres Herrn" (Konst. 618), der "Weg des Pilgers", der mit der Gnade des Heiligen Geistes die Sendung des Herrn in der Kirche unserer Tage weiterführt. Darf man sich also darüber wundern, dass der hl. Ignatius diesen Weg des Lebens unter den Augen der seligsten Jungfrau entworfen hat?

Auf die Fürbitte der "Madonna della Strada", in deren Kapelle in Rom sich die Gläubigen zum Gebet am Grab des Pilgers, des hl. Ignatius, versammeln, möge die in der ganzen Welt verbreitete Gesellschaft Jesu unabläåçssig ihrer apostolischen Sendung treu bleiben, "vor allem anderen Gott vor Augen zu haben und dann die Form dieses seines Institutes", der Sendung zu hochherzigem Einsatz "unter dem Banner des Kreuzes für den Herrn und seinen Stellvertreter auf Erden" (Formel des Instituts, 1).

Als Unterpfand überreicher himmlischer Gnaden erteile ich Ihnen und allen hochverdienten Mitgliedern der Gesellschaft Jesu meinen besonderen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, 31. Juli 1990, dem Gedenktag des hl. Ignatius von Loyola
Johannes Paul II. PP.
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