Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche (Wortlaut)

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Überlegungen
Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche

Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens
an die männlichen Ordensleute, die keine Priester sind
im Pontifikat von Papst Franziskus
4. Oktober 2015

(Quelle: Identität und Sendung des Ordensbruders in der Kirche, Libreria Editrice Vaticana 2015, 83 Seiten; ISBN 978-88-209-9715-1)
 »Ihr alle aber seid Brüder« (Mt 23,8 EU)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Bruder

1. Seit den ersten Jahrhunderten des Christentums war das geweihte Leben hauptsächlich laikaler Natur und Ausdruck der lebendigen Sehnsucht von Männern und Frauen, das Evangelium mit eben der Radikalität zu leben, die es allen anempfiehlt, die Jesus nachfolgen wollen. Noch heute stellen die Laien - Männer und Frauen - eine große Mehrheit des geweihten Leben dar.

Seit den Anfängen des geweihten Lebens wird der Laie im Ordensleben[1] in der Kirche traditionell als Bruder bezeichnet. Die Bezeichnung ist nicht exklusiv, aber sie definiert ihn auf signifikante Weise im Rahmen der kirchlichen Gemeinschaft, innerhalb derer er prophetisches Gedächtnis von Jesus als Bruder ist, der seinen Jüngern erklärte: »Ihr alle aber seid Brüder« (Mt 23,8).[2]

Der Evangelist Matthäus überliefert uns diese Worte anlässlich einer Begebenheit, bei der Jesus sich gegen die Heuchelei derjenigen ausspricht, die die Religion gebrauchen, um Privilegien und Ruhm vor den Menschen zu erlangen. Die Bedeutung des Logion aber reicht über diesen unmittelbaren Kontext hinaus. Die Bezeichnung Bruder/ Schwester unterstreicht die allen gemeinsame Würde und die grundsätzliche Gleichheit aller Gläubigen. Sie sind Kinder im Sohn desselben himmlischen Vaters (vgl. Mt 5,45) und aufgerufen, eine allumfassende Gemeinschaft in Christus zu bilden, dem Erstgeborenen unter vielen Brüdern (vgl. Röm 8,29).

Auch wenn diese Weisung sich eher auf das Leben und die Sendung des Ordensbruders direkt bezieht, so sind doch viele der hier behandelten Fragen - wie die Teilhabe am Geheimnis der Communio und der kirchlichen Geschwisterlichkeit, oder die prophetischen Ämter des Zeugnis-Ablegens und des Dienens - nicht nur auf die Brüder, sondern auch auf Leben und Aufgaben der Ordensschwestern anwendbar.

Die Ordensbrüder und -schwestern sind dank ihrer Teilhabe am Heilsmysterium Christi und der Kirche für das gesamte Christenvolk eine beständige Erinnerung daran, wie wichtig es ist, sein Leben ganz und gar Gott zurr Geschenk zu machen. Sie erinnern uns daran, dass bei al· ler Achtung vor den vielen unterschiedlichen Berufunger und Dienstämtern, die allenthalben in der Kirche zu finder sind, die Sendung der Kirche doch einzig ist und von aller geteilt wird. Wir stellen jedoch fest, dass die Berufung des Ordensbruders, und damit auch der Ordensschwester, innerhalb der Kirche nicht immer verstanden und geschätzt wird.

Die Überlegungen, die wir hier anbieten, sind aus dem Bemühen entstanden, dazu beizutragen, dass der Reichtum der verschiedenen Berufungen, speziell im männlichen Zweig des geweihten Lebens, Wertschätzung erfährt, und mit dem Ziel, die Identität des Ordensbruders und den Wert und die Notwendigkeit einer derartigen Berufung zu klären.

Die Adressaten

2. Die Brüder, das heißt, die männlichen Ordensleute, die keine Priester sind, machen heute ein Fünftel aller männlichen Ordensleute in der Kirche aus. Einige gehören zu klerikalen, andere zu gemischten Ordensinstituten, und wieder andere sind Teillaikaler Institute, die auch als Ordensinstitute der Brüder[3] bezeichnet werden und deren :Mitglieder alle oder größtenteils Laienbrüder sind. An all jene richten sich diese Überlegungen mit dem Wunsch, sie in ihrer Berufung zu stärken.

Angesichts der Ähnlichkeiten zwischen der Ordensberufung von Frauen und der des Ordensbruders, ist das hier Behandelte leicht auf die Ordensschwestern anwendbar.

Daneben wendet sich diese Abhandlung auch an Laien, Ordenspriester, Diözesanpriester, Bischöfe und an alle, die die Berufung des Ordensbruders in der Kirche kennenlernen, schätzen und fördern wollen.

Ein Rahmen für unsere Überlegungen

3. Als Rahmen dieser speziellen Überlegungen über den Ordensbruder dient das nachsynodale apostolische Schreiben Vita consecrata von Johannes Paul II., auf das wir hinsichtlich all jener allgemeinen Aspekte des geweihten Lebens verweisen, die die Identität des Bruders beschreiben. Hier beschränken wir uns darauf darzustellen, was an dieser Berufung besonders spezifisch oder eigentümlich ist, auch wenn Verweise auf das geweihte Leben im Allgemeinen unvermeidlich sind und damit auf jene Texte, die es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Zusammenhang mit der Communio- Ekklesiologie[4] dargestellt haben.

Viele Merkmale, die bis dahin mit einer gewissen Ausschließlichkeit dem geweihten Leben zugeschrieben wurden, werden heute zum gemeinsamen Schatz der Kirche gerechnet und allen Gläubigen vorgeschlagen. Heute stehen die Ordensleute der Herausforderung gegenüber, sich in dem wiederzuerkennen, was für alle gilt, sie aber auf eine besondere Weise leben und so zu einem Zeichen für alle macht.

Aufbau des Dokuments

4. Zunächst stellen wir die Ordensbrüder innerhalb der Communio-Kirche als Teil des einzigen Gottesvolkes der Berufenen vor, in dem sie gerufen sind, den Reichtum ihrer besonderen Berufung auszuteilen.

Sodann legen wir die Identität des Bruders als Geheimnis der Communio für die Sendung dar, indem wir den drei Dimensionen folgen, mit denen die Communio-Kirche sich selbst vorstellt.[5] Im Mittelpunkt dieser dreifachen Perspektive steht das Herzstück der Identität des Ordensbruders: die Brüderlichkeit als empfangene Gabe (Geheimnis), als geteilte Gabe (Communio) und als geschenkte Gabe (Sendung).

Schließlich geben wir einige Hinweise, damit an allen Orten unserer Welt jede Gemeinschaft und jeder Ordensbruder auf die Frage Antwort geben kann: Wie kann man heute Ordensbruder sein?

I. DIE ORDENSBRÜDER IN DER COMMUNIO-KIRCHE

 »Ich habe dich dazu bestimmt, der Bund für mein Volk zu sein (Jes 42,6)

Dem Bund ein Gesicht geben

5. Die vom Zweiten Vatikanischen Konzil vollzogene und vom Pfingstgeist beseelte Erneuerung in der Kirche hat den zentralen Kern ihres eigenen Wesens deutlich gemacht, der als Geheimnis der Communio[6] geoffenbart wurde. Dieses Geheimnis ist der göttliche Heilsplan für die Menschheit,[7] der sich in der Geschichte des Bundes entfaltet.

Die Quelle dieses Geheimnisses entspringt nicht der Kirche selbst, sondern der Dreifaltigkeit, in der Gemeinschaft des Sohnes mit dem Vater in der Hingabe des Heiligen Geistes. Diese Gemeinschaft ist Vorbild, Quelle und Ziel der Gemeinschaft der Christen mit Christus, und aus ihr entsteht die Gemeinschaft der Christen untereinander.[8]

Das geweihte Leben, das »als entscheidendes Element für die Sendung der Kirche in deren Herz und Mitte steht«,[9] muss auf dieses Herz blicken, um sich selbst zu finden und zu verstehen. Hier findet der Ordembruder die tiefe Bedeutung seiner eigenen Berufung. Die Gestalt von Jesajas Gottesknecht, zu dem Gott spricht: »Ich habe dich dazu bestimmt, der Bund für mein Volk Zu sein« (Jes 42, 6), gibt ihm bei dieser Betrachtung Licht. Diese Gestalt erlangt ihre vollkommene Physiognomie in Jesus von Nazareth, der den Neuen Bund mit seinem Blut besiegelt und diejenigen, die an ihn glauben, zu sich ruft, auf dass sie die dem Knecht aufgetragenen Mittlertätigkeit weiterführen: der Bund für das Volk zu sein.

Die dem Gottesknecht eigene Identität als Mittler hat zugleich persönliche und gemeinschaftliche Bedeutung, bezieht sie sich doch auf den Rest Israels, das messianische Volk, von dem das Konzil sagt: »Von Christus als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet, wird es von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Mt 5,13-16) in alle Welt gesandt «.[10]

Indem er sich als Teil dieses Volkes und seiner Sendung begreift, folgt der Ordensbruder dem Ruf, durch seine Hingabe an Gott im geschwisterlichen Leben in Gemeinschaft für die Sendung[11] Gedächtnis des Bundes zu sein. Auf diese Weise macht er jene Gemeinschaft sichtbarer, die das ganze Volk Gottes verkörpern soll.

In Gemeinschaft mit dem Gottesvolk

6. Vom Heiligen Geist bestärkt erneuert die Kirche heute das Bewusstsein, Volk Gottes zu sein, in dem alle die gleiche, bei der Taufe erhaltene Würde,[12] die gleiche Berufung zur Heiligkeit haben[13] und für die Evangelisierung mitverantwortlich sind.[14] Ein jeder wird, je nach seiner Berufung, seinem Charisma und seinem Dienstamt, zum Zeichen für alle anderen.[15]

In diesem Volk von Geweihten entsteht und fügt sich das geweihte Leben ein, und darin wiederum das laikale Ordensleben mit einer neuen und besonderen Weihe, die die Taufweihe entwickelt und vertieft;[16] das »sich wie eine besondere Form der Teilhabe an dem prophetischen Amt Christi darstellt, die dem ganzen Volk Gottes vom Geist mitgeteilt wird«;[17] das sein spezifisches Charisma in kontinuierlicher Beziehung mit den anderen kirchlichen Charismen lebt; sich in die Sendung der Kirche integriert und sie mit den anderen Gläubigen teilt.

Durch ihre Zugehörigkeit zum Volk Gottes und zugleich vereint mit all jenen, die von der Ordensprofess her das Wesen der Kirche, Geheimnis der Gemeinschaft, wiederspiegeln, finden die Ordensbrüder ihren natürlichen Lebensraum in diesem Kontext der Communio. Hier erhalten sie das Verlangen nach Geschwisterlichkeit als Bekenntnis zur Dreifaltigkeit lebendig.[18]

Die gemeinschaftlichen Bindungen des Ordensbruders gehen jedoch über die Grenzen der Kirche hinaus, werden sie doch von dieser» Eigenschaft der Weltweite, die das Gottesvolk auszeichnet«,[19] gefördert. Die Berufung des Bruders ist Teil der Antwort Gottes auf den Mangel an Brüderlichkeit, der heute die Welt verwundet. An der Wurzel der Berufung des Bruders liegt eine tiefgehende Erfahrung der Solidarität, die im Wesentlichen mit der des Mose vor dem brennenden Dornbusch übereinstimmt: Er entdeckt sich selbst als die Augen, Ohren und das Herz Gottes, des Gottes, der die Unterdrückung seines Volkes sieht, sein Klagen hört, sein Leid kennt und herabsteigt, es zu befreien. In dieser tiefinneren Erfahrung hört der Bruder den Ruf: »Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!« (vgl. 2 Mose 3, 7-10). Aus diesem Grund ist die Dimension der Communio beim Bruder untrennbar mit einer tiefen Empfindsamkeit allem gegenüber verbunden, was die Kleinsten des Volkes betrifft: die durch verschiedene Formen der Ungerechtigkeit Unterdrückten, die am Rande der Geschichte und des Fortschritts Liegengelassenen und alle, die letztlich weniger Möglichkeiten haben, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes in ihrem Leben zu erfahren.

Eine Gedächtnisstütze für die Kirche

7. Der erste Dienst, den die Brüder als Ordensmänner in der Kirche leisten, besteht darin, »in den Getauften das Bewusstsein für die wesentlichen Werte des Evangeliums lebendig zu erhalten «und» mit der Heiligkeit des Lebens auf die durch den Heiligen Geist in die Herzen ausgegossene Liebe Gottes zu antworten« (vgl. Röm 5,5).[20] Alle anderen Dienste und Ämter, welche von den verschiedenen Formen des geweihten Lebens ausgeübt werden, erhalten Sinn und Berechtigung von diesem ersten Dienst her.

Diese vom Zweiten Vatikanischen Konzil[21] anerkannte und im apostolischen Schreiben Vita consecrata[22] wiederholt unterstrichene Zeichenhaftigkeit ist für das geweihte Leben wesentlich und bestimmt dessen Ausrichtung: Das geweihte Leben existiert nicht »für sich«, sondern für die kirchliche Gemeinschaft.

Die eigene Ordensweihe stellt das Leben als ein Zeugnis für das Absolute Gottes[23] dar, oder auch als einen Prozess der Öffnung im Licht des Evangeliums zu Gott und zu den Menschen hin. Sie ruft und lädt alle Gläubigen in den verschiedenen Lebensständen und -umständen ein, das eigene Leben als einen Weg der Radikalität anzugehen, und stets offen für die Gaben und Anrufe des Heiligen Geistes zu sein.[24]

Die Brüderlichkeit unter den Ordensbrüdern dient der gesamten Kirche als Stimulus, denn angesichts der Versuchung zu beherrschen, des Strebens nach dem ersten Platz, der Ausübung von Autorität als Macht, vergegenwärtigt sie den evangelischen Wert der horizontalen brüderlichen Beziehungen: »Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus« (Mt 23, 8-10).

Die Communio stellt sich der Kirche heute, im neuen Jahrtausend, als eine besonders dringliche Herausforderung dar, soll sie doch zum Haus und für Schule der Gemeinschaft werden.[25] In diesem Haus sind die Brüder aktive Bewohner, und in dieser Schule sind sie zugleich Schüler und Lehrer; sie machen sich daher die Dringlichkeit zu eigen, der sich die Kirche selbst stellt, die Spiritualität der Gemeinschaft[26] zu entfalten und zu fördern.

Den gemeinsamen Schatz wieder entdecken

8. Die Beziehungen in der Communio-Kirche werden ausgehend von dem geknüpft, was eint, und nicht von dem, was trennt. Heute werden wir uns des gemeinsamen Erbes wieder zunehmend bewusst: Es ist wie ein großer Schatz, der uns gleich macht in dem, was grundlegend ist, in der gemeinsamen Würde und den gemeinsamen Pflichten und Rechten. Alle werden wir zum Glauben geboren und treten als Getaufte in die Kirche ein. In diesem gemeinsamen Rahmen sind wir aufgerufen, bestimmte Aufgaben im Dienste der kirchlichen Gemeinschaft wahrzunehmen, bestimmte Aspekte des gemeinsamen Erbes auf bedeutsame oder prophetische Weise zu leben und von konkreten Charismen und Dienstämter her dem gemeinsamen Auftrag zu dienen.

Diese grundlegende Dimension unseres Glaubenslebens verlässt uns nie. Die Laienchristen leben sie in der jeweils gewählten Form laikaien Lebens, während sie für die zum Priesteramt oder zum geweihten Leben Berufenen ein konstanter Bezugspunkt ist, der sie daran erinnert, für wen und abhängig von wem sie ihr Amt ausüben und für wen sie Zeichen der Weihe sind.

Der Ordensbruder, der im christlichen Volk verwurzelt ist, empfängt das Zeugnis und die Hilfe der anderen Berufungen. Seinerseits ist er aufgerufen, dem ganzen Volk Gottes zu dienen, indem er als Gottgeweihter das Geheimnis Christi und der Kirche umfassend und prophetisch lebt.[27]

Ein Plan wird erneuert

9. Das geweihte Leben, das in seinen Anfängen vornehmlich laikai war, hat als grundlegendes Ziel die Pflege des gesamten christlichen Schatzes, der in den Sakramenten der christlichen Initiation enthalten ist und durch diese allen Gläubigen überlassen wird. Das geweihte Leben tut dies auf besondere Weise, indem es nach Gleichförmigkeit mit dem jungfräulichen, armen und gehorsamen Christus strebt.[28]

Im Lauf der Jahrhunderte geriet innerhalb der Männerorden dieses für das geweihte Leben so wesentliche Ziel in Gefahr, zugunsten der priesterlichen Funktionen zurückzutreten. Um ihm seinen Eigenraum zurückzugeben, erweckte der Heilige Geist im Lauf der Geschichte Ordensgründer, die den Akzent auf den laikaien Charakter ihrer Gründungen setzten. So geschah es im monastischen Leben mit dem hl. Benedikt, dessen Mönchsbrüder Europa evangelisierten; und ebenso in der vom hl. Franziskus vorgeschlagenen Lebensform: Die Minderbrüder treten als gemischter Orden ins Leben, als Laien und Kleriker. In beiden Fällen hat sich die Klerikalisierung nachträglich über den ursprünglichen Gründungsentwurf hinweggesetzt.

Ordensgründer des 16. und 17. Jahrhunderts erneuerten das Projekt laikaien Ordenslebens, diesmal jedoch indem sie Gemeinschaften bildeten, die nicht nur der geschwisterlichen Beziehung zwischen den Ordensmitgliedern besonderes Gewicht beimessen, sondern sich auch mit dem sozialen Bedürfnis, auf das sie eine Antwort geben wollen, identifizieren und demgemäß organisieren. Sie wählten sogar ihren Wohnsitz innerhalb oder in der Nähe der existenziellen Situation von Bedürftigkeit, Armut oder Schwäche, wo sie evangelisierten. Auf diese Weise verkörperten sie von innen her die rettende Liebe Gottes und machten sie sichtbar. Aus diesen geweihten Gemeinschaften entstanden die Ordensinstitute von Brüdern und Schwestern. Der hl. Johannes von Gott und der hl. Johannes Baptist de la Salle, oder für die Frauen die hl. Angela Merici und Mary Ward, zum Beispiel, waren Werkzeuge des Heiligen Geistes, um in der Kirche neue Charismen einzuführen, die sich besonders während des 19. Jahrhunderts vermehrten.

Die Ordensbrüder in den monastischen Gemeinschaften, in den Klöstern, den Gemeinschaften apostolischen Lebens oder in den soeben beschriebenen Gemeinschaften haben die Würde der Dienstleistungen und Ministerien hervorgehoben, die mit den vielfältigen Bedürfnissen der Menschen in Beziehung stehen. Sie üben diese im Einklang mit ihrer Profess aus, indem sie sie zum zentralen Ort ihrer Gotteserfahrung machen und sie mit Qualität und Kompetenz erfüllen.

Den gemeinsamen Schatz vermehren

10. Die heutige Communio-Kirche erleichtert und verlangt mehr denn je von den Ordensbrüdern, dass sie mit erneuertem Einsatz die ursprüngliche Aufgabe des geweihten Lebens wahrnehmen, nicht nur innerhalb ihrer Gemeinschaften, sondern auch gegenüber der gesamten kirchlichen Gemeinschaft. Sie tun dies wie Hefe im Teig, als erfahrene Führer und Begleiter des geistlichen Lebens,[29] die andere Gläubige brüderlich begleiten und ihnen helfen, die Reichtümer des christlichen Erbes zu entdecken, oder einfach als Brüder, die zum gegenseitigen Nutzen ihre Entdeckungen mit anderen Brüdern teilen. Wir wollen nun einige Aspekte dieses gemeinsamen Schatzes hervorheben, den zu vermehren sich die Brüder vorgenommen haben:

Das sakramentale Leben. Die Ordensprofess hat ihre Wurzeln in der Taufe und den anderen Sakramenten der christlichen Initiation. Durch sie lebt der Bruder das kindliche Streben zum Vater, feiert das neue, vom auferstandenen Herrn erhaltene Leben, fühlt sich eingebunden in Jesus Christus, Priester, Prophet und König, und lässt sich vom Heiligen Geist leiten.

Zugehörigkeit zum Volk Gottes. Der Bruder bekräftigt seine Zugehörigkeit zum Volk der Gläubigen, indem er sich in Übereinstimmung mit seinem eigenen Charisma bereitwillig in die Ortskirche und ihre Strukturen von Gemeinschaft und Apostolat einfügt. Er bekräftig auch seine Zugehörigkeit zur gesamten Menschheit und solidarisiert sich mit all ihren Bedürfnissen, insbesondere mit ihren schwächsten und verwundbarsten Mitgliedern: »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände «.[30]

Persönliche Integration von Weltlichkeit und Heiligkeit. Der Bruder vereint diese beiden Aspekte in seiner Person. Damit gewinnt er die Einheit zwischen dem Profanen und dem Heiligen zurück, welche in der Menschwerdung des Sohnes Gottes ihren höchsten Ausdruck findet.

Zeichen der Gegenwart Gottes in den weltlichen Dingen. Der Bruder übernimmt die kirchlichen Dienste gemeinsam mit seinen Mitbrüdern und den Gläubigen, die am selben Gründungscharisma teilhaben. So sucht er Gott und weist auf ihn hin in den weltlichen Realitäten von Kultur, Wissenschaft, menschlicher Gesundheit, Arbeitswelt, Dienst an den Schwachen und Benachteiligten. Gleichzeitig sucht er den Menschen und weist auf ihn hin, Mann und Frau, »den einen und ganzen Menschen, mit Leib und Seele, Herz und Gewissen, Vernunft und Willen«, in der vollen Überzeugung, dass » es um die Rettung der menschlichen Person, um den rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft geht «.[31]

Brüderliches Leben in der Gemeinschaft. Der Ordensbruder pflegt die brüderliche Gemeinschaft und prägt sie seinen Beziehungen außerhalb der Gemeinschaft als seine Seinsart auf. Indem er sich auf die Kernerfahrung seiner Berufung, mit Jesus dem geliebten Sohn des Vaters zu sein, stützt, lebt er das neue Gebot des Herrn als vordringliche Aufgabe seiner Ordensweihe.

Geteiltes Charisma. Der Bruder macht sich den Reichtum seines Gründungscharismas bewusst, um es mit anderen Laiengläubigen zu teilen, die es von verschiedenen Lebensentwürfen her leben können.[32] Er akzeptiert, Instrument des Heiligen Geistes bei der Übermittlung des Charismas zu sein, und nimmt die Verantwortung auf sich, lebendiges Gedächtnis des Gründers zu sein. Vom Evangelium her bewahrt das Charisma seinen Reichtum zum Aufbau der Kirche, zum Wohl der Menschen und zur Befriedigung der Bedürfnisse der Welt.[33]

Während er den gemeinsamen Schatzes vermehrt, sieht sich der Ordensbruder als Bruder des christlichen Volkes und hört in seinem Innern den Ruf des Herrn an seinen Knecht: »Ich habe dich dazu bestimmt, der Bund für mein Volk zu sein« (Jes 42,6). Dieser Ruf gibt seinem Leben und Handeln Sinn, er macht ihn zum Propheten inmitten seiner Brüder. Dank dieses Rufes lebt er seine Weihe in einer missionarischen und evangelisierenden Gemeinschaft.

Bruder: Eine christliche Ursprungserfahrung

11. »Die Christen aller Gemeinschaften der Welt möchte ich besonders um ein Zeugnis brüderlichen Miteinanders bitten, das anziehend und erhellend wird. Damit alle bewundern können, wie ihr euch umeinander kümmert, wie ihr euch gegenseitig ermutigt und wie ihr einander begleitet:

"Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt" (Joh 13,35) «.[34]

Diese Aufforderung von Papst Franziskus an die ganze Christenheit hebt die besondere Stellung der Brüderlichkeit innerhalb des gemeinsamen christlichen Schatzes hervor. Sie ist die Perle, die die Ordensbrüder mit besonderer Sorgfalt pflegen. Auf diese Weise sind sie für die kirchliche Gemeinschaft prophetisches Gedächtnis ihres Ursprungs und zugleich Stimulus, zu ihm zurückzukehren.

Die Apostelgeschichte stellt die entstehende Kirche als eine Gemeinschaft von Jüngern vor, deren Auftrag es ist, die Erlösung zu verkünden und Zeugen des Auferstandenen zu sein. Die Kraft dazu schöpfen sie aus dem Wort, beim Brechen des Brotes, im Gebet und indem sie einander Brüder sind. Die Jünger sind Brüder; und dies ist das Zeichen, dass sie Jünger Jesu sind. Sie sind Brüder nicht so sehr aufgrund einer persönlichen Entscheidung, sondern weil sie berufen wurden. Sie werden versammelt, bevor sie ausgesandt werden.

Die Gemeinschaft ist die Quelle der Kraft für den Auftrag. Sie stützt sich aber auf eine andere Kraft, den Heiligen Geist. Am Pfingsttag kommt der Geist auf die im Gebet versammelten Brüder herab und sendet sie, Zeugnis abzulegen (vgl. Apg 2,1 ff.). Der Geist kommt auf die wieder im Gebet versammelten Brüder herab, die sich nach der Gefangennahme und Befreiung von Petrus und Johannes gegenseitig stützten, und gibt ihnen Kraft, um mutig das Wort Gottes zu predigen (vgl. Apg 4,23 ff.). Der Bericht der Apostelgeschichte zeigt uns, wie der Gemeinschaft der Jünger allmählich bewusst wird, dass Brüderlichkeit und Sendung einander bedürfen, und sich beide auf Antrieb und Forderung des Heiligen Geistes hin entwickeln. Auf diese Weise wird folgende Dynamik in Gang gesetzt: Die Pflege der Brüderlichkeit schafft ein größeres Sendungsbewusstsein, und die Erfüllung der Sendung schafft Brüderlichkeit.

Mit erneuertem Engagement greift der Heilige Geist diese Botschaft in der Kirche und besonders im Bereich des geweihten Lebens auf und erneuert sie. Daher erweckt er die Präsenz von Ordensbrüdern innerhalb der klerikalen Kongregationen: Diese Präsenz ist wichtig, nicht nur wegen ihres Beitrags zur Befriedigung materieller und anderer Bedürfnisse, sondern vor allem, weil sie innerhalb dieser Kongregationen ständig an die »fundamentale Dimension der Brüderlichkeit in Christus«[35] erinnern, die von allen Mitglieder geschaffen werden muss. Aus demselben Grund erweckt der Heilige Geist zusammen mit den Schwesterngemeinschaften auch die Ordensinstitute der Brüder, die alle in der Kirche ständig den höchsten Wert der Brüderlichkeit und der ungeschuldeten Hingabe als herausragende Ausdrucksformen der Communio anklingen lassen.

Die Bezeichnung »Brüder« benennt positiv; was diese Ordensleute als grundlegenden Auftrag ihres Lebens annehmen: » Diese Ordensmänner sind berufen, Brüder Christi zu sein, mit ihm, dem Erstgeborenen von vielen Brüdern (Rom 8,29), eng verbunden; Brüder untereinander zu sein in der gegenseitigen Liebe und in der Zusammenarbeit im selben Dienst zum Wohl der Kirche; Brüder eines jeden Menschen zu sein durch das Zeugnis der Liebe Christi zu allen, besonders den Niedrigsten und Bedürftigsten; Brüder zu sein für eine größere Brüderlichkeit in der Kirche«.[36]

II. DIE IDENTITÄT DES ORDENSBRUDERS

Gedächtnis der Liebe Christi: » ... , damit auch ihr so handelt, ... « (Joh 13,14-15)

Geheimnis der Gemeinschaft für die Sendung

12. Zur vertieften Betrachtung der Identität des Bruders wollen wir uns innerlich von einem der eindrucksvollsten Bilder der vier Evangelien erleuchten lassen: Jesus, der seinen Jüngern die Füße wascht.

Der Bericht des Evangelisten Johannes über das Abendmahl am Gründonnerstag beginnt mit dieser feierlichen und innigen Aussage: »Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung« (Joh 13,1). Das Letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern steht in einem testamentarischen Kontext: Jesus will seine Jünger und durch sie die gesamte Kirche verpflichten, den Heilsdienst weiterzuführen, der mit dem Tod Jesu am Kreuz seinen Höhepunkt erreicht, den er aber während seines ganzen Lebens ausgeübt hat, so wie es jene Antwort Jesu an die Jünger des Johannes widerspiegelt: »Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt; Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet« (Lk 7,22).

Die Kirche versteht sich daher als ein von Jesus beauftragtes dienendes Volk. Die Evangelisten stellen die Einsetzung des kirchlichen Dienstamtes mithilfe zweier Bilder dar. Die drei Synoptiker wählen das Bild vom Brotbrechen, Jesus, der seinen Jüngern seinen Leib und sein Blut hingibt und ihnen aufträgt: »Tut dies Zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19). Das Johannesevangelium hingegen zeigt uns das Bild von Jesus mit dem Leinentuch umgürtet, der seinen Jüngern die Füße wäscht und ihnen dann aufträgt: »Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe« (Joh 13,14-15).

Im Bewusstsein der Kirche erlangt das Bild Jesu, der seinen Leib und sein Blut austeilt, seinen ganzen Sinn erst im Licht des Bildes Jesu bei der Fußwaschung. Erst das Gebot der brüderlichen Liebe erschließt uns den Sinn der Eucharistie in der Kirche. So drückt es auch die Gründonnerstagsliturgie aus.

Dieses Testament, das die Kirche von Jesus erhalten hat, verweist auf zwei Aspekte oder Dimensionen des Heilsdienstes, der sich in der Kirche durch verschiedene persönliche Dienste entfaltet. Zum einen das durch ein eigenes Sakrament eingesetzte Amtspriestertum, durch das die Kirche ihre Treue zum Gedächtnis an die Hingabe Jesu, an seinen Tod und seine Auferstehung gewährleistet und das sie in der Eucharistie erneuert. Zum anderen hält der Heilige Geist selbst unter den Gläubigen die Erinnerung an Jesus in der typischen Haltung eines Dieners und die Dringlichkeit seines Gebotes wach: »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid; wenn ihr einander liebt« (Joh 13,35).

Aus diesem Grunde werden unter den Gläubigen zahlreiche Charismen erweckt, um durch den brüderlichen Dienst die Communio zu fördern. So erreicht das Heil auch die am meisten Benachteiligten: damit die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Gefangenen befreit werden, aber auch, um die Jugend zu erziehen, die Kranken zu pflegen, die Alten zu betreuen ... Die brüderliche Liebe äußert sich so in zahlreichen Diensten, von denen viele institutionalisiert und als kirchliche Ämter anerkannt sind.[37]

Das geweihte Leben entsteht in der Kirche als Antwort auf den Ruf des Heiligen Geistes, das Gedächtnis der Liebe Christi treu zu bewahren, der die Seinen bis zur Vollendung[38] liebte. Diese Antwort nimmt viele Formen an, aber immer liegt die Entscheidung für die »Selbsthingabe aus Liebe zum Herrn Jesus und in ihm zu jedem Angehörigen der Menschheitsfamilie«[39] zugrunde.

Berufung und Identität des Ordensbruders erlangen Bedeutung in dieser Dynamik, die für die verschiedenen Dienste zugleich integrativ und komplementär wirkt und prophetische Zeichen sowohl braucht als auch fördert.

DAS GEHEIMNIS BRÜDERLICHKEIT: GESCHENK, DAS WIR EMPFANGEN

Zeuge und Mittler: » Wir haben an die Liebe Gottes geglaubt« 

13. Was steht anderes am Beginn der Berufung des Bruders, als die Erfahrung der Liebe Gottes? »Wir haben die Liebe erkannt, die Gott Zu uns hat, und wir haben an sie geglaubt« (1 Joh 4,16). Hier liegt auch der Ursprung jeder christlichen Berufung. »Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt «.[40]

Die radikale Entscheidung, die das Alte Testament dem Volk Israel und jedem Israeliten persönlich vorlegt, findet in diesem Kontext der Begegnung des Gläubigen mit Gott statt, der dem Volk, mit dem er den Bund geschlossen hat, entgegen kommt. Es handelt sich um eine totale Weihe des Lebens: »Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allen Krijien« (Dtn 6,4-5). Jesus bekräftigt diese Forderung, verbindet sie aber mit jener anderen: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Lev 19,18). Von da an werden die beiden Gebote ein einziges untrennbares Gebot bilden (vgl. Mk 12,29-31): »Die Liebe ist nun dadurch, dass Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4,10), nicht mehr nur ein "Gebot", sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegen kommt«.[41]

Die Berufung des Bruders besteht nicht nur darin, Empfänger der Liebe Gottes zu sein, sondern auch Zeuge und Mittler dieses Geschenks, des Plans der Communio, den Gott für die Menschheit hat und der sich auf die trinitarische Communio gründet. Der besagte Plan - das Mysterium, welches uns in Christus offenbart wurde - sieht die Schaffung einer horizontalen Beziehung zwischen Gott und der Menschheit vor, und zwar im Inneren der Menschheit selbst, wo Gott sich hat niederlassen wollen.

Die Kindschaftsbeziehungen verwandeln sich so zugleich in Beziehungen der Brüderlichkeit. Sagt man also »Bruder«, so ist dies gleichbedeutend mit »Mittler der Liebe Gottes «, Gottes, der »die Welt so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit alle, die an ihn glauben, ewiges Leben haben« (Joh 3,16).

»Bruder« sein bedeutet auch, Mittler der Liebe des Sohnes zu sein, des Mittlers schlechthin, der» bis zum äußersten liebte« (Joh 13,1) und der uns gebeten hat, uns so zu lieben, wie er uns geliebt hat (vgl. Joh 13, 34). Vor dieser von Gott so sehr geliebten Welt darf der Bruder nicht fliehen; er wird im Gegenteil angetrieben, auf sie zuzugehen und sie zu lieben. Bei der Betrachtung von Gottes Heilswerk entdeckt der Bruder sich selbst als Werkzeug, dessen sich Gott bedienen will, um seinen Bund, seine Liebe und seine Sorge für die Schwächsten, sichtbarer zu machen.

Der Bruder ist sich bewusst, dass die gesamte Schöpfung von der Liebe und der Gegenwart Gottes durchdrungen ist und dass besonders alles, was den Menschen betrifft, Teil des göttlichen Heilsplans ist. Aus diesem Bewusstsein heraus erwächst im Bruder und in der Gemeinschaft der Brüder das Streben danach, bei jeder Aufgabe professionell zu arbeiten, so profan sie auch immer erscheinen mag.

Geweiht durch den Heiligen Geist

14. Nichts ist größer als die Taufweihe: »Die Taufe erschafft uns neu zu einem Leben als Kinder Gottes, sie eint uns mit Christus und mit der Kirche, seinem Leib, sie salbt uns im Heiligen Geist und macht uns zu geistigen Tempeln«.[42] Die ganze Existenz des Christen muss ein Prozess der Einbindung in den Plan der Communio sein, den die Taufe bezeichnet, indem er seine Taufversprechen gemäß der Berufung annimmt, die er von Gott erhalten hat.

Das soeben Gesagte läuft Gefahr, nicht verstanden zu werden, wenn wir es nicht innerhalb der Heilsgeschichte lesen, aus der es sein Leben bezieht und in der der Christ dank der Taufe seinen eigenen, unersetzlichen Platz findet. Diese Geschichte erzählt uns, wie die Dreifaltigkeit ihre eigene Communio in den Heilsauftrag der Menschheit einbringt, wie sie auf verschiedene Weise den Bund zu schließen sucht und sich ihm bis zum Extrem der Menschwerdung des Sohnes verpflichtet. Diese Geschichte des Heils wird dank des Heiligen Geistes fortgesetzt, der die Kirche vereint und sie mit seinen Gaben aufbaut, um durch sie die Erlösung der Menschheit weiter zu führen.

Wir alle sind zur Mitwirkung an diesem großen Heilsplan aufgerufen, denn »Gott ruft in Jesus Christus jeden bei seinem eigenen und unverwechselbaren Namen«.[43] Jeder leistet aktiv seinen Beitrag, und sein Einfluss auf die andern ist entscheidend. Jedem wurde, als Mitglied der Kirche, »eine originelle, unersetzliche und nicht übertragbare Aufgabe anvertraut, die er zum Wohl aller erfüllen muss «.[44] Jeder kann, dank der bei Taufe und Firmung erhaltenen Salbung, die Worte Jesu wiederholen: »Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt, den Armen die Frohbotschaft zu bringen, er hat mich gesandt, den Gefangenen die Freiheit und den Blinden das Augenlicht zu verkünden, die Unterdrückten in Freiheit zu setzen und das Gnadenjahr des Herrn auszurufen« (Lk 4,18-19). So nimmt »der Getaufte teil an der Sendung Jesu, des Christus, des Messias und Heilandes selbst«.[45]

Verpflichtung vor der Kirchengemeinde und der ganzen Welt: heute das Antlitz Jesu, des Bruders, sichtbar machen

15.' In diese persönliche Geschichte, die in der Taufe beginnt, fügt sich die Ordensweihe ein und findet ihren vollen Sinn. Sie ist »eine einzigartige und fruchtbare Vertiefung der Taufweihe «, drückt sie doch eine Berufung aus, der »eine spezifische Gabe des Heiligen Geistes«[46] entspricht. Diese Gabe wird als Impuls erfahren, mit dem eigenen Leben vor der Kirchengemeinde und vor der ganzen Welt kund zu tun, was Jesus in der Synagoge von Nazareth verkündet: »Heute erfüllt sich vor euch dieses Schriftwort« (Lk 4,21). Dieser Impuls, der das Leben des Propheten kennzeichnet, wird begleitet von einer innerlich gespürten Aufforderung dazu, mit dem freiwilligen aus Liebe gewählten und in brüderlicher Gemeinschaft gelebten Zölibat die Neuheit der in Christus offenbarten Welt, die Fruchtbarkeit seines Bundes mit der Kirche, die weit über die von Fleisch und Blut hinausgeht, öffentlich zu bekunden.

Jede Ordensweihe ruft den Gläubigen ins Bewusstsein, dass sich das Geheimnis Christi des Erlösers hier und heute vollzieht, in dieser Welt und durch die Vermittlung der Kirche von heute. Zu jeder Zeit und an jedem Ort bemühen sich die gottgeweihten Personen, ihren Zeitgenossen die Wesensmerkmale Jesu sichtbar zu machen, mit denen Er selbst darauf hinwies, dass das Geheimnis des Gottesreiches bereits in die Geschichte eingebrochen war. Das Sichtbarmachen geschieht durch eine konkrete Präsenz des Charismas jeder Ordensfamilie im Hier und Jetzt. Deshalb sollten sich die Ordensleute häufig fragen: Wie kann ich heute Zeugnis vom Herrn ablegen? Welche Art von Präsenz müssen wir annehmen, damit der Herr von den heutigen Menschen gesehen, erahnt wird?

Vom geweihten Leben im Allgemeinen erwartet man, dass es die »lebendige Erinnerung an die Lebens- und Handlungsweise Jesu als fleischgewordenes Wort gegenüber dem Vater und gegenüber den Brüdern und Schwestern«[47] darstellt. Vom Ordensbruder ebenso wie von der Ordensschwester erwartet man im Besonderen, dass sie in der Kirche das Antlitz Christi, des Bruders, sichtbar machen, des »Erstgeborenen unter vielen Brüdern« (Rom 8,28) und Schöpfers einer neuen Brüderlichkeit, die er mit seiner Lehre und mit seinem Leben einführt.

Ausübung des Taufpriestertums

16. Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Reichtum der Taufe und die Größe des allen Getauften gemeinsamen Priestertums hervorgehoben und auf die wechselseitige Beziehung zwischen Tauf- und Amtspriestertum hingewiesen, und daran erinnert, dass dieses Letztere wesentlich auf das Priestertum aller Gläubigen hin und diesem zugeordnet ist.[48]

Indem der Ordensbruder seinen Laienstand durch eine spezielle Weihe lebt, ist er Zeuge für den Wert des bei der Taufe und der Firmung empfangenen gemeinsamen Priestertums: »Er hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, seinem Vater« (Offb 1,5-6). Die Ordensweihe an sich stellt das allgemeine Priestertum der Getauften bereits in Fülle dar. Die wesentliche Handlung dieses Priestertums besteht in der Darbringung des geistigen Opfers, in dem sich der Christ Gott als lebendiges und wohlgefälliges Opfer (Rom 12,1) darbringt, als Antwort auf seine Liebe und zu seiner Verherrlichung.

Der Bruder lebt die Communio mit dem Vater, Quelle allen Lebens, durch die vollständige Hingabe seiner Existenz an Ihn, in einer Haltung des Lobpreises und der Anbetung. Mit seinem Leben ganz in Gott verwurzelt weiht der Bruder die gesamte Schöpfung, denn er erkennt die Gegenwart Gottes und das Handeln des Heiligen Geistes in den Geschöpfen, den Kulturen und den Geschehnissen. Weil er um diese aktive Gegenwart weiß, kann er sie seinen Zeitgenossen verkünden. Diese Fähigkeit ist Frucht eines ständigen Prozesses der Öffnung auf Gott hin aufgrund seiner Weihe und realisiert sein Tag für Tag gelebtes Taufpriestertum.

In allem seinen Brüdern gleich

17. Die Ordensweihe hilft dem Bruder, bewusster an der brüderlichen Dimension teilzuhaben, die das Priestertum Jesu Christi kennzeichnet. Er »musste in allem seinen Brüdern gleich werden, um ein barmherziger und treuer Hoherpriester zu sein« (Heb 2,17-18). Um uns mit seiner göttlichen Kindschaft zu bekleiden, wurde Jesus Christus zuerst Bruder, teilte unser Fleisch und Blut und damit auch das Leiden seiner Brüder. Nach seiner Auferstehung gab er seinen Jüngern den Titel Bruder, und Maria Magdalena wird beauftragt, ihnen dies mitzuteilen: »Geh Zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater ... « (Joh 20,17).

In der brüderlichen Gemeinschaft, die ihn aufnimmt, erfährt der Ordensbruder das Geheimnis des Auferstandenen als Ankündigung und Sendung. Diese Gemeinschaft ist göttlicher Ort,[49] wo Jesus inmitten seiner Brüder gegenwärtig ist (vgl. Mt 18,20), um sie zu einem einzigen Herzen zu vereinen, ihnen seinen Geist zu geben (vgl. Joh 20, 22) und sie wie Maria Magdalena auszusenden, damit sie verkünden, dass wir in Christus alle Brüder sind, Kinder desselben Vaters. Auf diese Erfahrung gestützt verwirklicht der Bruder das Taufpriestertum durch die Brüderlichkeit, durch die er Brücke der Einheit zwischen Gott und seinen Brüdern ist, vom Geist gesalbt und gesandt, um allen die Frohbotschaft von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu bringen, insbesondere den Geringsten seiner Brüder, den schwächsten Gliedern der Menschheit.

Sowohl der Ordensbruder als auch der in der weltlichen Gesellschaft engagierte Laie leben das allgemeine Priestertum auf verschiedene Weise. Beide bezeugen den vielgestaltigen Reichtum dieses Priestertums, das Nähe zu Gott und Nähe zur Welt beinhaltet, Zugehörigkeit zur Kirche als Dienerin des Herrn und zur Kirche, die sich von der Welt aus aufbaut, die für Gott bestimmt ist. Der in der Welt engagierte Laie erinnert den Ordensbruder auf wirksame Weise daran, dass er der Rettung der Menschheit nicht gleichgültig gegenüberstehen darf, und auch nicht dem irdischen Fortschritt, der von Gott gewollt und auf Christus hingeordnet ist. Der Ordensbruder seinerseits erinnert den in der weltlichen Gesellschaft engagierten Laien daran, dass der irdische Fortschritt nicht das endgültige Ziel ist, dass »der Bau der irdischen Gesellschaft immer in Gott gründe und auf ihn ausgerichtet sei und seine Erbauer nicht vergeblich arbeiten «.[50]

Die Profess: Eine einzige Weihe, in verschiedenen Gelübden ausgedrückt

18. Mit der Ablegung der Ordensgelübde wird die Selbsthingabe öffentlich bekannt gemacht und von der Kirche angenommen. Die Weihe geht den Gelübden voraus, umfasst und überschreitet sie existenziell. Diese Behauptung wird man im Licht der folgenden Ausführungen verstehen.

Die geweihte Person bringt sich Gott durch das Ablegen der Gelübde dar, um auf das liebevolle Handeln Gottes, der sie weiht, zu antworten: sie bringt Opfer, vor allem das des eigenen Lebens, um es zu einem Zeichen für den Primat Gottes zu machen, Zeichen eines Lebens ganz für Ihn, Zeichen des Bundes und der Liebe Gottes zu seinem Volk. Gelübde sind also Bindung aus Liebe als Grundausrichtung des Lebens, brüderliche Bindung als Antwort auf das von Gott in seinem Sohn Jesus Christus erhaltene Geschenk der Gotteskindschaft.

Die Ordensweihe, die das Leben eint und vervollkommnet, verpflichtet den Menschen, im Hier und Jetzt eines jeden Tages die Selbsthingabe zu leben, und zwar in allen Dimensionen seiner konkreten Existenz. In dieser integrierenden Dynamik erlangen die Gelübde ihre Bedeutung als Art und Weise, mit verschiedenen Akzenten die gesamte Existenz zu umfassen.

In der Geschichte des geweihten Lebens gab es verschiedene Ausdrucksformen für die öffentliche Ordensprofess; ab dem 13. Jahrhundert setzte sich jedoch die Tendenz durch, die Profess durch die evangelischen Räte auszudrücken, die die Absicht hervorheben, die gesamte Existenz in drei wesentlichen Dimensionen - Keuschheit, Armut und Gehorsam - Christus anzugleichen.[51]

Der Ordensbruder drückt seine Weihe durch das Bekenntnis zu den evangelischen Räten aus; zugleich weist er vom Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, dem Angelpunkt des Evangeliums, her auf die Einheit seines Lebens und seiner Gleichförmigkeit mit Christus hin. Er lebt seine Keuschheit vor allem als Erfahrung der Liebe Gottes, durch die er sich angetrieben fühlt zu einer allumfassenden Liebe und dazu, durch das Zeugnis seiner Brüderlichkeit die Communio zu fördern.[52] Er lebt seine Armut als jener, der in Jesus Christus die kostbare Perle des Gottesreiches unentgeltlich erhalten hat; für diese Perle stellt er sich zur Verfügung, um Brüderlichkeit aufzubauen und allen, besonders den Ärmsten, in der Liebe zu dienen. Diese Armut lässt die Brüder sich einander öffnen und spüren, dass einer des anderen bedarf. Er lebt seinen Gehorsam in der vom Geist beseelten Brüderlichkeit vor allem als gemeinsame Suche nach dem Willen des Vaters, bereit, in Geist und Herz vereint voranzugehen,[53] und nimmt gern die menschlichen Vermittlungen an, die die Regel des Instituts vorschreibt.[54]

Die Gelübde bringen schließlich die Verpflichtung des Bruders zum Ausdruck, das Geheimnis Gottes zusammen mit seinen Brüdern zu leben, das Geheimnis, dass ihn zu Zeichen und Prophetie für die kirchliche Gemeinschaft und für die Welt gemacht hat:[55] Geheimnis der Liebe, des Bundes und der Brüderlichkeit.

Eine fleischgewordene und Einheit stiftende Spiritualität

19. Die prophetische Dimension ist ein wesentlicher Teil der Identität der geweihten Person und entfaltet sich in erster Linie durch das Zuhören, wie es der Gottesknecht erfährt: »Jeden Morgen weckt er mir das Ohr, damit ich höre wie ein Jünger« (Jes 50,4). Nur die Erfahrung, in Gott verwurzelt und von seinem Wort erfüllt zu sein, kann Gewähr dafür sein, diese Dimension im Apostolat zu verwirklichen, denn »die wahre Prophetie entsteht aus Gott, aus der Freundschaft mit ihm, aus dem aufmerksamen Hören seines Wortes in den verschiedenen geschichtlichen Gegebenheiten«.[56] Die Fähigkeit, die Zeichen der Zeit in ihrer Tiefe zu lesen, um in ihnen die Aufforderung Gottes, seinen Plänen gemäß zu arbeiten, zu entdecken[57] und Gottes Gegenwart in den Menschen und besonders in den Armen zu erkennen, ist Frucht der Kontemplation, die uns lehrt, Menschen und Dinge so zu sehen, wie sie Gott sieht.

Die Spiritualität des Bruders soll ihn dazu bringen, auf besondere Weise die christliche Erfahrung der Anfänge nachzuleben, die der Evangelist Matthäus mit dem folgenden Bild zum Ausdruck bringt: »der Vorhang des Tempels zeriss« (Mt 27,51). Dieses Bild bedeutet, dass Jesus uns durch seinen Tod» einen neuen und lebendigen Weg eröffnet durch den Vorhang seiner eigenen Menschheit hindurch« (Heb 10,20), damit wir dem Vater begegnen können. Die Gegenwart Gottes ist nicht mehr auf einen» heiligen Ort« beschränkt, von nun an »muss Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden« (Joh 4,24).

Der Bruder ist dazu berufen, diese fleischgewordene und Einheit stiftende Spiritualität zu leben, die ihm die Begegnung mit Gott erleichtert, nicht nur beim Hören des Wortes, in den Sakramenten, der Liturgie und im Gebet, sondern auch in der alltäglichen Wirklichkeit, bei all seinen Aufgaben, in der Weltgeschichte, in den zeitgebundenen Plänen der Menschheit, der materiellen Wirklichkeit, der Technik und bei der Arbeit. Eine solche Spiritualität gründet auf einem tiefen Einblick in die Einheit von Gottes Plan: Es ist derselbe Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus, der die Welt erschafft, und der sie rettet. Es geht darum, das ganze Leben ins Gebet hinein zu nehmen und das Gebet im Leben fortzusetzen.

Die Ordensbrüder bringen das offizielle Gebet der Kirche in Einklang mit der Dimension des Dienens, die ihr geweihtes Leben kennzeichnet. Sie pflegen eine kontemplative Haltung, die fähig ist, die Gegenwart Jesu in ihrer Geschichte, in ihrem Alltagsleben, in ihren Aufgaben und Pflichten zu erahnen, um mit Ihm ausrufen zu können: »Ich preise dich, Vater, ... dass du dies den Unmündigen rffenbart hast ... « (Lk 10,21).

Eine Spiritualität des Wortes, um das Geheimnis» im Haus «, mit Maria, zu leben

20. Die drei synoptischen Evangelien berichten uns kurz von einer Szene, in der Jesus zwischen »seiner Mutter und seinen Brüdern« dem Fleische nach und »seiner Mutter und seinen Brüdern« jenen, »die das Wort Gottes hören und es bwfolgen« (Lk 8,21) einen deutlichen Unterschied macht, und sich klar zu Gunsten Letzterer ausspricht. Erstere sind außerhalb des Hauses, sie rufen ihn von draußen, die Letzteren befinden sich um Ihn herum, drinnen im Haus, und hören ihm zu.

In dieser neuen, von Jesus hergestellten, Verwandtschaftsbeziehung findet Maria ihre wahre Größe und ihre tiefe Bedeutung für die christliche Gemeinschaft. Von ihr bestätigt uns derselbe hl. Lukas: »Maria aber behielt alle diese Worte und bewahrte sie in ihrem Herzen« (Lk 2,19). Maria nimmt das Geheimnis der Liebe Gottes auf und lebt es von Grund auf, bis es zu ihrem eigenen Fleisch wird. Sie ist das Band der Einheit in der entstehenden Gemeinschaft der Brüder, die sie begleitet, und in die sie sich als Mutter und Schwester einfügt; und in dieser betenden brüderlichen Gemeinschaft empfängt sie den Heiligen Geist (vgl. Apg 1,14; 2,1-4).

Der Ordensbruder ist wie Maria eingeladen, die Spiritualität des Wortes intensiv zu leben, diese Erfahrung zu machen, im Haus zu sein, um Jesus herum versammelt seine Botschaft zu hören und an seiner Seite das Geheimnis des Vaters zu leben, der uns im Sohn zu Kindern und zu Brüdern voneinander und von Jesus macht.

Wie Maria ist der Ordensbruder aufgefordert, sich vom Geist erfüllen zu lassen, ihn in sich zu hören, der aus der Tiefe des Herzens ruft »Abba, lieber Vater!« (GaI 4, 6; Röm 8, 15). Diese Erfahrung ist die einzige, die seine Berufung aufrechterhalten kann.

Auf Maria gestützt und von ihr inspiriert erlebt der Bruder in seiner Gemeinschaft den Vater, der die Brüder mit seinem Sohn um den Tisch des Wortes, der Eucharistie und des Lebens herum versammelt. Mit Maria besingt der Bruder die Größe Gottes und verkündet sein Heil: Deshalb drängt es ihn, die zu suchen, die nichts zu essen haben, die von der Gesellschaft Ausgegrenzten und vom Fortschritt Ausgeschlossenen, und sie am Tisch des Reiches Platz nehmen zu lassen. Das ist die Eucharistie des Lebens, die der Bruder von seinem in seiner Ordensweihe bekräftigten Taufpriestertum her feiern soll.

DIE COMMUNIO BRÜDERLICHKEIT: GABE, DIE WIR TEILEN

Von der Gabe, die wir empfangen, zur Gabe, die wir teilen: »Damit sie eins seien, damit die Welt glaube« (Joh 17,21)

21. Das Geheimnis der Communio, das uns die heiligste Dreifaltigkeit aus ihrem eigenen inneren Leben mitteilt, wird zur Gabe, die die Brüder in Gemeinschaft teilen. Die empfangene und geteilte Gabe wird dann auch in der Sendung weitergegeben.

Was den tragenden Grund der Ordensgemeinschaft bildet, ist vor allem die Gabe der Brüderlichkeit, die sie empfangen hat, noch vor dem Bemühen und der Großzügigkeit ihrer Mitglieder oder den Diensten, die sie leisten. »Wenn diese mystische und theologale Dimension vergessen wird, die sie zum Kontakt mit dem Geheimnis der in der Gemeinschaft anwesenden und ihr mitgeteilten göttlichen Communio hinführt, dann vergisst man zwangsläufig auch die tiefen Gründe für das gemeinsame Tun und für das geduldige Auferbauen des brüderlichen Lebens «.[58]

Die Gemeinschaft der Brüder lässt so den universalen Charakter der von Christus gelebten Brüderlichkeit erkennen, stützt sie sich doch nicht auf natürliche Bindungen, sondern auf die Kraft des Heiligen Geistes, dem lebendigen Ursprung der Liebe unter den Menschen. Das authentische Gemeinschaftsleben ist ein lebendiges Zeichen der wesentlichen Wirklichkeit, die die Brüder verkünden sollen. Die Liebe, die Gott der Menschheit in Jesus Christus erwiesen hat, wird zum Prinzip der Einheit der Menschen untereinander: »Alle sollen eins sein ... , damit die Welt glaubt« (Joh 17,21). Auf dem Glauben bauend und durch die Communio, die in ihr herrscht, erfüllt die Gemeinschaft den Dienst, die Liebe des dreifaltigen Gottes zu offenbaren.

Weihe und Sendung bleiben in der Gemeinschaft miteinander verbunden. In ihrer Mitte und im Namen Jesu versammelt erfährt der Bruder das Geheimnis Gottes: Die Liebe des Vaters, das Leben des auferstandenen Jesus, die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Der Herr weiht den Bruder in der Gemeinschaft, und von ihr aus sendet er ihn, um dieses selbe Geheimnis bekannt zu machen: Liebe, Leben, Communio.

Gemeinschaft, die das Taufpriestertum entfaltet

22. Die Gemeinschaft der Brüder ist in sich selbst ein hervorragender Ausdruck des Taufpriestertums. Als Ganze ist sie darauf ausgerichtet, ihren Mitgliedern die Erfahrung zu ermöglichen, vom Herrn erwählt zu sein: »Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, Zu einer heiligen Priesterschaft um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen) die Gott gefallen« (1 Petr 2,5). Das Bild, das uns der erste Brief des hl. Petrus vor Augen stellt, vermittelt die Vorstellung eines im Bau befindlichen Gebäudes. Es eignet sich sehr gut als Bild für die Gemeinschaft von Ordensbrüdern, die ihr allgemeines Priestertum entfalten soll.

Die Gemeinschaft organisiert ihr Leben, um Zu sehen, wie Gottes Wirken sich durch ihren Tagesplan zieht und auf dessen Seiten die Heilsgeschichte zu entdecken, die sich Tag für Tag erfüllt. In der Kontemplation erkennt die Gemeinschaft sich selbst als Mittlerin im Heilshandeln Gottes. Sie dankt, feiert und bietet sich als nützliches Werkzug dafür an, die Heilsgeschichte fortzuschreiben.

Das Opfer der Gemeinschaft als priesterliche Opfergabe hat zur Materie die Lebenswirklichkeit der Brüder selbst, mit den Beschränkungen, Armseligkeiten und Schwächen eines jeden. Die Brüder bauen die Gemeinschaft ausgehend von der freudigen Hingabe ihrer selbst auf. Es ist eine eucharistische Erfahrung, durch die sie sich mit Christus in seiner Hingabe an den Vater vereinigen, um sein Erlösungswerk durch ihre Gemeinschaft hindurch fortzusetzen. Bei dieser Feier des Lebens darf das gegenseitige Verzeihen unter den Brüdern nicht fehlen, nicht nur als Erfordernis der Liebe und Bedingung für den Aufbau der Gemeinschaft, sondern auch als Ausdruck des Taufpriestertums, das sie füreinander zu Mittlern der Gnade und der Vergebung macht, die vom auferstandenen Jesus kommt (vgl. Joh 20,22-23).

Dienende Gemeinschaft: »Quelle und Frucht der Sendung« 

23. »Die Communio ist zugleich Quelle und Frucht der Sendung«.[59] Diese Feststellung der nachkonziliaren Überlegungen der Kirche findet einen sichtbaren Ausdruck in der Gemeinschaft, welche die Brüder aufbauen, und die immer Gemeinschaft für die Sendung ist. Das bedeutet nicht einfach, dass die Gemeinschaft einer äußeren apostolischen Beschäftigung nachgeht; vielmehr sprudelt das Geheimnis des Erlösergottes als Quelle in der Gemeinschaft, ist unter den Brüdern lebendig und tritt in der kirchlichen Sendung hervor. Sodann kehrt es in die Gemeinschaft zurück und verleiht ihr durch die bei der Verwirklichung der Sendung gesammelten Erfahrungen neues Leben.

Angeregt vom jeweiligen Gründungscharisma bilden die Ordensinstitute der Brüder Gemeinschaften, die sich innerhalb der Sendung in einem Bereich der großen kirchlichen Sendung ansiedeln, seien diese nun aktiv, kontemplativ oder gemischt. Die Gemeinschaft fungiert als Botschafterin der Liebe Gottes in der Welt, als Werkzeug seiner Erlösung unter den Leidenden, den Ausgegrenzten, den Geringen und Schwachen. Sie verkörpert die rettende Gegenwart Gottes in der menschlichen Wirklichkeit, die der Erlösung bedarf. Es handelt sich um eine Gruppe von Brüdern, die sich bemühen, in Gemeinschaft zu leben, um Den versammelt, Der sie versammelt hat, und die diese Erfahrung mitteilen als Botschaft Dessen, Der sie sendet.

Die kirchliche Anerkennung der Ordensinstitute der Brüder bringt in erster Linie einen Sendungsauftrag mit sich, den sie gemäß ihres eigenen Charismas verwirklichen. Zweitens wird anerkannt, dass ihr Einsatz in den verschiedenen menschlichen Gegebenheiten, in denen sie sich einbringen, nicht etwas Zufälliges oder Äußerliches ihres Ordenslebens ist, sondern wesentlicher Teil ihrer Identität und ihrer Weihe. Über die konkret von ihnen wahrgenommenen Aufgaben hinaus repräsentieren diese geweihten Gemeinschaften, innerhalb der Gesellschaft und vor allem an der Seite der Armen und Leidenden, die Kirche, das» allumfassende Heilssakrament«.[60]

Es scheint daher angemessen, dass wir von diesen Brüdergemeinschaften als Dienende Gemeinschaften sprechen, in dem Sinne, dass das von der Brüdergemeinschaft übernommene kirchliche Dienstamt[61] ihr die ihr unverwechselbare Identität innerhalb der Kirche verleiht. Zudem betont die Gemeinschaft die brüderliche Beziehung zwischen ihren Mitgliedern und zu den Adressaten ihrer Sendung. Nicht das Individuum, sondern die Gemeinschaft übt das Dienstamt aus. Die Mitglieder einer dienenden Gemeinschaft können sehr verschiedene Aufgaben erfüllen; einige können sogar wegen Krankheit oder Alter an jeder äußeren Aufgabe gehindert sein. Das Dienstamt ist nicht mit einer konkreten Aufgabe gleichzusetzen. Die Gemeinschaft als Ganzes übt es durch die verschiedenen Dienstleistungen ihren Mitglieder aus, einschließlich des Gebets, der Darbringung ihres Leidens seitens der Kranken, des solidarischen Umgangs miteinander ... Die gesamte Gemeinschaft übernimmt die Verantwortung für die Sendung, mit der die Kirche sie betraut hat.

Die Brüderlichkeit im Dienen ist seit jeher ein grundlegender Beitrag der Ordensinstitute der Brüder zum geweihten Leben und für die Kirche gewesen. Durch diese unterstreichen die genannten Gemeinschaften die untrennbare Verbindung zwischen Communio und Sendung, die bedeutende Rolle der brüderlichen Liebe als Mittelachse der Evangelisierung, ihren Umfang und ihre Vielschichtigkeit, das tatsächliche Handeln des Heiligen Geistes und die Saatkörner des Wortes,[62] die auf die eine oder andere Weise in allen Völkern und Kulturen vorhanden sind.

Die brüderliche Communio und das Leben in Gemeinschaft

24. Das Leben in Gemeinschaft, wesentliches Kennzeichen des Ordenslebens, soll die brüderliche Communio intensiv fördern, das brüderliche Leben verwirklicht sich jedoch nicht automatisch mit der Einhaltung der Normen, die das Leben in Gemeinschaft regeln.[63]

Auch wenn Strukturen natürlich notwendig sind, so äußert sich die Gemeinschaft der Brüder doch vorwiegend in ihren Einstellungen: Sie versammeln sich, um intensiver an Leben und Sendung Jesu teilzuhaben und um die Brüderlichkeit und Gotteskindschaft zu bezeugen, zu der alle Gläubigen berufen sind.

Für die Brüder ist die Gemeinschaft also eher eine Erfahrung als ein Ort, oder besser gesagt, die Brüder leben in Gemeinschaft und versammeln sich an einem Ort, um diese Erfahrung in ihrer ganzen Tiefe ausschöpfen zu können. Auf diese Weise antworten sie auf den Ruf, Experten der Gemeinschaft[64] zu sein, wirksame Zeichen dafür, dass es möglich ist, tiefgehende in der Liebe Christi verwurzelte Beziehungen zu leben.

Die Liebe zueinander ist das Erkennungszeichen der Christen (vgl. Joh 13,35). Dieses Zeichen stellen die Brüder dar und es muss jeder Gemeinschaft von Brüdern als Entscheidungskriterium dienen, noch vor dem Kriterium der Effizienz ihrer Werke. Es ist leicht festzustellen, wie in der Gründungszeit eines jeden Ordensinstituts von Brüdern die brüderliche Liebe als Mittelpunkt des Gründungsvorhabens angegeben wird und man sich das Ideal der frühen Christen, »ein Herz und eine Seele« (Apg 4,31) zu sein, ausdrücklich zu eigen macht. Von diesem Mittelpunkt her organisieren sie ihr apostolisches Handeln, im Bewusstsein, dass dieses darin besteht, das weiterzugeben, was sie zuvor in Gemeinschaft leben. Ihre Brüderlichkeit schafft Brüderlichkeit und ihre Sendung zeichnet sich von Anfang an als Communio sein und Communio schaffen ab.

Brüderlichkeit und evangelische Räte: ein Zeichen gegen den Trend

25. Das prophetische Zeugnis der Brüderlichkeit[65] ist für die Brüder mit der Verpflichtung verbunden, den Lebensstil Jesu anzunehmen. Die gottgeweihte Ehelosigkeit erlaubt es ihnen, das Gemeinschaftsleben in Fülle zu leben und allen Brüder zu sein, statt eine ausschließende Liebe zu leben. Die Armut als Entscheidung zu einem nüchternen und einfachen Lebensstil und dazu, die Güter mit den andern zu teilen, ermöglicht es, die brüderliche Gemeinschaft zu erfahren.[66] Der Gehorsam schließlich, durch den sich alle an einem gemeinsamen Vorhaben beteiligen, »vereint trotz der Vielfalt der Gaben und der Achtung der individuellen Persönlichkeit der einzelnen .. in demselben Zeugnis und in derselben Sendung «.[67]

Dieses prophetische Zeugnis erfordert zunächst einen Bruch mit dem Herkunftsort, mit der Familie, den Freunden, der Stadt ... um diese dann aus der Verwurzelung in der neuen Familie heraus zurückzugewinnen, im neuen Rahmen der universellen Brüderlichkeit.

Die Gemeinschaft der Brüder lebt ihre prophetische Sendung gegen den Trend, denn ihr dem Evangelium gemäßer Lebensstil ist dem Lebensstil entgegengesetzt, den die Welt fördert. Sie ist eine aus dem Geist geborene »Brüderlichkeit der inneren Freiheit dessen, der auf Gott vertraut trotz der menschlichen Grenzen all derer, die ihn repräsentieren«.[68] So ist die Gemeinschaft der Brüder ein Ort vielfältiger Verpflichtungen, der gegenseitigen Abhängigkeit, der Eintracht und Solidarität, der sich öffnet und nach außen geht, mit einer anspruchsvollen Lebensweise, die ständig im Licht des Evangeliums bestehen muss. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich um ein zerbrechliches Zeichen handelt, das ständig erneuert werden muss; es muss auf dem Weg gelebt werden, der zur Heiligkeit führt, in der Dynamik des Evangeliums, welche die Strukturen ständig mit Leben erfüllt und wiederherstellt.

Gemeinschaft auf der Suche

26. Wenn der Apostel Paulus von seinem Berufungserlebnis erzählt (vgl. Apg 22, 3-21), stellt er die Frage: »Was soll ich tun, Herr?« Die Frage zeigt die totale Kehrtwende seiner Einstellung, die darin besteht, dass er seinen eigenen Weg verlässt, um den Weg Jesu einzuschlagen. Die Antwort wird er nicht in der exakten Erfüllung des Gesetzes und den Traditionen der Synagoge finden, sondern im Hören auf die Personen, im Deuten der Ereignisse und in der Betrachtung des geoffenbarten Wortes.

Bei der Bewältigung der Gegenwart müssen die Ordensbrüder das Risiko eingehen und wie Paulus fragen: »Was soll ich tun, Herr?« Diese Frage ist jedoch nur dann ehrlich, wenn ihr die Bereitschaft vorausgeht »aufzustehen«, denn dies ist die erste Aufforderung der Antwort (vgl. Apg 22, 10-16). Das bedeutet, dass Treue in der heutigen Zeit die persönliche Bereitschaft zu Veränderung und zum Umdisponieren verlangt. Ohne diese Bereitschaft wird auch die Erneuerung der Strukturen wenig Wert haben.

Der Bruder richtet die Frage nicht an sich selbst, sondern an Jesus, den Herrn, denn er möchte Seinen Willen erkennen und erfüllen. Er muss ein kontemplativer Mensch sein, um diesen Willen im Licht des Wortes Gottes, in den Personen und Ereignissen zu entdecken. Dieses Licht erlaubt es dem Bruder, das Alltagsleben vom Herzen Gottes her zu deuten und jeden Moment als Zeit der Gnade und Erlösung zu leben.

Wie alle Formen des christlichen Lebens ist auch das geweihte Leben ein Suchen nach Vollkommenheit in der Liebe.[69] Die Berufung des Bruders und sein Engagement, alle an die Verpflichtung zur Heiligkeit zu erinnern, sind auch Grund für eine größere Anstrengung.[70] Bei der genannten Suche müssen die Brüder sehr darauf achten, dass das Gemeinschaftsleben keinen Verschleiß erfährt. Viele Faktoren können es zerstören, wenn die Brüder es nicht täglich aufbauen und die Verletzungen und Reibungen, die entstehen, wiedergutmachen. Teil ihres Bekehrungsprozesses ist die ständige Rückkehr zum Wesentlichen, zu ihrer prophetischen Sendung innerhalb der Kirche: Die Brüderlichkeit als von Gott empfangenes Geschenk zu leben und sie mit Seiner Hilfe und gemeinsamem Engagement, in die Gemeinschaft hinein und nach draußen, aufzubauen.

DIE SENDUNG BRÜDERLICHKEIT: GABE, DIE WIR SCHENKEN

Das Leben als Brüderlichkeit gegenüber den Geringen: »Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt« (Mt 25,40)

27. Zwei Bilder aus dem Evangelium illustrieren den Sinn der Sendung des Ordensbruders. Eines zeigt uns Jesus voll Mitleid mit der Menschenmenge, »denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben« (Mk 6,34). Er sättigt sie reichlich mit dem Brot seines Wortes, und von Mitleid bewegt bittet er seine Jünger, dass sie ihnen auch das Brot des natürlichen Lebens austeilen: »Gebt ihr ihnen zu essen« (Mk 6,37).

Das andere Bild zeigt uns ebenfalls Jesus, den Menschensohn. Aber diesmal zeigt sich sein Mitleid als authentische Brüderlichkeit mit den am meisten Benachteiligten insofern, dass er sich mit ihnen identifiziert. Sein Gebot wird zu einer feierlichen Mahnung: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan ... Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan« (Mt 25,40.45).

Das Bemühen Jesu, die Leiden der Menschen zu lindern und ihre Bedürfnisse zu befriedigen, wird im ganzen Evangelium deutlich, soweit, dass er selbst sich mit den Bedürftigsten identifiziert und darauf hinweist, dass nur die, welche sich ihrer annehmen, das verheißene Reich erben werden. Ebenso bezieht sich der Auftrag, den die Jünger mit ihrer Aussendung zur Evangelisierung erhalten, nicht nur auf die Verkündigung der geistlichen Botschaft, sondern auch auf die Befreiung von dem, was die Menschen unterdrückt und ihre Entwicklung behindert,[71] denn »zwischen Evangelisierung und menschlicher Entfaltung - Entwicklung und Befreiung - bestehen in der Tat enge Verbindungen«.[72]

Im Laufe ihrer ganzen Geschichte hat die Kirche das Gebot Jesu, »Gebt ihr ihnen zu essen«, sehr ernst genommen. Ihr missionarisches Handeln war systematisch verbunden mit dem Austeilen des menschlichen Brotes in seinen verschiedenen Formen: Nahrung, Gesundheit, Befreiung, Kultur, Sinn des Lebens usw. Insbesondere berichtet die Geschichte des geweihten Lebens von diesem Bemühen, das die Frohe Botschaft vom Reich Gottes Wirklichkeit werden lässt.

Die Sendung des Bruders folgt derjenigen der beiden soeben betrachteten Bildern dargestellten Bewegung. Einerseits ist sie Frucht eines Herzens, das sich von den Nöten und dem Elend der Menschheit anrühren lässt; in ihnen spürt er den Ruf Christi, der ihn sendet, den Hunger in ganz verschiedenen Formen zu stillen; sein Charisma macht ihn besonders empfänglich für einige von ihnen. Aber das ist nicht genug; der Bruder, dessen endgültige Berufung es ist, sich mit dem Menschensohn zu identifizieren, fühlt sich gedrängt, wie Er zu werden, Bruder der Geringsten. So schenkt er jetzt in der Sendung die Gabe der Brüderlichkeit, die er empfangen hat, und die er in seiner Gemeinschaft lebt. Eine Gabe, deren Empfänger die geringsten Brüder sind, mit denen Christus sich identifiziert hat. Die Sendung ist nicht »das, was er tut«, sondern sein eigenes Leben, das zur Communio mit den Geringsten geworden ist: »Ich muss dem anderen, damit die Gabe ihn nicht erniedrigt, nicht nur etwas von mir, sondern mich selbst geben, als Person darin anwesend sein «.[73]

Teilhabe am Dienst Jesu, des)} Guten Hirten« 

28. Die Kirche hat hohe Wertschätzung für die Form des geweihten Lebens» ... in der die Ordensbrüder innerhalb und außerhalb der Kommunität verschiedene und wertvolle Dienste vollbringen und so an dem Sendungsauftrag teilnehmen, das Evangelium zu verkünden und es im täglichen Leben durch die Liebe zu bezeugen. Denn einige dieser Dienste können als kirchliche Dienstämter betrachtet werden, die die rechtmäßige Autorität ihnen überträgt«[74] Alle diese Dienste bedeuten» Teilhabe am Amt Jesu Christi, dem guten Hirten, der sein Leben hingibt für seine Schafe (vgl. Joh 10, 11), und dem demütigen und für das Heil aller sich gänzlich opfernden Diener (vgl. Mk 10,45)«.[75]

Das Bild des Guten Hirten, ebenso wie das des Meisters, der sich mit dem Leinentuch umgürtet und den Jüngern die Füße wäscht, spricht zu uns nicht von Macht, sondern vom Dienen, von Liebe und von Opfer bis zur Hingabe des Lebens. So muss der Bruder seinen Dienst auffassen, welche konkreten Aufgaben auch immer ihm im Zusammenwirken mit seinen Brüdern anvertraut werden.

Unter den von den Brüdern ausgeübten Diensten und Ämtern sind einige mehr an das innere Leben der Kirche geknüpft, während andere ihren missionarischen Charakter hervorheben. Einige stehen im Zusammenhang mit eher geistlichen Aufgaben wie dem Dienst am Wort Gottes oder der Liturgie, andere zeigen die Kirche eher um das materielle Wohl der Menschen besorgt, als kraftvolles Wirken des Geistes für die Heilung und Umwandlung der Welt.

Die Sendung des Bruders reduziert sich nie auf die von ihm ausgeführte Tätigkeit, auch wenn diese apostolischer Natur ist. Sendung bedeutet Evangelisierung im umfassenden Sinn. »Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren ... «.[76] Das Gleiche muss man vom geweihten Leben und besonders vom Leben des Ordensbruders behaupten können: »In dem Anruf an sie ist daher die Aufgabe enthalten, sich vollständig der Sendung zu widmen ... Denn noch ehe sich die Sendung durch äußere Werke kennzeichnet, entfaltet sie sich dadurch, dass sie durch das persönliche Zeugnis für die Welt Christus selbst gegenwärtig macht. Das ist die Herausforderung, das ist die erstrangige Aufgabe des geweihten Lebens! ... Man kann also sagen, die Person des geweihten Lebens ist "in Mission" eben kraft ihrer Weihe selbst, die entsprechend dem Plan des eigenen Instituts bezeugt ist«.[77] Auf dieser so engen Beziehung zwischen Sendung und Weihe beruht die Einheit des Lebens des Ordensbruders, der sich kraft seiner Weihe in der Sendung engagiert und seine Weihe in der Sendung lebt.

Alle, auch die noch so apostolischen Tätigkeiten, können sich aufgrund von Krankheit oder Alter verändern oder auch ganz aufgegeben werden; die Sendung jedoch bleibt immer bestehen. Das vom eigenen Charisma her gelebte und belebte Werk der Evangelisierung ist der Daseinsgrund des Bruders und das, was seiner Ordensweihe Sinn gibt. Wie Jesus muss auch er sagen können: »Und ich heilige mich für sie« (Joh 17,19).

Es handelt sich also nicht um eine Frage der Aufgaben, sondern der Identität: »Ich bin eine Mission auf dieser Erde, und ihretwegen bin ich auf dieser Welt. Man muss erkennen, dass man selber" gebrandmarkt" ist für diese Mission, Licht zu bringen, zu segnen, zu beleben, aufzurichten, zu heilen, zu befreien«[78] Der Diener ist die Person des Ordensbruders in ihrer Gesamtheit: geweiht, in Gemeinschaft lebend, eins mit der Sendung. Mit seinem ganzen Sein nimmt er das Privileg und die Verantwortung auf sich, für die Kirche den Guten Hirten zu verkörpern, der das Leben für seine Schafe gibt.

Die Sendung, die zu den Quellen führt: »Komm und sieh« 

29. Der Durst nach Spiritualität tritt in der heutigen Gesellschaft mit Macht zu Tage, droht aber in der Menge der Glaubenssurrogate unterzugehen. Wie Philippus mit Nathanael, so beeilt sich auch der Ordensbruder zu verkünden, dass er den gefunden hat, der Antworten auf die tiefsten Sehnsüchte des Menschenherzens gibt, und wie sie muss er angesichts der Skepsis seines Gesprächspartners ausrufen können: »Komm und sieh« (Joh 1,45-46). Es ist dieselbe Einladung, welche die Samariterin an die Bewohner ihres Dorfes gerichtet hat, nachdem sie die ihr von Jesus dargebotene Quelle lebendigen Wassers gefunden hatte: »Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?« (Joh 4,29).

Im Bewusstsein ihrer eigenen Unzulänglichkeiten und dennoch fähig, ihre Zeitgenossen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten, bieten sich die Brüder als Wegweiser auf der Suche nach Gott an.[79] Sie gestalten ihre Gemeinschaften, damit sie Schulen einer echten evangeliumsgemaßen Spiritualitaf[80] werden und stellen sie als bevorzugte Orte zur Verfügung, an denen die Wege zu Gott erfahrbar werden.[81] Als Gemeinschaft sind sie aufgerufen, zum Gebet zu versammeln, die Suche nach Gott und die Gotteserfahrung zu teilen, das Verständnis der Heiligen Schrift zu erleichtern, den Dialog zwischen Glauben und Kultur zu vertiefen ...

Die kontemplativen Gemeinschaften konzentrieren ihre Sendung darauf, die Quellen aufzuzeigen. Diese Gemeinschaften sind ein mächtiges Zeichen, das unsere gottesferne Gesellschaft hinterfragt. Sie sind Orte der Begegnung für Jugendliche und Erwachsene auf der Suche nach dem tiefen Sinn ihres Lebens. Das Phänomen des spirituellen Erwachens bei den jungen Leuten und der Anziehungskraft der ökumenischen Gebetsgemeinschaften wie der von Taize und anderer katholischer monastischer bzw. klösterlicher Gemeinschaften, sowohl von Männern als auch von Frauen, ist kein Zufall.

Unabhängig von ihrer spezifischen Sendung sollen alle Brüder sich bemühen, Zeugen der Hoffnung zu sein, die sie in sich tragen, wie es der hl. Petrus von uns fordert (vgl. 1 Petr 3,15). Das bedeutet der Hoffnung ein Gesicht zu geben, in Situationen von Schmerz und Elend da zu sein, zu zeigen, dass Gottes Zärtlichkeit keine Grenzen kennt, dass die Auferstehung Christi den Sieg garantiert, dass der Gott des Lebens das letzte Wort über Schmerz und Tod haben wird, am Jüngsten Tag alle Tränen trocknen wird (vgl. Offb 7,17) und wir als Brüder und Schwestern leben werden.

Sendung der Brüderlichkeit, auf der Suche nach dem verlorenen Bruder

30. Die Charismen der Ordensinstitute der Brüder sind oft Antwort auf Jesu Aufforderung: »Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren« (Mk 4,35). Der Evangeliumsbericht, den Markus uns überliefert (Mk 4, 35-5, 20), zeigt Jesus und seine Jünger, wie sie heidnisches Gebiet betreten, um die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Er spiegelt eine typische Situation des kirchlichen Lebens wider. Angesichts der Versuchung, sich in ihrem eigenen Umfeld abzuschotten, wird die Kirche von ihrem Meister gedrängt, alle Grenzen zu überschreiten. Nichts Menschliches ist ihr fremd, und jede menschliche Situation wird für die Kirche stets ein potenzieller Schauplatz ihres Handelns sein, ein Ort, der sich für die Verkündung der Frohen Botschaft vom Reich Gottes eignet.

Die Suche nach dem, der fern ist, dem Fremden, dem Verirrten, nach dem, der aus einer anderen Kultur kommt ... ist ein großes Anliegen in der Frühzeit der Kirche und wiederholt sich wie ein starkes Echo bei der Entstehung der Ordensinstitute. In der Apostelgeschichte bezeichnet der Ausdruck »die Grenzen der Erde« den Ort, wohin sich die Jünger Jesu mit ihrer Verkündung des Evangeliums wenden sollen: »Ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8). Von ihren Charismen dazu angeregt, kommen die Ordensbrüder dieser Aufforderung nach.

Wo sind heute die Grenzen? Damit sind nicht mehr geografisch entlegene Orte gemeint, sondern Situationen der Ausgrenzung, die Peripherien unserer Welt. Die Grenzen sind heute in den verarmten Ländern, in den Entwicklungsländern, und auch in den schwachen Regionen der Industrienationen. Die Grenzen fallen zusammen mit der erschütternden Wirklichkeit, in der heute zahllose Männer und Frauen leben, in Verarmung, Migration, Hunger, Ungerechtigkeit, Gleichgültigkeit und fehlender Empathie gegenüber den Schmerzen des anderen, inmitten von Oberflächlichkeit und dem Verlust religiöser und menschlicher Werte ... Die authentisch gelebte und mit dieser Wirklichkeit verflochtene Berufung des Ordensbruders erlangt tiefe Sinnhaftigkeit.

Das Hinausgehen bis an die Grenzen wird zu einer Vorzugsoption für die Armen, für diejenigen, die sich in einer akuten Notlage befinden.[82] Zu dieser Option sind alle Jünger Christi verpflichtet, da sie zum Wesen des Evangeliums gehört.[83] In der Tat ist sie das Zeichen, das Jesus nennt, als man ihn fragt, ob Er der Verheißene sei (vgl. Mt 11,2-6). Die geweihten Personen, die ein öffentliches Gelübde abgelegt haben, Christus gleichförmig zu werden, sind aufgefordert, ihrer Verpflichtung zu entsprechen, für die Armen zu leben und, in dem Maß ihr Charisma das fordert, mit den Armen oder wie die Armen.

Das Lukasevangelium bietet dem Ordensbruder ein Bild, in dem er sich betrachten und an dem er sich bei seiner Suche nach dem entfernten Bruder messen kann: das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,30-37). Der von Mitleid bewegte Mann aus Samarien, der sich zum Nächsten und Bruder des unter die Räuber Gefallenen macht, ist Zeichen der barmherzigen Liebe des Vaters.

Zeichen eines Reiches, das das ganzheitliche Heil der Person sucht

31. Viele Ordensbrüder verwirklichen ihre Sendung in einem weltlichen Beruf, sei es im Gesundheits- oder Erziehungswesen, in der Immigrationshilfe, bei der Begleitung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen, usw. Sie bezeugen so, dass das Engagement für das Reich Gottes auch das Bemühen beinhaltet, im Hier und Jetzt eine menschlichere und bewohnbarere Welt aufzubauen, und dass die Liebe Christi gebunden ist an die Liebe zur Menschheit, insbesondere zu ihren schwächsten und bedürftigsten Gliedern. Mehr denn je braucht die Welt heute geweihte Personen, die aus dem Herzen der säkularen Gegebenheiten und dem menschlichen Leben heraus bezeugen, dass sie den Gott des Lebens kennen und lieben.

In erster Linie müssen wir hier die manuelle Arbeit erwähnen, die viele Brüder leisten. Die Mönche, besonders in den Benediktinerklöstern, trugen im Abendland entscheidend dazu bei, der körperlichen Arbeit, die noch heute in einigen Kulturen als Arbeit für Personen von niederem Rang angesehen wird, ihre Würde und ihren positiven Wert zurückzugeben. Durch ihrer Hände Arbeit bezeugen die Brüder den besonderen Wert der Arbeit, durch die der Mensch an der Vervollkommnung des wunderbaren Schöpfungswerkes mit Gott zusammenarbeitet, sich zum Nächsten seiner einfachsten Brüder macht und sich mit Jesus, Bruder und Arbeiter, identifiziert.

Die Ordensinstitute der Brüder, deren Sendung an die soziale Förderung und an die Ausübung der Menschenrechte in den verschiedenen Bereichen der Ausgrenzung, der menschlichen Gebrechlichkeit oder der Reifung der Person geknüpft ist, sind prophetisches Zeichen eines Reiches, das um das ganzheitliche Heil jedes Menschen bemüht ist. Ihre Einbindung in diese Aufgaben und Lebenswirklichkeiten geschieht vorzugsweise als Gemeinschaft. So bezeugen sie eine brüderliche Gemeinschaft, deren Zusammenhalt auf dem gründet, der sie berufen und ausgesandt hat. Selbst wenn die Brüder aufgrund des Alters oder anderer Umstände nicht mehr direkt an beruflichen Aufgaben beteiligt sind, ist die Anwesenheit der geweihten Gemeinschaft in diesen Lebenszusammenhängen weiterhin ein Signal, das den Weg zu einem sinnstiftenden Horizont weist.

Das Reich Gottes ist immer unter uns, es wird hier erbaut; und es geht immer über uns hinaus, übertrifft es doch als Werk des Heiligen Geistes jedwedes menschliche Bemühen. Diese eschatologische Spannung wird in der Weihe, in der Person des geweihten Bruders und ganz besonders in der Gemeinschaft der Brüder sichtbar dargestellt.

III. BRÜDERSEIN HEUTE: EIN ERZÄHLEN VON DER GNADE

»Bleibt in meiner Liebe!« (Joh 15,9)

Eine Geschichte, die Heilsgeschichte sein soll

32. Wie können die Brüder heute erkennbares Gesicht des Bundes sein, in Kontinuität mit dem Dienst des Gottesknechts (vgl. Jes 42,6) und in Treue zu der prophetischen Berufung, die sie vom Herrn empfangenen haben? Wie können sie für die gesamte Kirche weiterhin lebendiges und interpellierendes Gedächtnis Jesu sein, welcher dient, die Füße wäscht und bis zur Hingabe seines Lebens liebt? Werden sie Seine Botschaft hören und wertschätzen können, die Botschaft, die die Kirche von ihnen erwartet und braucht, die Botschaft der Brüderlichkeit? Was bedeutet Brüder sein heute?

Die Beantwortung dieser Fragen ist nicht leicht, und die Antworten sind nicht einfach, infolge der Unterschiede zwischen den vielen Ordensgemeinschaften und der je nach Kontinent unterschiedlichen Situation des Ordenslebens.

Das geweihte Leben ist seit jeher ein Erzählen von der Gnade Gottes in der Kirche und für die Welt: »Ein Geschenk Gottes des Vaters durch den Geist an seine Kirche«. Durch dieses Geschenk wird der Blick der Gläubigen» auf jenes Geheimnis des Gottesreiches gelenkt, das bereits in der Geschichte wirksam ist, seine Vollendung aber im Himmel erwartet «.[84]

Das Leben der Brüder ist eine Geschichte, eine Heilsgeschichte für ihre Zeitgenossen, und ganz besonders für die Ärmsten. »Die eigene Schönheit des Evangeliums kann von uns nicht immer angemessen zum Ausdruck gebracht werden, doch es gibt ein Zeichen, das niemals fehlen darf: die Option für die Letzten, für die, welche die Gesellschaft aussondert und wegwirft«.[85] Kennzeichen der Brüder ist ihr Bemühen, Geschenk von Gott dem Vater für jene zu sein, zu denen sie gesandt wurden. Sie sind Boten der Liebe des Vaters zum Sohn und des Sohnes zu seinen Brüdern: »Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!« (Joh 15,9). Dieses Bleiben, um das sie gebeten werden, beinhaltet eine aktive Dynamik, die Dynamik der Liebe.

Wer ist mein Bruder?

33. Die Frage, was Bruder sein heute bedeutet, setzt eine andere Frage voraus: Wer ist mein Bruder? Und das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter verweist uns auf eine weitere: Für wen oder von wem werden wir Brüder? Für die Ordensbrüder ist die Antwort klar: vor allem für jene, die ihrer Solidarität am meisten bedürfen und die ihnen von ihrem Gründungscharisma zugewiesen werden.

Um dem »Erzählen von der Gnade« Vitalität und Realismus zu verleihen, sind die Brüder aufgerufen, sich von biblischen Bildern und von den Vorbildern aus der Zeit der Ordensgründung oder der heutigen Zeit inspirieren zu lassen, die am besten ihr tägliches Leben dem Geheimnis der Liebe und des Bundes öffnen können, das Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart haben.

Die ersten beiden Kapitel dieser Überlegungen sind durchzogen von biblischen Bildern: angefangen von Mose vor dem brennenden Dornbusch und dem Gottesknecht, »Bund für das Volk«, bis zu Paulus, der auf dem Weg nach Damaskus stürzt. Im Zentrum steht die Person Jesu, der uns einlädt, Gedächtnis seiner Liebe zu sein. Die Gesamtheit dieser Bilder stellt für uns den großen Bericht der Heilsgeschichte dar, in der die Brüder am Heilswerk Gottes mitwirken dürfen.

Diese biblischen Bilder müssen einerseits mit jenen aus der Gründungszeit des eigenen Ordensinstituts verbunden werden, die den Brüdern das erste Feuer vor Augen halten, das sie wieder entfachen müssen, und andererseits mit jenen Vorbildern, die heute die Stimme des Heiligen Geistes vermitteln: Gesichter von Brüdern, die in der letzten Zeit an Orten religiöser oder sozialer Konflikte ihr Leben eingesetzt haben sogar bis zum Martyrium; und auch Gesichter von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und alten Menschen, die dank der Nähe und Hilfe der Ordensbrüder heute ein Leben in Würde führen.

Da sind viel mehr Gesichter, die noch darauf warten, dass der Barmherzige Samariter zu ihnen kommt, um ihr Bruder zu werden und ihnen Leben zu geben. Mit ihren Blicken erheben sie gegenüber dem Bruder Anspruch auf die Gaben, die er als Mittler erhalten hat, die aber letztlich für sie bestimmt sind. Es sind diese Gesichter, die die Brüder jeglichen Alters heute auffordern, die Gnade neu zu erzählen, indem sie die Leidenschaft für Christus und die Menschheit leben. Die Sorge um das eigene Überleben, damit die Geschichte der Erlösung weiter geschrieben werden kann, ist gerecht. Viel angemessener ist aber das Verlangen, das Leben zu geben, wie das Weizenkorn in die Erde zu fallen, im Wissen, dass Gott dafür sorgen wird, dass es das Hundertfache hervorbringt, wie Er es für richtig hält.

Die Grundlagen schaffen: Die Anfangsausbildung

34. Von der Erstausbildung an beginnt die Geschichte vom Bruder heute Gestalt anzunehmen: in ihr wird sich der Kandidat für diesen Lebensstil der Erfahrung des Gottesknechts bewusst: »Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoß meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt . ... So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt, und mein Gott war meine Stärke« (Jes 49,1.5). Auf diese Weise in der freien Initiative Gottes und in der persönlichen Erfahrung seiner unentgeltlichen Liebe[86] verwurzelt, wird der junge Auszubildende im Gefühl der Zugehörigkeit zum Volk Gottes wachsen, aus dem und für das er ausgewählt wurde.

Ein angemessenes Studium der Ekklesiologie der Communio wird ihm helfen, mit den Personen in Beziehung zu treten, welche die verschiedenen Lebensformen annehmen, in die sich das kirchliche Leben gliedert.[87] Das wird ihn auch ermuntern, sich als Bruder von allen Brüdern und Schwestern zu fühlen, die das Volk Gottes bilden, und er wird seine eigenen Begabungen entdecken können und schätzen lernen, nicht als etwas, das ihn von den anderen trennt oder über sie hinaushebt, sondern als die Fähigkeit, die er empfangen hat, um etwas Bestimmtes zum Wachstum des Leibes Christi und zu seiner Sendung in der Welt beizutragen.

»Alle in der Kirche haben die Tauf- oder Firmweihe erhalten«.[88] Von diesem gemeinsamen Fundament, vertieft und gelebt in der Perspektive des Gründungscharismas, erkennt man die Bedeutung der Weihe des Ordensbruders. Die theologisch-charismatische Intuition, die seiner Berufung zugrunde liegt, muss bei der Erstausbildung sehr stark berücksichtigt werden. Diese Intuition bringt eine spezifische Form des Lebens nach dem Evangelium an den Tag, die sich mittels einer besonderen Weihe vollzieht, in der Taufweihe verwurzelt ist und einer eigenen Sendung dient.

Die Hoffnung nähren: Die ständige Weiterbildung

35. Die Brüder erleben ihre Berufung in der heutigen Welt unterschiedlich: Einige mit einer gewissen Enttäuschung und Frustation, andere mit Treue, Frieden, Freude und Hoffnung. Die ständige Weiterbildung wird notwendig, um die einen anzuspornen, die anderen zu stützen, und um allen die Möglichkeit zu geben, die Gegenwart als eine Zeit der Gnade und des Heils (vgl. 2 Kor 6,2) zu erleben. Sie ist heute mehr denn je eine für die Weihe an Gott wesentliche Forderung[89] und muss in jedem Institut als ein möglichst genaues und systematisches Projekt geplant werden.

Die ständige Weiterbildung der Brüder ist so ausgerichtet, dass sie in unserer Zeit den Weg der Ordensgründer nacherleben können; dass sie in der Gegenwart die Dynamik entdecken und anwenden, die sie bewegte, ein Evangelisierungsprojekt in Gang zu setzen; dass sie das Gründungscharisma im Licht der heutigen Herausforderungen und Möglichkeiten neu lesen, es als Wurzel und Prophetie entdecken und sich von ihm inspirieren lassen, um eine Antwort auf die aktuellen Probleme zu geben.

Ziel der ständigen Weiterbildung ist es, Schlüssel an die Hand zu geben, um das geweihte Leben in der Welt und der Kirche von heute zu leben, und die Kriterien bereitzustellen, die der Präsenz der Brüder im Bereich der Mission Orientierung geben. Diese Weiterbildung muss sie dahin bringen, sich Werte zu eigen zu machen, die ihrem Handeln zugrunde liegen. Sie muss als ein Prozess der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung betrachtet werden, um die Veränderung der ganzen Gemeinschaft zu bewirken und nicht nur einzelner Individuen.

Nach Möglichkeit soll die Ausbildung nicht nur mit den Mitgliedern des eigenen Instituts geteilt werden, sondern auch mit Personen anderer Lebenstände, die am selben Charisma teilhaben. Es wird auch sehr nützlich sein, sie zu einem guten Teil mit anderen mehr oder weniger affinen charismatischen Familien zu koordinieren, ohne deswegen die Eigenheiten einer jeden Berufung zu vernachlässigen.

Die Meister des Lebens und der Hoffnung wiedergewinnen

36. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Thema der ständigen Weiterbildung der älteren Brüder, aktive Mitglieder beim Schreiben der gemeinsamen Geschichte der Erlösung. Viele der Ordensbrüder erfüllen ihre Sendung in der Ausübung weltlicher Berufe, beispielsweise im Erziehungs- oder Gesundheitswesen. Es bedarf vorab einer Gesinnungsänderung, um zu vermeiden, dass die berufliche Pensionierung die Pensionierung im Ordensleben mit sich bringt. In der Evangelisierung gibt es keine Pensionierung, nur die Art der Teilnahme ändert sich. Eine sehr wichtige Art, die gemeinsame Sendung zu unterstützen, ist durch Gebet und Opfer; eine andere Form der Teilnahme sind die kleinen Dienste, die ein jeder je nach seinem Gesundheitszustand leisten kann; außerdem sind die älteren Brüder Zeugen und Protagonisten der Unentgeltlichkeit.

Der Beitrag, den man von den älteren Personen erwartet, besteht nicht so sehr in der Erfüllung konkreter Aufgaben, als vielmehr darin es zu verstehen, als Meister des Lebens und der Hoffnung inmitten der Gemeinschaft da zu sein, bereit den Weg und die Müdigkeit derer zu begleiten, die mehr in die externen Aufgaben der Sendung eingebunden sind. Auf diese Weise arbeiten sie mit daran, dass die dienende Gemeinschaft für die gesamte Gesellschaft das prophetische Zeichen[90] des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung wird, das diese nötig hat.

Propheten für unsere Zeit

37. Jede Zeit braucht ihre Propheten. Wir haben bereits verschiedene prophetische Dienste erwähnt, welche die Ordensbrüder der Gesellschaft und der Kirche von heute anbieten, um zu einer größeren Humanisierung der Gesellschaft beizutragen und auf ihre Suche nach Spiritualität zu antworten. Wir führen noch einige weitere an, die der gegenwärtige Zeitpunkt sozialer Veränderungen fordert, und die eine Aufforderung an die Ordensbrüder darstellen: Die Prophetie der Gastfreundschaft, verstanden als Öffnung und Aufnahmebereitschaft gegenüber dem Anderen, dem Fremden, dem Menschen mit anderer Religion, Rasse oder Kultur. Sie ist ein wesentliches Element des menschlichen Zusammenlebens angesichts der Intoleranz, der Ausgrenzung und dem Mangel an Dialogbereitschaft.

Die Prophetie vom Sinn des Lebens. Der Dienst des Gesprächs und des unentgeltlichen Zuhörens, dem viele Ordensleute einen großen Teil ihrer Zeit widmen, ist eine Hilfe bei der Entdeckung des Wesentlichen, angesichts der in der Wohlstandsgesellschaft vorhandenen Leere.

Die Prophetie der Bejahung der weiblichen Werte in der Menschheitsgeschichte. Hier spielen die Ordensfrauen die Hauptrolle, indem sie die weibliche Lebensanschauung einbringen und so neue Horizonte für die Evangelisierung im allgemeinen öffnen. Die Ordensbrüder tragen dazu bei, diese Prophetie zu vertiefen, durch ihre brüderliche Unterstützung und Wertschätzung der weiblichen Präsenz, Ordensschwestern und Laien, bei der Evangelisierung.

Die Prophetie von der Pflege und vom Schutz des Lebens, von der Unversehrtheit der Schöpfung. Es gibt Ordensleute, die ihr Leben riskieren, weil sie Praktiken und politische Entscheidungen anprangern, die das menschliche Leben und seinen Lebensraum bedrohen. Andere widmen einen grossen Teil ihrer Zeit und Energien körperlichen Arbeiten zur Bewahrung der Natur. Die einen wie die anderen weisen mit ihrer Weihe, auf unterschiedliche Weise, auf den Sinn und den spirituellen Wert des Auftrags hin, unsere Welt für die kommenden Generationen zu bewahren.

Die Prophetie des weisen Gebrauchs der neuen Technologien, um sie in den Dienst der Kommunikation zu stellen, Information allen zugänglich zu machen, zum Wohl derer, denen es am schlechtesten geht, und um sie zu einem nützlichen Instrument bei der Evangelisierung zu machen.

In einer Familie: Eine neue Art, Kirche zu sein

38. Heute leben die Ordensbrüder ihre Berufung häufig innerhalb einer charismatischen Familie. Viele dieser Familien existieren schon lange, wurden aber tiefgreifend erneuert, während andere als Ergebnis der vom Zweiten Vatikanischen Konzil propagierten Communio-Ekklesiologie neu entstehen. Sie führen eine neue Art, Kirche zu leben und zu bauen vor Augen, eine neue Art, die Sendung zu teilen und die verschiedenen Gaben, die der Heilige Geist unter die Gläubigen austeilt, der Allgemeinheit nutzbar zu machen. Sie stellen »ein neues, hoffnungsvolles Kapitel in der Geschichte der Beziehungen zwischen den Personen des geweihten Lebens und den Laien«[91] dar.

Die Gründungscharismen, die mit den Orden und Ordenskongregationen entstanden sind, breiten sich heute wie Flüsse aus, die das Antlitz der Kirche bewässern und über ihre Grenzen hinaus reichen. Zu ihren Ufern kommen Gläubige aus verschiedenen Lebensständen und mit verschiedenen Lebensplänen, um ihr Wasser zu trinken und sich an der Sendung der Kirche zu beteiligen, aus der Inspiration und der immer wieder erneuerten Kraft dieser Charismen heraus.[92]

Laien, Ordensleute und Priester kommen in einer charismatischen Familie zusammen, um gemeinsam dem Charisma, das diese Familie entstehen ließ, Leben zu geben, um gemeinsam jene Facette des Evangeliums zu verkörpern, die dieses Charisma sichtbar macht, und um gemeinsam derselben kirchlichen Sendung zu dienen, die damit nicht mehr nur Sendung eines einzelnen Instituts ist.

Der Ordensbruder findet in seiner charismatischen Familie ein geeignetes Umfeld, um in seiner Identität zu reifen. Hier teilen die Brüder die Erfahrung der Communio und starken die Spiritualitiit der Gemeinschaft als das wahre Blut, das den Mitgliedern der Familie leben schenkt und sich von ihr aus auf die ganze Kirche ausbreitet.[93] In der charismatischen Familie haben die Ordensbrüder ihren Platz zusammen mit den anderen Christen und für sie. Mit ihnen sind sie Brüder, die eine vom Gründungscharisma beseelte Gemeinschaft für die Sendung aufbauen; für sie sind sie Zeichen dieser Brüderlichkeit, die zu verwirklichen sie im geweihten Leben aufgerufen sind.

Neuer Wein in neuen Schläuchen

39. Neuer Wein braucht neue Schläuche. Es liegt in der Verantwortung der ganzen Kirche, dafür zu sorgen, dass dieser neue Wein nicht nur nicht verloren geht, sondern an Qualität gewinnt.

Die Ordensinstitute der Brüder sind dringend aufgefordert, neue Strukturen und Programme für die Erstausbildung und die ständige Weiterbildung zu entwickeln, die den neuen Kandidaten und den derzeitigen Mitglieder helfen, ihre Identität in dem neuen kirchlichen und gesellschaftlichen Kontext wieder zu entdecken und zu schätzen.

Die sogenannten »gemischten« Institute,[94] von denen das apostolische Schreiben Vita consecrata spricht, und die aus Priestern und Brüdern bestehen, sollen ihren Vorsatz voranbringen, die Beziehungen zwischen allen ihren Mitgliedern auf der Grundlage der gleichen Würde zu ordnen, ohne Unterschiede außer denen, die von der Verschiedenheit ihrer Dienstämter herrühren. Damit dieser Fortschritt erzielt werden kann, hoffen wir, dass die Frage der Jurisdiktion der Brüder in diesen Instituten mit Entschlossenheit und in einem angemessenen Zeitrahmen gelöst wird.

Die Theologie des geweihten Lebens ist aufgerufen, besonders durch die Ordensinstitute der Brüder selbst, tiefgehende Überlegungen über das Ordensleben dieser Institute anzustellen. Diese Überlegungen werden sich von der Communio-Ekklesiologie und der Communio-Spiritualität inspirieren lassen, die Grundlage für das Ordensleben sind, das sich in der Kirche in den letzten Jahrhunderten in Form von Dienenden Gemeinschaften entwickelt hat.

Die Oberen und Leitungsorgane der Institute sollen ihre Aufmerksamkeit schärfen, um die Anzeichen neuen Lebens zu entdecken, um es zu fördern und zu begleiten, und um die Ausdrucksformen des Gründungscharismas in den neuen, für die Communio-Kirche typischen Beziehungen aufzuspüren.

Die Hirten und die Hierarchie der Kirche sollen die Kenntnis über den Ordensbruder und seine Wertschätzung in den Ortskirchen fördern, indem sie diese Berufung speziell in der Jugendpastoral fördern und es den Ordensbrüdern und - schwestern erleichtern, sich aktiv in den Beratungs -, Entscheidungs- und Ausführungsorganen der Ortskirche zu beteiligen.

Der rote Faden: » Bleibt in meiner Liebe! « 

40. Wir schließen diese Überlegungen über Identität und Sendung des Ordensbruders mit der Erinnerung an den Auftrag des Meisters: »Bleibt in meiner Liebe!« (Joh 15,9). Die Brüder sollten dies stets im Auge behalten, wenn sie sich mit Eifer darum bemühen, heute Brüder zu sein: »Wir dürfen den roten Faden nicht verlieren!« Der rote Faden, der sich durch ihr Leben webt, ist die Erfahrung, sich gesandt zu wissen als Zeichen der mütterlichen Zärtlichkeit des Vaters und der brüderlichen Liebe Christi. Das ist es, was all ihren Handlungen und Erlebnissen Einheit verleiht, damit diese zu Heilsgeschichte werden. Geht dieser Faden verloren, zerfällt das Leben in Anekdoten, die nicht mehr auf Gott und sein Reich verweisen, sondern auf sich selbst.

In ihrem Eifer, den Erfordernissen der Sendung zu entsprechen, können die Brüder von der Versuchung zum Aktivismus bedrängt werden, muss doch viel Brot für die Gäste bereitet werden. Der Aktivismus nimmt ihnen schnell die Motivationen, die vom Evangelium her kommen, und hindert sie daran, das Werk Gottes zu betrachten, welches sich in ihrem apostolischen Handeln verwirklicht. Wer sich vom Aktivismus mitreissen lässt, der ersetzt schließlich die Suche nach Gott und seinen Willen durch die Suche nach sich selbst.

Die Betrachtung des Bildes von Martha und Maria, die von Jesus in ihrem Haus besucht werden (Lk 10,38-42), ist nützlich. Zwischen den beiden Schwestern herrscht Spannung. Sie brauchen einander, aber das Zusammenleben ist nicht immer einfach. Sie sind unzertrennlich, obwohl in jedem Augenblick die eine jeweils über die andere dominieren kann. Aber eine von ihnen ist besonders aufmerksam auf die Tiefe und den Sinn des Lebens, die das Wort Jesu ihr bietet: Maria hat» den besseren Teil« erwählt, während Martha sich» viele Sorgen und Mühen« macht.

Der Evangelist Lukas schildert uns die Szene der beiden Schwestern unmittelbar nach der Episode vom Barmherzigen Samariter (Lk 10,30-37), der sich zum Bruder dessen machte, der ihn braucht. Die beiden Bilder ergänzen sich, was ihre Botschaft anbelangt, und erinnern den Ordensbruder an den wesentlichen Schlüssel seiner prophetischen Identität, der ihm das Bleiben in der Liebe Christi gewährleistet: Der Bruder ist aufgerufen, Mittler in der Kette der Liebe und des Bundes zu sein, die vom Vater durch Jesus zu uns kommt und die er persönlich erfahren hat. Damit er bei der Erfüllung dieser Aufgabe nicht vergisst, dass er im Werk Gottes nur ein vom Heiligen Geist bewegtes Instrument ist, wird er immer an das Wort Jesu denken müssen: »Ohne mich könnt ihr nichts tun« (Joh 15,5).

Vatikan, den 4. Oktober 2015 Fest des hl. Franziskus von Assisi

João Braz Kardinal de Aviz
Präfekt
† Erzbischof Jose Rodriguez Carballo, OFM

Sekretär

Anmerkungen

  1. In diesem Dokument benutzen wir vorzugsweise den im Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Vita consecrata, Nr. 60 vorgeschlagenen Terminus »Ordensbruder« oder einfach "Bruder«. Wo möglich, wird dieser Terminus im Plural benutzt, da der Bruder nur ein solcher inmitten der Brüderist, d. h. im Kontext der Gemeinschaft und niemals allein. Brüder sein bedeutet immer eine zwischenmenschliche Beziehung, und die soll hier unterstrichen werden.
  2. Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata (25. März 1996), 60.
  3. Dies ist die von der Synode über das geweihte Leben (Okt. 1994) vorgeschlagene Bezeichnung, die im Apostolischen Schreiben Vita consecrata, Nr. 60 übernommen wurde.
  4. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1998), 19: »Das ist die Grundvorstellung von sich selbst, die die Kirche im II. Vatikanischen Konzil zum Ausdruck gebracht [ ... ] hat: ,Die Communio-Ekklesiologie ist der zentrale und grundlegende Gedanke der Konzilsdokumente [ .. .]'«.
  5. Vgl. Christifideles laici, 8; 19; 32.
  6. Christifideles laici, 8; Vita consecrata, 41.
  7. Christifideles laici, 19.
  8. Vgl. ibid., 18; 19.
  9. Vita consecrata, 3.
  10. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution, Lumen gentium, über die Kirche, 9.
  11. Vita consecrata, 72.
  12. Vgl. christifideles laici, 55; Vita consecrata, 31.
  13. Vgl. Christifideles laici, 16.
  14. Vgl. Evangelii nuntiandi, 59.
  15. Vgl. Christifideles laici, 55.
  16. VgL Vita consecrata, 30.
  17. Vita consecrata, 84.
  18. Ibid., 41; 46.
  19. Lumen gentium, 13.
  20. Vita consecrata, 33; Vgl. 39.
  21. Vgl. Lumen gentium, 44.
  22. Vgl. Vita consecrata, 84; ebenso 15; 21; 25; 26; 27; 42; 51; 80; 92; 105.
  23. Ibid., 39.
  24. Ibid., 84-94.
  25. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte,43.
  26. Vgl. Vita consecrata, 46, 51; Novo millennio ineunte, 43.
  27. Vgl. Vita consecrata, 33.
  28. Ibid., 16; 31.
  29. Vita consecrata, 55.
  30. II. Vatikanisches Konzil, Pastorale Konstitution Gaudium et spes, über die Kirche in der Welt von heute, 1.
  31. Ibid., 3.
  32. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Instruktion Neubeginn in Christus (19. Mai 2002), 31.
  33. Vgl. Christifideles laici, 24.
  34. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), 99.
  35. Vita consecrata, 60.
  36. Ibid., Zitat aus der Rede Papst Johannes Paul II. bei der Generalaudienz am 22. Februar 1995.
  37. Vgl. Vita consecrata, 60, Novo millennio ineunte, 46.
  38. Vgl. Vita consecrata, 75.
  39. Vita consecrata, 3.
  40. Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), 1.
  41. Ibid.
  42. Christifideles laici, 10.
  43. Ibid., 28.
  44. Ibid.
  45. Ibid., 13.
  46. Vita consecrata, 30.
  47. Ibid.,22.
  48. Vgl. Christifideles laici, 22; vgl. Lumen gentium, 10.
  49. Vgl. Vita consecrata, 42.
  50. Lumen gentium, 46.
  51. Vgl. Vita consecrata, 16.
  52. Ibid., 46; 51.
  53. Ibid., 92.
  54. Vgl. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Instruktion Der Dienst der Autorität und der Gehorsams (11. Mai 2008),9.
  55. Vgl. Vita consecrata, 15.
  56. Vita consecrata, 84.
  57. Vgl. ibid., 73.
  58. Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens, Instruktion Das brüderliche Leben in Gemeinschaft (2. Februar 1994), 12.
  59. Christifideles laici, 32.
  60. Lumen gentium, 48.
  61. Vgl. Vita consecrata, 60.
  62. II. Vatikanisches Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, 11.2 und 15.1.
  63. Vgl. Das brüderliche Leben in Gemeinschaft, 3.
  64. Vita consecrata, 46.
  65. Vgl. ibid., 85.
  66. Vgl. Papst Franziskus, Botschaft zur Feier des XLVII. Weltfriedenstages (1. Januar 2014), 5.
  67. Vita consecrata, 92.
  68. Ibid.
  69. Vgl. ibid., 30; 35.
  70. Vgl. ibid., 39; 93.
  71. Vgl. Mt 10,1 EU; Mk 3,14-15 EU; 6,12-13 EU.
  72. Evangelii nuntiandi, 31
  73. Deus caritas est, 34.
  74. Vita consecrata, 60.
  75. Christifideles laici 21.3.
  76. Evangelii nuntiandi, 14.
  77. Vita consecrata, 72.
  78. Evangelii gaudium, 273.
  79. Vgl. Vita consecrata, 103.
  80. Vita consecrata, 93.
  81. Das brüderliche Leben in Gemeinschaft, 20.
  82. Vgl. Vita consecrata, 82; vgl. Evangelii gaudium, 197-201.
  83. Vgl. Evangelii gaudium, 48-49.
  84. Vita consecrata 1.
  85. Evangelii gaudium, 195-
  86. Vgl. Vita consecrata, 17.
  87. Ibid., 31.
  88. Vita consecrata, 31
  89. Ibid., 69.
  90. Vgl. ibid., 85.
  91. Vita consecrata, 54.
  92. Vgl. Neubeginn in Christus, 31.
  93. Vgl. Vita consecrata, 51.
  94. Vita consecrata, 61.
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