Il tempio massimo (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Il tempio massimo

von Papst
Johannes XXIII.
an die Ordensfrauen
Ermahnung an die Nonnen und heiligen Jungfrauen auf dem ganzen Erdkreis
2. Juli 1962
(Offizieller lateinischer Text: AAS LIV [1962] 508-517)

(Quelle: Brief des Heiligen Vaters an die Ordensfrauen, Tipografia Poliglotta Vaticana 1962)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einführung

Das größte Gotteshaus der Christenheit bereitet sich vor, die Väter des Zweiten Ökumenischen Konzils im Vatikan aufzunehmen. Am 11. Oktober wird das große Ereignis seinen Anfang nehmen, auf das sich die betende Erwartung aller Katholiken richtet. Ja, Wir können sagen: die Erwartung aller Menschen guten Willens. Es ist dies eine denkwürdige Stunde für die Geschichte der Kirche; handelt es sich doch darum, die Anstrengungen, mit denen sie ohne Unterlass um ihre geistige Erneuerung bemüht ist, noch zu verstärken, um ihren tausendjährigen Werken und Initiativen neue Impulse zu vermitteln.

Der Klerus verrichtet bereits in Vereinigung mit Uns das tägliche Breviergebet für den glücklichen Ausgang des Ökumenischen Konzils.[1] Die Laien, die Wir immer wieder eingeladen haben, zu diesem Zweck Gebete und Opfer darzubringen, - besonders die Kinder, die Kranken und Alten, - entsprechen dieser Aufforderung mit großmütiger Bereitschaft. Alle wollen ihre Mitarbeit leisten, damit das Konzil gleichsam ein " neues Pfingsten" werde.[2]

Es ist selbstverständlich, dass in dieser Stimmung eifriger Vorbereitung sich diejenigen auszeichnen müssen, welche Gott die Ganzhingabe ihrer selbst dargebracht haben, und die mit der Üebung des Gebetes und der glühendsten Liebe vertraut sind.

Geliebte Töchter! Die Kirche hat euch unter ihrem Schutzmantel gesammelt, hat eure Satzungen gutgeheißen, hat eure Rechte verteidigt, hat durch eure Werke Wohltaten empfangen und empfängt sie immer noch. Deswegen verdient ihr, dass man auf euch als Ausdruck der Dankbarkeit für alles, was ihr bisher getan habt, und als herzlichsten Wunsch für die Zukunft, die Worte des Apostels Paulus anwende: " Wir beten für euch zum Herrn, damit er euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung verleihe, Ihn recht zu erkennen. Möge er die Augen eures Geistes erleuchten, damit ihr zu erkennen vermögt, zu welcher Hoffnung er euch berufen hat, welchen Reichtum der Herrlichkeit euch sein Erbe unter den Heiligen vorbehält".[3]

Macht dieses Schreiben zum Gegenstand eurer Erwägung und vernehmt im Wort des demütigen Stellvertreters Christi das, was der göttliche Meister einer jeden von euch nahelegen will. Die Konzilsvorbereitung erfordert, dass die dem Herrn geweihten Seelen sich entsprechend den von der kirchlichen Gesetzgebung gutgeheißenen Formen mit erneutem Eifer auf die Pflichten ihrer Berufung besinnen. So wird zu gegebener Zeit die Antwort auf die Anordnungen des Konzils bereitwillig und großmütig sein, vorbereitet durch eifrigstes Bemühen um persönliche Heiligung.

Um zu erlangen, dass das gottgeweihte Leben immer besser den Wünschen des göttlichen Herzens entspreche, ist notwendig, dass es in Wirklichkeit sei: I. ein Leben des Gebetes; 2. ein Leben des Beispiels; 3. ein Leben des Apostolates.

I. LEBEN DES GEBETES

Unser Gedanke wendet sich vor allem an die Ordensfrauen und Schwestern des kontemplativen und sühnenden Lebens.

Am 2. Februar 1961, dem Feste der Darstellung Jesu im Tempel, sagten Wir bei Weitergabe der an diesem Tage empfangenen Kerzen: " Die bevorzugte Zuweisung an die Klöster strengerer Abtötung und Buße will erneut den Vorrang der Pflichten des Kultes und der Ganzhingabe an das Leben des Gebetes vor jeder anderen Form des Apostolates betonen und gleichzeitig die Größe und die Notwendigkeit der Berufe für diese Lebensform unterstreichen".[4] Die Kirche wird ihre Töchter immer ermutigen, dass sie sich, um dem Rufe des göttlichen Meisters auf möglichst vollkommene Weise zu entsprechen, dem kontemplativen Leben weihen.

Das entspricht einer allgemeingültigen Wahrheit, die auch für die Ordensfrauen des vorwiegend tätigen Lebens gilt, dass nämlich nur das innere Leben Grundlage und Seele eines jeden Apostolats ist. Betrachtet alle diese Wahrheit, geliebte Töchter, die ihr mit Recht gleichsam "emsige Bienen" genannt werdet wegen der ständigen Übung der vierzehn Werke der Barmherzigkeit in schwesterlicher Gemeinschaft mit anderen Mitschwestern. Und auch ihr, die ihr in den Säkularinstituten Gott geweiht seid, müsst aus dem Gebete alle Wirksamkeit eurer Unternehmungen schöpfen.

Das gottgeweihte Leben bringt wie jede andere Form des Zusammenlebens Schwierigkeiten und Opfer mit sich. Und nur das Gebet erlangt die Gabe der frohen Beharrlichkeit. Die guten Werke, denen ihr euch hingebt, sind nicht immer von Erfolg gekrönt; es erwarten euch Enttäuschung, Verkennung und Undankbarkeit. Ohne die Hilfe des Gebetes würdet ihr auf dem rauhen Wege nicht aushalten können. Vergesst nicht, dass ihr durch einen falsch verstandenen Dynamismus der "Häresie der Aktion" verfallen könntet, die von Unseren Vorgängern verurteilt wurde. Nach Überwindung dieser Gefahr werdet ihr vertrauen können, in Wahrheit die Mitarbeiterinnen bei der Rettung der Seelen zu sein, und so werdet ihr Verdienste hinzufügen zu eurer Krone.

Ihr alle, die ihr euch dem kontemplativen oder dem tätigen Leben geweiht habt, versteht den Ausdruck: "Leben des Gebetes". Das ist kein mechanisches Wiederholen von Formeln, sondern ein unersetzliches Mittel, das gestattet, in vertrauten Umgang mit dem Herrn einzutreten, besser die Würde der Töchter Gottes, der Bräute des Heiligen Geistes, des "süßen Seelengastes", zu begreifen, der zu dem spricht, der in Sammlung zu lauschen weiß.

Euer Gebet soll sich an den Quellen einer tiefen Kenntnis der Heiligen Schrift nähren, besonders des Neuen Testamentes; und dann von der Liturgie und von der Lehre der Kirche in ihrer ganzen Fülle. Die heilige Messe will Mittelpunkt des Tages sein, sodass jede Tätigkeit als Vorbereitung und als Danksagung um sie kreist; die heilige Kommunion sei die tägliche Nahrung, die aufrichtet, ermutigt und stärkt. Auf diese Weise werdet ihr nicht Gefahr laufen - wie es den törichten Jungfrauen im Gleichnis erging -, es am Öl in euren Lampen fehlen zu lassen, und ihr werdet euch immer zu allem bereit finden: zur Ehre und zur Schmach, zur Gesundheit und zur Krankheit, zur Fortsetzung der Arbeit und zum Sterben: "Seht, der Bräutigam kommt, eilt ihm entgegen".[5]

Und hier fügt sich für euch passend der öfters schon wiederholte Aufruf zu den drei Andachten ein, die Wir auch für die Gläubigen des Laienstandes als grundlegend erachten: " Um die Anbetung Jesu zu erhellen und zu fördern, gibt es nichts Besseres, als ihn zu betrachten und anzurufen in dem dreifachen Lichte seines Namens, seines Herzens und seines Blutes".[6]

Der Name, das Herz und das Blut Jesu - das ist die gehaltvolle Nahrung für ein solides Frömmigkeitsleben.

Name Jesu! In Wahrheit " nil canitur suavius - nil auditur iucundius - nil cogitatur dulcius - quam Jesus Dei Filius: So schön ertönt kein Gesang, so lieblich schallt kein Saitenklang, so wonnig kein Gedanke ist als Gottes Sohn, Herr Jesus Christ".[7]

Herz Jesu! Pius XII. seI. Angedenkens lehrt in der Enzyklika "Haurietis Aqua" vom 15. Mai 1956, die Wir aufmerksam zu überdenken empfehlen: " Wenn die Gründe, auf die sich die Verehrung des durchbohrten Herzens stützt, gebührend erwogen werden, muss jedem offenbar werden, dass es sich nicht um irgendeine Frömmigkeitsübung handelt, die man erlaubterweise anderen nachstellen oder für weniger wichtig halten könnte, sondern um eine Form des Kultes, die höchstgeeignet ist zur Erreichung der christlichen Vollkommenheit".[8]

Blut Christi! "Es ist das höchste Zeugnis des Erlösungsopfers Christi, das sich mystisch und wirklich in der heiligen Messe erneuert, und das dem christlichen Leben Sinn und Richtung verleiht".[9]

II. LEBEN DES BEISPIELS

Christus sagt: "Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich getan habe".[10] Den Seelen, die den Spuren des Herrn getreulich nachgehen wollen, bietet sich die Befolgung der evangelischen Räte dar, die "der königliche Weg der christlichen Heiligung ist".[11]

I) EVANGELISCHE ARMUT

Christus wurde in einem Stalle geboren; während seines öffentlichen Lebens hatte er nichts, wohin er nachts sein Haupt hätte legen können;[12] und er ist gestorben am nackten Kreuz. Das ist die erste Bedingung, die er jedem stellt, der ihm folgen will: "Willst du vollkommen sein, gehe hin, verkaufe alles, was du hast, gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben".[13]

Ihr wurdet angezogen vom Beispiel und der Lehre des göttlichen Meisters und habt ihm alles dargeboten: "Laetus obtuli universa freudig habe ich alles geopfert".[14] Im Lichte der Nachahmung des armen Christus gewinnt das Gelübde vollen Wert; es bewirkt, dass wir Tag für Tag zufrieden sind mit dem unbedingt Notwendigen; es bewirkt, dass wir das Überflüssige gemäß dem Gehorsam für die Armen und die guten Werke verwenden; und für das ungewisse Morgen, für die Zeit der Krankheit und des Alters vertraut es uns, ohne kluge Vorkehrungen auszuschließen, der Fürsorge der göttlichen Vorsehung an.

Die Loslösung von den Gütern der Erde verlangt allgemeine Aufmerksamkeit und zeigt allen, dass Armut nicht Engherzigkeit noch Geiz ist; sie lässt mit größerem Ernst an den göttlichen Ausspruch denken: "Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet"?[15]

Lebt ohne Abstriche das Gelübde oder das Versprechen, das euch jenem angleicht, der, obschon er reich war, arm wurde, damit wir reich würden durch seine Armut.[16]

Es fehlt diesbezüglich nicht an Versuchungen, wie zum Beispiel das Suchen der kleinen Bequemlichkeiten, die Befriedigung bei Tisch oder im Gebrauch der Dinge. Die Armut, ihr wisst es, hat ihre Dornen, die man lieben muss, damit sie Himmelsrosen werden,

Bisweilen könnte auch das Bedürfnis ganz berechtigter Modernisierungen, würde man sich dabei nicht in achtnehmen, ausarten in Zurschaustellung von Bauten und Einrichtungen, auch wenn solche Neuerungen nicht die bescheidenen Wohnungen der Schwestern betreffen, Ihr versteht Uns, geliebte Töchter: Wir wollen nicht sagen, dass das, was für die körperliche Gesundheit und für eine weise und passende Erholung unentbehrlich ist, im Widerspruch stünde zum Gelübde der Armut, Aber Wir möchten das Vertrauen haben, dass das Auge des göttlichen Meisters niemals betrübt werde durch eine Sucht nach Auffälligem, die in negativem Sinne auch auf das innere Leben der gottgeweihten Personen Einfluss haben könnte, wenn sie in einer Umgebung leben, die nichts mehr von der ihnen zukommenden Eigenart der Strenge an sich hat. Die Armut stehe bei euch allen in großer Ehre.

Ein Wort des Trostes und der Ermutigung möchten Wir besonders an die Ordensfrauen der Klausur richten, für die die "Schwester Armut" oft zur "Schwester Not" wird. Jesus Christus, der Sohn Gottes, der sich arm gemacht hat, wird kommen, um euch zu trösten. Inzwischen strecken Wir selbst in seinem Namen für euch die Hand aus zu euren Mitschwestern, die sich in wirtschaftlich gesicherteren Verhältnissen befinden, wie auch zu andern hochherzigen Wohltätern hin; Wir ermutigen die Unternehmungen, die in diesem Sinne von der Vereinigung der Klausurklöster bei der Kongregation für Ordensleute in Gang gebracht wurden, und Wir erinnern alle an die göttliche Verheißung: "Selig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes".[17]

2) ENGELGLEICHE KEUSCHHEIT

Im Evangelium liest man, wie viel Christus der Herr gelitten hat, welche Schmähungen ihn getroffen haben. Aber der Glanz, der von seiner göttlichen Reinheit ausstrahlt, wird von Bethlehem bis Kalvaria immer stärker und erobert die Volksmengen. So groß war die Strenge und die Anziehungskraft seines Wandels.

So sei es auch bei euch, geliebte Töchter! Gesegnet seien die feinen Rücksichtnahmen, die Abtötungen, die Entsagungen, mit denen ihr diese Tugend leuchtender zu machen sucht, über die Pius XII. eine denkwürdige Enzyklika geschrieben hat.[18] Lebt deren Unterweisungen! Euer Wandel zeige allen, dass die Keuschheit nicht nur eine mögliche Tugend ist, sondern eine soziale Tugend, die tapfer verteidigt wird durch das Gebet, die Wachsamkeit und die Abtötung der Sinne.

Euer Beispiel soll zeigen, dass euer Herz sich nicht in unfruchtbarem Egoismus verschlossen, sondern die unerlässliche Voraussetzung gewählt hat, um aufgeschlossen zu sein für die Nöte des Nächsten. Pflegt zu diesem Zweck die Regeln des guten Benehmens! Wir wiederholen es, pflegt sie und wendet sie an, ohne auf jene zu hören, die in eurem Leben ein Verhalten einführen möchten, das der geschuldeten Rücksichtnahme und der Zurückhaltung weniger entspricht.

Weist bei den Werken des Apostolates die Theorie derer zurück, die möchte, dass man nicht mehr oder nur wenig rede von Bescheidenheit und Schamhaftigkeit, um so in die Erziehungsmethoden Grundsätze und Richtungen einzuführen, die im Gegensatz stehen zur Lehre der Heiligen Schrift und der katholischen Überlieferung.

Wenn auf der einen Seite der theoretische oder auch einfachhin der praktische Materialismus drohen, und auf der anderen Seite die Genusssucht und die Sittenverderbnis alle Dämme durchbrechen möchten, hellt sich Unser Geist auf bei der Betrachtung der engelsgleichen Scharen, die dem Herrn ihre Keuschheit als Opfer darboten, und die mit dem Gebete und dem Opfer die Wunder der göttlichen Barmherzigkeit herabziehen auf die Irrenden, zur Erlangung der Verzeihung für die Sünden der einzelnen und der Völker.

3) GEIST DES GEHORSAMS

Der heilige Paulus entwickelt den Begriff der Demut Jesu, der gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz.[19] Um dem göttlichen Meister besser folgen zu können, habt ihr euch eng an ihn mit dem Gelübde oder dem Versprechen des Gehorsams gebunden.

Diese ständige Hinopferung des eigenen "Ich", diese Vernichtung seiner selbst, kann viel kosten; aber es ist andererseits wahr, dass darin der Sieg liegt,[20] weil dieser geistigen Kreuzigung himmlische Gnaden für euch und die Menschheit verheissen sind.

Die Lehre der Kirche über die unveräusserlichen Rechte der menschlichen Person ist klar und bestimmt. Die besonderen Gaben jedes Menschen müssen sich gebührenderweise entwickeln können, sodass jeder den von Gott erhaltenen Anlagen entspreche. Alles dies ist unbestreitbar. Wenn man aber von der Hochachtung vor der Person übergeht zur Verherrlichung der Persönlichkeit und zur Selbstbehauptung des Personalismus, dann werden die Gefahren groß. Die Worte Pius' XII, in seinem Mahnschreiben " Menti Nostrae" seien auch für euch ein wertvoller Hinweis: "In einer Zeit wie der unsrigen, in der das Prinzip der Autorität schwer erschüttert ist, bleibt es unbedingt notwendig, dass der Priester, festgegründet in den Glaubensgrundsätzen, die Autorität betrachte und annehme nicht nur als ein Bollwerk der sozialen und religiösen Ordnung, sondern auch als Fundament seiner eigenen persönlichen Heiligung ".[21]

An diesem Punkte richtet sich Unser Gespräch an jene, die Aufgaben der Führung und Verantwortung haben.

Verlangt den großmütigsten Gehorsam gegenüber den Regeln; und habt gleichzeitig Verständnis für die Mitschwestern; begünstigt in einer jeden die Entwicklung der natürlichen Anlagen, Aufgabe der Obern ist es, den Gehorsam liebenswert zu machen, nicht aber, eine nur äußere Befolgung zu erlangen, und noch weniger, unerträgliche Lasten aufzulegen.

Geliebte Töchter! Wir ermahnen euch, dass ihr alle aus dem Geist dieser Tugend lebt, die sich nährt von tiefer Demut, von absoluter Selbstlosigkeit, von vollständiger Losschälung. Wenn der Gehorsam zum Programm des ganzen Lebens geworden ist, versteht man die Worte der heiligen Katharina von Siena: "Wie süß und herrlich ist diese Tugend, in der alle andern Tugenden enthalten sind! O Gehorsam, der du ohne Ermüdung dahinfährst und gefahrlos zum Hafen des Heiles gelangst! Du machst dich dem eingeborenen Worte gleichförmig … " du steigst in das Schifflein des hochheiligen Kreuzes, indem du dich zum Leiden bereit machst, um den Gehorsam des Wortes nicht zu überschreiten noch seine Lehre zu verlassen, Du bist groß mit ständiger Beharrlichkeit und so groß, dass du vom Himmel zur Erde reichst, weil mit ihm der Himmel sich aufschließt".[22]

III. LEBEN DES APOSTOLATES

Der heilige Paulus lehrt, dass das uns von Gott geoffenbarte Geheimnis der seit aller Ewigkeit in Christus vorherbestimmte Plan ist, der in ihm in der Fülle der Zeiten verwirklicht werden soll, nämlich "alle Dinge im Himmel und auf Erden unter einem einzigen Haupte, das Christus ist, zusammenzufassen ".[23]

Keine Seele, die sich dem Herrn weiht, ist von der hohen Aufgabe entbunden, die heilbringende Sendung des göttlichen Erlösers fortzusetzen.

Von denjenigen, die im Schweigen des Klosters leben, und besonders von dort, erwartet die Kirche viel. Wie Moses halten sie die Arme im Gebet erhoben, wohl wissend, dass in einer solch betenden Haltung der Sieg errungen wird. Der Beitrag der beschaulichen Ordensfrauen zum Apostolat ist von so großer Bedeutung, dass Pius XI. als Mitpatronin der Missionen - eifrige Nachahmerin also des heiligen Franz Xaver - nicht eine Schwester aus dem tätigen Leben wollte, sondern eine Karmelitin, die heilige Theresia vom Kinde Jesu,

Ja, ihr sollt an allen Nöten der streitenden Kirche geistigerweise teilnehmen. Keine Trauer, kein Unglück oder Missgeschick soll euch gleichgültig lassen, keine wissenschaftliche Entdeckung, keine kulturelle Zusammenkunft, keine soziale oder politische Versammlung soll euch denken lassen: "Das sind Dinge, die uns nichts angehen". Die streitende Kirche soll euch gegenwärtig wissen, wo immer euer geistlicher Beitrag für das Heil der Seelen sowie für den wahren menschlichen Fortschritt und den allgemeinen Frieden erfordert wird. Die Seelen im Fegefeuer sollen eure Fürbitten empfangen, damit sie möglichst bald zur seligen Schau Gottes gelangen. Vereint mit dem Chor der Engel und der Heiligen sollt ihr fortfahren, das ewige Alleluja zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu wiederholen.

Alle aber, die sich dem tätigen Leben widmen, mögen bedenken: Nicht nur durch Gebet, sondern auch durch Werke wird erreicht, dass die neuen Strömungen innerhalb der Gesellschaft sich am Evangelium ausrichten, und dass alles zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen gereiche.

Und weil im Bereich der Schule, der Liebestätigkeit und der Fürsorge niemand gebraucht werden kann, der auf die gesteigerten, durch die heutigen Verhältnisse auferlegten Anforderungen nicht vorbereitet ist, sollt ihr bemüht sein, mit Eifer zu studieren und jene Befähigungsnachweise zu erlangen, die geeignet sind, alle Schwierigkeiten zu überwinden, So wird über die erforderliche und erwiesene Befähigung hinaus euer Geist der Hingabe, der Geduld und des Opfers höher geschätzt werden.

Darüber hinaus melden sich weitere Aufgaben in den jungen Ländern an, die in die Gemeinschaft der freien Nationen eingetreten sind. Ohne die Liebe zum eigenen Vaterlande zu verringern, ist die ganze Welt mehr als in der Vergangenheit das gemeinsame Vaterland geworden. Schon zahlreiche Schwestern haben diesen Aufruf vernommen. Das Arbeitsfeld ist unermesslich. Nutzlos wäre es zu klagen, dass die Kinder dieser Welt den Aposteln Christi zuvorkommen. Klagen ändern nichts; man muss sich regen, anfangen, vertrauen.

Von dieser Aufgabe sind nicht einmal die beschaulichen Orden ausgeschlossen. In einigen Gegenden Afrikas und des Fernen Ostens werden die Völker in höherem Maße vom kontemplativen Leben angezogen, das der Entwicklung ihrer Kultur geistig verwandter ist. Ja, gebildete Kreise klagen sogar, dass das dynamische Leben vieler Missionare auf ihre Art und Weise der Auffassung der Religion und des Christentums nur wenig Einfluss ausüben könne.

Seht, geliebte Töchter, wie viele Motive es gibt, die zu den von der Religiosenkongregation veranstalteten Zusammenkünften der Generaloberinnen ermutigen, sei es auf nationaler, sei es auf internationaler Ebene. Auf diese Weise könnt ihr euch besser den heutigen Verhältnissen anpassen, euch die gemeinsamen Erfahrungen zunutze machen, euch in dem Gedanken stärken, dass die Kirche eine Schar wertvoller Seelen besitzt, die in der Lage sind, jedem Hindernis zu begegnen.

Diejenigen, die sich Gott in den neuen Säkularinstituten geweiht haben, wissen, dass auch ihr Werk geschätzt ist und ermutigt wird, zur Durchdringung jeder Lebensäußerung der modernen Welt mit dem Evangelium beizutragen.

In Stellen höchster Verantwortung ist es gut, sich Achtung durch Fachwissen, Arbeitseifer, Verantwortungsbewusstsein zu verschaffen und zugleich auch durch jene Tugenden, die durch die Gnade veredelt werden. Auf diese Weise verhindern sie, dass Oberhand gewinnt, wer sich fast ausschließlich auf menschliche Einsicht sowie auf wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Mittel stützt. "Wir aber sind stark im Namen des Herrn unseres Gottes".[24]

Euch alle, die ihr dem Herrn im beschaulichen oder tätigen Leben geweiht seid, laden Wir ein, euch in schwesterlicher Liebe zusammenzufinden. Der Pfingstgeist wehe über euren auserwählten Ordensfamilien und vereinige sie in jener Verschmelzung der Seelen, die der Abendmahlssaal darbot, wo neben der Mutter Gottes und den Aposteln auch einige fromme Frauen zugegen waren.[25]

SCHLUSS

Hiermit haben Wir euch Unsere Wünsche, Gebete und Hoffnungen vorgetragen. Am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils hat die Kirche alle Gläubigen zu einem Akt der Teilnahme lebendigen Zeugnisgebens und mutiger Tat aufgerufen.

Ihr, geliebte Töchter, sollt unter den ersten sein, die von Begeisterung erfüllt sind. Die "Nachfolge Christi" hat diesbezüglich ein treffendes Wort: "Es ist für uns angebracht, täglich unseren guten Vorsatz zu erneuern und uns zum Eifer zu ermuntern, so als hätten wir uns jetzt erst bekehrt, und zu sagen: Hilf mir, mein Herr und Gott, im guten Vorsatz und in deinem heiligen Dienste; und gib, dass ich heute vollkommen beginne, weil ich bisher noch nichts getan habe".[26]

Die Mutter Jesu und unsere Mutter entflamme euch mit neuem Eifer! Vertraut auf diese himmlische Mutter! Bleibt zugleich vertraut mit ihrem Bräutigam, dem heiligen Joseph, der auch Patron des Zweiten Vatikanischen Konzils ist, und bittet darüber hinaus die Heiligen, die in den einzelnen Instituten von euch in besonderer Weise verehrt werden, dass sie ihre mächtige Fürsprache vereinigen, um zu erlangen, dass "die heilige Kirche, in einmütigem, innigstem Gebet um Maria, die Mutter Jesu, geschart und von Petrus geführt, das Reich des göttlichen Erlösers ausbreite, das ein Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ist".

Der überreiche Apostolische Segen, den Wir allen religiösen Gemeinschaften und den einzelnen gottgeweihten Seelen erteilen, will Unterpfand himmlischer Gnade sein und Ermunterung zu gutem Leben und Wirken "in der Kirche und in Christus Jesus".[27]

Gegeben zu Rom im Vatikan, am 2. Juli 1962,

im vierten Jahre Unseres Pontifikats,

Papst JOHANNES XXIII.

Anmerkungen

  1. Apostolisches Mahnschreiben "Sacrae laudis", 6, Januar 1962 (AAS LIV [1962] 66-75).
  2. Gebet für das Konzil; vgl. AAS LI, 1959, S. 832,
  3. Eph 1,15-18 EU.
  4. Ansprachen, Botschaften, Gespräche Sr. Heiligkeit Johannes XXIII. III, S, 143.
  5. Mt 25,6 EU.
  6. Ansprache zum Abschluss der Römischen Diözesansynode.
  7. Hymnus aus der Vesper des Festes vom heiligsten Namen Jesu,
  8. AAS XLVIII, 1956, S. 346.
  9. Ansprache an die Genossenschaft vom kostbaren Blute und an die Mitglieder der Bruderschaft. 2. Juni 1962, vgl. " L'Osservatore Romano ", 3. Juni 1962.
  10. Joh 13,15 EU.
  11. Rundschreiben Sacerdotii nostri primordia: AAS LI [1959] S. 550 ff.
  12. Vgl. Mt 8,20 EU.
  13. Mt 19,21 EU.
  14. 2 Chr 29,17 EU.
  15. Mt 16,26 EU.
  16. Vgl. 2 Kor 8,9 EU.
  17. Lk 6,20 EU.
  18. Enzyklika "Sacra virginitas", AAS XLVI [1954] S. 161.
  19. Eph 2,8 EU.
  20. Vgl. Spr 21,28 EU.
  21. AAS XLII, S. 662-663.
  22. Dialog, c. 155.
  23. Eph 1,9-10 EU.
  24. Ps 18,8 EU.
  25. Vgl. Apg 1,14 EU.
  26. Nachfolge Christi, I. 19, 1.
  27. Eph 3,21 EU.

Weblinks

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