Unbefleckte Empfängnis

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Mariendogmen
Maria als Immaculata (Mondsichel-Madonna, Offb 12,1-6 EU) - Gemälde von Peter Paul Rubens (1628/29)
Immaculata in der Heilsgeschichte

Der Begriff der Unbefleckten Empfängnis (lateinisch immaculata conceptio), einer „Empfängnis ohne Erbsünde“, bezeichnet den Glauben daran, dass Maria, die Gottesmutter, durch Gottes Gnade im Moment ihrer Empfängis durch Anna und ihrer Zeugung durch Joachim vor der Erbsünde bewahrt wurde. Maria wird als (virgo) immaculata (concepta) "unbefleckte (unbefleckt empfangene) Jungfrau" bezeichnet und verehrt. Das "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria", auch „Mariä Empfängnis“ genannt, wird seit jeher am 8. Dezember gefeiert. Es ist bezogen auf das Fest Mariä Geburt am 8. September, 9 Monate später.

Inhaltsverzeichnis

Dogma

Die unbefleckte Empfängnis ist ein Dogma. Papst Pius IX. verkündete am 8. Dezember 1854 in der Bulle „Ineffabilis Deus“ (der unbegreifliche Gott) als von Gott geoffenbarte und darum von allen Gläubigen fest und standhaft zu glaubende Lehre: „Die seligste Jungfrau Maria wurde im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadengeschenk und Vorrecht des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, rein von jedem Makel der Erbschuld bewahrt." D 1641. VgI. die Enzyklika „Fulgens corona“ (1953) Pius XII.

Der 8. Dezember ist nach der Partikularnorm Nr. 15 in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag, jedoch in Österreich.

Erklärung des Dogmas

Unter Empfängnis ist die passive Empfängnis zu verstehen. Der erste Augenblick der Empfängnis ist jener Zeitpunkt, in dem die Seele von Gott erschaffen und der von den Eltern in einem normalen Geschlechtsakt bereiteten Leibesmaterie eingegossen wurde. Das Wesen der Erbsünde besteht (formaliter) in dem durch den Sündenfall Adams verschuldeten Mangel der heiligmachenden Gnade. Maria blieb vor diesem Mangel bewahrt, so dass sie im Zustand der heiligmachenden Gnade in das Dasein trat.

Das Freisein von der Erbsünde war für Maria ein unverdientes Geschenk Gottes (gratia) und ein Ausnahmegesetz (privilegium), das nur ihr gewährt wurde (singulare). Die Wirkursache (causa efficiens) der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist der allmächtige Gott.

Die Verdienstursache (causa meritoria) ist das Erlösungsverdienst Jesu Christi. Daraus folgt, dass auch Maria erlösungsbedürftig war und tatsächlich erlöst wurde. Infolge ihres natürlichen Ursprungs unterlag sie wie alle übrigen Adamskinder der Notwendigkeit, sich die Erbsünde zuzuziehen (debitum contrahendi peccatum originale), durch ein besonderes Eingreifen Gottes wurde sie aber vor der Befleckung durch die Erbsünde bewahrt. So wurde auch Maria durch die Gnade Christi erlöst, jedoch auf vollkommenere Weise als die übrigen Menschen. Während diese von der vorhandenen Erbsünde befreit werden (redemptio reparativa), wurde Maria, die Mutter des Erlösers, vor der Behaftung mit der Erbsünde bewahrt (redemptio praeservativa oder praeredemptio). Das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens widerspricht darum in keiner Weise dem Dogma von der Allgemeinheit der Erbsünde und der Erlösungsbedürftigkeit.

Die Zweckursache (causa finalis proxima) der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist ihre Gottesmutterschaft.

Maria wird in der Bibel häufig als die „neue Eva“ bezeichnet - die Ähnlichkeit und der Gegensatz zwischen Maria und Eva sind ebenfalls ein starkes Zeichen. „Maria ist einerseits ein Abbild Evas in ihrer Reinheit und Unversehrtheit vor dem Sündenfall, andererseits ein Gegenbild Evas, insofern Eva die Ursache des Verderbens, Maria aber die Ursache des Heiles ist“ (Heiliger Ephräm der Syrer).

Argumente aus der Schrift

Die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariens ist nicht explicite in der Heiligen Schrift ausgesprochen. Nach der Auslegung zahlreicher Theologen ist sie Einschlussweise in folgenden Schriftworten enthalten:

  • Gen 3,15 EU (Protoevangelium): Feindschaft will ich setzen zwischen dir und der Frau, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er (der Same der Frau) wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen.

    Der Literalsinn der Stelle dürfte folgender sein: Zwischen dem Satan und seinem Anhang einerseits und Eva und ihrer Nachkommenschaft anderseits soll ein beständiger sittlicher Kampf sein. Die Nachkommenschaft Evas wird einen vollständigen und endgültigen Sieg über den Satan und seinen Anhang erringen, wenn sie auch selbst durch die Sünde verwundet wird. In der Nachkommenschaft Evas ist der Messias eingeschlossen, in dessen Kraft die Menschheit den Sieg über den Satan erringen wird. So ist die Stelle indirekt messianisch. Vgl. D 2123.

    Indem man den Samen der Frau individuell fasste und auf den Erlöser bezog (vielleicht schon die Septuaginta (autoV)), kam man dazu, in der Frau Maria, die Mutter des Erlösers, zu sehen. Diese direkt messianisch-marianische Auslegung wird seit dem 2. Jahrhundert von einzelnen Vätern vertreten, z. B. von Irenäus, Epiphanius, Isidor von Pelusium, Cyprian, dem Verfasser der Epistola ad amicum aegrotum, Leo dem Großen. Die Mehrzahl der Väter, unter ihnen die großen Kirchenlehrer des Morgenlandes und des Abendlandes, hat sie jedoch nicht. Nach ihr steht Maria zusammen mit Christus in einer vollendeten und siegreichen Feindschaft mit dem Satan und seinem Anhang. Daraus hat man in der Theologie der Spätscholastik und der Neuzeit geschlossen: Der Sieg Mariens über den Satan wäre kein vollständiger gewesen, wenn sie jemals unter seiner Herrschaft gestanden hätte. Folglich musste sie ohne Erbsünde in die Welt eintreten. Die Bulle „Ineffabilis deus“ erwähnt zustimmend die messianisch-marianische Auslegung der Väter und kirchlichen Schriftsteller“, gibt aber keine authentische Erklärung der Stelle. Die Enzyklika „Fulgens corona“ tritt unter Berufung auf die Auslegung vieler Väter und Kirchenlehrer sowie der meisten anerkannten Exegeten aufs neue für die messianisch-marianische Deutung ein, die von vielen neueren Theologen als der vom Heiligen Geist beabsichtigte volle Literalsinn (sensus plenior), von anderen als der typische Sinn (Eva ein Typus Mariens) der Stelle betrachtet wird.

  • Lk 1,28 EU: „Gegrüßt seist du, Begnadete“

    Der Ausdruck „Begnadete“ vertritt in der Anrede des Engels den Eigennamen und muss deswegen eine charakteristische Eigenschaft. Mariens zum Ausdruck bringen. Der tiefste Grund, warum auf ihr in besonderer Weise das Wohlgefallen Gottes ruht, ist ihre Auserwählung zur Würde der Gottesmutter. Dementsprechend muss auch die aus dem Wohlgefallen Gottes hervorgehende Gnadenausstattung Mariens von einzigartiger Vollendung sein. Vollendet ist sie aber nur dann, wenn sie nicht bloß intensiv, sondern auch extensiv vollendet war, d. h. wenn sie sich über das ganze Leben erstreckte, angefangen vom Eintritt in die Welt.

  • Lk 1,41 EU f: Elisabeth spricht, vom Heiligen Geist erfüllt, zu Maria: „Du bist gesegnet unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“

    Der Segen Gottes, der auf Maria ruht, ist in Parallele gesetzt zum Segen Gottes, der auf Christus seiner Menschheit nach ruht. Dieser Parallelismus legt nahe, dass Maria ebenso wie Christus vom Anfang ihrer Existenz an frei von aller Sünde war.

Argumente aus der Tradition

Weder die griechischen noch die lateinischen Väter lehren die Unbefleckte Empfängnis Mariens ausdrücklich (explicite). Doch lehren sie dieselbe Einschlussweise (implicite), indem sie zwei Grundgedanken vertreten, die in konsequenter Weiterentwicklung zum Dogma führen:

Die Idee vollkommenster Reinheit und Heiligkeit Mariens. Der heilige Ephräm sagt: „Du und deine Mutter, ihr seid die einzigen, die in jeder Hinsicht ganz schön sind; denn an Dir, o Herr, ist kein Flecken, und kein Makel an Deiner Mutter“ (Carm. Nisib. 27). - Das Wort des heiligen Augustin, dass sich alle Menschen als Sünder bekennen müssen, „ausgenommen die heilige Jungfrau Maria, die ich um der Ehre des Herrn willen ganz aus dem Spiel lassen möchte, wenn von Sünde die Rede ist“ (De natura et gratia 36, 42), ist nach dem Zusammenhang auf die Freiheit von persönlichen Sünden zu beziehen.

Die Idee sowohl der Ähnlichkeit als des Gegensatzes zwischen Maria und Eva. Maria ist einerseits ein Abbild Evas in ihrer Reinheit und Unversehnheit vor dem Sündenfall, anderseits ein Gegenbild Evas, insofern Eva Ursache des Verderbens, Maria Ursache des Heiles ist. Der heilige Ephräm lehrt: „Zwei Unschuldige, zwei Einfache, Maria und Eva, waren sich ganz gleich. Später jedoch wurde die eine Ursache unseres Todes, die andere Ursache unseres Lebens“ (Op. syr. 11 327). Vgl. Justin, Dial. 100; Irenäus, Adv. haer. III 22, 4; Tertullian, De carne Christi 17.

Argumente aus der Vernunft

Es ist unstimmig, wenn man annimmt, das Fleisch, aus dem das Fleisch des Gottessohnes geformt werden sollte, wäre je Sklave des Erzfeindes gewesen, dessen Macht der Gottessohn mit seiner Fleischwerdung zerstören wollte. Daher das Axiom des Pseudo-Anselmus (Eadmer), das Duns Scotus ausformulierte: Decuit, potuit, ergo fecit. (Es ziemte sich, [Gott] konnte es, also machte er es.) Es ziemte sich, dass die Mutter des Erlösers von Geburt an von Sünde frei sei. Gott konnte ihr dieses Privileg gewähren, und deshalb tat er dies auch. Es muss angemerkt werden, dass auch der Profet Jeremia und der hl. Johannes der Täufer Privilegien erhielten. Sie wurden schon im Mutterleib geheiligt, weil sie durch ihren Verkündigungsauftrag den wichtigen Auftrag hatten, den Weg für Christus zu bereiten. Folglich ziemt sich für Maria noch ein grösseres Vorrecht.

Zitate

„Maria konnte ebenso wenig wie sie die Wiederherstellung der Gnade verdienen. Sie wurde ihr jedoch durch Gottes frei schenkende Güte wiedergegeben, gleich vom ersten Augenblicke ihres Daseins an, und dadurch geriet sie tatsächlich nie unter den ursprünglichen Fluch, der im Entzug dieser Gnade bestand. Diese besonderen Gnadenvorzug besaß sie, um fähig zu werden, geistig und seelisch die Mutter ihres und unseres Erlösers zu werden.“ (John Henry Newman)

Die Immaculata als "Apokalyptische Frau" - Skulptur von Fritz König an der Fassade der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Charlottenburg: unten der siebenköpfige Drache, darüber die Frau, die gebären soll, auf der Mondsichel stehend, und die Strahlen der Sonne als Krone darüber.

Ikonographie

Als künstlerischer Ausdruck der Immaculata werden für gewöhnlich Darstellungen angesehen, die Maria als die "apokalyptische Frau" der Johannes-Apokalypse (Offb 12,1-6 EU) zeigen: auf der Weltkugel stehend und die Schlange zertretend, mit Sternenkranz um das Haupt und der Mondsichel zu ihren Füßen ("Mondsichel-Madonna").[1]

Literatur

  • Immaculata (Bildband zum 150jährigen Jubiläum des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis mit Texten der Kardonale Ratzinger-Meiser-Scheffczyk - 80 Seiten) Fe-Medienverlag
  • Pur spezial "Immaculata" (Katholisches Themenheft - 20 Seiten, DIN A 5) Fe-Medienverlag
  • Carl Feckes (Hg.), Die heilsgeschichtliche Stellvertretung der Menschen durch Maria, Ehrengabe an die Unbefleckte Empfangene von der Mariologischen Arbeitsgemeinschaft Deutscher Theologen dargereicht. Schöningh Verlag Paderborn 1954 (395 Seiten; Imprimatur Paderbornae, d. 20 m. iulii 1954 Vicarius generalis. Dr. Tuschen).
  • Gerhard Lohfink und Ludwig Weimer: Maria - nicht ohne Israel. Eine neue Sicht der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis. Freiburg, Basel, Wien (Herder) 2008.

Siehe auch: Novene zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis, Litanei zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis

Weblinks

Anmerkungen

  1. Wolfgang Beinert, Heinrich Petri (Hrsg.): Handbuch der Marienkunde, Regensburg 1984, zitiert nach Immaculata. In: ABC zur Volkskunde Österreichs, Austria-Forum