Innozenz III.

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Papst Innozenz III. (Fresko im Kloster San Benedetto in Subiaco, Latium, um 1219)

Innozenz III. (* 1160/1161 in Anagni, Italien; † 16. Juli 1216 in Perugia, Umbrien) war Papst von 1198 bis 2016. Er ist in die Geschichte der Kirche als »Papstkaiser« und als großer Reformpapst eingegangen. Er gehört zu den eindrucksvollsten Persönlichkeiten der Papstgeschichte überhaupt. Kirchenhistoriker billigen Innozenz III. zu, er habe über ganz Europa zu gebieten verstanden.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Als Lothar Graf von Segne wurde er auf dem Kastell Segni in Gavignano südöstlich von Rom geboren. Er schrieb sich als junger Mann an der Pariser Universität ein und widmete sich danach dem Studium der Rechte in Bologna. Auf die Weihe zum Subdiakon durch Papst Gregor VIII. im November 1187 erfolgte drei Jahre später die Erhebung zum Kardinaldiakon der Titelkirche "Santi Sergio e Bacco". Nach dem Tode Papst Cölestins III. wurde er am 8. Januar 1198 als Innozenz III. zum Nachfolger des heiligen Petrus bestimmt. Erst am Tage seiner Krönung, dem 22. Februar, empfing er die Priester- und Bischofsweihe. Der neue Pontifex Maximus, der »über eine hohe theologische Bildung verfügte« (Benedikt XVI.), galt als einer der besten Juristen und Kirchenrechtler seiner Zeit.

Papst

Papst Innozenz III. (nicht zeitgenössische Darstellung)
Wappen von Papst Innozenz III., moderne Nachzeichnung

Erst 37-jährig wurde er am 8. Januar 1198 zum Papst gewählt. »Owê, der bâbest ist ze junc: hilf, hêrre, dîner cristenheit – O weh, der Papst ist zu jung. Hilf, Herr, Deiner Christenheit«, rief Walther von der Vogelweide aus, als er von der Wahl des erst 37-jährigen Grafen Lothar von Segni zum Oberhaupt der Kirche erfuhr. Doch der Minnesänger sollte eines Besseren belehrt werden. Ein Mann mit einem strengen Antlitz und scharfblickenden Augen, war Innozenz der geborene Herrscher. »Klarblick und Gewandheit, Hartnäckigkeit und Hingabe und vor allem eine unglaubliche Tatkraft waren seine natürlichen Gaben«, so Wilhelm Brüggeboes.

Unmittelbar nach seiner Wahl begann der Papst den Kirchenstaat als unabdingbare Grundlage seiner Unabhängigkeit zu reorganisieren und zu festigen. Unmissverständlich formulierte er darüber hinaus die weltliche Vorrangstellung des Papsttums. Für Innozenz III. stand fest: »Gott hat Sonne und Mond ans Firmament gesetzt; so gibt es zwei Lichter in der Kirche, die königliche und die päpstliche Gewalt, die eine herrscht über die Seelen, die andere über die Leiber. Wie der Mond sein Licht von der Sonne empfängt, so nimmt die königliche Gewalt den Glanz ihrer Würde von der päpstlichen Macht.« Sichtbare Zeugnisse dieses Anspruches zeigten sich darin, dass der Papst in Streitigkeiten der Länder als oberster Schiedsrichter auftrat und nicht wenige Herrscher ihr Land vom Papst als Lehen nahmen. In diesem Vorgehen sah Innozenz III. kein irdisches Machtstreben; für ihn stand die Herrschaft im Zeichen des Kreuzes in keinerlei Widerspruch zur Kreuzesnachfolge.

Innerkirchlich ging der Papst mit äußerster Härte gegen die Häresie vor. So entschloss er sich im Jahre 1209 zu einem Kreuzzug, um der Irrlehre der Albigenser in Südfrankreich Herr zu werden. Der brutale Verlauf des Kreuzzuges erschütterte den Papst, aber er sah ihn zum Schutz des Glaubens als notwendig an. Das Heilige Land wollte er befreien, er musste jedoch erleben, dass Venedig das fromme Unternehmen zur Plünderung Konstantinopels missbrauchte. Im November 1215 berief er, wenige Monate vor seinem Ableben und schon von Todesahnungen erfüllt, das IV. Laterankonzil mit den Worten ein: »Sehnlich habe ich danach verlangt, mit den Vätern ein dreifaches Pascha zu feiern: ein Pascha nach Jerusalem, eines zur Reform und ein ewiges zur himmlischen Herrlichkeit.« Auf der Kirchenversammlung definierte er die Lehre über die Eucharistie und legte den Gläubigen die Pflicht auf, wenigstens einmal im Jahr das Buß- und das Altarssakrament zu empfangen.

Innozenz III. schien zur damaligen Zeit der Herr der Welt zu sein; er hatte die geistlich-weltliche Führungsstellung des mittelalterlichen Papst­tums zu ihrem Höhepunkt geführt. Er war der mächtige und durchsetzungsfähige »Papstkaiser«, der sein Mündel, den Staufer Friedrich II. (1194-1250), zum König von Sizilien machte, und den Welfen Otto IV. von Braunschweig (1175/76 –1218) zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönte, und auch beide, als sie den Interessen der Kirche entgegenhandelten, mit der gefürchteten Strafe der Exkommunikation belegte – mit einer Waffe, der er sich häufig zum Schutz des Glaubens und seiner päpstlichen Autorität bediente. In der »Goldbulle von Eger« (1213) verzichtete das deutsche Königtum zu Gunsten des Papstes auf die ihm nach dem Wormser Konkordat (1122) zustehenden Rechte über die Bischöfe und Reichsäbte. Aber als Pontifex Maximus sah sich der Papst aus dem Grafengeschlecht von Segni vor allem für jedermann in der Verantwortung vor Gott stehend, für das leibliche und geistliche Wohl der ihm Anvertrauten, aller Menschen in die Pflicht genommen.

Innozenz III. verstarb am 16. Juli 1216 an Fieber im umbrischen Perugia und fand in der dortigen Kathedrale San Lorenzo seine Begräbnisstätte. 1891 wurde der Leichnam des verstorbenen Pontifex auf den ausdrücklichen Wunsch Papst Leos XIII. in die Ewige Stadt überführt und in der Lateranbasilika, der »omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput – der Mutter und dem Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises«, feierlich beigesetzt.

Visionen und Träume

Traum des Papstes Innozenz III. (rechts liegend) wie der Heilige Franz von Assisi (links) die kippende Kirche stützt

In seiner Jugend hatte Innozenz III. die Schrift »Über die Verachtung der Welt« verfasst. Als Papst pflegte er eine äußerst einfache Lebensweise; das Armutsideal bejahte er aus echter, tiefer Überzeugung heraus. In Hungerszeiten sorgte er dafür, dass die Menschen in seinem weltlichen Herrschaftsgebiet zu essen bekamen. Auf ihn soll der Brauch zurückgehen, die Fußwaschung beim Letzten Abendmahl als Geste der Demut und des Dienens für die Kirche wiederzubeleben. Er schützte und förderte die neuen Bettelorden. Im Jahre 1210 gewährte Innozenz III. dem heiligen Franziskus und dessen Mitbrüdern eine Audienz. Es heißt, der Papst habe in der Nacht vor der Begegnung mit dem Poverello eine Vision gehabt: Er sah, dass die Lateranbasilika, die Mutter aller Kirchen, einzustürzen drohte und ein kleiner, unbedeutender Mann mit seinen Schultern die Kirche stützte, damit sie nicht zusammenfiel. Als Franziskus am folgenden Tag vor ihm stand, erkannte der Papst in ihm die Gestalt aus seinem Traum – und billigte mündlich die Regel der neuen Gemeinschaft.

Schon Jahre vor dieser Vision hatten andere Träume des Pontifex zu weitreichenden, noch heute nachwirkenden Konsequenzen geführt. Immer wieder war er von einem Traum aus dem Schlaf gerissen worden. Innozenz III. sah, wie die Fischer der Ewigen Stadt in ihren Netzen die leblosen Körper Neugeborener aus dem Tiber holten. Der Traum erschütterte den Papst so sehr, dass er unverzüglich handelte. Bei der Kirche Santo Spirito in Sassia, nur wenige Schritte von Sankt Peter entfernt, befahl er den Bau einer »ruota«, einer Drehtrommel, in die Mütter ihre Neugeborenen hineinlegen konnten. Solche »ruote« waren zehn Jahre zuvor erstmals in Frankreich aufgekommen, zunächst in Marseille, dann in Aixen-Provence und Toulon.

Die »ruota degli innocenti«, die »Drehtrommel der Unschuldigen«, wird in der gegen Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebenen »Oeconomischen Encyklopädie« mit den Worten beschrieben: »An den Findelhäusern wird die Einrichtung gemacht, dass die Kinder in einen gewissen Drehschrank, Rolle oder Walze, Torno genannt, geleget, und dieselbe umgedrehet wird, dass das Kind in das Haus hineinwärts zu liegen kommt. Man zieht alsdenn an der daselbst befindlichen Glocke oder Klingel, und geht davon; da denn das Kind auf dieses gegebene Zeichen sogleich von den dabey wachenden Aufsehern in Empfang genommen wird. Gedachtes Behältnis oder Torno, welches in der Mauer an einer eisernen Spindel befestigt ist; sieht gemeiniglich einem großen Kornscheffel ähnlich, und kann umgedrehet werden, so bald der Deckel davon genommen wird.«

Besonderer Schutz für Juden

Am 15. September 1199 erlässt Papst Innozenz III. eine Apostolische Konstitution, die zur »Magna Charta« der Toleranz gegenüber den Juden wird. In ihr gewährt er dem Volk des Alten Bundes »den Schild Unseres Schutzes«, auch wenn sie lieber »in ihrer Verhärtung verharren wollen als die Weisungen der Propheten und die Geheimnisse des Gesetzes erkennen und zur Kenntnis des christlichen Glaubens gelangen«. So ordnete der Papst an, »dass kein Christ sie mit Gewalt nötige, widerstrebend oder gegen ihren Willen zur Taufe zu kommen; wenn aber einer von ihnen freiwillig um des Glaubens willen seine Zuflucht zu den Christen nimmt, so soll er, nachdem sein Wille eröffnet worden ist, ohne jede Schmähung Christ werden«. Auch sollte sich niemand unterstehen, »ihre Personen leichtfertig zu verletzen oder ihre Sachen gewaltsam fortzuschaffen, oder die guten Bräuche zu verändern, die sie bisher in der Gegend, in der sie wohnen, hatten«.

Weiterhin schärfte der Papst jedem Christen ein: »Außerdem soll sie keiner in irgendeiner Hinsicht bei der Feier ihrer Feste mit Knüppeln oder Steinen stören, und keiner soll von ihnen ungeschuldete Dienste einzufordern oder zu erpressen versuchen, außer jenen, die sie selbst in der Vergangenheit zu tun pflegten. Zudem bestimmen Wir, um der Schlechtigkeit und Habgier böser Menschen zu begegnen, dass keiner es wage, einen Judenfriedhof zu schänden oder herabzusetzen, oder um zu Geld zu kommen, schon beerdigte Leiber auszugraben.« Für diejenigen, die sich seiner Anordnung widersetzten, sah der Papst die kategorische Verhängung des Kirchenbanns vor.

Quelle: Osservatore Romano 15. Juli 2016, S. 5 von Ulrich Nersinger.


Vorgänger
Coelestin III.
Papst
1198-1216
Nachfolger
Honorius III.
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