Inter caetera divinae

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Inter caetera divinae

unseres Heiligen Vaters
Alexander VI.
wodurch die durch König Ferdinand von Spanien und Königin Isabella entdeckten
und noch zu entdeckenden Inseln der Neuen Welt ihnen übertragen werden
im Hinblick auf die Verbreitung des Glaubens

4. Mai 1493

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Fridolin Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXIV 14-24, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.: BR V 361-364).

Inhaltsverzeichnis

Die Ausbreitung des Glaubens, die größte Sorge des Papstes

Unter allen anderen der göttlichen Majestät wohlgefälligen und Uns von Herzen erstrebenswerten Werken ist jenes das hervorragendste, wodurch der katholische Glaube und die christliche Religion, gerade zu unserer Zeit, hochgeachtet und allüberall verbreitet und vermehrt werden, für das Heil der Seelen gesorgt wird und die wilden Völker besiegt und zu ebendiesem Glauben bekehrt werden. Da Wir nun durch die Barmherzigkeit Gottes, nicht durch eigenes Verdienst, auf diesen Hl. Stuhl Petri erhoben wurden, und da Wir wissen, dass Ihr als echt katholische Könige und Fürsten, die Ihr von jeher gewesen seid und als welche Euch Eure ruhmreichen, fast schon auf dem gesamten Erdkreis bekannten Taten ausweisen, dieses Werk nicht nur herbeigesehnt habt, sondern unter allen erdenklichen Anstrengungen, mit Eifer und Umsicht, ohne Furcht vor Mühen, Opfern und Gefahren, sogar unter Einsatz Eures Lebens es auch selbst durchgeführt und Geist und Willen schon seit langem voll und ganz darauf verwandt habt, wie es die in jüngster Zeit zum höchsten Ruhm des göttlichen Namens durch Euch herbeigeführte Wiedereroberung Granadas aus der Tyrannei der Sarazenen beweist, so glauben Wir, es sei recht und billig, und sehen es als Unsere Pflicht an, Euch gern und großzügig alles zu gewähren, was es Euch ermöglicht, ein so frommes, lobenswertes, vom Ewigen Gott selbst begonnenes Vorhaben mit täglich wachsendem Eifer zur Ehre Gottes und zur Ausbreitung des christlichen Reiches fortzusetzen.

Die Initiativen des Königs von Spanien und seiner Abgesandten

§ 1. Wir haben in der Tat erfahren, dass Ihr schon seit langem vorhattet, weit entfernte, unbekannte, noch von niemandem entdeckte Inseln und Länder zu suchen und zu entdecken, um ihre Bewohner zum Dienst unseres Erlösers und zum Bekenntnis des katholischen Glaubens zu bekehren, jedoch bisher durch die Belagerung und Wiedereroberung Granadas so sehr in Anspruch genommen ward, dass Ihr Euer frommes und lobenswertes Vorhaben nicht, wie gewünscht, durchführen konntet; dass Ihr aber nunmehr, da mit Gottes Hilfe das genannte Gebiet zurückerobert ist, zur Durchführung dieses Eures Vorhabens Unseren geliebten Sohn Christoph Kolumbus, einen würdigen, auf höchste empfehlenswerten und für eine derartige Aufgabe geeigneten Mann, mit Schiffen und hierfür ausgebildeten Männern unter größten Mühen, Gefahren und Opfern, ausgesandt habt, um weit entfernte und unbekannte Länder und Inseln jenseits des Meeres, wohin bisher noch kein Schiff gefahren war, zu erforschen.

§ 2. Diese haben nunmehr mit göttlichem Beistand und mit größter Umsicht, auf dem Ozean kreuzend, gewisse weit entfernte Inseln und sogar Kontinente, die bis dahin noch von niemandem ausfindig gemacht worden waren, entdeckt, auf denen viele Menschen wohnen, die in Frieden miteinander leben und, wie berichtet wird, nackt umhergehen und sich nicht von Fleisch ernähren; wie Eure vorerwähnten Abgesandten feststellen konnten, glauben diese die erwähnten Inseln und Länder bewohnenden Menschen, dass es einen Schöpfergott im Himmel gibt, und sie scheinen hinreichend fähig, den katholischen Glauben anzunehmen und sich an die guten Sitten zu gewöhnen; so besteht die Hoffnung, dass, wenn sie unterrichtet werden, der Name unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus in den erwähnten Ländern und auf den Inseln in Verehrung genannt wird. Auch hat der genannte Christoph auf einer der wichtigsten unter den vorerwähnten Inseln schon einen hinreichend befestigten Turm errichten und ausbauen lassen; in ihm hat er zuverlässige Christen, die mit ihm ausgezogen waren, als Wache bestellt, die zugleich auch andere weit entfernte und unbekannte Inseln und Länder erforschen sollten.

§ 3. In diesen schon erworbenen Inseln und Ländern entdeckten sie Gold, Gewürze und andere äußerst wertvolle Dinge verschiedenster Art und Qualität.

§ 4. Nachdem Ihr alles dies und vor allem, wie es katholischen Königen und Fürsten geziemt, die Erhöhung und Weiterverbreitung des katholischen Glaubens ernsthaft erwogen habt, habt Ihr nach Art Eurer königlichen Eltern ruhmreichen Andenkens beschlossen, Euch die vorerwähnten Länder und Inseln und ihre Bewohner mit Hilfe der göttlichen Barmherzigkeit zu unterwerfen und sie für den christlichen Glauben zu gewinnen.

Die Bekehrung der Ungläubigen muss die erste Sorge der Entdecker sein

§ 5. Wir Unsererseits empfehlen Euch dieses Euer frommes und lobenswertes Vorhaben eindringlich im Herrn und wünschen, dass es entsprechend durchgeführt werde und den Namen unseres Erlösers in jenen Gegenden herbeiführe. Deshalb beschwören Wir Euch im Herrn, so sehr Wir können, und bitten Euch inständig bei der heiligen Taufe, die Ihr empfangen habt und durch die Ihr an Apostolische Anordnungen gebunden seid, und bei der Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus, dass Ihr, da es Eure Absicht ist, in rechter Gesinnung und aus Eifer für den wahren Glauben diese Expedition durchzuführen, die Völker, die in jenen Inseln und Ländern leben, zur Annahme der christlichen Religion, wie es Eure Pflicht ist, bewegen wollet; dass Ihr Euch durch keine Gefahr und keine Mühe jemals davon abschrecken lasst, nachdem Ihr in Euch den Glauben und das Vertrauen genährt habt, dass der allmächtige Gott Eure Bemühungen glücklich vollenden wird.

Die Teilung der Erde, Zuteilung an Spanien

§ 6. Und damit Ihr ein so großes Unternehmen, beschenkt durch die Fülle Apostolischer Gnadenerweise, in seinem ganzen Umfang noch freier und wagemutiger in Angriff nehmen könnt, schenken und übertragen Wir mit diesem Schreiben, in der Autorität des allmächtigen Gottes, die Uns im hl. Petrus verliehen wurde, und der Stellvertretung Jesu Christi, kraft deren Wir auf Erden wirken, Euch, Euren Erben und Nachfolgern, den Königen von Kastilien und Leon, aus eigenem Antrieb und nicht auf ein von Euch oder von einer anderen Person für Euch in dieser Sache an Uns gerichtetes Gesuch, sondern in voller Freiheit, klarer Einsicht und aus Apostolischer Machtvollkommenheit auf immer alle entdeckten und noch zu entdeckenden Inseln und Länder nach dem Westen und Süden hin, und zwar zu einer Linie, die Wir vom arktischen Pol, d. h. vom Nordpol, zum antarktischen Pol, d. h. zum Südpol, ziehen. Diese entdeckten und noch zu entdeckenden Länder und Inseln mögen dabei in Richtung nach Indien oder nach einem anderen Weltteil liegen. Diese Linie soll 100 Meilen westlich von dem Gesamt der Inseln, die gewöhnlich Azoren und Kapverdische Inseln genannt werden, in Richtung nach Süden verlaufen. Hierunter fallen alle entdeckten und noch zu entdeckenden Inseln und Länder westlich und südlich zu der genannten Linie, vom Tag an, da sie durch Eure Abgesandten und Hauptleute entdeckt werden, sofern sie nicht bis zum vergangenen Geburtsfest unseres Herrn Jesus Christus, mit dem das Jahr 1493 begann, von einem anderen christlichen König oder Fürsten in Besitz genommen worden sind. Wir schenken und übertragen sie Euch mit allen ihren Besitztümern, Städten, Festungen, Ortschaften und Dörfern, mit allen Rechten und Vollmachten, und allem, was sonst noch dazugehört, und ernennen und bestimmen Euch und die vorgenannten Erben und Nachfolger zu Herren über sie mit voller, freier und allseitiger Macht, Autorität und Rechtsbefugnis.

§ 7. Nichtsdestoweniger ordnen Wir an, dass durch diese Unsere Schenkung, Bewilligung und Anweisung keinem der christlichen Fürsten, die die vorerwähnten Inseln und Länder am besagten Geburtsfest unseres Herrn Jesus Christus tatsächlich besaßen, das erworbene Recht, weil etwa als aufgehoben betrachtet, streitig gemacht oder genommen werden darf. Außerdem befehlen Wir Euch aufgrund des heiligen Gehorsams (wie Ihr es versprochen habt und zweifellos bei Eurer Ergebenheit und königlichen Großmut auch tun werdet), dass Ihr unter Aufwendung der gebührenden Sorgfalt zu den besagten Ländern und Inseln rechtschaffene und gottesfürchtige, gelehrte und sachverständige Männer entsendet, die die vorgenannten Einwohner im katholischen Glauben unterweisen und an gute Sitten gewöhnen sollen.

§ 8. Und allen Personen, jedweder Würde, auch der kaiserlichen und königlichen, jedweden Standes, Grades oder Ranges, verbieten Wir auf das strengste, bei Strafe der ohne Richterspruch rechtskräftigen, d. h. eo ipso durch die bloße Tatsache der Zuwiderhandlung zu inkurrierenden Exkommunikation, die bisher entdeckten und noch zu entdeckenden Inseln und Länder nach dem Westen und Süden hin, und zwar zu einer Linie, die Wir vom Nord- zum Südpol ziehen, mögen diese schon entdeckten oder noch zu entdeckenden Länder und Inseln dabei in Richtung nach Indien oder nach einem anderen Weltteil liegen, wobei diese Linie 100 Meilen westlich vom Gesamt der Inseln, die gewöhnlich Azoren und Kapverdische Inseln genannt werden, in Richtung nach Süden verlaufen soll, wie bereits gesagt, zu Handelszwecken oder aus irgendeinem anderen Grunde ohne Eure oder Eurer vorgenannten Erben und Nachfolger ausdrückliche Erlaubnis zu betreten.

Schlussworte und juristische Klauseln

§ 9. Ungeachtet aller Apostolischen Konstitutionen und Anordnungen und alles dessen, was sonst noch dagegenstehen mag. Wir vertrauen auf den, von dem alle Herrschaft und Gewalt und alle Güter stammen, sodass Eure Mühen und Anstrengungen, wenn der Herr Eure Handlungen leitet und wenn Ihr in diesem frommen und lobenswerten Vorhaben fortfahrt, in kurzer Zeit zum Wohl und Ruhm des ganzen christlichen Volkes von Erfolg begleitet sein werden.

§ 10. ...

Gegeben zu Rom bei St. Peter,

am 4. Mai des Jahres der Menschwerdung des Herrn 1493,
im ersten Jahr Unseres Pontifikats.

Alexander VI. PP.
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