Jesuitenkommunität St. Michael (München)

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St. Michael in der Fußgängerzone

Die Jesuitenkommunität St. Michael im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt München arbeitet in der Großstadtseelsorge nach den Leitlinien des hl. Ignatius von Loyola.

Die ignatianische Spiritualität ist weltzugewandt und christuszentriert. Sie steht im Dienst der Kirche und nimmt den einzelnen Menschen mit seiner Gotteskompetenz ernst. Glaube in Freiheit zu vermitteln und die Welt in Gerechtigkeit umzugestalten, diesen Zielen des Jesuitenordens hat sich die Kommunität von St. Michael verpflichtet.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Societas Jesu ist eine am 15. August 1534 vom Freundeskreis um Ignatius von Loyola gegründet Gemeinschaft. Neben den Evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichten sich die Ordensangehörigen auch zu besonderem Gehorsam gegenüber dem Papst. Jesuiten gehören zu den Regularklerikern, sie haben keine besondere Ordenskleidung und leben nicht in Klöstern, sondern in Kommunitäten ohne Klausur. Mitglieder des Ordens tragen hinter ihrem Nachnamen den Zusatz SJ. 1773 wurde der Jesuitenorden durch Papst Clemens XIV. auf Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal aufgehoben. Der in der neueren Kirchengeschichte einzigartige Vorgang raubte dem Papsttum eine wichtige Stütze. Die Aufhebung wurde 1814 von Papst Pius VII. rückgängig gemacht. Der Orden hat aktuell etwa 17.200 Mitglieder, davon 12.200 Priester, 2.800 Scholastiker (Mitglieder zwischen den ersten und den letzten Gelübden), 1.400 Brüder und 700 Novizen, die in 125 Ländern leben und tätig sind.

Am 31. Juli 2004 wurden die beiden ehemaligen deutschen Provinzen des Jesuitenordens vereinigt. Die neue deutsche Ordensprovinz umfasst nun das Gebiet von Deutschland, Dänemark und Schweden. Sitz des Provinzialats der Deutschen Jesuiten ist München.[2]

Kommunität St. Michael

Die Kommunität St. Michael gehört zu den frühen Gründungen des Ordens. Im Jahre 1559 kamen die ersten Jesuiten nach München und begannen mit dem Schulunterricht im Kloster der Augustiner-Eremiten. Herzog Wilhelm V. gab dem Jesuiten-Gymnasium 1590 alle Vorrechte eines Universitätskollegs und gliederte es der Universität Ingolstadt an. Mit der Aufhebung des Ordens 1773 durch Papst Clemens XIV. wurde auch das Jesuitenkolleg in München geschlossen.

St.-Michaels-Kirche

Nach der Wiederzulassung der Jesuiten in Deutschland (Kulturkampf Bismarks) und dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde St. Michael der neuen Jesuitenkommunität 1921 durch Michael Kardinal von Faulhaber wieder zur Seelsorge übergeben. Von Anfang an waren die regelmäßigen Beichtangebote und die großen Liturgien mit guter Kirchenmusik und inspirierenden Predigten das Markenzeichen von St. Michael im Zentrum Münchens. Die Seelsorge heute, eine moderne Citypastoral, ist ein gemeinsames Tun von Jesuiten sowie haupt- und ehrenamtlichen Personen.[3]

Direkt hinter dem Chor der Kirche im Kolleg an der Maxburgstraße, unweit des Liebfrauendoms, leben derzeit 9 Jesuiten. Pater Peter Waibel SJ, seit 2016 Superior, d.h. Leiter der neunköpfigen Kommunität, die in St. Michael lebt, ist Mitarbeiter in der "Glaubensorientierung" und in der Seelsorge tätig. Kirchenrektor und Leiter von Kirche und Zentrum, ist Pater Karl Kern SJ. Pater Gunnar Bauer SJ ist für junge Erwachsene und die Ministranten zuständig und Pater Peter Linster SJ übernimmt neben seiner Aufgabe als Rektor der Bürgersaalkirche viel in der Beichtseelsorge. Zur Kommunität gehört auch der Chefredakteur der Zeitschrift Stimmen der Zeit, Pater Andreas Batlogg SJ. Die anderen Patres arbeiten je nach ihren Möglichkeiten in der Seelsorge mit.[4]

Kirche

St. Michael, gelegen zwischen Marienplatz und Stachus, ist eine weithin bekannte Citykirche im Zentrum Münchens.[5] Sie wurde zwischen 1583 und 1597 als Jesuitenkirche erbaut und ist dem Erzengel Michael geweiht. Sie steht stilistisch am Übergang von Renaissance und Barock, viele Bauideen wurden von Il Gesù, der römischen Mutterkirche der Jesuiten übernommen. So wurde die Münchner St.-Michaels-Kirche Vorbild gebend für viele barocke Kirchen im deutschsprachigen Raum. St. Michael war auch das geistliche Zentrum der Gegenreformation in Bayern. Der Jesuitenorden betreute die Kirche bis zur Auflösung im Jahr 1773 und wieder ab 1921 bis zum heutigen Tag.

1944, während des Zweiten Weltkriegs, wurde die Kirche schwer beschädigt und das Tonnengewölbe stürzte ein. In den Jahren 1946 bis 1948 erfolgte rasch der Wiederaufbau. In den Jahren 1971 und 1972 wurde die Kirchenfassade renoviert, 1981 die Stuckdekorationen des Tonnengewölbes wieder angebracht und die Figur des Christus Salvator, die 1944 zerstört wurde, als Rekonstruktion wieder im Giebel aufgestellt. Von 2009 bis 2013 erfolgte eine Fassadenrestauration einschließlich ihrer Figuren.

Orgelprospekt von St. Michael

Das Kircheninnere ist eine Darstellung des Triumphs des Katholizismus als leuchtende Kirche während der Gegenreformation. Der Chorbogen, die Querarme und die Seitenkapellen sind als Triumphbogen nach antikem Vorbild gefertigt. Das Langhaus und der Chorraum führt Menschen aller Stände und Klassen als das eine Gottesvolk zusammen. Das Langhaus stellt den Lebensweg Jesu dar: Als Kind ist Christus an der Innenwand der Fassade zu sehen. Engel, die die Werkzeuge seines Leidens tragen, begleiten seinen Weg. Dessen Ziel ist das Kreuz, das seit 2016 wieder an den Stufen zum Chor steht. Der Chor über der Wittelsbacher-Gruft ist der Raum der Auferstehung, der zum Hochaltar führt. Dort zeigt sich Jesus als der Herr, der am Ende der Zeit wiederkommt. Die Heiligen, die in den Seitenaltären dargestellt sind, bezeugen den Glauben daran, dass durch Christus die Wahrheit stärker ist als die Falschheit, die Gerechtigkeit stärker als der Profit, die Freiheit stärker als die Gewalt.

Kirchenmusik

Kirchenmusik an der Münchener Jesuitenkirche kann auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken. Wilhelm V. rief sie 1597 ins Leben. Der Chor wurde von Orlando di Lassos Bruder Rudolfo gegründet. Heute sind die beiden Kirchenmusiker, Chordirektor Dr. Frank Höndgen und Michaelsorganist Peter Kofler, für die Organisation und Durchführung der Kirchenmusik mit verschiedenen Chören (Michaelschor, Collegium Monacense, Kammerchor, Choralschola, CantioNova) und dem Michaels-Orchester sowie der Orgelmusik in Liturgie und in Konzertzyklen betraut.[6]

Die erste Orgel der Michaelskirche entstand bereits im Jahre 1590. Sie wurde 1697 sowie 1896 nach einem Dispositionsentwurf des Münchener Komponisten und Hochschullehrers Josef Gabriel Rheinberger erneuert. Durch einen Bombentreffer im November 1944 wurde die Orgel zerstört und 1953, 1966 und 1982 erneuert. 2011 erfuhr die Michaelsorgel eine Restaurierung und Erweiterung durch die Firma Rieger aus Voralberg (Österreich). Dabei wurde der historische Prospekt des Jesuitenbruders Johann Hörmann aus dem 17. Jahrhundert beibehalten.[7] Die Disposition der Orgel lautet:

I Rückpositiv C–a3
1. Principal 8′
2. Rohrgedeckt 8′
3. Quintade 8′
4. Octave 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Quinte 22/3
7. Oktave 2′
8. Terz 13/5
9. Larigot 11/3
10. Scharff IV-V
11. Dulcian 16′
12. Cromorne 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–a3
13. Praestant 16′
14. Principal 8′
15. Principal II 8′
16. Gamba 8′
17. Flûte harm. 8′
18. Gedeckt 8′
19. Octave 4′
20. Blockflöte 4′
21. Quinte 22/3
22. Octave 2′
23. Mixtur V
24. Cimbel III
25. Cornet V 8′
26. Trompete 16′
27. Trompete 8′
III Récit C–a3
28. Bourdon 16′
29. Montre 8′
30. Flûte harm. 8′
31. Bourdon 8′
32. Gambe 8′
33. Voix Céleste 8′
34. Octave 4′
35. Flûte traversière 4′
36. Viola 4′
37. Nasard 22/3
38. Quarte de Nasard 2′
39. Tierce 13/5
40. Sifflet 1′
41. Fourniture V
42. Basson 16′
43. Trompette harm. 8′
44. Hautbois 8′
45. Clairon harm. 4′
Tremulant
IV Schwellwerk C–a3
46. Viola 16′
47. Doppelflöte 8′
48. Gemshorn 8′
49. Salicional 8′
50. Aeoline 8′
51. Unda Maris 8′
52. Liebl. Gedackt 8′
53. Holzflöte 4′
54. Dolce 4′
55. Flöte 2′
56. Harm. aeth. III-V
57. Trompete 8′
58. Klarinette 8′
59. Vox Humana 8′
Tremulant
IV Solowerk C-a3
60. Tuba Mirabilis 8′
61. Tuba Sonora 8′
Pedalwerk C–f1
62. Untersatz 32′
63. Principal 16′
64. Subbass 16′
65. Violon 16′
66. Quinte 102/3
67. Octave 8′
68. Violoncell 8′
69. Bourdon 8′
70. Octave 4′
71. Hintersatz IV-V
72. Bombarde 32′
73. Posaune 16′
74. Trompete 8′
75. Schalmey 4′

Hochschule

Nach der Wiederzulassung des Jesuitenordens in Deutschland gründete der damalige Provinzial der Jesuiten und spätere Kardinal Augustin Bea 1925, in der Nachfolge zum Jesuitenkolleg des 16. bis 18. Jahrhunderts, die Hochschule für Philosophie München. Bis 1970 war ihr Sitz das Berchmanskolleg in Pullach bei München. Der Name stammte von dem 1621 verstorbenen und 1888 heiliggesprochenen flämischen Jesuitenstudenten Jan Berchmans. Das Berchmanskolleg war ursprünglich ein für die Ausbildung der Jesuiten bestimmtes Studienhaus, in dem Studenten und Dozenten gemeinsam wohnten und lebten. Hier fanden zugleich auch die auf das Theologiestudium ausgerichteten philosophischen Vorlesungen statt. Bereits in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens erreichte die Ordenshochschule einen herausragenden wissenschaftlichen Rang als philosophische Ausbildungsstätte. In der Zeit des Nationalsozialismus war das Berchmanskolleg ein Treffpunkt für die Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises.[8]

1971 zog die Hochschule in die Nähe der Ludwig-Maximilians-Universität in die Kaulbachstraße in unmittelbarer Nähe der Bayerischen Staatsbibliothek. Gleichzeitig öffnete sich die Hochschule auch für Studierende, die nicht dem Jesuitenorden angehörten. Sie ist weiterhin in der Trägerschaft des Jesuitenordens und bietet ein staatlich anerkanntes Studium der Philosophie mit den Abschlüssen Bachelor und Master sowie Möglichkeiten zur Promotion und Habilitation. Die philosophische Tradition der Hochschule war bis in die 1970er Jahre vom Denken der Neuscholastik geprägt. Man orientierte sich vor allem an der Schule des Thomas von Aquin und anderer Klassiker des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ab 1971 verschwand zunehmend die Vorherrschaft des scholastischen Erbes, und es erfolgte eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Gegenwartsphilosophie, der Phänomenologie, der Existenzphilosophie, der sprachanalytischen Philosophie und der Philosophie des Geistes.[9]

Literatur

  • Peter Claus Hartmann: Die Jesuiten. Beck’sche Reihe 2171. Beck, München 2001, ISBN 3-406-44771-6.
  • Hans Zollner: Jesuiten am Anfang des 3. Jahrtausends. Die 35. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu. In: Geist und Leben. Nr. 82, 2009, S. 63–77.
  • Johannes Terhalle: ...ha della Grandezza de padri Gesuiti. Die Architektur der Jesuiten um 1600 und St. Michael in München. In: Reinhold Baumstark (Hrsg.): Rom in Bayern. Kunst und Spiritualität der ersten Jesuiten. Katalog zur Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums München, 30. April bis 20. Juli 1997. Hirmer, München 1997, ISBN 3-7774-7600-5, S. 83–146.
  • Günter Hess (Hrsg.): Trophaea Bavarica. (Kommentiertes und übersetztes Faksimile der Einweihungsfestschrift der Münchener Jesuiten von 1597). Schnell + Steiner, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1140-8
  • Eckhard Leuschner: Propagating St. Michael in Munich: the new Jesuit church and its early representations in the light of international visual communications. In: Elisabeth Oy-Marra und Volker R. Remmert (Hrsg.): Le monde est une peinture. Jesuitische Identität und die Rolle der Bilder. Akademie Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-004636-5, S. 177–202.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Wer wir sind
  2. Jesuiten in Deutschland
  3. Mitarbeiter
  4. Quelle: Jesuitenkommunität St. Michael, 18. Januar 2016.
  5. Kirche St. Michael
  6. Kirchenmusik an St. Michael
  7. Michaelsorgel
  8. Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 47–50.
  9. Hochschule für Philosophie München