Joachim Meisner

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Joachim Kardinal Meisner, em. Erzbischof von Köln
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Joachim Kardinal Meisner (Dr. theol.; * 25. Dezember 1933 in Breslau/Lissa) ist seit 28. Februar 2014 emeritierter Erzbischof des Erzbistums Köln.[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Joachim Kardinal Meisner studierte von 1959 bis 1962 in Erfurt, wo er am 22. Dezember 1962 die Priesterweihe erhielt. Von 1963 bis 1975 war er Kaplan in Heiligenstadt und Erfurt und auch Rektor im Caritasverband. 1969 erfolgte die Promotion zum Dr. theol. an der Gregoriana in Rom.

Bischof

Wappen von Joachim Kardinal Meisner

Am 17. Mai 1975 wurde Meisner zum Titularbischof von Vina und Weihbischof in Erfurt/Meinungen ernannt. Genau fünf Jahre später, 1980, folgte die Ernennung zum Bischof von Berlin. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 5. Januar 1983 zum Kardinalpriester und wies ihm S. Pudenziana als Titelkirche zu. Am 20. Dezember 1988 folgte seine Ernennung zum Erzbischof von Köln, wo er am 12. Februar 1989 eingeführt wurde.

Vom 16. bis 21. August 2005 war Meisner Gastgeber des 20. Weltjugendtages. Anfang März 2006 wurde er von Papst Benedikt XVI. in die Leitung der Päpstlichen Missionswerke berufen. Meisner ist außerdem Mitglied mehrerer römischer Kongregationen und auch verschiedener Kommissionen in der der Deutschen Bischofskonferenz. Ende November 2008 wurde bekannt, dass der Papst das Rücktrittsansuchen von Kardinal Meisner abgelehnt hat. Meisner bleibt daher bis auf weiteres Erzbischof in Köln

Meisners Wahl zum Erzbischof von Köln

Laut preußischem Konkordat ist die Bischofsernennung für die Erzdiözese folgendermaßen geregelt: Das Domkapitel schickt bei Vakanz des Bischofssitzes eine Liste mit zehn Vorschlägen an den Heiligen Stuhl, der daraufhin eine Liste mit drei Namen an das Domkapitel zurückschickt, welches einen dieser drei mit absoluter Mehrheit zu wählen hat.

Im Falle der vorliegenden Bischofsernennung war Meisners Name nicht auf der Vorschlagsliste des Domkapitels enthalten. Entgegen den zumeist bisher üblichen Gepflogenheiten setzte Papst Johannes Paul II. ihn auf die Dreierliste. Damit war klar, dass der Papst Meisner als Erzbischof favorisierte. Nur nach langen Diskussionen konnte sich das Domkapitel dazu durchringen, Meisner als Erzbischof zu wählen, und zwar mit einfacher Stimmenmehrheit (d.h. Meisner hatte mehr Stimmen als die anderen Kandidaten), aber ohne absolute Mehrheit. Zu diesem Zweck hatte Papst während des Verfahrens eine Bestimmung im Statut des Domkapitels abgeändert, das in der Fassung von 1986 vorsah, die Wahlgänge seien zu wiederholen, bis die absolute Mehrheit erreicht sei. Kirchenrechtler sahen darin eine verdeckte "Ermüdungsstrategie" gegenüber in Köln weniger populären Kandidaten, weshalb die päpstliche Rechtsänderung von dort als Akt der Durchsetzung (nicht nur hierarchisch, auch sachlich) höherrangiger Rechtsprinzipien bewertet wurde.

Die Aktion des Papstes löste Proteste von deutschen Politikern und Kirchenangehörigen aus, auch wenn die Vorgehensweise nicht dem genannten Konkordat widersprach und auch durch kirchliches Recht gedeckt war (vgl. u.a. CIC Can. 377 § 1).

Meisner in den Medien

Kardinal Meisner ist für seine klaren Positionen bekannt. In namhaften deutschen Medien wie dem SPIEGEL wird er dafür oft kritisiert. Aufsehen erregte seine Dreikönigspredigt [2], bei der er aufzeigte, dass zwischen dem Kindesmord von Bethlehem, den Massenmorden Hitlers und Stalins und den Abtreibungspraktiken der heutigen Zeit eine Ähnlichkeit in der Verachtung der Menschenwürde bestehe. In der späteren Dokumentation wurde der Verweis auf Hitler gestrichen.

Insbesondere seine zum Thema Homosexualität geäußerten Ansichten rufen regelmäßig Kritik aus bestimmten gesellschaftlichen Lagern hervor. Im Vorfeld der Bundestagswahlen 2006 erregte ein Interview Meisners mit der Westdeutschen Zeitung Aufsehen, in dem er von der CDU/CSU verlangte, dass für "christlich" stehende C im Namen abzulegen, da ihre Politik sich damit nicht vereinbaren ließe; diese Position erläuterte der Kardinal abermals in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. November 2008.

Joachim Kardinal Meisner vertrat Ende Januar 2013 die Meinung: "Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat (der so genannten "Pille danach"), dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar. Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar." Problematisch erscheint die weitere Ansicht: "Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall (der Vergewaltigung) auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern."[3] [4] Meisner erklärte am 12. Februar wörtlich: „Meine Erklärung war mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt.‘“[5]

Auszeichnung und Ehrungen

  • 1990: Ritter vom Heiligen Grab
  • 1990: Ehrenritter des Deutschen Ordens
  • 1992: Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
  • 1996: Ehrendoktor der Universität Breslau
  • 1998: Orden des Weißen Löwen III. Klasse der Tschechischen Republik
  • 1998: Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen
  • 2000: Ehrenbürger von Trzebnica (Polen)
  • 2003: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband
  • 2005: Ehrnedoktor der Katholische Universität Lublin
  • 2006: Ehrenbbürger von Levoča (Slowakei)
  • 2011: Ehrendoktor der Katholische Universität Ružomberok (Rosenberg)
  • 2014: Großkreuz des Verdienstordens der Republik Polen
  • Seit 2014 trägt ein Platz in der Gemeinde Hundeshagen im thüringischen Landkreis Eichsfeld den Namen „Kardinal-Meisner-Platz“.
  • 2016 Kardinal Meisner erhält den Augustin-Bia-Preis der Internationalen Stiftung Humanum am 2. April 2016 in Königswinter. Damit werden Meisners besondere Verdienste «um den Schutz des Lebens an dessen Anfang und Ende» gewürdigt. Ebenso habe sich Meisner um die katholische Soziallehre und die Verständigung mit Osteuropa verdient gemacht.[6]

Veröffentlichungen

  • Joachim Meisner/Stefan Rehder: Mit dem Herzen sehen. Chance und Auftrag der Kirche zu Beginn des dritten Jahrtausends. Ein Gespräch. MM Verlag Aachen 2000 (230 Seiten; ISBN: 3-928272-12-8).
  • Joachim Meisner/Hans-Günther Kaufmann: Die Heilige Messe. Pattloch Verlag Augsburg 1997 (128 Seiten; ISBN 3629001114).
  • Spuren Gottes auf unseren Wegen. Der Alltag als Begegnungsfeld des Menschen mit Gott. Bernward Verlag Hildesheim/ Morus Verlag Berlin 1993 (151 S. Ppbd.).
  • Wider die Entsinnlichung des Glaubens. Gedanken zur [Neuevangelisierung|[Re-Evangelisierung]] Europas. Syria Verlag Graz 1990 (140 S.; ISBN:3-222-11965-1).
  • Unsere Hoffnung stärke euch. Köln u.a. 1989.
  • Sein, wie Gott uns gemeint hat! Betrachtungen zu Maria. Berlin/ Hildesheim 1988.
  • Nachreformatorische katholische Frömmigkeitsformen in Erfurt. Erfurter theologische Studien, Bd. 26, Leipzig 1971.
  • Das Auditorium Coelicum am Dom zu Erfurt. Ein Beitrag zur Universitätsgeschichte Erfurts. Erfurter theologische Schriften, Bd. 6, Leipzig 1962.
  • Er war mein Freund. Ein Zeugnis aus der Nähe - Kardinal Meisner und Johannes Paul II.. Pattloch Verlag 2007 (gebunden, 80 Seiten).
  • Verliert die Ehe ihre schöpfungsgemäße Exklusivität? In Gerhard Stumpf (Hrsg.): Berufung zur Liebe: Ehe - Familie - Ehelosigkeit (Berichtband der theol. Sommerakademie 2001) Eigenverlag des Initiativkreises, Landsberg 2001, S. 251-262 (304 Seiten; ISBN 978-3-9808068-0-4). als PDF-Datei
  • Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg e.V. Heft 39, Die Eucharistie – der kostbarste Schatz der Kirche. als PDF-Datei
  • Schriften des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg e.V. Heft 44, Gerhard Stumpf (Hrsg.): Wächter und Zeuge (Predigt von Joachim Kardinal Meisner und Beitrag von Leo Kardinal Scheffczyk). als PDF-Datei
  • Joachim Meisner/Gloria von Thurn und Taxis: Die Fürstin und der Kardinal, Ein Gespräch über Glauben und Tradition. Freiburg i.Br. 2008 (176 Seiten).
  • Froh in der Gnade Gottes. Die heilige Elisabeth von Thüringen. Bachem Verlag ISBN 978-3-7616-1946-9.
  • Kreuzweg. Mit vierzehn Holzschitten von Hildegard Domizlaff. Johannes Verlag Einsiedeln Freiburg im Breisgau 2009 (70 Seiten; 2. Auflage).
  • Zeugen durch die Zeiten. Zum 70. Todestag des seligen Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg. In Barbara Stühlmeyer, Ludger Stühlmeyer: Bernhard Lichtenberg. Ich werde meinem Gewissen folgen. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2013, ISBN 978-3-836708-35-7, S. 75–82.

Literatur

  • Adeste fidelis, 
Joachim Kardinal Meisner
 (zum 80. Geburtstag; mit Weihnachtslieder-CD) St. Benno Verlag 2013 (
978-3746238685; [1])

Weblinks


Vorgänger
Alfred Kardinal Bengsch
† Bischof von Berlin
1980 - 1988
Nachfolger
Georg Kardinal Sterzinsky
Vorgänger
Joseph Kardinal Höffner
‡ Erzbischof von Köln
1988-2014
Nachfolger
Rainer Maria Woelki

Anmerkungen

  1. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ist emeritiert Kath.net am 28. Februar 2014
  2. Dreikönigspredigt Kath.net vom 6. Januar 2005
  3. 'Pille danach', Vergewaltigung und 'verbrecherische Befruchtung' Kath.net 31. Januar 2013
  4. Die F.A.Z. weiß, wohin die Pferdchen Kardinals Meisner laufen: zurück nach Königstein Katholisches.info am 5. Februar 2013
  5. Im Artikel: Meisner nach Papstankündigung: 'Ich bin regelrecht schockiert' Kath.net am 12. Februar 2013 und Köln korrigiert: Papst wusste nichts über Vorstoß zur 'Pille danach'! am 12. Februar 2013
  6. Kardinal Meisner erhält Augustin-Bea-Preis in Königswinter Kath.net am 5. März 2016