Johann Adam Möhler

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Johann Adam Möhler (* 6. Mai 1796 in Igersheim bei Mergentheim † 12. April 1838 in München) war katholischer Theologe. Möhler gilt als Wegbereiter der Ökumene im neuzeitlichen Katholizismus. Selbst das II. Vatikanum steht noch unter dem Einfluss der theologischer Grundoptionen.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Johann Adam Möhler studierte in Ellwangen (ab 1815) und Tübingen (1817-18), wohin die katholischtheologische Fakultät verlegt worden war (Kurskollege Josef Lipp). Nach der üblichen Zeit im Priesterseminar empfing er die heilige Priesterweihe. Nach kurzer Kaplanszeit in Weil der Stadt und Riedlingen und der Tätigkeit als Präparand und Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen wurde Johann Adam Möhler 1822 zum Privatdozenten für Kirchengeschichte ernannt und lehrte dann - nach einer ausgedehnten "literarischen Reise", die ihn mit vielen bekannten evangelischen Theologen der damaligen Zeit in Kontakt brachte (u. a. G. J. Planck, J. A. W. Neander, F. D. Schleiermacher) - in Tübingen neben Kirchengeschichte auch Kirchenrecht und Apologetik und seit 1826 als außerordentlicher. Professor, ab 1828 als ordentlicher Professor für Kirchengeschichte. Verschiedene Rufe lehnte er ab: 1826 nach Freiburg, 1828 nach Breslau und Münster, nicht zuletzt wohl aus gesundheitlichen Gründen. Bekannt wurde er durch seine Frühschrift Die Einheit in der Kirche oder das Prinzip des Katholizismus, dargestellt im Geiste der Kirchenväter der drei ersten Jahrhunderte, mehr noch durch sein Hauptwerk Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften.

Theologische Bedeutung

Steht der frühe Möhler noch ganz unter dem Einfluß der Aufklärung, so zeigt ihn die Einheit unter dem der Romantik: Kirche wird, entgegen der damaligen Theologie, verstanden als organisches, geistgewirktes Lebensgefüge (Einflüsse u.a. v. Novalis, F. Schlegel, Schleiermacher). In der Symbolik ringt Möhler mit dem Problem der Einheit der Kirche und dem faktischen Bestehen von Konfessionen, deren Unterschiede er scharf herausarbeitet, nicht ohne sie gleichzeitig zu relativieren. Neben der Ekklesiologie gilt sein Interesse v. a. der theologischen Anthropologie. Mit anderen Theologen der Tübinger Fakultät behandelt er auch intensiv das Problem der Überlegung: Die Fülle des Anfangs entfaltet sich in lebendiger Tradition.

Werke

Johann Adam Möhler hat viele Aufsätze und Rezensionen verfaßt, meist für die Theologische Quartalschrift, dazu eine große Abhandlung über Anselm von Canterbury, sowie über den Kirchenvater Athanasius (Mainz 1827). Anderes wurde zumeist auf der Basis von Schülermitschriften publiziert (u. a. eine Patrologie [hg. v. Franz Xaver Reithmayr. Regensburg 1840] u. eine Kirchengeschichte [hg. v. P. B. Gams, 3 Bände. Regensburg 1867-68]), einiges erst in letzter Zeit (Nachgelassene Schrift, hg. v. R. Reinhardt, 2 Bände, Paderborn 1989-90; Vorlesungen zum Römerbrief, hg. v. R. Rieger, München 1990; Vorlesungen über die Kirchengeschichte, hg. v. dems., 2 Bände, München 1992). 1835 nahm Möhler einen Ruf nach München an, wo er aber aufgrund von Krankheit kaum mehr aktiv sein konnte.
Von Möhlers Hauptwerk der Symbolik sind allein im deutschsprachigen Raum insgesamt 28 Auflagen erschienen, daneben Übersetzungen ins Englische, Französische, Italienische und Niederländische. Zu empfehlen ist die 5. Auflage von 1838 nach "letzter Hand" und die auf dieser aufbauende kritische Ausgabe von 1958 sowie die aktuelle von 2011.

  • Die Einheit in der Kirche, oder das Princip des Katholicismus: dargestellt im Geiste der Kirchenväter der drei ersten Jahrhunderte. Tübingen: Laupp, 1825 [VIII, 363 S.]
  • Die Einheit in der Kirche oder das Prinzip des Katholizismus: Dargestellt im Geiste der Kirchenvärter er drei ersten Jahrhunderte. Hrsg., eingel. u. komm. von Josef Rupert Geiselmann. Köln & Olten: J. Hegner, 1957 [(91), 651 S.]
  • Athanasius der Grosse und die Kirche seiner Zeit, besonders im Kampfe mit dem Arianismus: In sechs Büchern. 1. Aufl., Mainz: Kupferberg, 1827 [XIV, 333 S./290 S.]
  • Athanasius der Grosse und die Kirche seiner Zeit, besonders im Kampfe mit dem Arianismus: In sechs Büchern. 2. veränd. Aufl., Mainz: Kupferberg, 1827 [XIV, 564S.]
  • Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnißschriften. 1. Aufl., Mainz: Kupferberg, 1832 [XXXIV, 518 S.]
  • Symbolik, oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnißschriften. 5. verm. und verb. Aufl., Mainz: Kupferberg, 1838 [XL, 640 S.]
  • Symbolik oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften. Hrsg., eingel. u. komm. von Josef Rupert Geiselmann. [Krit. Neuausg.] In 2 Bdn. Köln & Olten: Hegner, 1958 u. 1960 [Bd. 1: (148),773 S./Bd. 2 "Zum Verständnis der Symbolik": 799 S.]
  • Symbolik oder Darstellung der dogmatischen Gegensätze der Katholiken und Protestanten nach ihren öffentlichen Bekenntnisschriften. [basierend auf der 5. verm. und verb. Aufl. 1838], Mit Ergänzungen zu Möhlers Symbolik aus dessen Schrift: Neue Untersuchungen der Lehrgegensätze zwischen den Katholiken und Protestanten, hrsg. von Johann Michael Raich, sowie einem Lebensbild als Beitrag zur Geschichte der Theologie der Neuzeit, von Heinrich Kihn. [J. A. Möhlers Ausgewählte Schriften Bd. 1] Malsfeld: VB Sabat, 2011. [XVIII, 446 S.] ISBN 978-3-943506-00-6
  • Neue Untersuchungen der Lehrgegensätze zwischen den Katholiken und Protestanten: Eine Vertheidigung meiner Symbolik gegen die Kritik des Herrn Professors Dr. Baur in Tübingen. 1. Aufl. Mainz: Kupferberg, 1834 [VIII, 528 S.]
  • Neue Untersuchungen der Lehrgegensätze zwischen den Katholiken und Protestanten: Eine Vertheidigung meiner Symbolik gegen die Kritik des Herrn Professors Dr. Baur in Tübingen. 2. verm. und verb. Aufl., Mainz: Kupferberg, 1835 [X, 541 S.]
  • Dr. J. A. Möhler’s, gesammelte Schriften und Aufsätze. Hrsg. von Dr. Joh. Jos. Ign. Döllinger. In 2 Bde., Regensburg: Manz, 1839/40 [IV, 444/294]
  • Geschichte des Jesuitenordens. in: Beitrag zur Würdigung des Jesuiten-Ordens, von J. Burkard Leu. Luzern/Bern: Jenni, 1840 [29 S.]
  • Dr. J. A. Möhler’s, Patrologie, oder christliche Litterärgeschichte: Aus dessen hinterlassenen Handschriften mit Ergänzungen hrsg. von Dr. F.X. Reithmayr, 1. Band, Die ersten drei Jahrhunderte. Regensburg: Manz, 1840 [XII, 968 S.]
  • Patrologie oder christliche Literaturgeschichte der ersten drei Jahrhunderte. [J. A. Möhlers Ausgewählte Schriften Bd. 2], Malsfeld: VB Sabat, 2011 [XVI, 528 S.] ISBN 978-3-943506-01-3
  • Der ungeteilte Dienst: Von Größe und Fährnis jungfräulichen Priestertums. Salzburg: Pustet, 1938 [169 S.]
  • Vom Geist des Zölibates: Beleuchtung der Denkschrift für die Aufhebung des den katholischen Geistlichen vorgeschriebenen Zölibates / Johann Adam Möhler. Hrsg., erl. und mit einem Nachw. vers. von Dieter Hattrup. Bonifatius Verlag Paderborn, 1992 [184 S.], ISBN 3-87088-720-6
  • Kirchengeschichte von Johann Adam Möhler. Hrsg. Pius Bonifac. Gams OSB. In 3 Bde., Regensburg: Manz, 1867-1868 [XII, 696/VIII, 658/XII, 571 S.]
  • Gesammelte Aktenstücke und Briefe. Hrsg. von Dr. Stephan Lösch. München: Kösel & Pustet, 1928 [XXIV, 552 S.]
  • Vorlesung zum Römerbrief. Hrsg. von Reinhold Rieger. München: Wewel, 1990 [308 S.] ISBN 3-87904-169-5
  • Vorlesungen über Kirchengeschichte. Hrsg. von Reinhold Rieger. In 2 Bde., München: Wewel, 1992, [XLI, 716 S.], ISBN 3-87904-179-2

Literatur

  • Alois Knöpfler: Johann Adam Möhler, Ein Gedenkblatt zu dessen 100. Geburtstag, München 1896.

siehe auch: Johann-Adam-Möhler-Institut

Weblinks

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