Johann Joseph von Görres

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Johann Joseph von Görres (*25. Januar 1776 in Koblenz † 29. Januar 1848 in München) war berühmter Publizist, Politiker, Herausgeber des «Rheinischen Merkur» und Verfasser des großen Werkes «Christliche Mystik». Er war Schriftleiter der Zeitschrift "Der Katholik". Er ist wohl die bedeutendste Symbolfigur des deutsch-politischen Katholizismus.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Josef Görres wandte sich als aufgeklärter Propagandist der Ideale der Französischen Revolution vom katholischen Glauben seiner Kindheit ab und bleibt ihm auch noch fern, als er sich, enttäuscht von der Realität der französischen Politik, nach 1800 als Lehrer an der Koblenzer Secondärschule, gut romantisch, medizinisch-naturphilosophischen, literaturhistorischen und mythologischen Forschungen zuwendet. Autodidakt sein Leben lang, wird er 1806 Privatdozent in Heidelberg (Die teutschen Volksbücher, Heidelberg 1807). Seit 1808 lebt erneut in Koblenz (Mythengeschichte der asiatischen Welt, Heidelberg 1810). Seine nationale publizistische Agitation gegen Napoleon (in der von ihm hg. Tageszeitung "Rheinischer Merkur", 1814-16) macht ihn in ganz Deutschland bekannt. Infolge seiner Kritik auch an der reaktionären Politik Preußens muß er 1819 ins Exil nach Aarau und Straßburg fliehen, wo er 1823/24 endgültig zum katholischen Glauben zurückfindet. 1827 beruft ihn Ludwig I. als "Professor für Allgemein- und Litterärgeschichte" an die neugegründete Universität in München. Er genießt den Ruf, in beinahe allen Sparten der Wissenschaften gleichermaßen zu Hause zu sein. Er redigierte 1828 die Zeitschrift "Eos" in München und machte die Zeitung zum Organ des konservativen Katholizismus in Süddeutschland, die jedoch schon 1832 erlosch. Görres Interesse gilt jetzt vor allem der publizistischen und wissenschaftlichen Verteidigung des alten Glaubens. Sein bekanntestes und wirkmächtigstes Werk wird die den "Kulturkampf" der Jahre 1838-44 (Kölner Wirren) initiierende Streitschrift Athanasius, gleichsam die Gründungsurkunde des politischen Katholizismus in Deutschland.

Apologetische Arbeit

Görres apologetische Arbeit reagiert auf zwei Problemstellungen: Zum einen auf die in der zeitgenössischen Philosophie und deren literarisch-publizistischen Popularisierungen greifbare These, Christentum und Kirche seien, wenn nicht überhaupt human unzuträglich, so doch zumindest gesellschaftlich überflüssig geworden; zum anderen auf die verbreitete Überzeugung von der Unmöglichkeit des Wunders und damit des Handeins Gottes in der Welt. Demgegenüber sucht Görres die Notwendigkeit der Offenbarung zu erweisen, indem er das schon die Reformation leitende "revolutionäre" Subjektivitätsprinzip der Neuzeit als Movens des sich in der jüngeren Geschichte zusehends verschärfenden bellum omnium in omnes behauptet; dieses Prinzip lasse die ersehnte Vereinigung der Freiheit jedes einzelnen mit der Freiheit aller von vornherein unmöglich werden. Hilfe sei möglich einzig und allein in der Rückkehr zur Kirche, d. h. z. Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Deren Faktizität aber erweist sich ihm im Blick auf die Geschichte der ehrwürdigen Heiligen, Mystiker und Mystikerinnen, deren insgesamt nicht zu leugnende Wundertaten die exegetisch bestrittene Wahrheit der Wunder dessen, der das Wunder schlechthin ist, beweist. Die christologische Formel von Chalkedon wird zum Ausgangspunkt von Görres politisch Theologie jenseits von reaktionären staatlichen Absolutheitsansprüchen einerseits und "anarchistischen" Demokratieforderungen anderseits.

Kirche und Staat

Joseph Görres hat dann in genialer Weise diese christologische Aussage in der Geschichte des Mittelalters verwirklicht gesehen, insofern als diese im Glauben geeinte Gesellschaft sozusagen in zwei Naturen existierte, in einer durch die Kirche verkörperten göttlichen und einer durch den Staat versinnbildeten menschlichen Ordnung, und dies ohne jene Vermischung und Verwandlung, die bei Christus die Monophysiten annahmen, aber auch ohne nestorianische Zerteilung und Absonderung; d. h. die menschliche Gesellschaft wird dann lebenskräftig sein und gedeihen, wenn sie auf dem gottmenschlichen Prinzip gegründet ist und zwar so, dass Natürliches und Übernatürliches sich nicht monophysitisch vermischen, aber auch nicht nestorianisch voneinander absondern. Dann ist Christus wirklich die Mitte auch des öffentlichen Lebens und damit auch die Gewähr für das Leben der Völker. Wer somit das Gottmenschentum Christi leugnet, der verliert diese Mitte und liefert sich dem Untergang aus, ganz gleich, ob er sich wie der Osten dem Monophysitismus verschreibt und Natur und Übernatur, Leib und Geist, Staat und Kirche vermengt und vermischt, oder ob er wie der Westen immer mit dem nestorianischen Prinzip der Trennung und Zerspaltung liebäugelt..

Werke

  • Glauben und Wissen, München 1805.
  • Die Christliche Mystik, 5 Bände, Verlag G. Joseph Manz Regensburg (und Landshut) 1836-42
  • Athanasius, Verlag G. Joseph Manz, Regensburg 1838 (mehrere Ausgaben in diesem Jahr)
  • Die Wallfahrt nach Trier, Regensburg 1845; Vorlesungen und Briefe.
  • Kirche und Staat nach Ablauf der Cölner Irrung, Weissenburg a. S. 1842
  • Die heilige Allianz und die Voelker, auf dem Congress von Verona, Metzler Verlag, Stuttgart 1822 (170 Seiten)
  • Das größte religiöse Weltepos, Christiana Verlag Stein am Rhein

Literatur

  • W. Frühwald (Hg.): J. G. Ausgewählte Werke in 2 Bände, Band 2. Freiburg 1978. 753-958
  • B. Wacker: Revolution und Offenbarung, Das Spätwerk (1824-48) v. J.G. - eine politische Theologie, Mainz 1990
  • G.-Bibliogr. Verz. der Schriften v. u. über J.J.G. (1776-1848) u. G.-Ikonographie, bearb. v. A. Portmann-Tinguely (Gesammelte Schriften, Erg.-Bd. 2). Paderborn u. a. 1993.

siehe auch: Görres-Gesellschaft

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