Joseph Vaz

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Der heilige Joseph Vaz, Gemälde in Kandy, 18. Jahrhundert

Joseph Vaz (* 21. April 1651 in Benaulim,[1] Indien; † 16. Januar 1711 in Kandy) war Oratorianerpater Hauptmissionar von Sri Lanka und Apostel von Nakara. Der Festtag ist der 16. Januar.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Joseph Vaz wurde als drittes von sechs Kindern in dem indischen Dorf Benaulim (Erzdiözese Goa) in der portugiesischen Kolonie in Indien als Sohn portugiesischer Auswanderer geboren. Der Vater Christoph Vaz und Maria de Mi­randa, waren schon seit mehreren Jahren katho­lisch. Nach der Ma­tura studierte Joseph Altphilologie an der Hochschule der Jesuiten in Goa sowie Philosophie und Theologie am Dominikanerkollegium St. Thomas von Aquin. Mit 25 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Schon in dieser Zeit hegte er eine besonders innige Vereh­rung und Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria. Er wurde zu Predigten in der Kathedrale der Hauptstadt, zum Beichte hören und zur geistlichen Begleitung eingeladen.

Oratorianer

Der Erzbischof von Goa erlaubte am 25. September 1685, dass drei indische Priester mit einer vita communis an der Kir­che vom Hl. Kreuz der Wunder auf dem Monte Boa Vista (Goa) starten durften. Pater Joseph wurde zum Superior gewählt. Die Kongregation des Oratoriums des hl. Philipp Neri hatte zu diesem Zeitpunkt bereits in Portugal Fuß gefasst; ein eifriger Missionar, der Diener Gottes P. Bartholomeu de Quental (1622-1698), hatte dort das erste Oratorium gegründet. Dieser war es, der auf eine schriftliche Anfrage von Pater Vaz hin, die Konstitutionen und Hinweise für eine Neugründung übersandte. Am 9. Januar 1686 entschieden sich die Patres für die Konstitutio­nen des Oratoriums des hl. Philipp Neri. Am 26. November 1706 wurde mit einer Bulle von Papst Clemens XI. die Gründung anerkannt und bestätigt. Ende 1686 war die kleine Kommunität, die jedoch von Anfang an mit Berufungen gesegnet war, so weit, dass sie auch ohne Pater Vaz auskommen konnte.

Missionar

Joseph Vaz fühlte, dass der Augenblick gekommen war, einer neuen Berufung zu entsprechen, nämlich den Katholiken als Missionar auf der Insel Ceylon (des heutigen Sri Lanka) 1687 seelsorglich zu Hilfe zu kom­men. Die calvinistischen holländischen Kolonialherren hatten alle katholischen Missionare vertrieben. P. Joseph zog das Gewand eines Kuli, eines Sklaven und Bett­lers an, und nach einigen Monaten leidvoller Versuche gelang es ihm, an der Küste Ceylons zu landen. Er organisierte eine Untergrundmission. Auf diese Weise trug er maßgeblich zum Überleben der Kirche auf dem Inselstaat bei.

Ein besonderes Anliegen war es ihm, den Kranken und den Leidenden zu dienen. Sein Einsatz für die Kranken während einer Pockenepidemie in Kandy fand beim König eine solche Anerkennung, dass ihm für seine missionarische Arbeit eine größere Freiheit zugestanden wurde. Von Kandy aus konnte er seine Tätigkeit auf andere Teile der Insel ausweiten. Der seeleneifrige Priester hatte für sie einen Katechismus und ein Gebetbuch in den beiden Landes­sprachen Singalesisch und Tamil verfasst. Außerdem übersetzte er gemeinsam mit einem Mitbruder des Oratorianerordens Teile der Bibel ins Singhalesische.[2] Während seiner Missionstätigkeit waren vier bedeutende, große Kirchen in den Großstädten gebaut worden und in jedem Dorf gab es eine Kapelle – insgesamt über zweihundert. Er wirkte auf Ceylon bis zu seinem Lebensende.

Heimgang

Er verstarb am 16. Januar 1711 im Rufe der Heiligkeit. Seine letzten Worte zu den Patres, die um ihn herum bete­ten, waren: „Bedenkt, dass man im Augenblick des Todes nicht leicht das tun kann, was man während des ganzen Lebens vernachlässigt hat zu tun.“ Sein Leichnam wurde drei Tage lang aufgebahrt, so groß war die Zahl der Gläubi­gen, die sich von ihrem geistlichen Vater verabschieden wollten. Sie nannten ihn „Sammanasu Swami“ – engelsgleicher Priester. Bei seinem Tod zählte die Kirche auf Sri Lanka 70.000 Katholiken, 30.000 davon sind zu Lebzeiten von P. Vaz katholisch geworden.

Selig- und Heiligsprechung

Im Jahr 1713 eröffnete der Bischof von Cochin das Seligsprechungsverfahren. 1732 genehmigte Papst Benedikt XIV. die Führung des kanonischen Prozesses.

Papst Johannes Paul II. sprach Joseph Vaz am 21. Januar 1995 an der Strandpromenade in Colombo in Gegenwart von über 400.000 Gläubigen selig. Dabei bezeichnete der Heilige Vater ihn als „den größten christlichen Missionar, den Asien je hervorge­bracht hat“. In seiner Predigt bekräftigte der er: „Joseph Vaz gilt mit Recht als der zweite Gründer der Kirche auf Sri Lanka … Er folgte dem Ruf des Heiligen Geistes und verließ seine Heimat und kam in ein Land, wo die Kirche über drei Jahr­zehnte keine Priester mehr hatte … Als echter Jünger Jesu Christi nahm er mit Freude und Zuversicht unzählige Leiden auf sich in dem Wis­sen, dass sich auch in diesen Leiden Gottes Pläne erfüllten. Seine heroische Liebe … trug ihm die Achtung aller ein“.

Papst Franziskus sprach Joseph Vaz während seines Pastoralbesuchs am 14. Januar 2015 Colombo in Sri Lanka heilig.[3] Zu der Feier an der Strandpromenade des "Galle Face Green" Colombos, kamen mehrere Hunderttausend Menschen. Die Gläubigen beantworteten die Proklamation des neuen Heiligen mit langem Applaus und Fanfaren auf traditionellen Hörnern. Papst Franziskus sagte: "Durch sein Wort, aber noch wichtiger durch das Beispiel seines Lebens führte er die Menschen dieses Landes zu dem Glauben, der uns ein » Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten « verleiht (Apg 20,32 EU). Wir sind berufen, mit demselben Eifer, demselben Mut des heiligen Joseph hinauszugehen, aber auch mit seiner Sensibilität, seiner Ehrfurcht vor den anderen und mit seinem Wunsch, mit ihnen jenes Wort der Gnade (vgl. Apg 20,32 EU) zu teilen, das die Kraft hat, sie aufzubauen. Wir sind berufen, missionarische Jünger zu sein.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Missionieren mit Liebe und Verstand Zenit am 13. Januar 2015
  2. Papst sprach Sri-Lanka-Missionar Joseph Vaz heilig Kath.net am 14. Januar 2015
  3. Radio Vatikan: Heiligsprechung von Oratorianer-Missionar Sri Lanka: „Mitte Januar kommt der Papst“
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