Jungfräulichkeit

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Der bewusste Stand der Jungfräulichkeit ist der freiwillige dauernde Verzicht auf die Ehe (und damit auf jede geschlechtliche Befriedigung) aus religiösen Beweggründen, um (im Sinne von 1 Kor 7,32,35) frei zu sein für den Dienst Gottes. Die Ordensleute verpflichten sich durch ein eigenes Gelübde zur ewigen Jungfräulichkeit. Ähnliches gilt in der katholischen Kirche vom Zölibat der Kleriker (bei schon verheirateten Männer, die Diakone werden, in der Weise, dass sie nach der Weihe keine weitere Ehe eingehen, auch nicht im Falle des Todes der Gattin).

Es ist übrigens sichere katholische Lehre, dass Maria immerwährend Jungfrau ist (siehe dort).

Inhaltsverzeichnis

Beweggründe der Jungfräulichkeit

  1. um des Himmelreiches willen
  2. um der Gemeinschaft willen (z.B. Verwandtschaft, Politik, Lehrer) [1]

Ehelos aus Schicksalsgründen zu bleiben, wie "es kam halt keine(r)" oder Krankheit, werden erst zur Jungfräulichkeit gezählt, wenn die Ehelosigkeit aus einem ehrbaren Grund (z.B. Sühne) absichtlich gewolllt wird.

Symbolik

Die unverletzte Jungfräulichkeit wird in der weißen Lilie symbolisiert. Der heilige Josef wird meist mit ihr dargestellt oder auch Heilige, welche wegen der Bewahrung der Keuschheit starben wie z.B. Maria Goretti. Die rote Lilie symbolisiert die wiedererlangte Reinheit, die bereute und gebeichtete schwere Sünde.

Die Jungfräulichkeit in der Bibel

In verschiedenen Religionen der Antike kam der Jungfräulichkeit eine sakrale Bedeutung zu. Verschiedene Göttinnen (Anat, Artemis, Athene) wurden als jungfräulich bezeichnet. Doch geschah dies, um ihre ewige Jugend, ihre unversiegliche Vitalität, ihre Unvergänglichkeit hervorzuheben. Nur die christliche Offenbarung allein zeigt die im Alten Testament bereits vorgezeichnete religiöse Bedeutung der Jungfräulichkeit in ihrer ganzen Erhabenheit auf: als Treue in einer Liebe, die nur Gott allein gilt.

Jungfräulichkeit im Alten Bund

'Unfruchtbarkeit und Jungfräulichkeit'

In der Perspektive des Volkes Gottes, das ganz auf sein Wachstum ausgerichtet war, kam die Jungfräulichkeit der Unfruchtbarkeit gleich; die Tochter Jephtes, die dazu verurteilt war, kinderlos zu sterben, beweinte zwei Monate hindurch ihre "Jungfrauschaft" (Ri 11. 3]), da sie von jenem Lohne (Ps 127.3). von jenem Segen (Ps 128, 3-6), den die Frucht des Schoßes darstellte, ausgeschlossen und damit der Schande preisgegeben war (I Sm I, 11; Lk 1,25). Dagegen erfreute sich die Jungfräulichkeit vor der Ehe hoher Wertschätzung; so stellt man beispielsweise fest, dass der Hohepriester nur eine Jungfrau heiraten durfte (Lv 21, I3f; vgl. 2I,]). Doch geschah dies mehr aus Rücksicht auf die rituelle Reinheit im Bereiche der Sexualität (vgl. Lv 12; 15) als auf Grund der Hochschätzung der Jungfräulichkeit als solcher.

Die eigentliche Vorbereitung auf die christliche Jungfräulichkeit muss man im Kontext der Verheißungen und des Bundes suchen. Durch die geheimnisvolle Erwählung unfruchtbarer Frauen, denen er Fruchtbarkeit schenkt, will Gott zeigen, dass die Träger der Verheißungen nicht auf dem normalen Wege der Fruchtbarkeit erweckt wurden, sondern durch ein Eingreifen seiner Allmacht. In dieser geheimen Bevorzugung, die er den Unfruchtbaren zuteil werden ließ, tut sich die Ungeschuldetheit seiner Auserwählung kund.

Kinderlosigkeit

Die Kinderlose, die Gott dient, wird jedoch der Mutter zahlreicher Kinder gleichgestellt, indem ihr eine göttliche Fruchtbarkeit verheißen wird. So steht im Buch der Weisheit (3,13-15): "Selig ist die Kinderlose, die unschuldig blieb und kein Lager in Sünde kannte; sie wird gleich einer Mutter geehrt, wenn die Seelen ihren Lohn empfangen. Selig ist auch der Kinderlose), der sich nicht frevelhaft verging und gegen den Herrn nichts Böses plante; besondere Gnade wird seiner Treue zuteil und ein gar köstlicher Anteil am Tempel des Herrn. Denn ruhmreich ist der Lohn guter Mühe und unvergänglich die Wurzel der Klugheit." Kinderlosigkeit ist besser als gottlose Nachkommen.

Freiwillige Enthaltsamkeit

Neben dieser allgemeinen Strömung gibt es aber auch Einzelfälle. wo die Enthaltsamkeit freiwillig gewählt wurde. Jeremias musste auf Befehl Gottes auf die Ehe verzichten (Jr 16, 2), aber nur, um durch einen symbolischen Akt das unmittelbare Bevorstehen der Bestrafung Israels anzukündigen, bei der Frauen und Kinder hingeschlachtet werden sollten (16, 3 ff. 10-13). Die Essener lebten enthaltsam. doch bewog sie dazu allem Anscheine nach vor allem die Sorge um die gesetzliche Reinheit.

Doch gibt es auch andere Beispiele. denen eine tiefere religiöse Bedeutung zukommt: Judith verdient auf Grund ihrer freiwilligen Witwenschaft und ihres bußfertigen Lebens (Jdt 8, 4ff; 16,22), gleichwie in alter Zeit Debora (Ri S, 7),als Mutter ihres Volkes bezeichnet zu werden Gdt 16, 4.11.17) und bereitet durch ihre Lebensart auf die allgemeine Hochschätzung der Witwenschaft und der Jungfräulichkeit im Neuen Testament vor. Anna verzichtete darauf, sich nochmals zu verheiraten, um desto ungeteilter dem Herrn anzuhangen (Lk 2, 37). Johannes der Täufer bereitet durch ein asketisches Leben auf das Kommen des Messias vor und wagt sich schon als Freund des Bräutigams zu bezeichnen (Jo 3,29).

Die Brautschaft zwischen Gott und seinem Volke

Auf diese Weise erwies sich der Vorläufer als der Erbe einer prophetischen Überlieferung vom bräutlichen Verhältnis zwischen Gott und seinem Volke, die ebenfalls auf die christliche Jungfräulichkeit vorbereitete. In der Tat gaben die Propheten einem eroberten Land mehr als einmal den Namen einer Jungfrau (Is 23,12; 47, 1; Jr 46, 11), insbesondere aber Israel (AmS,2; Is 37, 23; Jr 14, 17; Klgl 1, 15; 2, 13), und dies aus Trauer über den Verlust ihrer territorialen Integrität. Aber auch dann, wenn das Volk den Bund gebrochen hat, bezeichnet Jeremias es als "Jungfrau Israel" Gr 18, 13), um ihm vor Augen zu stellen, wie sehr es zur Treue verpflichtet gewesen wäre. Deshalb taucht derselbe Titel auch im Kontext der Restauration wieder auf, da Gott und sein Volk ihre Beziehungen der Liebe und Treue wieder aufnehmen werden (Jr 31,4.21). Für Isaias symbolisiert die Ehe zwischen einem jungen Mann und einer Jungfrau die messianische Hochzeit zwischen Gott und Israel (62,5). Durch seine kompromisslosen Forderungen hat Gott seine Gläubigen darauf vorbereitet, ihm ihre ganze Liebe vorzubehalten.

Neuer Bund

Von Christus an heißt die Jungfrau Israel Kirche. Jene Gläubigen, die jungfräulich bleiben wollen, nehmen an der Jungfrauschaft der Kirche teil. Als wesentlich eschatologische Wirklichkeit wird die Jungfräulichkeit ihren vollen Sinn erst im endgültigen Vollzug der messianischen Hochzeit erhalten.

Die jungfräuliche Kirche als Braut Christi

Gleichwie im Alten Testament verbindet sich das Thema von der Jungfräulichkeit paradoxerweise mit dem von der Brautschaft: die Verbindung Christi mit seiner Kirche ist eine jungfräuliche Verbindung, wird aber andernorts durch die Ehe versinnbildet. "Christus hat die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben" (Eph 5,25). Die Kirche von Korinth hat sich mit Christus verlobt, der heilige Paulus will sie ihm als reine, makellose Braut zuführen (2 Kor 11,2; vgl. Eph 5,27). Der Apostel eifert um sie mit der Eifersucht Gottes (2 Kor 11,2); er wird nicht zulassen, dass die Reinheit ihres Glaubens angetastet werde.

Die Jungfräulichkeit Mariens

Im Knotenpunkt der beiden Testamente beginnt sich in Maria, der Tochter Sions, die o Jungfräulichkeit der Kirche zu verwirklichen. Die Mutter Jesu ist die einzige Frau des Neuen Testaments, auf die der Name Jungfrau fast im Sinne eines Titels angewendet wird (Lk 1,27; vgl. Mt 1,23). Durch ihr Verlangen, die Jungfräulichkeit zu bewahren (vgl. Lk I, 34), nahm sie das Schicksal der kinderlos gebliebenen Frauen auf sich; doch wurde das, was einst eine Demütigung gewesen war, für sie zu einem Segen (Lk 1,46). Schon bevor der Engel zu Maria kam, wollte sie ganz Gott angehören; durch ihr "Fiat" bei der Verkündigung (I, 38) hat sie sich voll und ungeteilt dem Sohne Gottes geweiht. In der Jungfräulichkeit derjenigen, die Mutter Gottes geworden ist, hat die lange Vorbereitung der Jungfräulichkeit im Alten Testament, aber auch die Sehnsucht nach Fruchtbarkeit und das Gebet der von Gott erhörten - unfruchtbaren Frauen ihre Erfüllung gefunden.

Siehe auch: Virginitas in partu

Die Jungfräulichkeit der Christen

Jesus, der gleich Johannes dem Täufer und Maria jungfräulich geblieben ist, hat den wahren Sinn und den übernatürlichen Charakter der Jungfräulichkeit geoffenbart. Diese ist kein Gebot (1 Kor 7, 25), sondern eine persönliche Berufung Gottes, ein Charisma (7, 7). "Es gibt Menschen, die vom Mutterschoße an zur Ehe unfähig sind; es gibt solche, die von Menschen unfähig gemacht worden sind; es gibt aber auch solche, die um des Himmel-Reiches willen der Ehe entsagen" (Mt 19, 12). Nur das Himmelreich rechtfertigt die christliche Jungfräulichkeit, und nur jene verstehen diese Sprache, denen es gegeben ist (19,11).

Nach dem heiligen Paulus steht die Jungfräulichkeit über der Ehe, weil sie eine völlige Hingabe an den Herrn ist (1 Kor 7, 32-35). Der verheiratete Mensch ist geteilt; jene, die jungfräulich bleiben, haben ihr Herz nicht geteilt, sie haben sich Christus ganz geweiht, ihre Sorge gilt der Sache des Herrn, und sie lassen sich von diesem ununterbrochenen Einsatz für die Sache Christi durch nichts ablenken.

Das Wort Christi in Mt 19, 12 ("um des Himmelreiches willen") verleiht der Jungfräulichkeit ihre wahre eschatologische Dimension. Der heilige Paulus hält dafür, dass der Stand der Jungfräulichkeit "gut sei bei der gegenwärtigen Bedrängnis" (1 Kor 7, 26), aber auch auf Grund dessen, dass "die Zeit kurz bemessen ist“ (7,29). Der Ehestand ist an die gegenwärtige Zeit gebunden, doch geht die Gestalt dieser Welt vorüber (7, 31).

Jene, die jungfräulich bleiben, haben sich von dieser Welt losgeschält. Sie harren gleich den Jungfrauen der Parabel (Mt 25, 1.6) des Bräutigams und des Himmelreiches. Ihr Leben, das eine beständige Offenbarung der Jungfräulichkeit der Kirche ist, ist auch ein Zeugnis für die Nichtzugehörigkeit der Christen zu dieser Welt, ein immerwährendes "Zeichen" der eschatologischen Spannung der Kirche, eine Vorwegnahme des Zustandes der Auferstehung, wo diejenigen, die würdig befunden werden, an der künftigen Welt teilzunehmen, den Engeln gleich, Kinder Gottes sein werden (Lk 20, 34ff par.).

Der Stand der Jungfräulichkeit macht daher das wahre Antlitz der Kirche in hervorragender Weise sichtbar. Gleich den klugen Jungfrauen gehen die Christen Christus, ihrem Bräutigam, entgegen, um mit ihm am Hochzeitsmahle teilzunehmen (Mt 25, 1-13). Im himmlischen Jerusalem werden alle Auserwählten als jungfräulich bezeichnet (Apk 14, 4), weil sie sich der Unzucht des Götzendienstes enthalten haben, vor allem aber, weil sie nun ganz Christus gehören: In rückhaltloser Bereitschaft "folgen sie dem Lamme, wohin immer es geht" (vgl. Jo 10,4.27). Gehören sie doch fortan der himmlischen Stadt an, der Braut des Lammes (Apk 19, 7.9; 21,9).

siehe auch: Jungfrauenweihe

Päpstliches Schreiben

Pius XII.

Johannes Paul II.

Literatur

  • Dietrich von Hildebrand, Reinheit und Jungfräulichkeit, Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet München 1927.
  • Josef Dillersberger: Wer es fassen kann... Gedanken über Jungfräulichkeit und Zölibat aus Schrift und Liturgie, Pustet Verlag Salzburg 1932 (268 Seiten, 3. Auflage)
  • Abt Raimund von Einsiedeln: Heilige Jungfrauschaft, Worte aus den ersten christlichn jahrhunderten über das jungfräuliche Leben, Verlag Ars Sacra Josef Müller München 1959 (32 Seiten; Imprimatur 19. November 1959)
  • F. A. Coulin: Die Gottesbraut, Beherzigungen über die Jungfräulichkeit, Übersetzt und vermehrt durch den Anhang 'Klosterleben in der Welt' von Jakob Ecker, Herder Verlag 1922 (7. und 8. Auflage; 554 Seiten).
  • Markus Prattes: Die christliche Jungfrau. Eine leicht faßliche, in Beispielen und Erzählungen anschaulich dargestellte Lebensanleitung für christliche Jungfrauen, verfaßt von Markus Prattes, Chorvikar und Domkaplan zu Graz, Ferstl Verlag Graz 1854 (228 Seiten).
  • Kaspar Scholl: Jungfräulichkeit ein christliches Lebensideal - Gedanken für Priester und gebildete Katholiken Herder Verlag 1914 (Mit Imprimatur; 235 Seiten).
  • Joseph Waldner: Jesus, die Krone der Jungfrauen. Vollständiges Lehr- und Gebetbuch für Jungfrauen, die in der Welt oder im Kloster leben. Bonifatius-Druckerei, Paderborn um 1904 (575 Seiten; 21. Auflage; 12. Auflage 1775).
  • Robert Quardt: Winke und Wege : Jungmädchengeschichten. Giesel Verlag Celle 1949 (112 Seiten; 2. Auflage).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Zölibat evtl. für Politiker
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