Kösel Verlag

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Kösel Verlag ist ein Buchhandel im bayerischen Deutschland. Seinen Namen erhielt er von Josef Kösel (1759; † 1825). Der Verlag hat seit 1927 seinen Sitz in München.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Kösel Verlag ging vermutlich 1593 gegründeten Hofbuchdruckerei des Benediktinerstifts Kempten (Typographia ducalis [Monasterii]) Campidonensis hervor. Die in den Kriegs Wirren des Dreißigjährigen Krieges 1632 zusammen mit der gesamten Klosteranlage vollständig zerstörte Druckerei wurde erst 1660 wieder aufgebaut. Bis zum Dezember 1802, als die Buchdruckerei im Zuge der Säkularisation an Bayern überging, blieb sie im Besitz der Fürstäbte von Kempten.

In Kurbayern

Im Jahre 1805 ersteigerte Josef Kösel, im Zuge der Säkularisation die mit neun Pressen ausgestattete Druckerei für 10.000 Gulden. Kösel war seit 1794 technischer Leiter der ehemals fürstäbtlichen Druckerei, das gesamte Unternehmen. Nach seinem Tod und dem zwischenzeitlichen Verkauf an Nikolaus Bail erwarb 1838 Johann Huber (1806-1864), der seit 1828 die Leitung der Druckerei innegehabt hatte, den Betrieb und führte ihn unter dem Namen "Kösel-Verlag" weiter. Die erste manuelle Schnellpresse wird 1857, die erste dampfbetriebene Presse 1869 und unter Verlagsleiter Ludwig Huber (1848-1900), der seit 1872 das Unternehmen leitete, 1880 eine Photochemiegraphie in Betrieb genommen. 1903 entstand die erste Verlagsniederlassung in München, durch Paul Huber (1875-1911), der ab 1901 die Firma leitete. Er erwarb eine Rotationsdruckmaschine für die Herstellung der ""Allgäuer Zeitung". Sein Bruder Hermann Huber (1883-1927) folgt ihm als Firmenleiter nach.

Bis ins 19. Jahrhundert bildeten Liturgica einen Schwerpunkt der Verlagsproduktion, obwohl auch die übrigen theologischen Gebiete, speziell Patristik und Katechetik, eine bedeutende Rolle spielten. Besonders hervorzuheben sind die beiden Ausgaben der Kirchenväter, die 1830-1853 in 39 Bänden und 1869-1889 in 89 Bänden herauskamen. Den größten Erfolg jedoch erzielte der Verlag Ende des 19. Jahrhunderts mit den Werken Sebastian Kneipps.

In der Weimarer Republik

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg führten 1920 zur Gründung einer Kommanditgesellschaft der Firmen Kösel (Kempten), Pustet (Regensburg), Isaria (München) und Lentner (München) mit dem Namen "Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet". 1927 trennten sich Kösel und Friedrich Pustet wieder; der Name wurde aber noch bis 1946 beibehalten. Der Verlag wurde in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts publizierte der Kösel-Verlag hauptsächlich kirchengeschichtliche und katechetische Werke. Die konfessionell geprägte Schöne Literatur war von untergeordneter Bedeutung.

Im Nationalsozialismus

Wie alle religiös geprägten Verlage sah sich auch der Kösel-Verlag der Verfolgung durch den Nationalsozialismus ausgesetzt. Zwischen 1933 und 1945 wurden ungefähr 30 Titel verboten. Auf Anordnung der Reichsschrifttumskammer wurde der Verlag 1936 in eine Kommanditgesellschaft (KG) zurückverwandelt; persönlich haftende Gesellschafter waren Mitglieder der Familie Huber. 1940 musste sich der Kösel-Verlag von seinem nichtreligiösen Schrifttum trennen und konnte sich nur noch als so genannter "katholischer" Verlag behaupten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1945 übernahm Heinrich Wild (1909-1975) die Leitung des Kösel-Verlags, auf ihn folgte 1975-2003 sein Sohn Christoph (geb. 1940). Inhaltliche, technische und verlagspolitische Veränderungen kennzeichneten die folgenden Jahrzehnte. So zählte der Kösel-Verlag sowohl zu den Gründungsmitgliedern der „Bücher der Neunzehn (1954) als auch des Deutschen Taschenbuchverlags (1960). Die ehemaligen Graphischen Werkstätten in Kempten sind seit 1982 wirtschaftlich und rechtlich getrennt und befinden sich im 21. Jahrhundert unter dem Namen Kösel GmbH & Co. KG in Krugzell (Gde. Altusried). Im Jahre 2001 wurde der Kösel-Verlag an die Deutsche Verlags-Anstalt GmbH verkauft. Seit November 2005 gehört er zur Verlagsgruppe Random-House GmbH.

Nach 1945 gewannen neben Theologie auch die Belletristik, Pädagogik und Philosophie zunehmend an Bedeutung. Der Kösel-Verlag stand anderen religiösen Autoren offen. Bei Kösel erschienen u.a. die Werke von Joseph Ratzinger.

Der Offsetdruck der „Graphischen Werkstätten“ der Firma Kösel in Kempten, fand 1963 Einzug. 1971 wurden sie um einen Neubau ergänzt und 1982 wirtschaftlich und rechtlich vom Verlag getrennt. Sie sie sind seit dem Heiligem Jahr 2000 unter dem Namen Kösel Buch GmbH & Co. KG mit Sitz in Krugzell als einer der führenden europäischen Buchhersteller verlagsübergreifend tätig.

Im Jahre 2001 wurde der Kösel Verlag von der Deutschen Verlags-Anstalt übernommen. Seit dem jahr 2005 gehört er zur Verlagsgruppe Random House GmbH im Bertelsmann-Konzern.

Seit Mitte der 1970er Jahre sind die Verlagsthemen Psychologie und Lebenshilfe, Leben mit Kindern sowie Religion und Spiritualität (mit Schulbüchern für den Religionsunterricht). Derzeit umfasst das Verlagsprogramm an die 800 Titel.

Literatur

  • Martin Kellenberger, Geschichte der Jos. Köselschen Buchhandlung ehemals Typographia Ducalis in Kempten 1593-1920, Kempten 1922.
  • 400 Jahre Kösel-Verlag 1593-1993, München 1993.
  • Christina Hofmann-Randall (Bearb.), Das Archiv des Verlags Kösel. Mit Schwerpunkt ab 1945 (Kataloge der Universitätsbibliothek Eichstätt 9,1), Wiesbaden 1993.
  • Wolfram Hummel, Geschichte des Kösel-Verlages, Magisterarbeit München 1992.

Weblinks