Kafarnaum

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Koordinaten: 32°52′50″ N 35°34′31″ E Die Stadt Kafarnaum spielt eine besondere Rolle im Leben und Wirken Christi. Die Evangelien berichten, dass Jesus zu Beginn seines öffentlichen Auftretens Nazareth verließ, um sich in Kafarnaum niederzulassen (Mt 4,13). Kafarnaum ist nicht nur Schauplatz vieler Ereignisse des öffentlichen Auftretens Jesu, sondern auch ein Ort, an dem die Urkirche ihre ersten Schritte tat. Sowohl durch seine Schönheit als auch wegen seiner besonderen spirituellen Bedeutung gehört er zu den wichtigsten Stätten des Christentums im Hl. Land.

Die Ausgrabungen von Kafarnaum liegen am nord-westlichen Ufer vom See Genezareth. Vermutlich im 2. Jh. vor Christus gegründet, war Kafarnaum zur Zeit Jesu ein Fischerdorf und ein reges Handelszentrum an der kaiserlichen Straße nach Damaskus.

In Kafarnaum berief Jesus seine ersten Jünger (Mt 4, 18 ff). Sie war die Heimat der Apostel Simon (Petrus), seines Bruders Andreas sowie von Johannes und Jakobus, den Söhnen des Zebedäus, die alle von Beruf Fischer waren. Levi, später genannt Matthäus, war Zöllner in dem Städtchen am Ufer des Sees, als auch er gerufen wurde, Jesu zu folgen (Mk 2,13 ff). Jesus machte Kafarnaum zu „seiner Stadt“, wie es Matthäus schreibt (Mt 9,1). Als Lebensmittelpunkt in der Zeit seines öffentlichen Wirkens wurden Kafarnaum und die umliegende Gegend Schauplatz zahlreicher Taten, Wunder und Lehren Jesu. Das Ufer des See Genezareth ist aber auch der Ort der bewegenden Begegnung des Auferstandenen mit den Jüngern, von der uns das Johannes-Evangelium berichtet (Joh 21).

Es ist wahrscheinlich, dass Jesus in Kafarnaum im Haus des Petrus wohnte. Auf jeden Fall heilte er dort die Schwiegermutter des Apostels (Mk 1,29 ff) und einen Gelähmten, der ihm durch eine Dachöffnung hineingereicht wurde (Mk 2,1 ff). Dieses Haus wurde bereits von den ersten Christen in eine Hauskirche umgewandelt und in byzantinischer Zeit in ein achteckiges Kirchlein umgebaut. Das Gebäude ist allerdings Anfang des 7. Jh., wahrscheinlich beim Einfall der Perser, zerstört worden.

Kafarnaum wurde im 8. Jh. durch ein Erdbeben zerstört. Zwar wieder aufgebaut, muss Kafarnaum aus unbekannten Gründen einige Zeit später wie aufgegeben worden sein. Ein Pilger aus dem 13. Jh. berichtet nur noch von ein paar ärmlichen Hütten in Kafarnaum. Nach der Kreuzfahrerzeit verschwand es sogar ganz und geriet in Vergessenheit. Erst im 19. Jh. wurden die Überreste von Kafarnaum wieder entdeckt. 1893 erwarben die Franziskaner der Kustodie des Heiligen Landes das Gelände.

Die archäologische Stätte Kafarnaum

Die verschiedenen Ausgrabungen, die in Kafarnaum durch das Studium Biblicum der Franziskaner durchgeführt wurden, haben viel über den Alltag in dem antiken Städtchen offenbart. Es wurden zahlreiche Gebrauchsgegenstände aus seiner wechselvollen Geschichte gefunden (Gefäße, Münzen, Mosaiken...). Die archäologische Stätte selbst weist, neben Überresten vieler Häuser und Gassen, eine großen Synagoge aus dem 5. Jh. auf. Sie wurde über einer älteren errichtet, in der Jesus selbst gelehrt haben wird. Der für das Christentum wichtigste Fund ist allerdings das Haus des Apostels Petrus, in dem Jesus sicherlich viel Zeit verbrachte. Noch sehr gut zu sehen sind die Grundmauern des Hauses und der darüber gebauten achteckigen Kirche aus byzantinischer Zeit.

Das Ausgrabungsgelände ist heute der Öffentlichkeit zugänglich. Eine moderne Kirche schwebt über den Resten des Hauses des Simon Petrus und ermöglicht es den Pilgern, an diesem Ort zu meditieren und zu beten. Die Kustodie des Heiligen Landes ist Eigentümerin des Grundstückes und verantwortlich für die Erhaltung dieser biblischen Stätte.


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