Kirchen oder Kirchliche Gemeinschaften?

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In der ökumenischen Diskussion über die päpstliche Enzyklika Dominus Iesus hat nichts so hohe Wellen geschlagen wie die angebliche Zurücknahme der Bezeichnung Kirchen für die aus der Reformation entstandenen Gemeinschaften. Schon die bloße Anzeige des hier vorliegenden Problems wurde und wird von evangelischer Seite als Abwertung und Kränkung wahrgenommen.

Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., hat demgegenüber unermüdlich darauf hingewiesen, dass es hier nicht um die Bewertung von Menschen und Christen geht, sondern um die Klarheit der Sprache. Es helfe niemandem, sondern erzeuge nur Missverständnisse, wenn für verschiedene Begriffe das gleiche Wort verwendet werde.

Auch nach katholischer Auffassung kann in einem weiteren, vorläufigen Sinn das Wort Kirche für alle Gemeinschaften verwendet werden, die Christus als den Herrn bekennen, Gott als den Dreifaltigen anbeten und wenigstens durch die Taufe in einer gewissen sakramentalen Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche stehen. Darüberhinaus wird von Kirche häufig zitatartig gesprochen, wenn einfach die Selbstbezeichnung der betreffenden Gemeinschaft übernommen wird.

Kirche im theologisch qualifizierten Sinn ist nach katholischem Glauben jedoch ein Geheimnis (Mysterium), das von nichtkatholischer Seite explizit abgelehnt wird: die leibhaft-sichtbare Gegenwart des menschgewordenen, gekreuzigten und auferstandenen Herrn bis zum Ende der Zeiten. Die Kirche empfängt ihr Sein immer neu in den Sakramenten, vor allem in der Eucharistie, und ist selbst das Grundsakrament, wirksames Heilszeichen für die Welt. Die Kirche hat von ihrem Herrn im Heiligen Geist auch die Definitionsvollmacht (Schlüsselgewalt) erhalten, um ihre sichtbare Gestalt und ihre Grenzen festzulegen – in Ausübung des unbedingten Heilswillens Christi, der leibhaft auffindbar und "genießbar" sein will für alle, die ihn suchen.

Trotz aller Defizite kann daher die Einheit der Kirche, um die Christus mit hohepriesterlicher Vollmacht gebetet hat, nicht wirklich verloren gehen, und der Bezugspunkt aller Bemühungen um Überwindung der historischen Spaltungen, wie auch immer ihr Ergebnis konkret einmal aussehen mag, kann nur das Petrusamt sein.

Dies alles, was katholische Christen meinen, wenn sie Kirche sagen, wird von evangelischen Christen nicht geteilt und mehr oder weniger entschieden abgelehnt. Ihnen ist Kirche eine unsichtbare Größe, deren Einheit sich durch evangeliumsgemäße Verkündigung von Mal zu Mal ereignet. Taufe und Abendmahl sind Zeichen, die der Wirksamkeit der Wortverkündigung, sofern sie im Glauben angenommen wird, nichts hinzufügen. Ob und inwiefern deren Feier kirchlich rechtens und gültig ist, ist daher für den Glauben unerheblich. Ein Lehramt der Gesamtkirche, das über die Evangeliumsgemäßheit der Verkündigung entscheidet, gibt es nicht und kann es nicht geben. Grobe Irrlehren sollen durch lokale und regionale Autoritäten zurückgewiesen werden.

Die Aussage, dass evangelische Kirchen nicht im katholischen Sinn Kirche sind, nimmt diesen also nichts weg, was sie nicht sowieso und von sich aus schon ablehnen.

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