Klavier

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Flügel (links) und Klavier (rechts)

Klavier (von lateinisch clavis = Schlüssel, im übertragenen Sinne auch Taste, bezeichnet im allgemeinen Sinne zunächst ein beliebiges Tasteninstrument, wird jedoch heute im engeren Sinne vorwiegend für die Nachfahren des gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Florenz erfundenen Hammerklaviers verwendet, bei welchem auf Tastendruck über eine spezielle Klaviermechanik Hämmerchen gegen Saiten über einem Resonanzboden geschlagen werden. Da es durch diese Technik im Unterschied etwa zum Cembalo möglich wurde, laut (forte) und leise (piano) zu spielen, nannte man dieses Instrument auch Pianoforte. Heute wird es oft kurz Piano genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorformen

Besaitete Tasteninstrumente werden auf das Monochord zurückgeführt. Mehrere Monochorde entwickelten sich zur beidhändig gespielten Floß- oder Röhrenzither weiter. Daraus entstanden in der Antike einerseits mit Tasten gespielte Orgeln, andererseits verschiedene gezupfte, geschlagene oder gestrichene Saiteninstrumente, darunter das Psalterium.

Die Drehleier (Organistrum) aus dem 12. Jahrhundert, ein Geigenähnliches Instrument mit durch Tangententasten veränderbaren Saitenlängen, gilt als Zwischenglied der Entstehung besaiteter Tasteninstrumente. 1397 erwähnt ein Jurist in Padua erstmals ein mit Tasten bedientes Psalterium. 1404 beschrieben die Minneregeln des Eberhard von Cersne erstmals ein clavicordium und clavicymbolum. 1425 erschien ein solches Instrument auf einem Altarbild in Minden, 1440 beschrieb Arnaut Henri de Zwolle diese neue Instrumentengattung in einem Traktat, darunter auch ein mit einer Hammermechanik bedientes, dem Hackbrett verwandtes Dulce melos.

Durch Hinzufügen einer Tastatur entwickelten sich im Spätmittelalter aus dem Monochord und dem Psalterium das Clavichord. Dabei schlagen fest mit der Taste verbundene Tangenten die Saiten an. In der Renaissance wird das Cembalo sowie deren Varianten Clavicytherium, Spinett und Virginal entwickelt, bei denen der Ton durch Anreißen der Saiten mit einem Kiel erzeugt wird.

Moderne Hauptform

Die Flügelform des Cembalos wurde schließlich zum Vorbild für die ersten Klaviere (Tafelkavier). Hinsichtlich der Anschlagsart gehört das Klavier zu den Tasteninstrumenten, hinsichtlich der Klangerzeugung ist das Klavier ein Schlaginstrument und hinsichtlich des schwingenden Mediums ein Saiteninstrument.

Die modernen Hauptformen des Klaviers sind der Flügel (englisch grand piano) und das Pianino (englisch upright piano). Letzteres wird umgangssprachlich oft einfach mit dem Klavier gleichgesetzt.

Seit dem 19. Jahrhundert stehen Klaviere und Flügel im Blickfeld des bürgerlichen kulturellen Enagements bei Konzerten, Soloabenden und als Begleitinstrumente für die Chöre. Klavierbauer wie Julius Blüthner (Leipzig), Carl Bechstein (Berlin), Engelhard Steinweg (Seesen) und Ignaz Bösendorfer (Wien) produzierten seit der ersten internationalen Weltausstellung 1867 in Paris Klaviere und Flügel in großen Stückzahlen. Steinweg wanderte im Zuge der Auswandererbewegung in die USA aus und gründete seinen Betrieb "Steinway" in New York. Weitere Niederlassungen folgten in London und Hamburg. Diese, von Pianisten wie Franz Liszt, Hans von Bülow, Johannes Brahms oder Artur Rubinstein geschätzten Instrumente fanden bald internationale Anerkennung.[1]

Elektronisches Klavier

Eine charakteristische Entwicklung des 20. Jahrhunderts sind die elektronischen Tasteninstrumente. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde, nach dem Entdecken der Elektrizität, mit deren neuen Möglichkeiten experimentiert. So wurde zunächst das Rhodes Piano und das Keyboard entwickelt.

In den 1980er-Jahren begann die Entwicklung des Digitalpianos. Im Gegensatz zu früheren Neuentwicklungen in der Geschichte des Klaviers, ist das Ziel hierbei nicht die Verbesserung des Bestehenden oder die Erschaffung von etwas Neuem, sondern das Original möglichst genau zu imitieren.

Verwendung

Wird der Flügel zumeist im konzertanten Rahmen (Klavierkonzert) eingesetzt, findet das Klavier überwiegend im häuslichen und schulischen Bereich Verwendung. Im kirchenmusikalischen Alltag wird es häufig für die Probenarbeiten mit der Kantorei (Chorarbeit) eingesetzt. Aber auch beim Neuen Geistlichen Lied oder in Konzerten findet es in der Kirche neben dem Hauptinstrument, der Orgel, seine Verwendung.

Literatur

  • Christoph Kammertöns, Siegfried Mauser (Hrsg.): Lexikon des Klaviers. Baugeschichte – Spielpraxis – Komponisten und ihre Werke – Interpreten. Laaber-Verlag, Laaber 2006, ISBN 3-89007-543-6.
  • Ludger Stühlmeyer, Historische Flügel im Dienst bürgerlich kulturellen Engagements. In: Curia sonans. Heinrichs-Verlag Bamberg 2010, ISBN 978-3-89889-155-4.
  • Klaus Wolters, Das Klavier. Eine Einführung in Geschichte und Bau des Instruments und in die Geschichte des Klavierspiels. Verlag Hallwag, Bern 1975, ISBN 3-444-10087-6.

Anmerkungen

  1. Curia sonans. Bamberg 2010, S. 238f.
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