Kongregation für die Glaubenslehre

Aus Kathpedia
(Unterschied zwischen Versionen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Geschichte)
(Mons. Patrick Descourtieux)
 
(26 dazwischenliegende Versionen von 11 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Image:Glaubenskongregation.jpg|thumb|right|Glaubenskongregation]]
+
[[Datei:Glaubenskongregation.jpg|thumb|right|Glaubenskongregation]]
 +
'''[[Datei:Gegenwärtiger Papst-Wappen.jpg|thumb|right|Wappen des gegenwärtigen Papstes]]'''
  
Die '''Kongregation für die Glaubenslehre''' (''Glaubenskongregation'') ist eine von neun Kongregationen an der [[Römische Kurie|Römischen Kurie]]. Der ursprüngliche Name lautete "Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis". Im öffentlichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung "Inquisition" durch.
+
'''Kongregation für die Glaubenslehre''' (''Congregatio pro doctrina fidei'', ''Glaubenskongregation'') nennt sich das oberste Organ an der [[Römische Kurie|Römischen Kurie]]. Der ursprüngliche Name lautete ''Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis''. Im öffentlichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung "Inquisition" durch.
  
 
Der [[Präfekt]] der Glaubenskongregation ist von Amts wegen auch Präsident der [[Päpstliche Bibelkommission|Päpstlichen Bibelkommission]] und der [[Internationale Theologenkommission|Internationalen Theologenkommission]], deren Sekretariat und Sitz bei dem Dikasterium ist.
 
Der [[Präfekt]] der Glaubenskongregation ist von Amts wegen auch Präsident der [[Päpstliche Bibelkommission|Päpstlichen Bibelkommission]] und der [[Internationale Theologenkommission|Internationalen Theologenkommission]], deren Sekretariat und Sitz bei dem Dikasterium ist.
 +
 +
Der heilige [[Papst]] [[Pius V.]] ist der [[Patron]] der Glaubenskongregation.<ref> [http://www.kath.net/news/41122 Erzbischof Müller: Glaubenskongregation muss Glauben fördern] [[Kath.net]] am 30. April 2013</ref>
  
 
== Geschichte ==  
 
== Geschichte ==  
Die ''Heilige Inquisition'' war eine jahrhundertelang eingesetzte Organisation, um die Kirche von [[Häresie]]n und Irrglauben zu reinigen. Sie wurde 1231 von Papst [[Gregor IX.]] offiziell gegründet und, nach wechselvollem Geschick in den unterschiedlichen Ländern Europas, durch Papst [[Paul III.]] mit der Konstitution ''Licet ab initio'' vom 21. Juli 1542 in der Neuzeit als erste Kongregation neu strukturiert.  
+
Die ''Heilige Inquisition'' war eine jahrhundertelang eingesetzte Organisation, um die Kirche von [[Häresie]]n und Irrglauben zu reinigen. Sie wurde 1231 von Papst [[Gregor IX.]] offiziell gegründet und, nach wechselvollem Geschick in den unterschiedlichen Ländern Europas, durch Papst [[Paul III.]] mit der Konstitution ''Licet ab initio'' vom 21. Juli 1542 in der Neuzeit als erste Kongregation neu strukturiert; als solche wurde sie in der Kurienreform [[Sixtus V.]] 1588 bestätigt.
  
 
Papst [[Pius X.]] hat mit der zwecks [[Kurienreform]] veröffentlichten Apostolischen Konstitution [[Sapienti consilio]] vom 29. Juni 1908 Kongregation in "''Sacra Congregatio Sancti Officii''" ('''Heiliges Offizium''') umbenannt; Papst Benedikt XV. übertrug ihr die Befugnisse der von ihm aufgelösten [[Index]]kongregation. Nach dem [[Zweites Vatikanisches Konzil|Zweiten Vatikanischen Konzil]] hat Papst [[Paul VI.]] mit dem Motu Proprio [[Integrae servandae]] vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation wiederum neu geordnet und dabei den ''Index verbotener Bücher'' als rechtlich wirksames Instrument abgeschafft. Seit diesem Zeitpunkt hat sie auch den gegenwärtigen Namen. Erster Präfekt wurde der vorherige Sekretär des Hl. Offiziums, der überaus kompetente Kirchenrechtler, aus der Schule von [[Pietro Gasparri]], Kardinal [[Alfredo Ottaviani]] (Präfekt des Hl. Offiziums war zuvor der Papst selber), der bis 1969 im Amt blieb. Sein Nachfolger war der kroatische Kurienkardinal [[Franjo Seper]], diesem folgte 1982 Kardinal [[Joseph Ratzinger]] (bis 2005).
 
Papst [[Pius X.]] hat mit der zwecks [[Kurienreform]] veröffentlichten Apostolischen Konstitution [[Sapienti consilio]] vom 29. Juni 1908 Kongregation in "''Sacra Congregatio Sancti Officii''" ('''Heiliges Offizium''') umbenannt; Papst Benedikt XV. übertrug ihr die Befugnisse der von ihm aufgelösten [[Index]]kongregation. Nach dem [[Zweites Vatikanisches Konzil|Zweiten Vatikanischen Konzil]] hat Papst [[Paul VI.]] mit dem Motu Proprio [[Integrae servandae]] vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation wiederum neu geordnet und dabei den ''Index verbotener Bücher'' als rechtlich wirksames Instrument abgeschafft. Seit diesem Zeitpunkt hat sie auch den gegenwärtigen Namen. Erster Präfekt wurde der vorherige Sekretär des Hl. Offiziums, der überaus kompetente Kirchenrechtler, aus der Schule von [[Pietro Gasparri]], Kardinal [[Alfredo Ottaviani]] (Präfekt des Hl. Offiziums war zuvor der Papst selber), der bis 1969 im Amt blieb. Sein Nachfolger war der kroatische Kurienkardinal [[Franjo Seper]], diesem folgte 1982 Kardinal [[Joseph Ratzinger]] (bis 2005).
Zeile 14: Zeile 17:
 
In der Darstellung ihrer Geschichte überwogen in den letzten 200 Jahren die negativen Aspekte, die heute die allgemeine Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch bestimmen. Die wildromantische Vorstellung, als hätten das ganze [[Mittelalter]] hindurch fast in jedem Landstrich permanent nur Scheiterhaufen gebrannt und als sei es die Hauptbetätigung der Inquisition gewesen, möglichst viele Ketzer hinzurichten, ist aber eine grobe Verzerrung. Die Gesamtzahl der Opfer entspricht seit Gründung der ''Römischen Inquisition'' 1542 ungefähr der Zahl, die allein Mao tse-Tung während seiner Diktatur in China in 40 Minuten (!) vernichtete (so: [[Manfred Lütz]]) und diese wurde selbst vom Terrorjahr 1793 der frz. Revolution massiv übertroffen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer aus heutiger Sicht unentschuldbar und nicht "aufrechenbar", da das [[Evangelium]] von der Liebe Gottes nur ohne Gewalt (und ohne "helfende" Inanspruchnahme der Staatsgewalt) glaubhaft zu verkündigen ist.
 
In der Darstellung ihrer Geschichte überwogen in den letzten 200 Jahren die negativen Aspekte, die heute die allgemeine Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch bestimmen. Die wildromantische Vorstellung, als hätten das ganze [[Mittelalter]] hindurch fast in jedem Landstrich permanent nur Scheiterhaufen gebrannt und als sei es die Hauptbetätigung der Inquisition gewesen, möglichst viele Ketzer hinzurichten, ist aber eine grobe Verzerrung. Die Gesamtzahl der Opfer entspricht seit Gründung der ''Römischen Inquisition'' 1542 ungefähr der Zahl, die allein Mao tse-Tung während seiner Diktatur in China in 40 Minuten (!) vernichtete (so: [[Manfred Lütz]]) und diese wurde selbst vom Terrorjahr 1793 der frz. Revolution massiv übertroffen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer aus heutiger Sicht unentschuldbar und nicht "aufrechenbar", da das [[Evangelium]] von der Liebe Gottes nur ohne Gewalt (und ohne "helfende" Inanspruchnahme der Staatsgewalt) glaubhaft zu verkündigen ist.
  
Ein Beispiel: die Opfer der Inquisition beziffert [[Arnold Angenendt]] mit '''97''' (1542-1761; nur ''römische'' Inquisition!) und um 6.000, sofern es um die gefürchtete ''spanische'' Inquisition geht. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zuviel; aber es verblüfft doch schon, wenn man bedenkt, wie ohne Sinn und Verstand horrende Zahlen in die Welt gesetzt wurden, ohne dass etwas dahinter steckt und wieviele Leute (auch und gerade brave Katholiken) dies dann glauben.
+
Ein Beispiel: die Opfer der Inquisition beziffert [[Arnold Angenendt]] mit '''97''' (1542-1761; nur ''römische'' Inquisition!) und um 6.000, sofern es um die gefürchtete ''spanische'' Inquisition geht. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zuviel; aber es verblüfft doch schon, wenn man bedenkt, wie ohne Sinn und Verstand horrende Zahlen in die Welt gesetzt wurden, ohne dass etwas dahinter steckt und wieviele Leute (auch und gerade brave Katholiken) dies dann glauben.  
  
Einschließlich der Opfer des [[Hexenwahn]]s, der ja kein christliches oder gar kein katholisches Phänomen war, sondern ein "germanisches" (in Italien oder Spanien war Hexerei kaum Thema) ist zu sagen: Angenendt beziffert die Zahl, wie andere seriöse Forscher auch, auf etwa 50.000, darunter rund ein Viertel Männer. (Die mitunter verbreitete, irrwitzige Zahl von 6 Mio. verbrannten "Hexen" geht übrigens auf die nationalsozialistische Hetze gegen die Kirche zurück.)
+
Einschließlich der Opfer des [[Hexenwahn]]s, der ja kein christliches oder gar katholisches Phänomen war, sondern ein Phänomen des Aberglaubens war, ist zu sagen: Angenendt beziffert die Zahl, wie andere seriöse Forscher auch, auf etwa 50.000, darunter rund ein Viertel Männer. (Die mitunter verbreitete, gewaltige Zahl von 6.- 9. Millionen Toten rührt zum einen von bewußter Hetze gegen die Kirche, als auch von Missverständnissen her. So wurden bereits im 18. Jh. Zahlen von rund 9 Millionen Toten genannt. Dies rührte daher, dass man alle Prozesse mit Todesurteilen gleichsetzte!) .
  
Jüngere Literatur bemüht sich um eine ausgewogenere Sicht, wenn auch z.B. bei [[Hans Conrad Zander]] bisweilen in einer eher ironisierenden Darstellungsweise. Demnach agierte die Inquisition in relativer Hinsicht sogar eher fortschrittlich, in rechtsförmlichen Verfahren, und war keineswegs typischerweise übereifrig. Auch der Neuseeländer [[Peter Godman]] hat die Geschichte der modernen Inquisition anhand gravierender Fälle (von [[Galilei]] bis [[Graham Greene]]) nachgezeichnet. In der Geschichte der ''spanischen Inquisition'' vermengen sich jedoch königlich-herrschaftliche und explizit kirchliche Interessen stärker als bei der römischen "Zentrale".
+
Jüngere Literatur bemüht sich um eine ausgewogenere Sicht, wenn auch z.B. bei [[Hans Conrad Zander]] bisweilen in einer eher ironisierenden Darstellungsweise. Demnach agierte die Inquisition in relativer Hinsicht sogar eher fortschrittlich, in rechtsförmlichen Verfahren, und war keineswegs typischerweise übereifrig. Auch der Neuseeländer [[Peter Godman]] hat die Geschichte der modernen Inquisition anhand gravierender Fälle (von [[Galilei]] bis [[Graham Greene]]) nachgezeichnet. In der Geschichte der ''spanischen Inquisition'' vermengen sich jedoch königlich- herrschaftliche und explizit kirchliche Interessen stärker als bei der römischen "Zentrale".
  
 
In Deutschland blieb die Inquisition weitgehend unbedeutend, abgesehen von unrühmlichen Exzessen in der [[Hexenverfolgung]], die jedoch ein frühneuzeitliches Phänomen war, an dem sich auch nichtkatholische Kräfte massiv beteiligten.
 
In Deutschland blieb die Inquisition weitgehend unbedeutend, abgesehen von unrühmlichen Exzessen in der [[Hexenverfolgung]], die jedoch ein frühneuzeitliches Phänomen war, an dem sich auch nichtkatholische Kräfte massiv beteiligten.
 +
 +
==Literatur==
 +
* [[Hans Conrad Zander]]: Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition (192 Seiten; bei [[Media Maria Verlag]]).
 +
* Fernand Hayward: Was muss man über die Inquisition wissen. (= Bibliothek Ekklesia, Band 15). [[Pattloch  Verlag]] Aschaffenburg 1959 (143 Seiten).
  
 
== Mitglieder ==
 
== Mitglieder ==
  
Die Glaubenskongregation hat 23 Mitgliedern: [[Kardinal|Kardinäle]], [[Erzbischof|Erzbischöfe]] und [[Bischof|Bischöfe]] aus 14 verschiedenen Nationen. Der [[Präfekt]] der Kongregation ist Kardinal [[William Levada]], der frühere Erzbischof von San Francisco. Sekretär war bis 2008 Erzbischof Mgr. [[Angelo Amato]] S.D.B., sein Nachfolger ist P. [[Luis Ladaria Ferrer]] S.J.; Untersekretär P. [[Joseph Augustine Di Noia]] [[OP]] und ''Promotor Iustitiae'' Mons. [[Charles Scicluna]]. Derzeit arbeiten 37 Mitarbeiter an der Glaubenskongregation. Das [[Dikasterium]] wird von einem Kollegium von 33 Konsultoren beraten. In der Regel sind diese Professoren an den Päpstlichen Fakultäten in Rom.
+
Die Glaubenskongregation hat 23 Mitglieder: [[Kardinal|Kardinäle]], [[Erzbischof|Erzbischöfe]] und [[Bischof|Bischöfe]] aus 14 verschiedenen Nationen. Der [[Präfekt]] der Kongregation ist Kardinal [[William Levada]], der frühere Erzbischof von San Francisco. Sekretär war bis 2008 Erzbischof Mgr. [[Angelo Amato]] S.D.B., sein Nachfolger ist P. [[Luis Ladaria Ferrer]] S.J.; Untersekretär P. [[Joseph Augustine Di Noia]] [[OP]] und ''Promotor Iustitiae'' Mons. [[Charles Scicluna]]. Derzeit arbeiten 37 Mitarbeiter an der Glaubenskongregation. Das [[Dikasterium]] wird von einem Kollegium von 33 Konsultoren beraten. In der Regel sind diese Professoren an den Päpstlichen Fakultäten in Rom.
  
 
== Präfekten seit 1965 ==
 
== Präfekten seit 1965 ==
Zeile 30: Zeile 37:
 
[zuvor führte der Papst '''selbst''' den Vorsitz]
 
[zuvor führte der Papst '''selbst''' den Vorsitz]
  
*Kardinal [[Alfredo Ottaviani]] (1965-69, ital.)
+
*Kardinal [[Alfredo Ottaviani]] (1965-69, ital.; zuvor seit 1953 ihr ''Sekretär'')
 
*Kardinal [[Franjo Seper]] (1969-81, kroat.)
 
*Kardinal [[Franjo Seper]] (1969-81, kroat.)
 
*Kardinal [[Joseph Ratzinger]] (1981-2005, dt.)
 
*Kardinal [[Joseph Ratzinger]] (1981-2005, dt.)
*Kardinal [[William Levada]] (amerik., 2005- )
+
*Kardinal [[William Levada]] (2005-2012, amerik.)
 +
*Kardinal [[Gerhard Ludwig Müller]] (ab 2012-2017, dt.)
 +
*Kardinal [[Luis Ladaria Ferrer]] (ab 2017)
  
 
== weitere Leitung ==
 
== weitere Leitung ==
Zeile 47: Zeile 56:
 
* Der disziplinäre Bereich
 
* Der disziplinäre Bereich
 
* Die Ehesektion
 
* Die Ehesektion
 +
 +
Seit 19. Januar 2019 übernimmt die [[Glaubenskongregation]] die Aufgaben der Kommission [[Ecclesia Dei]]. Die Kongregation hat sich ab dieser Zeit direkt um die Wiedereingliederung traditionalistischer Gruppen in die römisch-katholische Kirche zu bemühen, da die von der Kommission behandelten Ziele und Fragen vorwiegend lehrmäßiger Natur seien.<ref>[http://www.kath.net/news/66632 Papst löst Kommission 'Ecclesia Dei' auf und regelt Dialog neu] [[Kath.net]] am 19. Januar 2019</ref> [[Papst Franziskus]] ernannte im April 2019 Mons. Patrick Descourtieux (einen früheren Mitarbeiter der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“) zum Leiter der Abteilung in der Glaubenskongregation, die für die Verbindung mit den traditionsorientierten Gemeinschaften, die in voller Gemeinschaft mit Rom sind, als auch mit jenen, die außerhalb stehen.<ref>[http://www.kath.net/news/67586 Vatikan: Neuer Ansprechpartner für Traditionalisten] [[Kath.net]] am 10. April 2019</ref>
  
 
== Kontakt ==
 
== Kontakt ==
  
Palazzo del Sant'Uffizio <br>
+
Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation
00120 Città del Vaticano
+
 
 +
Piazza del S. Uffizio, 11, 00193 Rom, Italien
 +
 
 +
phone: (011) 39-06-6988-3357
 +
 
 +
phone: (011) 39-06-6988-3413
 +
 
 +
Fax: (011) 39-06-6988-3409
 +
 
 +
E-mail: cdf@cfaith.va
 +
 
 +
== Zitate ==
  
E-mail: cdf@cfaith.va
+
''"Auch die Beschäftigung mit der Inquisition kann den Glauben an die göttliche Gründung der Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in den eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und dabei nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein."''  (P. Eberhardt von Gemmingen SJ)
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==
Eine fünfteilige Serie des Deutschlandfunks zur „Heiligen Inquisition“:
 
*[http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/11/12/dlf_20071112_0941_e364913b.mp3 Sendung 1]
 
*[http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/11/13/dlf_20071113_0944_037c5d6c.mp3 Sendung 2]
 
*[http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/11/14/dlf_20071114_0943_e3926158.mp3 Sendung 3]
 
*[http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/11/15/dlf_20071115_0949_2393a99f.mp3 Sendung 4]
 
*[http://ondemand-mp3.dradio.de/podcast/2007/11/16/dlf_20071116_0950_d394a5ca.mp3 Sendung 5]
 
 
*[http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_pro_14071997_ge.html Offizielle Website]
 
*[http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_pro_14071997_ge.html Offizielle Website]
 +
* [http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kardinal-levada-glaubenskongregation-ist-wichtig Kardinal Levada: Glaubenskongregation ist wichtig] [[Katholisch.de]] am 18. Januar 2017
  
 +
== Anmerkungen ==
 +
<references />
  
 
[[Kategorie:Römische Kurie]]
 
[[Kategorie:Römische Kurie]]

Aktuelle Version vom 10. April 2019, 13:10 Uhr

Glaubenskongregation
Wappen des gegenwärtigen Papstes

Kongregation für die Glaubenslehre (Congregatio pro doctrina fidei, Glaubenskongregation) nennt sich das oberste Organ an der Römischen Kurie. Der ursprüngliche Name lautete Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis. Im öffentlichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung "Inquisition" durch.

Der Präfekt der Glaubenskongregation ist von Amts wegen auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission, deren Sekretariat und Sitz bei dem Dikasterium ist.

Der heilige Papst Pius V. ist der Patron der Glaubenskongregation.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Heilige Inquisition war eine jahrhundertelang eingesetzte Organisation, um die Kirche von Häresien und Irrglauben zu reinigen. Sie wurde 1231 von Papst Gregor IX. offiziell gegründet und, nach wechselvollem Geschick in den unterschiedlichen Ländern Europas, durch Papst Paul III. mit der Konstitution Licet ab initio vom 21. Juli 1542 in der Neuzeit als erste Kongregation neu strukturiert; als solche wurde sie in der Kurienreform Sixtus V. 1588 bestätigt.

Papst Pius X. hat mit der zwecks Kurienreform veröffentlichten Apostolischen Konstitution Sapienti consilio vom 29. Juni 1908 Kongregation in "Sacra Congregatio Sancti Officii" (Heiliges Offizium) umbenannt; Papst Benedikt XV. übertrug ihr die Befugnisse der von ihm aufgelösten Indexkongregation. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio Integrae servandae vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation wiederum neu geordnet und dabei den Index verbotener Bücher als rechtlich wirksames Instrument abgeschafft. Seit diesem Zeitpunkt hat sie auch den gegenwärtigen Namen. Erster Präfekt wurde der vorherige Sekretär des Hl. Offiziums, der überaus kompetente Kirchenrechtler, aus der Schule von Pietro Gasparri, Kardinal Alfredo Ottaviani (Präfekt des Hl. Offiziums war zuvor der Papst selber), der bis 1969 im Amt blieb. Sein Nachfolger war der kroatische Kurienkardinal Franjo Seper, diesem folgte 1982 Kardinal Joseph Ratzinger (bis 2005).

[Bearbeiten] Zur Geschichte der Heiligen Inquisition

In der Darstellung ihrer Geschichte überwogen in den letzten 200 Jahren die negativen Aspekte, die heute die allgemeine Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch bestimmen. Die wildromantische Vorstellung, als hätten das ganze Mittelalter hindurch fast in jedem Landstrich permanent nur Scheiterhaufen gebrannt und als sei es die Hauptbetätigung der Inquisition gewesen, möglichst viele Ketzer hinzurichten, ist aber eine grobe Verzerrung. Die Gesamtzahl der Opfer entspricht seit Gründung der Römischen Inquisition 1542 ungefähr der Zahl, die allein Mao tse-Tung während seiner Diktatur in China in 40 Minuten (!) vernichtete (so: Manfred Lütz) und diese wurde selbst vom Terrorjahr 1793 der frz. Revolution massiv übertroffen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer aus heutiger Sicht unentschuldbar und nicht "aufrechenbar", da das Evangelium von der Liebe Gottes nur ohne Gewalt (und ohne "helfende" Inanspruchnahme der Staatsgewalt) glaubhaft zu verkündigen ist.

Ein Beispiel: die Opfer der Inquisition beziffert Arnold Angenendt mit 97 (1542-1761; nur römische Inquisition!) und um 6.000, sofern es um die gefürchtete spanische Inquisition geht. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zuviel; aber es verblüfft doch schon, wenn man bedenkt, wie ohne Sinn und Verstand horrende Zahlen in die Welt gesetzt wurden, ohne dass etwas dahinter steckt und wieviele Leute (auch und gerade brave Katholiken) dies dann glauben.

Einschließlich der Opfer des Hexenwahns, der ja kein christliches oder gar katholisches Phänomen war, sondern ein Phänomen des Aberglaubens war, ist zu sagen: Angenendt beziffert die Zahl, wie andere seriöse Forscher auch, auf etwa 50.000, darunter rund ein Viertel Männer. (Die mitunter verbreitete, gewaltige Zahl von 6.- 9. Millionen Toten rührt zum einen von bewußter Hetze gegen die Kirche, als auch von Missverständnissen her. So wurden bereits im 18. Jh. Zahlen von rund 9 Millionen Toten genannt. Dies rührte daher, dass man alle Prozesse mit Todesurteilen gleichsetzte!) .

Jüngere Literatur bemüht sich um eine ausgewogenere Sicht, wenn auch z.B. bei Hans Conrad Zander bisweilen in einer eher ironisierenden Darstellungsweise. Demnach agierte die Inquisition in relativer Hinsicht sogar eher fortschrittlich, in rechtsförmlichen Verfahren, und war keineswegs typischerweise übereifrig. Auch der Neuseeländer Peter Godman hat die Geschichte der modernen Inquisition anhand gravierender Fälle (von Galilei bis Graham Greene) nachgezeichnet. In der Geschichte der spanischen Inquisition vermengen sich jedoch königlich- herrschaftliche und explizit kirchliche Interessen stärker als bei der römischen "Zentrale".

In Deutschland blieb die Inquisition weitgehend unbedeutend, abgesehen von unrühmlichen Exzessen in der Hexenverfolgung, die jedoch ein frühneuzeitliches Phänomen war, an dem sich auch nichtkatholische Kräfte massiv beteiligten.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Mitglieder

Die Glaubenskongregation hat 23 Mitglieder: Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aus 14 verschiedenen Nationen. Der Präfekt der Kongregation ist Kardinal William Levada, der frühere Erzbischof von San Francisco. Sekretär war bis 2008 Erzbischof Mgr. Angelo Amato S.D.B., sein Nachfolger ist P. Luis Ladaria Ferrer S.J.; Untersekretär P. Joseph Augustine Di Noia OP und Promotor Iustitiae Mons. Charles Scicluna. Derzeit arbeiten 37 Mitarbeiter an der Glaubenskongregation. Das Dikasterium wird von einem Kollegium von 33 Konsultoren beraten. In der Regel sind diese Professoren an den Päpstlichen Fakultäten in Rom.

[Bearbeiten] Präfekten seit 1965

[zuvor führte der Papst selbst den Vorsitz]

[Bearbeiten] weitere Leitung

Sekretär der Kongregation ist seit 2008 Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, Untersekretär P. Joseph Augustine Di Noia

[Bearbeiten] Aufgaben

Papst Johannes Paul II. hat 1988 in der Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie Pastor bonus festgelegt, dass die Glaubenskongregation die Aufgabe hat, "die Glaubens- und Sittenlehre in der ganze katholischen Kirche zu fördern und schützen."

Die Aufgaben sind in drei Bereiche eingeteilt:

  • Der doktrinelle Bereich
  • Der disziplinäre Bereich
  • Die Ehesektion

Seit 19. Januar 2019 übernimmt die Glaubenskongregation die Aufgaben der Kommission Ecclesia Dei. Die Kongregation hat sich ab dieser Zeit direkt um die Wiedereingliederung traditionalistischer Gruppen in die römisch-katholische Kirche zu bemühen, da die von der Kommission behandelten Ziele und Fragen vorwiegend lehrmäßiger Natur seien.[2] Papst Franziskus ernannte im April 2019 Mons. Patrick Descourtieux (einen früheren Mitarbeiter der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“) zum Leiter der Abteilung in der Glaubenskongregation, die für die Verbindung mit den traditionsorientierten Gemeinschaften, die in voller Gemeinschaft mit Rom sind, als auch mit jenen, die außerhalb stehen.[3]

[Bearbeiten] Kontakt

Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation

Piazza del S. Uffizio, 11, 00193 Rom, Italien

phone: (011) 39-06-6988-3357

phone: (011) 39-06-6988-3413

Fax: (011) 39-06-6988-3409

E-mail: cdf@cfaith.va

[Bearbeiten] Zitate

"Auch die Beschäftigung mit der Inquisition kann den Glauben an die göttliche Gründung der Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in den eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und dabei nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein." (P. Eberhardt von Gemmingen SJ)

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Erzbischof Müller: Glaubenskongregation muss Glauben fördern Kath.net am 30. April 2013
  2. Papst löst Kommission 'Ecclesia Dei' auf und regelt Dialog neu Kath.net am 19. Januar 2019
  3. Vatikan: Neuer Ansprechpartner für Traditionalisten Kath.net am 10. April 2019
Meine Werkzeuge