Les événements (Wortlaut)

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Apostolischer Brief
Les événements

von Papst
Leo XIII.
an den Präsidenten der französischen Republik
zur Verteidigung der Rechte der Katholiken

12. Mai 1883

(Quelle : Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Fridolin Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXVI 61-89, S. 2730-2745, Scientia humana Institut Aachen 1976 (Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

1. Maßnahmen gegen Mitglieder des französischen Episkopats und des Klerus und die Proteste des Hl. Stuhls

1 Die Ereignisse, die sich seit einiger Zeit hinsichtlich der religiösen Angelegenheiten in Frankreich abspielen, sowie jene, die sich für die Zukunft vorzubereiten scheinen, erfüllen Uns mit ernster Sorge und tiefem Schmerz. Einzig die Sorge um das Heil der Seelen, für das Wir vor Gott und den Menschen Verantwortung tragen, hat Uns veranlasst, mehrere Male und erst kürzlich noch durch Unseren Kardinalstaatssekretär der Regierung der Republik Unsere Stellungnahme im Zusammenhang mit den gegen verschiedene Mitglieder des französischen Episkopats und des Klerus getroffenen harten Maßnahmen zu übermitteln.

2 Darauf bezieht sich die Note, die der Herr Außenminister am 20. des vergangenen Monats Mai dem Botschafter Frankreichs beim Hl. Stuhl übersandt hat. Wir fanden darin die Erklärungen der Regierung, die die berechtigten Befürchtungen und schmerzlichen Empfindungen des Hl. Stuhls beschwichtigen sollten. Wir sind glücklich, Herr Präsident, Ihnen sagen zu können, wie wertvoll und angenehm Uns die Achtungsbezeugungen vonseiten Ihrer edlen Nation sind, die durch ihre ruhmreichen Traditionen aufs engste mit den christlichen Lebens- und Kulturprinzipien verwachsen ist und durch unzählbare der Kirche und ihrem Oberhaupt seit den frühesten Zeiten geleistete Dienste Gegenstand Unserer ständigen Aufmerksamkeit und ganz besonderen Zuneigung ist.

2. Die Beziehungen des Hl. Stuhls zu Frankreich

3 Indem Wir Unsere Blicke auf diesen so bedeutenden Teil der Herde Jesu Christi richten, machen Wir Uns ihre religiösen Interessen mit wahrhaft väterlicher Sorge zu Unserem Anliegen, und Wir leiden doppelt, wenn Wir sie auf irgendeine Weise bedroht sehen, nicht nur, weil dadurch der Friede und die Ruhe des christlichen Gewissens gestört wird, sondern auch, weil Wir wissen, dass die Wohlfahrt eines Landes aufs engste mit den Interessen der Religion verbunden ist, die Wohlfahrt, die Uns so sehr am Herzen liegt.

4 Dieses Gefühl aktiver Teilnahme am Wohlergehen des französischen Volkes hat stets die Haltung des Apostolischen Stuhls beherrscht, und bei Ihrer Unvoreingenommenheit und Ihrem großen Scharfblick, Herr Präsident, werden Sie selbst die unbezweifelbaren Beweise dafür in den mitfühlenden Aufmerksamkeiten des Hl. Stuhls gegenüber der Regierung Ihres Landes erkennen.

5 Wir brauchen Sie nicht daran zu erinnern, dass der Hl. Stuhl, wann immer er den Wünschen Ihrer Regierung entgegenkommen konnte, sei es bezüglich der inneren Angelegenheiten des Landes, sei es bezüglich des französischen Einflusses im Ausland, es auch ohne Zögern tat, da es immer seine Absicht war, zum Wohl und zur Größe Frankreichs beizutragen. Es sei auch nur am Rande daran erinnert, dass Wir, wann immer die sehr schwere Pflicht Unseres Apostolischen Amtes Uns zwang, Ihrer Regierung Unsere Beschwerden vorzutragen, niemals von den Regeln strengster Mäßigung und Diskretion abgewichen sind, um das Prestige der staatlichen Autorität nicht herabzumindern, das für die öffentliche Ordnung mehr denn je notwendig ist in einer Epoche, in der zahlreiche subversive Strömungen anscheinend heraufbeschworen wurden, um sie zu unterminieren und zu vernichten.

6 Diese stets gleichbleibende und dauernde Haltung des Apostolischen Stuhls hat auch dem erlauchten Episkopat Frankreichs als Verhaltensregel gedient. Denn obwohl er sich mit ernsten Schwierigkeiten und Misshelligkeiten, die durch verschiedene missliche Umstände im religiösen Bereich entstanden waren, auseinandersetzen musste, hat er nichtsdestoweniger Weisheit und Klugheit bewiesen, was die Regierung selbst zu wiederholten Malen anerkannt hat, sei es durch Erklärungen gegenüber Unserem Nuntius in Paris, sei es durch die bereits erwähnte Note des gegenwärtigen Außenministers, in der er zugibt, dass die Zahl der Prälaten, die während der jüngsten Zwischenfälle seiner Ansicht nach die Grenzen des Legalität überschritten haben, verschwindend gering ist.

7 Dasselbe kann man vom niederen Klerus, den Ordens- wie den Weltgeistlichen, sagen, der mit größter Nächstenliebe, Mühewaltung und Hingabe an die Ausübung seines Amtes das Beispiel der Oberhirten nachgeahmt und es sich zur Ehre gemacht hat, durch Akte der Opferbereitschaft und Vaterlandsliebe dazu beizutragen, den Namen und den Ruhm der Nation zu erhöhen sowohl auf dem Territorium des Vaterlandes als auch in fernen Ländern.

8 Diese Haltung des Hl. Stuhls berechtigte Uns zu der Hoffnung, dass die Regierung der Republik ihrerseits gegenüber der Katholischen Kirche eine wohlwollende, freundschaftliche Einstellung einnehmen und zu ihren Gunsten in großzügiger Weise jene Prinzipien echter Freiheit anwenden würde, die zur Grundlage und zum Ziel zu haben, jede weise und kluge Regierung sich zur Ehre anrechnen würde. Jedoch - mit tiefstem Bedauern müssen Wir es sagen - die schmerzlichen Ereignisse, die sich seit einigen Jahren in Frankreich abspielen, entsprechen in keiner Weise Unseren legitimen Erwartungen.

3. Die Rechte der Kirche und ihre Verletzung durch den französischen Staat

Das an den religiösen Orden begangene Unrecht

9 Sie erinnern sich gewiss, Herr Präsident, an die erlassenen strengen Verordnungen gegen verschiedene Orden, von denen man sagte, dass sie von der Regierung nicht anerkannt seien. Französische Bürger, die die Kirche selbst gewissermaßen mit mütterlicher Sorge genährt und in Moral und Kultur allseitig erzogen hat und denen die Nation hervorragende Fortschritte in den theologischen wie profanen Wissenschaften und in der religiösen und moralischen Erziehung des Volkes verdankt, wurden aus ihren friedlichen Wohnstätten vertrieben und gezwungen, fern von ihrer Heimat Zuflucht zu suchen. Diese Maßnahme beraubte Frankreich einer reichen Quelle fleißiger und eifriger Arbeiter, die den Bischöfen und dem Weltklerus in Predigt und Unterricht tatkräftig zur Seite standen; die in Hospitälern und Wohlfahrtseinrichtungen jeder Art von Elend und Not liebevolle Pflege angedeihen ließen; die mit einem Opfergeist, dem selbst die Gegner der Katholischen Kirche mehrfach Ehre erwiesen haben, das Wort und den Beistand der Religion sogar auf die Schlachtfelder trugen.

10 Nachdem die Orden im Landesinnern so schwer getroffen waren und ihre Tätigkeit weitgehend eingestellt werden musste, nahm die Zahl der Glaubensboten, die ins Ausland entsandt wurden, unvermeidlich stetig ab, nicht ohne großen Schaden auch für den Einfluss Frankreichs, den sie weithin förderten, während sie bei weit entfernten Völkern und vor allem im Orient das Evangelium verkündeten.

11 Sie wissen, dass Wir alles getan haben, um ein solches Unglück zu verhindern, weil es nach Unserer Ansicht Frankreich in gleichem Maße wie der Katholischen Kirche schaden würde. Nachdem man Uns bei dieser Gelegenheit mitgeteilt hatte, dass die Anwendung der Dekrete vom 29. März vermieden werden könnte, wenn die Ordensleute in einem ad hoc-Dokument erklären würden, dass sie sich von jeder politischen Bewegung und von jedem Parteigeist feenhaften würden, haben Wir nicht gezögert, einen solchen Vorschlag anzunehmen, der einerseits der katholischen Lehre und der Würde der Orden nicht zuwiderlief, dagegen Uns wieder einmal die Gelegenheit bot, die der konstituierten Autorität geschuldete Achtung einzuschärfen, und die andererseits dazu geeignet schien, wie man Uns hoffen ließ, die Gefahr zu beschwören, die der Kirche und der Gesellschaft drohte. Doch blieben Unsere Bemühungen ohne Erfolg und die erwähnten Dekrete wurden durchgeführt, nicht ohne in den Seelen schmerzliche Erinnerungen zu hinterlassen und Keime neuer Zwistigkeiten für die Zukunft zu legen. Denn wenn das edle und großmütige französische Volk auch gelegentlich bedauerliche Exzesse begeht oder toleriert, so findet es doch, wie die Geschichte zeigt, aufgrund seines gesunden Menschenverstandes früher oder später die Kraft, sie zu verurteilen und dagegen anzugehen.

Ausweisung der Kirche aus Schule und karitativen Institutionen

12 Unser Schmerz und der Schaden für die Katholische Kirche wurden noch vermehrt durch das Gesetz, das den unentbehrlichen traditionellen Religionsunterricht aus den Schulen verbannt, der, solange er bestanden hat, auch für die Kultur des Landes so nützliche und reiche Früchte getragen hat. Umsonst hat der gesamte Espiskopat Frankreichs seinen Unwillen dagegen ausgedrückt; umsonst haben die Familienväter auf dem Rechtswege die Wahrung ihrer Rechte gefordert; umsonst haben uneigennützige Männer, die sich offen zur Republikanischen Partei bekannten, unter ihnen angesehene Persönlichkeiten des politischen und kulturellen Lebens, der Regierung nachgewiesen, wie verhängnisvoll für eine Nation von 32 Millionen Katholiken ein Gesetz sein würde, das die religiöse Erziehung aus den Schulen verbannt, durch die der Mensch die edelsten Impulse und vollkommensten Verhaltensregeln empfängt, um den Schwierigkeiten des Lebens gewachsen zu sein, um die Rechte der Autorität und der Gerechtigkeit zu achten und um die für das häusliche, politische und bürgerliche Leben unerlässlichen Tugenden zu erwerben. Kein Gesichtspunkt war schwerwiegend genug, um den einmal gefassten Entschluss zu ändern, und das Gesetz wurde auf dem gesamten Territorium Frankreichs promulgiert und durchgeführt.

13 Aber selbst durch dieses Entgegenkommen gelang es nicht, die Forderungen der Feinde der Religion zu befriedigen. Im Gegenteil, angespornt durch den Erfolg und entschlossen, ihren Plan zu verwirklichen, aus der Gesellschaft alle religiösen Ideen und Einflüsse verschwinden zu lassen, um danach umso leichter jedes politische Regime und die Grundlagen jedweder staatlichen Verfassung umstürzen zu können, haben dieselben Männer verlangt, dass das heilsame religiöse Element aus den Spitälern, den Kollegien, der Armee, den Wohlfahrtseinrichtungen sowie allen staatlichen Institutionen verbannt werde. Unser Herz blutet beim Anblick der Söhne dieser edlen Nation, die Jahrhunderte hindurch ihre Kraft und ihren Ruhm in den erhabenen Lehren und wohltuenden Praktiken des katholischen Glaubens gefunden hat, der Söhne, die des kostbaren von ihren Vätern empfangenen Erbes beraubt und wider alle Vernunft auf den Weg jener Indifferenz in Glaubenssachen geführt werden, die die Völker zu den beklagenswertesten Exzessen treibt.

Raub der kirchlichen Güter

14 Zu diesem gleichen Plan gehören auch die seit Jahren ständig wiederholten Versuche zur Minderung der materiellen Hilfsquellen, die die Kirche legitimerweise besitzt und die zu ihrem Unterhalt und zur freien Ausübung des Gottesdienstes unentbehrlich sind.

Ehegesetz. Sonderstatus des Klerus

15 Wir können es darüber hinaus nicht unterlassen, Herr Präsident, Sie auf weitere sehr große Gefahren hinzuweisen, die der Katholischen Kirche in Frankreich drohen. Wir wollen zwei Gesetzesentwürfe erwähnen, von denen der eine das heilige Eheband betrifft, der andere den Militärdienst, zu dem man auch den Klerus verpflichten will. Der politische Sinn und die Klugheit der Männer, die an der Macht sind, werden es gewiss nicht zulassen, dass die von Personen, die der Kirche und dem wahren Wohl der Gesellschaft feindlich gegenüberstehen, eingereichten Entwürfe integrierender Bestandteil der Gesetzgebung eines Landes werden, dem in den vergangenen Jahrhunderten nichts so sehr am Herzen gelegen hat, wie die Stabilität und Harmonie in den Familien, das Prinzip und die Grundlage der Stärke und Wohlfahrt der Staaten, zu bewahren und die Ausbildung seines patriotisch gesinnten Klerus zu schützen und zu garantieren, weil es wußte, dass von der sittlichen Haltung, der Bildung und der Aktivität des Klerus das Wohl und die sittliche Würde der Nation abhingen. Wir können nicht glauben, dass man von diesen alten, edlen Traditionen abgehen und in Frankreich Neuerungen bezüglich der Natur und des Charakters der Ehe einführen will, die, abgesehen davon, dass sie der dogmatischen Doktrin der Kirche widersprechen - einer Doktrin, die in keiner Weise verändert werden kann, weil sie von ihrem göttlichen Stifter so umschrieben worden ist -, die traurigsten Folgen in den nichtkatholischen Ländern gezeitigt haben, in denen man häufig das Anwachsen der Zwistigkeiten innerhalb der Familien, die Entwürdigung der Frau, die sehr schweren Nachteile für die Kinder, die Schwächung der häuslichen Gemeinschaft, die Mehrung des Sittenverfalls beklagen musste.

Ausbildung der Kleriker

16 Auch können Wir nicht annehmen, dass man es dahin kommen lassen will, dass die Kirche in die harte Lage versetzt wird, die jungen Leute, die sie auf den Dienst an den Seelen durch einen untadeligen, der erhabenen Berufung entsprechenden Lebenswandel vorbereitet, ihrer mütterlichen Sorge entzogen zu sehen und die geistlichen Bedürfnisse der Gläubigen nicht mehr befriedigen zu können, weil die Priester, deren Zahl schon jetzt gering und unzureichend ist, fehlen.

Der Index und die darauf beruhenden Verpflichtungen

17 Dies waren, Herr Präsident, die hauptsächlichen Ursachen Unseres Schmerzes und Unserer Sorgen, als Wir zur Vermehrung des einen wie der anderen von den strengen Maßnahmen, die die Regierung gegen den Klerus ergriffen hat, erfuhren, sowie von dem Gutachten des Staatsrates, das ohne Bezugnahme auf Geist und Buchstaben des Konkordats der Exekutive das Recht zuerkennt, die Gehälter der Geistlichen und selbst der Bischöfe herabzusetzen oder zu streichen. Wir können nicht verhehlen, dass die Tatsachen Uns auf höchst schmerzliche Weise überrascht haben.

18 Es ist allgemein bekannt, dass, wenn dem Hl. Stuhl irgendein Buch übersandt wird, das im Verdacht steht, falsche Lehren über die Moral und das Dogma der Katholischen Kirche zu enthalten, der Hl. Stuhl, der die Pflicht hat, über die Integrität des Glaubens und der Sitten zu wachen, gewöhnlich das Buch prüft und darüber ein Urteil fällt, ohne irgendeiner irdischen Autorität darüber Rechenschaft zu geben; denn dieses Urteil, das zur internen Seelenführung und Disziplin der Kirche gehört, kann an keinen internationalen Vertrag gebunden sein, da es ausschließlich in die Kompetenz ebendieser Kirche gehört. Was seit den frühesten Jahrhunderten der Antike mit vielen anderen Büchern geschah, ist in gleicher Weise mit den Handbüchern, die Sie kennen, geschehen (Es handelt sich um Schulbücher der neutralen Moral, die indiziert worden waren; der französische Episkopat und der Klerus hatten pflichtgemäß ihren Gebrauch untersagt, und die Regierung hatte diese Maßnahme mit dem Entzug der Gehälter beantwortet). Nachdem feststand, dass sie mit den wahren Prinzipien der Religion nicht übereinstimmten, wurden sie unter die für die Gläubigen verbotenen Bücher eingereiht.

19 Diese Zensur, die, sobald sie in der von der Kirche vorgeschriebenen Weise bekanntgemacht ist, das Gewissen der Katholiken bindet, hat die Bischöfe veranlasst, ihren Gläubigen die diesbezüglichen Pflichten in Erinnerung zu rufen, in gleicher Weise, wie sie es häufig auch bezüglich anderer Vorschriften der göttlichen und kirchlichen Gebote tun. Wir können nicht begreifen, wie die Regierung in diesem Vorfall, der in keiner Weise den Bereich der Religion und der Seelsorge verlassen hat, politische Hintergedanken finden konnte und deshalb strenge Maßnahmen ergriffen hat, gegen die der Apostolische Stuhl immer protestiert hat und die ihresgleichen nur in Zeiten des offenen Kampfes gegen die Kirche gefunden haben.

20 Wir wissen, dass man diese Maßnahmen rechtfertigen wollte mit der Erregung der Gemüter, die durch die Hirtenbriefe der Bischöfe hervorgerufen worden sei, durch den Mangel an Mäßigung in ihrer Sprache und durch die Zwangslage der staatlichen Autorität, die sich gegen die übertriebenen Reaktionen einiger Glieder des Klerus habe zur Wehr setzen müssen.

21 Aber selbst wenn die Motive irgendwie begründet gewesen wären, so bedauern Wir doch vor allem, dass die Regierung der Republik, bevor sie eine so schwerwiegende Maßnahme traf - die wegen der gegen den Episkopat und den Klerus verhängten Strafen in engem Zusammenhang steht mit dem kirchlichen Dotationsrecht, das durch einen feierlichen bilateralen Vertrag sanktioniert ist -, einseitig und ohne vorherige Abstimmung mit dem Apostolischen Stuhl gehandelt hat. Darüber hinaus können Wir es nicht unterlassen darauf hinzuweisen, dass die Beunruhigung der Gemüter nicht durch die Veröffentlichung der Dekrete der Indexkongregation hervorgerufen worden ist, sondern viel weiter zurückliegende Gründe hat, unter denen man an erster Stelle die Tatsache erwähnen muss, dass der Religionsunterricht aus den Schulen verbannt wurde zum unermesslichen Schaden für die heranwachsende Generation und trotz des Einspruchs des gesamten Episkopats und der Familienväter und dass in die Schulbücher Prinzipien Eingang fanden, die mit unserer heiligen Religion unvereinbar sind. Die Regierung selbst, die diese Ereignisse vorausgesehen hatte, hat sich beeilt zu versprechen, dass in den Schulen nichts mit der Religion Unvereinbares, nichts also, was das Gewissen der Jugendlichen und ihrer Eltern verletzen könnte, gelehrt würde. Jedoch, es ist Unsere Pflicht, mit dem Freimut, der Unserem Apostolischen Amt entspricht, zu sagen, dass diese Versprechen nicht erfüllt wurden.

22 Diese schmerzliche, aber unleugbare Tatsache könnte gewisse Akte und gewisse Äußerungen von einigen Mitgliedern des Klerus erklären, bezüglich deren die Regierung glaubt, sich beklagen zu müssen. Angesichts des moralischen Schadens, den die Jugend wegen der Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen erleidet, eines Schadens, der durch Bücher, die die einzig hierfür zuständige Autorität für unvereinbar mit den geheiligten Prinzipien der Religion erklärt hat, noch vermehrt wird, versteht jeder, wie das Herz eines Bischofs, der die Sorge und Verantwortung für die Seelen trägt, überfließen muss von Betrübnis und Bitterkeit.

23 Muss man sich wirklich gegen solche Hirten zur Wehr setzen, so als käme der Angriff und die Herausforderung von ihrer Seite? Man könnte die Notwendigkeit dazu verstehen, wenn die Bischöfe aus dem religiösen Bereich herausgetreten wären und mit der öffentlichen Ordnung unvereinbare Prinzipien geltend gemacht hätten; aber solange sie im Bereich der Gewissensentscheidungen verbleiben und sich bemühen, der Nation den Glauben und die Moral des Evangeliums unverletzt und fehlerlos zu bewahren, woran das französische Volk zu Recht ein lebensentscheidendes Interesse hat, so scheint Uns kein legitimer und hinreichender Grund zu bestehen, um allgemeine Maßnahmen von solcher Tragweite zu ergreifen, die alle Katholiken beunruhigen und verletzen müssen und vor allem den französischen Episkopat, der sich um die Religion und das Vaterland so viele Verdienste erworben hat.

24 Diese Zusammenstellung der hauptsächlichen Schäden, die die katholische Religion in Frankreich erlitten und die ihr in der Zukunft drohen, scheinen eine Ansicht zu bestätigen, die zahlreiche aufmerksame und unvoreingenommene Beobachter der politischen Entwicklung in Ihrem Land vertreten, dass man nämlich im Namen von angeblichen Erfordernissen der Zeit nach und nach den Plan jener Feinde der Kirche verwirklicht, die, indem sie die Kirche zur Feindin erklären, versuchen, die staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen ihrer Einwirkung und ihrem wohltätigen Einfluss zu entziehen.

4. Appell an die Regierung

25 Aus alledem verstehen Sie gewiss, Herr Präsident, wie gerechtfertigt Unsere Befürchtungen und Ängste sind. Wir können nicht umhin, Ihre Aufmerksamkeit auf die betrüblichen Konsequenzen zu lenken, die die Religion und den Staat bedrohen, wenn nicht angemessene Maßnahmen ergriffen werden, um den Frieden in den Gewissen der Gläubigen wiederherzustellen, der Kirche den ungestörten Besitz ihrer Rechte zu sichern und es Uns selbst zu ermöglichen, Unsere väterlich gemäßigte Haltung beizubehalten, die für Ihre Nation so nützlich war, auch im Bereich ihres Einflusses im Ausland, den die französische Regierung, wie sie Uns erst kürzlich mitteilte, im Einvernehmen mit dem Apostolischen Stuhl zu bewahren und zu erweitern wünscht.

26 In einem Augenblick, da alle Nationen, erschreckt durch eine Unzahl von Übeln, die von der wachsenden Verbreitung falscher Doktrinen herrühren, sich dem Papsttum nähern, weil sie wissen, dass es im Besitz wirksamer Mittel ist, um die öffentliche Ordnung und den Sinn für Pflichterfüllung und Gerechtigkeit zu festigen, würde man es als äußerst schmerzlich empfinden, wenn Frankreich, die älteste Tochter der Kirche, in seinem Innern Religionskämpfen Vorschub leisten und dadurch die Einigkeit und Geschlossenheit der Bürger verlieren würde, die in der Vergangenheit das wichtigste Element seiner Lebenskraft und Größe waren. Dieser Verlust würde die Geschichte zu dem Urteil veranlassen, dass die unbedachte Tat eines einzigen Tages in Frankreich die grandiose Arbeit von Jahrhunderten zerstört hat.

27 Wir wollen hoffen, dass die Staatsmänner, die die Geschicke Frankreichs lenken, sich von diesen Ideen leiten lassen, und Wir nehmen als Bürgschaft hierfür die Gefühle, die die eingangs erwähnte Note zum Ausdruck bringt. Wir zweifeln daher nicht, dass sie diese Absichten verwirklichen werden, indem sie Gott den ihm gebührenden Platz in den staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen zurückgeben, indem sie die Autorität und Wirkkraft des Episkopats nicht mindern, sondern im Gegenteil vermehren, indem sie die geheiligten Rechte der kirchlichen Miliz bezüglich des Militärdienstes achten, damit die Aktivität des Klerus im Innern und im Ausland nicht abnimmt, indem sie schließlich verhindern, dass jene Maßnahmen ergriffen werden, die der Kirche schaden und von Feinden der Religion und der Autorität, diesen beiden wichtigsten Grundlagen der sozialen Ordnung und der nationalen Wohlfahrt, geplant worden sind.

Schlussworte und Segen

28 Wir erinnern Uns noch mit Genugtuung, Herr Präsident, an die weisen und hochherzigen Worte, die Sie an Unseren Nuntius gerichtet haben, als dieser die Ehre hatte, Ihnen sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen, und deshalb haben Wir volles Vertrauen, dass aufgrund Ihres großen Einflusses die unschätzbaren Vorteile des religiösen Friedens Frankreich erhalten bleiben.

29 Mit der Hoffnung und dem Wunsch, dass es Ihnen und der ruhmreichen französischen Nation Wohlergehen möge, spenden Wir Ihnen selbst, Ihrer Familie und dem ganzen katholischen Frankreich aus liebevollem Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 12. Mai 1883.
Leo XIII. PP.
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